BIERPATRIOTEN INTERVIEW (2010)

BIERPATRIOTEN

Beschreibt bitte für die Eingangsstory die damalige Situation Anfang der 90ern in Berlin, aus denen die Bierpatrioten entstanden sind. Wie war das damals, relativ kurz nach der Wende, und vor allem wie war das auch vor der Wende, wie hat es sich ergeben, dass ihr damals einen ziemlich straighten Skinhead-Weg gegangen seid und eigentlich von Anfang an keine politischen Leichen im Keller gehortet hattet. Andere Bands hatten da ja mehr Anlaufschwierigkeiten, die Ihnen dann noch jahrelang nachhingen….woran habt Ihr Euch orientiert, wie sah Euer persönliches Umfeld aus und so weiter?

Schulle:
Wir hatten mit Bierpatrioten alle das gleiche Ziel. Wir waren Freunde die sich einig waren, selber Musik zumachen & unseren großen Helden nachzueifern. Es gab in unseren Reihen keinen der Bock auf Extremismus beider bekannten politischen Flügel hatte. Subkultur Skinhead mit all den Werten, wiederum aber auch ein Haufen voller Prolls die gerne mal hier und da eine Schweinerei veranstalteten. Die Situation so wie ich sie jetzt rückblickend betrachte war damals mehr als aufregend. Wir waren doch alle gerade mal erwachsen geworden und vieles war so neu und bunt, kam man doch aus der wahren grauen Ostzone. Man wollte so viele Konzerte wie möglich besuchen, gab jeden Pfennig aus der übrig war vom schmalen Lehrgehalt für Platten, Klamotten und Magazine um sich ständig neuem musikalischem Futter auszusetzen. Wir hatten in Berlin verteilt mehrere Skinhead Gruppen die sich aber untereinander kannten und teilte somit nicht nur das kühle Bier aus dem Kasten auf dem Weg zum Konzert, sondern auch das gemeinsame Lebensgefühl etwas besonderes zu sein. Was sich desöfteren als nicht ganz ungefährlich rausstellte, wenn es einen böse an den Kragen gehen sollte und uns dann Rücken an Rücken beweisen mussten. Kinder von Traurigkeit waren wir bestimmt auch nicht.

bierpatrioten-2000-3Frank:
Als die Wende kam, kannten wir ja an Skinheadbands eigentlich nur die Onkelz, die auf schlecht kopierten Audiokassetten immer weiter verbreitet wurden. Es war alles neu und aufregend. So viel Kohle hatte keiner um sich all die ganzen Platten und Shirts zu kaufen die es auf einmal gab.
Für Perrys und Shermans mussten wir nach London reisen und Stiefel bekam man auch nicht an jeder Ecke hinterher geworfen.
Auf einmal gab es eine unglaubliche Freiheit, was sich in permanenten Straßenkämpfen und Reibereien entlud.
Die geilste Zeit war wohl Mitte der 90er als wir im „Drunter & Drüber“ im Prenzlberg quasi eine eigene Kneipe hatten in der wir uns fast täglich mit 30 bis 50 Skins getroffen haben und dann losgezogen sind um die Stadt zu terrorisieren. Das Lied “Hausverbot“ beschreibt ganz gut unseren Alltag von damals. Es gab so eine Aufbruchstimmung. Ich denke mal, so ähnlich muss es auch in etwa 1977 gewesen sein, als der Punk alles in Aufruhr versetzte.

Ihr habt ja heute alle recht gute Bands am Start, dennoch dürftet Ihr ein bisschen an der alten Zeit hängen…es gab das Konzert am P&D vor einigen Jahren, vor 2-3 Jahren wurden PicLp´s von den Bierpatrioten nachgepresst und jetzt gibt es auf Randale noch einmal ein riesiges Gesamtwerk. Aus welchen Gründen hat Euch das Bierpatrioten-Thema nie wirklich los gelassen?

