Monthly Archives: November 2017

GBH – Momentum CD (22.11.2017)

(Epitaph)
Zu den englischen Punk-Urgesteinen muss man glaube ich nicht mehr viel sagen. Von Ihren, seit 1978 veröffentlichten 11 Alben und unzähligen Singles, sind heute einige (speziell die ersten beiden) absoluter Kult und haben seit dieser Zeit eine Menge Einfluss auf Punkbands überall auf dem Globus und haben das Genre Hardcore-Punk maßgeblich beeinflusst und mitgestaltet. Im November 2017 gibt es also das nächste Album mit dem Titel: Momentum. 12 Songs die mir beim ersten Durchlauf schon gut gefallen und auch beim erneuten hören nicht weniger zu begeistern wissen. Solider U.K Hardcore Punk mit Metalkante, wie man ihn erwartet. Nicht so geil und in den Ohren hängenbleibend wie die ersten Alben, aber ein wenig besser als die letzten. Ich fand es Klasse und mir gefallen GBH auch in 2017 immer noch. 1- / Mark

Sitka – Zugvogel CD (20.11.2017)

(Flowerstreet Records / Finest Noise)
Tja was soll man dazu sagen?Ehrlich gesagt weiss ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht was genau ich von der eigenwilligen Kreation der Schwaben von SITKA halten soll.Entweder ist es ein irres Zufallsprodukt oder eine wirklich kreative Idee.Beim hören ihres Albums “Zugvogel” wird schnell klar: Hier passiert etwas völlig eigenständiges,wenn nicht gar spektakulär brandneues.Mit hörbarer Spielfreude holzen sich die Schwaben durch ihr Album.Geboten wird eine Mischung aus Krautrock, 70er Rock, Punk, Blues, Rock´n Roll, die angenehm sperrig und eigensinnig daher kommt.Die Vocals erinnern mich hin und wieder an die Vocals von Michael Rhein , dem Sänger der Mittelalterrockband In extremo. Hier greift wohl wieder der Grundsatz: Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.Abgefahren wird es dort wo Funk- und Reggeaeelemente auf dem Album durchblitzen.Die Texte bieten einen hohen Interpretationsspielraum, und könnten sogar tatsächlich relativ geistreich gehalten sein. Ganz sicher bin ich mir auch hier hinsichtlich der Intention ebenfalls noch nicht.Die Instrumente werden fachmänisch bedient, jedoch würde SITKA, sollte die Verwirrung und Sperrigkeit tatsächlich Konzept sein, eine gute Portion Progressivität zusätzlich bei all dem Mischmasch noch gut stehen. (Mal mit nem eingestreuten 7/8 Takt die Party sprengen dürfte doch drin sein, jungs! ;-))Am besten gefallen mir die ersten beiden Songs “Haiattacke” und “Gieraffe”, danach fällt das Album in Punkto Power leider etwas ab.Wie ich schon eingangs erwähnte weiß ich noch nicht so ganz ob ich es mit einer zufällig gut gelungenen Verwirrung oder einem Anflug von Genialität zu tun habe,in optimistischer Hoffnung auf die Genialität bewerte ich das Album mit einer 2 GEREON

Stage Of Reality – s/t CD (18.11.2017)

(Rock Avenue U.S.A.)
Harte Kost für meine Ohren bieten Stage of Reality auf ihrem selbstbetitelten Zweitwerk. Ich mag ja Metal wirklich gerne, aber er sollte schnell und dreckig sein. Stage of Reality spielen allerdings eine der langweiligsten Versionen, behäbig , im Midtempo versackend, so vor sich hinstampfend. Einfach nicht meine Welt. Los geht es mit dem Opener „Spectral Drum Down“, der mit seinem Refrain schon unwahrscheinlich nervend ist, eine Textzeile einfach tausendmal zu wiederholen macht einen Song nicht griffiger! Danach stampft die Band weiter durch ihre Songs. Teilweise peppt sie sie mit dezentem Keyboardgepiepe auf oder holt sich, wie in „Warlord“, mit Blaze Bayley (der durfte mal auf zwei Maiden Platten mitmachen) einen Gastsänger hinzu. In „Wake up“ versucht die Band modern und groovy zu klingen, so mit 90er Jahre Sprechgesang und abgehackten Riffs. Klingt aber trotzdem nur nach Baumarkteröffnung, Es geht auch mal in gut, „Never“ ist eine siebenminütge Powerballade, die tatsächlich Spaß macht. Tempiwechsel, gute Soli halten den Song interessant. Bitte in der Richtung weitermachen. Danke. Kommen wir aber nun zum absoulten Tiefpunkt der Scheibe. Oft sind Coverversionen ja Highlights, die einiges rausreißen, aber auch da versagen Stage of Reality für mich auf ganzer Linie. Ok, sich an „Back in Black“ von Amy Winehouse zu versuchen ist auch schon eine heftige Hausnummer. Sollte man auch lieber sein lassen Die Version hier fängt die Atmosphäre des Originals nicht annähernd ein, vom Scheitern am Gesang ganz zu schweigen, da hilft auch die Sirene Amanda Somervill von Avantasia zu verpflichten. Ganz großes Scheitern, eigentlich eher zum kotzen. Liebe Italiener, spielt weiterhin Power Metal, singt über Drachen oder spielt Doom Metal. Das könnt ihr, aber erspart mir so eine Grütze wie diese Platte hier. Weil der Drummer ganz gut ist, noch 4 ROLAND

