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PUKE MUSIC INTERVIEW (28.09.2014)

Woran genau merkt man eigentlich, dass man alt geworden ist? Ich kann die Frage jetzt folgendermaßen beantworten: Man ist alt geworden, wenn man ein Interview führt, es fertiggestellt hat und dann einfach vergisst. So ging’s mir mit dem Interview mit Bernd von PUKE MUSIC. Bereits nach dem von ihm organisierten und grandiosen Festival zu Ostern, hatten wir unser Frage-Antwort-Spiel beendet. Doch anstatt es gleich abzugeben, blieb es in den Weiten meines Rechners vergessen. Nachdem ich jetzt die neue Split von NO EXIT und THE BERMONES erhielt, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Der Sänger der BERMONES ist nämlich kein geringerer als Bernd. Daher sind auch einige Fakten des Interviews bereits veraltet, aber ich wünsche trotzdem viel Spass beim Lesen, denn Bernd ist ein echt dufte Typ und seine Berliner Schnauze gibt einiges interessantes von sich.

Hallo Bernd, ich habe gerade deinen „Auftritt“ beim New Rose Punkrockradio von Nolti verfolgt und da hast du deine persönliche Geschichte ein wenig angerissen. Aber stell dich doch bitte noch mal kurz vor.

Ick wurde im Osten Berlins geboren, 1989 habe ick erst die Skeptiker und dann die Toten Hosen (nen Geheimkonzert in Ostberlin, wollte mir keener inner Schule erst glauben, stand dann aber Monate später inner Bravo drin!!) gesehen und der Punk hatte mich, zum Glück! Mit 14 kam die Wende, geile Zeit in Ostberlin und mit 14 hatte man schon nen Ausweis, so konnte ick auch alleine in den Westen.

Vor 10 Jahren hast du in Berlin PUKE MUSIC ins Leben gerufen. Wie kamst du auf diese Idee, in Zeiten von Onlineshops einen Laden zu eröffnen?

O.K., ne Kurzfassung: Ick bin Bernd, einer von 3, die Pukemusic vor 10 Jahren gegründet haben. Wir haben uns dann im Laufe der Zeit getrennt, aber arbeiten alle noch zusammen im Punkrockbereich. Eigentlich hatte ick nen juten Job, als Einzelhandelskaufmann, Mo, Di, Mi arbeiten und 900 Taler uff de Kralle und von Do bis So frei, aber es war halt nicht wirklich Punkrock und den will ick halt leben und jeder Punker träumt von ner Band oder nen Plattenladen, glaube ich, und ick verwirkliche gerne meine Träume, sonst würd ick mich nur ärgern, „hätteste dit mal gemacht“, ob die immer sinnvoll oder Erfolgreich sind, sei dahin gestellt.

Mittlerweile läuft unter PUKE MUSIC auch ein Label. Seit wann genau und auch hier die Frage, was bringt einen dazu in Konkurrenz zu Downloads ein Plattenlabel zu gründen?

Wir haben sehr schnell angefangen auch ein Label zu gründen. Grund dafür war, dass die Tonträger im Einkauf so teuer sind und wir ja zu Punkrockpreisen verkaufen wollen und da wir schon Mercher von vielen Bands waren, hatten wir so auch den Kontakt und konnten unsere Tonträger mit anderen Labels damals tauschen. Hör bloss uff, mit Tauschpunkten und so, war auch teilweise sehr nervig;).  Eine der ersten Produktionen, war z.B. die Zaunpfahl LP „Leben ist“ und eine der ersten CDs war ne Split von Crushing Caspers und C.O.R. Da hatten wa uns gefreut, geil gleich Caspers auf dem Label und C.O.R. Kannte noch gar keiner so richtig und siehste; jut dat wa dit gemacht haben, so ne geile Band. Mittlerweile haben wir über 50 Produktionen rausgebracht!!! Das mit den Downloads kam ja erst etwas später und nimmt sehr zu, aber is ja egal, Hauptsache die Leute kriegen die Musik. Zu meiner Zeit waren noch Kassetten aktuell, dit ändert sich halt und durch unseren Vertrieb „Brokensilence“ sind unsere Tonträger ja auch im „käuflichen“ Downloadbereich drin und so, bekommt dat Label und die Band ja auch was ab. Schade ist, dass wir (ähnlich wie bei Eintrittskarten im VVK) über den Vertrieb, also bei MediaMarkt, Saturn, Amazon etc. mehr Tonträger verkaufen, als bei uns selber. Deshalb mussten wir auch vor 3 Jahren unsere Angebot von Tonträgern im Laden und Online reduzieren, weil die Leute heutzutage scheinbar lieber, bei den „großen“ 2 – 3 Taler mehr ausgeben und nicht bei den kleinen, jammer, jammer….

Bisher sind die Scheiben bei dir nur auf CD erschienen. Warum eigentlich nicht auf Vinyl?

Tja, falsche Info oder nicht jut recherchiert;) , aber ist schon richtig, das wir fast nur noch CDs rausbringen und das Vinyl in Kooperation mit anderen Partnern machen. So hat auch jedes Label so sein Ding und wir bringen halt eher CDs raus. Ick Liste mal die paar wenigen LPs auf die wa rausgebracht haben:
PicLP Anticops „Everbody bleeds tonight“
LP Anticops „Trough bleeding Eyes“ (Zusammen mit SNPunx!!)
LP Atemnot – 20 Jahre Punk (Zusammen mit SNPunx!!)
Single THE BERMONES – PUNK ( Zusammen mit Hörsturzproduktion)
LP COR „Freistil Kampfstil Lebensstil“
LP COR „Tsunami“
LP Gumbles „…alle für einen“
LP No Exit „aus Berlin“
LP OXO 86 „Fröhlich sein und singen“
Do10“ OXO 86 „So beliebt und so bescheiden“
LP Pokes, The „Hello, my dear…“
PicLP Turbolover „Brot für die Welt“
LP Zaunpfahl – leben ist
13 Stück, geile Zahl. Is einfach zu teuer beides zu finanzieren und ne LP is fast 3 mal so teuer in der Produktion, wie ne CD!!

Wie läuft der Laden eigentlich? Lebst du davon oder gehst du noch einem geregelten Job nach? Bist du allein oder hast du Helfer bzw. Angestellte?

Der Laden ist fest in der Samariterstr. 34a, 10247 Berlin. Dieser is ein Teil von Pukemusic, davon leben wir, weil es noch das Label, den Großhandel, den Merch für Bands  und die Olsenbande gibt! Fest im  Laden sind z.Zt. Hans, Uschi – Skatja, Muschi – Nadja (ick kann mir schlecht Namen merken, deshalb gibt Muschi und Uschi, dit geht). Muschi hab ick sogar Ausgebildet!!!! Ja, ja, ja!!! Und Helfer haben wir ganz viele, ick zähle mal nur ein paar auf Henzer, Krause, Paul, Andy, Patrick, Mauli Pauli… Allet Freunde halt und ick bin sehr glücklich die kennengelernt zu haben und dass se immer da sind, wenn man mal in Not ist/Hilfe braucht.

Du hast in Berlin schon einige echt gute Konzerte organisiert, aber erst zu Ostern gab es das erste Labelfestival. Warum erst nach 10 Jahren?

Nee, nee, och schon wieder falsch. Nen Labelfestival war dat ja nicht, dat war halt zum 10 jährigen Bestehen, wo auch ein paar Labelbands gespielt haben, aber auch viele andere. Diese aber meist, weil ick se schon ewig kenne und wir schon oft zusammen Konzerte gemacht haben. Ne Zeit lang haben wir sehr viele Konzerte gemacht, z.B. Voll Uffe Omme Reihe im SO36 (so haben wir ja dann auch unsere Labelsampler benannt), Berlin Rock City, viele Release Konzerte zu den Produktionen und fest ist jedes Jahr am 30.12. das Silvester Warm Up, wo immer Berliner Weisse spielt und noch mind. 2 andere Bands. Aber ick hab mir auch schon so gedacht, nen Labelfestival zu machen, vielleicht 2015, mal sehen.

Wie hattest du die Combos ausgewählt? Sind ja nicht alles Labelbands von dir.

Hatte ick ja gerade zum Teil schon erzählt. Erst wollte ich auch gar nix machen, aber dann meldete sich Razzia, mit denen hatte ich mal im SO36 nen Konzert gemacht und die fanden es so schön bei uns und wollten wieder spielen. Damit hatte ich dann begonnen das Festival zu basteln. Razzia hat dann nicht gespielt, wegen Ostern und Famillie halt, was bei vielen ein Problem war. Aber als ich hörte die Tauben spielen wieder, war klar, die müssen dabei sein. Mit denen bin ick aufgewachsen (1990/91 gab es im Forum Steglitz bei WOM ne Autogrammstunde, man, noch mit Bravo-Postern bin ick da hingerannt…, ach damals). Ja und dann kamen immer mehr Bands für das Festival zusammen, Ostersonntag fand ich genial, weil Montag frei und so konnte ich auch das komplette K17 mieten, weil sonst ja immer freitags oder samstags noch ne Dauerveranstaltung drin ist, und konnte das richtig fett auf 3 Live Bühnen und einen DJ-Floor planen, was mich auch sehr gereizt hat. Ich hatte auch mal für Haiti ne Show gemacht , an einem Abend mit 20 Bands auf einer Bühne, geile Logistik, steh ick drauf!!

Deine Band, die BERMONES, hatten auch einen ihrer seltenen Gigs geben. Erzähl doch mal kurz die Geschichte der Combo und wie das Reunion-Konzert war.

The Bermones ist ne Ostberliner Punk Band, die es von 1987 – 1993 gab, ich bin eigentlich erst 1991 da eingestiegen (nen ausschlaggebener Punkt war bestimmt weil ick Bernd heisse…). Ick hatte einfach wieder Bock Musik zu machen und selber auf der Bühne zu stehen (wenn man Konzerte veranstaltet, bekommt man ja meistens auch nie was mit, weil irgendwat is immer…). Erst wollte die Band nicht, da ick aber auch die Liveaufnahme vom SO36 hatte, wo ick bei den Skeptikern, statt „Strassenkampf“ unseren Coversong „Strassenbahn“ mitgesungen hatte, habe ick einfach ne MaxiCD rausgebracht. Zum einen gibt es wohl doch nen paar Leute, die uns noch kennen und die Band hat gemerkt, ja, eigentlich war es ja immer schön, also warum nicht. Und jetzt werden wir sogar ne Split CD mit No Exit rausbringen, wir sind gerade im Studio und basteln an neuen Songs, dat wird sehr geil!!!

Hast du darüber hinaus musikalische Ambitionen oder überlässt du das lieber den Bands, die du herausbringst?

Wie gesagt, The Bermones gibt es wieder, leider habe ich zu wenig Zeit zwecks Proben, wird also alles noch etwas dauern!!

Warst du mit dem Festival im Großen und Ganzen zufrieden?

Na klar, hat doch alles funktioniert und ich habe bis jetzt noch nichts Schlechtes gehört. Ick selber kann mich so ab ca. 20 Uhr an nix mehr erinnern, nur kurze Flashbacks, ick war voll!!! Aber die Konzertberichte und Fotos sehen gut aus!!

Mit OIRE SZENE hattest du vor kurzem so deine Probleme gehabt. Wie kam es dazu? Was hälst du von diesem Portal? Wie kannst du dir erklären, dass die jetzt auch auf dich abgesehen haben?

Es ist gar nicht des Wortes Wert, über die zu reden. Seit 25 Jahren bin ick in der Punkszene unterwegs, ick weiß wo ick stehe, fertig!

Du hast u.a. die CRUSHING CASPARS auf deinem Label. Was sagst du dazu, wenn diese Band z. B. auf dem SPREEWALDROCK FESTIVAL spielt? Das Festival ist aus meiner Sicht mehr als Grauzone und zieht viele zwielichtige Gestalten an.

Ich schriebe keiner Band vor, wo sie spielen soll oder darf, ick weiß auch wo meine Labelbands stehen und finde es eigentlich gar nicht so schlecht, wenn vernünftige Bands auf dem Spreewald z.B. spielen, weil man so vielleicht manchen auch noch ne Alternative zu den Grauzonen Bands zeigen kann und vielleicht ändert sich dadurch noch der eine oder andere Festivalbesucher, schön wärs.

Was planst du demnächst an Veröffentlichungen auf PUKE MUSIC?

Im Juni kommt ne Oldschool HC-Punkband raus The Poor Devils, ein Soundtrack vom Bootskadaver Film, im Juli die No Exit/ The Bermones Split und im Herbst die neue Madlocks. Aber da kommt bestimmt noch was dazu!!

Gibt es darüber hinaus Pläne? Vielleicht ein weiteres Festival, Konzerte?
Ick warte jeden Samstag auf die richtigen Zahlen beim Lotto, ick habe noch so viel im Kopf worauf ick Bock habe. Wie gesagt, vielleicht 2015 nen Beginn eines jährlichen Labelfestivals und hier im Kiez wollten wir dieses Jahr eigentlich schon nen Strassenfest organisieren, aber zu wenig zeit, also auch 2015. Na dit reicht ja erst mal auch…

Noch ein paar abschließende Worte?

Nö, wüßte nicht wat?

Besten Dank und bis demnächst auf einem deiner Konzerte!

East Side Daniel

Talco „Interview“ (17.08.2014)

Talco konnten auch bei uns mit ihrem Live Album zum 10-jährigen Jubiläum punkten und wir nahmen dieses Album zum Anlass, der Band ein paar Fragen zu stellen.

Warum ein Live-Album?

01Wir denken, das ist der beste Weg unser 10-jähriges Jubiläum zu feiern. Es wäre nicht dasselbe mit einem Best-Of oder einer B-Seiten-Sammlung gewesen. Und außerdem trete ich alle B-Seiten nach einer Albenveröffentlichung in die Tonne. Wir spielen live all die Songs die wir lieben, die uns all die Jahre auf Tour begleitet haben. Außerdem bin ich von der DVD-Doku sehr begeistert. Sie beschreibt sehr gut, was wir gemacht haben. Und es bringt die Fans näher an die Band. Sie waren diejenigen, die dieses Projekt wachsen ließen und zu dem gemacht haben, was es heute ist. Unsere Shows und die Beziehung zu den Leuten sind die Konstanten all dieser Jahre. Das war unser Grund für dieses Live und Doku-Album.

Wie und warum habt ihr die Songs des Albums ausgewählt?

Es war eine natürliche Auslese und die Suche nach einem Kompromiss zwischen eigenen Favoriten und denen des Publikums. Es wurde eine Auswahl aus dem Bauch heraus, ohne großes Nachdenken. Wir wollten jedoch auch jedes Album vertreten haben. So vielen manche Songs heraus, aber nicht der Qualität wegen. Es wurden einfach zu viele. Ich denke das Resultat vermittelt unsere Absichten sehr gut.

10 Jahre sind eine lange Zeit. Was waren die Highlights? Und was die Lowlights?

Es gab wirklich eine Vielzahl an Höhepunkten, die wir auch auf der DVD beschreiben: Unsere erste große Show bei der Punkitalia 2005 in Berlin, mit der alles begann. Die erste ausverkaufte Headlinetour. Die 100 Jahre FC St. Pauli Stadionparty. Das Baskenland. Die großen Festivals. Die Aufnahmen zu Gran Gala. Japan. Russland… viele, viele unauslöschliche Erinnerungen!
Was die negativen Erinnerungen anbelangt, ich würde sagen, das war 2007, als die Band kurz davor stand sich aufzulösen. Manche wollten zu viel und zu schnell. Seit 2008 stimmt die Chemie zwischen denen die blieben. Wir realisierten, dass dies erst der Anfang war und wir mit Enthusiasmus und Freude weiterarbeiten müssen. Und wir sind immer noch da. Glücklich mit unseren Entscheidungen.

