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Mein lieber Ecke!
Willkommen in der wunderbaren Welt von Crazy United.
Da du zwar Bekannt in unserer Szene sein dürftest, dich aber nicht alle Mitleser kennen dürften, hätte ich gerne Anfangs von Dir einen kleinen Lebenslauf!
Hallo Frank, du willst also einen Lebenslauf, na dann mal los – geboren vor nunmehr 34 Jahren in einer Kleinstadt zwischen Dresden und Leipzig, dort eine angenehme Kindheit gehabt, und als 1989 die sogenannte “Wende” kam war das glaube ich genau der richtige Zeitpunkt für einen Teenager wie mich. Mein Freundeskreis bestand damals hauptsächlich aus verrückten Außenseitern, Langhaarigen und Metalfans und mit den Herüberschwappen der ganzen “westlichen” Subkulturen schon kurz vor der Wende fingen die ersten schnell an zu Skinheads (oder das was sie dafür hielten) zu mutieren. Leider allzu oft mit den falschen Vorzeichen um es mal nett zu umschreiben. Mich faszinierte vor allem Style und Musik und ich hatte schnell das Glück einen schon etwas älteren Typen kennen zu lernen der mir relativ schnell auch Bands wie The Business, Cock Sparrer und die Angelic Upstarts näher brachte.
Anfang der 90er dann auf die ersten Oi! und Hardcore Konzerte gefahren, festgestellt “das isses” und die alten Bindungen gekappt.
Also bin ich seit circa 1992/93 irgendwie in der “Szene”, anfangs als bloßer Konsument, mit dem Umzug nach Leipzig 1996 aber schnell auch als Konzert(mit-)veranstalter, Fanzineschreiberling und seit einiger Zeit auch noch mit in der Crew von Contra Records. Oder wolltest du ernsthaft wissen dass ich immer noch ledig, unterbezahlt und sportbegeistert bin?
Was heißt „unterbezahlt“ und „Ledig“? Hast du keinen „richtigen 9 to 5 Job“ und wieso hat die weibliche Welt einen so gut aussehenden Menschen noch nicht für sich entdeckt?
Haha, das war doch nur so dahin gesagt. Jeder fühlt sich doch unterbezahlt, angefangen von Herrn Ackermann über Franck Ribery bis hin zu Meier, Schulze, Lehmann von nebenan. Ich sitze in aller Herrgottsfrühe auf einem LKW und bewege Pakete, allerdings nur ein paar Stunden. Das reicht für die fixen Kosten. Ausschweifungen, Urlaub und die Pfeffirunden im Lokal verdiene ich mir als Konzertpromoter, noidoitsch “ich bin im Eventmanagement tätig”. Und mein lieber Frank, ledig heißt doch nur dass ich mich bisher gekonnt dem Ehering entziehen konnte! Ich habe eine süße Freundin!
So sindse die Ossis! Erst die West Weiber heiß machen und dann nebenbei doch anmerken, das man eigentlich doch vergeben ist. Damit dürftest du jetzt einige Frauen Herzen gebrochen haben, hahahahaha.
Dann lass uns doch mal über deine „Eventmanagement Tätigkeiten“ reden. Du veranstaltest ja mit mehreren Leuten Konzerte im „Conne Island / Leipzig“, von dem Ich mir ja letztes Jahr selber ein Bild machen konnte.
Kannst Du uns zuerst einmal etwas Geschichtliches zum Laden an sich erzählen?
Nun, das Conne Island existiert seit den frühen 90er Jahren und hat wahrlich eine bewegte Geschichte hinter sich, eigentlich viel zu viel für eine Interviewantwort. Ganz kurz: Schwer vorstellbar, aber kurz nach der Wende gab es hier im Osten durchaus so etwas wie eine rechtsfreie, sagen wir lieber rechtsunsichere Zeit, wo irgendwie “alles ging”, alles machbar erschien. Das war teilweise völlig verrückt und absurd, angefangen damit, dass niemand mehr die Staatsmacht für ernst nahm:
von Fußballkrawallen bis Immobilienbetrug gab es eine Zeit wo irgendwie jeder das machen konnte was er wollte, sofern er sich das einfach getraut hat. So gab es hier eine Crew aus Leuten, die teilweise schon zu DDR-Zeiten in der Punk- und Alternativ-Szene am Start waren und die haben in Leipzig die sogenannten “Reaktion” Konzerte gemacht, viel hardcore und solche Sachen. Die hatten einige Locations und suchten wohl nach einer festen Bleibe. Der “Eiskeller” aka Conne Island sollte wohl an einen Investor verscherbelt werden und da haben Leute aus dieser Crew den Laden (oder war es sogar das Leipziger Rathaus?) besetzt und mehr oder weniger für sich als Jugendzentrum “eingefordert”. Man einigte sich irgendwie, sicher auch weil die Staatsmacht dachte die Leute würden sich – sofern sie an einem Ort konzentriert seien – besser beobachten lassen oder sich selber herunterwirtschaften. Tja, und mittlerweile gibt’s das Conne Island schon fast 20 Jahre und es ist nach wie vor einer der wichtigsten Clubs Deutschlands. Hier ist erstmal prinzipiell jeder willkommen der sich mit den Grundprinzipien des Ladens identifizieren kann, es gibt Crews der verschiedensten Musikrichtungen (von Hip-Hop bis Oi! alles dabei ob du es glaubst oder nicht), politisch arbeitende Gruppen und einiges mehr. Jede(r) kann sich einbringen wenn er will.
Was für Grundprinzipien stellt der Laden auf und was für Bands lehnt Ihr sofort ab? Werden Absagen in einer Art Plenum entschieden oder wie handhabt ihr das?
Die Grundprinzipien sind ganz einfach: Hier ist jeder willkommen der kein Arschloch ist! Und unter Arschlöcher zählen Nazis, Rassisten und Leute, die andere Menschen aufgrund von ganz simplen Dingen wie Geschlecht oder Herkunft diskriminieren. Das hat erstmal nichts mit Bands zu tun. “Ablehnen” ist so eine Sache und klingt immer so nach “Verbot und Stempel drauf”…Es ist schon so, dass die Konzertpolitik vom Conne Island von außen argwöhnisch beäugt wird, da wir in der Vergangenheit einige Bands eben nicht gemacht haben, andere schon. Für den einen ist Band X absoluter Kult und für den anderen eben nicht, der eine kommt aber zum Beispiel aus einer ganz anderen Sozialisation, während bei dem anderen schon bei einem kleinen Kraftausdruck schlecht wird. Da gibt’s auch schon mal Widersprüche und oftmals sind wir uns untereinander da auch nicht einig. Allerdings wird nicht jede Popelband irgendwie bis aufs Mark durchleuchtet, das ist weder machbar, noch hat da jemand Interesse dran. Dennoch schauen wir sicher genauer hin als andere professionelle Konzertveranstalter. Unterm Strich fällt dann bei Bands, mit denen jemand aus unserem Umfeld “Bauchschmerzen”, sprich ein Problem hat, im Plenum die endgültige Entscheidung. Zu guter Letzt läuft das alles aber weit weniger dogmatisch ab als alle denken, wir ham ja keinen Stock im Arsch!
Gab es denn z. B. beim STOMPER 98 Konzert im Conne vorher großartige Diskussionen? Denn Stomper ist ja schon eine Band, mit der einige Veranstalter / Läden Probleme haben.
Aber hallo gab’s da Diskussionen! Das ganze Zinnober um das sogenannte “Rote Hetzpamphlet” ist dir ja sicher bekannt, dennoch muss man sagen dass die Diskussion um / mit Stomper 98 für alle Beteiligten sehr wichtig war. Denn eines darf man nicht vergessen: Einige der Anschuldigungen und – ich nenn es jetzt mal “Ungereimtheiten” – waren ja nicht an den Haaren herbeigezogen und es war glaube ich schon wichtig dass z.B. die Sache mit dem “berühmt-berüchtigten Foto” nicht unter den Teppich gekehrt wird, nur um mal ein Beispiel zu bringen. So sehr will ich jetzt aber nicht mehr auf den Fall Stomper 98 eingehen, die Diskussion um die Band wurde nun schon fast 1,5 Jahre überall geführt, die Jungs haben in x Interviews eindeutig klar gemacht wo sie denn stehen, fertig und aus. Wer das immer noch nicht geschnallt hat tut mir langsam leid in seiner Paranoia. Was andere Läden und Veranstalter machen ist deren Ding, bei uns sind die Stomper Jungs gern gesehene Gäste und gute Freunde!
