Category Archives: Reviews A-I (Archiv)

Blinker Links – Achterträger Kronkorken mit Schraube 12” Vinyl + DL (19.05.2017)

(Bakraufarfita Records / www.bfr-records.de)
Seit über einem Jahrzehnt treiben Blinker Links Ihr Unwesen, und ‚Achterträger Kronkorken mit Schraube‘ ist eigentlich die wievielte Veröffentlichung? Keine Ahnung, macht aber nichts, denn wie immer gibt es hier schönen Punkrock mit deutschen Texten, die man nur im Suff zusammenschreiben kann. Das passt zu dem uringelben Vinyl, auf dem die 13 neuen Songs gepresst wurden, übrigens die erste Vinylveröffentlichung der Band. Diese wurde auf dem Label Bakraufarfita vollzogen, mir bis dahin völlig unbekannt. Blinker Links machen da weiter wo sie aufgehört haben, nämlich mit der Sorte Punkrock, die einem bekannt vorkommt, aber dennoch anders ist, da man gespannt erwartet, welche lyrischen Ergüsse da als nächstes auf einen zukommen. So sind Songs wie ‚Oma sagt geht lieber einen ballern‘, ‚Alles kostet hundert Mark‘ und ‚Keinen Bock aber Gästeliste‘ neue Songs für die Playlist im Auto, aber, jetzt kommt das ‚aber‘, an Hits wie ‚Pimmel raus, Mofa fahren‘ oder ‚ich steige in kein öffentliches Verkehrsmittel‘ kommen die neuen Songs nicht ganz ran. Macht aber nichts, die neue Scheibe ist trotzdem gut und ist für Liebhaber und Freunde von Bands wie Supernichts, Knochenfabrik oder Lokalmatadore natürlich Pflichtprogramm. 2- sickguy77

Hate – Tremendum CD (18.05.2017)

(Napalm Records)
Hate aus Polen gibt es auch schon seit Ewigkeiten, das erste Demo kam Mitte der Neunziger raus, aber irgendwie habe ich der Band nie wirklich Beachtung geschenkt. Sie standen bisher immer im Schatten der „großen“ polnischen Death Metal Bands Behemoth und Vader. Ob sich das jetzt mit „Tremendum“ ändern wird, wage ich nicht zu beurteilen, aber eine gelunge Scheibe haben sie da auf jeden Fall rausgehauen. Hate spielen dunklen, Black Metal angehauchten Death Metal, der, ähnlich wie bei Behemoth, sehr technisch ist und überwiegend schleppend mit einigen Blastausbrüchen ist. Das Ganze erinnert mich manchmal an die britischen Extremler Akerkocke oder Voices. Die Produktion ist auch fett, aber transparent und die ganze Scheibe bewegt sich auf gutem Niveau. Aber, es sind zu wenige Momente vorhanden, die im Ohr hängenbleiben. „Fidelis ad Mortem“ ist so mein persönlicher Hit, da er alle guten Ideen der Band verinnerlicht, aber die meisten Stücke bewegen mich zwar zum enthusiatischen Kopfnicken, hinterlassen aber (leider) keine bleibenden Schäden, die Songstrukturen ähneln sich zu sehr. Sympathisches Werk, aber leider, zumindest bei mir, ohne große Halbwertzeit. Fans wird es aber bestimmt gefallen. 3 ROLAND

Affenmesserkampf – Clowns In Wut (12.05.2017)