Festivals in Spanien, Frankreich, Russland, der Schweiz und auf dem Balkan, sogar in Japan. Ihr seid überall begehrt, nur was ist mit Italien?

imagesEs ist wirklich sehr, sehr schwer. Es gibt keine Leistungsgesellschaft. Die Menschen folgen der Mode und die Medien promoten Bands, die nicht authentisch sind. Veranstalter wissen nicht mit aufstrebenden Künstlern umzugehen. Es gibt viele persönliche Interessen und es ist sehr schwer sich eine musikalische Karriere zu erarbeiten. Italien ist kein guter Ort für Musik. Leider. Und die Italiener realisieren das oftmals nicht einmal. Wenn wir versuchen ein Konzert auf die Beine zu stellen, ist die Organisation immer schrecklich. Viele Male hängt kein einziges Poster in der Stadt, oder das Konzert wird erst am Vortag im Internet angekündigt. Richtig scheiße.
Was mich froh stimmt ist, dass es uns ab und zu gelingt eine gute Show in Italien zu bekommen, und das kann man auch am Publikum sehen. Nur bleibt dies meist ein Einzelfall. Denn jeder ist sich selbst der nächste, selbst diejenigen in der Szene, die uns näher stehen. Es gibt keine neuen Bands in Italien. Nur Reunions der gleichen, alten Bands. Die gleichen, alten Shows. Wir können das einfach nicht mehr ab.
Wir werden beschuldigt Italien nicht zu beachten, aber tatsächlich versuchen wir es jedes Jahr und werden letztendlich desillusioniert. Wir wurden müde es ständig ergebnislos zu versuchen. Aber Europa ist groß und wir erreichen sogar neue Gegenden wie Russland, Japan und Südamerika.

Was kommt nach dem Live-Album? Gibt es schon Pläne für ein neues Studioalbum?

Nach dem Live-Album? Ein neues Album! Da gibt es nichts zu verheimlichen. Es gibt schon viele neue Songs und nun ist es an der Zeit sie zu sortieren und an neues Projekt zudenken. Ich habe viele Ideen für Konzepte – für uns Cinephile, Liebhabern von Trilogien, wir dies der Schlussakt der Serie, welche mit La Cretina Commedia (Die Vergangenheit erscheint durch die Gegenwart) begann, gefolgt von Gran Gala (die sündhafte Gegenwart in der wir leben). Die Geschichte wird viele Themen haben, die wir mögen und die man auch in den anderen Alben finden kann. Aber es wird mehr Platz für Dinge bleiben, die wir in der Vergangenheit zurückgelassen haben. Es wird sehr herausfordernd als Konzeptalbum, auch musikalisch. Doch es bleibt das Talco-Motto: Punk-chanka!

Hounds & Harlots Interview (16.03.2014)

 

Am 05.03.2014 spielten Hounds & Harlots in Münster in der Baracke. Die drei sympathischen Jungs aus den USA sind wieder auf Europa-Tour. In einem kleinen Nebenraum habe ich mit Unterstützung von Frank, die Gelegenheit genutzt n paar Fragen stellen zu können. An dieser Stelle, danke auch an Spiller für die Fotos.

Mal vorne weg, grade hat mir Spiller mitgeteilt, ich soll euch doch unbedingt mal danach fragen, was es mit „Fake-German“ auf sich hat. Würdet ihr das kurz erklären?

 

H-H_2Greg:Weisst du, wenn man auf Tour ist, dann wiederholen sich so Kleinigkeiten ziemlich häufig und immer wieder. Ich habe ne Bemerkung gemacht weil Spiller und die anderen sich auf deutsch über uns unterhalten haben und wir haben die meiste Zeit nicht verstanden worüber sich die anderen unterhalten. Da war dann irgendein Wort und „Hounds & Harlots“. Ich fing dann auf Bitten der anderen an, verschiedene Wörter einfach nachzusprechen, also Fake- German… und um die anderen dann zu unterhalten, habe ich Fake-German gesprochen….ich hab einfach einzele Teile von Wörtern zusammengepackt, wenn ich was verstanden hab….

 

Klingt auf jeden Fall lustig, kommen wir mal zur ersten Frage, vor n paar Monaten wart ihr ja schon mal hier in Europa auf Tour, was hat sich denn seit der Zeit verändert?

Bryan: Ja….mal überlegen….einiges…..

Cory: Wir haben ne 7“ und 14 neue Songs, das is wirklich verdammt cool….und auch ein klein wenig überraschend, weil wir damit nicht gerechnet haben…

Ne Split zusammen mit Gimp Fist auf Contra Records uund….

Gregg: Außerdem auch was neues mit Emscherkurve 77…ne Split auf Sunny Bastard Records.

Habt ihr ja einiges geschafft, erzählt mir doch mal von den neuen Songs, würdet ihr sagen, dass sich eure Musik weiterentwickelt hat?

Gregg: Nach der letzten Tour bin ich mit meiner Familie nach Iowa gezogen, das liegt ja in der Mitte der USA. Der Aufnahmeprozess hat sich komplett verändert. Normalerweise geht man als Band ins Studio und feilt direkt an den Songs rum, aber diesmal haben wir eine ganz neue Erfahrung gemacht. Brayn und Cory sind ins Studio gegangen und haben Teile der Musik aufgenommen und sich ausprobiert und ich habe den beiden meinen Gesang via Voicemail geschickt und die beiden haben mir dann wiederum die Tracks zugesendet.

Bryan: Wir haben aber auch die Songs schon letztes Mal auf der Europa-Tour gespielt, hatten die damals nur noch nicht aufgenommen. Aber ich denke, die waren auf jeden Fall alle schon geschrieben, also das Gerüst stand, wir mussten sie dann nur noch einspielen. Aber live hatten wir se schon mal gespielt.

Gregg: Konkret haben wir die Musik also in Kalifornien und meinen Gesang in Iowa aufgenommen. Es war eine interessante Art der Aufnahme, die ich so bislang auch noch nicht gemacht hatte. Normalerweise helfen die anderen dir ja, indem sie sagen, n bisschen mehr davon, n bisschen weniger hier von ….es war eine neue Erfahrung.

Mal nebenbei, wie siehts eigentlich aus mit CDs? Am Merchstand gibt’s nur LPs und ne Kassette, was ja ganz cool ist, aber es haben ja nicht alle n Plattenspieler……

Gregg: Wir haben ne CD, „the good fight“, aber wir kamen vor der Tour nicht mehr dran.Wir haben es zwar versucht, aber es hat leider nicht geklappt, deswegen können wir keine verkaufen im Moment.

Bryan: Aber die beiden Releases kommen auch als digitaler Download.

Cory: Ich finde Vinyl generell besser, es ist schöner ne Platte zu haben anstatt na CD und außerdem klingt es auch besser.

Ja, find ich ebenfalls, aber es haben ja nicht alle Leute nen Plattenspieler….

H-H-4Bryan: Das stimmt, deswegen gibt’s alles als Download, damit sich die Leute das dann auch auf CD brennen können. Wir hatten ja letztes Jahr auch ne CD dabei, also „The good fight“ und die war ja total schnell ausverkauft.

Gregg: Labels, wie Sunny Bastard achten ja auch drauf, dass man dem Käufer immer etwas mehr bietet, also nicht nur die CD, da is ja dann immer noch was dabei, z.b. n schönes Booklet oder Digipack….die Ausstattung ist eben wichtig und da wird drauf geachtet. Sie machen es halt dadurch dann einfach ne Spur exklusiver.

In Zukunft werden wir dann auch darauf achten, dass die Leute unterschiedliche Optionen haben und sich dann aussuchen können ob sie nun Vinyl oder eben CDs kaufen.

Habt ihr mit so nem guten Feedback gerechnet nach der letzten Tour?

Gregg: Wir versuchen unsere Erwartungen immer gering zu halten. Bei unseren Auftritten sind wir schon froh, wenn nur 5 Leute da sind und uns zugucken. Wir haben keine hohen Erwartungen, wir machen Musik weil wir es lieben Musik zu machen, wir schreiben die Songs, die wir schreiben wollen und ich jedes mal hellauf begeistert wenn ich merke, dass die Menschen unsere Musik genau so lieben, wie ich es tu. Ich wünsch mir einfach, dass die Leute ne gute Zeit mit unserer Musik haben.

Bryan: Man kann sicher sagen, die Antwort ist „nein“, wir haben das nicht erwartet. Wir haben das auf der letzten Tour gemerkt…wir hatten absolut keine Erwartungen, bei keinem der Auftritte und waren dann bei jedem einzelnen total überwältigt aufgrund des Feedbacks das wir bekommen haben, egal ob es auf nem Dorf oder in na Großstadt war.

Was gefällt euch denn besser, Shows im kleinen Kreis oder Festivals wie beispielsweise das Son of a Bastard auf dem ihr ja gepielt habt….

Bryan: Ich denke, beides hat seinen Reiz. Normalerweise spielen wir ja nicht bei solch großen Shows, sondern eher in kleineren Läden. Beides macht Spaß und hat auch beides seine Vorteile. Bei größeren Shows herrscht ja ne ganz andere Energie, die vom Publikum ausgeht, aber es macht einfach immer Spaß live zu spielen.

Würdet ihr denn sagen, dass das Feedback in den USA genau so positiv ist wie in Europa?

Gregg: Die Leute die uns bislang gesehen haben finden es gut. Wir haben auch ein paar gute Reviews bekommen. Ich denke, unsere Sachen sind in den USA noch nicht so bekannt wie hier, wahrscheinlich weil wir bis jetzt noch nicht auf Tour waren in den USA. Wir waren ja innerhalb von 10 Monaten zweimal jetzt hier und deswegen bekommen wir ja hier mehr Feedback, einfach weil wir hier Shows spielen. Es ist auch nicht so, das wir nicht in den USA touren wollen, wir hatten bislang nur noch nicht die Gelegenheit dies zu tun, wollen es aber noch machen. Wir touren ja weil es uns Spaß macht zu reisen und weil wir es lieben rum zu kommen und unsere Freunde wieder zu sehen und es ist einfach eine tolle Erfahrung Europa anzusehen, Shows zu spielen und jede Nacht Spaß zu haben.

Wie würdet ihr denn das Gefühl beschreiben, nach einer Tour nach Hause zu kommen, unterstützen eure Familien euch bei dem was ihr tut?

Bryan und Cory: Ja definitv, auf jeden Fall.

Gregg: Ja, letztes Mal als wir auf Europa-Tour gegangen sind war mein Sohn grad mal 3 Monate alt und das war dann echt schwer zu gehen…jetzt ist er 1 Jahr alt und jedes Mal wenn ich Wlan-Zugang habe, nehme ich Kontakt zu meinem Sohn und meiner Frau auf um einfach trotzdem so oft es geht bei den beiden zu sein. Ich bin einfach echt glücklich darüber, dass meine Frau mich unterstützt…im Moment liegt bei uns Meter hoch Schnee und ich toure durch Europa und meine Frau ist da und kümmert sich um alles und da kann ich mich echt glücklich schätzen.

Das ist echt cool…kommen wir nochmal auf die neuen Sachen von euch zu sprechen, wann und warum habt ihr denn beschlossen mit Emscherkurve 77 und Gimp Fist zusammen zu arbeiten?

Kennt ihr denn die Bedeutung von Emscherkurve?

Alle: Ja, Emscherkurve – Fußball…..Rot-Weiss- Oberhausen….deren Kurve….ja wir wissen was es ist…

Gregg: Ja Gimp Fist….wir lieben sie, ich denke da spreche ich für uns alle..und Emscherkurve 77 ,die lieben wir auch….

Cory: Definitiv!

Bryan: Wir wollten einfach was zusammen mit europäischen Bands machen, weil wir ja wieder kommen wollten.

Gregg: Ich wollte ne kostenlose Gimp Fist bzw Emscherkurve 77 Platte haben, haha!!

H-H-5Bryan: Ja, haha, ach weisst du, wir hatten letztes Mal so ne schöne Zeit hier und es kommen so viele gute Bands hier aus Europa, so ist es einfach auch eine Win-Win- Situatuion, was zusammen zu machen, weil man dann einfach beide Bands, also auch wir aus den USA, Aufmerksamkeit bekommen.

 

 

Könnt ihr eigentlich von eurer Musik leben?

Gregg: Nee, definitiv nicht, aber wer kann das schon, außer ein paar Ausnahmen….wir haben alle noch Jobs… ich bin Tattowierer…

 Bryan: Ich arbeite in nem Tattoo-Shop als Shopmanager

Cory: Ich arbeite in nem Supermarkt

Das wars auch schon….habt ihr denn abschließend noch was auf der Seele?

Gregg: Vielen Dank für die genommene Zeit!

Cory: Danke für deinen Support, es ist einfach echt schön, hierher zu kommen und von allen so freundlich aufgenommen zu werden! Das macht echt Spaß.

Bryan: Danke an alle die uns unterstützen.

Ich danke euch und wünsch euch noch ne schöne Zeit in Europa, bis zum nächsten Mal.

Mira

 

Interview mit „Melanie“ (16.02.2014)

Ich hatte die Gelegenheit ein Kurzinterview mit Melanie, vielen wahrscheinlich bekannt als Sängerin der Band „ Melanie and the secret Army“, zu führen.

Du hast als Sängerin ja schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, in denen wohl so einiges1 passiert ist, welches war das schönste und welches das enttäuschendste / traurigste Erlebnis deiner Karriere?

584755288226198Eigentlich ist jeder Auftritt was besonderes für mich, aber es gab da schon zwei die waren unvergesslich, einmal die Blue Army Party 25 Jahre das war schon wirklich der Hammer gewesen. Und der Auftritt auf dem Hafengeburtstag der hatte auch was, so ne Kulisse haste nicht jeden Tag, Open Air im Dunkeln-  Lichter ohne ende und zum Abschluss ging das Feuerwerk los- Hammer.
Das traurigste ist das ich immer etwas Pech mit meinen Bands habe, die ja nur nebenbei mit mir Musik machen und ich zweimal meine Musik aufgeben musste.

Wie stehts eigentlich um Melanie and the secret Army? Gibts da noch mal was oder seid ihr endgültig getrennt?

Gute Frage, ich habe schon mal darüber nachgedacht die Band wieder zurück zu holen, aber das liegt leider nicht allein in meiner Hand. Wir werden es sehen..im Moment ist aber nichts konkretes geplant.

Was war in deiner Musikkarriere die wichtigste Lektion die du lernen musstest und warum?

Das ist eine gute Frage, die ich aber nicht beantworten werde denn das sind meine Lebenslektionen und die teile ich ungern mit anderen.

Was ist an den Gerüchten dran, dass deine neue Band „ Still Standing“, sich nach dem Autritt in Köln, zusammen mit den Dörpms und Cock Sparrer sich wieder aufgelöst haben?

Auch hier nicht aufgelöst sondern pausieren aus ähnlichen gründen wie mit MSA. Discipline waren zu erst da und stehen auch weiterhin an erster Stelle und da es für die Jungs im Moment gut läuft stehen wir still :) Ich gönne es den Jungs und hoffe es geht auch mit uns bald weiter.

Wie ist dein Plan was die Musik angeht? Du bist auf der Suche nach einem neuen Projekt? Wie soll das aussehen?

Ja bin ich oder war ich, im Moment bin ich etwas müde was das angeht. Neu anfangen aufbauen und dann wieder alles hinschmeissen, ich bin mir nicht sicher ob ich wirklich nochmal Lust darauf habe.
Aber wie es aussehen sollte das ist mir klar, meine Jungs die sonst nirgends anders wirken und nur für diese eine band da sind so sollte es aussehen.

Was bedeutet dir die Szene in der du dich bewegst und wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert? Vermisst du was von früher? Gibt es deiner Meinung etwas, was besser ist?

592873870747673Die Szene ist mein Leben von Montags bis Sonntags von morgens bis abends. Und leider muss ich sagen das sie sich in den letzten Jahren sehr verändert hat, aber seid ich 12 bin, bin ich ein Teil der Subkultur und da gab es schon öfters arge Flauten. Was das angeht bin ich also positiv gestimmt und hoffe das es bald wieder besser wird.
Vermisse ich was von früher? Mh ja aber, Mira ich bin mir nicht sicher ob ich das verloren habe oder ob es verloren gegangen ist. Es ist alles nicht mehr so lustig und unbeschwert, die Konzerte sind flau die Leute sind satt, einfach viel zu viel Angebote.
Und die Partys danach waren auch mal besser jetzt Konzert vorbei über die Hälfte der Leute wech…
Vielleicht bin ich aber auch einfach alt geworden :)

Hast du abschließend noch was auf der Seele?
Oi, Oi keep the faith!

