Monthly Archives: November 2017

V.A.: Brutal Vision Vol.3 CD (17.11.2017)

(Noizgate Records / www.noizgate.com)
Mit dem Brutal Vision Sampler legt Noizegate Records schon ein amtliches Teil vor. 34 Bands aus diversen Ländern vereinen sich, um mit metallischen Klängen für Weltfrieden zu sorgen. Die Cro Mags sind da zwar seit jeher der Ansicht, dass das nicht machbar ist, aber man muss der neuen Generation auch ihre Chance lassen. Zuätzlich zu Labelbands konnten sich Bands um Slots auf der Cd bewerben, was 317 laut Info auch taten und von denen einige jetzt hier vertreten sind. Was gibt es denn so zu hören? Generell orientiert sich der Sampler an der Generation, für die Metal aus Stretchjeans, bunten Basecaps und grellen Tshirts besteht. Also der Generation Eskimo Callboy und in diese Richtung tendieren viele Bands hier auch. Midtempo Songs mit poppigen Refrains und zwischenzeitlichem Gegrowle. Das ist nicht so wirklich meine Welt, aber ich kann den Sampler ohne kotzen zu müssen, gut hören. Auffallend ist, dass die Produktionen alle sehr ordentlich und druckvoll sind, die Growls, im Death Metal Vergleich, meistens eher nur zweitligatauglich sind. Für mich können da viele der Bands drauf verzichten und auf stärkeren Klargesang setzen. Bei 34 Bands sind mir auch nach mehrmaligem Hören bestimmt einige Perlen entgangen, aber die Highlights für mich sind definitiv Groovenom (auf die stehe ich eh), UGF (böse Sludgecore Attacke), Amplified Hate (eher alte Schule als Metalcore), Arise from the Fallen und Alligator Rodeo. Aber es ist für jeden modernen Metalgeschmack was dabei. Daher kommt der Sampler in einem hippieäsken Digipack mit Peacezeichen und Blümchen. Finde ich nett. Die Zukunft gehört dem Flamingo! 2 ROLAND

V.A.: Saving souls with Rocknroll CD (16.11.2017)

(Wolverine Records)
25 Jahre treibt das Label aus dem Duisburger Süden, an der Grenze zu Düsseldorf schon sein Unwesen. Hier kommt nun der neuste Label Sampler mit 22 Tracks: Gestartet wird hier mit THE MAHONES, die ordentlich vorlegen mit einer guten Portion Punkrock im californischen Stil. Weiter geht’s mit THE BLOODSTRINGS die hier mit ihrem Punkabilly Sound glänzten, das Ganze Female fronted. BOY die Tschechen legen nach, mit schönen singalong Punkrock. Der vierte Track kommt von THE SILVER SHINE, hier wird Rock’n’Roll mit einer Prise Punk serviert. Als nächstes folgt die Düsseldorfer Punkband KOPFECHO, schön rotziger deutscher Punkrock mit Sängerin. MALASANERS hier bekommt Irish Folk Punk, der sehr gut in Szene gesetzt wurde. Die nächste Band RENO DIVORCE legt hier mit glatten popigen Punk nach, der super ins Ohr geht, als wenn man es schon mal gehört hätte. THE CABLE BUGS hauen hier direkt ne richtige fette Rock’n’Roll Nummer hinter her, da fühlt man sich direkt ein paar Jahre zurück versetzt. Die nächste Band haut hier, einen voller Energie protzenden Track um die Ohren, kraftvoller weiblicher Gesang von BARB WIRE DOLLS. THE HELLFREAKS also nächstes kommen mit abwechslungreichen Female Punkrock daher. Der nächste Titel von BASTARD ON PARADE schlägt dagegen, ganz andere Töne an, hier wird der Irish Folk Fan glücklich werden. LOTA RED hauen uns feinsten Rock’n’Roll aus den Boxen. Jetzt kommt eine Mischung aus Biker Attitude mit schönen rotzigen Rock‘n’Roll und das von LUCIFER STAR MASCHINE. Psycobilly Klänge kommen jetzt die eine gute Abwechslung bieten von NIGHT NURSE. THE BOYS liefern hier schwer zu beschreiben, ich würde es grob in den Rock Bereich einordnen. THE REDNECK ZOMBIES kommen hier mit einem Mix aus Rock‘n’Roll, Punk und etwas Psycobilly daher. H-BOMB HOLIDAY CAMP spielen Punkrock nicht zu glatt gebügelt. Als nächstes kommt Psycobilly aus Frankreich von THE WOLFGANGS. Natürlich darf hier sowas in Richtung Horrorpunk auch nicht fehlen, obwohl der Track zum Ende hin eher Richtung Psycobilly geht und der kommt von THE DEVIL‘N’US. JAMIE CLARKE’S PERFECT schlagen da schon sanftere Töne an mit einer Mischung aus Folk und einem Hauch Rock. Langsam kommen wir auch zum Ende und der vorletzte Song kommt von PUSSYCAT KILL die hier so ein bisschen nach Distillers klingen, sehr geil. Zu guter Letzt kommt CHRIS VON DER DÜSSEL mit einem Akustik Song, super Abschluss eines schönen abwechslungsreichen Sampler. David