V.A.: Brutal Vision Vol.3 CD (17.11.2017)

(Noizgate Records / www.noizgate.com)
Mit dem Brutal Vision Sampler legt Noizegate Records schon ein amtliches Teil vor. 34 Bands aus diversen Ländern vereinen sich, um mit metallischen Klängen für Weltfrieden zu sorgen. Die Cro Mags sind da zwar seit jeher der Ansicht, dass das nicht machbar ist, aber man muss der neuen Generation auch ihre Chance lassen. Zuätzlich zu Labelbands konnten sich Bands um Slots auf der Cd bewerben, was 317 laut Info auch taten und von denen einige jetzt hier vertreten sind. Was gibt es denn so zu hören? Generell orientiert sich der Sampler an der Generation, für die Metal aus Stretchjeans, bunten Basecaps und grellen Tshirts besteht. Also der Generation Eskimo Callboy und in diese Richtung tendieren viele Bands hier auch. Midtempo Songs mit poppigen Refrains und zwischenzeitlichem Gegrowle. Das ist nicht so wirklich meine Welt, aber ich kann den Sampler ohne kotzen zu müssen, gut hören. Auffallend ist, dass die Produktionen alle sehr ordentlich und druckvoll sind, die Growls, im Death Metal Vergleich, meistens eher nur zweitligatauglich sind. Für mich können da viele der Bands drauf verzichten und auf stärkeren Klargesang setzen. Bei 34 Bands sind mir auch nach mehrmaligem Hören bestimmt einige Perlen entgangen, aber die Highlights für mich sind definitiv Groovenom (auf die stehe ich eh), UGF (böse Sludgecore Attacke), Amplified Hate (eher alte Schule als Metalcore), Arise from the Fallen und Alligator Rodeo. Aber es ist für jeden modernen Metalgeschmack was dabei. Daher kommt der Sampler in einem hippieäsken Digipack mit Peacezeichen und Blümchen. Finde ich nett. Die Zukunft gehört dem Flamingo! 2 ROLAND

V.A.: Saving souls with Rocknroll CD (16.11.2017)