BIERPATRIOTEN INTERVIEW (09.02.2014)

Auch wenn sich Bierpatrioten 2000 aufgelöst haben, wurde bzw. wird es nie komplett ruhig um die 1992 in Berlin gegründete Kultband. Nachdem wieder im Jahr 2011 für viele überraschend in Berlin ein Konzert stattfand und zwei Jahre darauf eine Show in Madrid und Festivalauftritte auf dem „Back on the Streets“ und dem „Endless Summer“ gespielt wurden, ergab sich die Gelegenheit ein Interview mit Frank T. Gitarrist von Bierpatrioten zu führen. Viel Spaß beim Lesen. MIRA

1992 (2)Ihr habt ja schon ein paar Jährchen auf dem Buckel in denen wohl so einiges passiert ist, welches war das schönste und welches das enttäuschendste / traurigste Erlebnis eurer Bandgeschichte?

Frank T.
„Puh, das ist schwer zu sagen. Am traurigsten war sicher die Auflösung. Das schönste Erlebnis war für mich persönlich ein Konzert im Torgauer Brückenkopf Ende der 90er. Da ist es so richtig abgegangen.“

Apropos, Bandgeschichte, für die, die es noch immer nicht wissen, wie kamt ihr dazu zusammen Musik zu machen? Wann fing alles an und was gab euch den Anstoß dazu?

Frank T.
„Ohje, müssen wir das alles noch mal wiederkauen? Das haben wir doch schon hundertmal erzählt. In Kurzform: Wir haben uns halt Anfang der 90er kennengelernt und angefangen Mucke zu machen, einfach will wir Bock drauf hatten. An deutschsprachiger Oi! Mucke gab es ja damals nicht allzu viel.“

Was war in deiner Musikkarriere die wichtigste Lektion die du lernen musstest und warum?

Frank T.
„Musikerkarriere hört sich ja schon mal sehr schön an. Hahaha. Die wichtigste Lektion ist sicherlich, dass es mittlerweile größtenteils auch nicht anders läuft als sonst im Musikbusiness. Du musst dich bei irgendwelchen mehr oder weniger mächtigen Fanzines, Plattenfirmen und vor allem Konzertveranstaltern Liebkind machen. Sonst boykottieren sie dich und du hast es schwer. Das Gute daran ist allerdings, wenn man auf diese Leute keinen Wert legt und man nur sein eigenes Ding durchziehen will, dann macht es schon wieder Spaß.“

Auch nach langjährigem Bandbestehen und auch obwohl es euch ja eigentlich als Band, seit 2000 nicht mehr gibt, schafft ihr es noch immer die Menge zu begeistern und mitzureißen. Zuletzt gesehen, auf dem Endless Summer Festival in Torgau. Was ist das für ein Gefühl?

1993Frank T.
„An sich war es super. Leider haben wir nur zu einer sehr ungünstigen Uhrzeit gespielt und die Leute waren schon platt. Aber es hat trotzdem sehr viel Spaß gemacht.“

Habt ihr Angst vor dem Vorwurf, bzw. wurde euch bislang irgendwann mal unterstellt, ihr würdet nur dann Auftritte mit Bierpatrioten haben, wenn das Geld mal knapp wird?

Frank T.
„Hahaha, sehr gut. Für unsere Auftritte in Klockow, beim Punk & Disorderly, in Madrid und in Berlin haben wir mehr oder weniger einen feuchten Händedruck als Gage bekommen. Das waren alles sehr idealistische Sachen. Auf dem Back on the Streets und Endless Summer Festival war es a bisserl mehr. Da gingen ja Gerüchte rum von angeblich fünfstelligen Summen. Da haben wir sehr drüber gelacht und es bedauert, dass es nicht wahr ist. Das Lustige daran, ist, dass dieselben Leute, die über uns meckern, die absoluten Horrorpreise für ihre Helden Cock Sparrer, Dropkick Murphys und Perkele abdrücken. Kleiner Tipp: Fragt mal nach, was die an Gage nehmen.“

Spielen Bierpatrioten trotz nicht mehr offiziellem Existieren noch eine große Rolle in deinem Leben?

Frank T.
„Eine große Rolle nicht, nee. Nur in meiner Erinnerung an die (gute) alte Zeit. Klar, bleiben sie immer ein Teil von mir und meine Freunde sind immer noch dieselben wie vor 15-20 Jahren, alles alte Punks und Skins, aber eine Rolle spielen sie in dem Sinne nicht mehr.„

Wie würdest du die Entwicklung euere Musik beschreiben? Abgesehen von euren ersten beiden Alben, sind eure Songs hier und da recht metallastig, wie kams dazu?

Frank T.
„Lag wahrscheinlich daran, dass wir alte Metaller sind (quasi Altmetaller) und sich der Oi! Irgendwann erschöpft hatte. Ich will hier auch nicht irgendwelches Zeugs von Weiterentwicklung verzapfen. Es war für mich als Gitarrist auch irgendwann einfach langweilig immer nur drei Akkorde zu spielen.“

Viele eurer Songs klingen nach Party, allerdings gibt es auch Songs, die sozialkritische Aspekte haben, wie passt das zusammen?

2000Frank T.
„Das hat sich ja von Platte zu Platte immer mehr gewandelt. Schon auf der ersten wurde ja nicht nur übers Saufen gesungen (Rechnung, Bierpatrioten, Schwere Zeiten). Da haben wir uns schon an den alten Helden orientiert (Beck’s Pistols, Blitz, Wretched Ones, Anti-Heros und so weiter) Bei denen war es ja auch immer nicht nur fröhlich. Wir haben eigentlich immer das gesungen was wir gedacht und gelebt haben. Manchmal war das mehr und manchmal weniger sozialkritisch. Meistens sind wir dann bei irgendwem angeeckt und das hat uns dann gezeigt, dass wir alles richtig gemacht haben.„

Würdest du sagen, dass Songs wie „ Aus der Traum“ oder „Dagegen“ noch genauso aktuell sind, wie am Tag der Veröffentlichung und warum bzw. warum nicht?

Frank T.
„Beide haben eine relativ krasse Aussage, wobei das sicherlich auch nicht alles wörtlich zu nehmen ist. Es geht bei „Aus der Traum“ eben um dieses ganze Blutsaugersystem, dass ja kürzlich erst dabei war die ganze Welt in den Abgrund zu reißen. Wenn ich dann sehe, dass nach der Finanzkrise weitergemacht wird als wäre nichts gewesen, dann weißt du ja, dass es kein Aktualitätsproblem mit dem Text gibt. Bei „Dagegen“  ist es ähnlich. Da hat sich die Aktualität vielleicht sogar noch erhöht. In Zeiten der so genannten „Digital Natives“, die am liebsten für den Gang aufs Klo noch eine App wollen, in Zeiten, in denen gleichgeschaltete Medien alle die selbe Botschaft der politischen Korrektheit runterleiern und alle fröhlich mitziehen, ist es wichtiger denn je, sich seine eigene Meinung zu bilden, ganz egal ob sie irgendwelchen Gutbürgern und Neospießern genehm ist oder nicht. Es kann nicht sein, dass Menschen leichtfertig als Nazis oder sonst wie tituliert und diffamiert werden, nur weil irgendwelche selbsternannten Moralwächter glauben, sie können so die Welt retten.“

Letztes Jahr gab es auch einen Auftritt in Madrid, war es was anderes als hier in Deutschland zu spielen, wenn man beispielsweise weiß, dass die Texte in Spanien wahrscheinlich weniger verstanden werden?

Frank T.
„Das Konzert in Madrid war super. Gott sei Dank spreche ich ein wenig Spanisch und konnte den Leuten die Texte erklären. Im Großen und Ganzen sind die Leute beim Konzert aber echt mitgegangen und haben, trotz Sprachbarriere mitgesungen und getanzt wie die Irren.“

Seid ihr immer noch aufgeregt vor jedem Auftritt oder ist das mittlerweile Routine geworden?

Frank T.
„Nicht mehr ganz so wie früher. Aber ein bisschen schon. Das Gute ist aber, dass sich auf der Bühne schon eine gewisse Lockerheit eingestellt hat durch die jahrelange „musikalische Karriere“. Früher hatte ich eher Schiss mich auf der Bühne zu bewegen weil ich dachte, dass ich  mich damit zum Obst mache. Mittlerweile hab ich erkannt, dass das unheimlich Spaß macht und die Leute das auch mögen. Das ist nun mal Teil unserer Aufgabe als Musiker – die Leute unterhalten. „

Was bedeutet dir die Szene in der du dich bewegst und wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert? Vermisst du was von früher? Gibt es deiner Meinung etwas, was besser ist?

frank oben rechts_farbeFrank T.
„Es gibt wohl niemanden, der nicht sagt, dass es früher nicht besser war. Das hat vor allem damit zu tun, dass man damals jung war. Ich vermisse auf jeden Fall die grenzenlose Energie, die Unbeschwertheit und die Zeit, die wir damals alle hatten. Es gibt auf jeden Fall auch heute jede Menge netter Leute in der Oi!-Szene. Mir persönlich ist es aber alles viel zu kommerziell und professionell geworden. Ich bin immer noch ein großer Anhänger von selbstgebastelten Plattencovern, selbstorganisierten Konzerten und T-Shirtpreisen von 12 Euro. Wahrscheinlich gehöre ich einer aussterbenden Spezies an. „

Grad im Skinhead- Kult ist Freundschaft fundamental wichtig, mit welchen Bands seid ihr über die Jahre so richtig „dicke“ geworden?

Frank T.
„Das ist sicher bei jedem Gruppenmitglied jemand anderes. Ich persönlich verstehe mich gut mit diversen Leuten von Gleichlaufschwankung, Subculture Squad und The Kenathleten aus England an der Saale.“

In der Skinhead- Szene ist die politische Einstellung immer und immer wieder ein leidiges Thema. Schnell wird man in einen Topf geworfen, wenn man beispielsweise kein klares politisches Statement abgibt oder aber mit diversen Bands zusammen auf einer Bühne spielt. Was ist deine Meinung zu sogenannten „ Grauzonen- Bands“?

Frank T.
„Wir sind ja selber eine, hahaha. Also solltest du lieber die anderen Bands fragen ob sie mit uns ein Problem haben. Ein paar Sachen habe ich ja schon unter Frage 9 dazu gesagt. Ich hab jetzt auch gar keine Lust darüber ewig zu referieren. Meine einzige Frage lautet: Woher nehmen manche Leute sich das Recht, über andere zu urteilen? Sie begründen es damit, auf der richtigen Seite zu stehen und gegen die Bösen zu kämpfen. Das gab es im Laufe der Geschichte schon oft. Unter Stalin wären einige von ihnen sicher sehr gute Politkommissare geworden. Unter Hitler wären sie Denunzianten bei der Gestapo gewesen.“

1992Was sagst du  in diesem Zusammenhang, zu einer gewissen Band aus Südtirol? Findet ihr es übertrieben, dass andere Bands Auftritte absagen, weil sie nicht mit dieser Band auf einer Bühne stehen wollen? Sollte man die Band einfach ignorieren?

Frank T.
„Da gab es ein sehr interessantes Interview mit einem Mitglied von Heaven Shall Burn zu dem Thema. Die sind ja bekannt dafür, sehr engagiert zu sein, vor allem in Sachen Antifaschismus. Der meinte, dass er sich als einziger Mal mit dem Sänger von Frei.Wild hingesetzt hat um seine Argumente zu hören. Daraufhin hat er sich seine Meinung gebildet, nämlich, dass es bei dieser Kombo hauptsächlich um Verkaufszahlen und geschicktes Marketing geht und nicht um politische Inhalte. Weiterhin hat er gefragt, ob es nicht sinnvoller wäre als Band gerade da zu spielen, wo die spielen und dort Flagge zu zeigen und seine Meinung kundzutun. Das war für mich das erste und einzige vernünftige was ich zu dem Thema gehört habe. Boykottieren sollte man eher Campino.“

Berliner Weisse brachten vor nicht allzu langer Zeit den Song „ Fahnen im Wind“ raus, der sich mit dem neuerdings herrschenden Hype um sogenannten Deutschrock beschäftigt. Was ist deine Meinung dazu?

Frank T.
„Ist überhaupt nicht meine Musik. Die Bezeichnung Deutschrock rollt mir schon die Fußnägel hoch. Da denke ich eher an Peter Maffay und Pur. Textlich unterscheiden sich viele Deutschrock-Bands allerdings nicht von deren Machwerken. Ich persönlich höre Oi! und Punk. Deutschrock kommt mir nicht ins Haus.“

Was sagst du  zu den aktuellen Ereignissen, dass aufgrund von Sexismus diversen Bands ein Auftrittverbot erteilt wurde, bzw. Konzerte aus diesem Grund vom Veranstalter abgesagt wurden?

Frank T.
„Bushido, oder was? Hahaha. Ich bin großer Anhänger der Kassierer und Lokalmatadore. Sexismus…ach Gottchen. Wem haben sie denn die Konzerte abgesagt? Hab ich nicht mitgekriegt. „

Gibt es einen Zeitpunkt, an dem ihr definitiv aufhört und keine Konzerte mehr spielen werdet? Oder gibt es eine endgültige Abschiedstour oder lasst ihr es weiterlaufen wie momentan und spielt hier und da mal auf nem Festival oder mal n Konzert und habt ihr noch was zu veröffentlichen?

zeitungsbericht 1992Frank T.
„Wir lassen es weiterlaufen wie bisher. Solange wir alle noch gesund und munter sind, kann es immer mal wieder passieren, dass wir ein Konzert spielen (hoffentlich dann für was Fünfstelliges). Veröffentlichen tun wir sicher nix neues mehr und eine Abschiedstour wird’s sicher auch nicht geben.“

Womit würdest du den Menschen gern im Gedächtnis bleiben?

Frank T.
„Du kannst Fragen stellen! Ein Freund von mir sagte neulich, dass er mich beneiden würde, weil ich der Nachwelt was hinterlasse, in Form der Musik. Das habe ich gar nicht verstanden. Wenn ich weg bin, bin ich weg. Dann will ich meinen Leuten als guter Freund in Erinnerung bleiben. Ansonsten ist mir das egal.“

Hast du abschließend noch was auf der Seele?

Danke fürs Interview. F.T.

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Fotoinfos von Oben nach Unten:

Foto 1. (Bierpatrioten und Freunde, 1992)

Foto 2. (Bierpatrioten und Freunde, 1993)

Foto 3. (Foto: David Strempel, 2000)

Foto 4. (Frank T., 2011)

Foto 5. (Frank T., Pepe, 1992)

Foto 6. (Bierpatrioten, Zeitungsartikel, 1992)

BIERPATRIOTEN INTERVIEW (2010)

BIERPATRIOTEN

Beschreibt bitte für die Eingangsstory die damalige Situation Anfang der 90ern in Berlin, aus denen die Bierpatrioten entstanden sind. Wie war das damals, relativ kurz nach der Wende, und vor allem wie war das auch vor der Wende, wie hat es sich ergeben, dass ihr damals einen ziemlich straighten Skinhead-Weg gegangen seid und eigentlich von Anfang an keine politischen Leichen im Keller gehortet hattet. Andere Bands hatten da ja mehr Anlaufschwierigkeiten, die Ihnen dann noch jahrelang nachhingen….woran habt Ihr Euch orientiert, wie sah Euer persönliches Umfeld aus und so weiter?

