BIERPATRIOTEN INTERVIEW (09.02.2014)

Auch wenn sich Bierpatrioten 2000 aufgelöst haben, wurde bzw. wird es nie komplett ruhig um die 1992 in Berlin gegründete Kultband. Nachdem wieder im Jahr 2011 für viele überraschend in Berlin ein Konzert stattfand und zwei Jahre darauf eine Show in Madrid und Festivalauftritte auf dem „Back on the Streets“ und dem „Endless Summer“ gespielt wurden, ergab sich die Gelegenheit ein Interview mit Frank T. Gitarrist von Bierpatrioten zu führen. Viel Spaß beim Lesen. MIRA

1992 (2)Ihr habt ja schon ein paar Jährchen auf dem Buckel in denen wohl so einiges passiert ist, welches war das schönste und welches das enttäuschendste / traurigste Erlebnis eurer Bandgeschichte?

Frank T.
„Puh, das ist schwer zu sagen. Am traurigsten war sicher die Auflösung. Das schönste Erlebnis war für mich persönlich ein Konzert im Torgauer Brückenkopf Ende der 90er. Da ist es so richtig abgegangen.“

Apropos, Bandgeschichte, für die, die es noch immer nicht wissen, wie kamt ihr dazu zusammen Musik zu machen? Wann fing alles an und was gab euch den Anstoß dazu?

Frank T.
„Ohje, müssen wir das alles noch mal wiederkauen? Das haben wir doch schon hundertmal erzählt. In Kurzform: Wir haben uns halt Anfang der 90er kennengelernt und angefangen Mucke zu machen, einfach will wir Bock drauf hatten. An deutschsprachiger Oi! Mucke gab es ja damals nicht allzu viel.“

Was war in deiner Musikkarriere die wichtigste Lektion die du lernen musstest und warum?

Frank T.
„Musikerkarriere hört sich ja schon mal sehr schön an. Hahaha. Die wichtigste Lektion ist sicherlich, dass es mittlerweile größtenteils auch nicht anders läuft als sonst im Musikbusiness. Du musst dich bei irgendwelchen mehr oder weniger mächtigen Fanzines, Plattenfirmen und vor allem Konzertveranstaltern Liebkind machen. Sonst boykottieren sie dich und du hast es schwer. Das Gute daran ist allerdings, wenn man auf diese Leute keinen Wert legt und man nur sein eigenes Ding durchziehen will, dann macht es schon wieder Spaß.“

Auch nach langjährigem Bandbestehen und auch obwohl es euch ja eigentlich als Band, seit 2000 nicht mehr gibt, schafft ihr es noch immer die Menge zu begeistern und mitzureißen. Zuletzt gesehen, auf dem Endless Summer Festival in Torgau. Was ist das für ein Gefühl?

1993Frank T.
„An sich war es super. Leider haben wir nur zu einer sehr ungünstigen Uhrzeit gespielt und die Leute waren schon platt. Aber es hat trotzdem sehr viel Spaß gemacht.“

Habt ihr Angst vor dem Vorwurf, bzw. wurde euch bislang irgendwann mal unterstellt, ihr würdet nur dann Auftritte mit Bierpatrioten haben, wenn das Geld mal knapp wird?

Frank T.
„Hahaha, sehr gut. Für unsere Auftritte in Klockow, beim Punk & Disorderly, in Madrid und in Berlin haben wir mehr oder weniger einen feuchten Händedruck als Gage bekommen. Das waren alles sehr idealistische Sachen. Auf dem Back on the Streets und Endless Summer Festival war es a bisserl mehr. Da gingen ja Gerüchte rum von angeblich fünfstelligen Summen. Da haben wir sehr drüber gelacht und es bedauert, dass es nicht wahr ist. Das Lustige daran, ist, dass dieselben Leute, die über uns meckern, die absoluten Horrorpreise für ihre Helden Cock Sparrer, Dropkick Murphys und Perkele abdrücken. Kleiner Tipp: Fragt mal nach, was die an Gage nehmen.“

Spielen Bierpatrioten trotz nicht mehr offiziellem Existieren noch eine große Rolle in deinem Leben?

Frank T.
„Eine große Rolle nicht, nee. Nur in meiner Erinnerung an die (gute) alte Zeit. Klar, bleiben sie immer ein Teil von mir und meine Freunde sind immer noch dieselben wie vor 15-20 Jahren, alles alte Punks und Skins, aber eine Rolle spielen sie in dem Sinne nicht mehr.„

Wie würdest du die Entwicklung euere Musik beschreiben? Abgesehen von euren ersten beiden Alben, sind eure Songs hier und da recht metallastig, wie kams dazu?

Frank T.
„Lag wahrscheinlich daran, dass wir alte Metaller sind (quasi Altmetaller) und sich der Oi! Irgendwann erschöpft hatte. Ich will hier auch nicht irgendwelches Zeugs von Weiterentwicklung verzapfen. Es war für mich als Gitarrist auch irgendwann einfach langweilig immer nur drei Akkorde zu spielen.“

Viele eurer Songs klingen nach Party, allerdings gibt es auch Songs, die sozialkritische Aspekte haben, wie passt das zusammen?