Wie geht das „Conne Island“ mit dem Thema „Eintrittpreise“ um? In letzter Zeit liest man ja wieder vermehrt, das sich Leute tierisch aufregen, wenn der Eintritt höher als 5 Euro liegt. Setzt ihr Euch da eine Grenze oder macht Ihr den Eintrittpreis nur aufgrund der Band Gage(n) und Kosten, die zum Konzert gehören, abhängig?
Tja, die Leute, die sich da am meisten aufregen sind ganz oft die, die sich vor 5 Jahren das letzte Mal eine Platte oder CD gekauft haben. Die Zeiten von 5 Euro Eintrittspreisen sind ein für alle mal vorbei, das hat man heute noch nicht einmal mehr bei Crust – Konzerten. Ausnahmen bestätigen immer die Regel, aber gerade über dieses Thema könnte ich stundenlang referieren. Schluss endlich sind das auch immer die Leute, die ohne mit der Wimper zu zucken gerne 25 Euro für NOFX oder noch viel mehr für Metallica hinlegen, um dann dort in der hintersten Reihe zu stehen und
5 Euro für einen Becher Bier bezahlen. Wir hatten auch mal die Prämisse “Zahle nicht mehr als 8 Mark” – aber wie gesagt, die Zeiten sind lange vorbei, v.a. wenn man in einer gewissen Liga mitspielen will und etwas mehr bieten möchte als die Schülerband von nebenan. Wir hatten dann auch mal die unausgesprochene Obergrenze von 20 Euro. Ist auch längst hinfällig. Geht einfach nicht wenn man bestimmte Acts machen will. Da sind den Clubs die Hände gebunden, denn die Agenturen geben oft auch wieder nur die Vorstellungen der jeweiligen Managements der Bands weiter. Ich rede hier natürlich von den etwas größeren Nummern. Aber es gibt halt Kosten die zu decken sind und ganz ehrlich
- die Gagen explodieren gerade aus oben genannten Gründen. Die Alternative sind halt teilweise auch schon im Kommen: preiswertere Konzerte zu dem Preis dass dich überall ein Sponsorenlogo angrinst, vorm Konzert geht der Vorhang zu und es läuft wie im Kino erstmal Werbung…schau nach Amerika, da gibt’s das schon – z.T. auch bei “unseren” Lieblingsbands. Ob man das will oder da auch nur seinen Arsch verkauft – tja. Jedenfalls hatte wir für solcherart Kokolores auch schon Anfragen. Noch nicht aus dem Punkrockbereich, aber ich bin sicher dass da auch schon die ersten in den Startlöchern stehen. Um auf unseren Laden zurück zu kommen: Wir haben im Gegensatz dazu ziemlich moderate Getränkepreise, das wird von den Leuten nämlich auch gerne wieder vergessen. Was nützen mir 5 Euro am Einlass weniger, wenn ich unterm Strich doch 30 Euro mehr an der Bar lasse….
Finanziert sich das „Conne Island“ nur durch die Eintritt Preise oder bekommt Ihr noch Zuschüsse von der Stadt Leipzig oder sonstigen Geldgeber?
Das Conne Island finanziert sich zum größten Teil selber, aber bekommt darüber hinaus auch Zuschüsse v.a. für seine Jugendarbeit. Ach ja:
Frank, du kannst bei uns auch deinen Zivildienst ableisten!
Bezüglich des Zivildienstes kommst Du bei mir einige Jahrzehnte zu Spät, hahahaha.
Neben deiner täglichen Arbeit bist Du ja auch noch für andere Bands als Booker (z.B. Gumbles) tätig. Macht Dir das abchecken, was ja eine aufwendige Arbeit ist, so viel Spaß oder machst Du das nur für Bands, mit denen Du Dich sehr verbunden fühlst? Welche Bands hast du noch unter deine Fittiche?
Neben den Gumbles sind das aktuell noch die Jungs von Volxsturm, zu Perkele hab ich glaube ich auch nen besseren Draht als viele andere und außerdem stelle ich meine Kontakte auch gerne den Bands von Contra Records zur Verfügung. Ja, es ist ziemlich zeitraubend, aber es macht auch Spaß. Die genannten Bands sind allerdings ja allesamt keine “Unbekannten” mehr, von daher fällt einiges schon leichter als bei ganz unbekannten Newcomern. Unterm Strich mach ich das für und mit den Jungs weil es über die Jahre gute Freunde und Kumpels geworden sind. Hat sich halt irgendwann mal so ergeben…
Dann erzähl doch mal wie so ein Booking im Einzelnen funktioniert, denn ich bin mir sicher, das der Großteil der Leserschaft gar nicht weiß, wie so etwas vonstatten geht. Bekommst du als Entlohnung einen gewissen % Satz der Bandgage oder wie holst Du deine Ausgaben wieder rein?
Naja, bei den genannten Bands ist es sicher einfacher als bei kleineren Bands oder welchen aus dem Ausland für die man eine komplette Tour suchen muss. Die wirkliche Maulwurfarbeit besteht ja aus dem “finden” von Shows an nem Montag- oder Dienstagabend.
Prinzipiell hat man Anfragen von Bookern hier liegen, spricht die mit der Band durch, entscheidet was Sinn macht und was nicht (z.B. macht es wenig Sinn ständig in derselben Gegend zu spielen usw.) nimmt mit denen Kontakt auf, klärt die Rahmenbedingungen für die Show (Gage, Unterbringung, Backline usw.) ab und dann läuft das Ding. Schickt Poster und u.U. Verträge raus…Parallel dazu checkt man dann wo man die Band am darauffolgenden Tag unterbringen kann, schreibt seinerseits Promoter an, usw…Manchmal schon zeitaufwendig. Klar werde ich dafür auch entlohnt – allerdings bin ich für nen Richtwert auch hier der falsche Kronzeuge, da das wie gesagt mit diesen Bands eher so auf der Handschlag-Kumpelebene abläuft…
Du bist ja auch Mitverantwortlich für das ENDLESS SUMMER Festival, das ja einen sehr großen Bekanntheitsgrad hat. Wie waren denn da die Anfänge?
Angefangen hat das 1996, allerdings hatte ich damit rein gar nix zu tun. Einer meiner besten Freunde, der sogenannte Herr Gag, hat das damals auf die Beine gestellt. Ich bin erst 2000 dazu gekommen, aber da auch eher als Biertrinkender Helfer, als irgendwas anderes. Nach Umstrukturierungen im Organisationsteam bin ich dann ab 2001/2002 in meine heutige Rolle hineingewachsen und so ab 2004 stand die Crew die es jetzt immer noch macht. Heute sind wir ein fester “Inner Circle”
von 5-6 Leuten, wobei Gag und ich u.a. für das Booking, die anderen für diverse Logistiksachen zuständig sind. Arbeitsteilung nennt man das glaube ich. Macht viel Spaß, ist anstrengend und ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden!
Ihr habt ja auch FETTE Acts wie COCK SPARRER, MADBALL ect am Start! Wird einem da nicht ab und an ein wenig Mulmig im Magen, wenn man deren Gagenvorstellungen hört, sprich: man hat ein wenig Muffe, das die Kohle wieder rein kommt?
Ja, das hat man immer. Allerdings war unser Motto schon immer: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt, haha. Klar kosten die einen Haufen Geld, aber, was willste machen, so läuft der Hase nun mal, das Muffensausen gehört dazu. Wo das allerdings noch hinführen soll weiß ich auch nicht…
Das ganze darf meiner Meinung Finanziell nicht so derbe ausarten, das man total überzogene Eintrittspreise nimmt, zumal die Eurone ja auch nicht mehr so Locker sitzt, wie früher Mal. Ihr macht Euch da ja bestimmt auch Gedanken. Muss man nicht irgendwann die Bremse ziehen?
Da gebe ich dir schon irgendwie recht. Wir versuchen bei den Preisen halbwegs die Contenance zu wahren, versuchen immer ein sehr billiges Frühbucher-Ticket anzubieten (leider dieses Jahr schon vorbei), machen Zelten & Parken kostenlos und versuchen auch die Getränkepreise niedrig zu halten. Das wird auch gerne mal vergessen.
Habt ihr denn überhaupt Einfluss auf Getränke und Foodpreise innerhalb des Geländes? Wer ist für die Auswahl der Stände verantwortlich? Ihr persönlich, oder bekommt ihr das aufdiktiert? Befreundete Caterer?
