Monthly Archives: Oktober 2017

Angelic Upstarts – Bombed Out LP (31.10.2017)

(Mad Butcher Records)
Bombed out ursprünglich 1991 auf Roadracer veröffentlicht ist sicherlich nicht das bekannteste oder populärste Werk der Band um Mensi, der sich schon seit den späten 70ern mit seiner Truppe für den Arbeitskampf, die Rechte der Entmachteten, den Widerstand gegen die NF und andere traditionell linke Themen in deutlichen Worten und Taten einsetzt. Bombed Out ist im Vergleich zu Frühwerken der Band wie teenage warning oder 2 000 000 voices musikalisch etwas komromißvoller geraten und gehört wie ich annehme deshalb zu den unterschätzteren Alben der Upstarts. Die Songs sind größtenteils hymnisch, kämpferisch und Uptempo angelegt, wie auch auf den Vorgängeralben allerdings klingt die Band hier insgesamt gefälliger, produzierter als auf o.g. Alben. Man hört zwar noch immer die Streetpunkroots an jeder Ecke heraus aber die Angelic Upstarts sind auf Bombed Out bereits seit Jahren musikalisch erwachsen geworden und haben gewisse Routinen entwickelt. Trotzdem,weil es eben die Angelic Upstarts sind und wegen Songs wie Stone Faced Killer, Red til Dead oder still fighting kann ich die Platte nur mit 2 bewerten, selbst, wenn es nicht das beste der bereits annähernd 40 produzierten Alben ist, von denen jedes einzelne den Stellenwert der Band innerhalb der Szene von Anfang an belegt………Kai

Fun Is Elsewhere – Different Views EP CD (30.10.2017)

(www.facebook.com/funiselsewhere)
Gerade einmal vier Songs sind auf dieser EP zu finden. Nicht gerade viel um den geneigten Hörer einen Eindruck über die Schaffensphase einer Band zu geben. Beim ersten anhören kann ich mich auch nicht entscheiden, ob die Musik einer besseren Proberaumaufnahme gleichkommt oder ob es sich hierbei eher um eine schlechtere Studioaufnahme handelt. Zwei der gerade mal vier Punkrocksongs (alle übrigens in Englisch) sind mir auch viel zu lang geraten. Anstatt den Song enden zu lassen, zieht man ihn instrumental noch unnötig in die Länge, nur um dann nochmal den Refrain hinterher zu schicken. Halte ich persönlich für unnötig aber die Band wird sich schon was dabei gedacht haben. Das Ganze wirkt leider noch nicht wirklich ausgereift und leider auch in sich nicht stimmig. Aber es ist auch kein totaler Reinfall und ich denke genug Potenzial ist da, um da auch mal einen Kracher nachzulegen. 3- / Mark

DRITTE WAHL INTERVIEW (29.10.2017)

DRITTE WAHL „10“ Alben und kein bisschen leiser

Auf mittlerweile fast 30 Jahre und insgesamt 10 Alben haben es DRITTE WAHL gebracht. Dabei ist ihnen das Kunststück gelungen, keine einzige schlechte Platte zu veröffentlichen. Davon träumt manch andere Band. Ihr neuer, passend mit “10“ betitelter Longplayer ist wieder politischer und weniger „experimentell“ als sein Vorgänger und bietet genügend Stoff für ein paar Fragen, die mir Gunnar bereitwillig per E-Mail beantwortete. Viel Spaß beim Lesen!

Jetzt ist euer neues Album „10“ schon eine Weile draußen und die ersten Konzerte mit den neuen Songs sind gespielt. Wie ist das Feedback bisher?
Die Reaktionen sind sehr positiv. Die neuen Songs scheinen zu gefallen und sie funktionieren live auch schon sehr gut.

„10“ ist wieder deutlich politischer als sein Vorgänger. War es euch ein Bedürfnis, euch mehr zur aktuellen Lage zu äußern? Gibt es einfach zu viel, was schief läuft?
Nein, das ist einfach passiert. Wir haben uns nicht vorgenommen hier politischer zu sein, oder bei „Geblitzdingst“ die Politik zurück zu fahren. Wir hatten jetzt einfach die passenden Ideen.

