Category Archives: Reviews A-I (Archiv)

Cartouche – A Venir CD (19.09.2017)

(Fire And Flames Music / www.fireandflames.com)
Cartouche aus Frankreich hier bereits mit ihrem 4. Album seit Bandgründung Mitte der 2000er bieten eine launige Melange aus Punkrock und allem Möglichen an. Eigentlich ist es schon verwegen, von Punkrock zu sprechen – ich zitiere bloß die Band – Geraldine, ihrerseits Chanteuse von Cartouche singt einfach schon fast zu gut für eine Punkrockband. Gesanglich kann sie ohne weiteres mit Popgrößen aus Frankreich wie Zaz mithalten. Kurioserweise funktioniert das aber überraschend gut im Zusammenspiel mit der größtenteils recht aggressiv gehaltenen Musik die mich meistens an ähnlich konzeptioniertes wie z.B. the Baboon Show oder les sans culottes erinnert. Nur eben nicht mit borderlinigem Herumgebrülle sondern mit Nachtigallengesang ….Nachdem ich mich durch einen Großteil der älteren Aufnahmen gehört habe würde ich sogar sagen, daß mit „a venir“ das bisher musikalisch schlüssigste Album ans Licht gebracht wurde, wenn man auch einen Schritt Richtung Gefälligkeit gemacht hat. Trotzdem hat die Platte inhaltlich und musikalisch ordentlich Biss und verdient auf alle Fälle eine gute Note……2…..Kai

Al & The Black Cats – From Bad To Worse LP (13.09.2017)

(Mad Drunken Monkey Records / www.mad-drunken-monkey.de)
Amerikanisches (Neo)Rockabilly-Trio aus Michigan mit seinem fünften Album, Namenspate Al (Al Krivoy) hat längst das Weite gesucht (im Oktober 2014 verstorben, hat zuvor lediglich am ersten Album „The Fabulous Rockabilly Sounds Of…“ mitgewirkt), die young Cats sind geblieben. Der Highway zieht sich bis zum Horizont, ein Upright-Bass klimpert fröhlich vor sich, Bourbon straight klopft munter den Takt dazu. 12 Songs mit Lonesome Cowboy/Outlaw-Feeling in lockerer Barfly-Bauart. Genre-übergreifend, punky Cocktail der üblichen Verdächtigen: STRAY CATS, SOCIAL DISTORTION, TIGER ARMY, MAD SIN. Viele Klischees, viele Standards, viele alte Bekannte. Alles wie erwartet. Gut so. First Class Soundtrack für einen alkoholgetränkten Sonnenaufgang, augenzwinkernd und tollkühn. Zur Hölle mit den guten Vorsätzen! PARADISE

Akne Kid Joe – “haste nich gesehn! 7”Vinyl (04.09.2017)

(KidnapMusic / www.kidnapmusic.de)
Da kommt man nichtsahnend aus dem Urlaub und da liegt eine schicke, farbige Single in der Post. So wünsche ich mir das ab jetzt immer! In diesem Fall hört die Band auf den, zugegebenermaßen ziemlich blöden, Namen AKNE KID JOE. Aber schon ein erster Blick auf das gute Stück verspricht vieles. Das verwendete Bild ist nämlich an und für sich schlecht, doch als Cover dieser Punksingle mehr als passend. Zwei nette Jungs und ein Mädel in bayrischen(?) Trachten gemeinsam auf einer Wiese am rumblödeln. Wenn das mal nichts hermacht, weiß ich auch nicht, denn passend dazu gibt es Songtitel wie „Heimatland“ oder „Ein Morgen ohne Deutschland“. Nach dem Auflegen der Scheibe zeigt sich dann, dass sich der erste positive Eindruck bestätigt, denn die vier Tracks sind super geworden. Eine schrammelige Mischung aus Deutsch- und Synthiepunk, den die Band selbst als Dilettantenpunk bezeichnet. Das muss man einfach lieben, denn so etwas frisches und unverbrauchtes findet man momentan eher selten. Textlich macht diese Platte auch was her, so dass ich hier nix großartig zu meckern habe. „haste nich gesehn!“ bietet vier tolle Synthie-Deutsch-Punk-Songs in acht Minuten! Sollte man kaufen! Note: 2+ East Side Daniel

No Use For A Name – Rarities Vol.1:The Covers CD (31.08.2017)