Da haben wir uns noch nicht die Zügel aus der Hand nehmen lassen. Ich weiß nicht wie es bei größeren/anderen Festivals abläuft, dort kaufen sich ja teilweise riesige Firmen für eine riesige Summe das Recht Food & Drinks komplett anzubieten. Bei uns nicht. Wir bekommen Anfragen von (Food-) Ständen, wählen aus (hat ja keinen Sinn 4 Dönerbuden und nix anderes zu haben) und die müssen dann sehen wie sie klar kommen. Wer halt zu teuer anbietet, der wird vom Publikum links liegen gelassen und er geht zum Nachbarstand. Allerdings sind die meisten der Standbetreiber erfahrene Open-Air Hasen und von daher regelt sich das oft schon im Vorfeld. Die Getränkeversorgung allerdings läuft direkt über uns und unseren Getränkeanbieter, ein langjähriger Partner. Somit können wir auch immer auf die aktuellen Szenevorlieben (Pfeffi, Kirsch und Mexicaner) reagieren….
Wie darf man „direkt über uns“ verstehen Ecke? Ihr Kauf das ganze Zeug ein, lasst es von Bekannten verkaufen und könnt Euch den Großteil des Gewinnes einstecken oder wie ist da die Reglung? Wie sieht es mit Alkoholfreien Getränken aus? Ich z.B. finde es immer unmöglich, dass man für Alkoholfreie Getränke meist höhere Preise als für Bier zahlen muss. Wie denkt Ihr darüber?
Du bist ja detailversessen mein Freund! Also, wir haben eine feste Crew an Leuten, die das Bier, was wir über einen Großhändler beziehen an den Mann & die Frau bringen! Logischerweise gibt es alkoholfreie Getränke, immerhin haben wir ja auch jedes Jahr auch die eine oder andere Straight Edge Band im Programm und wie sagt man bei euch im Ruhrpott: Man kann ja nun auch nicht jeden Tag von früh bis abends immer nur saufen… ich persönlich bin der Meinung dass das billigste Getränk immer ein alkoholfreies sein sollte, allerdings ist das ja leider nicht immer & überall so. Um ehrlich zu sein überfragst du mich da grade wenn ich so aus dem Stegreif sagen soll wie es bei uns ist…Peinlich.
Dann kommen wir mal zum letzten Punkt unseres Gespräches und beschäftigen uns mit dem Thema „Contra Records“. Inwiefern bist diesem Label verbunden und was für eine Tätigkeit führst Du für Contra aus? Nutzt Du auch deine Band Kontakte um Deals / Konzerte für Contra Records an Land zu ziehen?
Ja, ich kenne den Labelmogul und Pfeffikönig Hechti schon seit einer halben Ewigkeit und habe mich seinerzeit sehr gefreut als er den Schritt gemacht hat Contra Records zu gründen. Ich bin ja auch Plattensammler und fand seine Herangehensweise und seine Einstellung “wie” er eine Platte macht super unterstützenswert. Irgendwie hat er mich dann ab und an um Rat bzw. meine Meinung gebeten und dann ging es irgendwie reibungslos ineinander über dass ich heute so was wie “freier Mitarbeiter” bei Contra Records bin. Ich kümmere mich um meine kleine News-Rubrik “Ecke’s Contra Punkrock Corner” die wöchentlich erscheint (www.contra-net.com/corner/index.html), mach ein wenig das Band – Scouting und die Betreuung der Labelbands usw…. Hechti hat ja keinen 10 Mann Betrieb, der Kerl sitzt in seinem Laden in der Kleinstadt und hat von früh bis abends zu tun. Ein verrückter, aber absolut loyaler und feiner Kerl !
Bevor Ich dann zum Ende komme, möchte Ich Dich bitten, uns die Vorzüge des „Pfeffi“ näher zu bringen, denn als ich in Leipzig war, kam Ich ja auch in den Genus dieses Getränkes, was mich aber nicht wirklich überzeugen konnte.
Danke für deine Zeit, die Du dir für das Interview genommen hast.
Frank, du solltest das ja auch nicht wie in euren Ruhrpott-Spelunken scheinbar üblich mit riesigen Schlucken trinken! (Anmerkung Frank: Ich hatte wirklich nur ein kleines Schlückchen probiert und das fand ich schon mehr als Ekelhaft).
Ein Pfeffi ist ein “Likörchen” – man tastet sich ran und schüttet während des Abends immer mal einen nach! Man bildet sich ein die Dame an der Bar immer noch voll labern zu können denn man weiß schließlich dass man aus dem Mund nicht nach schalem Bier & Tabak riecht, sondern vielmehr lecker nach Pfefferminze! Nein, keine Ahnung warum Pfeffi hier so einen Kultcharakter genießt, es ist halt auch noch so ein DDR-Relikt und war irgendwie – zumindest in der Punkrock Szene – auch schon mal weg vom Fenster, aber seit ein paar Jahren wird das tierisch abgefeiert. Ich sag mal so: Man kann mal ein, zwei trinken, muss aber nicht. Es gibt besseres (und schlimmeres!)!
Die Bierpatrioten aus Berlin. Wer kannte und kennt sie nicht? Sie waren sicherlich einer der deutschen Oi!-Highlights in den 90er Jahren. Im Sommer diesen Jahres erschien auf Randale Records noch einmal ein Gesamtwerk der Berliner und Sänger Schulle bat mich, für die Scheibe ein kurzes Statement in Erinnerung an die Band zu schreiben. So kam mir gleichzeitig die Idee, dass ich diese Kultcombo vielleicht auch noch einmal zusammen mit Schulle und Frank im OTP beleuchten könnte.
Die Bierpatrioten stellten eher eine Ausnahme dar, als sie damals relativ kurz nach dem Mauerfall einen ziemlich straighten Skinhead-Weg gegangen sind. Viele andere Bands schmückten sich mit politischen Verwirrtheiten und schlimmeren Sachen. Aber die Skinheadband aus Berlin hatte eigentlich von Anfang an ein sehr gesundes Image. Als die Wende kam, kannten die Jungs an Skinheadbands eigentlich nur die Onkelz, die auf schlecht kopierten Audiokassetten immer weiter verbreitet wurden. Es war alles neu und aufregend. So viel Kohle hatte keiner um sich all die ganzen Platten und Shirts zu kaufen die es auf einmal gab. Für Perrys und Shermans musste man nach London reisen und Stiefel bekam man auch nicht an jeder Ecke hinterher geworfen. Auf einmal gab es eine unglaubliche Freiheit, was sich in permanenten Straßenkämpfen und Reibereien entlud. Die geilste Zeit erlebten die Jungs wohl Mitte der 90er als sie im „Drunter & Drüber“ im Prenzlberg quasi eine eigene Kneipe hatten in der sich fast täglich mit 30 bis 50 Skins getroffen haben und dann losgezogen sind um die Stadt zu terrorisieren. Das Lied “Hausverbot“ beschreibt ganz gut den Alltag von damals. Es gab so eine Aufbruchstimmung. So ähnlich muss es auch in etwa 1977 gewesen sein, als der Punk alles in Aufruhr versetzte. Mit den Bierpatrioten hatten sie alle das gleiche Ziel. Sie waren Freunde, die sich einig waren, selbst Musik zu machen und ihren großen Helden nachzueifern. In ihren Reihen gab es keinen, der Bock auf Extremismus beider bekannten politischen Flügel hatte. Subkultur Skinhead mit all den Werten, wiederum aber auch ein Haufen voller Prolls die gerne mal hier und da eine Schweinerei veranstalteten. Die Situation war damals mehr als aufregend. Die Leute aus der Crew waren doch alle gerade mal erwachsen geworden und vieles war so neu und bunt, kam man doch aus der wahren grauen Ostzone. Man wollte so viele Konzerte wie möglich besuchen, gab jeden Pfennig aus der übrig war vom schmalen Lehrgehalt für Platten, Klamotten und Magazine um sich ständig neuem musikalischem Futter auszusetzen. In Berlin gab es mehrere Skinhead Gruppen die sich aber untereinander kannten und man teilte somit nicht nur das kühle Bier aus dem Kasten auf dem Weg zum Konzert, sondern auch das gemeinsame Lebensgefühl etwas besonderes zu sein. Was sich des Öfteren als nicht ganz ungefährlich rausstellte, wenn es einen böse an den Kragen gehen sollte und sie sich dann Rücken an Rücken beweisen mussten. Kinder von Traurigkeit waren sie bestimmt nicht. (Bomml)
Ihr habt heute alle recht gute Bands am Start (Toxpack, Turbolover), dennoch dürftet Ihr ein bisschen an der alten Zeit hängen…es gab das Konzert am P&D vor einigen Jahren, vor 2-3 Jahren wurden Picture LP´s von den Bierpatrioten nachgepresst und jetzt gibt es auf Randale noch einmal ein riesiges Gesamtwerk. Aus welchen Gründen hat Euch das Bierpatrioten-Thema nie wirklich los gelassen?