Schulle:
Wir hatten mit Bierpatrioten alle das gleiche Ziel. Wir waren Freunde die sich einig waren, selber Musik zumachen & unseren großen Helden nachzueifern. Es gab in unseren Reihen keinen der Bock auf Extremismus beider bekannten politischen Flügel hatte. Subkultur Skinhead mit all den Werten, wiederum aber auch ein Haufen voller Prolls die gerne mal hier und da eine Schweinerei veranstalteten. Die Situation so wie ich sie jetzt rückblickend betrachte war damals mehr als aufregend. Wir waren doch alle gerade mal erwachsen geworden und vieles war so neu und bunt, kam man doch aus der wahren grauen Ostzone. Man wollte so viele Konzerte wie möglich besuchen, gab jeden Pfennig aus der übrig war vom schmalen Lehrgehalt für Platten, Klamotten und Magazine um sich ständig neuem musikalischem Futter auszusetzen. Wir hatten in Berlin verteilt mehrere Skinhead Gruppen die sich aber untereinander kannten und teilte somit nicht nur das kühle Bier aus dem Kasten auf dem Weg zum Konzert, sondern auch das gemeinsame Lebensgefühl etwas besonderes zu sein. Was sich desöfteren als nicht ganz ungefährlich rausstellte, wenn es einen böse an den Kragen gehen sollte und uns dann Rücken an Rücken beweisen mussten. Kinder von Traurigkeit waren wir bestimmt auch nicht.

bierpatrioten-2000-3Frank:
Als die Wende kam, kannten wir ja an Skinheadbands eigentlich nur die Onkelz, die auf schlecht kopierten Audiokassetten immer weiter verbreitet wurden. Es war alles neu und aufregend. So viel Kohle hatte keiner um sich all die ganzen Platten und Shirts zu kaufen die es auf einmal gab.
Für Perrys und Shermans mussten wir nach London reisen und Stiefel bekam man auch nicht an jeder Ecke hinterher geworfen.
Auf einmal gab es eine unglaubliche Freiheit, was sich in permanenten Straßenkämpfen und Reibereien entlud.
Die geilste Zeit war wohl Mitte der 90er als wir im „Drunter & Drüber“ im Prenzlberg quasi eine eigene Kneipe hatten in der wir uns fast täglich mit 30 bis 50 Skins getroffen haben und dann losgezogen sind um die Stadt zu terrorisieren. Das Lied “Hausverbot“ beschreibt ganz gut unseren Alltag von damals. Es gab so eine Aufbruchstimmung. Ich denke mal, so ähnlich muss es auch in etwa 1977 gewesen sein, als der Punk alles in Aufruhr versetzte.

Ihr habt ja heute alle recht gute Bands am Start, dennoch dürftet Ihr ein bisschen an der alten Zeit hängen…es gab das Konzert am P&D vor einigen Jahren, vor 2-3 Jahren wurden PicLp´s von den Bierpatrioten nachgepresst und jetzt gibt es auf Randale noch einmal ein riesiges Gesamtwerk. Aus welchen Gründen hat Euch das Bierpatrioten-Thema nie wirklich los gelassen?

Schulle:
Ja, ganz einfach. Wenn die Nachfrage immer noch groß ist, warum sollten wir die Sachen einstauben lassen? Wie oft hörte man von Leuten wie wichtig ihnen unsere Musik ist und sie auch von uns sehr beeinflusst wurden. Es ist ein schönes Gefühl auch ein Teil zu sein von einer großen Bewegung. Dann kommt schwerwiegend hinzu, dass einige Singles und EP´s auf sehr limitieren Auflagen erschienen sind, und ich bekam mehrmals einen Schock wenn Leute beispielsweise bei Ebay sehr viel Geld verlangen oder ausgeben dafür. Der Punkt war, wir wollten die raren Sachen noch mal nachlegen und das in bester Soundqualität.
Wenn man seine Jugendzeit mteinander verbracht hat lässt einen das nie richtig los.

Frank:
Das Ding war ja auch, ganz klar, dass wir damals Ende der 90er auch unglaubliche Probleme damit hatten, dass es einfach keine ordentlichen Strukturen/Veranstalter gab. Es wurde nie Werbung gemacht und oft spielten wir dann auf irgendwelchen Kuhdörfern vor 15 zahlenden Gästen. Das hat einfach auch keinen Spaß mehr gemacht.
Die Szene war total gespalten in rechts/links, ost/west und was weiß ich noch alles und als wir uns dann ein paar Jahre aufgelöst hatten waren wir auf einmal ziemlich populär, viele bezeichneten uns als eine der wichtigsten Oi!-Bands Deutschlands und die Platten waren plötzlich ausverkauft und ein Schweinegeld wert.
Irgendwie hatte ich dann schon eine Träne im Knopfloch wenn ich mir so vorgestellt habe wie es hätte werden können wenn wir weitergemacht hätten, gerade wenn ich mir so den Erfolg von Stomper 98 etc. ansehe…

Was wurde aus den Leuten von der ersten Besetzung? Du hattest letztens irgendwie anmerken lassen, dass es da wenig Verbindungen geben dürfte – könntet Ihr Euch vorstellen, dass Ihr das anlässlich der „Berliner Prunkstücke“ noch einmal aufleben lässt und die alten Bandkollegen kurz im Reich der Bierpatrioten 2010 mit einbezieht?

Schulle:
Das ist uns auch wichtig, jedes Bandmitglied hatte damals seinen Teil dazugetragen. Es besteht untereinander ein guter Kontakt zu der letzten bestehenden Besetzung. Ich glaube Frank hat noch Kontakt zu Jana und wenn Pepe unser erster Drummer eventuell die Bierpatrioten Best of! irgendwo stehen sieht oder diese Zeilen liest sich vielleicht auch nach Jahren wieder nach uns erkundigt oder auch mal wieder meldet? Es ist doch einfacher uns noch aktive Musiker zu finden wie umgekehrt. Vielleicht gibt es dieses Jahr noch ein Bierpatrioten Familienreffen mit einer dazugehörigen Release Party, mal sehen.

Frank:
Das stimmt, ich habe mit Jana immer noch guten Kontakt und sie hebt die alten Platten auch immer noch auf und ab und zu quatschen wir schon mal über die alten Zeiten.
In Klockow hat sie ja bei unserem Konzert auch wieder bei einem Lied den Bass gezupft. Von Pepe haben wir nie wieder was gehört, allerdings sind wir ja auch nicht sehr harmonisch auseinander gegangen…

Wie jede andere Band habt ihr damals zuerst ein Demo aufgenommen, ich kenne das ja auch noch von früher und wenn ich jetzt daran denke, war das doch noch alles etwas aufregender. Kannst Du den Leuten ein bisschen einen Einblick über eure damaligen ersten Gehversuche geben, wo ihr geprobt habt, wie generell Euer Leben ausgesehen hat…wo habt Ihr das Demo aufgenommen, mit welcher Euphorie seid ihr damals an die Sache rangegangen etc?

bierpatrioten 2000 (2)Schulle:
Das sind einfache Schritte die ich immer noch für gut halte & einigen jungen Bands auch immer wieder rate. Allzu oft wird  jungen Bands sofort ein Plattendeal über ein ganzes Album angeboten, wo sie nur halbfertiges Material einspielen & sich später darüber ärgern. Die damalige Euphorie war bei uns sehr groß. Wir hatten viel Spaß, waren sehr energisch und wollten was bewirken. Man beherrschte sein Musikinstrument und wollte es auch jeden zeigen. Ja, sehr stolz waren wir auf unser erstes Demoband „Immer breit“ aus dem Jahr 1992, was auch mehrere hundertmal kopiert  und in Eigenregie durch uns verschickt wurde. Wir spielten es im Randbezirk Marzahn in einem kleinen Studio namens „Masterix“ ein. Ganz in der Nähe hatten wir unter einfachen Umständen in einem Jugendclub unseren ersten gemeinsamen Proberaum besiedelt. Dann wechselten wir in der Zeit 2-3-mal die Räumlichkeiten in verschiedenen Berliner Bezirken & hatten am Schluss der Bierpatrioten Ära einen guten Raum in Berlin Friedrichshain gefunden.

Frank:
Das Demo war damals unser ganzer Stolz. Ich glaube wir haben das, nachdem wir es in den Händen hielten bestimmt jeder mindestens 20-mal am Tag gehört. Unsere Kumpels konnten das gar nicht glauben, dass wir richtige Mucke machten. Viele hatten geglaubt wir schrammeln nur so aus Spaß vor uns hin. Ich habe sofort eine Kopie ans Bulldog-Fanzine geschickt und wir haben eine hammergeile Besprechung bekommen. Du musstest dann 10 Mark im Brief an uns schicken und dann haben wir die Kassetten kopiert und verschickt.
Die Cover wurden immer selber gemacht, meist aus Zeitungsschnipseln zusammengeklebt und die Interviews für die Zines auf der Schreibmaschine getippt. Wahrscheinlich haben wir 10 Liter Tipex verbraucht bis wir alles ordentlich aufm Papier hatten. Wir hatten echt geile Konzerte in Torgau, Neubrandenburg, Wegeleben(da sind die Boxentürme zusammengebrochen weil alle so wild gepogt haben) und so ein Freiluftkonzert wo 200 Leute auf die Bühne gestürmt sind und mit uns gefeiert haben. War schon geil!
War alles total unprofessionell ohne Myspace und den ganzen Scheiß, einfach nur Oi!/Punk wie es sein soll.

Vor allem wenn Ihr das mit dem heute üblichen Gang der Dinge vergleicht, wenn zb Toxpack oder Turbolover etwas Neues aufnehmen oder ein Konzert spielen…ist die ganze Aufregung bestimmt weniger oder anders, oder?

Schulle:
Ich bin immer noch ziemlich nervös und aufgeregt und das wie zu Beginn meiner musikalischen Laufbahn vor fast 20 Jahren. Egal ob kleine Clubshow oder großes Festival. Genauso ist es wenn es um die Studioarbeit geht, es ist immer etwas Besonderes & spannend zugleich. Da hat sich bei mir in den Jahren nichts verändert. Es gibt da vom Verhältnis her keinen Unterschied zu beiden Bands und ihren Epochen.

Frank:
Ein bisschen abgezockter wird man schon mit der Zeit, aber die Aufregung auf der Bühne zu stehen ist immer noch die gleiche und wenn eine neue Platte im Kasten ist, höre ich sie mir immer noch 20 mal am Tag an.
Ein bisschen bequemer sind wir geworden und ein ordentliches Bett und eine halbwegs vernünftige Anlage ist auch schon irgendwelchen Ur-alt-krücken vorzuziehen, aber ansonsten hat sich nicht soo viel geändert.
Ohne Spaß dabei zu haben braucht man nicht auf die Bühne gehen

Der nächste logische Schritt war dann eine Single und dann eine Platte….Dim Records war zu dem Zeitpunkt sicherlich eines der am meisten etablierten Labels für solche Musik – wie seid ihr mit Uhl in Kontakt gekommen, wie passierte all das?

Schulle:
Ich glaube wir haben damals unser Demotape an verschiedene Labels verschickt die Anfang der 90er Oi! Musik produzierten. Dim Records war zu dieser Zeit mit am bodenständigsten was dann gegenseitiges Interesse hervorrief. Es gab ein Treffen in Berlin und wir unterhielten uns über die kommenden Schritte und somit war die erste Single „Titten raus“ aus dem Jahr 1993 und das ein Jahr später folgende Debütalbum „Randale, Pogo, Alkohol„ darauf erschienen. Unser Arbeitsverhältnis endetet aber nach ganzen 2 Jahren und wir verließen Dim Records aus soweit bekannten Gründen. Wir hatten kein Interesse auf ein Label zu bleiben was im großen Stil anfing, mit Rechtsrock und Nationalistischen Bands viel Geld zu verdienen, was vorher nicht der Fall war.

bierpatrioten_schulle_jana_frank_pepe_1992_masterix_ tonstudio_berlinFrank:
Der Uhl hatte damals einfach den besten Skinheadversand. Auch wenn da viele gleich wieder losheulen. Keine Ahnung warum der dann mit diesem
RAC-Kram anfing. Und so viele Plattenfirmen gab es damals nicht die in Frage kamen. Irgendwie hat man sich zwar nicht unbedingt gemocht, aber die Szene war in Bezug auf Musik viel geschlossenen. Alle hörten die gleiche n Bands und hatten dieselben Platten. Jeder kannte jeden um 3 Ecken und auf Konzerten hat man sich ständig getroffen

Wie schon zuvor angesprochen, wie liefen die Konzerte für Euer Empfinden damals ab, hattet Ihr Mühe damit, dass Ihr Euch von politischen Leuten/Bands abgrenzt? War das alles nur auf die Berliner Szene beschränkt oder habt Ihr von Außerhalb auch Notiz genommen, was im deutschlandweiten Raum skinheadmässig so abging?

Schulle:
Wir hatten zu vielen Bands Kontakt und das nicht nur deutschlandweit, auch Österreich, Schweiz bis hin in die Tschechoslowakei gab es enge Freundschaften. Auch wir mussten damals aufpassen mit welchen Bands wir zusammen auftraten. Ist es uns immer gelungen?
Es gibt rückwirkend auch lustige Situationen, dass wir gefragt wurden:“ Ihr habt mit Rabauken zusammen gespielt, warum?“ Denen man leider immer noch einen „rechten“ Ruf nachsagt. Eine Woche später hatten wir eine junge Band im Vorprogramm die noch nicht jeder kannte namens Loikaemie, na klingelt`s? In Ost-Berlin gab es auch einige Oi! &  Punkrock Bands die Anfang/Mitte der 90er aktiv waren, z.B.: Shock Troops, Kiezgesöx, Voice of Hate, die sollte man nicht vergessen hier zu erwähnen!

Frank:
Eigentlich hatten wir ja die Bierpatrioten gegründet gerade um uns von den rechten Combos abzugrenzen. Das hat auch so gut funktioniert, dass die uns dann auch recht hasserfüllt begegnet sind.
Die Linken haben sich nicht lumpen lassen und sind uns auch ordentlich auf den Keks gegangen(wie Daniel schon erwähnte wegen der Rabauken und Trabireiter).
Wir haben natürlich auch ständig alle provoziert und demzufolge recht oft böse Ansagen gekriegt. Einmal, in Harbke sind angeblich ein paar hundert Autonome von den Bullen eingekesselt worden weil die das Konzert (mit Bierpatrioten, Goyko Schmidt, Troopers und Daily Terror) überfallen wollten. Es gab auch Interview-/Konzertangebote von der rechten Seite.
Das haben wir aber abgesagt. Ebenso wollten wir aber auch keine pseudo-revolutionären Wirrköpfe unterstützen und haben da auch immer Abstand gehalten.

Mit Dim Records seid Ihr anscheinend nicht lange glücklich geblieben, warum?

Schulle:
Das war einer der Gründe die ich hier schon kurz vorher erwähnte. Im Nachhinein ärgere ich mich schon, dass wir uns nie wirklich gekümmert oder beraten lassen haben und uns die ersten beiden offiziellen Veröffentlichungen nicht zurückholten. Es bestand zwar ein Vertrag der per Handschlag unter Zeugen abgesegnet wurde, aber auch niemals seitens des Labels  eingehalten wurde. Somit wäre die Beweislage ja eindeutig und auch schnell geklärt, wenn man das ordentlich angegangen wäre. Was leider einen faden Beigeschmack hinterlässt ist die Tatsache, dass Tausende von Scheiben über die ganzen Jahre verkauft wurden, aber außer ein paar Freiexemplaren kam es leider nie zu einer Bezahlung. So was passiert einen auch nicht nochmal & für mich ist dieses Thema persönlich auch noch nicht abgeschlossen. So schnell gebe ich da nicht auf. Viele Bierpatrioten Fans hätten dann wohl mit gutem Gewissen sehr gerne unsere ersten beiden Veröffentlichungen woanders her bezogen wenn wir sie noch mal nachträglich auf einem korrekten Label rausgebracht hätten. Dann hätte man bestimmt nicht stirnrunzelnd über Zwischenhändler oder widerwillig direkt da bestellen müssen.

Frank:
Wie oben schon erwähnt gab es da politische Differenzen. Allerdings hatten wir auch ein paar private Streitereien. Der Uhl war, glaub ich, auch etwas sauer auf uns weil wir ihn im Suff in einem Interview etwas veralbert haben.

Hat dies alles Bierpatrioten geschadet?

