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Ich treffe Matt “Gonzo”Röhr im Rahmen seiner “Blitz und Donner” 2011 in der Turbinenhalle Oberhausen. Auch wenn mir nur gut 12 Minuten für`s Inti bleiben (wenige Minuten später startet bereits die Show) ,nimmt sich Gonzo in Ruhe die Zeit für meine Fragen. Der Ex-Onkel ist absoluter Vollprofi, dabei aber absolut sympathisch, ehrlich und extrem freundlich.
Marcel: Gonzo, dein neues Album heißt “Blitz und Donner”. Sollen sich die Leute nach dem hören wie von “Blitz und Donner” erschlagen fühlen oder was bedeutet der Titel?
Gonzo: (Lacht) Weder noch. Der Titel soll eigentlich Ausdruck von Zorn und Wut sein. Der Titel soll auch auf die Song hinweisen. Das Album und die Songs sind roh und unbelassen. Quasi wie ein Live Album. Das ist die Idee hinter dem Titel.
Marcel: Nach dem Ende der Onkelz hast du ja eine ganz andere Musik gemacht, die nicht wirklich viel mit der alten Richtung zu tun hatte. Wie kam es, das du mit “Blitz und Donner” wieder Back To The Roots gegangen bist?
Gonzo: Ehrlich gesagt haben mich Fans und Freunde darauf angesprochen und zwar eine ganz schön lange Zeit. Mal endlich wieder was auf Deutsch zu machen. Zur Zeit war ich aber gerade mit anderen Sachen unterwegs und hatte da gar keinen Bock drauf. Nachdem sie aber keine Ruhe gegeben haben habe ich gesagt: “O.K, weißt du was? Ich mach jetzt einfach mal 1-2 Songs um zu sehen ob es mir Spaß macht und funktioniert. Und ob es mich kickt. Und wenn es funktioniert, dann kann ich mir es vorstellen das auf Deutsch zu machen .Dann habe ich zwei Songs gemacht. Der eine war direkt “Sekt oder Selters” und es hat totale Laune gebracht und so habe ich gesagt: „Machste jetzt ein ganzes Album auf Deutsch“. Das bringt`s jetzt grad.
Marcel: Du hast ja auf dem neuen Album nicht nur die Gitarre, Bass und Produktion übernommen, sondern auch den Gesang. War dir das von Beginn an klar, das du auch diesesmal wieder den Gesang übernehmen wirst?
Gonzo: Ja, das war so geplant.
Marcel: Du hast mit Michael Ehre und Ferdy Doernberg ja zwei recht bekannte Musiker bei dir in der Band. Wie hast du die Leute ausgewählt bzw. die Band zusammengestellt?
Gonzo: Ferdy kannte ich vorher schon, seid geraumer Zeit. Und zwar seid der letzten Tour mit der ich in Deutschland war. Vor ca. 3-4 Jahren. Da habe ich Ferdy kennengelernt. Ich kannte ihn natürlich als Musiker von Axel Rudi Pell oder Uli John Roth. Über Ferdy kam auch der Kontakt zu Michael zustande. Ich habe auch einen Drummer gesucht der wirklich fit ist, also auch mit Double Bass und diesen ganzen Geschichten. Michael war damals zu der Zeit noch bei Firewind (Griechische Metal Band mit Gus.G an der Gitarre, aktueller Ozzy Osbourne Gitarrist; Anm. Marcel) Und ich hab gesagt: “Michael ich geh auf Tour, hast du nicht Bock mitzukommen”? Leider konnte er nicht, da er mit Firewind in den USA auf Tour war. Und ich sag:”Scheiße” (lacht laut).Ich hatte aber einfach keinen Bock mir nen` anderen Schlagzeuger zu suchen. Zufälligerweise ist er aber dann bei Firewind ausgestiegen und hat mir dann drei Monate später die Tour zugesagt. Ich bin echt froh darüber das ich die Jungs an Bord habe .Es funktioniert hervorragend, es sind super Musiker, das steht natürlich außer Frage und wir haben Spaß. Und wir proben uns gerade schon ein für das nächste Jahr z.b. für Sommer Festivals und den zweiten Teil der Tour.
Marcel: Planst du denn schon möglichst schnell ein neues Album nachzulegen?
Gonzo: Mit den Album Arbeiten wollte ich erst Ende nächsten Jahres beginnen. Wir wollen jetzt erstmal viele Konzerte machen, bis zum Sommer 2012.
Marcel: Eine Frage kann ich dir jetzt aber nicht ersparen. Wirst du heute Abend auch ein paar Onkelz Nummer spielen?
Gonzo: (Lacht erneut).Das ist doch ganz klar. Da habe ich auch lustige Sachen gelesen bevor es auf Tour ging. Als bekannt wurde das ich auch Onkelz Songs spiele,tauchten dann plötzlich so Kommentare auf, wie z.b: “Wie, der spielt jetzt Onkelz Songs”? “Die höre ich mir doch lieber von einer Cover Band an”. Da habe ich mir gedacht: Von dem der die Songs mitgeschrieben hat, wollt ihr die Songs nicht hören? Da geht ihr lieber zu irgendeiner Cover Band und hört euch die Songs da an? Das kommt mir echt ein bisschen komisch vor. Um es kurz zu machen: Es ist ganz klar. Es war eine lange musikalische Karriere und ich muss natürlich Songs, welche ja zu mir gehören, von ganz früher bis heute spielen. Das geht von den Onkelz Sachen, bis hin zu zwei Songs von den Englischen Alben, zwei Instrumental Songs bis hin zur Blitz und Donner Präsentation.
Es gehört aber definitiv dazu. Stell dir vor du würdest auf ein Konzert gehen, von deiner Lieblingsgruppe oder von einem Mitglied deiner Lieblingsgruppe und der würde die alten Songs nicht spielen? Das ist doch unmöglich. Wenn ich dahin gehen würde, und er würde die alten Sachen nicht spielen, sage ich ganz klar: “Was für ein Arsch” (Lacht erneut).
Marcel: Du warst bei den Onkelz ja immer sehr aktiv auf der Bühne. Fühlst du dich durch die Doppel Belastung Gitarre / Gesang nun etwas limitiert?
Gonzo: Das rumlaufen fehlt mir natürlich und die Bühne ist sicher auch ein ganzes Stück kleiner in den Clubs. Da kannst du dann nicht mal eben vom Mikrofon weg gehen. Ich kann mich natürlich schon etwas weniger bewegen.
Marcel: Du hast dein Album ja komplett alleine produziert und komponiert. Könntest du dir vorstellen auch einmal andere Künstler zu produzieren oder für andere Leute Songs zu schreiben?
Gonzo: Ich hab so was ja schon einmal gemacht. Das war dieser Ralley Song ( „Fire & Gasoline“ ,Anm.Marcel) mit Lina van de Mars (Autorin und Schlagzeugerin aus München; Anm.Marcel).Das war ja so eine Auftragsproduktion. Das kam vom deutschen Ralley Bund. Die haben halt angefragt ob man so was machen könnte. Die hatten schon ihre Vorgaben bzw. was sie sich so vorstellen können. Das der Text z.b. auf Englisch sein soll und der Song keine politische Aussage enthalten darf usw usw…Das war wirklich eine Auftragsproduktion, die ich bis jetzt einmal gemacht habe. Das hat auch Spaß gemacht. Eine komplette Produktion mit einer Band kann ich mir jetzt zur Zeit nicht vorstellen. Als Gastmusiker zu spielen schon. Das habe ich letzte Woche auch gemacht, ich darf allerdings noch nicht sagen bei wem. Als Gastmusiker zu spielen das macht Spaß, aber eine komplette Produktion, außer meine, zu machen, da habe ich zur Zeit kein Interesse dran.
Sunny Bastards war so nett und hat uns für Euch 3 CDs zwecks Verlosung zur Verfügung gestellt, wofür wir uns recht Herzlich bedanken.
Um eine dieser drei CDs zu gewinnen braucht ihr nur eine sehr einfache Frage beantworten, die wie folgt lautet:
Welchen Fußball Verein unterstützt die Emscherkurve 77?
Eure Antworten bitte an frank@crazyunited.de mailen. Einsendenschluß ist der 20.11 2011.
Pünktlich zum erscheinen der neuen Emscherkurve 77 CD „Dat Soll Punkrock Sein“, hab ich den Jungs mal die ein oder andere Frage gestellt. Die letzte Scheibe ist Ende 2008, Anfang 2009 erschienen und in dieser Zeit hat sich einiges bei den Ruhrpottlern getan. Umso wichtiger war es mir nicht nur auf das neue Album ein zu gehen, sondern auch die ein oder andere Frage zu Band-internen Dingen zu stellen.
Die Jungs waren sehr redselig und neben allerlei Neuigkeiten aus dem Hause Emscherkurve, habe ich mich auch geoutet das 3. Wahl eine Band ist die komplett an mir vorbei gegangen ist. Hätten mich die Jungs nicht darauf aufmerksam gemacht, wäre mir nicht aufgefallen das sich doch ein Coversong mit aufs Album geschlichen hat. Ich denke das spricht für den eigenen Stil mit dem EK 77 mittlerweile zu Werke gehen. Für mich gehört „Dat Soll Punkrock Sein“ zu eines der besten Emscherkurve Alben und somit war es definitiv an der Zeit mal ein Interview mit ihnen zu machen.
Eigentlich braucht man euch ja nicht mehr vorstellen, ihr sorgt seit 11 Jahren bereits für relaxten Punkrock zwischen Fußball, Ruhrpottromantik und ernsten Themen. Aber trotzdem für neu hinzu gestoßene, stellt euch doch noch einmal kurz vor. Seit wann gibt es euch euch und wer spielt was,bzw. wer hat vorher schon woanders gespielt? Was war damals die treibende Kraft Emscherkurve 77 ins Leben zu rufen?
Daniel: Ja gut du hast ja schon einiges vorweggenommen. Also an den einzelnen Instrumenten haben wir den Alex am Schlagzeug, den Marc am Bass,den Spiller am Gesang und Marcel und Mich an den Gitarren. Ich bin seit 2006 bei Emscherkurve dabei und habe vorher mit Alex und Marc Musik gemacht.
Spiller: Eigentlich wurde das ganze damals als Spassprojekt mit einem RWO Lied, nämlich “Die Macht vom Niederrhein” gegründet. Zu diesem Zeitpunkt konnte auch niemand ahnen, das da mal irgendwann ne ernsthafte Band draus werden wird. Elf Jahre, viele Konzerte und
einige Platten später, sind wir um einiges Schlauer.
Die Split-Vinyls und Mini-Lps mal außen vor gelassen, dann seid ihrjetzt mit eurem dritten kompletten Album am Start. Im Laufe der Jahre hat der Fußball bei euch, meiner Ansicht nach nicht mehr so ganz den Stellenwert wie am Anfang, was ich sehr begrüßenswert finde. Fussball reduziert Musik unter Umständen immer auf einen bestimmten Hörer-Kreis.Fußball ist zwar auch auf der neuen Scheibe mit dabei, aber bewusst habe ich eigentlich nur einen Song bemerkt. Mehr und mehr finden szenerelavante- und auch ernste Themen Einzug wie auf der neuen Platte. Hat sich das einfach so mit der Zeit ergeben oder wie kommt das?
Daniel: Keine Ahnung wie das kommt. Es passiert einfach. Evtl weil man seine eigenen Interessen mehr mit in die Musik mit einbringt. Wir wollen halt nicht nur Fußball- oder aber Partyband sein. Die Emscherkurve ist mehr als das und schon allein deswegen war es wichtig in den Texten andere Themen als nur Fußball zu verarbeiten. Ich denke dennoch das der Fußball generell nicht zu kurz kommt. Und ich für meinen teil bin begeisterter Fußballfan.
Marcel: Das man uns immer mit dem Thema Fußball in Verbindung bringt stimmt natürlich. Ich denke aber auch das wir den Fußball Anteil deutlich runtergeschraubt haben, was aber eher unbewusst passiert ist. Nun war es einfach mal wieder an der Zeit was für den RWO zu machen. Und wie du ja selbst am besten weißt, war der “RWO” Songs ja eigentlich für die Crazy United Crew gedacht, was ja aus Zeitgründen nicht geklappt hat. Und warum sollte man so einen guten Song dann fallen lassen? Wie gesagt, der Fußball gehört zu unseren Wurzeln dazu. Aber wie Daniel schon sagt; EK77 ist viel mehr als Fußball.
Spiller: Ich verstehe nach wie vor nicht warum wir immer in diese Fussball Ecke gedrängt werden. Klar besteht diese Verbindung durch unseren ersten Tonträger und auch durch den Bandnamen. Aber auf ALLEN nachfolgenden Veröffentlichungen haben wir doch wohl mehr als gut bewiesen das man uns nicht nur auf das eine Thema beschränken sollte. Sprich auch da war Fussball dann schon eher Nebensache. Das ist also keine Errungenschaft der neuen Platte.
Louis De Funes hat bei euch auf dem neuen Album einen eigenen Song bekommen. Wer kam auf diese Idee bzw. wer bei euch ist Fan von dem kleinen hektischen Franzosen?
Daniel: Die Idee stammt von Marcel und Spiller. Die Musik hab ich geschrieben und der Text stammt auch von Marcel. Aber Fan sind wir alle. Er
ist einer der größten Humoristen Europas, wenn nicht sogar weltweit gewesen.
Marcel: Genau. Ich habe mit Spiller einen Film von ihm gesehen und dachte mir; der Mann hat einen Song verdient. War eigentlich schon längst
überfällig. Zudem finde ich es schade das Leute wie er, oder Dieter Krebs und Dieter Hallervorden immer in die Blödel Ecke gedrängt werden. Um so etwas zu spielen braucht man verdammt viel Schauspielerisches Talent.
Spiller: Und er wird auch mit Sicherheit nicht der letzte sein, dem wir musikalisch huldigen werden.
Ihr hattet einen kleinen Sängerwechsel zwischen der letzten und der neuen Scheibe. Wie man hören kann habt ihr das sehr gut ausgeglichen. Wieso gab es diesen Wechsel und wer hat den fehlenden Posten von Böhle ersetzt?
Daniel: Es gab im Laufe der Jahre immer wieder Probleme mit Böhle. Mal war es eine Zeit lang ganz ok, aber das war nur temporär. Der letztendliche Grund war seine Rot Weiß Oberhausen Platte, die er ohne unser Wissen geplant und auch aufgenommen hat. Das ist nun erstmal nicht das Problem. Jedoch war sein Plan “Die Macht vom Niederrhein” und somit auch die Emscherkurve beim RWO auszubooten, um selbst die Lorbeeren zu ernten. Es gab aber in der Vergangenheit immer wieder eine Menge Streit zu diversesten Themen. Wir haben uns ganz bewusst nicht nach einem Ersatz umgesehen. Von daher gibts keinen Ersatz. Da Marcel und Ich eh fast alles mitgesungen haben, hat sich auch für uns nicht viel geändert. Dennoch hat die Entwicklung im letzten Jahr dazu geführt, das Spiller und Ich sich den Gesang aufteilen. Das kann man auch bei Songs wie eben “Alles Gute und viel Glück” oder “Zeit bleib stehen” hören.
Marcel: Es sind einfach zu viele Sachen vorgefallen die nicht mehr (er)tragbar waren. Das würde jetzt den Rahmen sprengen. Wäre Böhle nicht
gegangen, wären Daniel und ich ausgestiegen und ob Marc und Alex dann noch geblieben wären ist fraglich. Fakt ist: Die Emscherkurve hat jetzt ihre beste Zeit.
Spiller: Nach der “Lieder aus der Kurve” hat er sich auch völlig aus allem rausgezogen, nur noch sein eigenes Ding verfolgt und rein gar nichts mehr für die Band getan. Selbst an der Coverversion zum Slime Tribute hat er seine Mitarbeit verweigert und so war das bereits der erste Song den wir ohne ihn aufgenommen haben. Er hat uns zuvor über Jahre hinweg mit Ausstieg gedroht und wir haben ihm egal was war und trotz aller Eskapaden immer und immer wieder die Stange gehalten. Irgendwann war aber leider der Punkt erreicht wo es einfach anders nicht mehr ging. Du kannst mir glauben das dieser Schritt kein einfacher war, aber wie man so schön sagt: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!!
Eure neue Platte ist vollgestopft mit eingängigen Melodien die sich schnell im Ohr festsetzen und da verweilen. Ganz zu schweigen davon, dass
sie fast alle auch live absolut Mitgröhl-tauglich sind. Wer schreibt bei euch die Songs und ist für die Ideen verantwortlich?
Daniel: Alle Songs und alle Texte wurden von Marcel und Mir geschrieben.Gemeinsam haben wir unsere ausgearbeiteten Ideen im Proberaum präsentiert und danach gemeinsam entschieden, welche Songs genommen werden und welche nicht.
Marcel: So sieht es aus. Daniel und ich stehen halt auf geile Hooks, egal aus welcher Musik Richtung sie kommen. Und solche Melodien wollen wir dann auch bei EK77 mit unterbringen.
Spiller: Wie man schon beim letzten Album teilweise bemerken konnte ist Daniel, was Mitgröhl-Chöre, melodischen Backgroundgesang oder die zweite Stimme betrifft eine unheimliche Bereicherung bei EK77. Nur durfte er sich damals eben noch nicht so austoben wie er wollte. Beim neuen Album waren Marcel und Daniel dann aber keinerlei Grenzen gesetzt, wie man nun ganz gut hören kann.
Mit „Wir ham den Punk verstanden“ habt ihr einen Song über die bunthaarige Subkultur am Start. Was war der Auslöser für den Song und was bedeutet diese Subkultur für euch?
Daniel: Den Song hab ich gemacht. Die Idee dazu kam mir im Zug, als ich ein Gespräch zwischen ein paar Halbstarken mitbekam. Irgendwie haben Sie im TV was über Punk gesehen und fanden es cool. Es ging darum, welche Klamotten nötig wären um auch Punk zu sein. Mich hat es gestört und zugleich amüsiert, als ich das hörte und hab mich gefragt, was das für arme Würste sein müssen, die sich ausschließlich durch Kleidung einer Subkultur anschließen möchten. Das war letztlich der Anlass für den Song. Für mich ist es so, das mir die Szene an sich nicht so wichtig ist, da ich mein Leben definitiv außerhalb dieser verbringe. Sprich in meinem Alltag spielt das eine untergeordnete Rolle. Dennoch tauche ich für Konzerte auch gerne in diese Szene ein und fühle mich sehr wohl und bin froh das diese besteht.
Ich finde euer neues Album um einiges straighter und geradliniger als noch bei „Lieder aus der Kurve“ was absolut positiv zu werten ist. Mir scheint so als wenn ihr einiges an unnützen Ballast bzw. Spielereien über Bord geworfen und euch dafür mehr auf die Melodien konzentriert habt. Seht ihr das ähnlich?
Daniel: Danke für die Blumen. Ich find aber auch das dieser Schritt notwendig war. Wir wollten nicht die x-te Skanummer machen, weil es eben
zum guten Ton gehört. Wir wollten und haben uns aufs wesentliche konzentriert und uns mehr Gedanken über Songs gemacht als über den Stil
in dem er daher kommen soll. Das ist ein anderer Ansatz als früher. Wir wollten nur Dinge machen zu denen wir 100% stehen ohne Kompromisse. “Dat soll Punkrock sein!?” ist das Resultat.
Marcel: Genau so ist es. Es war einfach an der Zeit den nächsten Schritt zu gehen. Ich bin mit “Lieder aus der Kurve” nicht wirklich zu frieden. Die Platte klingt total zusammengewürfelt und hat keinen roten Faden. Zudem war die Produktion auch sehr schwach. Diese Fehler wollten wir beim neuen Album vermeiden. Und wie Daniel schon sagt: Wir sind eine Punk Band und darauf haben wir uns dieses mal konzentriert. Kein Ska, Keine Schlager oder Gimmicks. Straight auf`n Punkt. Ich denke das wir diese Richtung auch beim nächsten Album weiter ausbauen werden.
Dieses mal ist nicht eine einzige Coverversion vorhanden. Bei der „Lern mal deutsch“-Scheibe habt ihr euch ja damals ausgiebig in dieser Richtung hin ausgetobt. Gibt es noch Bands mit denen ihr so etwas gerne nochmal machen würdet, aber damals nicht die Möglichkeit dazu bestand? Oder war das eine einmalige Sache die man nicht wiederholen sollte?