Schulle: Ja, ganz einfach. Wenn die Nachfrage immer noch groß ist, warum sollten wir die Sachen einstauben lassen? Wie oft hörte man von Leuten wie wichtig ihnen unsere Musik ist und sie auch von uns sehr beeinflusst wurden. Es ist ein schönes Gefühl auch ein Teil zu sein von einer großen Bewegung. Dann kommt schwerwiegend hinzu, dass einige Singles und EP´s auf sehr limitieren Auflagen erschienen sind, und ich bekam mehrmals einen Schock wenn Leute beispielsweise bei Ebay sehr viel Geld verlangen oder ausgeben dafür. Der Punkt war, wir wollten die raren Sachen noch mal nachlegen und das in bester Soundqualität. Wenn man seine Jugendzeit miteinander verbracht hat lässt einen das nie richtig los.
Frank: Das Ding war ja auch, ganz klar, dass wir damals Ende der 90er auch unglaubliche Probleme damit hatten, dass es einfach keine ordentlichen Strukturen oder Veranstalter gab. Es wurde nie Werbung gemacht und oft spielten wir dann auf irgendwelchen Kuhdörfern vor 15 zahlenden Gästen. Das hat einfach auch keinen Spaß mehr gemacht. Die Szene war total gespalten in rechts/links, ost/west und was weiß ich noch alles und als wir uns dann ein paar Jahre aufgelöst hatten waren wir auf einmal ziemlich populär, viele bezeichneten uns als eine der wichtigsten Oi!-Bands Deutschlands und die Platten waren plötzlich ausverkauft und ein Schweinegeld wert. Irgendwie hatte ich dann schon eine Träne im Knopfloch wenn ich mir so vorgestellt habe wie es hätte werden können wenn wir weitergemacht hätten, gerade wenn ich mir so den Erfolg von Stomper 98 und anderen ansehe…
Was wurde aus den Leuten von der ersten Besetzung? Habt Ihr da noch Kontakte oder legt Ihr Wert darauf?
Schulle: Das ist uns auch wichtig, jedes Bandmitglied hatte damals seinen Teil dazugetragen. Es besteht untereinander ein guter Kontakt zu der letzten bestehenden Besetzung. Ich glaube Frank hat noch Kontakt zu Jana und wenn Pepe unser erster Drummer eventuell die Bierpatrioten Best of! irgendwo stehen sieht oder diese Zeilen liest sich vielleicht auch nach Jahren wieder nach uns erkundigt oder auch mal wieder meldet? Es ist doch einfacher uns noch aktive Musiker zu finden wie umgekehrt. Vielleicht gibt es dieses Jahr noch ein Bierpatrioten Familienreffen mit einer dazugehörigen Release Party, mal sehen.
Frank: Das stimmt, ich habe mit Jana immer noch guten Kontakt und sie hebt die alten Platten auch immer noch auf und ab und zu quatschen wir schon mal über die alten Zeiten. In Klockow hat sie ja bei unserem Konzert auch wieder bei einem Lied den Bass gezupft. Von Pepe haben wir nie wieder was gehört, allerdings sind wir ja auch nicht sehr harmonisch auseinander gegangen…
Wie jede andere Band habt ihr damals zuerst ein Demo aufgenommen, ich kenne das ja auch noch von früher und wenn ich jetzt daran denke, war das doch noch alles etwas aufregender. Könnt Ihr den Leuten ein bisschen einen Einblick über eure damaligen ersten musikalischen Gehversuche geben?
Schulle: Das sind einfache Schritte die ich immer noch für gut halte und einigen jungen Bands auch immer wieder rate. Allzu oft wird jungen Bands sofort ein Plattendeal über ein ganzes Album angeboten, wo sie nur halbfertiges Material einspielen und sich später darüber ärgern. Die damalige Euphorie war bei uns sehr groß. Wir hatten viel Spaß, waren sehr energisch und wollten was bewirken. Man beherrschte sein Musikinstrument und wollte es auch jeden zeigen. Ja, sehr stolz waren wir auf unser erstes Demoband „Immer breit“ aus dem Jahr 1992, was auch mehrere hundertmal kopiert und in Eigenregie durch uns verschickt wurde. Wir spielten es im Randbezirk Marzahn in einem kleinen Studio namens „Masterix“ ein. Ganz in der Nähe hatten wir unter einfachen Umständen in einem Jugendclub unseren ersten gemeinsamen Proberaum besiedelt. Dann wechselten wir in der Zeit 2-3-mal die Räumlichkeiten in verschiedenen Berliner Bezirken und hatten am Schluss der Bierpatrioten Ära einen guten Raum in Berlin Friedrichshain gefunden.
Frank: Das Demo war damals unser ganzer Stolz. Ich glaube wir haben das, nachdem wir es in den Händen hielten bestimmt jeder mindestens 20 mal am Tag angehört. Unsere Kumpels konnten das gar nicht glauben, dass wir richtige Mucke machten. Viele hatten geglaubt wir schrammeln nur so aus Spaß vor uns hin. Ich habe sofort eine Kopie ans Bulldog-Fanzine geschickt und wir haben eine hammergeile Besprechung bekommen. Du musstest dann 10 Mark im Brief an uns schicken und dann haben wir die Kassetten kopiert und verschickt. Die Cover wurden immer selber gemacht, meist aus Zeitungsschnipseln zusammengeklebt und die Interviews für die Zines auf der Schreibmaschine getippt. Wahrscheinlich haben wir 10 Liter Tipex verbraucht bis wir alles ordentlich aufm Papier hatten.
Wir hatten echt geile Konzerte in Torgau, Neubrandenburg, Wegeleben – da sind die Boxentürme zusammengebrochen weil alle so wild gepogt haben – und so ein Freiluftkonzert wo 200 Leute auf die Bühne gestürmt sind und mit uns gefeiert haben. War schon geil! War alles total unprofessionell ohne Myspace und den ganzen Scheiß, einfach nur Oi!-Punk wie es sein soll.
Vor allem wenn Ihr das mit dem heute üblichen Gang der Dinge vergleicht, wenn zum Beispiel Toxpack oder Turbolover etwas Neues aufnehmen oder ein Konzert spielen…ist die ganze Aufregung bestimmt anders, oder?
Schulle: Ich bin immer noch ziemlich nervös und aufgeregt und das wie zu Beginn meiner musikalischen Laufbahn vor fast 20 Jahren. Egal ob kleine Clubshow oder großes Festival. Genauso ist es wenn es um die Studioarbeit geht, es ist immer etwas Besonderes und spannend zugleich. Da hat sich bei mir in den Jahren nichts verändert. Es gibt da vom Verhältnis her keinen Unterschied zu beiden Bands und ihren Epochen.
Frank: Ein bisschen abgezockter wird man schon mit der Zeit, aber die Aufregung auf der Bühne zu stehen ist immer noch die gleiche und wenn eine neue Platte im Kasten ist, höre ich sie mir immer noch 20 mal am Tag an. Ein bisschen bequemer sind wir geworden und ein ordentliches Bett und eine halbwegs vernünftige Anlage ist auch schon irgendwelchen Uralt-Krücken vorzuziehen, aber ansonsten hat sich nicht so viel geändert. Ohne Spaß dabei zu haben, braucht man nicht auf die Bühne zu gehen.
Der nächste logische Schritt war dann eine Single und dann eine Platte….Dim Records war zu dem Zeitpunkt sicherlich eines der am meisten etablierten Labels für solche Musik – wie seid ihr mit Uhl in Kontakt gekommen?
Schulle: Ich glaube wir haben damals unser Demotape an verschiedene Labels verschickt die Anfang der 90er Oi! Musik produzierten. Dim Records war zu dieser Zeit mit am bodenständigsten was dann gegenseitiges Interesse hervorrief. Es gab ein Treffen in Berlin und wir unterhielten uns über die kommenden Schritte und somit war die erste Single „Titten raus“ aus dem Jahr 1993 und das ein Jahr später folgende Debütalbum „Randale, Pogo, Alkohol“ dort erschienen. Unser Arbeitsverhältnis endete aber nach ganzen 2 Jahren und wir verließen Dim Records aus soweit bekannten Gründen. Wir hatten kein Interesse auf ein Label zu bleiben was im großen Stil anfing, mit Rechtsrock und nationalistischen Bands viel Geld zu verdienen, was vorher nicht der Fall war.
