Monthly Archives: Juli 2017

Brutal Youth – Sanguine Farbige LP incl. DL (31.07.2017)

(Gunner Records)
Bandname und Cover-Artwork verraten eigenntlich schon wohin die Reise geht. Hardcore-Punk aus den 90ern und den frühen Nullerjahren lässt grüßen. Das Ganze ist schnell, hart und mal mehr und mal weniger rotzig. Auch wenn einige Teile des Albums mir etwas zu clean und melodisch sind, ist das ganze trotzdem ’ne Wucht. Die Songs „Thick as Thieves“ und „Whiteway“haben mir am besten gefallen, aber im Ganzen gesehen ist SANGUINE ein spitzen Album von Brutal Youth. Wer auf gescheiten, pogotauglichen HC-Punk mit Melodie und dem ein oder anderen „Wohohoho“ steht, der kann bei den Kanadiern beherzt zugreifen. 2/Mark

Rancid – Trouble Maker CD (29.07.2017)

(Epitaph)
„Keine Hits drauf“, „Langweilig“, „Zu glatt“, „Kommt nicht an (Lieblings-RANCID Album hier einsetzen) ran“. Die Social Media-Experten geizten nicht mit Häme, hatten in ihrer Allwissenheit blitzschnell ein vernichtendes Urteil gefällt. Was wurde erwartet? Ein 1:1 „Let’s go“-Rip off? Jazzige Speed Metal-Passagen? Slowenische Texte mit schwäbischem Akzent, kaschubische Folklore auf historischem Equipment? „Trouble maker“ ist ein 100 % RANCID-Album geworden. Stärker als „…Honor is all we know“, anders als „Let the dominoes fall“. Keine große Überraschung. Oder doch? Durch die RANCID-Discographie zieht sich ein roter Faden aus Überraschungs-Eiern, die einzelnen Releases sorgten immer wieder für große Kinderaugen. RANCID-Hausregel # 1: Immer schön in Bewegung bleiben, die Gemeinde verwirren, das Erwartete vermeiden. Wir erinnern uns anno 2000 an die unplanmäßige Durchfahrt vom s/t-Express, die „…and out come the wolves“-Fanbase blieb verdattert auf dem Bahnsteig zurück. Alles richtig gemacht, fuck you Erwartungshaltung. Kein Full Customer service, no Picknick here. Und Erwartungen und Vermutungen gab es auch diesmal reichlich: Vor dem Album wurde 2016 der exklusive Sampler-Track „Silence is the only rule“ auf „Oi! ain’t Dead 5“ veröffentlicht. Ein fieser Aggro-Bomber in schönster Meat’n’Potatoes-Bauart, Larsemann hatte hier richtig tief in Millwall Roi’s Glaskugelauge geblickt, den LAST RESORT-Traumzauberbaum gehörig geschüttelt. Überraschung # 1: „Silence is the only rule“ blieb ein einmaliger Ausflug, auf „Trouble maker“ halten sich Tim Timebomb- und Lars Bastard-Vorlieben schön die Waage. Perfekt abgestimmt, professionell kredenzt. Zu perfekt, zu professionell? Jammern auf hohem Niveau. Keine Überraschung # 1: „Trouble maker“ sitzt wie ein Anzug aus der Saville Row, jede Note ist an ihrem Platz, die Riffs und Beats sind präzise platziert. Mit chirurgischer Präzision, handwerkliche Königsklasse inklusive hauseigenem Trademark-Sound: Finest CLASH on streetpunk East Bay update, topped with Rude Boy Reggae tunes. Gekonnt-leichtfüßig aus der Hüfte gezaubert, frei aufgespielt ohne Druck und Zwang. Oder Erwartungshaltung.Fazit: „Trouble maker“ hebt die Punk Rock-Welt nicht aus den Angeln, ist unterhaltsames Popcorn-Sommerkino, High End Entertainment für den Summer of 2017. PS: Wer „…and out come the wolves“ hören will, soll „…and out come the wolves“ auflegen. Wer „Let’s go“ hören will, soll „Let’s go“ auflegen. Und wer Trouble maker“ hören will, kann „Trouble maker“ auflegen. Ganz einfach. PARADISE