Schulle:
Nein, ich denke nicht. Wir haben immer deutlich gemacht wie wir ticken. Später gab es daraufhin gute Zusammenarbeit mit Labels wie, Scumfuck Tradition, Coretex / Bad Dog Records und MAD Tourbooking. Das Vertrauen war da und wir haben mehrmals bewiesen, dass es auch berechtigt ist.

Frank:
Ab und an quatscht mal einer irgendwas daher, aber meistens haben diese Leute eh keine Ahnung bzw. wollen nur ihr verbohrtes Weltbild gerade rücken. Letzten Endes ist es immer wichtig, dass man seine Meinung sagt und auch unbequeme Entscheidungen trifft und zu Fehlern steht.
Dieses ganze Nazi-/Zecken-Blabla ist doch echt für´n Arsch.

bierpatrioten v.l.n.r. ille, schulle, sören, frank. 2011Bis zum zweiten Album habt Ihr eigentlich lumpenreine Oi! -Musik gespielt, dann wurde es mit mit Metal – Effekten versucht, Ihr habt damals ja schon ein Lied der Onkelz gecovert. Andere Skinhead-Bands haben zu der Zeit eher noch „Stolz“ oder ähnliches nachgespielt, bei Euch war es „Kneipenterroristen“. Aus welcher Motivation passierte das – weil Ihr eben an die „alten“ Onkelz Tribut zollen wolltet, oder war das eher der Vorläufer von dem, was sich heute als Deutschrock verkaufen will und zu 100-fach als Möchtegern-Onkelz-Kopie anbiedert?

Schulle:
Ich vermute es hat damit zutun, dass Frank und meine Wurzeln aus der Metal Ecke stammen. Wir waren & sind große Fans der schwermetallischen Klänge und das schon zu DDR Zeiten. Zur Wiedervereineinigung faszinierte uns dieses „Skinhead – a way of life“ und die Haare waren ab. Oi! / Ska / Punkrock / Hardcore standen ganz weit oben. Ich gehe davon aus, dass wir uns später unserer alten Jugendtugenden wieder bewusst wurden und deshalb in der letzten Bierpatrioten Phase diese Metal – Hardcore Einflüsse mit eingebaut haben. Soweit ich mich erinnern kann gab es damals zu dieser Zeit eine ganze Welle die gegen Onkelz vorging. Gerade auch aus der Skinhead Kultur, da war nicht jeder gut auf die Frankfurter zu sprechen. Es wurde geflucht und geschimpft, weil sie bekannterweise doch andere Wege eingeschlagen haben. Wir hatten darauf keinen Bock & kamen auf die Idee den Song zu covern und Respekt zu zollen. Böhse Onkelz waren für Bierpatrioten eine sehr wichtige Band, die uns in jungen Jahren sehr beeinflusste. Mit diesem ganzen Deutsch-Rock Wahnsinn hatte es in unserem Fall nichts zu tun das gab es da noch nicht.

Frank:
Genauso war das. Ende der 90er war Oi! auch irgendwie tot. Die Bands kopierten sich selber und die Luft war irgendwie raus.
Über die Onkelz kann man sich endlos streiten, aber sie sind und waren ein großer Einfluss auf die ganze deutsche Oi!- und Rockmusikszene.
Und es war doch nichts geiler, als dass die in den Charts auf Platz 1 waren während Campino, Westernhagen und diese ganzen PC-Deppen gekotzt haben. Ich finde auch nicht alles von den Onkelz geil, aber man muss auch sehen, dass die sich wirklich hoch gekämpft haben, die hatten die gesamte Presse, Vertriebe und die Öffentlichkeit gegen sich und haben es bis nach oben geschafft. Da muss ich schon sagen: Hut ab! Da ist auch viel Neid im Spiel wenn die sich immer aufregen über die Onkelz. Allerdings finde ich es auch ein bisschen anstrengend wenn heute jeder nur darüber singt wie hart das Leben auf der Straße doch ist. Das war ja selbst bei den Onkelz manchmal etwas albern. Nichtsdestotrotz haben wir „Kneipenterroristen“ gecovert, gerade weil es nicht aus der Skinheadphase war und mir persönlich Metal weitaus besser gefällt als jamaikanische Blasmusik.

Denkst Du, dass Ihr mit dem „Berliner Prunkstücke“ vielleicht jetzt im Moment doch auch das Interesse von frischen Deutschrock-Fans an den Bierpatrioten wecken könnt?

Schulle:
Darüber habe ich nicht nachgedacht und kann es nicht beurteilen. Bierpatrioten war eine Oi! Band und ich denke das wird auch so angenommen innerhalb der Szene. Wie jeder auch selbst entscheidet was er sich letztendlich auf dem Plattenteller legt, es ist und bleibt jedem selbst überlassen. Grundsätzlich ist dieser Datensatz für die Oi! & Punkrock Szene wieder aufgelegt worden für Fans, Freunde & Sammler.

Frank:
Die meisten Bands werden ja immer lascher mit der Zeit und erzählen dann was von Weiterentwicklung um ihren Popscheiß zu rechtfertigen. Wir sind immer härter geworden von Platte zu Platte, aber das wurde dann auch kritisiert. Eigentlich konnte man zur Jahrtausendwende keinem mehr irgendwas recht machen. Was wurde gejammert als „Geh mit Gott“ rauskam, das wir den wahren Oi! verraten haben und das HC nix in der Mucke zu suchen hat. 5 Jahre später war das ein Meilenstein und wurde als Kultplatte gefeiert. Daher denke ich, dass Deutschrockfans nicht unbedingt zu den Leuten zählen werden die die Platte kaufen wollen.

War es Euch persönlich wichtig, dass die Scheibe auf einem szenenahen Label wie Randale Records veröffentlicht wird?

Schulle:
Es war mir sehr wichtig ein Label zu finden was diesen Spirit und Geist auch in sich bürgt. Randale Records ist für mich eine optimale Lösung für diese Bierpatrioten Best Of! Veröffentlichung. Es ist ein sehr gutes Szene Label was bodenständig ist und seit Jahren gute Arbeit leistet & tolle Veröffentlichungen hervorbringt. Sie sind sich auch nicht zu schade jungen unbekannten Bands eine Chance zu geben. Dazu kommt noch, dass Oli & Diana große Bierpatrioten Fans sind. Alles passte. Ich kenne die beiden auch sehr gut durch die gemeinsame Arbeit mit Toxpack.

Frank:
Randale ist ein sehr beständiges Label und bringt auch nur gute Musik raus ohne sich um Anfeindungen zu kümmern. Es sollte mehr solche Plattenfirmen geben.

bierpatrioten v.l.n.r. frank, schulle, sören, ille. 2000Schließt Ihr das Kapitel „Bierpatrioten“ mit diesem Release endgültig ab oder habt Ihr noch einige Asse im Ärmel?

Schulle:
Was soll ich dazu schreiben, ich wusste dass diese Frage noch kommen wir. Es werden wahrscheinlich einige wissen wollen: kommt da noch was, passiert da noch mehr? Eins ist doch mal Fakt, wir haben alle selber viel zu tun mit unseren beiden anderen Hauptbands Turbolover & Toxpack. Wir arbeiten alle, haben Familien gegründet und sind dadurch „ein wenig“ ruhiger geworden. Ich für meinen Fall hatte nicht vor mit diesem Werk eine Bierpatrioten Reunion zu starten. Es ist ein Dankeschön an alle Freunde, Wegbegleiter und besonders an unsere Fans.

Frank:
So sieht das aus. Mehr als eine Band übersteigt unsere Kräfte. Ich glaube auch nicht dass es gut wäre. Die alte Zeit lässt sich sowieso nicht wiederholen. Vielleicht kann man mal ein Spaßprojekt machen oder so, aber eigentlich ist das Kapitel abgeschlossen.

Oi! Oi! Oi! – Die Bierpatrioten

RESTRISIKO INTERVIEW (24.12.2013)

Restrisiko haben seit kurzem eine neue Scheibe am Start. Ich hatte die Ehre mit Atze ein Interview zu führen.

 

Ihr habt ja schon ein paar Jährchen auf dem Buckel in denen wohl so einiges passiert ist, welches war das schönste und welches das enttäuschendste / traurigste Erlebnis eurer Bandgeschichte.

IMG_4554a (Klein)Moinsen erstmal!
Alter Schwede, da muss ich jetzt aber überlegen… Also das schönste Erlebnis findet jedes mal auf der Bühne statt, wenn ich Menschen sehe, die Texte mitgrölen, die Musik abfeiern oder in deren Augen du sehen kannst, wie du sie mit deiner Musik erreichst. Diese Art der Würdigung macht mich so grundzufrieden – und egal, wie viel Scheiße die Woche über schon gelaufen ist, wie lange die Fahrt war, wie sehr im Arsch du auch bist, von der Kackmaloche oder wie sehr du auch gern mal wieder einfach mal ´nen schönen Abend mit deiner Süßen verbringen willst für die du kaum noch Zeit hast – wenn du siehst wie deine ehrlichen Gedanken und Kompositionen von ehrlichen Menschen respektiert werden, weißt du wieder, dass du selten irgendwo richtiger stehst als genau in diesem Moment auf dieser Bühne.

Der enttäuschendste Moment für mich war, als unser früherer Bassist, Mastermind und Gründungsmitglied Gummel verkündet hat, die Band zu verlassen. Danach stand der Fortbestand der Band tatsächlich auf der Kippe. Gummel war zusammen mit Wimmer einfach der erfahrenste aus der Band, der sich um ne Menge Kram gekümmert, viele Lieder geschrieben hat und einfach ein super Typ ist. Ein Typ mit Kante, der nur selten nicht das sagt was er denkt und 100% gegeben hat. Wir haben lange überlegt, ob und wie es jetzt noch Sinn macht, die Band weiter zu führen. Klar wurde dann auch, dass der alte Weg so nicht mehr zu gehen ist, da Gummels Fußstapfen auch nicht so einfach nachzulaufen sind. Aufgaben mussten neu verteilt und die neue Identität der Band gefunden werden. Ein Prozess der viel Zeit und Nerven gekostet hat, dann letztlich aber in die richtige musikalische Richtung führte. Glücklicherweise haben wir in Max auch zeitnah einen äußerst fähigen Basser gefunden.

Apropos, Bandgeschichte, für die, die es noch nicht wissen, wie kamt ihr dazu zusammen Musik zu machen? Wann fing alles an und was gab euch den Anstoß dazu?

Joa, Wimmer ist ja das letzte noch verbleibende absolute Gründungsmitglied und der ist leider gerade nicht abkömmlich, weshalb ich ja nu die Ehre hab mit dir zu plaudern:) Als ich dazu kam, ich glaube 2006 oder so, waren die verbleibenden drei Musiker der Band gerade ohne Gitarre, dafür alles Gründer der Kapelle. Der Geist der so im Proberaum schwebte, zeigte früher wie heute noch: „Wir haben was zu sagen und das sollen ruhig alle hören“ Dazu kam ne Menge Party – Suff – Punkrock – Gedöns wie man es eben kennt:) Sehr positiv aufgefallen ist mir früher schon die krasse Arbeitsmoral im Proberaum. Saufen und Spaß gabs jederzeit und überall, aber im Proberaum wurde verdammt nochmal gearbeitet und zwar mit einer Intensität, wie ich sie vorher nicht kannte. Denn was wir zu sagen hatten, sollte auch möglichst qualitativ dem interessierten Zuhörer geboten werden. Klar Punk kann auch ruhig reudig, dann aber bitte mit Stil:)

Was war in deiner Musikkarriere die wichtigste Lektion die du lernen musstest und warum?

Niemand ist einfach austauschbar. Das haben wir bei den vielen Wechseln immer wieder festgestellt. Jeder Wechsel an den Instrumenten macht ne Menge mit der Musik, der Attitüde, dem Miteinander. Erst kürzlich hat unser Drummer Faxe die Band verlassen (ist weg gezogen und schafft es zeitlich und entfernungstechnisch nicht mehr). Wir waren so unglaublich gut eingespielt, wenn ich neue Songs vorstellte, wusste er immer sofort, wie ich mir das Schlagzeug dazu vorstellte, welche fills, Tempi, Rhytmen usw., ganz zu schweigen von der Tightness (schreibt man das so? ;)) bei Liveauftritten. Außerdem haben wir wieder mal nen super Typen „verloren“. Hatte ich auch dran zu knabbern. Niemand ist bei uns einfach nur weil er sein Instrument beherrscht. In erster Linie müssen wir uns verstehen. Ist auch scheißegal wo du herkommst oder wie du aussiehst, hauptsache du passt menschlich. Gott sei Dank haben wir auch an der Ballerbude einen würdigen Ersatz gefunden – ich freu mich schon auf unseren ersten Auftritt zusammen! Cheeerz Marvin:)

Auf eurer neuen Platte habt ihr einen Song, „ Standpunkt“ zusammen mit Sebi von Stomper 98, wie kam es dazu? Verbindet euch privat auch eine Freundschaft?

IMG_4557a (Klein)Ich kenn Sebi aus dem Fitnessstudio, hehe, dachte immer „scheiße, woher kennst du den…“ wurde dann natürlich schnell klar, als ich mitgekriegt hab, wie viele Leute den grüßen. Irgendwann haben wir dann hin – und wieder gequatscht, wenn wir uns beim Training getroffen haben. Parallel dazu hatte Wimmer aber schon lange Kontakt zu Sebi. Also die beiden verbindet schon eine Freundschaft oder wenigstens Kumpelei würde ich sagen. Na jedenfalls ist Sebi ja echt eine Energiemaschine ohne Gleichen und trotz eigener Band, Arbeit und Familie hats trotzdem noch gereicht uns zu unterstützen mit Konzertbesuchen, Tips & Tricks und seiner ausgezeichneten Studioarbeit. Zwischen mir und ihm, das ist keine Freundschaft, dafür kennen wir uns zu wenig. Ich würde es gegenseitige Sympathie und gegenseitigen Respekt für unsere Arbeit nennen. Wir sind Kampfesgenossen in dieser von Müll und Dummheit überschwemmten Welt:)

Berichte mal von eurer neuen Platte, was erwartet die Hörer?

Eine druckvolle Produktion, ne gesunde Mischung aus Punk, Oi! und Rock´n Roll und überwiegend ironische/sarkastische bis satirische Texte. Mal lustig, mal ernst. Aber 100% ehrlich. Wie sie gefällt, darüber lasse ich die Hörer entscheiden.

Hast du einen Lieblingssong, bzw einen Song von dem du denkst, dass er euch besonders gut gelungen ist oder ein Song der euch besonders wichtig ist und warum ausgerechnet dieser Song?

Also „1999“ find ich schon ziemlich gut. 1. weil er gut abgeht und 2. weil Wimmer den Text quasi aus ner Menge Textzeilen aus vielen unserer Lieder zusammengereimt hat, ist ihm echt gelungen! Adel Tawil hats nachgemacht, heheheee

Aber auch „Standpunkt“ ist eines meiner Lieblingstücke, stammt ja auch aus meiner Feder >hust< Der Text stellt die Verblödung der Menschheit dar und die Wichtigkeit oppositioneller Subkulturen wie eben Punks und Skins(mit Hirn) ; „Nichts wird sein wie es war, wenn diese Flamme erlischt“ Ich glaube wirklich, wenn Menschen wie wir aufhören die zunehmend verblödende Gesellschaft mit der Nase immer wieder in die eigene Scheiße zu tunken, gibt es bald nur noch stumpfe Konsumenten und die jenigen die an ihnen verdienen, sie ausnehmen wie Weihnachtsgänse.

Erzähl mir doch mal was zu den folgenden Songs:

So lang her

Im Namen des Herrn

Nacht ohne Morgen „So lang her“ hat Wimmer geschrieben. Es geht um ein typisch menschliches Schicksal, das jeden dieser Gesellschaft, so oder leicht abgewandelt, treffen kann. Menschen am Rande eben jener Gesellschaft, die jeden fickt, der es mit Ehrlichkeit versucht. Menschen, die den Glauben an das Leben, die Liebe und die Menschen an sich verloren haben…ohne jegliche Perspektive. Menschen, die diese Welt um einiges besser machen würden, wenn man sie lassen würde, bzw, wenn es überhaupt erwünscht wäre. Macht für den, der sie nicht will!