Frank: Der Uhl hatte damals einfach den besten Skinheadversand. Auch wenn da viele gleich wieder losheulen. Keine Ahnung warum der dann mit diesem Rac-Kram anfing. Und so viele Plattenfirmen gab es damals nicht die in Frage kamen. Irgendwie hat man sich zwar nicht unbedingt gemocht, aber die Szene war in Bezug auf Musik viel geschlossener. Alle hörten die gleichen Bands und hatten dieselben Platten. Jeder kannte jeden um 3 Ecken und auf Konzerten hat man sich ständig getroffen
Mit Dim Records seid Ihr ja nicht lange glücklich geblieben, hatte das auf die spätere Zeit auch irgendwie Auswirkungen?
Schulle: Das war einer der Gründe die ich schon kurz vorher erwähnte. Im Nachhinein ärgere ich mich schon, dass wir uns nie wirklich gekümmert oder beraten lassen haben und uns die ersten beiden offiziellen Veröffentlichungen nicht zurückholten. Es bestand zwar ein Vertrag der per Handschlag unter Zeugen abgesegnet wurde, aber auch niemals seitens des Labels eingehalten wurde. Somit wäre die Beweislage ja eindeutig und auch schnell geklärt, wenn man das ordentlich angegangen wäre. Was leider einen faden Beigeschmack hinterlässt ist die Tatsache, dass Tausende von Scheiben über die ganzen Jahre verkauft wurden, aber außer ein paar Freiexemplaren kam es leider nie zu einer Bezahlung. So was passiert einen auch nicht nochmal und für mich ist dieses Thema persönlich auch noch nicht abgeschlossen. So schnell gebe ich da nicht auf. Viele Bierpatrioten Fans hätten dann wohl mit gutem Gewissen sehr gerne unsere ersten beiden Veröffentlichungen woanders her bezogen wenn wir sie noch mal nachträglich auf einem korrekten Label rausgebracht hätten. Dann hätte man bestimmt nicht stirnrunzelnd über Zwischenhändler oder widerwillig direkt da bestellen müssen.
Frank: Wie gesagt gab es da politische Differenzen. Allerdings hatten wir auch ein paar private Streitereien. Der Uhl war, glaub ich, auch etwas sauer auf uns weil wir ihn im Suff in einem Interview etwas veralbert haben.
Hat Euch das alles irgendwie geschadet?
Schulle: Nein, ich denke nicht. Wir haben immer deutlich gemacht wie wir ticken. Später gab es daraufhin gute Zusammenarbeit mit Labels wie, Scumfuck Tradition, Coretex / Bad Dog Records und MAD Tourbooking. Das Vertrauen war da und wir haben mehrmals bewiesen, dass es auch berechtigt ist.
Frank: Ab und an quatscht mal einer irgendwas daher, aber meistens haben diese Leute eh keine Ahnung bzw. wollen nur ihr verbohrtes Weltbild gerade rücken. Letzten Endes ist es immer wichtig, dass man seine Meinung sagt und auch unbequeme Entscheidungen trifft und zu Fehlern steht. Dieses ganze Nazi- und Zecken-Blabla ist doch echt für´n Arsch.
Wie schon zuvor angesprochen, wie liefen die Konzerte für Euer Empfinden damals ab, hattet Ihr Mühe damit, dass Ihr Euch von politischen Leuten und Bands abgrenzt?
Schulle: Wir hatten zu vielen Bands Kontakt und das nicht nur deutschlandweit, auch in Österreich, der Schweiz bis hin in die Tschechoslowakei gab es enge Freundschaften. Auch wir mussten damals aufpassen mit welchen Bands wir zusammen auftraten. Ist es uns immer gelungen? Es gibt rückwirkend auch lustige Situationen, dass wir gefragt wurden:“ Ihr habt mit Rabauken zusammen gespielt, warum?“ Denen man leider immer noch einen „rechten“ Ruf nachsagt. Eine Woche später hatten wir eine junge Band im Vorprogramm die noch nicht jeder kannte namens Loikaemie, na klingelts? In Berlin gab es auch einige Oi! Punkrock und Skinhead Bands die Mitte der 90er aktiv waren, zum Beispiel Shock Troops, Kiezgesöx, Voice of Hate, die sollte man nicht vergessen hier zu erwähnen!
Frank: Eigentlich hatten wir ja die Bierpatrioten gegründet gerade um uns von den rechten Combos abzugrenzen. Das hat auch so gut funktioniert, dass die uns dann auch recht hasserfüllt begegnet sind. Die Linken haben sich nicht lumpen lassen und sind uns auch ordentlich auf den Keks gegangen – wie Daniel schon erwähnte wegen der Rabauken oder Trabireiter. Wir haben natürlich auch ständig alle provoziert und demzufolge recht oft böse Ansagen gekriegt. Einmal, in Harbke sind angeblich ein paar hundert Autonome von den Bullen eingekesselt worden weil die das Konzert mit Bierpatrioten, Goyko Schmidt, Troopers und Daily Terror überfallen wollten. Es gab auch Interview- und Konzertangebote von der rechten Seite. Das haben wir aber abgesagt. Ebenso wollten wir aber auch keine pseudo-revolutionären Wirrköpfe unterstützen und haben da auch immer Abstand gehalten.
Bis zum zweiten Album habt Ihr eigentlich lumpenreine Oi!-Musik gespielt, dann habt Ihr es langsam mit Metal-Effekten versucht. Ihr habt damals ja schon ein Lied der Onkelz gecovert, während andere Skinhead-Bands zu der Zeit eher noch „Vereint“, „Stolz“ oder „Freibier“ nachgespielt haben – bei Euch war es „Kneipenterroristen“. Aus welcher Motivation passierte das – weil Ihr eben an die „alten“ Onkelz Tribut zollen wolltet, oder war das eher der Vorläufer von dem, was sich heute als Deutschrock verkaufen will und zu 100-fach als Möchtegern-Onkelz-Kopie anbiedert?
Schulle: Ich vermute es hat damit zutun, dass Frank und meine Wurzeln aus der Metal Ecke stammen. Wir waren und sind große Fans der schwermetallischen Klänge und das schon zu DDR Zeiten. Zur Wiedervereineinigung faszinierte uns dieses „Skinhead – a way of life“ und die Haare waren ab. Oi! / Ska / Punkrock / Hardcore standen ganz weit oben. Ich gehe davon aus, dass wir uns später unserer alten Jugendtugenden wieder bewusst wurden und deshalb in der letzten Bierpatrioten Phase diese Metal – Hardcore Einflüsse mit eingebaut haben. Soweit ich mich erinnern kann gab es damals zu dieser Zeit eine ganze Welle die gegen Onkelz vorging. Gerade auch aus der Skinhead Kultur, da war nicht jeder gut auf die Frankfurter zu sprechen. Es wurde geflucht und geschimpft, weil sie bekannterweise doch andere Wege eingeschlagen haben. Wir hatten darauf keinen Bock und kamen auf die Idee den Song zu covern und Respekt zu zollen. Böhse Onkelz waren für Bierpatrioten eine sehr wichtige Band, die uns in jungen Jahren sehr beeinflusste. Mit diesem ganzen Deutsch-Rock Wahnsinn hatte es in unserem Fall nichts zu tun das gab es da noch nicht.
Frank: Genauso war das. Ende der 90er war Oi! auch irgendwie tot. Die Bands kopierten sich selber und die Luft war irgendwie raus. Über die Onkelz kann man sich endlos streiten, aber sie sind und waren ein großer Einfluss auf die ganze deutsche Oi!- und Rockmusikszene. Und es war doch nichts geiler, als dass die in den Charts auf Platz 1 waren während Campino, Westernhagen und diese ganzen PC-Deppen gekotzt haben. Ich finde auch nicht alles von den Onkelz geil, aber man muss auch sehen, dass die sich wirklich hochgekämpft haben, die hatten die gesamte Presse, Vertriebe und die Öffentlichkeit gegen sich und haben es bis nach oben geschafft. Da muss ich schon sagen: Hut ab! Da ist auch viel Neid im Spiel wenn die sich immer aufregen über die Onkelz. Allerdings finde ich es auch ein bisschen anstrengend wenn heute jeder nur darüber singt wie hart das Leben auf der Straße doch ist. Das war ja selbst bei den Onkelz manchmal etwas albern. Nichtsdestotrotz haben wir „Kneipenterroristen“ gecovert, gerade weil es nicht aus der Skinheadphase war und mir persönlich Metal weitaus besser gefällt als jamaikanische Blasmusik.
Glaubt Ihr, dass Ihr mit dem „Berliner Prunkstücke“ vielleicht jetzt im Moment doch auch das Interesse von frischen Deutschrock-Fans an den Bierpatrioten wecken könnt?