(Wolverine Records)
25 Jahre treibt das Label aus dem Duisburger Süden, an der Grenze zu Düsseldorf schon sein Unwesen. Hier kommt nun der neuste Label Sampler mit 22 Tracks: Gestartet wird hier mit THE MAHONES, die ordentlich vorlegen mit einer guten Portion Punkrock im californischen Stil. Weiter geht’s mit THE BLOODSTRINGS die hier mit ihrem Punkabilly Sound glänzten, das Ganze Female fronted. BOY die Tschechen legen nach, mit schönen singalong Punkrock. Der vierte Track kommt von THE SILVER SHINE, hier wird Rock’n’Roll mit einer Prise Punk serviert. Als nächstes folgt die Düsseldorfer Punkband KOPFECHO, schön rotziger deutscher Punkrock mit Sängerin. MALASANERS hier bekommt Irish Folk Punk, der sehr gut in Szene gesetzt wurde. Die nächste Band RENO DIVORCE legt hier mit glatten popigen Punk nach, der super ins Ohr geht, als wenn man es schon mal gehört hätte. THE CABLE BUGS hauen hier direkt ne richtige fette Rock’n’Roll Nummer hinter her, da fühlt man sich direkt ein paar Jahre zurück versetzt. Die nächste Band haut hier, einen voller Energie protzenden Track um die Ohren, kraftvoller weiblicher Gesang von BARB WIRE DOLLS. THE HELLFREAKS also nächstes kommen mit abwechslungreichen Female Punkrock daher. Der nächste Titel von BASTARD ON PARADE schlägt dagegen, ganz andere Töne an, hier wird der Irish Folk Fan glücklich werden. LOTA RED hauen uns feinsten Rock’n’Roll aus den Boxen. Jetzt kommt eine Mischung aus Biker Attitude mit schönen rotzigen Rock‘n’Roll und das von LUCIFER STAR MASCHINE. Psycobilly Klänge kommen jetzt die eine gute Abwechslung bieten von NIGHT NURSE. THE BOYS liefern hier schwer zu beschreiben, ich würde es grob in den Rock Bereich einordnen. THE REDNECK ZOMBIES kommen hier mit einem Mix aus Rock‘n’Roll, Punk und etwas Psycobilly daher. H-BOMB HOLIDAY CAMP spielen Punkrock nicht zu glatt gebügelt. Als nächstes kommt Psycobilly aus Frankreich von THE WOLFGANGS. Natürlich darf hier sowas in Richtung Horrorpunk auch nicht fehlen, obwohl der Track zum Ende hin eher Richtung Psycobilly geht und der kommt von THE DEVIL‘N’US. JAMIE CLARKE’S PERFECT schlagen da schon sanftere Töne an mit einer Mischung aus Folk und einem Hauch Rock. Langsam kommen wir auch zum Ende und der vorletzte Song kommt von PUSSYCAT KILL die hier so ein bisschen nach Distillers klingen, sehr geil. Zu guter Letzt kommt CHRIS VON DER DÜSSEL mit einem Akustik Song, super Abschluss eines schönen abwechslungsreichen Sampler. David

 

Weekly Carouse LP (15.11.2017)

(https://www.facebook.com/WeeklyCarouseOfficialPage/)
Weekly Carouse ist eine 4-köpfige Punkrockband aua Voerde. Das Album Weekly Carouse, erschien am 25.April als Digitales Streaming Album und Download Code. 14-Titel befinden sich auf dem Album, wobei der erste Song ein Kurzes Elektro Intro ist und das 2te Stück Instrumental. Ab dem dritten Song “white men su ck“  gibt es schönen flotten Punkrock auf die Ohren, der wirklich gut produziert ist und die Stimme des Sängers gut rauskommt, der bei einigen Songs durch Backing Vocals unterstützt wird. Texte sind teils Englisch, teils Deutsch wobei mir beide gefallen. Meine ersten Anspieltipps wären “Du stinkst“ , “das Leben der Anderen“ ( schöner Text zum Thema sich für andere verstellen und nicht sein eigenes Leben leben) und “Punkrock“ , der zwischenzeitlich ruhiger rüberkommt und sich gegen das früher war alles besser gerede und belehren wollen im Punkbereich richtet. Auch gut gefallen hat mir das Bob Dylan Cover “ Don`t think twice“. Alles in allem ein prima Album was nicht langweilig wird und man ruhig auf Dauerschleife laufen lassen kann daher gibts von mir ne 2+ Eddie Sharp

All Will Know – Infinitas CD (14.11.2017)

(Noizgate Records / www.noizgate.com)
All Will Know kommen aus Darmstadt und sind mit „Infinitas“ jetzt mit ihrem dritten Album am Start. Geboten wird moderner Melodic Metal. Das soll heissen, es gibt Songs mit poppigen Refrains, die sich sofort ins Ohr fräsen und rauheren Strophen. Das ganze wird mit einem unaufdringlichen, aber gut zu vernehmenden Keyboardteppich unterlegt und, zack, hat man eine gefällige Platte. Los geht es mit „Behind your Mask“, bei dem obiges Konzept bestens funktioniert und gleich das erste Highlight bildet. „The Circle never ends“ ist ein weiteres. In etwas über sechs Minuten zeigt die Band ihr ganzes Potential, variable Vocals, gute Tempiwechsel, Soli und fette Doublebass. Top Song!„Age of Paranoia“ kommt eher hymnisch daher, irgendwie wie ein moderner Helloween Song. Hat definitv auch was. Bei „Beyond the Fears“ gibt es dann mal wieder was Zwischengas, steht All Will Know auch sehr gut. „Cold Realities“ zeigt die traditionelle Seite der Band, klassischer Metalsong, den auch Hammerfall hätten schreiben dürfen. Zum Abschluss gibt es dann noch einen spanisch angehauchten Akustik Song, der die Platte entspannt ausklingen lässt. Das Saxophon hätte man sich sparen können, aber passt ansonsten schon.„Infinitas“ ist eine absolut abwechlungsreiche Scheibe, die auf hohem Niveau viele Facetten der Metalwelt abdeckt und mich nur bei „Stain the White“ abschreckt, da in dem Song die Keyboards zu sehr im Vordergrund stehen und mir das Lied im Allgemeinen zu schwülstig rüberkommt. Aber ein Ausfall soll die Qualität der Band nicht schmälern. Starke Platte zum Jahresende, sollte der geneigte Metaller auf jeden Fall mal reinhören. 2 ROLAND