„Im Namen des Herrn“ hat, soweit ich weiß, Flori geschrieben(der erste Drummer dieser Band) War auch eines der ersten Stücke überhaupt und prangert mit nem Schuss Ironie die Kirche als Institution und ihr Wirken an. In dieser Version quasi die Neuauflage des Stücks auf der aktuellen Platte.

„Nacht ohne Morgen“ hab ich geschrieben. Eine Kampfansage an jeden verschissenen Schlips tragenden Luxusschleuder fahrenden Doppelmoralisten, der noch mal ordentlich aufs Daimler- Gaspedal tritt während im Radio die neueste Studie über Kindersterblichkeit in Zentralafrika läuft… schön erstmal 3 Kinderleben mehr durch den Auspuff geblasen… Wiegt euch nur in Sicherheit…ich warte auf den Tag an dem wir zu Tausenden auf den Straßen aller Städte sind und nicht nur in Berlin Luxusautos brennen.

Habt ihr schon Pläne für 2014? Wann stehen die nächsten Konzerte an?

Marvin wird noch ordentlich eingetrommelt und dann geht’s mit Konzerten weiter. Außerdem sind schon einige neue Songs geschrieben und können hoffentlich Mitte/Ende 2014 vertont werden. Am 4.1.14 gibt’s nochmal ein Konzi in der Kulturfabrik Mühlhausen, dass eventuell noch Faxe mit trommelt.

Was bedeutet dir die Szene in der du dich bewegst und wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert? Vermisst du was von früher? Gibt es deiner Meinung etwas, was besser ist?

IMG_4572a (Klein)Obwohl natürlich auch in der OI!/Punk Szene Mode immer mehr eine Rolle spielt, so sind diese Szenen meiner Meinung nach noch das ehrlichste, was der Untergrund zu bieten hat. Ich mag die Menschen, das rauhe, ungeschönte und vor allem sehr individuelle in deren Persönlichkeiten. Mich langweilen die stumpfen Konsumenten, die ja leider in der absoluten Überzahl in diesem Land vertreten sind, manchmal zu Tode…meistens machen sie mich unglaublich wütend. Klar ist niemand aus unserer Szene ein Engel, dafür sind die meisten aber mit Herz dabei. Ich denke und hoffe, dass die Szene sich weiter vom politischen Missbrauch durch links oder rechts entfernt, sich ihre eigenen individuellen politischen Ansichten bildet(jeder Mensch individuell, fernab von Parteizugehörigkeit-, Programmen usw. die Politik von heute ist Lügentheater auf höchstem Niveau.) und damit einhergehend Vorbildsfunktion für das dumme Volk darstellen kann. Ehrlich gesagt vermisse ich nichts von früher. Es war alles gut so wie es war, aber die Entwicklung der Szene entgegen aller politischen Hetze und Politisierung trotz des enormen Druckes von Links und der immer raffinierteren Methoden von Rechts, zeigt mir, dass wir uns nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, im Gegenteil, wir lachen stumpfen Extremismus aus. Es tut gut, das zu sehen.

In der Skinhead- Szene ist die politische Einstellung immer und immer wieder ein leidiges Thema. Schnell wird man in einen Topf geworfen, wenn man beispielsweise kein klares politisches Statement abgibt oder aber mit diversen Bands zusammen auf einer Bühne spielt. Was ist deine Meinung zu sogenannten „ Grauzonen- Bands“?

Haha, was für ein blödsinniger Haufen Mist oder? Spinnt die Grauzonentheorie mal weiter – Wenn jeder, der irgendwann mal mit irgendeinem gesehen wurde, der irgendwo mal wen kannte, der mal bei nem Endstufe Konzi fotografiert wurde, zur Grauzone gehört, sind dann in 10 Jahren nicht alle Oi!/Punk Bands Grauzone? Ich könnte mich tot lachen über diese Debatte. Ohne Sinn und Verstand…ehrlich. Es nützt ja auch nichts, wenn du dich in deinen Liedern klar von links und rechts distanzierst, bekommen wir in meiner anderen Band „Suspekt“ auch immer wieder zu spüren. Da werden sogar Texte umgeschrieben, von ominösen Internet Portalen, sodass sie mehr nach rechts tendieren, und dann veröffentlicht…Da fehlen mir die Worte… sind da nur noch pubertierende Kiddis, die dringend Aufmerksamkeit brauchen, an den Tasten??? Ich halte die Antifa für sehr wichtig beim Aufbau von oppositionellem Gedankengut, aber was machen die denn da nur? Skins und Punks waren in ihren Anfängen APOLITISCH also gegen die Politik im allgemeinen, so wie sie gemacht wurde, das heißt aber noch lange nicht, dass niemand von den traditionellen eine eigene Meinung hatte! Natürlich hat die jeder, wenn bei manchem auch nicht politisch sondern eher „menschlich“ formuliert. Dieser Wald voller Blödsinn, der seit der Politisierung/Missbrauch zu politischen Zwecken durch rechts und links, ständig wächst, ist ja leider nicht mehr beschreitbar. Dieses Durcheinander von Vorwürfen und Rechtfertigungen macht die Leute doch tatsächlich glauben, Skinhead oder Punk sein hätte grundsätzlich etwas mit Politik zu tun…ein Witz in meinen Augen… Warum sollten Bands aus der Szene denn unbedingt politische Statements in ihren Texten verarbeiten?? Warum sollten sie sich für etwas rechtfertigen, was sie garnicht getan haben? Tut Britney Spears das? Nee, ist sie deshalb jetzt Grauzone? Kann mir doch keiner erzählen, dass kein Nazi sie gut oder wenigstens scharf findet. Dabei wäre die doch viel eher ein Ziel für die Antifa! Macht sie sich doch selber zum Sexobjekt… Haben Nickelback denn Ordner am Eingang, die Leute aussortieren, die Thor Steinar be t.-shirtete Jungs und Mädels rausschmeißen? Die Krawallbrüder schon…und trotzdem meinen manche, sie in die rechtsoffene Abteilung zu schieben… Was soll ich dazu sagen – ich kann die Scheiße schon lange nicht mehr ernst nehmen. Wenn die Antifa mit ihren 70er Jahre Denunzierungsmethoden so weitermacht, anstatt diese Energie gegen den sich immer besser organisierenden rechten Untergrund zu verwenden, kann das wohl bald keiner mehr. Ich wünsche mir, dass die Antifa wieder zu einer starken, die wahren Missstände aufdeckenden und bekämpfenden Truppe wird und sich endlich eingesteht, dass sie mit ihrer Grauzonendenunzierungsabteilung klar das Ziel verfehlt haben. Das wäre wahre Stärke.

Was sagst du in diesem Zusammenhang, dazu, dass ihr auch schon auf Oire Szene erwähnt worden seid?

Eheheheee, gute Werbung für uns oder? Nee mal im Ernst, wir hätten Freunde werden können, das Portal und ich. Ich selbst tendiere politisch in die linke Richtung, weil das Grundgerüst vom linken Sozialismus noch das gerechteste politische Konstrukt ist. Das hat allerdings nicht mehr viel mit heutiger linker Politik zu tun, schätze ich. Ich habe schon öfter Statements in „Oire Szene“ Threads geschrieben, kritisch, aber sachlich…wurden nach spätestens einem Tag gelöscht. Bei so wenig Bereitschaft zu kritischer Auseinandersetzung, muss ich von fehlender Kompetenz ausgehen. Schade, aber mein Gott, ist auch kein Weltuntergang. Wir können ja nicht alle retten, die sich in blinden politischen Fanatismus verrennen.

12) Womit würdest du den Menschen gern im Gedächtnis bleiben?

IMG_4579a (Klein)Ach, ich gebe da nicht so viel drauf, den Leuten im Gedächtnis zu bleiben. Aber wenn unsere Musik bei dem einen oder anderen die Faust in der Hosentasche ballt, genügt mir das. Ich war viel zu oft das schwarze Schaf, als das ich auf die Meinung anderer über mich nen Furz geben würde. Nur die Menschen die ich liebe, hoffe ich, nicht all zu sehr zu enttäuschen.

Hast du abschließend noch was auf der Seele?

Ich hab jetzt tierischen Hunger…

Hehe, so denn, danke für das wirklich gelungene Interview – sehr schöne und kritische Fragen.

Lass es dir gut gehen und bis bald mal auf nem Konzi von uns!

Greeeetz

Atze

 

Vielen Dank für die genommene Zeit und die ehrlichen Antworten. Cheers, Mira

 

ASHBY INTERVIEW (08.12.2013)

Ich habe es ja schon des öfteren an dieser Stelle geschrieben. Gute Bands müssen nicht immer aus Amiland oder was weiß ich woher kommen. Es gibt sie auch vor deiner Haustüre. So wie etwa ASHBY. Die Mülheimer Truppe hat gerade in Eigenregie ihre erste EP auf den Markt gebracht. Wer auf  Prog / Rock Metal mit einer guten Portion Rock steht, sollte den fünfer definitiv mal antesten. Ich traf mich mit Drummer Rik und Keyboarder Joel in dem gemütlichen „Cafe Vienna“. Leider nicht in Wien, sondern in Mülheim.

Marcel: Eure EP trägt den Namen „A Question Never Heard“. Um welche Frage geht es denn? Welche Frage wurde nie gehört?

Ashby_Presse (Klein)Joel:  Hehe, welche Frage wurde nie gehört? Es ist auf jeden Fall der Titel Song der EP. Geh ich den einen, oder den anderen Weg? Wir als Band waren in einer findungsphase. Machen wir das jetzt mit der Musik oder nicht? Wir  beschäftigen uns damit, um professionell zu werden. Bei “Top Of  The World Part 1 & 2 „ geht es darum, das man eine Sache aus zwei verschiedenen Perspektiven sehen kann. Auf der einen Seite bist du deinen Weg gegangen, bist glücklich mit dem was du erreicht hast. Auf der anderen Seite merkst du dann aber, das es dennoch der falsche Weg war den du gewählt hast. Ich habe meine Ziele erreicht, aber es hat mir nicht das gegeben, was ich erhofft hatte. “A Question Never Heard“ soll einfach die Frage aufwerfen, was man wirklich will. Also von Herzen. Ich habe das Gefühl, das man sich diese Frage viel zu selten stellt. Also nicht was man so vor hat, sondern das was man WIRKLICH will oder erreichen möchte. Diese Frage sollte man sich selber stellen. Und den Weg dann gehen. Man kann es natürlich auf die Band beziehen, aber jeder Hörer hat seine eigene Interpretation davon.

Rik:  Wir wollten ein Konzept haben, was die Vernunft  / Glücklich Seite darstellt. So ganz Klischee mäßig. Es soll aber gut verpackt sein. Und nicht nach dem Motto „Verfolge deinen Traum“. Das hat man ja schon wirklich 1000 mal gehört hat.

Marcel:  Ihr habt im Booklet ein Zitat des Brasilianischen Schriftstellers Paul Coehlo abgedruckt. Das Zitat stammt aus dem Buch „Der Alchimist“. Das Buch ist von 1988. Warum habt ihr euch gerade für dieses Zitat aus diesem Buch entschieden?

Joel: Jan unser Gitarrist kam mit dieser Idee an. Wir haben uns dann über das Buch und den Inhalt ausgetauscht und fanden, das es einfach gut passt. Wir können es auf uns beziehen und vielleicht kann ja auch der ein oder andere etwas damit anfangen, wenn er es ließt.

Rik: Genau. Wir wollten die EP in ihrer Aussage an sich auch untermalen. Und Jan war direkt klar, daß dieses Zitat sehr gut zu uns passt.

Marcel:  Der Bandname ASHBY hat aber nix mit dem Psychater William Ross Ashby zu tun oder?

Joel: Jein haha.

Rik:  Es geht ja einfach darum, was der Name ASHBY bedeuten soll. Für uns ist es im Prinzip einfach nur ein Name. So wie der Baum der Baum oder der Schrank ein Schrank ist. Wir wollten einfach einen Namen haben, der durch nichts vorbelastet ist. Diesem Namen wollen wir dann die Bedeutung geben. Wir waren zu Beginn erst im Bereich der Krankheiten unterwegs. Speziell im psychiatrischen Bereich. Namen, welche sich einfach gut anhören. Und das hat am Ende entschieden. Es soll gut und Zeitlos klingen.

Joel: Wir definieren den Namen.Und nicht der Name uns.

Marcel:  Kommen wir zu eurer EP. Wenn man den Stuff gehört gehört hat, hat man zig Namen im Kopf. MALMSTEEN,DREAM THEATER oder auch YES. Hinzu kommt aber eine schöne Portion Rock…..

DSC_1172 (Klein)Rik: Also MALMSTEEN auf jeden Fall für unseren Gitarristen Jan. Der hört den und hat auch Solo Alben von ihm. Das ist ein dicker Einfluss von ihm. Vom Sound her auch sicher PINK FLOYD. Er versucht aber dennoch seinen eigenen Klang zu haben bzw. zu finden.
Wir holen uns ja auch Inspiration von den Gruppen die groß sind oder es mal waren wie z. b. YES oder auch DREAM THEATER. Wir stehen auf Bands die versuchen, möglichst viele Ideen in einen Song zu packen. Das ganze soll aber eben nicht wie ein Medley klingen, sondern also Song funktionieren. Die einzelnen Ideen müssen greifen. Man darf einfach nicht merken ob der Song jetzt 10 oder 15 Minuten dauert.

Joel: Es sind aber nicht nur solche Sachen. Unsere Sängerin (Sabina Moser) hört auch sehr viel Jazz. Ich höre auch alles was mir gefällt. Da ist von Metalcore bis hin zur  Klassik alles dabei.

Rik: Unser neuer Song dauert z. b. fast 13 Minuten, da merkt man schon, das das ganze anspruchsvoller wird.

Marcel: Bist du denn als Drummer persönlich traurig darüber, das Portnoy bei DT weg ist?

Rik: Klar, der ist ein super Drummer. Aber mein Alltime Favourite ist Gavin Harrison von PORCUPINE TREE. In jeder Hinsicht.

Marcel:  Eure Songs sind recht lang. Alleine der Titelsong geht fast an die 11 Minuten Grenze. Wolltet ihr einfach die Spielzeit aufpeppen, hat sich das so ergeben oder war es ein Kompromiss damit jeder seine Ideen unterbringen konnte?

Joel:  Jeder von uns hat einfach sehr viele Ideen und die bringen wir natürlich auch mit in den Song ein. Wir diskutieren auch über die Ideen. Dabei kann es schon mal vorkommen, das wir 3-4 Tage an einem Übergang sitzen bzw. arbeiten. Das geht immer hin und her. Aber auf einmal ist der Song dann fertig, dauert 13 Minuten, aber alle sind glücklich damit.

Rik: Wir machen uns auch vorher gar keine Gedanken darüber wie der Song zu klingen hat. Was haben wir an Ideen und wie kommen wir damit weiter? Es muss aber als Song funktionieren. Es darf nicht so klingen, als wäre ein Part nur dran geklatscht.

Joel: Das finde ich ist aber auch das schöne an Progressive Rock bzw. Metal. Man entdeckt immer sehr viel und es wird auch nicht so schnell langweilig. Sogar noch nach langer Zeit.

Marcel:  Ihr habt ja mit Sabina Moser eine, logischerweise, weibliche Sängerin am Start. Hat sich das einfach so ergeben oder war das Absicht eine Frau in die Band zu holen?

Rik: Nicht von Beginn an. Der Kern waren eigentlich Jan und ich. Wir hatten auch noch einen anderen Keyboarder und verschiedene Sänger, bevor Sabina zu uns gekommen ist. Es war gar nicht so einfach jemanden zu finden, der eben menschlich als auch musikalisch zu uns passt. Der jenige muss auch einfach bereit sein um etwas für die Band „zu opfern“. Da reicht es einfach nicht, wenn man einmal pro Monat probt. Wir sind dann über mehrere Ecken auf  Sabina gestoßen und zu guter letzt kam Joel dann noch hinzu. Wir haben das auch als sehr positiv empfunden, das wir nun eine Sängerin haben. Aber wie gesagt, das war kein muss.