(Gunner Records)
Das ist mal ein richtiges Scheißcover, denn wenn mich eine vollgepisste Jogginghose anstarrt, bin ich erst einmal raus. Mein einziges Problem war aber nur, dass ich AFFENMESSERKAMPF bisher nicht kannte, außer von ein paar Flyern und Postern. Denn je mehr ich mich mit dieser Band bzw. der Platte beschäftige, desto klarer scheint mir das „Konzept“ dahinter – vollgepinkelte Hose = Angst und nicht Saufen bis zur Besinnungslosigkeit. Dass Angst in unserem Land momentan mehr als genug vorhanden ist, brauche ich an dieser Stelle wohl niemandem erzählen. Jedenfalls besteht die Gefahr, dass Nichtkenner der Band vom Coverbild abgeschreckt werden und dadurch dieses geile Album verpassen. Kurz und schmerzlos werden hier zwölf Songs in bester (Deutsch)Punk Manier runtergerotzt. Gerademal 26 Minuten Spielzeit hat das Album, in der Kürze liegt also die Würze. D.h. kein überflüssiger Schnick-Schnack, sondern Punkrock pur – schnell, kompromisslos, dreckig! Sie selbst beschreiben sich als „ironischer als Mühlheim Asozial, authentischer als Slime, cooler als Abfukk, dümmer als Kotzreiz,…“. Gerade mit den beiden letztgenannten sind sie musikalisch verwandt und spontan würden mir noch NEIN NEIN NEIN als Vergleich einfallen. Inhaltlich haben sie, im Gegensatz zur Spielzeit, recht viel zu sagen. Auch wenn ich es nicht unbedingt mag aus Promozetteln zu zitieren, nutze ich in diesem Fall die „vorgegebenen“ Worte, die die Lyrics am besten beschreiben: „Wir über uns, Rassismus, individuelle Selbstbestimmung, Bundeswehrwerbung, Scripted-reality-show-Zuschauer, Männerbünde, Verschwörungstheoretiker, Spießer, emotionale Verkrüppelung, schon wieder Rassismus und Camp-David-Hemden“. Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Wer also mal wieder ein volles Rohr richtig guten und kompromisslosen Deutschpunk braucht, muss hier zuschlagen. Note: 2 East Side Daniel

Icons of Filth – Nostradamedus CD (03.05.2017)

(Westworld)
Bei dem Album “Nostradamnedus” der britischen Kult- Punkband Icons of Filth, handelt es sich um ein Re-release ihres dritten und letzten Albums, welches erstmals 2002 erschienen ist. Icons of Filth wurden 1979 gegründet, und sie sind sicherlich als eine der Vorreiterbands in Sachen klasischer Hardcore-Punk zu nennen. Eine gewisse Härte schwingt bei den Icons of Filth ebenso mit wie ein gutes Gespür für eingängige Hooklines. Inhaltlich war die Band immer schon stark gesellschaftskritisch bis anarchistisch ausgerichtet, auch das wird auf “Nostradamnedus” beibehalten. Wer das Album noch nicht aus der Erstveröffentlichung besitzt sollte hier unbedingt zugreifen! Note:2/ gut Gereon

Drei Meter Feldweg – Hypermaxx 4000 CD(02.05.2017)

(www.drei-meter-feldweg.de)
Der Name DREI METER FELDWEG erinnert mich ein wenig an meine Kindheit. Unbeschwert mit dem Fahrrad über Berg und Tal und quer durch die Felder düsen. Und diese Jungs hier wären mit ihrer Mischung aus Punk, Pop, Rock und Ska dafür ein passender Soundtrack gewesen. Irgendwo zwischen ZSK und RANTANPLAN haben sie ihre Nische gefunden und rocken sich frisch und unverkrampft durch die 16 Songs. Keine alte Klapperkiste, sondern ein cooles Mountainbike „pflügt“ hier durch die Landschaft, das sich nicht zu schade ist, auch mal schmutzig zu werden. Dementsprechend gut produziert und sauber, aber auch etwas dreckig, klingt der Sound. Inhaltlich liefern sie einen ähnlichen Mix ab und verzichten auf allzu aufgeblasene Texte. Klar und direkt wird die Botschaft vermittelt, so dass man sie auch beim Cruisen verstehen kann und nicht beim Grübeln vom Weg abkommt. Von Stars und Sternchen bis hin zu einem „Echten Liebeslied“ ist hier alles dabei. Auch der allgegenwärtige Rechtsdrall der Gesellschaften wird thematisiert. Hier müsste wohl mal das Lenkrad richtig ausgerichtet werden :-) Passend zum guten Fahrgefühl fällt auch das schicke Design auf. In dieses „Produkt“ hat jemand viel Herzblut gesteckt und dabei ist was fürs Auge rausgekommen. Dieses Bike ist eine gelungene Sache und nur die Speichen, ich meine die Melodien, müssten ein wenig justiert werden. DREI METER FELDWEG erfinden also – Achtung Wortspiel! – das RAD nicht neu, aber wissen sich auf der „Straße“ zu behaupten und machen eine gute Figur. Kann man durchaus mal Probefahren! Note: 2 East Side Daniel