Daniel: Also wir haben eine Coverversion auf dem Album mit “Zeit bleib stehen” von Dritte Wahl. Mal davon ab, wollten wir so wenig Coversongs
wie möglich machen. Wir wollten zeigen, das wir eine eigenständige Band sind. Vor allem war es uns wichtig keine Gastmusiker zu haben. Das Album sollte zu 100% von uns stammen, ohne namhafte Unterstützung, wie es beispielsweise bei “Lieder aus der Kurve” der Fall war. Dennoch würde ich nichts ausschließen, jedoch glaub ich nicht das nochmal so ein Album wie “Lern ma deutsch” möglich bzw. nötig ist. Außerdem muss eine Wiederholung, von einer guten Sache, nicht zum Erfolg führen. Und eine Wiederholung wird es auch nicht geben. Wir schreiben unsere eigenen Songs und Texte und so soll es auch bleiben.
Marcel: Genau. Es soll jetzt nicht arrogant klingen,aber wir brauchten dieses mal einfach keine Gäste. Klar ist es cool wenn Person XY was geiles
singt oder ein geiles Solo spielt ,aber wir wollten einfach zeigen, das wir sowas auch alleine können-Was natürlich nicht heißt, das es bei EK77 nie wieder Gastmusiker auf einem Album geben wird.
Spiller: Wir hatten schon immer die ein oder andere Coverversion im Programm. Aber das “Lern ma deutsch” Album hat ja auch nur funktioniert da wir zu den jeweiligen Covern auch immer einen oder mehrere Original Band Mitglieder der gecoverten Bands dabei hatten. Ist nichts neues und auch nichts was andere Bands nicht auch schon vor und nach uns gemacht hätten, aber auf unserem Album haben diese Punklegenden dann eben in DEUTSCH gesungen und nicht in ihrer Landessprache. Ich denke was wir damals geschaffen haben kann man nicht toppen, auch wenn es da die ein oder andere Band gibt mit der ich gerne noch mal so einen Song in deutsch aufnehmen würde. Aber wir hatten ja bereits einiges dabei was Rang und Namen hat.
Nochmal zurück zum neuen Album, wer von euch ist „Der Mann für unten rum“ damit die Groupies bescheid wissen an wen sie sich wenden müssen?
Daniel: Das sind wir alle! Nur ist es nicht jedem weiblichem Wesen vergönnt, diese Qualitäten zu genießen, da wir bis auf unseren Drummer
alle vergeben sind.
Marcel: Genau. Also bitte unseren Drummer Alex kontaktieren.
Eure CD ist mit einem Booklet ausgestattet das sich jeder so falten kann das er seinen Lieblings-EK77er auf dem Cover hat. Wie löst ihr das Problem mit der LP oder gibt es da ein anderes nettes Highlight? Buntes Vinyl oder ähnliches?
Marcel: Es wird ne Picture LP geben, wo dann einfach ein Bandfoto drauf ist.
Spiller: Und dazu gibt es noch ein beidseitig bedrucktes A2 Poster mit Texten, etc auf der Rückseite.
Wie geht es nach der Veröffentlichung des Albums in den nächsten Monaten weiter mit der Emscherkurve 77? Steht eine Tour oder ähnliches an?
Daniel: Ums ehrlich zu sagen, keine Ahnung. Wir supporten in 2011 noch bei 3 Kassierer-Shows und spielen noch im Dezember ein Konzert mit Betontod in Rheinberg. Darüber hinaus ist für 2012 einiges angedacht, was aber noch nicht spruchreif ist. Eine richtige Tour ist natürlich das absolute Highlight. Mal sehen ob da was geht. Bock drauf haben wir aber alle.
Spiller: Wir haben schon den ein oder anderen Song in der Mache und schauen dann mal ob wir die für nen neuen Longplayer zusammen sammeln, oder ob wir uns dann mal wieder ne Splitplatte mit ner anderen Band leisten. Ihr werdet es früh genug erfahren.
Bei euch geht es innerhalb der Band sehr „united“ zu Marcel kommt eher aus der Hardcore-Richtung, Daniel scheint die ein oder andere Metal-Scheibe zu mögen und Spiller gehört eindeutig in die Skinheadszene.Gibt es da manchmal Diskussionen bei der musikalischen Umsetzung oder profitiert man als Band eher von den unterschiedlichen Geschmäckern?
Daniel: Also das ist natürlich stark vereinfacht dargestellt. Somit liegst du nicht ganz falsch, aber eben auch nicht ganz richtig, denn ich
komme ganz klar aus dem Punkbereich und habe eine Affinität für Metal. Jedoch war ich nie ein Haarschwein oder Die Hard Metal-Fan, sondern mich hat immer der Punk am meisten beeinflusst. Vor allem Bands wie Descendents, NOFX oder Face to Face. Aber es ist vollkommen richtig, das wir von dieser Vielfalt profitieren. Ich kann mich in der jetzigen Konstellation an keine Diskussion erinnern, wo bsp. gesagt wurde, der Song geht gar nicht, weil der zu sehr nach Hardcore klingt. Es gibt in unserem Schema nur Songs die gut oder schlecht sind.
Marcel: Gerade weil wir alle unterschiedliche Mucke hören tut es der Band gut. Das heißt das viele verschiedene Ideen zusammen kommen und doch nach Emscherkurve klingen. Ich bin mittlerweile offen für alles. Egal ob harte Mucke oder was auch immer.
Spiller: Und Lieder die dann aus irgendeinem Grund gar nicht nach EK77 klingen oder zu uns passen, werden dann eben wieder aus dem Programm geschmissen. Oder auch so abgeändert das sie passen. Da gab es in der Vergangenheit den ein oderanderen Song der mir zb erst gar nicht gefiel, dann aber eben aufgearbeitet wurde und nun zu uns passt.
Ich danke euch für das Interview! Möchtet ihr dem ein oder anderen Leser noch was mit auf den Weg geben?
Marcel: Danke für`s Inti und checkt die neue Platte aus!!!
Spiller: Dem ist nichts hinzuzufügen! Weitere Infos:
www.facebook.com/emscherkurve77 oder www.sunnybastards.de
Erstmal Glückwunsch zum Jubiläum und neuem Album! 10 Jahre ist ne lange zeit, lass uns zurückblicken. Wie hat sich Toxpack damals eigentlich gegründet?
Schulle:
Dankeschön. Nach dem Ende der Bierpatrioten Ära im Jahr 2000 brauchte ich noch einige Monate für mich, um alles in Ruhe aufzuarbeiten. Es dauerte etwa ein halbes Jahr und ich setze mich mit Kollegen zusammen die ich noch gut aus der Berliner Punkszene kannte. Damaliger Bassist Reeck und Gitarrist Piet spielten schon zusammen in einer Surf-Punk Band. Ich hatte wieder Lust auf Mucke und fragte beide ob sie nicht Bock haben eine neue Band mit mir zu starten. Wir fanden einen Drummer namens Casi und probten einige Male zusammen und es entstanden in kürzester Zeit einige gute Demo-Songs. Da auch die letzte Bierpatrioten Veröffentlichung „Geh mit Gott“ auf Bad Dog Records sehr gut Resonanzen hervorrief, hatte ich gute Karten wieder bei einem größerem Label zu unterschreiben. Bad Dog Records waren sehr interessiert und die Demo-Songs kamen gut an. Es musste ein neuer Bandname her und irgendwann kam ich auf den Namen Toxpack. Wir wollten zuerst eine 4 Song E.P. veröffentlichen, haben uns aber leider überreden lassen ein komplettes Album in rasender Geschwindigkeit zusammenzustellen, teilweise wurden die Songs noch im Studio fertig geschrieben fürs Debüt Album „Stadtgeflüster“. Kurz danach wollten Piet & Reek wieder andere musikalische Wege gehen, wir trennten uns. Drummer Casi, den ich zum damaligen Zeitpunkt gerne behalten wollte, zog durch einen gutes Jobangebot wieder nach München zurück. Ab 2002 stieg Tommi ein und wir brauchten eine gewisse Zeit um einen festen Stamm zu finden. Einige Aushilfsdrummer und Bassisten füllten Zeitlücken aber richtig Ruhe kehrte erst wieder 2004 ein, mit dem Einstieg von Hinni. 2 Jahre später stießen auch Martin & Erik fest dazu.
Dann kam auch schon Euer Debüt „Stadtgeflüster“. Vergleiche mit Schulle´s alter Band „Bierpatrioten“ waren da wohl unumgänglich. Es dürfte aber schnell klar gewesen sein, das Toxpack bis auf Schulle´s markantes Organ eine ganz andere Hausnummer und Intentino hatte, oder?
Schulle:
Eins war uns klar, wir wollten schon Mit TP vor 10 Jahren keinen typischen „deutschen“ Oi! -Punk Sound machen. Wir mochten immer schon die härtere Gangart. Wir paarten damals schon Punk, HC & Metal so gut es ging und experimentierten fleißig damit herum. Wenn ich meinen Gesang vergleiche von vor fast 20 Jahren, da sind schon große Unterschiede zu hören. Damals war es auf Teufel komm raus eine reine Brüllerei mit maximal zwei-drei Melodiebögen, mehr konnte ich damals nicht und wurde auch nicht verlangt. Heutzutage ist es um einiges anspruchsvoller und muss ich mich gut hinterklemmen und so einfach komme ich aus meiner Gesangskabine nicht mehr raus. Da wird aufgepasst, glaubt mir, und das ist auch gut so. Jedenfalls sind das zwei Bands mit verschiedenen musikalischen Wegen & auch menschlich vollkommen anderen Charakteren. Bierpatrioten war zum Schluss der Ära eine sehr gut eingespielte Oi! Band, wo aber kein Interesse bestand ins eher professionelle Lager zu wechseln wie es heutzutage bei Toxpack der Fall ist. Und das ist bestimmt nicht böse gemeint, da schließe ich mich in meiner verrückten Jugendzeit bestimmt nicht aus. Jede Band zu seiner Zeit.
Über die Grenzen Berlins wurdet ihr dann schnell auch außerhalb der Szene bekannt, aber die Roots und engen Bezug habt ihr niemals verlassen. Und einen Schni-Schna-Schnappi Management scheint ihr auch nicht nötig zu haben. Stichpunkt „Erfolg um jeden Preis“ vs „Glaubwürdigkeit“ ?
Tommi :
Wir haben halt die ganzen Jahre unser Ding durchgezogen und haben uns den Arsch abgespielt. Da wo wir jetzt stehen, stehen wir durch unsere eigene jahrelange harte Arbeit. Bei uns gab es weder ein Management, noch eine Promotion Agentur die uns irgendwo in den Medien gepusht haben. Wir gehen vielleicht den steinigen Weg, aber wir können zumindest sagen das wir uns diesen selbst geebnet haben. Ehrlichkeit währt am längsten, und glaub mir das merken auch die Leute da draußen.
„Die andere Seite“, Euer zweites Album dann auf DSS hatte dann mehr Metal-Bezüge in meinen Augen, seht ihr das auch so? Mit Micky Fitz fing dann auch die Fußball-Neckerei an…eine Tradition die ihr später noch weiter fortgeführt habt…
Tommi :
Ja auf jeden Fall, das war so eine Phase von uns 2003. Alles musste metallig klingen und wenn möglich ordentlich verfrickelt sein. Wir haben dann aber später gelernt, das manchmal weniger auch mehr sein kann. Mit den Fußballsongs war das damals genauso, wir hatten da einfach Bock drauf. Aber wir haben uns auch irgendwann gesagt das wir nicht zur typischen Fußball Kombo mutieren wollen, und aus diesem Grund gab es auch auf den letzten beiden Alben keine Fußballsongs mehr.
Irgendwann kann dann Hinni dazu Euer Schlagzeuger…wie kam es dazu und die meisten Leute wissen glaub ich gar nicht bei welcher Punkband er vorher mal aktiv war?
Tommi :
Das war 2004. Wir suchten damals nach einen neuen Drummer, und nachdem einige bei uns vorgespielt hatten aber es irgendwie nicht zündete bei uns meinte unser damaliger Produzent Peter Oz (R.I.P.) das er wohl noch jemanden kennen würde. Kurze Zeit später stand Hinni bei uns im Proberaum, und spielte vor. Mir und Schulle war sofort klar, das ist unser neuer Drummer. So kam es auch, das er 2 Wochen später bereits mit uns die erste gemeinsame Show auf dem damaligen Oi! The Weekend in Düsseldorf spielte und auch bis heute noch bei uns hinter den Kesseln sitzt. Hinni hat vorher in einigen Bands gespielt, die bekannteste darunter war sicherlich Kumpelbasis.
„Aggressive Kunst“ war für mich persönlich dann ein absoluter Höhepunkt. Leider ist das Album irgendwie untergegangen und bis heute nicht mehr erhältlich im Toxpack-Backcatalog, sehr schade. Warum und wie sieht’s aktuell damit aus?
Tommi :
Ich glaube das weiß wirklich nur eine Person, und zwar derjenige der sich damals die Rechte an dem Album gesichert hatte. Wieso sich von der Seite bis heute nicht gekümmert wurde das Album wieder auf den Markt zu bekommen, ist uns selbst vollkommen unklar. Seit Jahren staubt das Teil in einem Berliner Anwaltsbüro ein. Aber Du kannst sicher sein, das wir da mit Hochdruck dran arbeiten da irgendeine Lösung zu finden. Wir werden das Kind schon wieder aus der Versenkung holen, dafür bedeutet uns das Album zu viel um es weiter untergehen zu sehen.
„Cultus Interruptus“ zog euch wieder zu DSS Records und mit „Epidemie“ und dem Wechsel zu PLY kamen dann dennoch die üblichen meist anonymen Vorwürfe und moderne Märchen. Schulle´s Haare sind dem Label angepasst, ihr seid mainstreamiger geworden. So was kotzt doch tierisch an, oder wie seid ihr damit umgegangen? Irgendwie hab ich das Gefühl dass Euer neues Album auch ein paar Antworten an die Adresse dieser Hetzer liefert…
Tommi :
Da das einfach nur lächerlich ist, wenn sich Leute solch eine Grütze ausdenken wie Schulle hat sich die Haare wachsen lassen wegen dem neuen Label, oder wir haben uns dem Mainstream verschrieben, haben wir uns mit solchen Kommentaren nicht wirklich weiter beschäftigt. Gut ok, wir haben mal kräftig gelacht, das war es dann aber auch schon. Sowas kann man einfach nicht ernst nehmen, und da fragt man sich auch des öfteren ob der geistige Horizont bei einigen Leuten nicht etwas beschränkt ist. Das wir auf dem neuen Album explizit einen Song über solche Leute haben, fällt mir jetzt nicht ein welcher das sein sollte. Ehrlich gesagt wäre mir persönlich auch meine Zeit zu schade, solchen Leuten auch noch einen Song zu widmen. Die Aufmerksamkeit schenken wir denen nicht, das wäre zu viel des guten.
2011 jetzt also „Bastarde von Morgen“, das bis dato fetteste Werk, was man schon als Bombast-Produktion bezeichnen könnte. Erzählt mal etwas zur Entstehung…
Tommi :
Da könnte ich jetzt einen halben Roman schreiben glaube ich, aber ich versuche mich mal kurz zu fassen wenn das denn überhaupt geht. Wir sind halt bei der Produktion etwas anders heran gegangen als bei den vorherigen, unter anderem in der Hinsicht das wir die Scheibe bei uns im Proberaum komplett vorproduziert hatten. Das wir einen Song erst im Studio schreiben, das gab es dieses Mal nicht. Mal abgesehen von den vielen stressigen Stunden und Nachtschichten monatelang im Proberaum, sind wir optimal vorbereitet ins Tonstudio gefahren und wussten genau was wir wollten. Das hat die Arbeit im Studio dann doch wesentlich erleichtert, und wir sind froh das wir das dieses Mal so durchgezogen haben mit der Vorproduktion. Es hat sich definitiv gelohnt, und ich denke das hört man auch im Ergebnis.
Mit „Zehn“ dem Opener des Albums nach dem Intro sprecht ihr auch gleich Klartext… einfach nur eine Hymne oder auch Befreiungsschlag an oben genannte Adresse?
Tommi :
Nichts dergleichen, hehe. Der Song ist einfach rückwirkend betrachtet auf unsere Bandgeschichte gesehen. In den 10 Jahren sind wir durch viele Höhen und Tiefen gegangen, haben wahre Freundschaften geschlossen, aber auch viele kennengelernt die angeblich immer nur das beste für uns wollten, sich im Nachhinein allerdings als Arschlöcher herausgestellt haben. In all den Jahren haben wir eine Menge an Erfahrung gesammelt die uns heute zu gute kommt, und wir werden weiter konsequent unser Ding durchziehen auch wenn einige am liebsten wollten das wir die Segel streichen. Wir sind wie ein Zug der einmal fährt, den kannst Du nicht so einfach aufhalten.
Ihr habt den Begriff STREETCORE seinerzeit erfunden/geprägt wenn ich richtig informiert bin. Jedenfalls wurde mir der Name in Verbindung mit Toxpack erstmalig bekannt.
Tommi :
In Deutschland geprägt kann man so sagen, ja. Wir waren quasi die erste Band in Deutschland die sich Streetcore auf die Stirn geheftet hatte als Musikstil. Zumindest ist uns keine Band bekannt, die hier den Begriff vorher benutzt hat. Erfunden haben wir den Begriff nicht, in Holland hatten damals Onno Cromag und die Discipline Jungs mit den Begriff schon vor uns herum experimentiert.
Scheint ja mehr als nur ne Musikrichtung zu sein, wenn ich mir auch Eure neue Hymne E.B.S.C. anhöre. Also was bedeutet Streetcore für euch – musikalisch aber auch persönlich?
Tommi :
Musikalisch auf jeden Fall sich nicht eingrenzen zu lassen. Wir mischen Punk, Rock, Metal und Hardcore Elemente miteinander und machen da unsere eigene Suppe draus. Streetcore ist auch eine Art Lebensgefühl für uns, sprich den Bezug zur Straße zu haben. Also nicht nur darüber zu singen wie hart es doch da draußen ist, sondern das auch zu leben worüber man singt.
In sämtlichen Musikrichtungen gibt’s zumeist auch einen Bezug zu einer Stadt. Die Technoaffen hatten ihren „Housesound of Chicago“, EBM mit Belgien/Brüssel, Grunge ist mit Seattle verbunden…für härtere Strassenköter-Musik hat Berlin auch einen typischen Stempel bekommen, wenn ich an Euch, Troopers, Soifass, Berserker etc, etc denke. Woran liegt das Eurer Meinung nach?
Schulle:
Vielleicht ist dat die berühmte Berliner Luft, wer weiß? In Berlin gab es immer eine große vielseitige Musikszene wo es kunterbunt zu Sache ging & sich vieles vermischte. Gerade in den 80ern entstanden Bands wie Troopers, die einen härteren Streetpunk Stil spielten. Die 90er wurden durch Bierpatrioten geprägt und viele darauffolgende Berliner Kapellen orientieren sich weiter daran. Somit war auch dieser Hauptstadt Großmaul-Sound immer ein Garant für die etwas härteren Musikfetischisten.
Tommi :
Ich möchte meinen, das liegt einfach daran dass Berlin einen guten Musikgeschmack hat. Haha.
Neben Streetcore scheint einigen Leuten aber auch die Band „Toxpack“ viel zu bedeuten. Ein Song des neuen Albums scheint denen auch gewidmet, oder? By the way: Ich erinnere mich noch gut an ein Konzert, wo mir ein Tattoo Eures Bandnamens gezeigt wurde, was mir sofort körperliche Schmerzen unterhalb der Gürtellinie bereitet hat, hehe.
Schulle :
Unfassbare Geschichte, die wir immer wieder gerne erzählen. Es gab tatsächlich einen Typen der uns auf irgendeinem Ruhrpott Gig erzählte, dass er demnächst vorhat sich unseren Bandnamen auf seinen Schwanz zu tätowieren. Einige Zeit später trafen wir ihn wieder und er hat es wahr gemacht. Es zierten 7 Buchstaben seinen Penis und wir warfen uns gegenseitig um vor lachen. Jedenfalls bin ich vor & nach der Show mit ihm zusammen herum gerannt und er musste sich ständig präsentieren. Jedes Großmaul habe ich angeschrien & gefragt „Wer hat die härtesten Fans hier?!“ Sogar ein sonst in diesem Punkt uneinsichtigen Herrn Willi Wucher hat sich vor ihm verbeugt, haha.
Tommi :
Haha, ob er auch heute noch mit seinem Toxpack auf der Nille glücklich ist ? Seine Frau war ja damals auch nicht schlecht „Wir hatten mehrere Wochen keinen Sex, aber jetzt habe ich Euch alle fünf auf einmal drin“. Knaller oder, haha. Der Song „Was uns verbindet“ den Du sicher meinst, ist im eigentlichen Sinne den engsten Freunden bzw. unseren Familien gewidmet die uns selbst aus der größten Scheiße immer wieder aufgeholfen haben. Aber natürlich könnte man den Song auch unseren Supportern widmen die uns unterstützen, klar. Ohne diese wären wir nämlich auch nicht dort wo wir heute stehen, und wir ziehen immer wieder unseren Hut.