Joel: Sie hat auch eine sehr markante und natürlich auch gute Stimme. Ich bin froh das Sabi eine Rotz Röhre hat haha.

Rik:  Es war am Anfang aber gar nicht so leicht Sabi für diesen Prog Sound zu begeistern. Dadurch, das wir aber fast täglich proben, hat es dann dennoch sehr gut funktioniert und sie hat Zugang zu den Songs gefunden.

Marcel: Gerade in Deutschland wird mal ja immer schnell in Schubladen gesteckt. Seht ihr keine Gefahr dadurch direkt immer mit DIE HAPPY, NIGHTWISH oder auch den GUANO APES verglichen zu werden?

DSC_1213sw_1 (Klein)Rik: Klar, da gibt es sicher Leute die denken :  „Scheiße, schon wieder eine Band mit Sängerin“. Die wollen jetzt auch einen auf NIGHTWISH machen. Aber das sind eben die üblichen Vorurteile. Wenn man unsere Songs dann hört, merkt man ganz schnell,  das es eben nicht in diese Schiene rein geht.

Marcel: Wo wir gerade bei den GUANO APES sind. Ihr habt in den Horus Sound Studios in Hannover aufgenommen, welches Henning , dem Gitarristen von den GUANO APES gehört. Wie seid ihr auf das Studio gekommen?

Joel: Gehören tut das dem Frank Bornemann von ELOY. Der Henning ist da glaube ich nur für die Geschäfte zuständig. Wir haben uns einfach verschiedene Studios angeschaut und sind auch dort hin gefahren. Wir haben uns von Beginn an gut mit ihm verstanden. Wir haben uns über die Songs ausgetauscht und er hat uns auch wirklich sehr gut unterstützt. Zumal das Studio auch sehr gut ausgestattet ist mit gutem Equipment.

Rik:  Bei der Vorbesprechung hingen in seinem Büro auch die ganzen Goldenen Schallplatten. Wie z. b. von den GUANO APES. Das ist natürlich schon imposant. Und da merkt man auch,  das das nicht eben irgendeine Adresse ist. Und ihm gefiel es einfach was wir gemacht haben. Das wir mutig sind und auch längere Songs schreiben. Und nicht nur Songs für` s Radio komponieren. So hat sich das dann einfach entwickelt. Jan hat natürlich im Vorfeld schon überlegt, welches Studio denn passen könnte. Und die Sache mit Frank Bornemann passte, aufgrund seiner Band ELOY, dann auch sehr gut. Wir waren dann eine Woche da und es war eine sehr coole Zeit.

Marcel: Und nach der EP ist ja bekanntlich vor dem Album…..

Joel:  Wir werden jetzt noch ein paar Konzerte spielen und uns danach auf das neue Album konzentrieren. Zudem arbeiten wir an unserer Homepage und wollen dort auch einen Shop unterbringen. Also auch an Merch arbeiten.

Rik: Genau. Das nächste Ziel ist natürlich das neue Album. Und das soll natürlich, so gut wie es eben geht auch publiziert werden. Vielleicht sogar auf einem Label…..

Wer die Band einmal Live antesten will, hat am 20.12.2013 im Resonanzwerk in Oberhausen, die Möglichkeit dazu.
Marcel
https://de-de.facebook.com/ashbyofficial

DIE SKEPTIKER (24.11.2013)

„Die Geldbörse sollte nicht den Kopf oder das menschliche Mitgefühl dominieren.“ Das bringt es wohl am besten auf den Punkt und zeigt, dass die SKEPTIKER immer noch ihr Herz am rechten Fleck haben. Politik und Gesellschaftskritik sind nach wie vor zentrale Themen der Band. Sie stehen immer noch für linke Ideen, die ich bei so manch anderer Combo, die sich links schimpft, leider viel zu oft vermisse. Die SKEPTIKER jedenfalls sind einfach ein Phänomen! Seit weit über 20 Jahren sind sie nun schon unterwegs und haben es immer wieder geschafft, mich zu überraschen und zu begeistern. Der Erstling „Harte Zeiten“ ist ohne Zweifel einer DER Klassiker des deutschsprachigen Punkrocks und über jeder Kritik erhaben. Danach folgten „Sauerei“, „Schwarze Boten“ und „Stahlvogelkrieger“, die zwar einige Evergreens zu bieten haben, bei denen ich die Band aber kurz aus den Augen verlor. Spätestens mit „Wehr dich“ hatten sich mich dann aber wieder ganz in ihren Bann gezogen. Auch wenn gerade dieses Album einige Zeit brauchte, um damit warm zu werden, so zeigte sich doch nach und nach die Klasse von Tracks wie „Der Schrei“, „Verteilungskampf“ oder „Titania“. Mit ihrem Reunionalbum „Fressen und Moral“ schlugen sie dann einen Weg ein, den sie mit „Aufsteh’n“ konsequent fortsetzen. Punkrock der alten Schule, etwas ausgefeilt, aber nie zu verspielt, kämpferisch und mit der SKEPTIKER typischen Themenvielfalt. DAS Markenzeichen der Band ist natürlich die Stimme ihres Sängers Eugen, die so einzigartig in der großen weiten Musikwelt ist. Umso mehr freute ich mich, dass ich ihm einige Fragen rüberschicken konnte und er bereitwillig Antwort gab. Viel Spaß beim Lesen und wenn die Berliner sich demnächst wieder auf den Weg machen und in eurer Nähe spielen, geht unbedingt hin, es lohnt – versprochen!

„Aufsteh’n“ heißt eure neue Platte und seit der letzten („Fressen und Moral“) sind nun auch schon wieder vier Jahre ins Land gezogen. Warum hat es so lange gedauert? Auf was dürfen sich die Fans einstellen? Gibt es jetzt Altherrenrock oder bleibt ihr dem Punkrock treu?

1Da wir keine Verpflichtungen gegenüber irgendwelchen Plattenfirmen oder anderen Industrievertretern haben, sind wir in der entspannten Lage, einen neuen Tonträger erst zu produzieren, wenn wir der Meinung sind, wieder etwas Neues machen zu wollen. Das hat diesmal eben 4 Jahre gedauert. Ich denke, dass es besser ist auf einen guten kreativen Output zu warten, als etwas auf Krampf zusammen zu basteln, was einen später vielleicht nicht mal selbst überzeugt. Ich denke, wir haben wieder einen Skeptiker Soundtrack abgeliefert, der auch einige thematische Anregungen bietet, die beweisen, dass wir immer noch etwas zu sagen und zu spielen haben. Als Altherrenrock würde ich das Ganze nicht bezeichnen, die neue Scheibe passt gut zu unserem gesamten bisherigen Schaffen und fügt sich quasi nahtlos ein, ohne nur Bekanntes oder Wiederholungen zu bieten.

Einer meiner Favoriten auf der neuen Scheibe ist definitiv „Das System“, eine großartige Momentaufnahme des aktuellen Gesellschaftssystems. Was denkst du, wie lange wird es noch dauern, bis der Kapitalismus untergeht? Wird er untergehen?

Ich beginne mal mit dem zweiten Teil. Das er untergehen wird ist überhaupt keine Frage, denn selbst wenn Gesellschaftssysteme über Jahrhunderte existierten, gab es immer Umbrüche, die etwas Anderes, Neues erzeugten, sei es durch technische Innovationen oder durch gewalttätiges Aufbegehren hervorgerufen. Auch die Pharaonenreiche Ägyptens versanken beispielsweise nach einigen Jahrtausenden von der Bildfläche. Also alles wandelt sich, in kurzen bis sehr langen Zeiträumen, aber Fakt ist, einen gesellschaftlichen Totalstillstand gibt es nicht. Wann der Kapitalismus von der Bildfläche verschwunden sein wird, ist von mir nicht zu beziffern, das erfordert schon prophetische Gaben. Das wir uns allerdings in einer Umbruchsphase befinden, wird seit der Bankenkrise wohl niemand ernsthaft bezweifeln wollen.

Passend dazu beschreibt ihr in „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ eine sehr schöne, aber momentan wohl utopische Gesellschaft. Dieser „Schlachtruf“ ist ja nun auch schon über 200 Jahre alt und wir haben es bis jetzt nicht umsetzen können. Wie könnte die Menschheit diese deiner Meinung nach erreichen?

Ich weiß nicht, ob diese Utopie überhaupt erreichbar ist, es geht aber auch nicht unbedingt um die totale Gleichmacherei, sondern meiner Meinung nach, um Gerechtigkeit bei der Teilhabe am gesellschaftlich erarbeiteten Reichtum. So etwas wie Milliardäre gehört einfach abgeschafft, oder gedeckelt. Innerhalb der kapitalistischen Ordnung ist das Motto jedenfalls nicht umsetzbar, da muss was Neues her.

„Meer aus Grün“ erzählt eine sehr beklemmende Geschichte. Wie bist du darauf gekommen? Basiert der Text auf eigenen Erfahrungen?

Das will ich eigentlich in der Schwebe lassen, ob es sich um Selbsterlebtes oder Phantasie handelt. Fakt ist aber, dass Vergleichbares ja durchaus über die Nachrichtenkanäle flimmert, wie Polizeibeamte in Kampfmontur kleine Mädchen oder junge Frauen an den Haaren über das Pflaster schleifen – sehr mutig.

Was mich an den SKEPTIKERN schon immer fasziniert hat, waren die Texte, die auch mal über szenetypische Themen hinausgehen – sei es „Titania“ oder „Pierre und Luce“. Auf der neuen Platte steht für mich „Afrika“ in dieser Tradition. Woher nimmst du die Ideen für diese Songs?

2Das ist genau das, was die Skeptiker von anderen unterscheidet. Wir sind textlich nicht nur auf motzen limitiert, was ja im Prinzip jeder kann, sondern bieten auch Themen aus der Kunst oder Kulturgeschichte. Das ist sozusagen gewollt und mich freut es immer, wenn die Fans die Titel mit solchen Themen mögen. So haben wir ja beispielsweise auf unserer vorletzten Studioproduktion „Fressen und Moral“ die Schlacht im Teutoburger Wald aus dem Jahre 9 unserer Zeitrechnung thematisiert, genau 2000 Jahre nachdem sie stattgefunden hat. Wie man auf solche Themen kommt, ist ganz einfach zu beantworten, da sie sozusagen auf der Hand liegen, wenn man sich für Kunst, Kultur, Geschichte und Ähnliches interessiert. Bei unserem Titel „Afrika“ dachte ich, zu diesem Thema bisher nichts aus der Rockmusik vernommen zu haben und dass es durchaus mal der Bearbeitung bedürfe.

Die Kunst spiegelt sich ebenfalls in euren Covern wieder, die ja auch kleine Kunstwerke sind. Hast du vielleicht bei diesem Thema irgendwelche Tipps für einen „Kunstbanausen“ wie mich? Wie kamt ihr auf die Idee für das neue Cover?

Das hat sich komplett zufällig ergeben. Rudi (unser einer Gitarrist) hat einen Maler (Christian Feldhoosen) als Nachbarn und weil ihm dessen Arbeiten gefielen, sprach er ihn an, uns vielleicht ein Cover zu gestalten. Herr Feldhoosen fand diese Idee auch für sich spannend, da er bis dato noch keine Arbeit für Musiker entworfen hatte. Als Rudi uns den Entwurf zeigte, waren alle spontan begeistert und einstimmig der Meinung (ein ganz seltener Vorfall), das ist es. Die Idee des Covers hat sich Christian Feldhoosen aus dem Titel des neuen Albums „Aufsteh‘n“ entwickelt. Allgemeine Kunsttipps will ich an dieser Stelle nicht verbreiten, da die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden sind und Kunst ein weites Feld ist.

Mit Tom Schwoll und Lars Rudel hast du seit einigen Jahren jetzt zwei feste Bandmitglieder an den Gitarren. Nur die Positionen am Bass und Schlagzeug haben beim neuen Album wieder gewechselt. Warum?

Beim Schlagzeug war es so, dass Nicolai Gogow, nach langjähriger Bandmitgliedschaft, den dringenden Wunsch nach musikalischer Umorientierung verspürte und dann zu den Mannen von Knorkator wechselte. Somit waren wir wieder auf der Suche und haben Wieland Wehr für uns begeistern können. Beim Bass ist es so gewesen, dass Mathias Kahle, der eine eigene Firma für Industrieklettern betreibt, die zeitlichen Erfordernisse zwischen Musik und Firmenbetrieb nicht mehr koordiniert bekam und sich somit für einen Ausstieg entschied. Ihn ersetzt seitdem Christopher Zabel am Bass. Zu beiden ehemaligen Bandmitgliedern gibt es aber nach wie vor freundschaftliche Kontakte.

Wie sieht es denn mit dem Kontakt zum ersten SKEPTIKER Line-Up aus?

Kontakte gibt es da eher nur noch zufällig, da ich kein Typ bin, der sich Leuten aufdrängt, wenn sie einmal aus meinem Dunstkreis verschwunden sind. Der Einzige mit dem ich hin und wieder mal maile, ist Andreas Kupsch, einer der beiden Gitarristen der Erstbesetzung, welcher nach wie vor den Werdegang der Skeptiker interessiert verfolgt.

Neben DRITTE WAHL seid ihr eine der wenigen Ost-Punkbands, die nach der Wende in ganz Deutschland wirklich Fuß gefasst hat und erfolgreich ist. Woran liegt das deiner Meinung nach? Warum sind so viele ehemalige DDR-Punkbands einfach in der Versenkung verschwunden?

Heutzutage ist es schon sehr kompliziert, sein Leben in den Griff zu bekommen. Der sogenannte „Brotkorb“ ist doch recht hochgehängt. Man muss sich meistens entscheiden, zwischen einem entbehrungsreicheren Musikerleben oder einer sogenannten geordneten bürgerlichen Existenz. Beides unter einen Hut zu kriegen bedeutet großen Kraft- und Zeitaufwand. Im Gegensatz dazu benötigte man in der damaligen DDR nicht viel Geld zum Leben. Mieten und Lebensmittel waren billig und so war es eher möglich, auch mit wenig Geld seinen Hauptinteressen nachzugehen.

Wo wir schon bei der DDR sind, in einem Interview mit dem „access2music“ Magazin hast du erst vor kurzem gesagt, dass du deine Stasiakte noch nicht angefordert hast. Warum eigentlich nicht? Hast du Angst, dass es ein schlechtes Licht auf Leute wirft, die du vielleicht immer noch kennst? Wie gehst du eigentlich mit Leuten in deinem Umfeld um, die sich früher oder später zu ihren Stasiaktivitäten bekannt haben?

Von verzeihen bis ignorieren der Betroffenen ist im Prinzip alles dabei. Von einer Person, die mir früher immer mit sehr provokanten Sprüchen auf die Nerven gegangen ist, habe ich eine persönliche Entschuldigung akzeptiert. Es ist auf jeden Fall immer noch ein sehr emotional besetztes Thema, auch 24 Jahre nach dem Fall der Mauer und bevor die Behörde geschlossen wird, hole ich meine Akte sicherlich noch zur Einsicht.

Wenn man so die ganzen Geschichten um die NSA etc. verfolgt, bekommt man das Gefühl, dass sich eigentlich nichts geändert hat, außer vielleicht den Methoden. Im Gegenteil finde ich, dass es heute schlimmer ist als früher. Wie schätzt du das Ganze ein? Habt ihr das Gefühl, dass ihr als systemkritische Punkband immer noch im Interesse von solchen „Vereinen“ seid?

3Eine Musikgruppe ist glaube ich nichts wovor eine Regierung sich fürchtet. Außerdem gehört es ja zum sogenannten Freiheitsbegriff, Andersdenkende sich in gewissem Rahmen frei artikulieren zu lassen. Die zunehmende Überwachung geht mir aber auch auf die Nerven, ich nenne es für mich die Verostung des Westens. Hätte die Stasi die heutigen Überwachungstechniken gehabt, würde sie frohlockend hinter den Rechnern sitzen, aber mehr Spitzelei als bei der NSA geht ja wohl sowieso nicht.