2000Frank T.
„Das hat sich ja von Platte zu Platte immer mehr gewandelt. Schon auf der ersten wurde ja nicht nur übers Saufen gesungen (Rechnung, Bierpatrioten, Schwere Zeiten). Da haben wir uns schon an den alten Helden orientiert (Beck’s Pistols, Blitz, Wretched Ones, Anti-Heros und so weiter) Bei denen war es ja auch immer nicht nur fröhlich. Wir haben eigentlich immer das gesungen was wir gedacht und gelebt haben. Manchmal war das mehr und manchmal weniger sozialkritisch. Meistens sind wir dann bei irgendwem angeeckt und das hat uns dann gezeigt, dass wir alles richtig gemacht haben.„

Würdest du sagen, dass Songs wie „ Aus der Traum“ oder „Dagegen“ noch genauso aktuell sind, wie am Tag der Veröffentlichung und warum bzw. warum nicht?

Frank T.
„Beide haben eine relativ krasse Aussage, wobei das sicherlich auch nicht alles wörtlich zu nehmen ist. Es geht bei „Aus der Traum“ eben um dieses ganze Blutsaugersystem, dass ja kürzlich erst dabei war die ganze Welt in den Abgrund zu reißen. Wenn ich dann sehe, dass nach der Finanzkrise weitergemacht wird als wäre nichts gewesen, dann weißt du ja, dass es kein Aktualitätsproblem mit dem Text gibt. Bei „Dagegen“  ist es ähnlich. Da hat sich die Aktualität vielleicht sogar noch erhöht. In Zeiten der so genannten „Digital Natives“, die am liebsten für den Gang aufs Klo noch eine App wollen, in Zeiten, in denen gleichgeschaltete Medien alle die selbe Botschaft der politischen Korrektheit runterleiern und alle fröhlich mitziehen, ist es wichtiger denn je, sich seine eigene Meinung zu bilden, ganz egal ob sie irgendwelchen Gutbürgern und Neospießern genehm ist oder nicht. Es kann nicht sein, dass Menschen leichtfertig als Nazis oder sonst wie tituliert und diffamiert werden, nur weil irgendwelche selbsternannten Moralwächter glauben, sie können so die Welt retten.“

Letztes Jahr gab es auch einen Auftritt in Madrid, war es was anderes als hier in Deutschland zu spielen, wenn man beispielsweise weiß, dass die Texte in Spanien wahrscheinlich weniger verstanden werden?

Frank T.
„Das Konzert in Madrid war super. Gott sei Dank spreche ich ein wenig Spanisch und konnte den Leuten die Texte erklären. Im Großen und Ganzen sind die Leute beim Konzert aber echt mitgegangen und haben, trotz Sprachbarriere mitgesungen und getanzt wie die Irren.“

Seid ihr immer noch aufgeregt vor jedem Auftritt oder ist das mittlerweile Routine geworden?

Frank T.
„Nicht mehr ganz so wie früher. Aber ein bisschen schon. Das Gute ist aber, dass sich auf der Bühne schon eine gewisse Lockerheit eingestellt hat durch die jahrelange „musikalische Karriere“. Früher hatte ich eher Schiss mich auf der Bühne zu bewegen weil ich dachte, dass ich  mich damit zum Obst mache. Mittlerweile hab ich erkannt, dass das unheimlich Spaß macht und die Leute das auch mögen. Das ist nun mal Teil unserer Aufgabe als Musiker – die Leute unterhalten. „

Was bedeutet dir die Szene in der du dich bewegst und wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert? Vermisst du was von früher? Gibt es deiner Meinung etwas, was besser ist?

frank oben rechts_farbeFrank T.
„Es gibt wohl niemanden, der nicht sagt, dass es früher nicht besser war. Das hat vor allem damit zu tun, dass man damals jung war. Ich vermisse auf jeden Fall die grenzenlose Energie, die Unbeschwertheit und die Zeit, die wir damals alle hatten. Es gibt auf jeden Fall auch heute jede Menge netter Leute in der Oi!-Szene. Mir persönlich ist es aber alles viel zu kommerziell und professionell geworden. Ich bin immer noch ein großer Anhänger von selbstgebastelten Plattencovern, selbstorganisierten Konzerten und T-Shirtpreisen von 12 Euro. Wahrscheinlich gehöre ich einer aussterbenden Spezies an. „

Grad im Skinhead- Kult ist Freundschaft fundamental wichtig, mit welchen Bands seid ihr über die Jahre so richtig „dicke“ geworden?

Frank T.
„Das ist sicher bei jedem Gruppenmitglied jemand anderes. Ich persönlich verstehe mich gut mit diversen Leuten von Gleichlaufschwankung, Subculture Squad und The Kenathleten aus England an der Saale.“

In der Skinhead- Szene ist die politische Einstellung immer und immer wieder ein leidiges Thema. Schnell wird man in einen Topf geworfen, wenn man beispielsweise kein klares politisches Statement abgibt oder aber mit diversen Bands zusammen auf einer Bühne spielt. Was ist deine Meinung zu sogenannten „ Grauzonen- Bands“?