Die Gig-Liste ist prall gefüllt in den nächsten Monaten von dem SO36 Heimspiel bis Ruhrpott. Es wird also auch anständig live mit den Fans gefeiert…?
Tommi :
Auf jeden Fall ! Es gibt nichts schöneres für uns, als auf der Bühne zu stehen und mit den Leuten zusammen einen geilen Abend zu haben. Auch triffst Du uns des öfteren nach der Show im Publikum, wo wir zusammen ein Bierchen trinken mit den Leuten entweder am Merchandise Stand oder an der Bar. Diese „Fannähe“ wenn man das so bezeichnen möchte, ist uns wichtig. Wir sind keine Rockstars mit irgendwelchen Allüren. Bald startet die „Bastarde von Morgen“ Release Tour, wir können es kaum erwarten.
Nachdem Album ist vor dem Album…Eurem Rhythmus nach zu urteilen dürfte Ende 2012/2013 das nächste Werk erscheinen. Schon Songs in der Schublade oder erstmal verschnaufen und „Bastarde von Morgen“ genießen?
Tommi :
Verschnaufen und genießen, dafür haben wir gar keine Zeit hehe. Wir arbeiten jetzt intensiv an der Tourvorbereitung um den Leuten eine gute Show bieten zu können und dann heißt es quer durch die Republik das neue Album ordentlich live zu promoten. So richtig zur Ruhe kommen wir gar nicht, aber das ist ok für uns denn wir kennen das nicht anders. Nach dem Rhythmus wollen wir jetzt auch nicht gehen, ich denke ein nächstes Album wird kommen wenn genügend Ideen / Songs vorhanden sind. Wie lange das dauern wird kann man nicht sagen, ich schätze aber mal vor Anfang 2013 solltest Du damit nicht rechnen. Obwohl, gibt es da überhaupt die Welt noch? Die geht doch unter am 21. Dezember 2012 oder, ok vielleicht beeilen wir uns ja.
Abschließende Worte?
Tommi :
Wir danken Dir / Euch für das Interview. An die Leute da draußen, unterstützt uns und unser Label mit dem Kauf einer CD oder LP und kommt uns auf einer der kommenden Record Release Show’s besuchen. Ihr werdet es nicht bereuen !
Das aktuelle Video zum Song BASTARDE VON MORGEN könnt Ihr Euch hier ansehen:
CRAZY UNITED: Maik.Bitte erzähle unseren Lesern doch ersteinmal,wie du überhaupt zu Betontod gekommen bist.
MAIK: Ich kannte die Band von nem Kollegen von mir,der zusammen mit Mario auf eine Schule ging.Von daher wusste ich halt, das die Jungs nen Drummer suchen und somit bot ich mich quasi als “Stand In” Drummer an und wir trafen uns zur ner Probe.Danach passte irgendwie alles und wir machten da ne feste Sache draus.Das ist jetzt 2 Jahre her und seitdem is alles cool!
CRAZY UNITED: Im Vergleich zu eurem letzten Album “GlaubeLiebeHoffnung” klingt “Antirockstars” bedeutend gereifter.Sowohl vom Songwriting,als auch von der Produktion her.Bitte erzähle doch mal,wie ihr an das neue Album herangegangen seid.Sowohl vom Songwriting,als auch von der Produktion her.
MAIK: Die Fans mussten sich ja immer etwas gedulden zwischen den Veröffentlichungen.Doch nach “Glaube Liebe Hoffnung” haben wir dann direkt weiter gemacht und haben Songs geschrieben.Alles ging viel schneller und Eule hatte ziemlich schnell nen Haufen Songs am Start, wo wir dann die besten vorproduziert haben.Mit dem Material sind wir dann direkt ins Studio gegangen für 2 mal 2 Wochen.Wir haben halt getrennt aufgenommen,also nich alle jeden Tag zusammen dort abgehangen….lässt ja auch mittlerweile die Zeit gar nicht mehr zu.
CRAZY UNITED: Euer Album ist ja auf Platz Nummer 28 in die Charts eingestiegen.Wie passt das mit dem Titel “Antirockstars” zusammen?
MAIK: Die Frage kam in letzter Zeit öfter.Die Chartplazierung ist für uns ein Zeichen, dass die Leute die Musik hören und unsere Platten kaufen.Und ich denke das dies auch nichts mit Mainstream zu tun.Wir haben ein eigenes Label,stecken viel Zeit und Arbeit da rein und haben uns was kleines aufgebaut worauf wir ziemlich stolz sind…..Wenn dann so eine Chart Platzierung dabei heraus kommt, ist das doch für den eigentlichen Mainstream ein schöner Tritt im Arsch.
CRAZY UNITED: Mit “König Alkohol” habt ihr zwar ne`coole Nummer am Start,bedient natürlich aber auch das Klischee.Wolltet ihr damit den “Pöbel” bedienen oder ist das der Soundtrack für euch wenn ihr auf Tour seid?
MAIK: Mittlerweile ist es Tradition das wir nen Party Song auf unseren Alben haben….Deshalb hat “König Alkohol” seine Berechtigung und wir 5 trinken ja auch ab und an mal gerne ein Glas:)
Jeder von uns hatte schonmal die ein oder andere Erfahrung und der Song dient einfach zum Party machen.
CRAZY UNITED: Gerade die Gitarren liefern einige schöne Solis ab,die stark an Maiden oder auch Helloween erinnern.Wo liegen bei euch die Geschmäcker und wie bringt man die alle unter einen Hut?
MAIK: Ja wir hören eigentlich ziemlich vieles an Musik.Wenn ich mich mal hervor hebe; ich höre fast alles von Metal bis Funk oder so ein paar Electro Sachen oder Hip Hop…BTD ist ne Punkrockband und da liegt ja auch der Fokus.Und Eule und Mario hören auch gerne die besagten Bands und da kann man ja seine Einflüsse oft nur schwer leugnen.
CRAZY UNITED: Im Vergleich zu euren alten Alben klingt ihr in meinen Ohren viel mehr nach Deutsch Rock als nach Punk.Wo würdet ihr euch einstufen und wie stehst du dem Begriff Deutsch Rock gegenüber,der ja die Lager spaltet?Zumal ihr ja auch im Oktober mit Kärbholz zusammen auf Tour geht.
MAIK: Der Begriff “Deutschrock” wird ja schon für viele Bands mittlerweile als Beleidigung empfunden, weil viele Leute diese Bands schon in eine dunkle Ecke drängen.Betontod ziehen seit 21 Jahren durch die Clubs und haben immer ihr Ding durchgezogen und sich nie verbiegen lassen.Und das hat was mit Punk zu tun – seinen eigenen Weg zu gehen und geradeaus zu sein.Wenn Leute uns als Rockband bezeichen – bitte,wir können damit leben.Im Endeffekt ist es Musik und unsere ist ehrlich,das ist das was zählt!
CRAZY UNITED: Ihr habt ja gute Chancen von der Musik leben zu können.Würdet ihr das Risiko eingehen oder würdet ihr die Band dann doch eher “nebenbei” laufen lassen und euren regulären Jobs nachgehen?
MAIK: Wir alle 5 haben mittlerweile Kinder und Familien.Wir könnten uns jetzt den Arsch abspielen und jedes Konzert mitnehmen und versuchen davon zu leben.Wir haben aber das Glück das wir alle Jobs haben die uns die Freiheiten für die Band geben und sind damit zufrieden….”nebenbei” ist das ja schon länger nicht mehr,dafür ist Betontod viel zu zeitintensiv.
CRAZY UNITED: Wie steht ihr dem Thema Internet / Downloading gegenüber?Fluch oder Segen für euch?
MAIK: Man kann das positiv und negativ sehen.Natürlich ist seit dem Internet die Musikbranche im Arsch.Jeder kann sich seinen Krams illegal runterladen usw….CD Verkäufe gehen natürlich dadurch drastisch nach unten.Daher ist es natürlich gut das es zumindest solche Plattformen wie Amazon und co. gibt wo der Künstler dann wenigstens noch etwas Geld als Entschädigung bekommt.Natürlich freut man sich aber als Band am meisten wenn die richtigen CD´s gekauft werden,ganz klar!
CRAZY UNITED: Famous last words:
MAIK: Vielen Dank an alle da draußen die uns bisher so geil unterstützt haben – wir wissen das zu schätzen und hoffen das ihr das auch merkt ! Bleibt sauber und wir sehn uns auf Tour***
(Dieses Interview führte Marcel Brozeit)
„D-PUNK DELUXE“ prangt es über einer der aktuellen AGGROPUNK Werbungen und diesem Anspruch sind AGGRESSIVE PUNK PRODUKTIONEN seit ihrer ersten Veröffentlichung treu geblieben. Sei es mit den Newcomern von KOTZREIZ oder den alten Hasen von RAWSIDE, AGGROPUNK haben mich noch mit jeder Veröffentlichung zu 100 Prozent überzeugt. Für mich Grund genug Matze, dem Betreiber dieses schicken Labels, mal ein paar Fragen per Mail zu schicken. Dabei stellte sich heraus, dass APP nur ein Baby von vielen ist und Matze wohl einer derjenigen ist, für die ein Tag mehr als 24 Stunden bietet. Also viel Spass beim Lesen!
Jetzt gibt es AGGRESSIVE PUNK PRODUKTIONEN nun schon über ein Jahr. Kannst du kurz Bilanz ziehen? Wie lief es?
In Zeiten wo Plattenlabels eigentlich dicht machen, lief es für uns ganz OK. Es gibt uns immer noch und es schaut im Moment auch so aus, als ob es uns noch 2012 geben wird. Es gab in der Zeit einige richtig gute Überraschungen aber auch wieder die Erkenntnis, dass man nicht immer für die Mühe belohnt wird. Das ist bei uns nicht anders als bei anderen Firmen. Manchmal gewinnst du, manchmal verlierst du.
Nachdem der „Aggropunk“ Sampler Vol. 1 ein durchschlagender Erfolg war, gibt es jetzt die Nummer 2, die natürlich wieder mit erste Sahne deutschen Punkbands gespickt ist. Wie groß sind die Erwartungen an den Nachfolger? Wie sind die ersten Reaktionen?
Also die ersten Reaktionen seitens der Presse sind für einen Sampler echt sehr, sehr gut. Reihenweise Kaufempfehlungen. Das hätte ich so nicht erwartet, wobei ich schon auch finde, dass der zweite Teil noch ein Stück besser geworden ist als der Vorgänger. Einziger Nachteil dabei ist, dass die Messlatte für den 3. Teil dann noch höher liegt. Aber gut. Bis dahin ist ja noch etwas Zeit. Ich bin vor allem gespannt wie er bei den Leuten ankommt bzw. angenommen wird. Der erste Teil war ja wirklich ein großer Erfolg.
Die Verkaufszahlen von CDs und Vinyl heutzutage gut einzuschätzen ist ja schon ein wahres Glücksspiel, zumal AGGRESSIVE PUNK PRODUKTIONEN gerade erst gestartet ist. Wie lagst du bisher mit den Einschätzungen? Liegen noch Tonnen von nicht verkauften Tonträgern rum?
Also bis jetzt lagen wir eigentlich immer ganz gut. Drei bis vier Mal mussten wir sogar nachpressen. Nur ein einziges Mal haben wir uns echt richtig dick verschätzt. Wir haben jetzt nicht viel zu viel produzieren lassen, aber einfach nicht erreichen können, dass sich überhaupt was richtig bewegt. Aber naja, kann man nicht mehr ändern und so lange es eine Ausnahme bleibt, ist das auch noch irgendwie verkraftbar. Aber auch wenn das jetzt so klingt als ob wir nur noch vereinzelte Tonträger auf Lager haben, ist dem natürlich nicht so. Labels haben fast immer zu viel im Lager herumstehen. Gehört wohl zum guten Ton.
Zu den Veröffentlichungen von RAWSIDE, THE STATTMATRATZEN und KOTZREIZ gab es vorab kleine, schick aufgemachte Singles. Was war das Ziel dieser Scheiben und wird es die in Zukunft öfter geben?
Ach das wird es immer wieder mal geben wenn wir glauben, dass es Sinn macht. Beispielsweise wird es so eine in ähnlicher Form wie bei Rawside für Rejected Youth geben, die auf unserem zweiten Label erscheinen. Der „tiefere“ Sinn dahinter ist eigentlich nur der, eine neue bald erscheinende Scheibe schon mal vorab mit ein paar ausgewählten Songs zu promoten.
Von einigen deiner Scheiben gibt es Vinylversionen, von anderen nicht. Wonach entscheidest du das? Warum gibt es von FAHNENFLUCHT z.B. nur eine CD-Version und warum läuft die Vinyl-Geschichte bei MISSBRAUCH über das SN PUNX Label?
Im Endeffekt ist das recht simpel. Ich schaue mir die Band und ihre Fans an. Es gibt einfach gewisse Gruppen da funktioniert Vinyl super – teilweise sogar viel besser als CD – und es gibt welche da geht so was gar nicht oder nur so wenig, dass es sich bei den hohen Produktionskosten nicht rentieren würde. Wenn ich eine Vinylscheibe produzieren lasse, dann muss ich einfach davon überzeugt sein, dass in den ersten 3-4 Monaten min. 50% – besser aber noch ¾ der Auflage verkauft ist oder zumindest noch über den Vertrieb im Handel steht. Andernfalls machst du einfach Minus und jeder der was anders behauptet, macht sich entweder selbst was vor oder es ist ihm als Diehard Fan eh egal ob er damit Miese macht.
Deine Veröffentlichungen gibt es natürlich auch bei iTunes und Co. zum runterladen. Verkaufst du darüber eigentlich viel? Ist der Punk von heute digital?
Es ist ein Bruchteil von den Gesamtverkäufen. Aber doch mehr als Du wahrscheinlich annehmen würdest. Bei iTunes shoppen ist jetzt auch nicht mein Ding. Aber ich find es cool, dass die Leute das machen und nicht illegal herunterladen und so die Bands und uns unterstützen.
Neben dem „Deutschpunk-Label“ AGGRESSIVE PUNK PRODUKTIONEN betreibst du noch CONCRETE JUNGLE, auf dem du die englischsprachigen Sachen unterbringst. Wie läuft es da? Ist momentan eher die deutsche oder englische Sprache gefragt?
Das kann man so nicht sagen. Beide Labels sind in den letzten 1-2 Jahren extrem gewachsen und sowohl Aggressive Punk Produktionen wie auch Concrete Jungle Records haben ihre Highlights und kleineren Newcomer Bands, die wir erst mal noch den Leuten näher bringen müssen. Dieses Jahr lag vielleicht Concrete Jungle eine Nasenlänge vorne. Aber da haben wir auch paar Veröffentlichungen mehr gehabt.
Gibt es einen großen Unterschied zwischen den beiden Plattenfirmen bei der Labelarbeit?
Vom Grundprinzip her gibt es da eigentlich keinen Unterschied. Du sprichst vielleicht mit den verschiedenen Labels ein anderes Publikum an, aber das ist eher Teil der Promoarbeit die natürlich auch zu so einem Label dazu gehört. Klar, dass eine Band wie Fahnenflucht größtenteils andere Fans hat als jetzt beispielsweise Adolescents oder Turbo A.C.’s. Aber der „Workflow“ – wie man das so schön Neudeutsch sagt – ist fast immer der gleiche. Es sind eher die Bands, die den Unterschied machen. Mit manchen ist man ratzfatz durch. Mit anderen zieht es sich wie Kaugummi.
Jetzt noch eine Klassikerfrage: Kannst du vom Label leben oder gehst du nebenbei ganz normal arbeiten?
Ich habe bevor ich Aggressive Punk Produktionen gestartet habe, aus einem Mix von Laden, Mailorder und Label gelebt. Hab mir damals aber schon recht bald wieder einige Grafikkunden gesucht und glücklicherweise auch gefunden. Denn mit dem Start des neuen Labels und dem Ausbau von Concrete Jungle Records stecke ich im Moment jeden Gewinn gleich wieder in das Label. Allerdings ist das schon trotzdem ein Fulltime Job, den ich so nur machen kann, weil ich als Grafiker selbstständig bin und das gut kombinieren kann. Das wird sich aber hoffentlich bald wieder etwas einpendeln nach den großen Anfangsinvestitionen zum Start von Aggressive Punk Produktionen.
Da du ja offensichtlich mit zwei Labels nicht ausgelastet bist, hast du noch eine eigene Band am Start, REJECTED YOUTH. Da steht bald Album Nummer vier an und ich konnte vorab schon mal in die fast fertigen Songs reinhören. Ich muss gestehen, dass ich die Band bisher nicht kannte, aber ich bin schwer begeistert. Kannst du für jemanden wie mich kurz die Bandgeschichte abreißen?
Rejected Youth gibt es jetzt schon eine ganze Weile – seit 1998 um genau zu sein – und war irgendwann für mich auch ein Grund gewesen überhaupt mit einem eigenen Label zu starten. Oberbegriff wäre wohl Streetpunk. Wobei ich finde, dass es der Band – zumindest mittlerweile – nicht mehr gerecht wird. Über die letzten 13 Jahre haben wir doch unseren Sound von Platte zu Platte weiterentwickelt und immer mehr an Eigenständigkeit gewonnen. Naja und ansonsten gab es das Übliche. Einige Besetzungswechsel, Trennung, Reunion, Spaß und viel Streit.
Bei „For Fuck’s Sake“ habt ihr ja schamlos bei einer nicht unbekannten englischen Band geklaut, he he. Was sind denn deine wichtigsten Einflüsse in Sachen Punk?
Geklaut klingt immer so negativ. Es ist eher eine kleine Hommage an die Bands. Das mach ich immer wieder gerne. Wenn Du genau hinhörst findest du im ersten Song auch eine. Und bei der letzten Platte ebenso. Wobei bei For Fuck’s Sake eher unser Basser dafür verantwortlich war. Die wichtigsten Punkeinflüsse aufzuzählen find ich nicht so einfach. Da es sich ja auch immer wieder verändert. Cock Sparrer „Guilty As Charged“ ist sicherlich eine Scheibe die ich vor 12-13 Jahren rauf und runter gehört habe und mich wahrscheinlich heute noch unterbewusst beim Songwriting beeinflusst. Das merkt man vielleicht nicht unbedingt als Außenstehender – aber mir selber fällt das immer wieder an der Aufbauweise mancher Songstrukturen bei uns auf. Naja und sonst. Sicherlich Rancid, Transplants und viele neuere Amibands. Aber meine musikalische Bandbreite ist echt riesig und es ist unmöglich die hier mal eben in einem Satz aufzulisten.
Wenn ich es richtig verstehe, wettert ihr in „All That Glitters Is Not Gold“ ordentlich gegen die heutige „Jugend“ bzw. die „Social Media Generation“ und deren Moralvorstellungen. Wie stehst du selbst zu diesen neuen Medien? Nutzt du die privat oder nur für die Labelarbeit?
Nee, eigentlich nicht. Mir geht es um elitäres Gehabe in bestimmten Kreisen, die eine herablassende Haltung gegenüber Menschen an den Tag legen, die nicht in ihre Weltanschauung passen. Menschen, welche die Attitüde à la „Wir sind besser als Du, weil wir es WIRKLICH kapiert haben“ ausstrahlen. Das ist Bullshit. Sicherlich häng auch ich nicht mit Leuten herum, die mir auf den Sack gehen, aber deshalb muss ich noch lange nicht über diese urteilen oder sie ausgrenzen. Bezüglich Social Media, kann ich dir nur sagen, dass es mich eigentlich ziemlich nervt. Aber für die Labelarbeit unumgänglich und sicherlich auch sehr hilfreich ist.
Kannst du kurz schildern, was der Fan von der neuen Platte erwarten kann? Habt ihr euch, wie es so schön heißt, weiterentwickelt?
Aber auf jeden Fall haben wir uns weiterentwickelt. Nichts ist schlimmer als eine Band die sich immer wieder wiederholt. Vor allem beim Sound haben wir auch einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Simon Krauss von Trust In The Flow Recording Solutions war diesmal Produzent und hat wirklich ganze Arbeit geleistet und viel Zeit – und wahrscheinlich auch Nerven – da hineingesteckt. Aber es hat sich gelohnt und der Junge – wenn er so weiter macht – wird mal ein gefragter Mann im Studio- / Produzentenbereich werden. Bezüglich der Songs wird es für den ein oder anderen langjährigen Fan sicherlich wieder hier und da eine Überraschung oder sagen wir mal eine neue Seite von uns geben. Es sind aber auch noch genug „typische“ Rejected Youth Songs drauf. Aber entscheidet selbst. Ab dem 18. November überall erhältlich.
Ein paar Gigs zur Veröffentlichung der Platte stehen schon fest. Kommt da noch eine ausgedehnte Tour? Hast du dafür überhaupt Zeit?