Schulle: Darüber habe ich nicht nachgedacht und kann es nicht beurteilen. Bierpatrioten war eine Oi! Band und ich denke das wird auch so angenommen innerhalb der Szene. Wie jeder auch selbst entscheidet was er sich letztendlich auf dem Plattenteller legt, es ist und bleibt jedem selbst überlassen. Grundsätzlich ist dieser Datensatz für die Oi! und Punkrock Szene wieder aufgelegt worden für Fans, Freunde und Sammler.
Frank: Die meisten Bands werden ja immer lascher mit der Zeit und erzählen dann was von Weiterentwicklung um ihren Popscheiß zu rechtfertigen. Wir sind immer härter geworden von Platte zu Platte, aber das wurde dann auch kritisiert. Eigentlich konnte man zur Jahrtausendwende keinem mehr irgendwas recht machen. Was wurde gejammert als „Geh mit Gott“ rauskam, das wir den wahren Oi! verraten haben und das HC nix in der Mucke zu suchen hat. 5 Jahre später war das ein Meilenstein und wurde als Kultplatte gefeiert. Daher denke ich, dass Deutschrockfans nicht unbedingt zu den Leuten zählen werden die die Platte kaufen wollen.
War es Euch persönlich wichtig, dass die Scheibe auf einem szenenahen Label wie Randale Records veröffentlicht wird?
Schulle: Es war mir sehr wichtig ein Label zu finden was diesen Spirit und Geist auch in sich bürgt. Randale Records ist für mich eine optimale Lösung für diese Bierpatrioten Best Of! Veröffentlichung. Es ist ein sehr gutes Szene Label was bodenständig ist und seit Jahren gute Arbeit leistet und tolle Veröffentlichungen hervorbringt. Sie sind sich auch nicht zu schade jungen unbekannten Bands eine Chance zu geben. Dazu kommt noch, dass Oli und Diana große Bierpatrioten Fans sind. Alles passte. Ich kenne die beiden auch sehr gut durch die gemeinsame Arbeit mit Toxpack.
Frank: Randale ist ein sehr beständiges Label und bringt auch nur gute Musik raus ohne sich um Anfeindungen zu kümmern. Es sollte mehr solche Plattenfirmen geben.
Schließt Ihr das Kapitel „Bierpatrioten“ mit diesem Release endgültig ab oder habt Ihr noch einige Asse im Ärmel?
Schulle: Was soll ich dazu sagen, ich wusste dass diese Frage noch kommen wird. Es werden wahrscheinlich einige wissen wollen: kommt da noch was, passiert da noch mehr? Eins ist doch mal Fakt, wir haben alle selber viel zu tun mit unseren beiden anderen Hauptbands Turbolover und Toxpack. Wir arbeiten alle, haben Familien gegründet und sind dadurch ein wenig ruhiger geworden. Ich für meinen Fall hatte nicht vor mit diesem Werk eine Bierpatrioten Reunion zu starten. Es ist ein Dankeschön an alle Freunde, Wegbegleiter und besonders an unsere Fans.
Frank: So sieht das aus. Mehr als eine Band übersteigt unsere Kräfte. Ich glaube auch nicht, dass es gut wäre. Die alte Zeit lässt sich sowieso nicht wiederholen. Vielleicht kann man mal ein Spaßprojekt machen oder so, aber eigentlich ist das Kapitel abgeschlossen.
Oi! Oi! Oi! – Die Bierpatrioten
Dieses Interview erschien auch im OI! THE PRINT und wurde uns freundlicherweise von “Schulle” zur Verfügung gestellt
Seit jeher finde ich, dass die Hudson Falcons eine recht unterbewertete Band sind, die in Deutschland bisher nie die Aufmerksamkeit bekam, die ihnen eigentlich gebührt. Nachdem die Jungs mit „Dancing Underneath The Moonlight“ dann auch noch einen weiteren großartigen Tonträger in diesem Frühjahr auf die Szene los ließen, muss sich an diesem Umstand langsam was ändern. Grund genug um den Jungs auf ihrer diesjährigen Tour mal etwas genauer auf den Zahn zu fühlen. Nach einem hervorragenden Konzert in der Duisburger Punkeria stand mir Sänger Mark Linskey, der sich nicht nur an dem Abend, sondern auch beim gemeinsamen Ausflug am nächsten Tag, in den Duisburger Landschaftspark als absolut sympathischer Kerl herausstellte, Rede und Antwort. Für mich war dieses Treffen nicht nur mein Interview Debut, sondern auch ein wirklich nettes Gespräch. Ich hab mir die größte Mühe gegeben und versucht alles nach bestem Wissen und Gewissen wieder zu geben und mehr als einmal musste ich beim übersetzen an meine damalige Englischlehrerin denken. Hätte ich mal besser aufgepasst! Na ja, der Zug ist wohl abgefahren. Aber trotz allem denke ich, kann sich das Interview durchaus sehen lassen.
Da ein Großteil der deutschen Leser immer noch nicht soviel über euch gehört haben dürfte, stellt euch doch bitte einmal kurz vor. Wo Kommt ihr her? Wann habt ihr euch gegründet und habt ihr vorher schon in anderen Bands gespielt oder noch irgendwelche Projekte am laufen?
Hallo ich bin Mark von den Hudson Falcons. Wir haben angefangen zu spielen im Mai 1998. Haben 6 Touren durch Europa gemacht und 30 Tourneen durch die Staaten. Insgesamt haben wir über 1400 Shows gespielt. Wir hatten eine Menge Leute in der Band und manche hatten mit dem vielen Touren so ihre Schwierigkeiten. Wir hatten eine Menge verschiedener Menschen in der Band. Unser original Gitarrist spielte damals bei Frankenstein. Unser Bassist auf dieser Tour spielt bei Far From Finished. Wir hatten Leute von Kingsize Braces in der Band. Es waren wirklich schon jede Menge Leute von den verschiedensten Bands. Unter anderem von GC5 einer der besten amerikanischen Bands der Jahre so um 2000 rum. Ich muss mal überlegen wer noch wo gespielt hat. Wir hatten für eine Weile Leute von First Wave dabei, Best it´s Quire, den Braceknuckle Boys. Wir sind halt eine Rock´n`Roll Band und dementsprechend viel unterwegs und da trifft man eben immer wieder auf interessante Leute mit denen man gut touren kann und die einfach Bock haben guten Rock´n´Roll zu spielen.
Sind da auch noch irgendwelche Projekte derzeit am laufen?
Ich hab noch ein Projekt und zwar die Street Corner Matadors. Wir hatten damals vor ca. 5 Jahren ein Full lenghts Album raus und ich hatte beide Bands zur selben Zeit was sich als nicht so sinnvoll herausstellte. Sie gingen vom Stil her schon etwas auseinander und ich dachte ich könnte beides nicht miteinander kombinieren . Es war weniger Punkrock dafür aber mehr Country und Rock´n`Roll. Heute versuche ich die beides mehr zusammen zuführen, weshalb auch auf der neuen Scheibe einige ruhigere Songs vertreten sind und manche auch ein bisschen mehr Country-Einflüsse haben.
Ihr habt ein neues Album am Start, welches meiner Ansicht nach nicht nur großartig geworden ist, sondern auch absolut abwechslungsreich. Es gibt auch den ein oder anderen ruhigen Song wie Everythings Allright oder auch Interstate Bound. Smashige Nummern wechseln sich mit gefühlvollen Songs ab. Wenn ich mir da die Split Scheibe mit EK77 anhöre die geradlinig nach vorne ging, habt hier hier weitaus mehr Wert auf Gefühl gelegt. Seid ihr heute ruhiger und habt weniger Wut oder wie entstanden die neuen Songs?
Wenn ich neue Songs schreibe sag ich nicht ich brauche jetzt einen schnellen Song über irgendetwas das mich aufregt, sondern in verschiedenen Zeiten schreibt man eben auch über unterschiedliche Sachen. Mich regen immer noch viele Dinge auf, aber die Songs die ich im letzten Jahr geschrieben habe sind eben etwas sanfter ausgefallen und es dreht sich mehr um Verzweiflung. Ich denke es ist eine alte Sache. Ich finde einfach der Song selbst und das was er aussagt ist wichtiger als der Stil der Musik. Ich weiß nicht wer es als erster sagte, aber es gibt nur zwei Arten von Musik. Es gibt Gute Musik und schlechte Musik. Ich möchte gute Songs schreiben. Es wird Leute geben die sagen das ihnen der Song Interstate Bound nicht hart genug ist. Das ist für mich vollkommen ok. Ich hab damit kein Problem. Es gibt eben verschiedene Geschmäcker. Auf der anderen Seite gab es auch welche die sagten die alten Sachen wären ihnen zu hart. Mein Ziel war es beide Seiten anzunähern. Hier dürfte diesmal für jeden etwas dabei sein. Ich schreibe was mir aus dem Herzen spricht. Ich freue mich wenn es anderen gefällt, aber es gibt eben auch genügend andere Bands die härtere Musik machen für die die es brauchen. Ich könnte über irgendwelche Dinge die ich hasse singen, aber für mich ist die Intensität eines Songs sehr wichtig. Leidenschaft die rüber kommt und auch das Gefühl spielt da für mich eine sehr große Rolle. Beides ist sich da sehr ähnlich und steckt hier nur in einem unterschiedlichen Gewand.