 

Huelse – Im Kreis gedreht und jetzt im Krieg 12” Vinyl inkl. DL (13.11.2017)

(Bakraufarfita Records)
Ich freue mich immer über Vinyl als Reviewmaterial! Der einzige Haken an der Sache ist, dass es mir schwer fällt, so eine Platte zu verreißen. Im Fall von HUELSE bleibt mir aber kaum etwas anderes übrig. Okay, eine komplette Verschwendung des schwarzen Goldes ist es nicht, aber eine Beschränkung auf Singlelänge, um die Ressource Vinyl zu sparen, hätte es auch getan. Bei insgesamt sechs Songs, wäre das sicherlich möglich gewesen. Den ersten Song „Trauma“ hätte man sich z. B. getrost sparen können. In meinen Ohren klingt er wie ein unausgegorener Klangbrei, mit gelegentlich eingestreuten Wortfetzen. Der Aufbau eines Spannungsbogens misslingt hier. Das sich anschließende „Horstgedanken“ hingegen gefällt mir recht gut. Angenehm aggressiv dröhnt die schrammelige Gitarre aus den Boxen, unterstützt durch einen wütenden Gesang. Mehr solche Tracks hätten der Scheibe gutgetan. Beim Rest gibt es aber kaum brauchbares, bis auf „Neuer Herbst“ vielleicht. Mein Ding ist „Im Kreis gedreht und jetzt im Krieg“ absolut nicht, aber Fans von LOVE A, MESSER oder auch DACKELBLUT werden hieran bestimmt ihre Freude haben. East Side Daniel: 4

KALTFRONT Interview (12.11.2017)

KALTFRONT – „wenn es dunkel wird“ klingen sie am besten

Schon vor ein paar Wochen erschien mit „wenn es dunkel wird“ die neue Scheibe von KALTFRONT. Im Vergleich zum Vorgänger klingt das Album etwas düsterer, sprüht aber dennoch vor Energie und Spielfreude. KALTFRONT anno 2017 klingen eingespielter und „ausgereifter“ bzw. so, wie sie laut eigener Aussage, klingen wollen. Da seit dem letzten Interview schon einige Jahre vergangen sind und das neue Werk so manch spannendes Thema zu bieten hat, war es mal wieder an der Zeit, mich auf den aktuellsten Stand zu bringen. Rede und Antwort stand mir Jörg. Also viel Freude beim Lesen!

„wenn es dunkel wird“ ist nach über 5 Jahren wieder ein Lebenszeichen von euch. Warum habt ihr eure Fans so lange warten lassen?
Ich glaube nicht, dass es in dieser Zeit zu wenig Lebenszeichen von uns gab. Wir haben für unsere Verhältnisse relativ oft live gespielt (auch im sozialistischen Bruderland und im Westen). 2015 erschien bei Rundling die LP „Holiday im Niemandsland“ mit restaurierten alten Songs aus den 80er Jahren, zum ersten Mal auf Vinyl. Mit den Aufnahmen für die neue Platte haben wir vor zwei Jahren begonnen. Insgesamt haben wir nur zwei Aufnahmesessions benötigt, eine im Herbst 2015 und eine im Herbst 2016. Overdubs aufnehmen, Mischen und Mastern wurde bis Ende Januar 2017 erledigt. Das ging doch eigentlich ganz flott. Die Herstellung der LPs hat dann aber bis Juni 2017 gedauert.