Wir fangen gerade erst an für 2012 zu planen, denn bisher war der Fokus nur auf die Aufnahmen und die Veröffentlichung gerichtet. Es wird aber sicherlich viele Shows und / oder eine Tour neben den ganzen Festivals geben. Mal sehen.
Noch mal ein Themenwechsel. Wie stehst du zur Entwicklung in der Punk- und Oi-Szene, dass immer mehr Bands in die Deutschrock-Ecke abdriften und auf unsäglichen Festivals wie dem O.F.T. oder G.O.N.D. spielen?
Es ist doch so, dass solche „Punkbands“ auch schon vor 10 Jahren auf solchen Festivals gespielt hätten, hätte sich damals jemand für sie interessiert. Und das ist für mich der springende Punkt. Diese ganze Kacke gab es doch damals schon. Der Unterschied liegt doch einfach nur darin, dass diese Protagonisten viel mehr Zuspruch erhalten. Und das finde ich viel bedenklicher.
Nervt es dich auch, wenn Bands wie die KASSIERER, S.I.K. oder BETONTOD zusammen mit FREI.WILD auftreten? Wie reagierst du dann? Strafst du diese Leute mit Missachtung oder tolerierst du das?
Also ich sag mal so. Tolerieren will ich das ganz bestimmt nicht. Allerdings tangiert es mich auch nur peripher. Diese Bands sind mir persönlich nämlich ziemlich scheiß egal, interessieren mich nicht die Bohne und sind auch zum Teil meilenweit entfernt von meiner Welt. Ich frag mich nur bei manchen Bands wieso sie sich das antun?! Ob das Naivität, Dummheit oder einfach nur Geldgier ist?! Keine Ahnung. Ein Mix aus allem wahrscheinlich. Manche Bands wittern da wohl auch einfach den großen Erfolg und brauchen für ihr Selbstwertgefühl einen gewissen Status.
Wie sieht denn die Zukunft von AGGRESSIVE PUNK PRODUKTIONEN aus? Welche Bands dürfen wir demnächst bei euch begrüßen? Was ist sonst noch geplant?
Nun, im Moment ist für 2012 noch nicht all zu viel geplant. Das liegt vor allem daran, dass 2011 so intensiv war. Was ich aber schon mal verraten kann, ist dass die Jungs von Kotzreiz fleißig an einem neuen Album arbeiten, welches dann wohl im nächsten Jahr erscheinen soll. Weitere Infos zu den kommenden Veröffentlichungen müsstet ihr dann aber alle zu einem späteren Zeitpunkt auf unserer Webseite nachlesen oder einfach in den Newsletter eintragen.
Zum Abschluss noch eine kleine Frage in Bezug auf den Aggropunk Sampler Vol. 2. Als letztes Lied ist darauf „Aggropunk“ von AGGROPUNK drauf. Wer steckt dahinter?
Ach da war mir mal ausnahmsweise langweilig :) )
Vielen Dank für das Interview!
East Side Daniel
www.aggressivepunkproduktionen.de
Hey Sebi!Wie sieht´s aus im Stomper 98 Lager?
Die Tage erscheint ja euer neuer Tonträger, der den schönen Titel “Für die Ewigkeit” trägt. Erzähl doch mal ein bisschen zur Vorgeschichte zu der neuen CD.
Bei uns ist alles sehr entspannt. Unsere 3.Platte steht ins Haus & bald geht es (endlich) wieder auf die Bühne.Im Dezember letzten Jahres haben wir mit den Aufnahmen zur Platte begonnen und im Juli wurde gemastert. Das ist ein langer Zeitraum, doch die “reine Arbeitszeit” im Studio betrug gerade mal 3 Wochen. Das ist gar nicht soviel, wenn man bedenkt, dass wir im Prinzip alle Songs im Studio fertig gestellt haben. Es gab einen groben Ablauf, doch die meisten Sachen entstanden erst im Studio bzw. als die Drumtracks & der Bass standen. Das war für uns eine neue Art im Studio zu arbeiten, aber sehr effektiv. Wir haben sehr hart gearbeitet & sind natürlich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Mitte September ist Streetdate (zum OI! THE MEETING am 14./15.092007 in Leipzig)! Dort wollen wir die Platte das erste Mal vorstellen bzw. ein – zwei Songs mit ins Set einbauen!
Bei uns ist alles sehr entspannt. Unsere 3.Platte steht ins Haus & bald geht es (endlich) wieder auf die Bühne.Im Dezember letzten Jahres haben wir mit den Aufnahmen zur Platte begonnen und im Juli wurde gemastert. Das ist ein langer Zeitraum, doch die “reine Arbeitszeit” im Studio betrug gerade mal 3 Wochen. Das ist gar nicht soviel, wenn man bedenkt, dass wir im Prinzip alle Songs im Studio fertig gestellt haben. Es gab einen groben Ablauf, doch die meisten Sachen entstanden erst im Studio bzw. als die Drumtracks & der Bass standen. Das war für uns eine neue Art im Studio zu arbeiten, aber sehr effektiv. Wir haben sehr hart gearbeitet & sind natürlich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Mitte September ist Streetdate (zum OI! THE MEETING am 14./15.092007 in Leipzig)! Dort wollen wir die Platte das erste Mal vorstellen bzw. ein – zwei Songs mit ins Set einbauen!Wie kann man es sich als Laie vorstellen, eine Platte aufzunehmen, wenn die einzelnen Bandmitglieder weltweit entfernt voneinander wohnen? Wie wurden einzelne Songs ins Leben gerufen und abgesegnet?
Das Songwriting hat sich in der Entstehungsphase der neuen Lieder nicht sehr verändert. Für Tommi & Phil waren es die ersten Aufnahmen mit STOMPER 98 & gerade Tommi hat sich sehr stark ins Songwriting mit eingebracht & war gleich mit dabei. Die einzelnen Songs & Ideen haben wir vorher zusammengetragen bzw. am Rechner hin & hergeschickt, so das zumindest die Gitarristen & ich als Bassist/Sänger wussten, was ungefähr auf uns zukam. Viele Ideen sind gar nicht erst gemacht worden & vorher schon verworfen. Wir waren sehr kritisch uns selbst gegenüber & auf die Platte haben es nur die besten neuen Songs geschafft. Flacke & ich haben die von uns verwendeten Ideen vorher akustisch & mit Klick (Takthilfe) auf genommen & arrangiert. Mit diesem Hintergrund ging es dann ins Studio. Nur ein Song der Platte (“Vereint & Stark”) entstand komplett im Studio. Nachdem die Drums standen sind wir nach & nach vorgegangen & haben, wie bei anderen Produktionen auch, die einzelnen Instrumente nach & nach eingespielt. Dabei noch viel verändert, was den Tracks echt gut bekam. Da wir mit DSS Records ein Label haben, das uns voll unterstützt, konnten wir zeitmäßig sehr entspannt arbeiten & hatten da keinen Stress.![]()
Das Songwriting hat sich in der Entstehungsphase der neuen Lieder nicht sehr verändert. Für Tommi & Phil waren es die ersten Aufnahmen mit STOMPER 98 & gerade Tommi hat sich sehr stark ins Songwriting mit eingebracht & war gleich mit dabei. Die einzelnen Songs & Ideen haben wir vorher zusammengetragen bzw. am Rechner hin & hergeschickt, so das zumindest die Gitarristen & ich als Bassist/Sänger wussten, was ungefähr auf uns zukam. Viele Ideen sind gar nicht erst gemacht worden & vorher schon verworfen. Wir waren sehr kritisch uns selbst gegenüber & auf die Platte haben es nur die besten neuen Songs geschafft. Flacke & ich haben die von uns verwendeten Ideen vorher akustisch & mit Klick (Takthilfe) auf genommen & arrangiert. Mit diesem Hintergrund ging es dann ins Studio. Nur ein Song der Platte (“Vereint & Stark”) entstand komplett im Studio. Nachdem die Drums standen sind wir nach & nach vorgegangen & haben, wie bei anderen Produktionen auch, die einzelnen Instrumente nach & nach eingespielt. Dabei noch viel verändert, was den Tracks echt gut bekam. Da wir mit DSS Records ein Label haben, das uns voll unterstützt, konnten wir zeitmäßig sehr entspannt arbeiten & hatten da keinen Stress.![]()
Wie viele Songs wird das Album haben? Könntest du vielleicht alle Titel auflisten und zu jedem Track ein paar Wörter schreiben, was ihr euch dabei gedacht habt?
Auf der Platte sind 13 Lieder.
Auf der Platte sind 13 Lieder. 1.Helden des Alltags von Klassenbewusstsein kann man in dieser Gesellschaft nichts merken & viele geben vor etwas zu sein, was sie nicht sind. Die einfachen Leute machen von ihrer Macht auf die Straße zu gehen & Veränderungen / Verbesserungen einzuleiten einfach keinen Gebrauch. Eine rel. melodische & schnelle Nummer.
2.Niemand hat gesagt dass es leicht wirdjeder hat Freunde/Bekannte die sich sofort zurückgezogen haben, wenn es mal kriselte & einem der Sturm entgegenschlug. Davon handelt der Track. Sollte eigentlich mal der Titelsong sein, wich dann aber “Für die Ewigkeit”. Teilweise mit Wut, teilweise mit Melancholie betrachtet der Text den Verlust eines vermeintlich guten Freundes.
2.Niemand hat gesagt dass es leicht wirdjeder hat Freunde/Bekannte die sich sofort zurückgezogen haben, wenn es mal kriselte & einem der Sturm entgegenschlug. Davon handelt der Track. Sollte eigentlich mal der Titelsong sein, wich dann aber “Für die Ewigkeit”. Teilweise mit Wut, teilweise mit Melancholie betrachtet der Text den Verlust eines vermeintlich guten Freundes. 3.In der Stadtein klassischer STOMPER 98 Song im musikalischen Offbeatgewand ,mit schönem Singalong – Refrain. Textlich leicht verdaulich & unterhaltsam behandelt es die Probleme, die Skins & Punkrockern auf der Straße widerfahren können.
4.Identität- haben wir auf unserer Homepage (www.stomper98.de) schon vorgestellt & ist ein sehr wütender, schneller Song der mitreißt & sich textlich gegen Mitläufer & Modeaffen richtet, die jedem Trend hinterherlaufen & sich selber völlig außer Acht lassen.
4.Identität- haben wir auf unserer Homepage (www.stomper98.de) schon vorgestellt & ist ein sehr wütender, schneller Song der mitreißt & sich textlich gegen Mitläufer & Modeaffen richtet, die jedem Trend hinterherlaufen & sich selber völlig außer Acht lassen. 5.Gesiebte Luftmusikalisch ein wenig Country – Punkrock & textlich beschäftigt sich der Song mit dem Strafsystem in Deutschland. Kapitalverbrechen werden härter bestraft als Drogenhandel, Vergewaltigung oder ähnlich schlimmen Dingen. Da stimmt doch was nicht!
6.A way of lifeein Midtempo Song von Tommi komponiert, der auf unserer myspace-Seite (www.myspace.com/stomper98de) schon zu hören ist. sehr melodiös & ich gebe zu auch sehr schwer einzusingen. Eines der besten Lieder von STOMPER 98 ever.
6.A way of lifeein Midtempo Song von Tommi komponiert, der auf unserer myspace-Seite (www.myspace.com/stomper98de) schon zu hören ist. sehr melodiös & ich gebe zu auch sehr schwer einzusingen. Eines der besten Lieder von STOMPER 98 ever.
7.Für die EwigkeitDer Titeltrack & ein verdammt rockiges Teil mit harten Gitarrenriffs & Feuer.
8.Nur bei Dir3 Akkord Lovesong mit hohem Mitgröhlcharakter…..in guten wie in schlechten Zeiten!
9.JugendzeitAuch ein traditioneller Stomper-Kracher mit mehrstimmigen Chören. Handelt von den Erfahrungen auf den Straßen & ist eine Hommage an vergangene Zeiten, in denen nicht alles glanzvoll war.
10.Pour la gloireauch diese Mal haben wir eine französische Punkband gecovert. Mit CAMERA SILENS hat es eine der Bands aus den CHAOS-Zeiten erwischt. Große Band, großes Lied & glorreiche Version unsererseits.
11.Klänge & Gesängeals Kids haben wir Punk & Oi! als Befreiung empfunden. Classwar, Rebellion, Anderssein, Widerstand & Randale waren die Eckpfeiler. Jetzt stehen wir selber auf der Bühne & spielen genau das, was wir als Kids so geliebt haben! Musikalisch sehr melodiös & verspielt ist es unsere Art DANKE zu sagen, zu den Leuten, die uns immer unterstützt haben & das noch tun!
12.Miss Germanyvon Jimmy Cliff inspiriert entführten wir MISS JAMAICA 1967 & ersetzten die alte Dame mit MISS GERMANY 2007. Davon gibt es so viele & für die ist auch dieser Track. War ein Riesenspaß die Nummer einzuspielen & einzustompern.For the ladies!
13.Vereint & StarkUnited & Strong black & whiteUnited & stron Punk“s & Skins….sangen schon AGNOSTIC FRONT. Wir schließen den Longplayer mit dieser schnellen Mitgröhlnummer. Heutzutage ist das ja für viele in der Szene ein Phrase ,doch es ist doch sehr erstrebenswert, das auf Konzerten & innerhalb der Szene respektvoll miteinander umgegangen wird & gemeinsam gekämpft wird UND NICHT gegeneinander. Feinde haben wir alle genug & die Bullen, Nazis & der Rest da draußen lacht sich doch schlapp über soviel Streit innerhalb der eigenen Reihen.
Identität und Way Of Life habe ich ja auch schon hören dürfen (übrigens 2 mehr als großartige Songs) und mir fällt gerade bei diesen Songs auf, das du / ihr sehr viel Wert auf Style und Werte an sich legt. Wie sieht es bei dir tief im Inneren aus? Bist du manchmal traurig, dass ehemalige Kollegen nicht mehr dabei sind? Wie findest du den „Nachwuchs“ der Skinhead Szene?
Ich kann da nur für mich & nicht die Band im Kollektiv sprechen. Das einzige was ich im Zusammenhang mit STOMPER 98 mit Sicherheit sagen kann, ist das wir alle 5 nun schon sehr lange Skins sind & uns in der sog. Szene bewegen. Dadurch entsteht natürlich eine Verbundenheit zu Werten, die in der Lebensphilosophie Skinhead eine Rolle spielen.Sonst würden wir uns nicht mehr Skinheads nennen, denke ich. Für jeden bedeutet es individuell etwas anderes & Style geht natürlich einher damit. Die Frage ob Hemd oder Shirt, Boots oder nicht, stelle ich nicht, denn das äußere spielt keine Geige. Falls jemand mehr Wert auf seinen (äußeren)Style legt & dabei einfach die Eckpfeiler seines gewählten Lebensweges vergisst, dann nützen ihm die traditionellsten Klamotten nicht & seine Freunde gegen keinen Pfifferling auf ihn. Und wenn ich bedenke, wie wir früher teilweise rumgerannt sind, als man es nicht besser wusste…….durchgesetzt haben wir uns trotzdem. ´ Es gibt genug Leute, die längst nicht mehr dabei sind & sie hatten Ihre Gründe “aufzuhören”. Solange sie nicht vergessen wer sie waren, akzeptiere ich das natürlich & in meinem Freundeskreis sind eine Menge Ex-Glatzen, auf die ich blind zählen kann. Schmerzhaft sind halt die Erinnerungen an die Leute, die alles sang & klanglos hinter sich ließen & jetzt nicht mal mehr einen Gedanken an gemeinsame Zeiten verschwenden. Ansonsten finde ich es gut, dass es so viele Kids gibt, die sich entschließen als Skins durch die Straßen zu ziehen. Die Szene ist anders als früher & vielleicht ist es nicht mehr so hart sich durchzusetzen, doch was soll aus einer Subkultur werden, wenn die Alten immer von früher schwärmen & die Jungen nicht für voll genommen werden? Mich freut es auf Konzerten so viele jüngere Mädels & Jungs zu sehen! Das heißt doch auch, das es viele gibt, denen die Tradition & werte des Skinheadlebens am Herzen liegen!
Ich kann da nur für mich & nicht die Band im Kollektiv sprechen. Das einzige was ich im Zusammenhang mit STOMPER 98 mit Sicherheit sagen kann, ist das wir alle 5 nun schon sehr lange Skins sind & uns in der sog. Szene bewegen. Dadurch entsteht natürlich eine Verbundenheit zu Werten, die in der Lebensphilosophie Skinhead eine Rolle spielen.Sonst würden wir uns nicht mehr Skinheads nennen, denke ich. Für jeden bedeutet es individuell etwas anderes & Style geht natürlich einher damit. Die Frage ob Hemd oder Shirt, Boots oder nicht, stelle ich nicht, denn das äußere spielt keine Geige. Falls jemand mehr Wert auf seinen (äußeren)Style legt & dabei einfach die Eckpfeiler seines gewählten Lebensweges vergisst, dann nützen ihm die traditionellsten Klamotten nicht & seine Freunde gegen keinen Pfifferling auf ihn. Und wenn ich bedenke, wie wir früher teilweise rumgerannt sind, als man es nicht besser wusste…….durchgesetzt haben wir uns trotzdem. ´ Es gibt genug Leute, die längst nicht mehr dabei sind & sie hatten Ihre Gründe “aufzuhören”. Solange sie nicht vergessen wer sie waren, akzeptiere ich das natürlich & in meinem Freundeskreis sind eine Menge Ex-Glatzen, auf die ich blind zählen kann. Schmerzhaft sind halt die Erinnerungen an die Leute, die alles sang & klanglos hinter sich ließen & jetzt nicht mal mehr einen Gedanken an gemeinsame Zeiten verschwenden. Ansonsten finde ich es gut, dass es so viele Kids gibt, die sich entschließen als Skins durch die Straßen zu ziehen. Die Szene ist anders als früher & vielleicht ist es nicht mehr so hart sich durchzusetzen, doch was soll aus einer Subkultur werden, wenn die Alten immer von früher schwärmen & die Jungen nicht für voll genommen werden? Mich freut es auf Konzerten so viele jüngere Mädels & Jungs zu sehen! Das heißt doch auch, das es viele gibt, denen die Tradition & werte des Skinheadlebens am Herzen liegen!Was gibt es zur Aufmachung der CD zu sagen?Wird es auf der CD z.B. Videos geben oder wird das eine ganz normale Verpackung?
Die Erstauflage der CD wird im Pappschuber geliefert. Ansonsten haben wir uns auf die Musik beschränkt. Visuelle Aufnahmen gibt es nicht mit drauf. Wir müssen ja auch noch was zum 10.jährigen nächstes Jahr haben.Für die Vinylsammler wird es auch eine limitierte Auflage geben.
Die Erstauflage der CD wird im Pappschuber geliefert. Ansonsten haben wir uns auf die Musik beschränkt. Visuelle Aufnahmen gibt es nicht mit drauf. Wir müssen ja auch noch was zum 10.jährigen nächstes Jahr haben.Für die Vinylsammler wird es auch eine limitierte Auflage geben.Du sagst gerade dass ihr nächstes Jahr euer 10jähriges feiert! Womit kannst du den Fans von STOMPER 98 den Mund wässerig machen, damit diese gemeinsam mit Euch feiern können? Die obligatorische DVD?
Da haben wir konkret noch nix im Visier. DvD ? Hm, wir haben ca. 30 Gigs von uns auf Band, aber ob das interessant ist? Wenn dann mit viel Schnick – Schnack dabei. Ansonsten nehmen wir vielleicht eine Platte mit neuen & alten Sachen auf. Mal sehen, da steht noch nix, außer das wir schon etwas vorhaben. Ein großes Konzert zum Bandgeburtstag gibt es auf jeden Fall .Und die erste Tour in die Staaten als Geburtstagsgeschenk sozusagen. An uns & an die Stomper-Maniacs dort drüben.
Da haben wir konkret noch nix im Visier. DvD ? Hm, wir haben ca. 30 Gigs von uns auf Band, aber ob das interessant ist? Wenn dann mit viel Schnick – Schnack dabei. Ansonsten nehmen wir vielleicht eine Platte mit neuen & alten Sachen auf. Mal sehen, da steht noch nix, außer das wir schon etwas vorhaben. Ein großes Konzert zum Bandgeburtstag gibt es auf jeden Fall .Und die erste Tour in die Staaten als Geburtstagsgeschenk sozusagen. An uns & an die Stomper-Maniacs dort drüben.Aber neues Merchandising gibt es, richtig? Mit was für Motive? Fotos davon am Start?