Davon abgesehen gibt es weit weniger musikalische „Experimente“ als beim Vorgänger „Geblitzdingst“. Wie kam’s?

Das war ähnlich wie bei den Texten. Die Songideen waren anders und wir wollten nicht auf Krampf irgendwelche Experimente einbauen. Obwohl wir mit „Geblitzdingst“ sehr erfolgreich waren, wollten wir das nicht auf Teufel komm raus kopieren. So ist „10“ eine recht „normale“ Punk-Rock Platte geworden.

Die Vorabsingle „Scotty“ kommt schon ziemlich resigniert daher. Seht ihr die Welt wirklich so negativ oder gibt es noch Hoffnung für den blauen Planeten?

So ein Text ist ja oft eine Momentaufnahme, und klar, es gibt schon Momente an denen ich denke „Diese Welt ist nicht mehr zu retten“! Aber das sieht spätestens am nächsten Morgen auch wieder anders aus. „Scotty“ ist ja auch nicht wirklich ein Weltschmerzsong. Da ist ja auch etwas Augenzwinkern dabei.

Mit „Schade“ habt ihr einen eher untypischen Song auf der Platte. Diese Art von Humor verorte ich sonst eher bei WIZO. Wie seid ihr auf den Song gekommen?

Gute Frage! Wenn ich immer wüsste, wie ich auf diesen oder jenen Text gekommen bin, dann würde ich versuchen diese Momente noch einmal zu erzeugen. Bei mir ist es so, dass mir die Texte zufliegen wann sie wollen. Ich muss dann nur noch mitschreiben und hinterher entscheiden wir gemeinsam, ob das zu uns passt. Dabei haben wir uns selbst keinen sehr engen Rahmen gesetzt. Erlaubt ist, was gefällt!

Zu „Zum Licht empor“ habt ihr bereits das dritte Video zu „10“ gemacht. Ich für meinen Teil, fand alle sehr gelungen. Allerdings hab ich einige Stimmen vernommen, die den Song sowohl musikalisch als auch das Video mit RAMMSTEIN vergleichen. Was sagst du zu diesem Vergleich?

Wir haben uns bei dem Song schon absichtlich stilistisch an der „Neuen deutschen Härte“ orientiert. Das passte einfach sehr gut zu dem Text. Wir benutzen diese Ästhetik und halten ihr aber textlich den Spiegel vor.

Einer meiner absoluten Favoriten auf dem Album ist „Der Himmel über uns“ – super eingängig und prädestiniert für Tanzeinlagen auf euren Shows. Warum habt ihr diesen Gute-Laune Sommertrack nicht schon vor der heißen Jahreszeit rausgebracht? Wäre bestimmt eingeschlagen wie eine Bombe und vielleicht wäre es auch ein Radiohit geworden.

Wir wollten den Song nicht als erste Single nehmen, weil dann das Gerede über Pop und Kommerz sofort losgegangen wäre. Als politische Band bekommt man ja von vielen Seiten ein Korsett angelegt, aus dem man sich nicht heraus wagen darf. Da ist so ein „Gute-Laune Song“ für viele schon ein rotes Tuch. Leider war der Zeitplan dann so knapp, dass wir mit dem Lied erst Mitte August kamen.

In „25 Cent“ beschreibt ganz gut die traurige Situation in der einige Menschen unfreiwillig stecken. Das schlimme ist, dass es jeden von uns treffen kann. Hast du manchmal diese Existenzängste?

Ja, diese Augenblicke gibt es, aber zum Glück nicht all zu häufig. Der Song ist übrigens von Holger. Ich finde er hat da ein aktuelles Thema prima in einen super Titel verpackt.

„Wenn ihr wüsstet“ setzt sich gekonnt mit vermeintlichen Wahrheiten auseinander, die bevorzugt im anonymen Netz verbreitet werden. Wie begegnest du Menschen, die dir diese „Wahrheiten“ aufquatschen wollen?

Der zweite Song von Holger. Das Schlimme ist ja heutzutage, dass man mit Argumenten nicht mehr viel ausrichten kann. Ich werde trotzdem nicht müde, meinen eigenen Standpunkt zu vertreten, nur habe ich heute oft das Gefühl, dass ich gegen Wände rede.