Auf der neuen Scheibe hört man als einen großen Einfluss Bruce Springsteen raus. Wie kommt da der Querverweis zum Punkrock zustande?
Ich bin seit dem ich 13 oder 14 Jahre alt war mit der Musik von Bruce Springsteen aufgewachsen und er ist der Grund warum ich überhaupt anfing Musik zu machen und Texte zu schreiben. Er ist für mich einer der Hauptinspiratoren. Ich kannte damals The Clash und die New York Dolls aber ich wusste absolut nichts über Punkrock. Ich war damals ca. 24 jahre alt als ich mit einem Freund in einer Band spielte. Ich wollte damals so wie Bruce Springsteen spielen nur schneller und lauter und mein Freund meinte, was ich spiele ist nicht Bruce Springsteen sondern Punkrock. Er gab mir eine Kassette mit all den ganzen 77er Bands. Auf dem Tape waren sämtliche Klassiker der damaligen Zeit wie Menace, Stiff Little Fingers, Sham 69 eigentlich jede bekannte Band aus England zu der Zeit. Ich hörte mir das Tape damals an und sagte das mir Blitz richtig gut gefällen würde und er machte mir einen Mix mit sämtlichen Hits von Blitz fertig. Ich mochte Sham 69 ebenfalls sehr. So kam ich erstmals richtig mit Punkrock in Kontakt. Die meisten Kids damals machten genau die entgegengesetzte Erfahrung sie fingen mit Punkrock an und lernten die Rolling Stones und Bruce Springsteen erst viel später zu schätzen. Ich war von Teenagerzeiten an Fan vonThe Clash und auch der New York Dolls und des ganzen Johnny Thunders Stuffs, aber eben auch von Springsteen und den Stones, nur wollte ich eben etwas härter spielen und als ich das erste mal die Stiff Little Fingers gehört habe dachte ich, Wow genau das ist es was ich spielen will. So kam ich damals zum Punkrock! Ich liebe es heute ein Teil der Punkrockszene zu sein. Ich mag das die Bands sich untereinander unterstützen und zusammenhalten, auch das ganze DIY Ding. Jeder unterstützt sich gegenseitig. In der New Jersey Rock Szene ist das ganz anders, da würde das niemals passieren. Da steht jede Band für sich alleine und das nützt niemandem etwas. Zu sagen wir sind die beste und einzigste Band ist eine schlechte Attitüde. In der Punkrockszene stehen sie alle zusammen und da bin ich stolz drauf.
Mark, leider konnte ich wegen meinem Job gestern nicht bei deinem Solo-Konzert mit dabei sein. Was erwartet den Zuschauer auf deinen Solo-Shows? Ähnliches wie bei den Hudson Falcons oder etwas komplett anderes?
Ich mische das so ein bisschen. Ich spiele da ein paar Songs von den Hudson Falcons, einige von meinem Soloalbum und gestern eben auch 7 Bruce Springsteen Cover. Alles natürlich auf der Acoustic-gitarre. Ich spiele da vieles wo ich einfach Lust drauf habe, weil ich es schon eine so lange Zeit mache. Ich habe viel in Bars gespielt auf Touren durch die USA einfach um einen netten Abend zu haben und so wie gestern habe ich zum ersten Mal „I never Waiting for a Friend“ von den Rolling Stones gespielt. Ich hab mir gedacht das ich es einfach mal ausprobiere. Das war jetzt nicht so gelungen, aber ich hatte einen sehr schönen Abend und das ist es wo es drauf ankommt. Ein netter Abend in angenehmer Atmosphäre wie im Wohnzimmer. Man trinkt ein paar Bier raucht eine Zigarette und hat eine schöne Zeit.
Im Gegensatz zu anderen Bands seid ihr relativ häufig unterwegs in Deutschland. Woher nehmt ihr die Zeit? Ist das immer euer Urlaub oder könnt ihr von der Musik leben?
Nein, ich kann nicht von der Musik leben. Ich arbeite als Gewerkschafter für die Gewerkschaft der Lehrer in den USA und so arbeite ich auch während der Tour. Ich erledige meine tägliche Arbeit unterwegs. Gestern nach der Show habe ich zum Bsp. auch noch gearbeitet. Mein Boss ist wirklich cool drauf und weiß das er sich darauf verlassen kann, obwohl ich unterwegs bin. Egal ob ich gerade in Dallas, Texas oder Budapest bin. Die Arbeit wird trotzdem erledigt, da ich nun mal nicht von der Musik allein leben kann.
Wie lange seid ihr jetzt auf Tour und was waren bisher die besten Konzerte der Tour?
Wir haben bevor wir nach Europa rüber gekommen sind schon 3 Wochen in den USA getourt. Insgesamt werden wir 6 Wochen unterwegs sein und wenn wir wieder drüben sind werden wir nochmal 2 weitere Wochen dort touren. Die beste Show der Tour? Hmm Schwer zu beantworten. Dülmen am Freitag könnte eine gute Zeit werden. Graz in Österreich ist auch immer ein netter Ort. Schweden ist auch immer sehr gut. Minden am Dienstag war eine sehr kleine Stadt, aber die Show war wirklich gut. Ich war sehr überrascht. Genauso jedes Konzert mit Emscherkurve 77 macht immer viel Spaß. Das würde ich jetzt auch sagen wenn der Spiller nicht in der Nähe stehen würde, Ha Ha. (Spiller stand im Hintergrund und lauschte, Anmerk. d. Verfassers) Heute abend hier in der Punkeria das war auch eine wirklich angenehme Show. Eine gute Show ist eigentlich nicht davon abhängig wie viel Leute da sind. Eine gute Show ist abhängig vom Publikum unabhängig von der Menge der Leute. Egal ob es 20 oder 100 sind. Wir haben in den USA ein Konzerte gespielt wo nur 15 Kids da waren, die aber dafür absolut mitgegangen sind und ihren Spaß hatten. Das war für uns eines der besten Konzerte. Wenn der Funke zum Publikum richtig überspringt, das sind gelungene Shows. Graz in Österreich war eine wirklich gute Show. Wir haben da als Vorband für Matt Freeman von Rancid gespielt. Das war sehr cool. Er ist ein wirklich netter Typ. Ich bin seit langem Rancid-Fan.
Welche Subkulturen findet man bei euch in den Staaten auf einem Konzert? Punks, Skins oder alles bunt gemischt?
Es ist gemischt. Es sind viele ältere Skins, einige jüngere. Wir passen nicht unbedingt in dieses Image, aber viele der jüngeren Leute schon. Den älteren ist diese Zugehörigkeit nicht mehr so wichtig. Sie interessieren sich mehr für die inhaltlichen Dinge. Wir hatten schon immer eine große Skinhead-Anhängerschaft, weil wir eben eine Working Class Band sind. Viele unsere Texte drehen sich um diese Themen. Ich habe zwar auch nicht mehr so viele Haare, aber nicht weil ich mir den Kopf rasiere, sondern weil sie mit den Jahren einfach ausgefallen sind, ha ha. Die Skinheadszene ist für uns ein großartiger Support, aber wenn wir z. Bsp. In South Dakota spielen ist da eine Handvoll Punks, wenn es hochkommt vielleicht zwei Skinheads und der Großteil des Publikums setzt sich aus normalen Leute zusammen und trotzdem ist es einer der besten Orte für uns zu spielen. Mit normal will ich jetzt nicht sagen das Punks und Skins unnormal sind, sondern es sind eben viele Leute die sich keiner bestimmten Szene zugehörig fühlen.
Working Class ist für euch nicht nur ein Image! Mark, wenn ich richtig informiert bin arbeitest du bei einer Gewerkschaft. Was machst du da genau?