 

Weekly Carouse LP (15.11.2017)

(https://www.facebook.com/WeeklyCarouseOfficialPage/)
Weekly Carouse ist eine 4-köpfige Punkrockband aua Voerde. Das Album Weekly Carouse, erschien am 25.April als Digitales Streaming Album und Download Code. 14-Titel befinden sich auf dem Album, wobei der erste Song ein Kurzes Elektro Intro ist und das 2te Stück Instrumental. Ab dem dritten Song “white men su ck“  gibt es schönen flotten Punkrock auf die Ohren, der wirklich gut produziert ist und die Stimme des Sängers gut rauskommt, der bei einigen Songs durch Backing Vocals unterstützt wird. Texte sind teils Englisch, teils Deutsch wobei mir beide gefallen. Meine ersten Anspieltipps wären “Du stinkst“ , “das Leben der Anderen“ ( schöner Text zum Thema sich für andere verstellen und nicht sein eigenes Leben leben) und “Punkrock“ , der zwischenzeitlich ruhiger rüberkommt und sich gegen das früher war alles besser gerede und belehren wollen im Punkbereich richtet. Auch gut gefallen hat mir das Bob Dylan Cover “ Don`t think twice“. Alles in allem ein prima Album was nicht langweilig wird und man ruhig auf Dauerschleife laufen lassen kann daher gibts von mir ne 2+ Eddie Sharp

All Will Know – Infinitas CD (14.11.2017)

(Noizgate Records / www.noizgate.com)
All Will Know kommen aus Darmstadt und sind mit „Infinitas“ jetzt mit ihrem dritten Album am Start. Geboten wird moderner Melodic Metal. Das soll heissen, es gibt Songs mit poppigen Refrains, die sich sofort ins Ohr fräsen und rauheren Strophen. Das ganze wird mit einem unaufdringlichen, aber gut zu vernehmenden Keyboardteppich unterlegt und, zack, hat man eine gefällige Platte. Los geht es mit „Behind your Mask“, bei dem obiges Konzept bestens funktioniert und gleich das erste Highlight bildet. „The Circle never ends“ ist ein weiteres. In etwas über sechs Minuten zeigt die Band ihr ganzes Potential, variable Vocals, gute Tempiwechsel, Soli und fette Doublebass. Top Song!„Age of Paranoia“ kommt eher hymnisch daher, irgendwie wie ein moderner Helloween Song. Hat definitv auch was. Bei „Beyond the Fears“ gibt es dann mal wieder was Zwischengas, steht All Will Know auch sehr gut. „Cold Realities“ zeigt die traditionelle Seite der Band, klassischer Metalsong, den auch Hammerfall hätten schreiben dürfen. Zum Abschluss gibt es dann noch einen spanisch angehauchten Akustik Song, der die Platte entspannt ausklingen lässt. Das Saxophon hätte man sich sparen können, aber passt ansonsten schon.„Infinitas“ ist eine absolut abwechlungsreiche Scheibe, die auf hohem Niveau viele Facetten der Metalwelt abdeckt und mich nur bei „Stain the White“ abschreckt, da in dem Song die Keyboards zu sehr im Vordergrund stehen und mir das Lied im Allgemeinen zu schwülstig rüberkommt. Aber ein Ausfall soll die Qualität der Band nicht schmälern. Starke Platte zum Jahresende, sollte der geneigte Metaller auf jeden Fall mal reinhören. 2 ROLAND