Obwohl ihr noch nie eine „Fun-Punk“ Band wart, klingt der Name der Platte auch für euch recht traurig und hoffnungslos. Erwarten uns jetzt depressive Songs von einer düster dreinblickenden Band?
Es wird am Ende jeden Tages dunkel, ohne dass dann gleich die Welt untergeht. Die Frage ist, was in den Titel hinein interpretiert wird. Es geht uns nicht darum, auf Krampf depressive Musik zu machen. Aber wie du schon sagst, sind wir auch nicht unbedingt die lustigste Band der Welt. Für positive Themen fehlt uns vielleicht der Optimismus. Ob du es jetzt glaubst oder nicht, wir haben durchaus Humor. Aber der ist ziemlich schwarz. Die meisten, die KALTFRONT kennen, wissen was sie erwartet und können das, was wir machen, gut einordnen.

Insgesamt vier neue Stücke haben es auf das Album geschafft. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass ihr ausgebrannt seid. Was würdest du diesen Leuten entgegensetzen?
Wieso „böse Zungen“? Manchmal sind wir wirklich ausgebrannt, lustlos und übersättigt. Es ist ja nicht so, dass diese Band unser einziger Lebensinhalt ist. Der Alltag ist stressig, so dass oft nicht viel Zeit und Muße für Musik übrig bleibt. Wir als Band haben aber auch nicht die Intention, aller zwei Jahre eine Platte mit neuen Songs raus zu bringen. Zum Glück stecken wir nicht in so einer Mühle. Wir sind eher eine Hobbyband, der es durchaus Spaß macht, mit dem eigenen „Altmaterial“ herum zu experimentieren. Ob das den Leuten gefällt, ist uns wurscht. Wir machen das in erster Linie für uns selbst.

Neben den neuen Liedern gibt es noch neun bekannte KALTFRONT Songs. Warum habt ihr die Stücke noch einmal neu aufgenommen und ein ganzes Album gemacht? Man hätte aus den vier neuen Tracks ja durchaus auch eine Single machen können. 
Hätte man können. Aber wir wollten ein Album machen, mit neuen Liedern und alten, die wir endlich unter ordentlichen Bedingungen aufnehmen konnten. Letztlich war dann kein Platz mehr übrig für weitere neue Lieder, denn auf Vinyl passen nur ca. 20 Minuten pro Seite. Priorität hatten für uns die neuen Versionen alter Songs. Wir finden, dass einige viel mehr Potential haben, als auf den alten Proberaumaufnahmen rüber kommt. Das musste erstmal abgearbeitet werden. Für neue Songs gibt es perspektivisch noch genug Gelegenheit. Wer sich „wenn es dunkel wird“ anhört, wird merken, dass wir die alten Songs textlich und musikalisch überarbeitet und teilweise auch harmonisch verändert haben, wie zum Beispiel „Horror Video“. „N.O.T.“ hat endlich eine zweite Strophe, „Koerper“ hat einen neuen Refrain. Wichtig waren auch die Einflüsse, die die neuen Bandmitglieder eingebracht haben. Jetzt klingen die Songs so, wie sie immer klingen sollten. Ich finde, es hat sich gelohnt. Alles passt zusammen. Hör dir die Platte einfach mal an, ohne zu grübeln, was ein alter oder was ein neuer Song sein könnte.

Wer sind denn die oben erwähnten neuen Bandmitglieder?
Willi Löffler spielt seit 2012 Gitarre. Am Schlagzeug gab es mehrere Veränderungen. Olli Kunze war seit 2015 dabei und hat das Album eingespielt. Aber seit Ende 2016 trommelt Steffen Thiede. Das Erstaunliche für mich war, dass sie alle eine klare Vorstellung hatten, was den typischen KALTFRONT-Spirit ausmacht. Sie haben sich an den Wurzeln orientiert, aber dazu auch gehörig frischen Wind reingebracht. Wahrscheinlich hat uns das davor bewahrt, als pomadige Altherren-Ostpunk-Revivalband zu enden.