Ja, wir haben ja bisher immer nur ein Shirt-Motiv am Start gehabt. Jetzt legen wir 2 neue auf. Die Motive habe ich jetzt nicht, sind aber sehr, sehr schick & stilvoll. Das eine mit kleinem Brustdruck & beidseitig & das andere ein klassischer Trojan-Warrior. Eines kommt wohl beidseitig bedruckt. Die Shirts sind auch in verschiedenen Farben erhältlich & als Girlieshirts und Kapus. Naja, & dann auch noch so Sachen wie Schals, Pins usw.
Der ganze Kram ist dann auf unseren Gigs & über unsere Homepage www.stomper98.de) erhältlich.
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Der Tonträger wird ja auch ein wenig betourt! Kannst du uns die Daten der kleinen Tour verraten?
Ja, Konzerte sind auch geplant, freuen wir uns auch tierisch drauf, denn bei uns ist das ja zeitmäßig immer so eine Sache. Für die Region RUHRPOTT ist seit Jahren mal wieder was geplant & das ist schon mit ein Highlight! Hier die Daten für 2007 ! 14./15.Sep.2007 Oi! the Meeting - LEIPZIG12.Okt.2007 Berlin – Kato RECORD RELEASE PARTY´+ Towerblocks + Analogs13.Okt.2007 Dortmund – Kaktusfarm + Eastside Boys + Close Quarters Battle03.Nov.2007 Göteburg (Sweden) with Templars & Perkele16.Nov.2007 München – Feierwerk + Bootstroke + Mummys Darlings + Freibeuter17.Nov.2007 Wien/Austria – TBA with Bootstroke + M.Darlings + Freibeuter Nach den meisten Gigs sind zumeist noch Parties, auf denen unser Drummer Philthy Platten auflegt. Einfach Augen & Ohren offen halten, dazu sind natürlich alle eingeladen mit uns zu feiern!
Das hört sich ja alles sehr großartig an und ich freue mich schon tierisch auf die Show in Dortmund!
Die letzten Worte gehören dann Dir und ich möchte mich für den kurzen Smalltalk bedanken.
Alles klar, Frank, wir bedanken uns bei Dir für den Support von STOMPER 98 von Beginn an.
Für uns ist es immer wieder toll zu merken, wie wir unterstützt werden als Band. Das ist unbeschreiblich. Ein fettes Oi!Oi!Oi! an unsere Familien & Liebsten ! Und natürlich an all die Skins, Punkrocker & Freunde von STOMPER 98 die uns immer unterstützten!!! Ihr seid die Besten! Oi! ain`t dead!!!
Bevor hier wieder Stimmen laut werden, das dies ein Interview „gegen“ VJ ist, möchte Ich hier ganz klar festhalten, das ich persönlich nichts gegen VJ habe.
Aber das in einem Interview mit dem „Peter / Zoni“ das Thema „Trennung Peter VS Verlorene Jungs“ behandelt werden muss, halte ich für Legitim und es dürfte selbstverständlich bestimmt auch viele andere Leute interessieren, denn ich habe dieses Interview ja nicht geführt, um mein Ego zu befriedigen.
Das Interview führten wir per Elektronischer Post im Oktober 2008.
Frank Herbst (www.crazyunited.de)
Hallo Peter!
99% der Leute die dich kennen, werden dich nur mit „Verlorene Jungs“ in Verbindung bringen, was ich ein bisschen Schade finde, denn schließlich war ja auch was „vor“ VJ und deshalb möchte Ich Dich bitten mal kurz zu erläutern, was für Aktivitäten du bisher für „unsere“ Szene geleistet hast.
Och na ja, was heißt schon geleistet? Geleistet klingt ja immer so nach hochgekrempelten Ärmeln und Verdienstorden. Eigentlich hab ich ja nicht wirklich was geleistet. Bin halt nur schon n paar Tage dabei und da macht man so das ein oder andere, kennst du doch. Gibt wenige die sich über 10, 15, oder sogar 20 Jahre in der Szene bewegen ohne irgendwann mal in irgendeiner Form aktiv gewesen zu sein. Mit oder ohne Erfolg, je nach dem. Ich hatte es mal mit nem kleinen Shirt und Plattenversand versucht. Mr. Nobody hieß das damals. War mit Spiller zusammen. Ist aber sicher schon weit über 15 Jahre her. Später bin ich dann in Willi Wuchers Scumfuck Imperium eingestiegen. Hab da bis ca ’98 am Zine mitgearbeitet und Label und Laden mit aufgebaut. Ansonsten gab es ab 96 eigentlich nur VJ und die Lost Boiz Army, mit dem Strategen natürlich.
Wie bist du damals das erste Mal mit dem Punk / Skinhead Virus in Berührung gekommen? Wie ja die meisten wissen bist du in der ehemaligen DDR aufgewachsen und da wurde ja bestimmt ein Punker / Skinhead Outfit nicht so angesehen, wie im damaligen Westen! Wie gingen deine Eltern und der Staat damit um?
Ich glaub die ersten Punks bei uns hab ich noch während meiner Schulzeit gesehen. Das muss so 1980/81 gewesen sein. Das waren eigentlich nur ziemlich runtergekommene Asis, aber ich fand die schon damals irgendwie ziemlich cool. Bis ich jedoch selber dazu stieß, vergingen dann aber noch n paar Jahre und es brauchte einige Begegnungen mehr, als diese ersten. Selber Skin/Punk wurde ich erst ca 84/85. Ich nenne es bewusst Skin/Punk, denn zu dieser Zeit gab es die krassen Unterscheidungen bei uns noch nicht und fast jeder wechselte nach Lust und Laune zwischen Glatze und Iro hin und her. Auch ich. Du warst einfach nur Teil einer gemeinsamen Szene, egal ob Skinhead, Punker, oder sonst was fürn Vogel. Staatliche Repressalien waren uns allen gleichermaßen sicher. Eine Szene die sich außerhalb der staatlichen Kontrolle entwickelt, war natürlich nicht gern gesehen und so hatte das System ne ganze Reihe von Drangsalierungen der nervigen, aber auch schmerzhaften Art parat. Bullenstress, Stasiverhöre und dergleichen mehr. Kann man sich heute alles gar nicht mehr vorstellen. Aber das hielt damals den Kreis der Leute klein und auf irgendeine Art war es deshalb was besonderes, dazu zu gehören. Man brauchte n dickes Fell. War aber trotzdem ne schöne Zeit, heute zurückblickend und insgesamt. Meine Eltern waren natürlich total schockiert, logisch.
Wurdest du damals von der Stasi verhaftet und / oder bespitzelt?
Falls ja, was warf man dir vor?
Hast du dir später mal einen Einblick in deine Akten verschafft?
Verhaftet oft, bespitzelt bestimmt. Aber das war nichts Unübliches im Osten. Von den Bullen kontrolliert und wegen nichtiger Vergehen verhaftet wurdest du alle Nase lang. Verhaftungen, prophylaktische Vernehmungen, Stadtverbote, das gehörte alles dazu und war, wenn man so will, irgendwie Normalität und galt nicht nur für Skins und Punks, sondern für alle, die irgendwie nicht ins Bild passten. Stasi war dann die nächste Stufe. Auch Vernehmungen und so. Teilweise von der ganz fiesen Sorte. Von Mielke gab’s ja sogar den konkreten Befehl nicht zimperlich mit uns umzugehen, wie man heute weiß. In aller Regel wurden dir völlig harmlose Sachen vorgeworfen, die ganz offensichtlich nur als Vorwand dienten. Warst du aber einmal in dieses Netz geraten, kamst du praktisch nicht mehr raus. Die meisten endeten irgendwann im Knast. Ich dann ja leider auch.Akteneinsicht wollte ich immer mal nehmen, hab’s dann aber doch nie getan. Irgendwann mach ich das aber bestimmt mal.
Hattest du damals Gedanken gehegt aus diesen Gründen dein Outfit Richtung „Normalität“ zu ändern oder war dir schon damals klar, dass es nur diesen Weg für dich geben wird?
Nee, eigentlich hat jeder Palaver immer nur meinen Trotz geschürt. Der ganze Osten hatte damals im Allgemeinen ja dem System gegenüber ne gewisse „Antihaltung“ und gerade wenn dir durch die staatlichen Organe „nahe gelegt“ wurde, dich oder zumindest dein Outfit zu verändern, ging das natürlich überhaupt nicht. Also zumindest bei mir absolut gar nicht. Viel zu stolz. Gerade wenn es Druck gab. Hat aber auch ne Menge Leute gegeben, die das nicht ausgehalten haben und deshalb abgesprungen sind. Da konnte man dann immer sehr günstig an begehrte und sonst praktisch nicht zu kriegende Klamotten, wie Bomberjacken, Boots etc, kommen. Für die Szene hattest du dann aber auch völlig abgelost, klar. Da konnteste dich natürlich nirgends mehr sehen lassen. So trennte sich immer sehr fix die Spreu vom Weizen und wenn du also, egal wo und in welcher Stadt, irgendwo ne Glatze oder n Punk getroffen hast, war das 100%ig kein Weichei. Das hat vieles im Umgang miteinander erleichtert. Wenn auch zu einem hohen Preis. Sicher. Aber es hat die Verbliebenen auf ne besondere Weise zusammengeschweißt. Jeder wusste Bescheid, jeder machte dasselbe durch. Wir waren irgendwo so ne Art Widerstandsbewegung. So was wie damals, hab ich später nie wieder gefunden. Vom Gefühl her.
Hattest du eigentlich schon zu Ost Zeiten deine Stimme einer Band geliehen bzw. war es schon damals ein Wunsch von Dir deine Gefühle in Form von Gesang anderen Leuten mitzuteilen?
Nö überhaupt gar nicht. Gar kein Gedanke. Das Musikmachen war so weit weg wie nur irgendwas.
Mit wie viel Jahren bist du denn dann in den Westen gekommen?
War das zum Zeitpunkt des Mauerfalls oder zu einem anderen Zeitpunkt?
Mit Anfang zwanzig. Das war Ende 89. Da gab’s die Mauer zwar noch, aber die Grenze war schon offen. Ich war Anfang Oktober 89 völlig fertig, desillusioniert und enttäuscht von Land und Leuten aus der Haft entlassen worden. Am 09. November ging die Grenze auf, Mitte November war ich weg. Über Braunschweig, Hannover, Unna Massen, von einem Lager ins andere. War ja die Hölle los damals, da haben Hunderttausende das Land verlassen. Alles war total überfüllt und die Mauerfall Euphorie kippte gerade n bisschen, weil dem Westen klar wurde, dass das n teurer Spaß werden konnte… Geendet ist die Odyssee dann in Wesel, Katastrophenschutz Schule, wo ich erst mal n paar Tage verbracht hab. Von da aus ging’s für n paar Wochen in ne Notunterkunft, auch in Wesel, Zitadelle. Nur Asitypen da. 8 Leute auf einem Zimmer. Alle Tag und Nacht besoffen. Ewig Diebstähle und Schlägereien, Messerstechereien. Zum Glück hatte ich als gelernter Maurer schnell Arbeit gefunden und konnte mir ne Wohnung suchen. So war der Spuk ungefähr im März 90 für mich vorbei. Da bin ich nach Friedrichsfeld gezogen. An den Arsch der Welt sozusagen, ziemlich nahe am Loch. 30qm antiquarisch möbliertes Appartement, 500 DM warm, zur Witwe Wiedemann. So fing alles an.
Und was war mit deinen Eltern? Sind die im “Osten” geblieben?
Hast du heute noch Kontakt mit Ihnen?
Also ich war von unserer Familie der einzige, der den Schritt gewagt hat. Meine Eltern sind inzwischen leider schon viele Jahre tot. Ich hab noch zwei ältere Brüder und ne Schwester, zu denen es heute nur noch losen Kontakt gibt. Man ruft sich halt zu Geburtstagen an und so, besucht sich alle paar Jahre mal. Meine Schwester war später ab und zu auf VJ Konzerten. Sie und ihre ganze Familie waren große Fans unserer Musik.
Da du ja schon die VERLORENEN JUNGS ansprichst, können wir ja einen kleinen Sprung machen und direkt zu dieser Band kommen oder hast du vor VJ noch in anderen Bands gespielt?
Hab mich schon die ganze Zeit gefragt wie du diese Kurve kriegen wirst… nee, vor VJ war ich bandtechnisch Jungfrau.
Dann erzähle uns doch mal, wie du zu VJ gestoßen bist und wer da anfangs mitmusiziert hat, denn die letzte Besetzung war ja nicht die Original Besetzung!
Das war irgendwann im Sommer 95 oder so glaub ich. Damals waren die Brüder Torsten und Stefan dabei und n Trommler, der Mike hieß. Ich glaub Torsten sprach mich auf ner Party an, ob ich nicht Bock hätte in der Band mit zu machen. Der letzte Sänger (Arndt?) war aus beruflichen Gründen ausgestiegen und keiner wusste genau, wies weitergehen sollte. Zu der Zeit gab es aber noch keinen richtigen Bandnamen und auch noch kein einziges wirkliches Lied. Ich glaub wir nannten uns abwechselnd mal Always Ultra, mal Warboots und auch mal Verlorene Jungs. Im Grunde hingen wir aber nur ab und zu im Proberaumbunker in Duisburg rum, um uns zu betrinken, n bisschen undefinierten Krach zu machen, und um – in 9 von 10 Fällen, auf Mike zu warten, der uns immer wieder hängen ließ. Davon hatte ich irgendwann die Schnauze gestrichen voll und so stellte ich die Kollegen vor die Wahl, entweder nen anderen, wirklich ambitionierten Trommler zu suchen, oder weiter auf Mike zu warten. Dann aber ohne mich. Die anderen stimmten zu und so suchte und fand ich schon kurze Zeit darauf in Bernd, dem Sänger und Gitarristen der RABAUKEN, haargenau den Schlagzeuger, der in unser Raster passte. So fing mit Bernd eigentlich alles erst an. Der kannte sich aus, der wusste worauf es ankam. Bernd hatte jede Menge Live und Studioerfahrung und darüber hinaus mehr Musik im kleinen Finger, als wir drei grünen Jungs im ganzen Körper. Bernd konnte dir an jedem Instrument zeigen was er meinte, wenn die Worte fehlten und vorsingen, wenn du nicht die richtige Linie finden konntest. Das war genau unser Mann. Ja, mit Bernd fing eigentlich erst alles an. Das war so Ende 95 ungefähr. Da hatten wir die ersten eigenen Lieder und dann stand auch der Bandname fest. Hm. Verlorene Jungs. Fand den Namen eigentlich immer doof. Mein Favorit war Warboots gewesen.
Bernd spielte ja damals in der nicht gerade unumstrittenden Combo “Rabauken”.
Ward ihr damals so blauäugig und habt es nicht sehen kommen, das viele Leute Euch deshalb anpissen würden oder war Euch das bewusst und ihr habt darauf geschissen?
Also dass die Anpisserei später so derbe Formen annehmen würde, war uns sicher nicht bewusst. Ich glaub aber auch nicht, dass es irgendwas verändert hätte, wenn wir das vorausgeahnt hätten. Bernd war für uns ein Held. Der Frontmann einer der besten deutschen Oi Bands. Bei uns am Schlagzeug. Das war für uns der Hammer. Ich glaub auch, dass es in 96 noch gar nicht so viele Angriffe auf die RABAUKEN gab, oder? Begann das nicht alles erst ein paar Jahre später, mit dem Rechtsruck von DIM Records? Weiß jetzt gar nicht genau.
Ich persönlich kann mich aber auch noch sehr gut an Zeiten erinnern, in denen die RABAUKEN den Leuten nicht politisch genug waren. Da führten noch STÖRKRAFT, NOIE WERTE etc die Hitlisten an. So was gab es ja auch. Aber egal, selbst wenn. Die Rabauken sind und waren in ihren Liedern so unpolitisch wie wohl kaum ne andere deutsche Band. Wir hatten uns ein eigenes Bild gemacht. Ich selber kannte Bernd da schon n paar Jahre, mir hätte da eh keiner was erzählen können. Wir haben später ne Menge Diskussionen zu diesem Thema geführt. Aber meine persönliche Meinung dazu hat sich nie geändert und ich denke, dass ich auch mit dem Wissen von heute, alles noch mal genauso machen würde. Ohne Bernd wäre aus der Band nie was geworden. Erst durch ihn bekamen die Songs so was wie ne Struktur und erst mit Bernd fing das regelmäßige proben an, richtig Spaß zu machen. Ich glaub das war damals die beste Zeit der Band.
Und warum verließ Bernd dann Jahre später die Band? Da wurde ja auch nie wirklich Tacheles geredet oder habe ich damals das nicht richtig mitbekommen?
Nee das ist schon richtig, wir haben damals und auch später nie wirklich Klartext darüber nach außen dringen lassen, zumindest soweit ich weiß. Ich denke aber auch, dass das im Sinne aller Beteiligten war und ist und möchte deshalb auch hier nicht näher darauf eingehen und mich lieber geschlossen halten. Denn eigentlich geht’s keinen was an. Wichtig ist aber ganz bestimmt, seinerzeit wie heute, dass die Trennung eine lange Vorgeschichte hatte und es am Ende Bernds eigene Entscheidung war, die Band zu verlassen. Zu ihrer Zeit vermutlich die einzig richtige. Aus heutiger Sicht allerdings leider ganz bestimmt ein Fehler, den ich später sehr bereut hab. Wir haben gut 10 Jahre lang zusammen Musik gemacht und hatten ne verdammt gute Zeit zusammen. Das hätte man nicht einfach so über Bord werfen dürfen. Wie gesagt war Bernd ganz bestimmt der wichtigste Einfluss den VJ hatten und ohne ihn hätte es die Band so nie gegeben. Das hätten wir bedenken müssen und anders würdigen sollen.
Aber die Trennung wurde nicht aus „Politischen“ Gründe vollzogen?
Hast Du heute noch Kontakt zu ihm?
Nee Quatsch. Wenn uns Bernd schon im Vorfeld in irgendeiner Form nicht „koscher“ erschienen wäre, hätte er nie seinen Platz bei uns gefunden. Wie gesagt, ich kannte ihn vor VJ schon ne ganze Weile und würde mich auch heute jederzeit verbürgen. Wir waren bestimmt nicht immer in allem einer Meinung, aber wenn er der Bösewicht wäre, den viele in ihm sehen (wollen), wären wir sicher keine Freunde geworden. Der Kontakt ist seit damals leider etwas mehr als nur eingeschlafen. Ich hab ihn zwar immer mal mit n paar Sachen bedacht, wenn was neues von uns raus kam und seine Meinung war mir immer wichtig, aber darüber hinaus gab es nur wenig bis gar keinen Kontakt.
Wer kam dann als Schlagzeuger zu den VJ und woher kannte ihr Ihn?
Zunächst haben wir das mit Schwefel abgefangen. Der ist von der Gitarre zum Schlagzeug gewechselt und wir konnten so alle vereinbarten Termine für Konzerte einhalten. Danach haben wir angefangen zu suchen, hauptsächlich via Internet. Ne Zeitlang hat Schwefel auch überlegt, ob er Trommler bleibt und wir ne zweite Gitarre verpflichten oder so, bis wir bei nem Gig in Alsfeld (bei Aachen) völlig zufällig Basti kennen gelernt haben, der dann ne Weile bei uns war. Basti, der Red Dirty Evil Devil von uns genannt werden wollte, war aber als hyperaktiver Selbstdarsteller leider doch und absolut gar nicht so der Volltreffer, wie wir ziemlich schnell feststellen mussten. Am Schlagzeug war er wirklich nicht schlecht, aber menschlich hat das absolut nicht in die Band gepasst. Nach ein paar Monaten und wenigen gemeinsamen Gigs haben wir deshalb lieber auf ne gemeinsame Zukunft verzichtet und weitergesucht. Es haben sich dann wieder viele vorgestellt, die leider nicht in Frage kamen, bis wir Dom gefunden hatten. Der Kontakt kam über www.Musiker-in-deiner-Stadt.de zustande. Ideal für Leute die Bands suchen und umgekehrt. Kann man sehr empfehlen. Dom ist musikalisch ne totale Granate, wohnte in der Nähe und passte auch als Persönlichkeit super in die Band. Wir waren sehr froh ihn gefunden zu haben. Im Januar 2006 haben wir zum ersten Mal mit ihm auf der Bühne gestanden. Das war in Holland.
In der kompletten VJ Geschichte mir Dir als Sänger wurden 5 ½ Alben, sowie einige Samplerbeiträge eingespielt, was ja eine Stolze Leistung ist.
Vergleiche doch mal „Einer Von Uns“ mit der „…Für Ein Stück Leben“.
Ich übertreibe jetzt mal bewusst und werfe in den Raum, dass das erste Album noch ein richtiges Skinhead Album und das letzte schon fast ein „Emo“ Album war, was mit Skinhead(s) nicht mehr wirklich viel am Kopf gehabt hat. Du kannst mich natürlich gerne Korrigieren!