 

Huelse – Im Kreis gedreht und jetzt im Krieg 12” Vinyl inkl. DL (13.11.2017)

(Bakraufarfita Records)
Ich freue mich immer über Vinyl als Reviewmaterial! Der einzige Haken an der Sache ist, dass es mir schwer fällt, so eine Platte zu verreißen. Im Fall von HUELSE bleibt mir aber kaum etwas anderes übrig. Okay, eine komplette Verschwendung des schwarzen Goldes ist es nicht, aber eine Beschränkung auf Singlelänge, um die Ressource Vinyl zu sparen, hätte es auch getan. Bei insgesamt sechs Songs, wäre das sicherlich möglich gewesen. Den ersten Song „Trauma“ hätte man sich z. B. getrost sparen können. In meinen Ohren klingt er wie ein unausgegorener Klangbrei, mit gelegentlich eingestreuten Wortfetzen. Der Aufbau eines Spannungsbogens misslingt hier. Das sich anschließende „Horstgedanken“ hingegen gefällt mir recht gut. Angenehm aggressiv dröhnt die schrammelige Gitarre aus den Boxen, unterstützt durch einen wütenden Gesang. Mehr solche Tracks hätten der Scheibe gutgetan. Beim Rest gibt es aber kaum brauchbares, bis auf „Neuer Herbst“ vielleicht. Mein Ding ist „Im Kreis gedreht und jetzt im Krieg“ absolut nicht, aber Fans von LOVE A, MESSER oder auch DACKELBLUT werden hieran bestimmt ihre Freude haben. East Side Daniel: 4

KALTFRONT Interview (12.11.2017)

KALTFRONT – „wenn es dunkel wird“ klingen sie am besten

Schon vor ein paar Wochen erschien mit „wenn es dunkel wird“ die neue Scheibe von KALTFRONT. Im Vergleich zum Vorgänger klingt das Album etwas düsterer, sprüht aber dennoch vor Energie und Spielfreude. KALTFRONT anno 2017 klingen eingespielter und „ausgereifter“ bzw. so, wie sie laut eigener Aussage, klingen wollen. Da seit dem letzten Interview schon einige Jahre vergangen sind und das neue Werk so manch spannendes Thema zu bieten hat, war es mal wieder an der Zeit, mich auf den aktuellsten Stand zu bringen. Rede und Antwort stand mir Jörg. Also viel Freude beim Lesen!

„wenn es dunkel wird“ ist nach über 5 Jahren wieder ein Lebenszeichen von euch. Warum habt ihr eure Fans so lange warten lassen?
Ich glaube nicht, dass es in dieser Zeit zu wenig Lebenszeichen von uns gab. Wir haben für unsere Verhältnisse relativ oft live gespielt (auch im sozialistischen Bruderland und im Westen). 2015 erschien bei Rundling die LP „Holiday im Niemandsland“ mit restaurierten alten Songs aus den 80er Jahren, zum ersten Mal auf Vinyl. Mit den Aufnahmen für die neue Platte haben wir vor zwei Jahren begonnen. Insgesamt haben wir nur zwei Aufnahmesessions benötigt, eine im Herbst 2015 und eine im Herbst 2016. Overdubs aufnehmen, Mischen und Mastern wurde bis Ende Januar 2017 erledigt. Das ging doch eigentlich ganz flott. Die Herstellung der LPs hat dann aber bis Juni 2017 gedauert.