Russian Girlfriends – All Around CD/farbige LP incl. DL (28.07.2017)

(Gunner Records)
Aus Albuquerque USA kommt diese Band mit ihrer Debütscheibe um die Ecke spaziert. Die Mitglieder sind allerdings keine unbeschriebenen Blätter und so treffen hier Herrschaften von Koffin Kats, Novembers Doom und anderen Bands aufeinander. Hier mixt man melodischen Punk mit Hardcore und Metal und das ganze klingt auch noch super. Das Ganze ist mir allerdings etwas zu Sauber und zu glatt. Die Melodien sind aber dennoch ansteckend und die Texte sind auch fernab von Plattitüden und alles andere als stumpfer 08/15 Einheitsbrei. Ruhig mal reinhören. 3/Mark

Arthur And The Spooners – Skinhead Spoonstomp CD (28.07.2017)

(Steeltown Records / Contra Records)
Die Berliner kommen nach „all spooned up“ von 2009 nun mit ihrer nächsten Coverorgie von Punk-,Oi!- und Knüppelrockklassikern in launigen Partyskaversionen daher. Songs der 4 Skins, Ruts, Bonecrusher und the Clash um hier nur einige zu nennen werden hier nach allen Regeln der Kunst okkupiert und mal mehr, mal weniger durch den Wolf geschraubt…Sicherlich nix für Traditionalisten, aber dennoch ein ordentliches Release, wenn man schon Spaß an den Originalen hatte und nicht fies ist vor den Uptempo-Ska-Versionen, die hier bisweilen – ich denke mal ironisch – auch etwas „schwierige Kandidaten“ wie z.B. Screwdriver in „skinheads all around“ zitieren. Ich schreibe das an dieser Stelle mal dem üblicherweise etwas derberen Humor der Berliner zu und mache mir da weniger Sorgen um Inhalte, da sich die Truppe auch schon an Billy Bragg und eben auch an o.g. Bands vergangen hat…Punk-,Oi!- und Skafans der zweiten oder dritten Generation werden sich hier wie auch auf dem Vorgängeralbum ganz selbstverständlich wieder finden und nach mehrmaligem Hören hat mich die Platte dann auch in ihren Bann gezogen. Das Ding macht einfach Spaß und belegt schon wegen der Songauswahl und den teilweise abstrusen Versionen (a.c.a.b.) einen exzentrischen Geschmack…Das ist auf jeden Fall unbedingt zu goutieren und landet bei mir bei Note 2……….Kai

The Barstool Preachers – Blatant Propaganda CD/LP (26.07.2017)

(Destiny Records)
Debutalbum der Brightoner Band um Tj McFaull, den Filius Von Colin McFaull, den viele sicherlich noch von Cock Sparrer her kennen. Punkrock, Ska und Reggae Fusion, bei der Punk und Rebellenattitüde weitgehend im Vordergrund stehen. Pate stehen hier inhaltlich und musikalisch klassische britische Punkbands wie Clash oder die Newtown Neurotics neben den großen der 2nd wave of Ska in den späten 70ern und diesem anspruchsvollen Erbe werden die Barstool Preachers auch duraus gerecht. Auf Stücken wie „one fool down“ kriegt man recht schnell mit, daß die Band in England nicht zu Unrecht in den einschlägigen Gazetten abgefeiert wird, da hier einfach alles zu stimmen scheint: Melodien mit hohem Wiedererkennungswert, tanzbare, von McFaull etwas nörgelig vorgetragene größtenteils recht zügige Songs mit geschlagener Hammondorgel und lauten Bläsersets. Obs an der Herkunft, den Genen oder am Talent liegt, vermag ich nicht zu beurteilen, aber klar ist , daß die B.P.s die Latte mit ihrem Debut mal ordentlich hoch gelegt haben. Ich bin gespannt, was aus der Band noch wird…2+……..Kai