Na ja, eigentlich waren es 6 Alben und die Mini mit SOKO DURST (Anmerkung Frank: Sicher waren es 6 Alben plus der Split. Ich Idiot kann anscheinend nicht bis 6 zählen*LOL*).
Aber du hast natürlich Recht, diese beiden Platten trennen ganz bestimmt Welten. „Einer von uns“ war für meine Begriffe ein typisches Debüt. „Für ein Stück Leben“ dagegen das Album einer „gereiften“ Band. Aber es wäre auch schlimm wenn das nicht so wäre, denn es liegen ja fast 12 Jahre dazwischen. Und, wie schon erwähnt, war zum Zeitpunkt der ersten Platte Bernd unser wichtigster musikalischer Regisseur, bei der letzten war das Schwefel. Zwei völlig verschiedene Typen, mit unterschiedlichen musikalischen Neigungen und Vorlieben. Bernd ist eher der klassische Oi und Punkrock Hörer, der Peter & the Test Tube Babies, Stiff Little Fingers und z.B. Toy Dolls verehrt. Schwefel hingegen ist experimentierfreudig wie sonst was und mag breit gefächert alles, von Nirvana, über Sportfreunde Stiller bis Cure. Er ist vor allem aber „modern“ beeinflusst. Das spürt man natürlich bei jedem Song des letzten Albums.
Von den Texten her gibt es aber kaum Unterschiede finde ich. Oder doch? Die waren doch immer schon n bisschen „Emo“? Auch als das als Musikstil noch nicht so populär war. Keine Ahnung. Ich könnte mir die Texte der letzten Platte irgendwie auch auf der ersten vorstellen und umgekehrt natürlich, wenn man von einigen Feinheiten und den ganz brutal typischen Skinhead Sachen wie „Back to the roots“ oder ähnlichem mal absieht. Ich meinte ohnehin immer, dass die Texte der „rote Faden“ und irgendwie auch das Herzstück sämtlicher Platten waren. Deshalb fand ich die musikalischen Veränderungen über die Jahre auch gar nicht so erheblich.
Aber auch das „machen“ hat sich im Laufe der Zeit verändert. Musikalisch geht das letzte Album bestimmt zu gut 90% auf Schwefel zurück. Er hat nahezu sämtliche Songs im Grunde instrumental komplett fertig mit in den Proberaum gebracht. Ich hatte die zum betexten n paar Tage vorher als mp3 und wir haben dann bei den Proben nur noch an den Konturen gefeilt. Das einzige „typische Proberaumlied“, der letzten Platte, ist wahrscheinlich „0:52“…
Bei „Einer von uns“ ist viel mehr spontan im Proberaum und mit der Hilfe aller entstanden. Irgendeiner hat ne Idee mitgebracht und an der wurde dann gemeinsam gearbeitet, bis jeder einzelne Song fertig war. Bernd stand da zwar bei jedem Lied Pate und brachte sich ein wenn’s nötig wurde, hielt sich aber auch zurück, wenn’s aus seiner Sicht nix zu meckern gab. Diese Spontaneität gab es später zwar nicht mehr, aber ich fand auch nicht unbedingt, dass das den Liedern insgesamt geschadet hat. Schwefel ist die Kreativität selbst und ganz bestimmt ein absolut hervorragender Musiker. Außerdem – und das ist gerade bei der letzten Produktion superwichtig, hat bei den letzten Alben auch Sven aus der Klangfabrique gehörig an den Songs geschraubt, was Effekte und Arrangements angeht. Er hat die Platten viel mehr als nur aufgenommen und gemischt. Seinen Ideen verdanken die meisten Songs den letzten Schliff und manchmal auch noch viel mehr als das.
Diese beiden Platten krass gegeneinander verglichen klingen natürlich super unterschiedlich, aber eingereiht in die Entwicklung der Band mit ihren verschiedenen Ideengebern und über sechs Alben in 12 Jahren verteilt, relativiert sich die Geschichte. Findest du nicht?
Da magst du absolut Recht haben, nur wurden ja schon bei den letzten Alben von VJ Stimmen laut, dass das nicht mehr die VJ wären, die man einst kannte, was natürlich eurerseits damit begründet wurde, das die Band sich weiterentwickelt und man keine Lust hätte immer gleich zu klingen.
Warst Du persönlich immer mit der „Musikalischen Weiterentwicklung“ zufrieden? Ich persönlich konnte Musikalisch gar nichts mit mehr mit VJ anfangen, obwohl die Texte immer noch erste Sahne waren / sind, aber bei mir muss beides miteinander harmonieren, um mich überzeugen zu können.
Also ich fand Texte und Musik haben immer prima harmoniert. Zu allen Zeiten der Band. Ja klar, die Musik hat sich ständig verändert und im Laufe der Jahre eben durch die Einflussnahme der verschiedenen Musiker ihre unterschiedlichen Prägungen erhalten. Zunächst, bei unseren ersten beiden Platten, die dir vermutlich am meisten zusagen, durch Bernd, der die Musik nach seinen Vorlieben formte. Klassischer Oi! mit einem kräftigen Schuss Streetpunk würde ich das mal nennen. Später, bei „Engel oder Teufel“, der dritten Platte, war Stefan langsam an der Gitarre „flügge“ geworden und hat den Liedern, seinen Faves entsprechend, den Stempel aufgedrückt. Das ging dann schon ziemlich in Richtung Onkelz, wurde also auf jeden Fall rockiger und war bestimmt in sich das „ruhigste“ Album, vom Tempo her. Danach kam irgendwann Schwefel zu uns und mit der vierten Platte, „Ungeliebt“, wurde sein Einfluss langsam wirksam. Bei dieser Produktion aber eher noch „verhalten“. Man hört sowohl typische Songs in Stefans Stil und auch Bernd blickt hier und da durch, aber es gibt auch schon deutliche Anzeichen, was Schwefel betrifft. Der, und das kommt noch dazu, zu dieser Zeit ein eingeschworener Glatzkopp war.
Bei den beiden folgenden Alben setzte sich Schwefel konsequent durch und ich denke auch man hört, dass er sich immer mehr von der Skinszene entfernte. Vielleicht bei „Ich hoffe…“ noch unbewusst. Ein weiterer nicht unwesentlicher Aspekt ist aber natürlich auch der Wechsel mit „Ich hoffe es tut weh“ zu Sven Neumann in die Klangfabrique. Die Mini mit im Grunde nur zwei eigenen Songs deutet dann aber schon recht deutlich an, in welche Richtung es weiter geht und beim letzten Album kommt dann noch Dom am Schlagzeug dazu, der der ganzen Rhythmusgeschichte ein völlig neues Gesicht gegeben hat. Schwefel wollte und konnte da im Übrigen auch schon nichts mehr mit Oi! und Streetpunk anfangen. Wie, ich glaub außer mir, in der Band inzwischen keiner mehr.
Wer da noch erwartet, dass die Band wie vor 10 Jahren klingt, erwartet, dass sie sich selbst covert. Insofern waren die Veränderungen für mich immer ok. Gab ja auch nicht wenige, die uns ständig vorwarfen wir würden uns nicht weiterentwickeln und seit Jahren auf der Stelle treten. Zumindest bis zur vorletzten Produktion.
Und zufrieden? Was heißt schon zufrieden? Es waren immer Klasse Platten und ich war und bin von jeder einzelnen überzeugt. Irgendwie ist es doch immer VJ geblieben. Vielleicht am Ende nur durch Stimme und Texte? Kann sein. Gestört hat mich das nicht. Das einzige, was mich am Ende richtig gestört hat, war das langsame abreißen von der Basis. Das wegentwickeln von den Roots sozusagen. Das Skinpublikum lief uns langsam aber sicher weg. Das fand ich wirklich schade und ich hätte gerne dagegen gewirkt. Indem wir mehr alte Songs live gespielt hätten zum Beispiel. Indem es auch mal wieder n paar richtige Knaller gegeben hätte, mit fetten Chören, Ohohos und allem was eben dazugehört. Aber das war mit den Kollegen leider nicht mehr zu machen. Damit war ich auf jeden Fall unzufrieden. Klar. Richtig unzufrieden, das stimmt schon.
Mit dem letzten Absatz deiner Antwort hast du deine Unzufriedenheit geäußert, die ja dann wohl letztendlich darin gipfelte, das du die Band verlassen hast.
In einem Interview las ich, das du schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken gespielt hattest.
Gab es da absolut keine Gemeinsamkeit mehr unter der VJ Crew?
Schließlich hast du ja die Band großgezogen und seine Kinder lässt man ja eigentlich nicht im Stich. War nur die nicht mehr vorhandene Basis seitens der anderen Bandmitglieder der einzige Grund, dass du der Band Lebewohl sagtest, oder gab es da noch andere schwerwiegende Gründe?
Es gab eine Fülle von Gründen. Am Ende zu viele, um darüber hinwegsehen zu können, oder sie zu übergehen, ohne sich dabei zu verbiegen. Es ging einfach nicht mehr. Es gab keine gemeinsame Basis mehr, ich hatte das Gefühl, dass es insgesamt gesehen überhaupt gar keine Gemeinsamkeiten mehr gab. Ich denke man kann im besten Sinne sagen, ich war mit der Gesamtsituation unzufrieden, sogar noch mehr als das. Und ich denke im Übrigen, dass meine (Ex) Kollegen genauso wenig zufrieden waren, mit einem ewig moralisierenden alten Griesgram in ihrer Mitte. Ums aber wirklich zu erklären, muss ich leider etwas weiter ausholen, also nimm dir mal den Rest des Tages frei…:
Also ich hab mich, im Grunde von den ersten Tagen an, immer um alles rund um die Band gekümmert. Oder wie meine Kollegen später meinten, ich hab immer alles an mich gerissen. Kann sein, wie auch immer, nichts war mir gut genug und deshalb hab ich von Beginn an alles lieber selber gemacht, wenn ich gesehen habe, dass irgendwas nicht richtig lief. Oder sagen wir besser, wenn irgendwas nicht so lief wie ich es mir vorgestellt hatte… Nahezu alles was Konzerte, Plattendeals, Studiotermine, Interviews etc anging, selbstverständlich die Homepage und natürlich auch fast sämtliche Layouts für Plattencover, CD Booklets, Flyer, Shirts, Logos – eben einfach alles. Später auch Merch und den kompletten GbR Rechnungs- und Steuerkram, als wir das Gefühl hatten, dass Stefan damit überfordert ist. Selbstverständlich gab es natürlich auch n paar der berühmten Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Aber das waren in 8 von 10 Fällen leider nur Strohfeuer der Kollegen, kurze Aktion und wieder weg. Im Grunde war ich immer und kontinuierlich mit allem allein, das wird dir jeder bestätigen, der irgendwann mal mit der Band zu tun hatte. Aber das war gar kein Problem! Ich hab das auch wirklich zu allen Zeiten gern gemacht, hab voll Begeisterung knietief in Arbeit gesteckt und mich dabei pudelwohl gefühlt – und – das war mir immer wichtig – es lief immer im Sinne aller, d.h., ich hab nie irgendwas eingestielt, was nicht von meinen Kollegen abgesegnet worden war, es gab kein Interview oder sonst irgendwas, das die Kollegen vor Veröffentlichung nicht auffem Tisch hatten.
Das war die Situation und auch wenn ich es irgendwie immer sehr schade fand, gab es zu allen Zeiten gute Argumente dafür. Es funktioniert in vielen Bands so. Und es war auch hier ok. Es hat mir ne Menge Freiheiten verschafft. Für die anderen war das ne bequeme Sache und für mich die Möglichkeit, nicht nur durch die Texte das Bild der Band nach meinen Ideen und Vorstellungen zu formen und zu prägen. Denn ich wollte mit der Band was Besonderes schaffen, etwas das mir bei den meisten Bands immer gefehlt hat. Den Brückenschlag zum Publikum nämlich. Das „Wir Gefühl“ zwischen Hörer und Band. Genau wie später auch (ab ca 2000) mit der Lost Boiz Army und ihrem eigenen Zine, die den Schritt noch ein Stück weitergehen sollte. Kurz und gut: Überall wo Verlorene Jungs drauf stand, war Zoni drin.
Aber die Zeiten ändern sich und uns und so kam eins zum anderen. Ich hab inzwischen Familie, 3 Kinder. Arbeite 7 Tage die Woche und wechsle alle zwei Tage die Schicht. Ein Wochenende im Monat frei. Als ich mir dann noch n kleines Häuschen gekauft habe und anfing es nach und nach auszubauen, war der Kollaps absehbar. Obwohl ich trotzdem noch gut 80% meiner freien Tage für die Band verplante, fehlte einfach die Zeit um wie gehabt für alles zu sorgen. Gut, es gab inzwischen zahlreiche Hilfe. Vom Label, von der Booking Agentur, auch von Kumpel und Kollege Moppa, der uns die HP und die Army abgenommen hatte. Schwefel kümmerte sich um alles was Studiosachen betraf und machte den MySpace Auftritt. Also ich hatte schon viel ausgegliedert und abgegeben, mit mal mehr, mal weniger Erfolg. So ist das nicht. Aber das Volumen war auch ungeheuer angestiegen und wenn’s irgendwas zu checken gab, musste man trotzdem nach wie vor jedem hinterherlaufen und rumbetteln. Alles Unangenehme und langwierige blieb sowieso nach wie vor am Zoni hängen. Für Entscheidungen gab’s erst keine Meinung und später Maulerei. Das ging mir tierisch auf den Sack. Es ging ne Menge daneben, weil irgendwas vergessen oder eben nicht dran gedacht wurde, was anderes wichtiger war… oder es gab laxe Antworten a la „Weshalb soll ich denn der Dumme sein der sich darum kümmert?“ (und zwar im O-Ton). Mit anderen Worten, es entglitt mir. Jeden Tag ein bisschen. Ich hab mich oft im Stich gelassen gefühlt mit all dem Kram, der mir so viel bedeutete, aber für die Kollegen scheinbar nur Nebensache war. Und ich war über die Jahre viel zu erfolgsverwöhnt, um davon nicht runter gezogen zu werden. Das hat natürlich gefrustet wie Sau. So hab ich ne Weile verbissen versucht den Spagat hinzukriegen und bin dabei immer mehr verbittert. Das war schlimm.
Aber noch viel mehr hat mich der stete Werteverfall innerhalb der Band gestört. Denn alles das, was ich mit VJ darstellen wollte und über die Jahre so sorgsam gepflegt und hochgehalten hatte, ging mehr und mehr verloren. Die viel beschworenen Werte und das oben erwähnte „Wir Gefühl“, davon war am Ende irgendwie nicht mehr viel übrig geblieben. Es wurde alles immer flacher, oberflächlicher, aufgesetzter und irgendwie seelenloser. „Groß“ und „größer“ waren inzwischen gern gebrauchte Vokabeln bei den Kollegen geworden. Die Läden waren ihnen zu schäbig, das Publikum nicht mehr gut genug. Es ging darum viele Platten zu verkaufen und dabei cool auszusehen. Alles andere stand hinten an. Das war einfach nicht mehr dieselbe Band. Ich war immer wieder erschrocken, wie wenig Dom z.B., selbst nach 2 Jahren bei VJ, über die Band und ihre Geschichte wusste. Es gibt bis heute alte VJ Songs, die er noch nie gehört hat. Nicht weil’s nicht die Möglichkeit gab, nee – sondern schlicht und einfach aus Desinteresse. Sie sind ihm einfach egal. Nichts gegen Dom persönlich, er ist n sympathischer Typ und n bestimmt begnadeter Musiker, aber er hat sich VJ wie eine Jacke übergezogen. Wenn morgen einer kommt, der ihm in irgendeiner anderen Kapelle mehr bietet, ist er weg. 100 pro. Da ist kein Herz dabei. Null. Ganz ernsthaft.
Anderes Beispiel: In den letzten Radio Interviews zu „für ein Stück Leben“ mit Dom und Schwefel in Dortmund oder auch Hannover konnten die Beiden beinahe jede dritte Frage zur Band und Produktion nicht beantworten. Das hat mich völlig schockiert. Und das ist es, was ich meine. Desinteresse. Desinteresse, bis hin zu Ignoranz. Solange ich gut aussehe, brauch ich nix zu wissen. Alles was Zeit kostet und Arbeit macht sollen die andern tun. Das hab ich der Band ganz konkret so vorgeworfen. Ich möchte das nicht unbedingt weiter vertiefen, könnte aber stehend 100 solcher Details aus der Hüfte schießen, ohne groß überlegen zu müssen. Also es gab schon Gründe, ganz bestimmt. Aber ich will jetzt hier auch keinen weiter anpissen oder so was und auch mich nicht von Fehlern freisprechen. Vielleicht hab ich völlig falsch gelegen. Mag sein, aber das Ding ist gelaufen. Wir hatten auf jeden Fall, in meinen Augen zumindest, unser Ziel komplett verfehlt. Und deshalb hab ich die Auflösung vorgeschlagen. Natürlich hat es mir das Herz zerrissen, aber so durfte es nicht weiter gehen.
Tja, so war das. Und im Grunde doch nur die Spitze des Eisbergs.
Was war denn dein „Ziel“ und von welchen „Werten“ genau redest Du?
Eben, wie gesagt, eine Band zu sein, die ein bisschen mehr ist, als nur einfach irgend ne Band. Das war mein Ziel. Ich wollte so ne Art familiäre Bindung zu den Leuten. Den Schulterschluss zum Publikum. Den Leuten das Gefühl geben, diese Band da, das sind Typen wie ich. Die gehen malochen wie ich, haben die gleichen Alltagssorgen und stehen in ihrem Leben in den gleichen Situationen den gleichen Problemen gegenüber. Ich wollte Wege aus Krisen aufzeigen. Aufrichten, trösten wenn’s mal sein muss. Den Leuten sagen:Du bist nicht alleine, du bist „Einer von uns“, „Du gehörst dazu“, du bist „Genauso wie wir“ – zusammen schaffen wir das, wir sind „Stark genug“. So ungefähr. Es fehlen mir jetzt ein bisschen die Worte, aber ich denke du verstehst was ich meine, wenn du n paar unserer Texte kennst. Viele haben das verstanden, ich denke insgesamt kam es an und rüber. Es gab früher ne Menge Leute die waren bei jedem Konzert. Egal wo. Sind uns überall hinterhergefahren. Mit denen haben wir gefeiert bis in die Nacht und sie mit ins Hotel geschmuggelt, wenn der letzte Zug weg war. Die haben mir geschrieben wenn’s ihnen mal dreckig ging und um Rat und Hilfe gebeten. So Post krieg ich heute noch oft. Wie ne Art großer Bruder, den man fragen kann, wenn’s mal nicht weiter geht.
Oder n anderes Beispiel: Ich hab ne Bekannte in Solingen. Die arbeitet in nem Projekt für gestrauchelte Jungendliche. Ausreißer, Junkies, Bahnhofsstricher. Größtenteils Minderjährige, von unfähigen Eltern ins Leben verstoßen. Die finden da ne vorübergehende Bleibe und wenn’s auch mal nur für ne Nacht ist, oder zwei. Die hat mir erzählt, dass sie ihnen den Song „Heute Nacht“ anmacht, wenn sie von da aus nach Hause geht. Weil sie dann weiß, dass die Kids nicht alleine sind über Nacht. Da fühl ich mich verstanden. Da bin ich stolz drauf, dass es das Lied gibt und hab das Gefühl alles richtig gemacht zu haben.
Musik ist Emotion. Und eben auf diese Art wollte ich Werte vermitteln. Ehrlich sein. Freund sein. Zu sich selber stehn, nich verbiegen lassen, aufrecht gehen, nich reinreden lassen. Hinfallen und wieder aufstehen. Stolz sein auf das was man geschafft hat und wissen, da geht noch mehr. Auch dazu stehen wenn mal was Scheiße war und nicht weglaufen. Nich anpassen. All die Dinge, die für uns den Kult bedeuten. Die ganzen klassischen Sachen. Working Class und stolz darauf. Du kennst das doch selber. Was gefällt uns denn an Oi und Punkrock? Es ist die Ehrlichkeit die dahinter steht. Für mich ist der Kontrast zu all den gestylten und geschniegelten Retorten besonders wichtig. Ich würde mich doch da nie anpassen wollen, nur um ein paar Krümel vom großen Kuchen abzustauben, dass ist doch total bescheuert. Es muss nicht von Anfang bis Ende komplett durchgehend gut sein um mir zu gefallen. Ich finde n paar Quietscher viel sympathischer als den perfekten Sound. Und ich denke man sollte dazu stehn und nicht versuchen sich solange amöbenartig an und einzupassen bis man selber nicht mehr zu erkennen ist. Nur um Platten zu verkaufen? Das ist doch widerlich, was sich die Leute antun um im Rampenlicht zu glänzen und sich als etwas darzustellen, was sie gar nicht sind. Sorry, aber so was kann ich nicht ernst nehmen. Im Gegenteil, davon wird mir übel.