Obwohl ihr noch nie eine „Fun-Punk“ Band wart, klingt der Name der Platte auch für euch recht traurig und hoffnungslos. Erwarten uns jetzt depressive Songs von einer düster dreinblickenden Band?
Es wird am Ende jeden Tages dunkel, ohne dass dann gleich die Welt untergeht. Die Frage ist, was in den Titel hinein interpretiert wird. Es geht uns nicht darum, auf Krampf depressive Musik zu machen. Aber wie du schon sagst, sind wir auch nicht unbedingt die lustigste Band der Welt. Für positive Themen fehlt uns vielleicht der Optimismus. Ob du es jetzt glaubst oder nicht, wir haben durchaus Humor. Aber der ist ziemlich schwarz. Die meisten, die KALTFRONT kennen, wissen was sie erwartet und können das, was wir machen, gut einordnen.

Insgesamt vier neue Stücke haben es auf das Album geschafft. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass ihr ausgebrannt seid. Was würdest du diesen Leuten entgegensetzen?
Wieso „böse Zungen“? Manchmal sind wir wirklich ausgebrannt, lustlos und übersättigt. Es ist ja nicht so, dass diese Band unser einziger Lebensinhalt ist. Der Alltag ist stressig, so dass oft nicht viel Zeit und Muße für Musik übrig bleibt. Wir als Band haben aber auch nicht die Intention, aller zwei Jahre eine Platte mit neuen Songs raus zu bringen. Zum Glück stecken wir nicht in so einer Mühle. Wir sind eher eine Hobbyband, der es durchaus Spaß macht, mit dem eigenen „Altmaterial“ herum zu experimentieren. Ob das den Leuten gefällt, ist uns wurscht. Wir machen das in erster Linie für uns selbst.

Neben den neuen Liedern gibt es noch neun bekannte KALTFRONT Songs. Warum habt ihr die Stücke noch einmal neu aufgenommen und ein ganzes Album gemacht? Man hätte aus den vier neuen Tracks ja durchaus auch eine Single machen können. 
Hätte man können. Aber wir wollten ein Album machen, mit neuen Liedern und alten, die wir endlich unter ordentlichen Bedingungen aufnehmen konnten. Letztlich war dann kein Platz mehr übrig für weitere neue Lieder, denn auf Vinyl passen nur ca. 20 Minuten pro Seite. Priorität hatten für uns die neuen Versionen alter Songs. Wir finden, dass einige viel mehr Potential haben, als auf den alten Proberaumaufnahmen rüber kommt. Das musste erstmal abgearbeitet werden. Für neue Songs gibt es perspektivisch noch genug Gelegenheit. Wer sich „wenn es dunkel wird“ anhört, wird merken, dass wir die alten Songs textlich und musikalisch überarbeitet und teilweise auch harmonisch verändert haben, wie zum Beispiel „Horror Video“. „N.O.T.“ hat endlich eine zweite Strophe, „Koerper“ hat einen neuen Refrain. Wichtig waren auch die Einflüsse, die die neuen Bandmitglieder eingebracht haben. Jetzt klingen die Songs so, wie sie immer klingen sollten. Ich finde, es hat sich gelohnt. Alles passt zusammen. Hör dir die Platte einfach mal an, ohne zu grübeln, was ein alter oder was ein neuer Song sein könnte.

Wer sind denn die oben erwähnten neuen Bandmitglieder?
Willi Löffler spielt seit 2012 Gitarre. Am Schlagzeug gab es mehrere Veränderungen. Olli Kunze war seit 2015 dabei und hat das Album eingespielt. Aber seit Ende 2016 trommelt Steffen Thiede. Das Erstaunliche für mich war, dass sie alle eine klare Vorstellung hatten, was den typischen KALTFRONT-Spirit ausmacht. Sie haben sich an den Wurzeln orientiert, aber dazu auch gehörig frischen Wind reingebracht. Wahrscheinlich hat uns das davor bewahrt, als pomadige Altherren-Ostpunk-Revivalband zu enden.