Apropos Internet. Es gibt genügend Leute, auch in der Punkszene, die fast ihr gesamtes Leben auf Facebook und Co. posten. Wie stehst du dazu? Du bist dort ja auch aktiv, aber man findet kaum privates.

Ich halte mein Privatleben da weitestgehend raus. Das muss/kann jede/r für sich selbst entscheiden, was sie/er da teilt. Bei der Sammelflut von Facebook und Co. find ich zu viel Privates aber irgendwie gruselig.

Im Ox habe ich gelesen, dass du samt Familie ein halbes Jahr in Nordnorwegen gelebt hast. Auch ich liebe dieses Land und manchmal wünschte ich mir, dass ich mich dort hinbeamen und leben könnte. Steht Auswandern für euch zur Debatte? „Goodbye Deutschland mit einem Musikstar“ hätte doch was.

Es ist tatsächlich nicht ausgeschlossen, dass wir irgendwann ganz in den Norden gehen. Momentan steht das aber nicht zur Debatte. Es war aber ein sehr cooles halbes Jahr auf den Lofoten. Tolle Ecke, nette Menschen – einfach super. Sollte ich den Schritt aber irgendwann tatsächlich wagen, so würde ich das ohne viel Aufsehen und ohne die Öffentlichkeit machen.

Was können wir von den Norwegern lernen?

Die Norweger sind gar nicht so anders wie wir Deutschen. Etwas relaxter vielleicht (gerade was das Wetter betrifft!) und natürlich sehr sozial. Vom Schulwesen könnten wir in Deutschland sicher eine Menge lernen.

Doch zurück zu DRITTE WAHL. Vor ein paar Jahren habt ihr, neben den größeren Läden, auch noch in den kleinen Clubs gespielt. Die stehen jetzt allerdings nicht mehr auf dem Tourprogramm. Warum eigentlich? Ist das logistisch nicht mehr machbar? Wie sieht’s mit einer Clubtour zum 30. Geburtstag aus? Oder noch besser eine paar „Wohnzimmerkonzerte“.

Das Thema „Wohnzimmerkonzerte“ ist ja nun schon etwas abgearbeitet. Da werden wir sicher nicht die 10. oder 11. Auflage hinterher schieben. Insgesamt sind wir in den letzten Jahren so gewachsen, dass kleine Konzerte schwieriger geworden sind. Wir wollen aber auch wieder in unseren Lieblingsclubs spielen. Einen Termin für die „Club-Tour“ gibt es aber noch nicht.

Die letzten Jahre scheinen für deutschen Punkrock super zu laufen. Viele alte Hasen wie SLIME, WIZO oder auch TOXOPLASMA sind zurück aus ihrer Pause. Was meinst du, woran liegt das? Erfordern es die aktuellen Zeiten? Gibt es nicht genügend richtig guten Nachwuchs?

Die Alten haben noch oder wieder Bock zu rocken und sooo viele junge Bands kommen scheinbar nicht nach. Vielleicht ist deutscher Punkrock bei den Kids momentan auch nicht so angesagt!? Bands wie MISSSTAND oder ARSEN machen aber Mut, wie ich finde!

Ihr wart im Gegensatz zu den genannten Bands immer da. Gab es bei euch auch mal Überlegungen eine größere Pause zu machen oder gar sich aufzulösen?

Nein, darüber haben wir noch nicht ernsthaft nachgedacht. Wir haben noch Freude am Musizieren und wir fahren einfach gern miteinander quer durchs Land. Ich hoffe, dass wir noch lange weitermachen!

Abschließend muss ich dich natürlich noch nach deiner Einschätzung des Ergebnisses der Bundestagswahl fragen. Magst du die kurz kommentieren? Was denkst du, kommt jetzt auf uns zu?

Ich war ja durch die Prognosen und Hochrechnungen schon im Vorfeld ganz gut vorbereitet und so hat mich das Ergebnis nicht allzu sehr überrascht. Das heißt natürlich nicht, dass ich das nicht total schrecklich finde! Die „Neue Rechte“ (die ja gar nicht so neu ist) hat also ihre Plattform gefunden. Mich wundert spätestens seit der Trump-Wahl in den USA nichts mehr.