Schulle:
Ja, ganz einfach. Wenn die Nachfrage immer noch groß ist, warum sollten wir die Sachen einstauben lassen? Wie oft hörte man von Leuten wie wichtig ihnen unsere Musik ist und sie auch von uns sehr beeinflusst wurden. Es ist ein schönes Gefühl auch ein Teil zu sein von einer großen Bewegung. Dann kommt schwerwiegend hinzu, dass einige Singles und EP´s auf sehr limitieren Auflagen erschienen sind, und ich bekam mehrmals einen Schock wenn Leute beispielsweise bei Ebay sehr viel Geld verlangen oder ausgeben dafür. Der Punkt war, wir wollten die raren Sachen noch mal nachlegen und das in bester Soundqualität.
Wenn man seine Jugendzeit mteinander verbracht hat lässt einen das nie richtig los.

Frank:
Das Ding war ja auch, ganz klar, dass wir damals Ende der 90er auch unglaubliche Probleme damit hatten, dass es einfach keine ordentlichen Strukturen/Veranstalter gab. Es wurde nie Werbung gemacht und oft spielten wir dann auf irgendwelchen Kuhdörfern vor 15 zahlenden Gästen. Das hat einfach auch keinen Spaß mehr gemacht.
Die Szene war total gespalten in rechts/links, ost/west und was weiß ich noch alles und als wir uns dann ein paar Jahre aufgelöst hatten waren wir auf einmal ziemlich populär, viele bezeichneten uns als eine der wichtigsten Oi!-Bands Deutschlands und die Platten waren plötzlich ausverkauft und ein Schweinegeld wert.
Irgendwie hatte ich dann schon eine Träne im Knopfloch wenn ich mir so vorgestellt habe wie es hätte werden können wenn wir weitergemacht hätten, gerade wenn ich mir so den Erfolg von Stomper 98 etc. ansehe…

Was wurde aus den Leuten von der ersten Besetzung? Du hattest letztens irgendwie anmerken lassen, dass es da wenig Verbindungen geben dürfte – könntet Ihr Euch vorstellen, dass Ihr das anlässlich der „Berliner Prunkstücke“ noch einmal aufleben lässt und die alten Bandkollegen kurz im Reich der Bierpatrioten 2010 mit einbezieht?

Schulle:
Das ist uns auch wichtig, jedes Bandmitglied hatte damals seinen Teil dazugetragen. Es besteht untereinander ein guter Kontakt zu der letzten bestehenden Besetzung. Ich glaube Frank hat noch Kontakt zu Jana und wenn Pepe unser erster Drummer eventuell die Bierpatrioten Best of! irgendwo stehen sieht oder diese Zeilen liest sich vielleicht auch nach Jahren wieder nach uns erkundigt oder auch mal wieder meldet? Es ist doch einfacher uns noch aktive Musiker zu finden wie umgekehrt. Vielleicht gibt es dieses Jahr noch ein Bierpatrioten Familienreffen mit einer dazugehörigen Release Party, mal sehen.

Frank:
Das stimmt, ich habe mit Jana immer noch guten Kontakt und sie hebt die alten Platten auch immer noch auf und ab und zu quatschen wir schon mal über die alten Zeiten.
In Klockow hat sie ja bei unserem Konzert auch wieder bei einem Lied den Bass gezupft. Von Pepe haben wir nie wieder was gehört, allerdings sind wir ja auch nicht sehr harmonisch auseinander gegangen…

Wie jede andere Band habt ihr damals zuerst ein Demo aufgenommen, ich kenne das ja auch noch von früher und wenn ich jetzt daran denke, war das doch noch alles etwas aufregender. Kannst Du den Leuten ein bisschen einen Einblick über eure damaligen ersten Gehversuche geben, wo ihr geprobt habt, wie generell Euer Leben ausgesehen hat…wo habt Ihr das Demo aufgenommen, mit welcher Euphorie seid ihr damals an die Sache rangegangen etc?

bierpatrioten 2000 (2)Schulle:
Das sind einfache Schritte die ich immer noch für gut halte & einigen jungen Bands auch immer wieder rate. Allzu oft wird  jungen Bands sofort ein Plattendeal über ein ganzes Album angeboten, wo sie nur halbfertiges Material einspielen & sich später darüber ärgern. Die damalige Euphorie war bei uns sehr groß. Wir hatten viel Spaß, waren sehr energisch und wollten was bewirken. Man beherrschte sein Musikinstrument und wollte es auch jeden zeigen. Ja, sehr stolz waren wir auf unser erstes Demoband „Immer breit“ aus dem Jahr 1992, was auch mehrere hundertmal kopiert  und in Eigenregie durch uns verschickt wurde. Wir spielten es im Randbezirk Marzahn in einem kleinen Studio namens „Masterix“ ein. Ganz in der Nähe hatten wir unter einfachen Umständen in einem Jugendclub unseren ersten gemeinsamen Proberaum besiedelt. Dann wechselten wir in der Zeit 2-3-mal die Räumlichkeiten in verschiedenen Berliner Bezirken & hatten am Schluss der Bierpatrioten Ära einen guten Raum in Berlin Friedrichshain gefunden.