In „Alles über dich“ beschreibt ihr sehr gut die Datensammelwut der großen Konzerne wie Google und wie gläsern wir heutzutage alle sind. Kann man sich dagegen eigentlich noch wehren oder muss man es einfach hinnehmen? 
Vieles wäre sicherer, wenn wir „analoger“ leben würden. Aber die digitale Welt ist verlockend. Sie erweckt den Eindruck, dass alles einfacher wird. Aber das ist nur oberflächlich so. Es gibt zu viele „undichte Stellen“ in dem System, bzw. Fallen, in die man leicht hineintappen kann. Bei all dem ist jede/r selbst dafür verantwortlich, was er/sie von sich Preis gibt. Man sollte sich darüber klar sein, dass nicht nur Elefanten nichts vergessen, sondern auch das Internet! Aber ich freue mich immer, wenn ich daran erinnert werde, wo ich neues Viagra bestellen kann. Danke Internet!

Hat man es wirklich selbst in der Hand, wie viel man von sich preisgibt?
Ich finde, man muss nicht unbedingt auf jeden Zug aufspringen. Aber wahrscheinlich bin ich da nicht der richtige Ansprechpartner. Ich stamme ja aus dem Pre-Computer-Zeitalter und habe den ganzen Quatsch bis heute nicht richtig verstanden. Privat nutze ich keine sozialen Netzwerke. Nicht nur wegen der Sicherheitsbedenken, sondern vor allem, weil es mich nicht interessiert. Mein Bedürfnis auf diese Art zu kommunizieren, hält sich arg in Grenzen.

Seid ihr eigentlich auf Facebook, Twitter und Co. unterwegs? Da erfährt man so einiges über Leute, auch viele Sachen, die man eigentlich gar nicht wissen will. Was haltet ihr davon, wenn Menschen alle Welt an jeder Kleinigkeit teilhaben lassen?
Als Band sind wir notgedrungen auf Facebook. Das ist schon ganz gut, um Neuigkeiten, z. B. Konzerttermine, zu verkünden. Darum kümmern sich die Jüngeren in der Band. Ich selber habe gar keinen Zugang zu unserem Facebook-Profil. Wie andere Menschen damit umgehen, ist deren Sache. Ich kriege zum Glück gar nicht so viel mit, woran Manche die Welt teilhaben lassen, weil ich diese Plattformen nicht frequentiere. Allgemein wäre es vielleicht ganz gut, wenn „Internetverhalten“ als Pflichtfach in der Schule unterrichtet werden würde.

Zum Abschluss noch obligatorisch die Frage: Was liegt demnächst bei euch an und was wollt ihr den Lesern noch sagen?
Demnächst liegen erstmal ein paar Konzerte an. Im Verlauf des Jahres werden auch neue Songs zu hören sein. Ich könnte mir vorstellen, dass wir nächstes Jahr wieder ins Studio gehen. Wann genügend Material für eine neue Platte da sein wird, weiß ich noch nicht. Ich würde aber mal davon ausgehen, dass es nicht wieder fünf Jahre dauern wird. Was wir den Lesern sagen wollen: fahrt vorsichtig, baut keine Scheiße und ernährt euch gesund!