Und du bist sicher, das du dieses Gefühl mit den neuen Leuten deiner neuen Band wieder erleben kannst / darfst?
Wie / wo hast du diese Leute überhaupt so schnell gefunden? Denn ich fand es schon außergewöhnlich schnell, wie du wieder mit deiner neuen Band am Start warst. Andere Sänger machen eigentlich immer eine längere Pause, bevor sie wieder ins kalte Wasser springen, um was Neues auf die Beine zu stellen.
War es dein persönliches Ziel möglichst Schnell wieder präsent zu sein, um nicht in Vergessenheit zu geraten?
Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Wer sollte mir das garantieren? Und selbst wenn’s heute so wäre, wie lange würde es halten? Sicher sein kann man sich doch mit nichts. Man muss es einfach probieren und mit Dennis und Seppl habe ich zwei alte LBA Member der allerersten Stunden im Boot, die seinerzeit eben wegen dieser Werte Mitglieder geworden sind. Ich denke also die Vorzeichen sind schon mal gar nicht schlecht…
An und für sich wollte ich überhaupt keine Musik mehr machen. VJ auflösen und Schluss hab ich gedacht. Die letzte Platte wäre ein gutes Ende gewesen. Ich hatte mir die Sache lange und reiflich überlegt und war mir sicher, dass es so die beste Lösung ist und auch der beste Zeitpunkt und so. Tja, wies am Ende ausgekommen ist weißt du ja. Das hat mir natürlich alles nicht gepasst, es hätte aber am Ende wohl auch nichts an meinen Plänen geändert. Ich war fertig damit.
Jetzt gab’s zum Schluss aber noch ne Aussprache mit der Band beim Label, weil Sunny Bastards VJ am liebsten im Stück erhalten hätte. War natürlich längst zu spät und alle wussten das, aber wir haben uns trotzdem noch mal getroffen und geredet. Ich denke während dieser Aussprache habe ich beschlossen, es doch noch mal zu versuchen. Nicht um nicht vergessen zu werden, aber bestimmt um ein Gegengewicht zu sein und natürlich hat auch Trotz ganz sicher eine Rolle gespielt. Das muss ich wohl zugeben. Mich hatten, nach dem bekannt werden der Trennung, schon ne Menge Leute angeschrieben und es hatte auch konkrete Angebote von diversen Musikern und sogar kompletten Bands gegeben. Also hatte ich mit dem Gedanken und den Möglichkeiten und Konstellationen schon son bisschen gespielt. Sunny Bastards bot sofort volle Unterstützung an. Ein Riesen Vertrauensbeweis. Also dachte ich irgendwann, warum eigentlich nicht? Noch mal neu anfangen wird zwar sicher schwierig, aber es ist heute alles so viel einfacher als damals und den Grundstein legen weckt ja auch deinen Pioniergeist und so. Nichts ist eingefahren, du kannst alles noch mal völlig frei gestalten. Da hab ich mich in den Gedanken verliebt. So hab ich also angefangen mich umzusehn.
Ab da ging alles sehr schnell. Dennis hatte seinerzeit bereits bei Oi the Band Bass gespielt und Seppl (180 Grad) kam im Gespräch nach meinem letzten Auftritt mit VJ spontan dazu. Eric (Pure Quo) und Andre (Ex Alvarez) fanden wir übers Internet. Dank der Kollegen von Cotzraiz gab es einen Raum mit allem pipapo um ein paar Mal Probe zu proben und so kam eins zum andern. Seppl brachte direkt einiges an musikalischen Ideen mit und ich hatte ja noch bergeweise jahrelang liegen gebliebene Texte. Es ging wirklich alles fix. Pures Glück und ne Handvoll guter Wille, das hat gereicht. So hatten wir in relativ kurzer Zeit schon ne ganze Reihe wirklich guter Songs. Natürlich bin ich nicht so naiv zu glauben, dass von Anfang an alles perfekt laufen wird und wir hatten auch schon einiges an Schwierigkeiten zu bewältigen. Die Band war ein Experiment. Eric ist inzwischen schon wieder ausgestiegen. Ich hab keine Ahnung wer noch dazu kommt, oder wieder geht. Es gibt bisher nur wenige feste Strukturen, wir stehen ganz am Anfang. Aber ich denke wir sind auf einem wirklich guten Weg und können locker in die Zukunft blicken. Fast jede Probe bringt neue Songs. Die neuen Kollegen sind mit Spaß bei der Sache. Und wir hatten praktisch vom ersten Tag unseres Bestehens an Angebote für Konzerte, Platten, Sampler. Unser erster gemeinsamer Song ist inzwischen veröffentlicht und hatte durchweg gute Reaktionen wie ich finde. Es geht wirklich super voran.
Wäre Theoretisch zurzeit ein Konzert mit VJ und LBA im Bereich des Möglichen?
Nein ich denke nicht.
Damit lassen wir mal das Bandinterne Gespräch hinter uns und plaudern so noch ein wenig, denn es soll ja kein reines VJ / LBA Interview werden, sondern eines mit Dir Peter. Nervt es dich eigentlich, das man dich zu 99% „Zoni“ und nicht „Peter“ ruft? Wer hat dir den Namen verpasst und warum? Nur aus dem Grund, das Du aus der Zone kamst?
Also zu Anfang fand ich das ganz furchtbar. Als ich gerade kurze Zeit hier lebte und der Kopf noch lange nicht im Westen angekommen war, klang es fürchterlich für mich. Den Namen hab ich vom Spiller. Und ich glaub nicht mal, dass mich das irgendwie abwerten sollte oder so. Es gab damals einfach zwei Peter im Freundeskreis. Der andere Peter kam aus Mülheim und spielte in Spillers damaliger Band VdG Gitarre glaub ich. Damit man sich nicht ewig erklären musste, wurde so erst Zonenpeter und später kurz Zoni aus mir. Klar, weil ich ausm Osten bin, zu der Zeit gab’s im Pott noch nicht so super viele Ostler. Ich hab’s gehasst, aber es blieb mir nichts anderes übrig, als damit zu leben. Irgendwann hab ich mich dann auch dran gewöhnt und später sogar fürs Scumfuck und verschiedene andere Zines als Zonenpeter Artikel verfasst und ganz allgemein meine Post mit Zoni unterschrieben. Heute nehme ich es als Marke und bin sogar auch ein bisschen stolz drauf, dass viele bei „Zoni“ nicht an 16 Millionen Ostler, sondern erstmal an mich denken. Ein eigenartiges Gefühl hab ich aber trotzdem heute noch dabei, wenn mich Ostler Zoni rufen…
Und wie fühlst du dich als „älterer Skinhead“, wenn du heute die ganzen Jung Glatzen auf Konzerte siehst? Erfüllt es dich mit Stolz, das du immer noch den richtigen Way Of Life lebst / fühlst / denkst? Glaubst Du, dass dich die jungen Skins als so eine Art Vorbild sehen?
Klar ist man da stolz. Du doch bestimmt auch oder? Gibt nur wenige die das so lange durchhalten und gut drauf sind dabei. Es ist und bleibt die beste Sache der Welt, ganz ohne Frage und ich denke ich bleibe dem Kult noch lange und mit Freude treu. Auch wenn ich heute bestimmt nicht mehr der Hardcorevorzeigeskin von früher bin. Irgendwann findet man seine Nische, in der man der Sache treu bleiben kann, auch ohne in der ersten Reihe zu pogen, denk ich. Kann sein, dass das für viele so ne Art Vorbildkiste ist, denke aber weder dass ich zum Vorbild tauge, noch dass es irgendetwas nützt. Jeder geht seinen eigenen Weg, so oder so.
Natürlich ist heute alles besser, allein durch die neuen Medien hat sich viel verändert. Was durch das Internet alles möglich ist! So was von Bandvielfalt wäre früher undenkbar gewesen. Früher bekamst du alle Jubeljahre mal n paar schlechte Zines mit völlig veralteten oder noch schlechteren Infos in die Hand. So was kennt doch heute keine Sau mehr. Wenn du irgendwas wissen willst, hast du in Minutenschnelle alles aufm Tisch. Bands, Infos, Termine. Wir werden mit Musik überschwemmt. Jede Woche um die Ecke irgendein Konzert, in letzterer Zeit sogar ewig irgendwelche Festivals mit zig Bands… Es ist insgesamt alles viel bunter und unkomplizierter geworden.
N bisschen schade finde ich aber trotzdem, dass dabei auch viel auf der Strecke geblieben ist. Die Leute sind heute ungleich bequemer geworden. Früher sind wir hunderte Kilometer gefahren, um ein gutes Konzert zu sehen. So was gibt’s heute kaum noch. Außerdem stört mich, dass es heute viel zu viele gibt, die den Kult scheinbar mit ihren Stiefeln an und auch wieder ablegen. Alles was es früher schwieriger gemacht hat, hatte auf irgendeine Weise doch auch seinen Reiz. Ich fand es immer cool der Bürgerschreck zu sein, das geb ich offen zu. Diese Outsiderkiste war doch ein wichtiger Bestandteil unseres Daseins, auch wenn’s dafür ziemlich oft was auf die Mütze gab. Für mich hat das alles dazu gehört. Und ich glaub nicht, dass viele der heutigen Skins auch damals Glatzen gewesen wären. Jedenfalls nicht lange. Oder was meinst du?
Das kann ich mir auch nicht vorstellen, auch wenn ich persönlich ja erst Anfang der 90ziger mich dem Skinhead Kult zuordnen lasse (davor seit 1978 „Punk“ gewesen“).
Dann lasse uns mal zum Ende des Interviews kommen, denn die letzten Zeilen deiner letzten Antwort, war schon, wie ich finde, ein sehr gutes Schlusswort, obwohl wir beide bestimmt noch Seiten füllen könnten, aber der Platz im MOLOKO+ ist ja auch eingeschränkt.
Abschließend würden mich noch gerne deine Zukunftsperspektiven im Musikalischen, sowie im Privaten Bereich interessieren, bevor wir das Interview beenden! Danke für die Zeit die du dir genommen hast, um meine fragen in aller Ausführlichkeit zu beantworten.
Jo, ich fürchte wir liegen schon jetzt hart an den Grenzen. Ist dann wohl doch etwas mehr geworden… also lass uns mal schnell Schluss machen:
Ich sehe sowohl privat, als auch mit der Band ganz locker in die Zukunft. Familie ist für mich erst mal das allerwichtigste und steht in jedem Fall ganz vorne an. Frau und Kinder mussten leider viel zu oft zurückstecken. Das wird es so nicht noch einmal geben. Deshalb geht’s musikalisch ganz locker vorwärts. Ich möchte mir auf jeden Fall weiter den Luxus bewahren, keinen Trends hinterherlaufen zu müssen und nur vertreten, was ich für vertretbar halte. Es gibt keine großen Ziele mehr, es locken keine Rekorde und auch Erfolg allgemein ist mir scheißegal. Ihr wisst, was mir am Musikmachen wichtig ist. Also lasst uns auf ein zwei gute Platten mit der Army hoffen und vielleicht auch noch ne Handvoll Konzerte machen. Wohin die Reise geht, sollte inzwischen klar sein. Musik um der Musik Willen, wir brauchen niemandem was zu beweisen und keinem was vorzumachen. Ich denke, es wird spannend. Gerade deshalb.
Abschließend bedanke ich mich bei dir und den Lesern für das Interesse, es hat Spaß gemacht mit dir zu plaudern und meine Sicht der Dinge zu schildern. Vielen Dank an alle die weiter hinter mir und der Army stehen. Es ist noch nicht vorbei.
Zoni Okt 2008
www.myspace.com/zonenpeter
www.LostBoyzArmy.de
www.myspace.com/lostboyzarmy
1) Als Erstes möchte ich danke sagen, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Ich hoffe ihr trinkt ein paar Bier und habt gute Antworten für mich.
Gut wir drinken immer ein paar Bier und wir hoffen dir gefallen die Antworten.
2)Würdest du mir zunächst die Band vorstellen? Wer sind die Mitglieder der Band und wie alt sind sie, wer spielt was für ein Instrument und wie lange? Habt ihr in anderen Bands zuvor gespielt?
Ok wir haben Simon am Schlagzeug, Kingy am Bass, Paul und Ross an der Gitarre und ich, Chumley, singe. Außer mir sind alle sehr alt, ich bin das Baby der Band, haha. Simon und ich spielen seit um 1981 in Bands zusammen. Unsere 1. Band war eine Skinhead Band namens YMGP (Young men going places) Wir kamen aus einer kleinen Stadt namens Canberra und wir hatten eine wirklich gute Anhängerschaft, wir spielten auch einige Male in Sydney. Paul unser Gitarist kommt auch von Canberra und er spielte in einer Punkband namens „THE YOUNG DOCTORS“ das war ca. 1978. Es war eine große Band in der Szene, sie zogen nach Sydney und spielten dort bis in die späten 90er. Ross spielte auch in vielen großen Bands aus Sydney von 1975 bis 1982 spielte er bei „ROUGH JUSTICE“ einer Hardrockband die eine große Anhängerschaft von Skinheads und Punks hatte. Anschließend spielte er die nächsten 10 Jahre in verschiedenen anderen Bands wie BLACK ROSE, THE MEDICINE SHOW und als letztes bei BLAGGARD. Dann gibt es noch Kingy er war in zu vielen Bands in den letzten Jahren um alle zu erwähnen, aber die letzten waren: THE PETE WELLS BAND und ROSE TATTOO von beiden Bands denke ich wird Jeder schon gehört oder sie live gesehen haben.
3)Kannst du mir bitte etwas über die Bandgeschichte erzählen?
Simon und ich haben immer, wenn wir betrunken waren darüber gesprochen eine gemeinsame Band zu gründen. Eines Tages hörten wir dann auf darüber zu sprechen und taten es einfach. Aber diesmal wollten wir etwas mehr „Australischen Rock n Roll“ mit einbringen. Wir versuchten es mit einigen Kumpeln und einiges passte anderes nicht, so war es ein langsamer Start zum Schluss hatten wir folgende Besetzung zusammen: Ich, Simon und Paul, Danny an der Guitarre und Will am Bass. Das ist auch das Line up welches das T.H.U.G Album aufgenommen hat. Aus verschiedenen Gründen haben wir uns von Danny und Will getrennt und Kingy und Ross kamen dazu. Schließlich war es Fakt, dass sie einfach mehr zu dem Musikstil den wir wirklich spielen wollen passten und die neuen Songs die wir geschrieben haben machen das wirklich deutlich, mehr Rock n Roll in unserem Sound.
4)Kannst du mir sagen was T.H.U.G bedeutet?
Das ist etwas was nur die Band weiß, haha
5)Wie oft habt ihr in Australien gespielt und wie ist die Situation für eine Band in eurem Land? Hattet ihr einige Auftritte im Ausland?
T.H.U.G haben die letzten Jahre einige Konzerte gespielt, aber wir versuchen nicht zu viele zu spielen, damit die Leute mehr wollen. Wir haben als Vorband einige große internationale Bands supportet wie: UK SUBS, SHAM 69, THE BUSSINESS, PETER & THE TEST TUBE BABIES and BEERZONE. Wir haben einige großartigen Konzerte gespielt. Wir haben nicht außerhalb Australiens gespielt, aber wir haben einige Pläne für den Anfang nächsten Jahres.
6) Habt ihr jemals in Europa gespielt oder plant ihr dieses zu tun?
Nicht bis jetzt, aber ich hoffe bald.
7) Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben? Würdest du sagen es ist mehr Streetrock, Oi oder Punk?
Ich weiß es nicht wirklich, es ist schwierig eine Kategorie zu finden falls irgendwas würde ich es als „Australischen Schläger Rock n Roll“ bezeichnen.
8)Auf deiner Myspace Seite habe ich gesehen, dass ihr in Kontakt mit vielen berühmten Personen aus der Szene steht. Wo habt ihr die alle getroffen?
Wir haben einige Jahre auf unserem Buckel, ja da lernt man einige Leute kennen. Ich und Kingy trafen eine Menge netter Kerle während wir mit Rose Tattoo in Europa waren.
9)Würdest du mir bitte eure aktuelle CD T.H.U.G- same beschreiben. Was haben wir zu erwarten?
Erwartet einfach ein bisschen etwas anderes. Wir wollten nicht ein Album veröffentlichen wo jeder Song klingt wie 100km/h, da sind einige die so sind aber wir wollten auch einige langsamere und kraftvollere Stücke. Ich wollte dass die Texte so wahrheitsgemäß und ehrlich wie möglich sind. Sie handeln über wirkliche Dinge hier und wie die Leute hier ums uns herum leben. Die Welt ist nicht immer ein schöner Ort.
10) Von was handeln die Lieder?
Leben, Tot und Liebe.
11)Angry Anderson singt bei einem Lied auf der CD mit. Warum habt ihr mit ihm gearbeitet und wie war das?
Wir sind seit Jahren befreundet und nachdem ich Gunnung 4 u geschrieben hatte dachte ich, dass es sich gut anhören würde wenn mitsingen würde. Dann nach einer Flasche Jack Daniels spielte ich ihm das Lied vor und er sagte er würde stolz sein es zu machen und der Rest ist Geschichte.
12)Kannst du mir ein bisschen von deinem Land erzählen? Wie sieht die Szene aus?
Die Szene in Australien ist gut. Das Land ist aber sehr groß und so dauert das Reisen von Stadt zu Stadt eine ganze Weile. Wir haben einige gute Bands hier so haben wir Alle eine gute Zeit, das Bier ist billig, die Mädels sind wunderschön und die Sonne scheint immer- was willst du mehr.
13)Gibt es irgendwas, was du den Leuten sagen möchtest die dieses Interview lesen?
Yeah hört euch australische Bands an, kauft diese CD und kommt rüber auf einen Besuch, ihr könnt alle in Simons Haus wohnen.
14) Fünf kurze Fragen zum Schluss:
a) Seit ihr betroffen von der Hasenplage?
Nein, wir lieben diese zu essen.
b) Warum habt ihr so dünne elektrische Stecker?
Ich weiß nicht wirklich
c) Ist der Mad Max Film in Australien so ein Kult Film wie in Deutschland?
Ja es ist wahrscheinlich so.
d) Was denkst du über die Queen?
Sie trägt eine Krone und sitzt auf ihrem Thron.
e) Was denkst du über Deutschland?
Liebe Deutschland gute Musik, gutes Beer und Würstchen und die Mädels sind immer bereit für ne gute Zeit.
Miles To Go waren eine Old School Straight Edge Band aus`m Pott.Von Beginn an in aller Munde.Mal geliebt,mal gehaßt.Die Band war auf dem besten Wege sich einen dauerhaften Platz in der HC Liga zu erspielen,löste sich aber überraschend 2009 auf.Wir sprachen mit Sänger Marcel und Gitarrist Sascha über die Gründe des Split`s und einiges mehr.
CU:Marcel,Sascha,wir fangen mal anders herum an.MTG haben sich 2009 überraschend und sehr still aufgelöst.Wie kam es zum Split der Band?
Sascha: Das Problem war, dass wir, nachdem unser alter Drummer die Band verlassen hat, niemand passenden für diese Position gefunden haben. Wir anderen wollten definitiv weiter machen und haben den einen oder anderen Drummer vorspielen lassen aber letztendlich haben wir den passenden Ersatz nicht finden können.
Dass wir uns so still und leise verabschiedet haben war in der Form eigentlich nicht geplant. Wir waren einfach davon überzeugt den Platz hinter den Drums ziemlich schnell wieder besetzen zu können und somit keine große Pause einlegen zu müssen. Da waren wir wohl etwas blauäugig.
CU:Ihr habt als Lupenreine Old School Band begonnen,was sehr großen Anklang fand .Eure “Outburst” EP hingegen ging deutlich mehr in die “NY/HC” Ecke.Wie kam es zu dieser Entwicklung,und glaubt ihr,das euch das “Fans” gekostet hat???
Sascha: Zwischen dem ersten Demo und der Outburst EP liegen gute 3 Jahre und in dieser Zeit hat sich jeder von uns weiter- bzw in eine andere Richtung entwickelt. Der musikalische Geschmack hat sich einfach verändert bzw. erweitert und das spiegelt sich natürlich in der Musik wider. Ein weiterer Grund für diese Entwicklung dürfte der Zuwachs in Form einer zweiten Gitarre sein. Neue Bandmitglieder bringen natürlich auch neue Einflüsse mit.
Mit Sicherheit hat uns dieser Wandel Fans gekostet aber genauso haben wir neue dazu gewonnen. Ich denke mal, dass das in der Natur der Dinge liegt. Man kann nicht jeden zufrieden stellen.
CU:MTG waren von Beginn an im Fadenkreuz der “HC Polizei”.Zum Teil gab es heftige Beleidigungen gegen die Band und auch speziell gegen dich Marcel.z.b. auf Allschools.Was denkt ihr woher kam das und wie geht man persönlich damit um?