Frank:
Das Demo war damals unser ganzer Stolz. Ich glaube wir haben das, nachdem wir es in den Händen hielten bestimmt jeder mindestens 20-mal am Tag gehört. Unsere Kumpels konnten das gar nicht glauben, dass wir richtige Mucke machten. Viele hatten geglaubt wir schrammeln nur so aus Spaß vor uns hin. Ich habe sofort eine Kopie ans Bulldog-Fanzine geschickt und wir haben eine hammergeile Besprechung bekommen. Du musstest dann 10 Mark im Brief an uns schicken und dann haben wir die Kassetten kopiert und verschickt.
Die Cover wurden immer selber gemacht, meist aus Zeitungsschnipseln zusammengeklebt und die Interviews für die Zines auf der Schreibmaschine getippt. Wahrscheinlich haben wir 10 Liter Tipex verbraucht bis wir alles ordentlich aufm Papier hatten. Wir hatten echt geile Konzerte in Torgau, Neubrandenburg, Wegeleben(da sind die Boxentürme zusammengebrochen weil alle so wild gepogt haben) und so ein Freiluftkonzert wo 200 Leute auf die Bühne gestürmt sind und mit uns gefeiert haben. War schon geil!
War alles total unprofessionell ohne Myspace und den ganzen Scheiß, einfach nur Oi!/Punk wie es sein soll.

Vor allem wenn Ihr das mit dem heute üblichen Gang der Dinge vergleicht, wenn zb Toxpack oder Turbolover etwas Neues aufnehmen oder ein Konzert spielen…ist die ganze Aufregung bestimmt weniger oder anders, oder?

Schulle:
Ich bin immer noch ziemlich nervös und aufgeregt und das wie zu Beginn meiner musikalischen Laufbahn vor fast 20 Jahren. Egal ob kleine Clubshow oder großes Festival. Genauso ist es wenn es um die Studioarbeit geht, es ist immer etwas Besonderes & spannend zugleich. Da hat sich bei mir in den Jahren nichts verändert. Es gibt da vom Verhältnis her keinen Unterschied zu beiden Bands und ihren Epochen.

Frank:
Ein bisschen abgezockter wird man schon mit der Zeit, aber die Aufregung auf der Bühne zu stehen ist immer noch die gleiche und wenn eine neue Platte im Kasten ist, höre ich sie mir immer noch 20 mal am Tag an.
Ein bisschen bequemer sind wir geworden und ein ordentliches Bett und eine halbwegs vernünftige Anlage ist auch schon irgendwelchen Ur-alt-krücken vorzuziehen, aber ansonsten hat sich nicht soo viel geändert.
Ohne Spaß dabei zu haben braucht man nicht auf die Bühne gehen

Der nächste logische Schritt war dann eine Single und dann eine Platte….Dim Records war zu dem Zeitpunkt sicherlich eines der am meisten etablierten Labels für solche Musik – wie seid ihr mit Uhl in Kontakt gekommen, wie passierte all das?

Schulle:
Ich glaube wir haben damals unser Demotape an verschiedene Labels verschickt die Anfang der 90er Oi! Musik produzierten. Dim Records war zu dieser Zeit mit am bodenständigsten was dann gegenseitiges Interesse hervorrief. Es gab ein Treffen in Berlin und wir unterhielten uns über die kommenden Schritte und somit war die erste Single „Titten raus“ aus dem Jahr 1993 und das ein Jahr später folgende Debütalbum „Randale, Pogo, Alkohol„ darauf erschienen. Unser Arbeitsverhältnis endetet aber nach ganzen 2 Jahren und wir verließen Dim Records aus soweit bekannten Gründen. Wir hatten kein Interesse auf ein Label zu bleiben was im großen Stil anfing, mit Rechtsrock und Nationalistischen Bands viel Geld zu verdienen, was vorher nicht der Fall war.