DxBxSx – Wer Will Denn Das CD (01.05.2017)

(Bakraufarfita Records / www.bakraufarfita-records.de)
Über diese Platte im Reviewstapel habe ich mich echt gefreut, denn bisher haben diese Jungs immer guten Stoff abgeliefert. Auch dieses Mal enttäuschen die Berliner nicht. Sie bleiben sich treu und liefern ein Metal-Punk-Brett ab, das seinen Namen wirklich verdient hat. Manche mögen noch Stoner und Garage raushören und auch damit dürften sie nicht falsch liegen. DxBxSx bedienen sich in fast jeder Schublade, die irgendetwas mit Gitarrenmusik zu tun hat und schaffen es, daraus einen eigenständigen Sound zu kreieren. Die Gitarren und der Bass brummen und dröhnen schön vor sich hin, ab und an mischt sich ein Solo mit ein, die Drums jagen den Rest der Truppe mal schneller und mal langsamer vor sich her und der Sänger schreit ich die Seele aus dem Leib. Inhaltlich macht „Wer will denn das“ auch wieder schön was her. Ob es sich dabei aber um „Lyrics wie aus Rio Reisers nach dem Tod fortgechriebenem Textbuch“ handelt, darf bezweifelt werden. Nichtsdestotrotz empfiehlt es sich das Gehirn anzuschalten. Und ein Stück wie „Deutschland du mieses Stück Scheiße“ klingt zwar platt, bringt es aber auf den Punkt, was dieses Land heute ausmacht: Waffenexporte, Grenzen errichten, Volksverdummung… Dass die Band künstlerisch interessiert / versiert ist, zeigen sie nicht nur durch ihre Musik. Schaut euch einfach mal das Video zu „Hass“ an, das sehr unterhaltsam ist. Im Großen und Ganzen ist das hier eine richtig gute Platte geworden und einzig der Titel „Veranstalterblues“ und das etwas lieblos gestaltete Innere des Booklets sind kleine Kritikpunkte. DxBxSx heißt Heavy-Metal à la BLACK SABBATH trifft auf Oldschool-Punkrock von den SEX PISTOLS und RAMONES. Jeder der mit diesen Bands was anfangen kann, sollte hier reinhören. Note: 2 East Side Daniel

Angelic Upstarts – Anthems Against Scum LP (25.04.2017)

(Mad Butcher Records)
Reissue des 1999 aufgenommenen und 2001 erschienenen Livealbums der 77 in South Shields gegründeten Band um Mensi Mensforth. Beinahe sämtliche Hits seit Gründung der Band wie Never ad nothing, last night another soldier, solidarity, England oder 2 million voices sind hier in guter Aufnahmequalität auf einem Album versammelt. Die Platte belegt wieder mal glaubwürdig die Entschlossenheit und inhaltliche Gewichtigkeit der Engländer wider Faschismus, Polizeiwillkür und soziale Ungerechtigkeiten nicht nur im thatcheresierten Großbritannien der 80er Jahre. Die Upstarts standen von Anfang an für einen rebellischen, politischen Geist, der auch nicht okkupierbar war durch die Industrie oder sogar der National Front die eingangs aus unerfindlichen Gründen großes Interesse hatte, die Band für sich zu gewinnen oder später versuchte Songs wie „England“ aus dem Zusammenhang gerissen in ihre krude Ideologie einzuknüpfen. Leider sind auf der Lp die auf der CD enthaltenen Bonustracks nicht dabei aber darüber hinaus gibt es hier wirklich nichts zu meckern. 2+………………..Kai