Ist die LINKE eigentlich eine Option für dich? Sie ist bekanntermaßen auch aus der PDS entstanden und zu der hattest du, wenn ich mich recht erinnere, ein gespaltenes Verhältnis.

Tja, warum man eine SED-Nachfolgepartei gründen musste habe ich nie verstanden. Ich weiß aber zum Beispiel auch nicht, was ich von einer Zeitschrift wie der Jungen Welt halten soll!? Namen sind ja nur Außenhüllen, aber trotzdem stehen sie ja draußen dran! In vielen politischen Punkten stimme ich aber mit den LINKEN überein.

Auch wenn ihr euch gerade auf das aktuelle Album konzentriert und wahrscheinlich mehr als genug um die Ohren habt, gibt es doch sicherlich schon Überlegungen, wie man das 30. Jubiläum nächstes Jahr feiert. Kannst du dazu schon was sagen?

Das haben wir tatsächlich noch nicht final entschieden. Wir werden sicherlich was machen, aber genaue Überlegungen gibt es noch nicht.
Vielen lieben Dank für das Interview.

East Side Daniel

P.R.O.B.L.E.M.S. – Doomtown Shakes LP+DL Code/CD/digital (28.10.2017)

(Doomtwon Sounds/Rockstar Records)
Es kommt ja eher selten vor, dass einem eine Band die man nicht kennt beim ersten Hören sofort umhaut. Jedenfalls ist das bei mir so, aber diese Truppe aus Portland hat es definitiv geschafft mit ihrem Album. Das ganze erinnert mich stark an bekannte US HC-, Chaos Punk Bands wie: the Unseen, the Virus, Casualties, A Global Threat… und zig weitere Bands die in dieselbe Kerbe schlagen. Das Ganze ist hier aber teils viel rauer und rotziger und mit einer ordentlichen Portion schmutzigem Rock versehen. Die Instrumente versprühen einen Hauch von AC/DC und Mötley Crüe, den die oben genannten Bands vermissen lassen und das ganze unverkennbar, einzigartig und genial machen. Auch das Cover-Artwork trifft meinen Geschmack voll. Ich kann das Teil uneingeschränkt empfehlen. 1/Mark

Trillionairs – Haunted 7inch (27.10.2017)

(Killjoy Records)
Die Trillionairs stehen mit ihrer Musik zwischen sehr flottem Rockabilly und eher gemäßigtem Psychobilly ohne das ganze Kettensägen und Maskengedöns. Auf „haunted“ geht’s dann erwartungsgemäß eher Richtung Psychobilly: komplett mit Gruselintro, Tempiwechsel und Todesgeschrei im Hintergrund, allerdings alles superclean produziert ohne viel Ekkekthascherei, was sich auch gerade beim Gesang besonders gut macht. Auch die B-Seite ist mit „alcohol“ eine der „guten flipsides“ und nicht einfach eine gute Gelegenheit nicht verwendbares irgendwie unterzubringen…ein großartiger uptempo Tune mit Hicup Gesang und Gitarrenlauf mit hohem Wiedererkennungswert. Tolle Single in witziger Aufmachung…. 2…….Kai

 

The Retarded Rats – I Hate Chocolate Flexi Disc (26.10.2017)

(Killjoy Records)
Auf Flexidisc – an dieser Stelle schon mal eine Zensur rauf, für das wunderbar trashige Medium, was ja grundsätzlich auch gut passt zur Herangehensweise der Retarded Rats. Bereits an anderer Stelle besprochen mag ich diese DIY- Haltung (Killjoy ist wenn man so will das bandeigene Label) und die Art, aufzutreten, ich weiß den guten Geschmack (und auch den schlechten) zu schätzen, mag die trashigen videos auf youtube und das meiste, worauf sich R.T. Mit dem, was sie so tun beziehen aber mir ist das ganze „too far out“. Für Liebhaber trashigen Psychobillys mit Surfgitarren und stellenweise etwas emotionslosem Mädchengesang (haunted rollercoaster style mit viel Hall) ist das hier sicherlich eine gute Wahl – In Konkurrenz zu vergleichbarem wie z.B. Dipsomaniaxe sehe ich die Retarded Rats allerdings bei aller Sympathie musikalisch immer noch im Mittelfeld. Wobei „the head and the axe“ hier besser dasteht als das verhallte „survival“ der B-Seite. Von mir 3……Kai