(Fat Wreck Chords)
Nun ist Tony Sly der, ehemaliger Frontmann und Sänger der band, schon seit 5 Jahren tot, und Fat Wreck meint jetzt eine neue Scheibe zu veröffentlichen. Das hinterlässt doch einen faden Beigeschmack. Mit dem neuen Album hat man 13 Songs zusammengetragen, welche allesamt Coverversionen sind. Moment, erst kürzlich durfte ich ein Album der Teenage Bottlerocket besprechen, auf dem auch nur Coverstücke enthalten waren. So etwas sollte man nicht übertreiben, bzw. überstrapazieren, sonst wird es schnell langweilig. Nun ja, den musikalischen Qualitäten von NUFAN tut das keinen Abbruch, sie haben schließlich seit Ende der 80er Jahre den melodischen Punkrock kalifornischer Prägung mitgestaltet, wie fast keine andere Band. Die 13 Songs waren auf irgendwelchen Samplern enthalten, welche über die gesamte Schaffensphase der Band entstanden sind. Bei solchen Alben gibt es immer Licht und Schatten, die Songs, welche den Alltag heller gestalten sind meist Songs anderer Punk- oder Hardcorebands. Die Coversongs von D.I., Dag Nasty, SOcial Distortion oder den Misfits halten sich eng an das Original und zählen ganz klar zu den Highlights. Sehr geil ist auch die Coverversion des Songs ‚Enjoy the silence‘ von Depeche Mode, umperfektioniert von einem elektronischem Song zum Punkrock. Weitere Bands die gecovert wurden sind die Reggaeband Sublime, The Pogues, Cheap Trick, Kiss und The Vapors. Der Titeltrack der Serie The Munsters und der Musicalsong ‚Don`t cry me Argentina‘ wurden ebenfalls durch den Punkrockschredder gejagt. Da die Scheibe mit Volume 1 betitelt wurde, kann man davon ausgehen, das weitere Teile folgen werden. Braucht man so etwas? Ich persönlich nicht, da kann ich die alten Scheiben von NUFAN hören, und werde besser bedient. Für die Fans dieser Punkrockvariante und der Band werden hier wahrscheinlich glücklich werden. 3 sickguy77

EA 80 – Definitiv:Ja! CD / LP (29.08.2017)

(Major Label / www.majorlabel.de)
Bald erscheint es nun offiziell, das neue Album von EA80. Wer in den vergangenen Monaten allerdings in den Genuss eines ihrer seltenen Konzerte kam, konnte das neue Werk bereits vorher sein Eigen nennen. In Form einer „Testpressung“ gab es das gute Stück am Merch zu erstehen. Die Aufmachung ist allerdings recht aufwendig und liebevoll gestaltet, so dass „Testpressung“ zwar auf dem Vinyl-Label steht, dem aber nicht gerecht wird. Ein Freund von mir hat sich so ein Teil zugelegt und so kam ich in das Vorabvergnügen von „Definitiv: Ja!“. Aus meiner Sicht ist die Platte keine große Überraschung, denn EA80 sind EA80 und werden immer EA80 sein, und dass ist auch gut so! Sie sind live eine wuchtvolle Granate und schaffen es, als eine von wenigen Bands, diese Wut und Energie auch auf Platte zu packen. Auch dieses Mal ist ihnen das gelungen und die 11 Songs strotzen nur so vor Kraft. EA80 beweisen einmal mehr, warum sie eine, wenn nicht sogar die, wichtigste Düsterpunkband in Deutschland sind. Mehr braucht man an dieser Stelle nicht zu sagen, denn entweder man kennt die Band und wird auch dieses Album lieben, oder man lässt es halt. Leute, die die Band erst einmal kennenlernen wollen, sollten unbedingt als erstes auf ein Konzert gehen und sich dann eines der großartigen Alben zulegen. Es bleibt festzustellen, dass der einzige Kritikpunkt am neuen Longplayer ist, dass es seit „Definitiv: Nein!“ so lange gedauert hat. Da das Teil wieder auf Major Label in einer edlen Aufmachung erscheint, heißt es also, ranhalten und kaufen. Ein billiges Wortspielt zum Schluss kann ich mir dann aber doch nicht verkneifen: Braucht man dieses Album? Definitiv Ja! East Side Daniel: 2+

Grit – Shreds Of Tales CD (28.08.2017)

(Greasy Records / Bertus)
Nach drei Vorabsingles legen GRIT hier ihr Debütalbum vor, mit insgesamt elf Tracks. Bisher habe ich von den vier Franzosen noch nie etwas gehört. Ich denke auch, sie werden ganz schnell wieder aus meiner Erinnerung verschwinden, denn „Shreds Of Tales“ kann ich leider gar nichts abgewinnen. Die Band klingt absolut belanglos und aus meiner Sicht braucht das heute niemand mehr. Sicher haben sie sich viel Mühe im Studio gegeben und die Soundqualität stimmt auch, aber was am Ende dabei rausgekommen ist, plätschert einfach nur vor sich hin. GRIT pendeln irgendwo zwischen Indie-/Mainstreamrock und Pop und können sich nicht recht entscheiden. Auf die Dauer ist das ganz schön anstrengend. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Note: 5 East Side Daniel

Arrest Denial – Frei.Tal CD(26.08.2017)

