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GHOSTSTREET “Stagnation in Trümmer” CD (07.12.2017)

(Oeldewood Records)
Gab es jemals eine wirklich authentische Hardcore Punk Band? Klar…AGNOSTIC FRONT fällt einem sofort ein. Aber bei vielen anderen Bands „scheint“ es doch eher so zu sein, das bei genauerer Betrachtung der „Schein“ doch wesentlich größer ist als das „Sein“. Bei GHOSTSTREET aus Oelde (was zwischen Dortmund und Münster liegt) habe ich das Gefühl, dass ich eine der echten Hardcore Bands zu hören bzw. zu sehen bekomme. Wobei sich Band einen Dreck schert ob sie eine „echte HC Band“ sind oder nicht. Da wird nicht auf hart oder derbe markiert um irgendwo irgendwelche Pluspunkte zu sammeln, sondern die vier Jungs verhalten sich einfach nur so wie sie selbst im tagtäglichen Leben sind. „Jungs“ ist vielleicht nicht ganz richtig ausgedrückt, denn sie sind alle bereits um die 40 Jahre alt und spielen bereits in Bands seitdem sie selbstständig Bierdosen aufmachen können. Das neue Album von GHOSTSTREET fängt mit der Ansage an: „Wenn Ihr das hier gehört, dann gehört Ihr zum Widerstand!“. Dieser Satz ist mehr als wahr, denn der weitere Inhalt des Songs „Der Eintrag“ ist fast schon hoch philosophisch zu sehen, da es im weiteren heißt: „Du und ich, wir sind der Eintrag in die Datenbank, welche das Minus speichert, die Überflüssigkeit“. So wird man vom System gesehen, wenn man nicht mit-schwimmt und es wagt anders zu denken und zu handeln. Insgesamt halte ich die Texte von Sänger Teasy für außergewöhnlich gut und anders. Nicht nur auf dem neuen Album „Stagnation in Trümmer“, sondern auch schon auf dem Debüt Album „Ihre Agenda“ von 2012. Sänger Teasy hat eine andere Art und Weise seine Texte zu schreiben, die ich für sehr inhaltsstark halte, die oftmals exzellent formuliert sind, zudem bringt er die Themen immer knallhart auf den Punkt. Texte zu Songs wie „Bluthund“, „Knüppel & Tritte“, „Lifestyleleichen“, „In den Ruin“ als auch der Titeltrack „Stagnation in Trümmer“ sind richtige Schwergewichte, die man erst mal sacken lassen muss, bevor man anfängt vor Wut über die Ungerechtigkeiten unserer Welt zu randalieren! Musikalisch fahren GHOSTSTREET ebenfalls einen sehr eigenen Stil. Ganz grob gesehen kann man die Musik als Punk bzw. Hardcore Punk bezeichnen, aber sie biedern sich nirgends an. Sie können es dem Zuhörer zielmich derbe, schnell und ganz hart besorgen, können aber genau so gut im langsamen oder mittelschnellen Tempobereich zulangen. Während andere Bands auf seit langen Jahren bewährte Stilmittel zurückgreifen (wie z.B. bei den Breaks), ziehen GHOSTSTREET ihren eigenen Stiefel durch und verwenden musikalisch auch mal einfache Lösungen, die nicht hübsch auf gelackt getrimmt sind und die man erst einmal aushalten muss. Die Songs hier auf der CD sind kein Schnick-Schnack, sondern purer Ernst! Es hieß doch mal irgendwo, dass „Punk wieder zu einer Gefahr werden soll“. Das sie bis unter die Halskrause tätowiert sind….geschenkt. Das machen sie heute doch alle. Dicke Hose und großes Maul. Aber wenn es auf hart kommt, hört man meist nur ein „Mimi-mi“. Bei GHOSTSTREET ist es anders. Findet es heraus! Hört Euch die CD an oder schaut Euch eines der Konzerte an. Dann werdet Ihr auch zu den Wissenden gehören! Mir gefällt die neue CD sehr gut, weil mir vor allem die Leute gefallen. Die stehen für etwas ein, das ich ebenfalls voll vertreten kann. Helge Schreiber