Alex Mofa Gang – Perspektiven CD+DVD (25.10.2017)

(PeopleLikeYouRecords)
Die neue Scheibe “Perspektiven” der Alex Mofa Gang kommt optisch erstmal sehr hochwertig daher. Ein fettes Digipack, der Druck auf Inside Out Papier und als Bonus noch eine Live-DVD samt obligatorischer Tourdoku. Man hört hier und da die Alex Mofa Gang sei eine Punkband, was jedoch überhaupt nicht zutrifft. Auf “Perspektiven” wird gefällige, sozialverträgliche rockige Popmusik gezaubert, im Stil einer etwas hipperen Ausgabe von Revolverheld. Ab und an blitzt ein etwas indielastiger Hoffnungsschimmer auf, der aber spätestens im Refrain wieder der einfach verdaulichen Popdudelei weicht. Musikalisch ist die die Platte ganz gut gemacht, auch im Studio wurde – so wie es bei massentauglicher Popmusik eben sein muss – ganze Arbeit geleistet, und gehobelt und geschliffen, was das Zeug hält. Inhaltlich ebenfalls eine einschläfernde Geschichte, die stellenweise fast an Gruselkapellen wie Pur oder gar Brings erinnert. Besonders die Art und Weise wie in feinster Deutschpopmanier die Worte beim Singen moduliert werden (z.B äääskaliiiääärt für eskaliert) weckt doch eher abtörnende Assoziationen bei mir. Einige Ausnahmen gibt es. Als ansprechende Songs, inhaltlich wie musikalisch, wären “Kein Wort” und “Der Soziopath” zu nennen.Aufgrund der guten Produktion alles in allem ausreichend (4). GEREON

COR – Leitkultur CD (24.10.017)

(Rügencore Records)
Cor beehren uns zwei Jahre nach „Lieber tot als Sklave“ mit ihrer neuen Platte „Leitkultur“. Schön und gut, ich bin gespannt. Ich muss sagen, ich konnte bis zur letzten Lp mit der Band so gut wie gar nichts anfangen, zumindest was Studioaufnahmen angeht. Live sind sie eine Macht und eine intensive Angelegenheit, nur konnten sie diese Energie für mich nie auf Konserve übertragen. Bei der neuen Platte passt es diesmal aber, der Sound ist gut druckvoll und differenziert. Geboten werden auf „Leitkultur“ elf Songs, die uns Friedemanns Sicht auf die Gesellschaft näherbringen. Da darf sich Jeder von angesprochen fühlen, irgendwo kann man sich definitiv in einem der Lieder wiederfinden. Aber der Reihe nach, eröffnet wird „Leitkultur“ von dem musikalisch eher verhaltenem „Gras“, das vom Umgang des Menschen mit der Natur handelt und mich an diese TV Dokus über die Welt ohne den Menschen erinnert. Der Mensch gestaltet sich die Erde so wie er meint, dass sie sein soll, aber sein Werk ist vergänglich, über alles wird Gras wachsen und er wird irgendwann vergessen sein. Darauf folgen „Gift“ und „Das schöne Leben“, die sich beide mit unserem Konsumverhalten befassen. Während „Gift“ aufzeigt, was die Industrie uns für Dreck als Glück oder Freiheit verkauft, befasst sich „Das schöne Leben“ damit, was wir für unser Konsumverhalten aufgeben. Lebt mal wieder mehr, als nur für Statussymbole arbeiten zu gehen. Das Lied bollert auch ordentlich nach vorne, man merkt die Wut der Band richtig, harte Gitarre, wütender Gesang. So geht es auch im Titeltrack „Leitkultur“ weiter, das Ding hat eine ordentliche Motörhead Kante. Zum Inhalt muss man eigentlich nicht viel sagen, „Leitkultur“ ist in Deutschland ja leider Thema genug gewesen, Cor bieten ihre Variante dazu an. Danach kommt mein Fave der Platte „Die Anderen“. Pack euch mal an die eigene Nase, schiebt es nicht auf die Anderen, wer sind die überhaupt?„Vollkontakt“ klingt so wie es der Titel verspricht, mit Vollgas voll in die Fresse, der Text lässt mich an den Film „Falling Down“ denken. „Erst stirbt die Geduld, dann die Vernunft“…. Dann kommen zwei Hassbatzen, „Propaganda“ und „Sauber“, erinnern an alte sknadinavische Punksongs, schönes Schnell- Langsamspiel mit wütendem Gebrüll.„Spielverderber“ ist eine Hommage an die Szene, an die Leute, die was bewegen. „Getötet“ ist der melancholische Emo Song der Platte. Ruhig, zerbrechlich mit einem Hauch von Selbstresignation.Zum Abschluss wird die Band noch einmal wütend. „Vom Glück das alles endet“ protestiert gegen den Stillstand der Gesellschaft, es muss sich was ändern.Cor haben zwar keine Lösung anzubieten, geben aber genug Denkanstösse, über die man diskutieren kann. Punk zum nachdenken halt. Eine Note fällt hier weg.
Hört Euch die Platte an und unterhaltet euch drüber. Sie ist es mehr als wert und das ist wohl auch das, was die Band möchte. ROLAND