(Mad Butcher Records / www.madbutcher.de)
Der zweite Longplayer von ARRESTED DENIAL aus der Freien und Hansestadt. Kein Oi!, wie man beim Labelnamen erwartet. Kein Hardcore, wie man beim Bandnamen erwartet. Dafür: Deutschsprachiger Punk Rock, wie er in den 90ern gern gespielt wurde. Mit schön schwermütig-melancholischer Kante, wie man sie in Hamburg gern einfließen läßt. „Lokalkolorit“ sagt das Feuilleton dazu. Passt, Digger. Gelungen in Szene gesetzt: Rauhbeiniger Seebären-Gesang, schlaue Texte zwischen politisch und privat. Ohne Klischees, aber auch ohne Schlaumeierei. Strasse statt Oberschule. „Ihr kotzt mich einfach nur an mit eurer Selbstgefälligkeit!“ Für weiteres Hamburg-Dropping sorgt Ulf von RANTANPLAN mit seiner Gast-Trompete. Hajo von den OIMELZ singt auch bei einem Song; ein wenig Offbeat und eine Hammond-Orgel setzen weitere Akzente. 12 Songs auf eine knappe Dreiviertelstunde verteilt. Die Vinyl-Version lockt mit dem ROXETTE-Cover „Dressed For Success“.

Distorted Truth: victim of the law 7`Single Ep (25.08.2017)

(Mad Butcher Classics)
Distorted Truth, in Aberdeen beheimatet haben diese Ep 1985 auf green vomit veröffentlicht und bei vielen gleich mit allen 4 enthaltenen Tracks ordentlich gepunktet- insbesondere mit victim of the law und party political bullshit! (vielen das“ in-a-gada-da-vida „ des Streetpunk) Verhältnismäßig eingängiger, energiegeladener Punkrock mit oi! und Hardcoreeinflüssen, der mitunter ein wenig an viele Klassiker der Bewegung wie die Neurotics oder die Cockney Rejects erinnert und sich mit seinen Singalong Refrains sofort in die Synapsen brennt. Mit den oben genannten Songs und Riot Squad und Fallout zusammen eine sehr beeindruckende Platte einer Band, die nicht gerade berühmt ist für ihren üppigen Output und Ideenreichtum. Gewissermaßen also das Masterpiece dieser Truppe mit großem musikalischem Potenzial und Biss, die aber bis heute leider immer noch zu wenige kennen, obwohl  sie nach all den Jahren inzwischen sogar wieder auftreten. Das Geld verdienen wieder die Anderen. Von mir gibt’s eine gute 2+………..Kai

Angelic Upstarts – Solidarity EP (24.08.2017)

(Mad Butcher Records / www.madbutcher.de)
Mit dieser Ep (1983 noch als 12inch auf Anagram veröffentlicht) läuteten Mensi und die neu aufgestellten Upstarts eine neue, etwas commodere Spielweise ihrer immer noch höchst politisch motivierten working-class Punkrock Hymnen ein – weg vom lauten Streetpunk der späten 70er hin zu einem differenzierteren, auch instrumentalisch breiterem Sound der sich auch ein wenig dem Mainstream zu öffnen schien.  Und wer sonst als Mensi hätte damals außer vielleicht noch Billy Bragg so einen Song schreiben können, ohne dazustehen wie später Bob Geldof oder schlimmer: Sting? Überrascht „Solidarity“ noch mit eher balladeskem Twang wie bei „England“ gibt es hier obendrein noch spoken poetry (dollars and pounds)vorgetragen mit einer Stimme, die einfach nicht lügen kann, das beinahe schon poppig geratene „don`t stop“ und einzig „five flew over the cuckoo`s nest“  gemahnt noch musikalisch ein wenig an die wilderen, ungestümeren Anfänge der Band, wobei sich bei den Themen wenig ändert und die A.U.s sich inhaltlich immer treu geblieben sind. Eine großartige Platte, die die Wichtigkeit und Notwendigkeit dieser Band ein weiteres mal belegt. Schulnote 1…was hätte man da noch besser machen sollen?…..Kai

Cult Of The Psychic Fetus – s/t 7″ Vinyl (08.08.2017)

(Killjoy Records)
4 Track EP der Band aus Ohio,die sich 1992 gegründet haben. Beim ersten durchhören der EP musste ich unweigerlich an John Carpenter Filme oder Serien wie Munsters und Co denken. Liegt vielleicht an der verdammt guten Mischung aus Goth, Horrorpunk, Surf & Psychobilly. Dazu der extrem düstere Gesang, der einem teilweise wie bei Carpenter Filmen einen gewissen kalten Schauen über den Rücken laufen lässt. Ganz ehrlich, völlig überrascht von der Band. Leider gibt es den alten Output nur auf CD, sehr Schade. Vielleicht liegt der Gedanke an Horrorfilme auch einfach an der dunklen Aufmachung? Jedenfalls ist das gute Stück auf 450 schwarze und 50 transparente limitiert. -nasty-