Frank T.
„Wir sind ja selber eine, hahaha. Also solltest du lieber die anderen Bands fragen ob sie mit uns ein Problem haben. Ein paar Sachen habe ich ja schon unter Frage 9 dazu gesagt. Ich hab jetzt auch gar keine Lust darüber ewig zu referieren. Meine einzige Frage lautet: Woher nehmen manche Leute sich das Recht, über andere zu urteilen? Sie begründen es damit, auf der richtigen Seite zu stehen und gegen die Bösen zu kämpfen. Das gab es im Laufe der Geschichte schon oft. Unter Stalin wären einige von ihnen sicher sehr gute Politkommissare geworden. Unter Hitler wären sie Denunzianten bei der Gestapo gewesen.“

1992Was sagst du  in diesem Zusammenhang, zu einer gewissen Band aus Südtirol? Findet ihr es übertrieben, dass andere Bands Auftritte absagen, weil sie nicht mit dieser Band auf einer Bühne stehen wollen? Sollte man die Band einfach ignorieren?

Frank T.
„Da gab es ein sehr interessantes Interview mit einem Mitglied von Heaven Shall Burn zu dem Thema. Die sind ja bekannt dafür, sehr engagiert zu sein, vor allem in Sachen Antifaschismus. Der meinte, dass er sich als einziger Mal mit dem Sänger von Frei.Wild hingesetzt hat um seine Argumente zu hören. Daraufhin hat er sich seine Meinung gebildet, nämlich, dass es bei dieser Kombo hauptsächlich um Verkaufszahlen und geschicktes Marketing geht und nicht um politische Inhalte. Weiterhin hat er gefragt, ob es nicht sinnvoller wäre als Band gerade da zu spielen, wo die spielen und dort Flagge zu zeigen und seine Meinung kundzutun. Das war für mich das erste und einzige vernünftige was ich zu dem Thema gehört habe. Boykottieren sollte man eher Campino.“

Berliner Weisse brachten vor nicht allzu langer Zeit den Song „ Fahnen im Wind“ raus, der sich mit dem neuerdings herrschenden Hype um sogenannten Deutschrock beschäftigt. Was ist deine Meinung dazu?

Frank T.
„Ist überhaupt nicht meine Musik. Die Bezeichnung Deutschrock rollt mir schon die Fußnägel hoch. Da denke ich eher an Peter Maffay und Pur. Textlich unterscheiden sich viele Deutschrock-Bands allerdings nicht von deren Machwerken. Ich persönlich höre Oi! und Punk. Deutschrock kommt mir nicht ins Haus.“

Was sagst du  zu den aktuellen Ereignissen, dass aufgrund von Sexismus diversen Bands ein Auftrittverbot erteilt wurde, bzw. Konzerte aus diesem Grund vom Veranstalter abgesagt wurden?

Frank T.
„Bushido, oder was? Hahaha. Ich bin großer Anhänger der Kassierer und Lokalmatadore. Sexismus…ach Gottchen. Wem haben sie denn die Konzerte abgesagt? Hab ich nicht mitgekriegt. „

Gibt es einen Zeitpunkt, an dem ihr definitiv aufhört und keine Konzerte mehr spielen werdet? Oder gibt es eine endgültige Abschiedstour oder lasst ihr es weiterlaufen wie momentan und spielt hier und da mal auf nem Festival oder mal n Konzert und habt ihr noch was zu veröffentlichen?

zeitungsbericht 1992Frank T.
„Wir lassen es weiterlaufen wie bisher. Solange wir alle noch gesund und munter sind, kann es immer mal wieder passieren, dass wir ein Konzert spielen (hoffentlich dann für was Fünfstelliges). Veröffentlichen tun wir sicher nix neues mehr und eine Abschiedstour wird’s sicher auch nicht geben.“

Womit würdest du den Menschen gern im Gedächtnis bleiben?

Frank T.
„Du kannst Fragen stellen! Ein Freund von mir sagte neulich, dass er mich beneiden würde, weil ich der Nachwelt was hinterlasse, in Form der Musik. Das habe ich gar nicht verstanden. Wenn ich weg bin, bin ich weg. Dann will ich meinen Leuten als guter Freund in Erinnerung bleiben. Ansonsten ist mir das egal.“

Hast du abschließend noch was auf der Seele?

Danke fürs Interview. F.T.

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Fotoinfos von Oben nach Unten:

Foto 1. (Bierpatrioten und Freunde, 1992)

Foto 2. (Bierpatrioten und Freunde, 1993)

Foto 3. (Foto: David Strempel, 2000)

Foto 4. (Frank T., 2011)

Foto 5. (Frank T., Pepe, 1992)

Foto 6. (Bierpatrioten, Zeitungsartikel, 1992)

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