bierpatrioten_schulle_jana_frank_pepe_1992_masterix_ tonstudio_berlinFrank:
Der Uhl hatte damals einfach den besten Skinheadversand. Auch wenn da viele gleich wieder losheulen. Keine Ahnung warum der dann mit diesem
RAC-Kram anfing. Und so viele Plattenfirmen gab es damals nicht die in Frage kamen. Irgendwie hat man sich zwar nicht unbedingt gemocht, aber die Szene war in Bezug auf Musik viel geschlossenen. Alle hörten die gleiche n Bands und hatten dieselben Platten. Jeder kannte jeden um 3 Ecken und auf Konzerten hat man sich ständig getroffen

Wie schon zuvor angesprochen, wie liefen die Konzerte für Euer Empfinden damals ab, hattet Ihr Mühe damit, dass Ihr Euch von politischen Leuten/Bands abgrenzt? War das alles nur auf die Berliner Szene beschränkt oder habt Ihr von Außerhalb auch Notiz genommen, was im deutschlandweiten Raum skinheadmässig so abging?

Schulle:
Wir hatten zu vielen Bands Kontakt und das nicht nur deutschlandweit, auch Österreich, Schweiz bis hin in die Tschechoslowakei gab es enge Freundschaften. Auch wir mussten damals aufpassen mit welchen Bands wir zusammen auftraten. Ist es uns immer gelungen?
Es gibt rückwirkend auch lustige Situationen, dass wir gefragt wurden:“ Ihr habt mit Rabauken zusammen gespielt, warum?“ Denen man leider immer noch einen „rechten“ Ruf nachsagt. Eine Woche später hatten wir eine junge Band im Vorprogramm die noch nicht jeder kannte namens Loikaemie, na klingelt`s? In Ost-Berlin gab es auch einige Oi! &  Punkrock Bands die Anfang/Mitte der 90er aktiv waren, z.B.: Shock Troops, Kiezgesöx, Voice of Hate, die sollte man nicht vergessen hier zu erwähnen!

Frank:
Eigentlich hatten wir ja die Bierpatrioten gegründet gerade um uns von den rechten Combos abzugrenzen. Das hat auch so gut funktioniert, dass die uns dann auch recht hasserfüllt begegnet sind.
Die Linken haben sich nicht lumpen lassen und sind uns auch ordentlich auf den Keks gegangen(wie Daniel schon erwähnte wegen der Rabauken und Trabireiter).
Wir haben natürlich auch ständig alle provoziert und demzufolge recht oft böse Ansagen gekriegt. Einmal, in Harbke sind angeblich ein paar hundert Autonome von den Bullen eingekesselt worden weil die das Konzert (mit Bierpatrioten, Goyko Schmidt, Troopers und Daily Terror) überfallen wollten. Es gab auch Interview-/Konzertangebote von der rechten Seite.
Das haben wir aber abgesagt. Ebenso wollten wir aber auch keine pseudo-revolutionären Wirrköpfe unterstützen und haben da auch immer Abstand gehalten.

Mit Dim Records seid Ihr anscheinend nicht lange glücklich geblieben, warum?

Schulle:
Das war einer der Gründe die ich hier schon kurz vorher erwähnte. Im Nachhinein ärgere ich mich schon, dass wir uns nie wirklich gekümmert oder beraten lassen haben und uns die ersten beiden offiziellen Veröffentlichungen nicht zurückholten. Es bestand zwar ein Vertrag der per Handschlag unter Zeugen abgesegnet wurde, aber auch niemals seitens des Labels  eingehalten wurde. Somit wäre die Beweislage ja eindeutig und auch schnell geklärt, wenn man das ordentlich angegangen wäre. Was leider einen faden Beigeschmack hinterlässt ist die Tatsache, dass Tausende von Scheiben über die ganzen Jahre verkauft wurden, aber außer ein paar Freiexemplaren kam es leider nie zu einer Bezahlung. So was passiert einen auch nicht nochmal & für mich ist dieses Thema persönlich auch noch nicht abgeschlossen. So schnell gebe ich da nicht auf. Viele Bierpatrioten Fans hätten dann wohl mit gutem Gewissen sehr gerne unsere ersten beiden Veröffentlichungen woanders her bezogen wenn wir sie noch mal nachträglich auf einem korrekten Label rausgebracht hätten. Dann hätte man bestimmt nicht stirnrunzelnd über Zwischenhändler oder widerwillig direkt da bestellen müssen.