Chelsea – In Session CD (24.04.2017)

(westworld)
Für alle Fans des Punkrock der ersten Stunde dürfte es demnächst einen Freudentag geben. Der Tag nämlich an dem die Platte “In Session” von Chelsea erhältlich sein wird. Die Kultband von der Insel dürfte jedem halbwegs versierten Punkliebhaber ein Begriff sein, gehörte im Gründungsjahr 1976 doch unter anderem kein geringerer als Billy Idol zu ihrer Besetzung. Die nun erscheinende “In Session” enthält die Songs von insgesamt vier Studiosessions, die in den Jahren 1977- 1979 in den Maida Vale Studios aufgezeichnet wurden. Die Songs sind alle von hervorragender Qualität- musikalisch als auch Soundtschnisch- so dass diese Compilation einen uneingeschränkten Hörgenuss bietet, besonders begeistern mich immer wieder die charakteristischen Vocals von Mr. October. Absolutes must have für Freunde der Zeit in der alles anfing. Note: 1/ sehr gut Gereon

H Bomb Holiday Camp – Close to the Borderline CD/LP (inkl.CD, clear Vinyl) (14.04.2017)

(Wolverine Records)
Erst im Dezember 2015 gründete sich die Die Band “H Bomb Holiday Camp”, nachdem seitens der Bandmitglieder Ehen geschieden, Jobs gekündigt und Therapien abgebrochen wurden. Kurzum, es gab wohl wenig zu verlieren. Man knallte sich hinter die Instrumente und legte los. Was dabei heraus gekomen ist, ist jedenfalls nicht von schlechten Eltern. H Bomb spielen eine explosive Mischung aus Punkrock, Rock n Roll und Hardcore, wobei es schwerfällt einzelne Songs den entsprechenden Subgenres zuzuordnen. Ihr Debut “close to the Boarderline” ist bei Wolverine Records erschienen, und beinhaltet 12 Songs. Die Soundauswahl der Platte ist sehr passend zum musikalischen Gewand gewählt, besonders der Rock´n Rollige Gitarrensound sorgt für einen runden Effekt. Anspieltipps sind “we chose”, “Under the cobblestones”, “ballade of the nitpicker”, und das in meinen Augen beste Stück der Platte “wicked ways”. Eine geile Scheibe, man darf gespannt sein was da noch kommt! Note: 2/gut Gereon

Arrested Mind – Frontal CD (12.04.2017)

(TimeszoneRecords / Finest Noise)
Hier kommt eine sieben Song Comeback EP von den Jungs aus Kulmbach.Für eine Comeback Platte, hatte ich eigentlich auf mehr gesetzt. In meinen Augen wenn man wieder zurück ans Licht der Welt kommt und Vorfällen nach solange Zeit. Sollte man sich schon die Zeit nehmen ein ganzes Album auf die Beine zustellen. Da finde ich sieben Songs doch was mager.Der Sound der Platte kommt echt gut rüber, obwohl mir es teilweise echt zu Metal lastig wird. Aber ansonsten ne fette Produktion. Der Gesang haut mich leider so gar nicht vom Hocker. Wobei ich den Vergleich zu TLUF und GWLT schon weit her geholt finde. Das sind doch ein paar liegen dazwischen.Nichts desto trotz, gibt’s bestimmt genug Leute da draußen die auf den Gesang stehen und ihn abfeiern werden. Wer auf deutschen HC/Metal steht ist hier vielleicht richtig. Note: 4 David