Marcel: Einige Leute aus der tollen „Hardcore Szene“ fühlten sich provoziert, da Teile der Band bei jeder Show mit den neuesten Sneakern, Caps usw aufgelaufen sind. Und wie die meisten nun mal sind, mussten sie sich hinter ihrem PC verstecken und uns persönlich angreifen. Dazu kam noch, dass zwei MTG-Mitglieder bei Tears Of Blood gespielt haben. Das war einigen ein Dorn im Auge. Persönlich angesprochen wurden wir nie, dafür waren sie alle zu feige.
Sascha: Rückblickend würde ich sagen, dass es nie einen triftigen Grund für diese Abneigung gab. Am Anfang haben wir uns auch oft gefragt, woran es liegen könnte und was wir denn nur falsch machen bzw. was wir ändern könnten. Aber irgendwann kam der Punkt wo es uns einfach nur noch egal war. Natürlich haben wir dann das ein oder andere Mal auch mit Absicht für „Zündstoff“ gesorgt, einfach aus dem Grund, dass wir dieses ganze Gerede nicht mehr Ernst genommen haben. Manche Menschen haben einfach zu viel Zeit, regen sich über völlig triviale Sachen auf und machen aus einer Mücke einen Elefanten!
CU:Auf eurem ersten Demo habt ihr mit “Our Place” den “Bollo HC” bzw.die Leute die auf Shows nach Ärger suchen kritisiert.Das wurde euch oft böse ausgelegt,da Marcel ja auch bei Tears Of Blood gesungen hat.Zudem wurde oft kritisiert,das ihr ja selbst alle dicke Marken Klamotten am Start habt,was ja auch nicht zur HC Attitüde passt.Was sagt ihr zu solchen Vorwürfen?
Marcel: Für mich waren Tears Of Blood nie eine Bollo Band, es war einfach Hardcore mit Metaleinflüssen. Die Vorwürfe fingen mit dem Kings Will Be Kings Video an, in dem es heftig mit violent dancing etc abging. Zu der Zeit hatte ich halt Bock mal was neues auszuprobieren. Die Leute, die beim Hardcore schon lange dabei sind, müssten auch wissen, dass ich vor Tears Of Blood auch eine reine old school Band hatte. In dem Miles To Go Song „our place“ ging es ja gegen Leute, die auf Shows kommen, um Streit zu machen. Ich habe auch mit Tears Of Blood nie Streit gesucht, frage mich warum Leute auf so was kommen. Ich hätte auch bei Tears Of Blood über das Thema schreiben können.
Warum sollte ich keine Marken Klamotten tragen? Was ist daran schlimm? Wenn ich auf die Sachen stehe, dann ist es halt so. Die Leute sind alle zu engstirnig und haben einen Stock im Arsch stecken. Kleidet sich mal jemand nicht wie ein Gammel, ist er direkt ein Faker etc. es sollte doch jedem selbst überlassen sein, was er für Klamotten trägt. Muss ich jetzt einen Jutebeutel und die neue American Apparel Kollektion haben, wenn ich beim Hardcore dabei sein möchte? Ich denke nicht.
Sascha: Die Sache mit den Markenklamotten würde völlig, und zu Unrecht, immer wieder thematisiert. Man darf nicht vergessen, dass es im Endeffekt einfach nur Klamotten sind. Nicht mehr und nicht weniger. Ob teuer oder günstig. Es ist ein Stück Stoff. Wenn mir was gefällt, dann kaufe ich es, ob Marke oder nicht. Ich hab nie verstanden, wie man sich über so was so sehr aufregen kann. Man hat ja sonst nichts zu tun.
CU:Marcel,vor MTG hast du ja bei Tears Of Blood gesungen,was ja eher Metal war als Old School.Wie kam es überhaupt zu der Gründung von MTG.Hast du einfach wieder Lust auf Old School Mucke gehabt???
Marcel: Da ich sowieso schon immer auf den alten Sound stand, hatte ich wieder Lust auf eine old school Band. Der damalige Tears Of Blood Drummer war auch eher ein Freund von old school und wir haben uns die Leute für Miles To Go zusammengesucht.
CU:Oft setzten sich ja neue HC Bands aus “Alten Haudegen” zusammen,welche vorher schon in zig anderen Bands gespielt haben.Bei MTG waren eher “Unbekannte” Leute am Start.Wie kamt ihr zusammen und erzählt doch mal was über euren Background.
Sascha: Mats und Marcel kannten sich ja, wie bereits erwähnt, schon von Tears Of Blood. Ich war schon länger auf der Suche nach einer Old School Band und hatte damals diverse Anzeigen geschaltet und irgendwann meldete sich Marcel auf eine dieser Anzeigen. Unser Bassist (Simon B.) hatte kurze Zeit später über das Internet Kontakt zu uns aufgenommen und unseren zweiten Gitarristen (Simon H.) kannten wir von Shows.
CU:Du standest mit Indication ja kurz vor dem Durchbruch.Da hat sich die Band plötzlich aufgelöst.Bei MTG war auch plötzlich Schluß.Frustriert so etwas nicht sehr???
Marcel: Am Anfang ist man natürlich Mega frustriert und denkt sich „wofür habe ich das jetzt alles aufgebaut“? aber nach und nach geht man damit gut um und es gibt immer die Möglichkeit eine neue Band zu machen.
CU:Ihr wart von Beginn an eine Straight Edge Band.Wie wichtig war euch das,und galt bei euch das Motto “Keine Kompromisse” oder hättet ihr auch nicht Edger in die Band geholt???
Sascha: Jeder in der Band hat da seine eigene Ansicht, ich kann also nur für mich reden. Für mich war das Thema immer sehr wichtig und ist es auch noch. Straight Edge ist eine gute Sache und ich bin stolz diesen Weg zu gehen, diese Einstellung bzw Erfahrung wollte ich mit anderen teilen.
Zu der zweiten Frage kann ich nur sagen, dass wir, wenn wir einen Drummer gefunden hätten der nicht Edge gewesen wäre, weiter gemacht hätten, allerdings nicht unter dem Namen Miles To Go. Miles To Go war eine Straight Edge Band und wird es auch immer bleiben.
CU:Kommentiert doch bitte mal eure Platten in Chronologischer Reihenfolge:
2006 Dead End Road Demo (Sascha: Neben der Split 7” unsere beste Platte. Man hätte die Stücke nur um einiges schneller spielen sollen)
2007 Times Like These Demo (Sascha: Da war der Unterschied zum ”Dean End Road” Demo schon deutlich zu hören. Weg vom reinen Old School)
2007 Split 7” mit When Seasons Change (Sascha: Super Platte. Geht wieder mehr in Richtuung Old School.)
2009 Outburst 7”/cd (Sascha: Stumpf ist Trumpf war hier die Devise. Weg vom Old School hin zum NY Sound)
CU:Nun könnt ihr euch noch mehr Feinde machen. Was denkt ihr über die HC Szene Heutzutage und ihre Entwicklung???
Sascha: Das Problem ist, dass man nicht von EINER Szene reden kann. Man ist zwar geneigt das Wort „Unity“ in den Mund zu nehmen wenn man von Hardcore spricht aber wirklich passend ist das nicht. Es gibt mehrere kleine Szenen bzw. Gruppierungen und jeder macht sein Ding. Wer was anderes behauptet lügt!
CU: Wie sieht eure Musikalische Zukunft aus???
Sascha: Marcel und unser Bassist Simon B. haben momentan nichts Neues am Start. Simon H. spielt mittlerweile in einer Pop-Punk Band und von mir wird’s bald auch was Neues geben.
(Dieses Interview führte Marcel für Crazy United
Eure neue CD heißt “Bleeding Hardcore”.Meint ihr damit die blutenden Ohren die der Hörer von eurer Mucke bekommt oder die doch in einigen Teilen sehr gesplittete Hardcore Szene oder was gänzlich anderes?
SCHROD : Sicherlich eine interessante Interpretation. Aber in diesem Falle hat es mit beidem nix zu tun. Im Großen und Ganzen soll es unsere Verbundenheit, Einstellung und Leidenschaft zu dieser Musik ausdrücken. Ich für meine Person bin jetzt 21 Jahren mit dieser Musik verheiratet. In dieser Zeit habe ich viel erlebt, geschwitzt, geblutet. Körperlich wie mental. Jeder weiß, welch intensives Gefühl es ist zu bluten, positiv wie negativ. Wenn man blutet, wird einem sehr viel bewußt. Blut läßt uns nach Leben streben und viel Kraft, Willen entwickeln. Der Titel dient auch als Metapher für die Entstehung dieses Albums. Wir haben eine Menge Arbeit und Gefühle in dieses Album gesteckt. Einen anderen Titel, der dies alles auf einen Punkt gebracht hätte, gab es einfach nicht.
Ihr zockt einige sehr old schoolige Mischung allen möglichen HC Bereichen,man hört Einflüße von Hatebreed den Rykers bis hin zu First Blood und den Anticops.Könnte man das so stehen lassen?Liegen dort eure Roots oder würdet ihr euren Sound einfach als POH Sound bezeichnen?
INGE: Old school ist schon in Ordnung, aber wir haben unterschiedliche musikalische Wurzeln, die sicherlich bei jedem ihren eigenen Einfluss hinterlassen haben. Bei mir zB. sind‘s schon Sachen wie Slapshot, Dead Kennedys, Slime oder auch Slayer. Auf unserer Myspace-Seite umschreiben wir’s mit „All Styles of fuckin hard music“ Ich sage mal das passt schon.
Wie entstehen eure Songs? Wie könnt ihr euch auf einen Nenner einigen??? Ihr habt ja auch ein ehemaliges Mitglied von Postmortem am Start,die ja doch eher Death Metal gezocken.
Meistens setz ich mich zu Haus an die Gitarre, hab entweder schon n Riff in petto oder klimper n bisschen rum – und Zack – Idee im Kopp, ne coole Hookline gebastelt, aufn Recorder gehämmert und per Mail an die Kollegen geschickt. Im Probebunker wird’s dann auseinandergenommen, wieder zusammengesetzt, finalisiert und entweder es knallt oder fliegt raus! Insgesamt gesehen wissen wir schon in welche Richtung es gehen soll und gibt’s mal unterschiedliche Meinungen, kann man noch miteinander reden, ohne dass wir uns gleich die Rübe einschlagen.
MIRA: Mit Zucker und Peitsche geht’s immer gut mit den Jungs *lol*.
Eure Texte sind wie eure Musik eher simpel gehalten, wirken dadurch aber viel ehrlicher und direkter. Habt ihr das bewußt so gemacht damit der Hörer kein Wörterbuch braucht oder wollt ihr somit einfach direkter auf den Punkt kommen und besser verstanden werden?
SCHROD : Als simpel würde ich unsere Musik nicht unbedingt bezeichnen. Es gibt da schon diverse Schmankel, musikalisch wie auch inhaltlich. Es ist aber schön zu lesen, das unser Anliegen erkannt und verstanden wird. Sicherlich haben wir den Focus nicht aus den Augen verloren, direkt, ehrlich und auch leichter konsumierbar zu sein. Wir sind Underdogs und sprechen die Sprache der Straße. Da ist nun mal kein Platz für schöne Worte und verschachtelte Polyrhythmen.
INGE : Ich find die Mucke muss nicht technisch perfekt sein, und nen Professor für Literatur haben wir auch nicht. Was wichtig ist, es muss krachen und Eier haben, zudem machen wir keine Musik für Musiker, sondern für den MOB und natürlich für uns!!
Wenn man euer gesamtes Package betrachtet seid ihr eine Band die das Thema Unity noch lebt bzw.praktiziert.Gut zu hören bei dem Song “Hardcore Brotherhood”.Wie denkt ihr über die heutige HC Szene,die ja doch in viele Gruppen aufgeteilt ist und hier und da eher durch Hip Hop und fette Ketten als gute Musik auffällt. Was ist HC für euch genau?Wie wichtig ist euch der HC “way of life”???
MIRA: Also das Thema Zusammenhalt und Freundschaft sind nicht unbedingt auf den Hardcore zu münzen, sondern eben unser „Way of life“. Bei POH geht’s sehr familiär ab, wir treffen uns nicht nur im Proberaum oder zum live zocken, sondern eben auch ausserhalb mit anderen Freunden zum feiern, aber auch Küche streichen oder Umzug fahren. Freundschaften und Zusammenhalt sind für uns ein wichtiger Teil unseres Lebens.
Zur heutigen HC-Szene kann ich nur sagen, dass sie sehr vielfältig ist, es gibt viele junge und technisch coole Bands am Start. Allerdings wird auch Toleranz viel gepredigt und wenig gelebt, jeder sollte das Recht haben, musikalisch das durchzuziehen, worauf er Bock hat, da gibt es kein schwarz und kein weiß (Voraussetzung für mich: Texte/Inhalte sind vertretbar). Man muss nicht jede musikalische Schiene mögen, aber Respekt gegenüber anderen Bands sollte meiner Meinung nach schon vorhanden sein. Nur erkennen muss das jeder für sich selbst ;-).
Persönlich gehen mir Intoleranz und Respektlosigkeit auf den Sack, was sich z.B. im Moshpit beim Violence Dance äussert, wobei oftmals dieselben Leute predigen, dass doch bitte keine Tiere getötet werden dürfen, aber der Fuss beim Nachbarn im Gesicht landet.
Habt ihr euch bewußt als Trio gegründet?Ist das Leben on the road so einfacher oder ist es angenehmer sich die Gage durch drei als z.b durch 5 zu teilen? ;-)Habt ihr schon mal über ne zweite Klampfe nachgedacht?
INGE: Mira und ich haben nach dem Ableben unserer alten Combo erst mal einen Drummer gesucht, und dabei ist’s bis dato geblieben. Zu dritt ist‘s schon einfacher, im Proberaum krakeelen nicht so viele Leute durcheinander, man braucht unterwegs ein kleineres Auto, weniger Leute nerven rum und sooo viel mitschleppen muss man auch nicht.
Wir hatten auch schon einige Kandidaten für den zweiten Gitarrenposten, aber so richtig gefunzt hat‘s nicht, ist auch sicherlich nicht so einfach, neu in ein gefestigtes Kollektiv mit ihren Macken einzusteigen, und wir sind auch nicht unbedingt drauf angewiesen, muss eben auch menschlich passen.
Ihr habt auf eurer neuen CD mit Schulle von Toxpack und Gary von Pro Pain zwei bekannte Gastsänger am Start.Viele Leute werfen einem bei so was ja immer nur Name Dropping vor.Was verbindet euch mit den Jungs und wieso habt ihr gerade die beiden “ausgewählt”?
MIRA: Wir sind mit beiden Bands sehr gut befreundet, mit den Jungs von TP teilen wir uns einen Proberaum und haben, auch schon mit unseren alten Combos, live zusammen gezockt. Dadurch kam die Idee, zusammen Mucke zu machen. Wir mögen uns einfach und haben auch neben der Musik zusammen Spass. An dieser Stelle noch mal ein Dankeschön an Gary und Schulle für ihren Einsatz!
Ihr habt in den Berliner Kugelphone Studios aufgenommen,die ja bekannt sind für einen dicken Sound. Wie verlief die Arbeit im Studio? Seid ihr mit dem sehr rauhen,aber dennoch dicken Sound zufrieden? Mal angenommen ihr hättet richtig viel Kohle,hättet ihr einen “Traumproduzenten” mit welchem ihr gerne mal aufnehmen würdet?
SCHROD:Die Aufnahmen waren auf jeden Fall sehr relaxt und lustig, schleppten sich aber leider etwas hin. Wir hatten in der Zwischenzeit noch einige Verpflichtungen und Micha mit Anticops ebenfalls. Letztendlich haben wir 9 Tage für die Produktion benötigt, die sich aber auf 6 Wochen ausdehnten. Wir sind mit der Arbeit im Kugelphone sehr zufrieden und hegen die Absicht, unser nextes Album wieder dort zu produzieren. Sicherlich gäbe es da einige Traumkandidaten für ein fettes Album. Es wäre schon interessant, wie unser Material klingen würde, wenn Zauberer wie Rick Rubin, Don Fury, Tue Madsen, Scott Burns, Colin Richardson, Ross Robinson, Zeus, Steve Richards oder Brendan O`Brien Hand anlegen würden. Oder vielleicht sogar Dieter Bohlen – haha
Ihr seid auch live sehr aktiv. Seht ihr mehr Sinn in einzelnen Shows oder würdet ihr auch gerne mal ne Tour fahren? Ggf.auch als Support?
MIRA: Live spielen macht uns einfach Spass. Man bekommt eine Menge Input, lernt viele Leute kennen, kommt durchs Land und kennt irgendwann auf der Autobahn alle Raststätten, die Läden mit dem goldenen M und kann auch mal ein wenig Kultur machen und sich die Gegenden, in denen man noch nie gewesen, mal genauer anschauen.
Klar würden wir auch gern mal eine längere Tour spielen, um nicht nach 2 oder 3 Shows hintereinander gleich wieder in das „Alltagsloch“ zu fallen, wo man den Knopf sucht, vom Rock’n’Roll auf Seriös umzuschalten. Grundsätzlich arbeiten wir mit Hochdruck an allen Fronten, um viel unterwegs zu sein.
Ich bin immer sehr gerne in Berlin und finde das die Berliner HC Szene einfach top ist.(siehe Final Prayer,Devil Inside oder Disrespect u.v.a.)Vielleicht könnt ihr ein paar Worte über die Berliner Szene erzählen und woran liegt es das dort so viele gute HC Bands herkommen?
SCHROD : Ich kann dies gut nachvollziehen. Ich liebe diese Stadt ebenfalls vom Herzen. Sie überrascht jedes mal auf ein Neues und bietet für jeden alles. In Bezug auf die hiesige Hardcore – Szene brodelt es schon immer gewaltig. Kaum sind Bands verschwunden, rücken neue gute Bands nach. Im Moment sorgen Bands wie All for Revenge, Tonedown oder Never Put Aside für ordentlich Staub im Moshpit. Aber auch alte Hasen wie Punishable Act, Anticops oder Final Prayer sind gut im Rennen. Es läuft alles sehr familiär ab und jede Band respektiert sich. Es werden gemeinsame Konzerte organisiert und alle haben sich lieb.
Berlin war schon immer ein großer Multikultimoloch und sicherlich vergleichbar mit einer Stadt wie New York. Berlin schläft ebenfalls nie. Das soziale Gefälle ist hier sehr ausgeprägt und die sozialen Schichten dermaßen konträr. Hier kann ein Penner mit einem reichen Schnösel zusammen ne Currywurscht an der nexten Ecke futtern, ohne sich in die Haare zu kriegen. Berlin war schon immer eine arme und reiche Stadt zugleich und kann durchaus auch ein hartes Pflaster sein. Dies bietet natürlich eine hervorragende Möglichkeit für harte Ausdrucksformen. Da ist doch eine Musikrichtung wie Hardcore prädestiniert. Ausländische Bands fühlen sich hier auch verstanden und touren gern, zumal es ja auch eine gute Klubszene gibt. Man kann schon fast auf jeder Damentoilette spielen, die ne Steckdose hat.
Darf ich euch fragen womit ihr euren Lebensunterhalt verdient wenn ihr grad mal nix mit der Band macht?
MIRA: Der Traum wohl eines jeden Musikers ist es, von der Musik leben zu können. Dem ist leider nicht so, so dass wir nebenbei ganz bodenständig für unseren Lebensunterhalt und gutes Handswerkszeugs im Proberaum sorgen müssen. POH zimmert nicht nur Songs zusammen, sondern kann auch mit Hammer, Nagel und ner Computertastatur gut umgehen ;-).
Wie steht ihr zum Thema Filesharing bzw.downloading?
MIRA: Ich finde es super, wenn sich Leute für unsere Mucke interessieren, denn natürlich lebt jede Band auch von einer guten Fangemeinde, die gehegt und gepflegt werden möchte. Unterstützen tut man aber kleinere Bands nur, indem man Konzerte besucht, CDs und Merch kauft. Und der kleineren Band tut es finanziell natürlich eher weh, wenn viele Leute die Pladde downloaden anstatt sie wirklich bei der Band einzukaufen, da sie ja kleinere Einnahmen und prozentual höhere Ausgaben für eine Produktion haben als z.B. AC/DC.
Und reinhören kann man ja im Internet in die „Bleeding Hardcore“, z.B. gibt’s einen schnieken Promoclip auf YOUTUBE: http://www.youtube.com/watch?v=gAp9vPSt7bk, aber auch auf unserer Homepage http://www.protectionofhate.de, oder bei Facebook und Myspace kann man einige Songs erlauschen und natürlich Infos erhalten.
Dieses Interview wurde von Marcel77 geführt