Frank:
Wie oben schon erwähnt gab es da politische Differenzen. Allerdings hatten wir auch ein paar private Streitereien. Der Uhl war, glaub ich, auch etwas sauer auf uns weil wir ihn im Suff in einem Interview etwas veralbert haben.

Hat dies alles Bierpatrioten geschadet?

Schulle:
Nein, ich denke nicht. Wir haben immer deutlich gemacht wie wir ticken. Später gab es daraufhin gute Zusammenarbeit mit Labels wie, Scumfuck Tradition, Coretex / Bad Dog Records und MAD Tourbooking. Das Vertrauen war da und wir haben mehrmals bewiesen, dass es auch berechtigt ist.

Frank:
Ab und an quatscht mal einer irgendwas daher, aber meistens haben diese Leute eh keine Ahnung bzw. wollen nur ihr verbohrtes Weltbild gerade rücken. Letzten Endes ist es immer wichtig, dass man seine Meinung sagt und auch unbequeme Entscheidungen trifft und zu Fehlern steht.
Dieses ganze Nazi-/Zecken-Blabla ist doch echt für´n Arsch.

bierpatrioten v.l.n.r. ille, schulle, sören, frank. 2011Bis zum zweiten Album habt Ihr eigentlich lumpenreine Oi! -Musik gespielt, dann wurde es mit mit Metal – Effekten versucht, Ihr habt damals ja schon ein Lied der Onkelz gecovert. Andere Skinhead-Bands haben zu der Zeit eher noch „Stolz“ oder ähnliches nachgespielt, bei Euch war es „Kneipenterroristen“. Aus welcher Motivation passierte das – weil Ihr eben an die „alten“ Onkelz Tribut zollen wolltet, oder war das eher der Vorläufer von dem, was sich heute als Deutschrock verkaufen will und zu 100-fach als Möchtegern-Onkelz-Kopie anbiedert?

Schulle:
Ich vermute es hat damit zutun, dass Frank und meine Wurzeln aus der Metal Ecke stammen. Wir waren & sind große Fans der schwermetallischen Klänge und das schon zu DDR Zeiten. Zur Wiedervereineinigung faszinierte uns dieses „Skinhead – a way of life“ und die Haare waren ab. Oi! / Ska / Punkrock / Hardcore standen ganz weit oben. Ich gehe davon aus, dass wir uns später unserer alten Jugendtugenden wieder bewusst wurden und deshalb in der letzten Bierpatrioten Phase diese Metal – Hardcore Einflüsse mit eingebaut haben. Soweit ich mich erinnern kann gab es damals zu dieser Zeit eine ganze Welle die gegen Onkelz vorging. Gerade auch aus der Skinhead Kultur, da war nicht jeder gut auf die Frankfurter zu sprechen. Es wurde geflucht und geschimpft, weil sie bekannterweise doch andere Wege eingeschlagen haben. Wir hatten darauf keinen Bock & kamen auf die Idee den Song zu covern und Respekt zu zollen. Böhse Onkelz waren für Bierpatrioten eine sehr wichtige Band, die uns in jungen Jahren sehr beeinflusste. Mit diesem ganzen Deutsch-Rock Wahnsinn hatte es in unserem Fall nichts zu tun das gab es da noch nicht.

Frank:
Genauso war das. Ende der 90er war Oi! auch irgendwie tot. Die Bands kopierten sich selber und die Luft war irgendwie raus.
Über die Onkelz kann man sich endlos streiten, aber sie sind und waren ein großer Einfluss auf die ganze deutsche Oi!- und Rockmusikszene.
Und es war doch nichts geiler, als dass die in den Charts auf Platz 1 waren während Campino, Westernhagen und diese ganzen PC-Deppen gekotzt haben. Ich finde auch nicht alles von den Onkelz geil, aber man muss auch sehen, dass die sich wirklich hoch gekämpft haben, die hatten die gesamte Presse, Vertriebe und die Öffentlichkeit gegen sich und haben es bis nach oben geschafft. Da muss ich schon sagen: Hut ab! Da ist auch viel Neid im Spiel wenn die sich immer aufregen über die Onkelz. Allerdings finde ich es auch ein bisschen anstrengend wenn heute jeder nur darüber singt wie hart das Leben auf der Straße doch ist. Das war ja selbst bei den Onkelz manchmal etwas albern. Nichtsdestotrotz haben wir „Kneipenterroristen“ gecovert, gerade weil es nicht aus der Skinheadphase war und mir persönlich Metal weitaus besser gefällt als jamaikanische Blasmusik.