Fleischwolf – s/t Digipack CD (23.10.2017)

(https://www.facebook.com/mettcore/)
Schlagzeuger Ziad (da ja vorher jahrelang für 4 Promille das Schlagzeuig quälte, ist hier mit einer neuen Band am Start, die es wirklich in sich hat. Als die Band (es handelt sich hier um ein Trio) letztes Jahr ein Release Konzert ihrer MCD in Essen gab, wohnte Ich diesem Spektakel bei und war schwer begeistert von der Kombi dieser Band, die aus Musikalischer Power und aus verdammt viel Spass bestand. Nun melden sie sich mit ihrer ersten kompletten CD zurück und knallen Euch 14 Songs in Englisch und Deutsch vor dem Latz, diemir selbst nach dem zwanzigsten Male Hören, immer noch verdammt Spass machen. METTCORE schimpft die Band Ihr Soundgewitter, das ein Mix aus Schweine Metal, Punk Rock, Trash, Hardcore und Krach ist und den manzu einem Gebräu mixt, der schnell Süchtig machen kann. An sich ist dieser Sound nicht wirklich meiner, aber hier passt das alles, warum auch immer, perfekt zusammen, so das Ich beim Hören Spass ohne Ende inne Backen habe. Das Teil läuft seit Wochen in meinem Player und dürfte sicherlich noch einige Runden drehen. Mit „Gerre von Tankhard“ holte man sich auch einen Gast ins Studio, um gemeinsam den Song „Durstig“ einzusingen, von dem es auch ein Video gibt (https://www.youtube.com/watch?v=_f7UFOzIXxs).
Textlich gibbet hier Kritisches „Es kotzt mich an“, „Verkehrte Welt“ und auch Lustiges „Lalalala“ und gecovert wird hier auch noch (Rose Tattoo). Für mich bisher DAS Überraschungsalbum des Jahres und Ich kann Euch nur Raten, Euch mal die Band Live zu geben. Ein TOP Album. FRANK

The Art – The Antidote E.P. 12″ Vinyl (21.10.2017)

(www.facebook.com/theartpunk)
The Art aus Nürnberg bestechen auf ihrer six-track-Ep (obskures Format: 12inch, einseitig bespielt)
mit britisch anmutendem Alte Schule-Punk. Und man orientiert sich hier an den Großen, wie den Undertones, Buzzcocks oder Stiff little fingers, also auch immer bei aller Empörung ein wenig Pop-Attitüde…Das gelingt dem Quartett mit 3 verschiedenen Sängern so dermaßen 1978, daß man es kaum glauben mag. Leider ist die Platte auf 200 Stck limitiert, wie ich hörte – also wer will, der beeile sich. Es lohnt sich in jedem Fall. Wem zum Beispiel die vor einiger Zeit besprochene „Bitter Grounds“ LP gefallen hat, ebenfalls mehrstimmig eingesungen, ebenfalls eher oldschoolig, ebenfalls sehr hoher Wiedererkennungswert durch einen recht markanten Stil, der sich durch das gesamte Repertoire bricht, der wird hier glücklich. Seit langem mal wieder was richtig eindeutiges. Von mir 2+…….Kai