Vielen lieben Dank für das Interview und ich freue mich auf das nächste Konzert!
East Side Daniel

The Lillingtons – Stella Sapiente CD (11.11.2017)

(Fat Wreck Chords)
Sie sind zurück! Die Vorfreude ist gross, die zweite Punkrockband von Kody Templeman, welche in der Vergangenheit die alte Lookout! Schule verkörperte und den Poppunk mit Themen aus Horror und SciFi Filmen der B-Movies verband. Die Band spielt sozusagen eine Mischung aus Screeching Weasel und Misfits. Dennoch hat sich etwas geändert, diese Leichtig- und Fähigkeit unbeschwerte und lockere Songs mit genialen Melodien zu spielen ist irgendwie verloren gegangen. Anscheinend hat die Band sich ‚weiterentwickelt‘ und spielt nun einen etwas anderen Sound. Denn der Sound hat sich den inhaltlcihen Themen angenähert, klingt insgesamt düsterer und waviger. Da hat wohl jemand die alten Joy Disvion Platten aus der Sammlung rausgesucht und zu oft gehört. Die Songs klingen immer noch stimmig und sind versehen mit guten Texten und Melodien gespickt, aber trotzdem ist es nicht der Sound, den ich von den Lillingtons gewohnt bin und hören will. Insgesamt für mich ein etwas enttäuschendes Comeback der Band. Knallersongs wie ‚They live‘ und ‚Insect nightmares‘, die an alte Scheiben anknüpfen, reichen da nicht aus, die Band kann auf alle Fälle mehr.
3 sickguy77

Extrement Beton – Komplett im Arsch CD (10.11.2017)

(www.extrembeton.de)
Exkrement Beton veröffentlichen auf ihrem Album komplett im Arsch 20 Songs aus den Jahren 2003-2016, darunter auch einige Coversongs. Mit Schönes Mädchen steigt man mit schönem alten Rumpelpunk ein der jedoch gut produziert ist. Textlich könnte der song auch von den typischen ficken, saufen stumpf oi combos kommen. Auch die Songs “die dicke Tina“ und “ Unrasiert ( und fern der Heimat ) gefallen vom musikalischen her, die texte kommen jedoch sehr pubertär rüber. Einer meiner Anspieltipps ist “Hässliches Kind“ wo mir der Ska- Einfluss zu Beginn gut gefällt. Weiter geht es mit dem Schleimkeim Cover “in der Kneipe zur trockenen Kehle, was wie die anderen Cover “Barbara von den Lokalmatadoren“, “Bierkneipe von Pogoexpress“ ,“ Edeltraut von Klartext Punkrock“ gut auf die Platte passt und man sich immer wieder anhören kann. Thematisch geht es im Song“ Sag mal wirklich“ um das Thema Gewalt gegen Punks/Andersaussehende was textlich wie musikalisch gut umgesetzt ist und daher auch ein Anspieltipp meinerseits ist. Es folgen Alkohol heilt alle Wunden, Ficken, Ich lache, Südlied , bevor es mit einer Liveversion des Lokalmatadore Hits Barbara weitergeht, der die Liveatmosphäre gut rüberbringt. Es folgt der Song “der Notgeile Onkel“ wo es sich um eine Live Cover Version des Songs “ Ich lieb mich“ von den Onkelz handelt. Zu meinen Favoriten zählt noch der Song Killernieteniro und das letzte Stück auf dem Album “Wölfe im Schafspelz ( Pocken Cover ) mit Unterstützung von 7er Jungs Markus. Fazit: Die Platte ist sehr abwechslungsreich und gut produziert und ein schöner Zusammenschnitt vergangener Tage, daher von mir eine Note 2 und bestimmt noch mehrere Durchläufe im Player. Eddie Sharp

Kaltfront – wenn es dunkel wird LP/CD (09.11.2017)