Denkst Du, dass Ihr mit dem „Berliner Prunkstücke“ vielleicht jetzt im Moment doch auch das Interesse von frischen Deutschrock-Fans an den Bierpatrioten wecken könnt?

Schulle:
Darüber habe ich nicht nachgedacht und kann es nicht beurteilen. Bierpatrioten war eine Oi! Band und ich denke das wird auch so angenommen innerhalb der Szene. Wie jeder auch selbst entscheidet was er sich letztendlich auf dem Plattenteller legt, es ist und bleibt jedem selbst überlassen. Grundsätzlich ist dieser Datensatz für die Oi! & Punkrock Szene wieder aufgelegt worden für Fans, Freunde & Sammler.

Frank:
Die meisten Bands werden ja immer lascher mit der Zeit und erzählen dann was von Weiterentwicklung um ihren Popscheiß zu rechtfertigen. Wir sind immer härter geworden von Platte zu Platte, aber das wurde dann auch kritisiert. Eigentlich konnte man zur Jahrtausendwende keinem mehr irgendwas recht machen. Was wurde gejammert als „Geh mit Gott“ rauskam, das wir den wahren Oi! verraten haben und das HC nix in der Mucke zu suchen hat. 5 Jahre später war das ein Meilenstein und wurde als Kultplatte gefeiert. Daher denke ich, dass Deutschrockfans nicht unbedingt zu den Leuten zählen werden die die Platte kaufen wollen.

War es Euch persönlich wichtig, dass die Scheibe auf einem szenenahen Label wie Randale Records veröffentlicht wird?

Schulle:
Es war mir sehr wichtig ein Label zu finden was diesen Spirit und Geist auch in sich bürgt. Randale Records ist für mich eine optimale Lösung für diese Bierpatrioten Best Of! Veröffentlichung. Es ist ein sehr gutes Szene Label was bodenständig ist und seit Jahren gute Arbeit leistet & tolle Veröffentlichungen hervorbringt. Sie sind sich auch nicht zu schade jungen unbekannten Bands eine Chance zu geben. Dazu kommt noch, dass Oli & Diana große Bierpatrioten Fans sind. Alles passte. Ich kenne die beiden auch sehr gut durch die gemeinsame Arbeit mit Toxpack.

Frank:
Randale ist ein sehr beständiges Label und bringt auch nur gute Musik raus ohne sich um Anfeindungen zu kümmern. Es sollte mehr solche Plattenfirmen geben.

bierpatrioten v.l.n.r. frank, schulle, sören, ille. 2000Schließt Ihr das Kapitel „Bierpatrioten“ mit diesem Release endgültig ab oder habt Ihr noch einige Asse im Ärmel?

Schulle:
Was soll ich dazu schreiben, ich wusste dass diese Frage noch kommen wir. Es werden wahrscheinlich einige wissen wollen: kommt da noch was, passiert da noch mehr? Eins ist doch mal Fakt, wir haben alle selber viel zu tun mit unseren beiden anderen Hauptbands Turbolover & Toxpack. Wir arbeiten alle, haben Familien gegründet und sind dadurch „ein wenig“ ruhiger geworden. Ich für meinen Fall hatte nicht vor mit diesem Werk eine Bierpatrioten Reunion zu starten. Es ist ein Dankeschön an alle Freunde, Wegbegleiter und besonders an unsere Fans.

Frank:
So sieht das aus. Mehr als eine Band übersteigt unsere Kräfte. Ich glaube auch nicht dass es gut wäre. Die alte Zeit lässt sich sowieso nicht wiederholen. Vielleicht kann man mal ein Spaßprojekt machen oder so, aber eigentlich ist das Kapitel abgeschlossen.

Oi! Oi! Oi! – Die Bierpatrioten

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