In „Alles über dich“ beschreibt ihr sehr gut die Datensammelwut der großen Konzerne wie Google und wie gläsern wir heutzutage alle sind. Kann man sich dagegen eigentlich noch wehren oder muss man es einfach hinnehmen? 
Vieles wäre sicherer, wenn wir „analoger“ leben würden. Aber die digitale Welt ist verlockend. Sie erweckt den Eindruck, dass alles einfacher wird. Aber das ist nur oberflächlich so. Es gibt zu viele „undichte Stellen“ in dem System, bzw. Fallen, in die man leicht hineintappen kann. Bei all dem ist jede/r selbst dafür verantwortlich, was er/sie von sich Preis gibt. Man sollte sich darüber klar sein, dass nicht nur Elefanten nichts vergessen, sondern auch das Internet! Aber ich freue mich immer, wenn ich daran erinnert werde, wo ich neues Viagra bestellen kann. Danke Internet!

Hat man es wirklich selbst in der Hand, wie viel man von sich preisgibt?
Ich finde, man muss nicht unbedingt auf jeden Zug aufspringen. Aber wahrscheinlich bin ich da nicht der richtige Ansprechpartner. Ich stamme ja aus dem Pre-Computer-Zeitalter und habe den ganzen Quatsch bis heute nicht richtig verstanden. Privat nutze ich keine sozialen Netzwerke. Nicht nur wegen der Sicherheitsbedenken, sondern vor allem, weil es mich nicht interessiert. Mein Bedürfnis auf diese Art zu kommunizieren, hält sich arg in Grenzen.

Seid ihr eigentlich auf Facebook, Twitter und Co. unterwegs? Da erfährt man so einiges über Leute, auch viele Sachen, die man eigentlich gar nicht wissen will. Was haltet ihr davon, wenn Menschen alle Welt an jeder Kleinigkeit teilhaben lassen?
Als Band sind wir notgedrungen auf Facebook. Das ist schon ganz gut, um Neuigkeiten, z. B. Konzerttermine, zu verkünden. Darum kümmern sich die Jüngeren in der Band. Ich selber habe gar keinen Zugang zu unserem Facebook-Profil. Wie andere Menschen damit umgehen, ist deren Sache. Ich kriege zum Glück gar nicht so viel mit, woran Manche die Welt teilhaben lassen, weil ich diese Plattformen nicht frequentiere. Allgemein wäre es vielleicht ganz gut, wenn „Internetverhalten“ als Pflichtfach in der Schule unterrichtet werden würde.

Zum Abschluss noch obligatorisch die Frage: Was liegt demnächst bei euch an und was wollt ihr den Lesern noch sagen?
Demnächst liegen erstmal ein paar Konzerte an. Im Verlauf des Jahres werden auch neue Songs zu hören sein. Ich könnte mir vorstellen, dass wir nächstes Jahr wieder ins Studio gehen. Wann genügend Material für eine neue Platte da sein wird, weiß ich noch nicht. Ich würde aber mal davon ausgehen, dass es nicht wieder fünf Jahre dauern wird. Was wir den Lesern sagen wollen: fahrt vorsichtig, baut keine Scheiße und ernährt euch gesund!

Vielen lieben Dank für das Interview und ich freue mich auf das nächste Konzert!
East Side Daniel

The Lillingtons – Stella Sapiente CD (11.11.2017)

(Fat Wreck Chords)
Sie sind zurück! Die Vorfreude ist gross, die zweite Punkrockband von Kody Templeman, welche in der Vergangenheit die alte Lookout! Schule verkörperte und den Poppunk mit Themen aus Horror und SciFi Filmen der B-Movies verband. Die Band spielt sozusagen eine Mischung aus Screeching Weasel und Misfits. Dennoch hat sich etwas geändert, diese Leichtig- und Fähigkeit unbeschwerte und lockere Songs mit genialen Melodien zu spielen ist irgendwie verloren gegangen. Anscheinend hat die Band sich ‚weiterentwickelt‘ und spielt nun einen etwas anderen Sound. Denn der Sound hat sich den inhaltlcihen Themen angenähert, klingt insgesamt düsterer und waviger. Da hat wohl jemand die alten Joy Disvion Platten aus der Sammlung rausgesucht und zu oft gehört. Die Songs klingen immer noch stimmig und sind versehen mit guten Texten und Melodien gespickt, aber trotzdem ist es nicht der Sound, den ich von den Lillingtons gewohnt bin und hören will. Insgesamt für mich ein etwas enttäuschendes Comeback der Band. Knallersongs wie ‚They live‘ und ‚Insect nightmares‘, die an alte Scheiben anknüpfen, reichen da nicht aus, die Band kann auf alle Fälle mehr.
3 sickguy77