Chelsea´s Choice # 1 + 7inch Fanzine (24.07.2017)

(www.chelseaschoice.at)
Bei dieser Erstausgabe wird direkt mal aus den vollen geschöpft und weit besseres zu Papier gebracht als es so manches alteingesessene Fanzine auch nach Jahren nicht schafft. Chapeau! Der Verfasser des Machwerks betitelt sichim Vorwort lediglich als „B.“,was allerlei Raum für Spekulat ionen lässt (Ich tippe übrigens mal vorsichtig auf Bommel vom Oi“-the Print. Aber sicher bin ich mir nicht). Das Heft ist teilweise farbig und sehr übersichtlich gestaltet und auch die Schriftgröße ist angenehm für die Augen. Die Werbung hält sich in Grenzen und die Fotos sind in Top-Qualität. Großartig. Zum Inhalt: Interviews (ohne die üblichen Standardfragen) z.B.mit BONECRUSHER, THEEE SLAYER HIPPIY, THE BAR STOOL PREACHERS, TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN, YOUTH AVOIDERS… ,Storys über Reggae in Indien, einen ehemaligen Skinhead und Hooligan der heute als Bischof arbeitet, dem Hemp Embassy Vienna… und das ganze wird abgerundet von Reviews und diversen Szenegrößen, die über Ihre Tattos erzählen (überhaupt taucht das Thema Tattoos an der einen oder anderen Stelle immer mal wieder auf). Also eine bunt gefüllte erste Ausgabe in der für jeden etwas dabei sein sollte. Hier war wirklich jemand mit Erfahrung am Werk und ich kann es kaum erwarten die nächste Ausgabe irgendwann in den Händen zu halten. Für die Schnellen und Sammelverrückten gibt es auch eine 7“ die sich lohnt dabei. Mehr als gelungene Debütausgabe. 1+/Mark

Mr. Wallace – Breathe Again Digipack CD / DL (21.07.2017)

(Ring of Fire Records)
Drittes Release der 7-köpfigen Band aus Groningen. Seit 2010 haben sich Mr Wallace auf allerlei Festivals und Konzerten europaweit u.a. im Vorprogramm von den Skatelites, Madness oder den Specials einen recht guten Ruf erspielt. Reggae und Uptempo Ska wird hier mit seichtem Pop-Apeal und offensichtlichem Hang zum britischen Twotone-style der späten 70er/frühen 80er Jahre von Sängerin Renske de Boer und ihrem Gefolge schon beinahe massenkompatibel präsentiert ohne dabei irgendwie aufgesetzt zu klingen. Mit Stücken wie „no longer mine“ oder „honey won“t you buy me flowers“ hat man regelrechte Hitkandidaten mit an Bord, deren Ohrwurmcharakter die meisten Songs des Albums allerdings leider nicht alle auf Anhieb teilen.Trotzdem haben wir hier ein stimmiges, rundum angenehmes Album, dem man bei jeder Note anhört, wie viel Freude es der Band macht diese Art von Musik zu spielen und wie akribisch dabei zu Werke gegangen wird. Treibende Offbeats, eine furztrocken angeschlagene Orgel, jedes tschikatschik sitzt auf die Millisekunde, jedes Echo am richtigen Platz…und das, obwohl alles live in einem Raum aufgenommen wurde. Verdientermaßen: …..2……Kai

My Turn – s/t CD (20.07.2017)