Ich bin Gewerkschaftsorganisator und mache das bereits seit 1995. Ich arbeite für die Gewerkschaft der Lehrer. Ein Großteil meiner Arbeit liegt in der Öffentlichkeitsarbeit. Wir gehen zum Beispiel von Schule zu Schule und erklären warum es sinnvoll ist einer Gewerkschaft beizutreten. Dazu gehört auch einiges an Grundlegenden Dingen. Ich kümmere mich um den Internetauftritt, beantworte E-Mails und solche Sachen. Ich glaube einfach an das wofür ich einstehe, an die Rechte der Arbeiter. Alles was wir haben wurde auf dem Rücken der arbeitenden Klasse aufgebaut. Wenn ich meine Musik verkaufe stehe ich ebenso voll und ganz dahinter. Ich glaube an das was ich singe und genauso verhält es sich mit meinem Job. Ich mache es zu 100 Prozent mit Herz und Seele. Meine Mutter und mein Vater waren wirklich hart arbeitende Menschen. Sie waren nicht Arm oder so, aber sie mussten dafür eben sehr viel arbeiten. Mein Vater war Fischer und arbeitete auf einem Schiff. Er hatte wirklich so gut wie nie frei und das trotz der vielen Arbeit. Er musste jeden Tag arbeiten. Es gab viele Dinge die sie im Leben machen wollten, aber wegen der Arbeit nie die Zeit dazu hatten. Die Miete musste eben bezahlt werden. Ebenso meine Mutter und meine Großmutter. Sie waren eigentlich immer am arbeiten und das auch sehr hart. Sie musste für schlechte Chefs viel Arbeit leisten. Das ist nicht gut. Es ist nicht leicht so aufzuwachsen, aber andererseits ich bin auch stolz so aufgewachsen zu sein. Eigentlich ist da ein Fehler im System. Wer viel arbeitet muss auch etwas davon haben. Heute sind sie zu alt um das Leben richtig zu genießen. Ich möchte nicht das es jüngeren Generationen genauso ergeht und dafür setze ich mich ein.
Ich bin bei mir auf der Arbeit im Betriebsrat und halte Gewerkschaften heutzutage für wichtiger den je, aber viele Arbeiter hier in Deutschland wissen die Gewerkschaftsarbeit heute nicht mehr zu schätzen. Ich denke viele Arbeiter sind da zu gutgläubig und vertrauen den Managern.
Ja, du bringst es auf den Punkt! Das ist genau das was mich jeden Tag stört. Wenn ich in Schulen unterwegs bin und versuche die Lehrer gewerkschaftlich zu organisieren erzählen sie mir das ihr Chef es gut mit ihnen meint. Ich frage, was meinst du damit „Er meint es gut mit dir“? Du arbeitest für mehr Stunden als für die du eigentlich bezahlt wirst. Was ist gut daran? Dein Boss sagt dir „er muss dir weniger Geld zahlen sonst müsse er dich entlassen“. Das bedeutet er ist nett zu dir? Das ist Unsinn! Keine Frage, es gibt da draußen auch Chefs die absolut in Ordnung sind. Sicher! Unser alter Gitarrist hat einen der besten Chefs die man sich vorstellen kann. Er behandelt seine Angestellten wirklich gut. Sie brauchen keine Gewerkschaft, aber dafür behandelt er sie auch wie seine Familie. Ich wünschte davon gebe es mehr! Dann bräuchten wir auch keine Gewerkschaften. Aber viele Chefs sind einfach Drecksäcke und deshalb brauchen wir Gewerkschaften. Wenn es hart auf hart kommt interessiert dein Chef sich nicht wirklich für dich. Deswegen muss man sich organisieren mit anderen Arbeitnehmern.
United We Stand, Divided We Fall?!?
Genau!!
Stück für Stück werden hier immer mehr Rechte der Arbeiter beschnitten. Wie sieht das bei euch in den USA aus?
Oh, es ist schrecklich! Die Gouverneure einiger Staaten, wir haben ja mehr als 51 verschiedene , versuchen manche der geltenden Gesetze zu ändern um die Gewerkschaften zu schwächen. Wir waren bevor wir hier rüber kamen in einem Staat wo es dafür keine geregelten Gesetze gab, dort war es schlimm, aber das gute daran ist das sich einige Arbeiter aufgrund dessen zusammen taten um dagegen anzugehen. Aber es gibt auch welche die gegenseitig auf einander los gehen. Das geht nicht. Wir müssen gemeinsam dagegen stehen, weißt du was ich mein? Die Gewerkschaften sind dafür da um die arbeitende Klasse zusammen zu halten und gegen so etwas vor zu gehen. Sie können Arbeitnehmer zusammen bringen und stärken zu einem Kollektiv. Durch diese Entwicklung gelingt es auch mehr und mehr Arbeiter zu organisieren, aber Zur Zeit ist es eher schlecht in den USA. Ich wünschte die Bundesregierung würde sich dafür mehr einsetzen. Ich bin ein Fan von Präsident Obama, ich mag ihn wirklich! Er hat viele gute Dinge für unser Land getan, aber ich finde es könnte noch mehr für die Arbeiterrechte getan werden. Die Rechte der Arbeiter müssen besser geschützt werden, da einige Staaten eben versuchen die Gewerkschaften zu schwächen und das ist Bullshit. Dort wird die Armut gefördert, indem diese Staaten Steuererleichterungen für große Unternehmen bieten und gleichzeitig sagen ein Lehrer der 40000 Dollar pro Jahr macht, verdient zuviel. Das ist Unsinn! Es ist der Drecksack-Boss der im Jahr 100 Millionen Dollar macht und sich einen Dreck scherrt um den kleinen Arbeiter. Das sind die Menschen die unser Land ausnutzen, dein Land ausnutzen und uns alle letztendlich ausnutzen. Das ist auch der Grund warum viele sauer werden auf den Staat und sich aufregen. Das ist es wogegen man vorgehen muss, nicht gegen kleine Arbeitnehmer. Die Leute müssen sich darüber klar werden, das sie ausgenutzt werden. Das stinkt mir wirklich!
Kannst du mir zu ein paar Amerikanischen Klassikern kurze Statements geben?
Dead Kennedys?
Ich kenne kaum was von den Dead Kennedys. Das ist Jello Biaffra, oder? Ich mag seine Stimme nicht so. Ich kann dir da nicht wirklich viel zu sagen, das ist ehrlich gesagt nicht gerade meine Musik.
Rancid?
Ich Liebe Rancid! Ich bekam ein Tape von meinem Bruder zu der Zeit als Rancid und Green Day gerade im Kommen waren und als ich Salvation von ihrer Scheibe Let´s Go hörte, dachte ich direkt das ist wirklich cool und hat einen guten Vibe. Out Comes The Wolves ist ein gutes Album und Life Won`t Wait ist eines meiner Lieblingsalben geworden. Rancid ist eine großartige Band, aber da ist ein Unterschied. Es ist nicht einfach ein Lieblings-Punkrock-Album. Es ist ein hervorragendes Album, jedoch unabhängig vom Punkrock. Es hat nichts mit den Genre zu tun. Es ist einfach ein großartiges Stück Musik, egal wie man es nun nennt ob Punk oder nicht. Wenn du gute Musik magst, gehört Rancid dazu. Ich habe viel Respekt vor ihnen. Ich liebe Rancid.
Johnny Cash?
Ich mag Johnny Cash. Ich mag das Drumherum um Johnny Cash und ich höre ihm gerne zu. Er ist einer der Coolsten Leute überhaupt. Ich höre gerne Country, aber ich bevorzuge Alternativ-Country oder Texas Country. Ich bin ein Großer Fan von Sachen wie Steve Earl oder Lyle Lovet. Ich mag Johnny Cash wirklich und habe soviel Respekt vor ihm und genieße es eine Platte von ihm aufzulegen und ihm zu zu hören.
Bonecrusher?
Wir sollten bereits 4 mal mit ihnen in Amerika spielen und jedes mal haben sie den Auftritt abgesagt. Sie sind eine gute Band, aber ich habe sie noch nie live gesehen. Ich habe sie oft gehört und jedes mal wenn es hieß wir spielen mit Bonecrusher freuten wir uns und sagten: Cool wir spielen mit Bonecrusher. Dann kam die Absage. Schade, dann im nächsten Jahr. Wieder, wir spielen mit Bonecrusher. Cool, gefreut!Und dann wieder die Absage. Schade. Aber sie sind definitiv eine großartige Band.
Danke für das Interview, Mark! Hast du noch ein paar Worte für deine deutschen Fans?
Thank You! Bleibt euch treu und macht immer das was euch aus dem Herzen spricht! Lasst euch nicht von der Szene diktieren was ihr zu tun habt! Helft der Szene und seid ein Teil von Ihr. Du weißt es ist auch richtig für sich selbst zu denken und du kannst auch beides miteinander verbinden. Du kannst ein Teil der Szene sein und musst dafür nicht wie ein Schaf allem hinter her laufen.
Danke, Mark!
Geführt wurde das Interview vom Crazy United Mitschreiber “Daniel”.