(Rundling Records)
Nach über fünf Jahren bringen KALTFRONT nun ihr zweites „richtiges“ Album raus. Bereits das Cover lässt erahnen, dass es dieses Mal etwas düsterer wird. Das soll aber nicht heißen, dass sie jetzt in Depressionen verfallen sind und lahme Emo-Mucke spielen. Vielmehr ist die Grundstimmung des gesamten Albums nachdenklicher. Das steht dem Hörgenuss aber in keinster Weise im Weg. Im Gegenteil, „wenn es dunkel wird“ ist ein großartiger Longplayer geworden, bei dem es nie langweilig wird. Sicherlich ist die Band keine einfache Kost, aber genau das macht es so spannend. Das Album hat musikalisch und textlich viel zu bieten, so dass es sich auf jeden Fall lohnt mehrmals hinzuhören. Soundtechnisch haben sich die Dresdner im Vergleich zum Vorgänger kaum spürbar verändert und trotzdem wirken sie eingespielter und kraftvoller. Ihnen ist das gelungen, was andere vergeblich versuchen – ihren etwas „dumpferenden, brummenden und dröhnenden“ Livesound auf Platte zu bannen. Hier macht es Spaß die Anlage aufzudrehen und sich beschallen zu lassen. Dass man von KALTFRONT keine zuckersüßen Melodien erwarten darf, dürfte jedem klar sein und trotzdem bleiben die Songs im Hirn hängen. Man kann gar nichts dagegen machen, früher oder später kriegen sie dich. Für ältere Fans mag es daran liegen, dass es ein paar (neueingespielte) Klassiker auf die Scheibe geschafft haben, aber auch die neuen Stücke wissen 100%ig zu überzeugen. Und obwohl die Tracks teilweise aus unterschiedlichen Schaffensphasen der Band stammen, klingt „wenn es dunkel wird“ wie aus einem Guss. Auch ein Coversong hat es wieder auf das Album geschafft und so knöpfen sich die Dresdner „Ice Age“ von JOY DIVISION vor und schaffen es, mit „Eiszeit“, einen ganz „neuen“ Song daraus zu machen. KALTFRONT wissen eben genau was sie tun und das tun sie perfekt. Für Fans der Band ist diese Scheibe definitiv ein Muss, alle anderen sollten unbedingt mal reinhören! Note: 1 East Side Daniel

OX # 134 (08.11.2017)

(www.ox-fanzine.de)
Dass das Ox in Sachen Qualität eine sichere Bank ist, dürfte mittlerweile fast jeder wissen und mit der Ausgabe 134 beweisen die Schreiberlinge dies erneut. Schon ein Blick auf das Cover verspricht guten Lesestoff. Großes „Topthema“ sind dieses Mal SLIME, die mit ihrem neuen Album „Hier und jetzt“ wieder einmal eine super Platte abgeliefert haben. Im dreiseitigen Interview stehen sie Frank Weiffen Rede und Antwort und zeigen sich sympathisch und auskunftsfreudig. Gleiches gilt für Gunnar von DRITTE WAHL, der einiges zum neuen Langspieler „10“, seiner Zeit in Norwegen, etc. zu erzählen hat. Spaßig ist es dann mit den LOKALMATADOREn, die ganz prollig-charmant drauflosplaudern. Das Gegenprogramm bieten ANTI-FLAG, bei denen man noch einiges über die aktuelle Situation in den USA lernen kann. Ich glaube, wir jammern in Bezug auf rechte Tendenzen im Vergleich zu den Staaten auf hohem Niveau, müssen aber sicherlich weiter wachsam bleiben. Abgesehen von den bisher genannten Protagonisten warten noch COR, SUPERNICHTS (R.i.P.), THE CREEPSHOW, MELVINS, PETER & THE TEST TUBE BABIES, PROPAGANDHI, … auf den geneigten Leser. Genügend Material, dass jeder einiges zu lesen finden wird. Empfehlen kann ich noch den Beitrag „Wie der Punk nach Stuttgart kam“. Genau für solche Sachen brauche ich Fanzines wie das Ox! Am Schluss möchte ich noch Chefschreiber Joachim zitieren: „Was hier [Ox] steht, kann keiner zugunsten bezahlter Posts aus der Timeline ausblenden, als „unangemessenen Inhalt“ klassifizieren, bei Suchergebnissen wegen anderer bezahlter Einträge auf die hinteren Seiten schieben, wo es eh keiner anklickt. Hier haben wir die Kontrolle – und damit ihr! Deshalb bleibt uns bitte treu, unterstützt uns, und habt viel Spaß beim Lesen…“ Dem ist nichts hinzuzufügen. East Side Daniel: 2+