Daily Archives: 18. Oktober 2017

SLIME – Hier und Jetzt LP/CD (18.10.2017)

(People Like You Recors)
Da ist es nun endlich, das zweite SLIME Album nach der zweiten Reunion. Beim Vorgänger „Sich fügen heißt lügen“ haben sie sich textlich noch bei Erich Mühsam bedient, was ihnen manche Zeitgenossen als mangelnde Kreativität auslegten. Dieses Mal hat ich die Band an neue eigene Texte gewagt und beweisen jedem Kritiker, dass sie es noch drauf haben. Inhaltlich ist „Hier und Jetzt“ eine wütende Bestandsaufnahme der heutigen Zeit und schafft es zum Glück (größtenteils) auf klischeehafte, ausgelutschte Formulierungen zu verzichten. Natürlich greifen sie das auf, was momentan schiefläuft, wie z. B. die Gentrifizierung („Ich kann die Elbe nicht mehr sehen“), Patriotismus („Patrioten“) oder auch mangelnde Courage in Zeiten, in denen es so wichtige wäre, diese zu zeigen („Die Stummen“). Und genau dafür liebe ich SLIME, dass sie den Finger in die offene Wunde legen! Musikalisch gibt es hier aus meiner Sicht gar nichts zu meckern, auch wenn ich zur Singleauskopplung „Unsere Lieder“ ein geteiltes Echo vernommen habe – angefangen von „großartig“ bis hin zu „lahmer Altherrenrock“ war alles dabei. Selbst ich muss zugeben, dass ich bei den ersten Durchläufen der Single ein klein wenig Bedenken hatte, dass sie es nicht geschafft haben, so wütend zu klingen, wie sie es vielleicht gern würden. Mit der Zeit hat mich der Song aber doch mitgerissen. Wer seine Zweifel aber nicht loswerden konnte, den kann ich beruhigen, denn das Album klingt super. Songs wie „Brandstifter“ oder „Für alle Zeit“ strotzen nur so vor Energie und blasen alles weg. Besser hätten sie an frühere Tage nicht anknüpfen können. Für die nötige Abwechslung sorgen Lieder wie „Hier und Jetzt“ oder „Spinner“, bei denen etwas ruhigere Töne angeschlagen werden. Auch die Produktion ist über jede Kritik erhaben. Der Spagat zwischen erwartet dreckig und sauber genug, ist ihnen bei den Aufnahmen hervorragend gelungen. SLIME beweisen mit „Hier und Jetzt“ erneut, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören und es wichtiger denn je ist, dass es sie gibt. Sie liefern den perfekten Soundtrack zur aktuellen Lage und den hier herrschenden Missständen! Note: 1 East Side Daniel