Im Moment lässt sich auch das leidige Thema Bundestagswahlen nicht umgehen. Magst du mal das Ergebnis kommentieren?

Ein so fulminantes Ergebnis für die CDU habe ich dann doch nicht erwartet. Um das zu verhindern, war ich wählen, hat aber wohl nichts genützt. Die CDU ist mir persönlich zu einseitig auf das Wohl der Unternehmer fixiert, soziale Gerechtigkeit sieht anders aus.

Im Osten ist DIE LINKE, trotz Verlusten bei der letzten Wahl, relativ stark und auch im Westen ist sie auf dem Vormarsch. Ist DIE LINKE eine Alternative? Was hältst du als DDR-Kind von dieser Partei?

Dazu habe ich ein durchaus gespaltenes Verhältnis, einerseits finde ich die politische Ausrichtung in Ordnung, andererseits ist diese Partei aber auch mit Leuten belastet, die diese gute politische Idee, einer gerechteren Gesellschaft schon einmal pervertiert haben.

Ein weiteres Thema, was momentan wieder in allen Medien „diskutiert“ wird, sind Flüchtlinge bzw. Europa und wie es damit umgeht. Auf eurem 98er Album habt ihr euch bereits mit „Europa“ auseinandergesetzt. Wie siehst du das Thema 15 Jahre danach bzw. wie stehst du zu Europa?

Eigentlich war ich ein sogenannter Euroskeptiker, da ich in dieser Organisationsform nur Vorteile für die Industrie und die Banker sah. Mittlerweile muss ich aber eingestehen, dass es durchaus angenehm ist, weitgehend ohne Kontrollen und Währungsumtausch durch Europa reisen zu können. Die sogenannte Festung Europa ist hingegen weiter ausgebaut worden, was es Nichteuropäern immer schwieriger macht, zu uns zu gelangen. Eines sollte man indessen nie vergessen, wäre die Einwanderungspolitik der Welt in den 30er Jahren genauso hart gewesen, wie heute in Deutschland praktiziert, hätte es vermutlich noch weit mehr Opfer der Nazidiktatur gegeben. Mehr Menschlichkeit gegenüber den Opfern unerträglicher Verhältnisse und Situationen, wie beispielsweise immer noch aktuell in Syrien, ist also durchaus angebracht. Die Geldbörse sollte nicht den Kopf oder das menschliche Mitgefühl dominieren.

In einem Interview haben die Jungs von DRITTE WAHL mal gesagt, dass sie im Moment von ihrer Musik leben können. Im Endeffekt heißt das aber auch, endloses Touren und fast jedes Wochenende auf Achse. Wie sieht es da bei den SKEPTIKERN aus? Könnt ihr davon leben? Womit vertreibt ihr euch sonst die Zeit bzw. verdient eure Brötchen?

Nein, wir können nicht von unseren Bandaktivitäten leben. Rudi (Gitarre) beispielsweise spielt noch in anderen Musikgruppen und betreibt ein kleines Studio. Tom (Gitarre) spielt auch noch bei weiteren musikalischen Projekten und betreibt mit Smail das Tonstudio „Schaltraum“ in Berlin, wo wir unsere neue Scheibe auch aufgenommen haben. Wieland (Schlagzeug) ist zusätzlich zur Musik Messebauer. Christopher (Bass) gibt Musikstunden und jobbt nebenher. Eugen (Gesang) hat mittlerweile eine Festanstellung im Veranstaltungsbereich und jobbt noch auf Messen. Die Zeit für Musik wird also immer knapper.

Jetzt aber noch einmal zurück zu den SKEPTIKERN. Speziell im Vergleich zur „Wehr dich“ hat sich euer Sound nach der Reunion doch sehr verändert. Wie kam es dazu? Welche Einflüsse spielten da eine Rolle?

Tom meinte zu diesem Thema, dass wir zur Zeit der „Wehr dich “, noch nicht so lange zusammen waren und sozusagen den gemeinsamen Sound damals suchten. Mittlerweile sind wir weiter musikalisch zusammengewachsen und haben aus einer entspannten Atmosphäre, ohne Druck die neuen Stücke einfach fliessen lassen.

Zur neuen Scheibe steht natürlich auch wieder eine Tour an. Freut ihr euch besonders auf die „Heimspiele“ oder fühlt ihr euch auch anderswo daheim?

imagesWir spielen überall gerne, aber Berlin und der sächsische Raum sind schon etwas ganz Besonderes für uns, wegen der unvergleichlich guten Stimmung, die noch einmal besser ist, als an anderen Orten.

Jetzt kannst du noch ein bisschen Schützenhilfe leisten, denn gerade in Berlin gibt es ja viele neue interessante Künstler und Bands, nicht nur im Punkbereich. Kannst du ein paar empfehlen?

Oh, da bin ich glaube ich der falsche Ansprechpartner, denn arbeitsbedingt gehe ich eigentlich nicht mehr zu Konzerten von mir nicht bekannten Bands.

Noch ein paar abschließende Worte?

„5 Finger kann man brechen, aber keine ganze Faust.“

Besten Dank

East Side Daniel

KITTY IN A CASKET INTERVIEW (10.11.2013)

1KITTY IN A CASKET sind seit ihrem Release von „Bittersweet“ permanent „On the Road“ um die Scheibe zu promoten. Auf der „HELL NIGHTS“ Tour (u.a. mit THE OTHER) machte die extrem sympathische Kapelle auch in Köln halt, um den Leuten das Fürchten zu lehren. Kurz vor der Show im Underground konnte ich mich noch mit Sängerin Kitty darüber unterhalten, was man den so zu Halloween macht wenn man nicht gerade auf Tour ist, oder ob sie sich es vorstellen könnte nach ihrer Karriere als Musikerin, auch Bürgermeister zu werden. MARCEL

Kitty. Ihr habt 2009 eine EP mit dem Namen „Hallo Wien“ veröffentlicht. War der Gedanke dahinter der, das man mit der Scheibe jedes Jahr zu Halloween auf Tour gehen kann, oder ist das Zufall das ihr gerade heute, am 31.10, hier in Köln auf der Bühne steht?

Kitty:  Um ehrlich zu sein, ist das erst die dritte Halloween Show die wir spielen. Wir haben die Scheibe damals „Hallo Wien“ genannt, weil sich auf der Platte alles um Themen dreht, die irgendwas mit Halloween oder ähnlichen Horror-Sachen zu tun haben. Das können wir für die Zukunft aber sehr gut nutzen, um immer wieder für Halloween interessant zu sein. So wie z. b. heute im Rahmen der „Hell Nights“ Tour. Wir haben auch gestern noch eine Show in Erfurt gespielt, wo auch alles auf Halloween bezogen war. Zudem haben wir auch ein „Hallo Wien“ T-Shirt mit, das passt einfach.

Wenn die Truppe nicht gerade auf Tour ist, hält sich Kitty bei dem ganzen Halloween Zinnober aber lieber zurück.

Kitty:  Ich freue mich heute sehr darauf, mich zu verkleiden. Das tue ich sonst eher nicht. Es ist einfach ein schöner Anlass, um sich verrückt zu stylen. Aber ich muss gestehen, dass ich ein großer aus geh Muffel bin. Ich bin dann eher der Typ, der es sich zu Hause mit ein paar Freunden, Snacks und Horrorfilmen gemütlich macht. Aber das kann sich natürlich auch von Jahr zu Jahr ändern und hat auch einfach etwas mit der Stimmung zu tun, welche ich gerade habe.

KITTY IN A CASKET waren im August in dem Land auf Tour, wo an Halloween (noch) deutlich mehr abgeht als hier. Erzähl doch mal wie eure US Tour verlaufen ist. Auf FB konnte man ja lesen, das ihr das ein oder andere Auto Problem hattet.

2Kitty:  Es ist schon ganz anders als hier, denn die Amerikaner sind deutlich lässiger. Z. b. was die Autos angeht. Das Auto wurde im Vorfeld gar nicht richtig kontrolliert im Hinblick darauf ,ob alles in Ordnung ist. Man ist eben auf gut Glück los gefahren. Dann standen wir wirklich im nirgendwo mit einem kaputten Van und die Van-Besitzer hatten auch nicht mal eben die finanziellen Mittel, um das alles zu klären und zu reparieren. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes gestrandet und haben dann über FB eine Spendenaktion ins Leben gerufen, bei der dann tatsächlich 4000 Dollar zusammen gekommen sind. Damit konnte die andere Band (die Van-Besitzer) den Schaden am Getriebe reparieren lassen. Ein paar Tage später ist uns dann auch noch der Reifen geplatzt. Aber da haben dann tatsächlich Leute angehalten, uns einen neuen Reifen drauf gezogen so dass wir zur nächsten Werkstatt fahren konnten, wo der Schaden dann repariert wurde. Aber nichts desto trotz war die Tour unheimlich genial, weil wir so viel erlebt und gesehen haben. Es war einfach ein riesiges Abenteuer. Jeder von uns könnte ein Buch darüber schreiben, und damit wäre die ganze Geschichte immer noch nicht zu Ende erzählt. Es waren immerhin 27 Shows in sechs Wochen. Und uns ist nichts gravierendes passiert – Wir sind alle gesund wieder nach Hause gekommen. Aber es ist schon ein Unterschied: Hier bekommst du deine Gagen, etwas Gutes zum Essen und auch ein Hotel. In Amerika wurde gesagt: „So, hier ist euer Schlafplatz“. Das konnte dann auch schon mal der Fußboden sein. Aber wir haben das Beste daraus gemacht und es einfach als Erfahrung mit genommen.

Interessant ist das schon. Denn alle Ami Bands touren immer gerne in Europa, und auf der anderen Seite wollen alle Bands aus Europa über den großen Teich.

Kitty:  Ich denke das ist einfach der Reiz etwas anderes zu sehen, und zu erleben wie es dort gemacht wird. Für uns als Band ist es natürlich schön, das Leute in einem anderen Kontinent deine Musik kennen und zu ihr abgehen. Die Zuschauer waren wirklich hoch erfreut, dass da wirklich eine europäische Band steht und ihr Ding macht. Es macht einfach Spaß das dann auch durch zu ziehen, obwohl man jeden Tag eine Show hat. Nichts desto trotz waren wir am Ende der Tour ziemlich fertig. Aber obwohl wir teilweise nur 3-4 Stunden Schlaf pro Nacht hatten, haben wir uns immer wieder auf jede Show gefreut und ordentlich Gas gegeben.

Vom großen Land zurück in die Provinz. Obwohl KIAC aus Wien kommen, fühlt man sich bei der Wahl des Labels eher in Richtung Niederrhein hingezogen. CRAZY LOVE RECORDS sitzen in Haan, WOLVERINE in Duisburg und BETTER THAN HELL, ihr neues zu Hause, in Rheinberg.

3Kitty:  Haha, nein, da steckt kein Plan und auch kein Prinzip dahinter. Das ist reiner Zufall. Aber ich muss einfach sagen, dass sich hier in diesem Eck musikalisch gesehen sehr viel abspielt. Viele Labels sind im Raum NRW ansässig. Zu BTH hab ich ne` freche E-mail geschrieben. So nach dem Motto : „Bringt ihr eigentlich nur deutsche Bands heraus ?“ . Das hat sich dann einfach so weiter entwickelt. Wir spielen in diesem Jahr auch auf dem Weihnachts Konzert der Jungs (Betontod), wo wir uns schon sehr drauf freuen. Wir sind Top zufrieden mit dem Label.

Bei BETTER THAN HELL sind ja auch Truppen wie TOXPACK oder KÄRBHOLZ unter Vertrag. Die „Gefahr“ das KIAC dadurch in eine falsche Schublade gesteckt werden könnten, besteht allerdings nicht.

Kitty:  Die Gefahr besteht gar nicht, denn wir unterscheiden uns ja schon recht deutlich von den anderen Bands am Label und das finde ich auch gut so. Es zeigt dadurch auch, dass BTH offen ist für alle bzw. andere Richtungen. Somit besteht für uns und auch für das Label keine Gefahr da in eine falsche Ecke gedrängt zu werden. Wie gesagt. Wir fühlen uns sehr wohl dort und arbeiten prima mit den Leuten vom Label zusammen, die uns auch wirklich sehr toll unterstützen.

Auf dem Album befindet sich auch ein Song mit dem Namen „Kreepsville 666“.Wie würde dieser Ort aussehen, wenn du dort der Bürgermeister sein dürftest?

„Was mit Katzen“ sagt Gitarrist Billy, der sich mittlerweile zu uns gesellt hat. Kitty stimmt dem aber zu: „Es würde nur Katzen geben. Und die fressen jeden, der in die Stadt kommt. Und die gefressenen werden selber zu Katzen. Es gibt eine Überbevölkerung von Katzen, die natürlich alle KITTY heißen und in einem Casket schlafen. Die Stadt selber ist natürlich schön düster und hat gruselige Gebäude. (Alles mit einem gewissen Augenzwinkern gesagt)

Da halte ich mich mit meiner Katzenhaar Allergie mal lieber fern von. Dann schaue ich doch lieber die Trickserie INSPECTOR GADGET. Die Titelmelodie wird nämlich in diesem Song kurz angespielt und kommt deutlich besser als das ausgelutschte Bat Man Theme.

4Kitty:  Daran ist unser Gitarrist Schuld, haha. Es hat einfach gepasst, hat einen Wiedererkennungswert und somit haben wir uns dafür entschieden. Den Song spielen wir auch heute Abend.

„Die Geister die ich rief“ hat aber nix mit dem Bill Murray Film zu tun oder?

Kitty:  Nein, das ist nur Zufall und hat nichts mit dem Film zu tun.

Ihr singt zum größten Teil auf Englisch, macht aber auch Ausnahmen wie z. b. bei diesem Song.

Kitty:  Das hat sich einfach so ergeben, obwohl ich mir vorgenommen hatte, nie wieder einen deutschen Text zu schreiben. Ich finde deutsche Texte für mich selbst einfach extrem herausfordernd. Bei diesem Song passte das aber einfach und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Obwohl KIAC auch einen Kontra Bass haben, ist „Bittersweet“ einfach nur eine geile Punk Platte mit extrem schönen Hooks. Fühlt man sich da manchmal zu unrecht in die Psychobilly oder Horrorpunk Schublade gesteckt?
Kitty:  Klar, durch den Kontra Bass sind wir immer auf eine gewisse Schiene gedrängt worden, aber beabsichtigt haben wir das nie. Wir wollten einfach Punk Rock machen.
Und Billy bestätigt das kurz und knapp: „Wir sehen uns als Punk Rock Band“.

Zum Schluss dürfen die beiden sich noch aussuchen, welche Bands sie im Tourbus lieber hören möchten.
DIE ÄRZTE oder DIE TOTEN HOSEN ?

(Beide fast zeitgleich und nach einer Sekunde) : „ÄRZTE“

Billy:  Mir gefallen einfach die Texte besser. Ich habe zwar auch DIE TOTEN HOSEN gehört, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann für DIE ÄRZTE.

5METALLICA oder SLAYER?

Kitty : Weder noch Ich bleibe bei den ÄRZTEN.

Billy: Schwierig, schwierig. Machen wir es diplomatisch. MEGADETH

MISFITS mit DANZIG oder DANZIG Solo?

Kitty:  MISFITS mit DANZIG.

Billy:  Ich finde beides gut, auch DANZIG Solo.

Beide:  Wenn wir uns entscheiden müssten, dann MISFITS mit DANZIG.

Und zu guter letzt: FALCO oder die EAV?

(Auch beide zusammen und wie aus der Pistole geschossen) „FALCO“

Kitty: Ich habe als Kind zwar auch die EAV gehört, aber FALCO ist einfach cooler. Davon abgesehen, hat er es wirklich geschafft. Er hatte ja auch in Amerika sehr großen Erfolg.

Billy: Wir waren mitten in Texas auf unserer Tour als FALCO im Radio gespielt wurde.

Kitty: Ich finde es schon sehr beachtlich, was er geschafft hat. Er hat einfach einen Sturschädel gehabt und hat sein Ding gemacht.

Billy: Von den Texten her sind beide aber sehr gut.