(Backbite Records)
Hardcore und Griechenland, zwei Komponenten, die zumindest in meinem Mikrokosmos jetzt nicht soo häufig vorkommen. Zwar sind mir schon ein paar Bands über den Weg gelaufen, aber zu sagen, ich kenne die griechische Szene, wäre gelogen. Ich denke, ich bin auch nicht der einzige, dem das so geht. Das kann sich aber ändern, und zwar mit My Turn. Diese Jungs aus irgendwo in Griechenland bringen jetzt das Vinyl ihrer 2015 digital erschienenen letzten Platte raus und können voll und ganz überzeugen. Ist jetzt nicht wirklich was Besonderes, aber gut gespielter Hardcore, der sich hinter keiner etablierten Band verstecken braucht. Zehn Songs bekommt man um die Ohren gehauen und wenn man Referenzen braucht, würde ich No Turning Back, Black Friday 29 , All for Nothing oder Last Hope nennen. Immer zwischen einem ordentlichen Druck aufs Gaspedal und Mittempo pendelnd moshen die Jungs souverän über die Distanz. Fette Vocals und einige Melodiceinsprängsel und Scratchings, in „Still on our Feet“, sowie Gastsänger von Wolfdown und Last Hope gestalten die Platte angenehm abwechslungsreich. Macht Spaß. Das Teil kommt auf 300 Exemplare limitiert auf drei Labels aus drei verschiedenen Ländern raus, in Deutschland auf Backbite. Sollte man mal gehört haben und kann man sich definitv in den Schrank stellen. Ich werde es machen. 2 ROLAND

Vintersorg – Till Fjälls del II CD (19.07.2017)

(Napalm Records)
Passend zum Anmarsch der neuen „Game of Thrones“ Staffel erscheint auch ein neues Vintersorg Album, das eigentlich ein passender Soundtrack zum nahenden Winter ist. Viontersorg ist ein Duo aus Schweden, dass sich dem Viking Metal verschrieben hat. Black Metal vermischt sich mit Folklore und traditionellem Metal zu einer Mischung, die sich wie Kirmes trifft Geballer anhört. Da werden theatralisch Hymnen geschmettert, hysterisch gekreischt und zwischen Hasenfick Geschrote und akustischen Parts hin und her gewechsellt. Langeweile kommt da nicht auf, zumal in schwedisch gesungen wird, was auch nicht alltäglich ist. Inhaltlich geht es um Naturromantik und nordische Heldensagen, daher passt es tatsächlich gut zu „Game of Thrones“. So weit, so gut. Jetzt kommt mein Aber. Die ganze Platte ist eine Doppel CD mit einer Spieldauer von fast 77 Minuten. Das ist viel, das zieht sich hin. So gut die Ideen für einzelne Songs sind, so wird es auf Dauer echt anstrengend. Da folgt ein orchestraler Part auf das nächste Solo und man denkt, es endet nie. Das soll jetzt nicht heissen, dass die Band ihr Ding schlecht macht, aber für mich wirkt es irgendwann einschläfernd. Ich kann „Till Fjälls del II zumindest nur sehr selten am Stück geniessen. Einzeln sind die Stücke aber sehr gelungen. Menschen mit Faible für Folk und diverse Metal Spielarten definitv zu empfehlen. Kann da leider keine Note geben, da ich nicht der Fachmann bin und der Band wohl nicht fair gegenüber wäre.Antesten ist aber empfohlen. ROLAND

Shirley Holmes – Schnelle Nummern CD (18.07.2017)

(Pearl Division / Broken Silence)
Selten ist mir ein Review so schwer gefallen. Vor mir liegt definitiv eine sehr gute Platte, doch leider bin ich urlaubsreif und super unkreativ. Da hilft ein viel zu langes Promoschreiben auch nicht gerade. Beim nächsten Mal bitte um einiges kürzer. Was macht man also in so einem Fall? Ich weiß es nicht. Ihr müsst mir einfach glauben, es ist eine tolle Platte. Zwei Frauen und ein Typ machen ordentlich Krawall, mit viel Tempo, viel rausgeschriener Wut und noch mehr Energie. Ein fetter Sound sorgt dafür, dass es ordentlich kracht, wenn man die Boxen strapaziert und die Texte sind mehr als unterhaltend. Genauso viel Liebe wie in die Musik, hat die Band auch in das Cover gesteckt, denn ganz im Gegensatz zu mir, strotzt es vor Kreativität – ein Hingucker. Ein großes Sorry an die Band für die wenigen Worte, aber an alle anderen eine klare Kaufempfehlung. Note: 2+ East Side Daniel