11. – 13.04.14 Berlin / Astra Kulturhaus – Punk And Disorderly (11.05.2014)

Angelic_Upstarts_01Bevor die Open-Air-Festivalsaison eingeläutet wird, gibt es für alle Punks und Skins noch einen Pflichttermin, das PUNK & DISORDERLY. An altbewährter Stelle, dem Astra Kulturhaus in Berlin, ließen sich MAD Tourbooking auch dieses Jahr nicht lumpen und holten das Who is Who der Oi!- und Punkszene in die Hauptstadt. Für die Leber hieß das drei Tage Schwerstarbeit, aber nüchtern sein kann man ja auf Arbeit.
So begab es sich, dass wir uns am Freitagabend in einer kleinen Gruppe auf machten ins Astra, um das Wochenende einzuläuten. Da bis zum späten Nachmittag Maloche angesagt war, verpassten wir „natürlich“ wieder die ersten Bands in Form von FRONTKICK und CRASHED OUT, aber pünktlich zu KLASSE KRIMINALE hatten wir es dann doch geschafft. Die Italiener legten wie gewohnt ein super Set hin und spielten sich durch ihre Platten. Einzig auf das obligatorische „If the kids are united“ Cover wurde diesmal verzichtet. Warum nur? Die Auflösung folgte etwas später. Dafür gab es eine Version von CLASHs „White Riot“, die auch nicht von schlechten Eltern war. Die folgenden TROTSKIDS straften wir ignoranten Säcke mit nicht anwesend sein. Man musste schließlich der Unterhopfung entgegenwirken und mal einen Blick ins Merchandisezelt werfen. Aber dort gab es wenig Interessantes bzw. nur neue Platten zu erstehen. Kaum Second Hand Sachen und für mich nix Interessantes zu kaufen. Ist aber auch nicht schlimm, bleibt mehr Geld für Getränke. So langsam kamen wir auch auf Betriebstemperatur und spielten Niveaulimbo. Ein dummer Spruch jagte den nächsten. So hätten wir fast noch THE CASUALTIES verpasst, schafften es aber gerade noch so. Ich muss allerdings sagen, von den Amerikanern hatte ich mir mehr erhofft. Zu viel Gedresche und zu eintönig. Danach folgte dann das erste richtige Highlight des PUNK & DISORDERLYs, die ANGELIC UPSTARTS.

Casualties_02Das letzte Mal, als ich die Band live gesehen habe, muss inzwischen über 15 Jahre her sein und damals waren sie großartig, so auch an diesem Abend. Die Band zog ihr Ding durch und dank des charismatischen Mensi brodelte das Astra und alle Hits wurden mitgesungen. Erstaunt war ich über die ganz klaren politischen Aussagen der Jungs auf der Bühne. So hatte ich sie gar nicht in Erinnerung. Da hätten mal einige der Vollidioten im Publikum besser hinhören und nach Haus kacken gehen sollen. Ein Onkelz Shirt oder ein Pulli mit dem Aufdruck „Good Night Any Side“ hat auf einem solchen Konzert einfach nichts zu suchen! Aber bevor ich mich wieder künstlich aufrege, weiter im Text, denn als Abschluss des ersten Abends folgten SHAM 69. Nachdem in den letzten Jahren einige Konzerte, u.a. auch beim PUNK & DISORDERLY abgesagt wurden, hat es nun endlich geklappt und das sogar mit olle Jimmy. Darauf hatte ich soooo lange gewartet und offensichtlich auch viele im Publikum, denn als es losging, gab es kein Halten mehr. Als geborener Entertainer wickelte Pursey die Anwesenden spielerisch um den Finger. Natürlich folgte hier Hit auf Hit auf Hit auf Hit… Es wäre müßig alle aufzuzählen. Wer eine der seltenen Gelegenheiten bekommt SHAM live zu erleben, dem sei ans Herz gelegt, NUTZT SIE! So klang der erste Abend aus und alle gingen selig nach Hause.
Die Pogoschlacht der letzten Nacht noch in den Knochen zog es mich am Samstag wieder ins Kulturhaus, allerdings mit dem beruhigenden Wissen, dass es an diesem Tag für mich weniger anstrengend werden würde. Auf gerade Mal eine Band freute ich mich und die enttäuschten mich auch noch. LION’S LAW werden im Moment überall gehypt und auch ich finde die Songs gar nicht so schlecht. Demzufolge war ich auch gespannt, wie die Franzosen sich auf der Bühne schlagen würden. Doch was sie darboten war eher uninspirierend und folgte den typischen Stereotypen einer ach so harten Band. Schade eigentlich. OHL schenkte ich mir dann, denn Deutscher W. ist mir von jeher unsympathisch und wenn man sie einmal gesehen hat, hat man wirklich genug gesehen. BOOZE & GLORY konnten mich ebenfalls nicht überzeugen, aber dafür BUSTER SHUFFLE.

Klasse_Kriminale_04Bisher hatte ich die Band nicht für voll genommen, aber was die Combo auf der Bühne abzieht, ist echt klasse. Dazu noch einen super Sound, der zugegebenermaßen nicht jedermanns Geschmack sein wird, aber mich hat es echt umgehauen. Anschließend war der Samstag für mich gelaufen, denn THE BUSINESS und STOMPER 98 konnte ich mir nicht mehr anschauen. Was ich aber durchaus verschmerzen kann. Für mich ging es in Richtung Alte Kantine zur Best-Of 80ies, 90ies usw. Party. Wenn die Frau Geburtstag feiert, muss man halt auch mal Kompromisse eingehen.
Dafür hieß es am Sonntag wieder volle Dröhnung Oi!-Punk auf die Ohren. Am Eingang dann aber die erste Überraschung, denn DISCHARGE mussten aufgrund gecancelter Flüge kurzfristig absagen. Obwohl bedauerlich, freute ich mich, denn nach zwei kräfteraubenden Tagen, sehnte ich mich nach einer früheren Heimreise. Doch weit gefehlt, denn die Spielzeiten der Bands wurden so verlegt, dass der Abend trotzdem erst um Mitternacht endete. Also von meiner Seite ein Tipp an den Veranstalter, bitte das nächste Mal lieber eher Schluss machen. Aber sei’s drum, denn der letzte Tag versprach noch Mal eine ordentliche Sause. Erstes Highlight waren THE CRACK, die mit ihrem großartigen „My World“ für erste Verzückungen sorgten. Danach enterten die von mir heißgeliebten THE BONES die Bühnenbretter. Leider schien das Publikum ausgelaugt oder ignorant, denn so richtig Stimmung wollte nicht aufkommen. Mehr als bedauernswert, denn die Jungs gaben alles und rockten sich den Arsch ab. Für einen mehr als würdigen Abschluss des PUNK & DISORDERLY 2014 sorgten dann THE ADICTS. Ihre Show in Worte zu fassen ist zu schwer. Wer sie schon mal gesehen hat, weiß was ich meine und wer noch nicht, sollte sie sich dringend anschauen!
Sham_69_10Dass der nächste Arbeitstag nicht unbedingt mein produktivster war, versteht sich wohl von selbst. Aber die blauen Flecken, müden Knochen, schmerzenden Füße und die allgegenwärtige Müdigkeit waren es auf jeden Fall wert. Danke MAD und ich bin echt gespannt, wie sie nächstes Jahr wieder so ein großartiges Festival hinbekommen oder das diesjährige sogar toppen wollen!?
East Side Daniel

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