Category Archives: Reviews A-I (Archiv)

Danke Schatz – Jaja…..CD (14.07.2017)

(Record Jet)
„Zynisch, ironisch, depressiv, euphorisch und hoffnungsvoll zugleich“, heißt es im beigelegten Zettel vom Label. Das sind alles Adjektive für die Texte die man durchaus so stehen lassen kann. Verpackt sind diese Texte in einer Mischung aus Alternative, Grunge und deutschsprachigen Punkrock. Die Musik ist mehr Rotwein als Dosenbier und mehr gutes Buch als olles Fanzine. Dennoch hat es in der Punklandschaft seine Daseinsberechtigung. Beim ersten hören gefiel mir das ganze so gar nicht. Als ich es einige Tage später noch einmal gehört habe gefiel es mir dafür um so besser. Einfach antesten. 3/Mark

Heiter bis Wolkig – punk manifesto / punk rock oper DLP (11.7.2017)

(Mad Butcher Records)
Punkkabarett…Ein Begriff, der mich vorab schon mal ordentlich schlucken lässt. Isses wirklich schon so weit gekommen? Punk und bürgerliches Kabarett? Im Ernst? Is es endlich soweit? Aber die Jungs kommen ja aus Köln und aus der Karnevalskultur heraus geht ja von je her immer ein wenig mehr ohne dafür gleich was aufs Maul zu bekommen…sic…jeder Jeck is eben anders…Darum hab ich wohl auch auf noch keiner Lederjacke gelesen: Heiter bis Wolkig und direkt darunter: schiess doch, Bulle….
HbW gibt es gefühlt schon seit hundert Jahren. Thomas Ohrner hat sich in den 80ern schon im Frühstücksfernsehen beim „Lied der Pünkte“ über die wüste Truppe gewundert (https://www.youtube.com/watch?v=7syKlvzmfYY) und eigentlich sagt das ja schon alles über die Grundausrichtung. Die Dead Kennedys hab ich persönlich jedenfalls noch nicht im Frühstücksfernsehen bewundern dürfen. So haben auch HbW im Laufe der Jahrzehnte viele Freunde gefunden, die sie supporten, wie z.B. Elf von Slime, der hier laut beigelegtem Heftchen alle Bässe und Gitarren eingespielt hat….Und aus irgendeinem Grund bin ich mir sicher: Es gab bestimmt auch Verhandlungen mit Campino….Aber der war wohl zu teuer und er kommt aus Düsseldorf…
Inhaltlich gibt’s hier auch wenig rum zu unken: Die meisten Sachen würde ich vorbehaltslos unterschreiben und in der Tat gibt’s hier auch launige Ansätze (forever Punk, kein Vaterland, angepisst, Nationalstolz….da haben sie schon Recht) aber: Kabarett ist doch eigentlich lustig und Punk will die Welt doch brennen sehen….und genau an dieser Stelle läuft das Konzept wohl ein wenig aus dem Ruder. Ich werde das Gefühl nicht los, daß sich dieses Album an Zahnärzte und Steuerberater richtet, die sich zu jedem Wochenende in den 80ern das Hackebeil an den Kopf geklemmt haben um zu demonstrieren: jaja…ich bin dabei…wo sind jetzt die Mädels? …Aber es nützt alles nix, wenn die Frisuren Scheisse sind und man insgesamt so glaubwürdig ist wie der Durchschnittsfernsehpriester auf Bibel TV….Und auch musikalisch ist auf der üppig ausgestatten Doppel Lp (Deutsche und Englische Version, Beilage Reclam(e)-Heftchen) alles im Lot,….doch: allein mir fehlt der Glaube…Sicherlich eine gute Investition für alle die seit den 80ern gern dabei gewesen wären aber immer nur auf dem Schulhof verkloppt wurden…für mich so überflüssig wie Fußpilz….aber, weil es ja gut gemeint ist: 4-……………Kai

The Fits – You´re Nothing, You´re Nowhere LP (10.07.2017)

(Mad Butcher Records)
The Fits hier re-released auf Mad Butcher ( original 1982 auf Rondolet veröffentlicht) bieten knallharten Oldschool Britpunk im Sinne von den frühen GBH, UK Subs und ähnlichem an, den auch John Peel seiner Zeit schon zu schätzen wußte – und das durchaus zu Recht…In den frühen 80ern hat nur eine Hand voll Bands so knallhart ihren Scheiss durchgezogen und auch bloß die Fits hatten die Frechheit, sich z.B. an Jumping Jack Flash von den Stones in dieser übellaunigen Art zu vergreifen. Ob das nun Hommage oder blanker Hass war vermag ich hier nicht zu beurteilen aber 13 Tracks in gerade mal 30 Minuten herunter zu gniedeln spricht `82 ja per Se schon mal für sich. Insgesamt auf jeden Fall ein Mörderalbum, mit dem die Band selbst seinerzeit nicht so glücklich war aber heute sicherlich für viele einen Meilenstein darstellt… In der Tat sicherlich ein Klassiker, der in der Mad Butcher Classics Reihe niemandem nach steht. Gute Wahl für Freunde der oldschool Hardcore Geschichten aus den späten 70ern frühen 80ern…alle andern können hier nur dazu lernen….2+………kaufen…………Kai

Bad Manners – Return of the Ugly LP (09.07.2017)

(Mad Butcher Records)
1989 im Original auf Blue Beat veröffentlicht von der für viele Engländer ultimativen Good-Times-Band der 80er überhaupt bekommt man hier hier wie auch schon auf den 8 Vorgängeralben einen Mix aus Hits (Skaville, Sally Brown, This is Ska), Coverversionen (Bonanza Ska) und diesen typisch Bad Manners immer knapp am Karnevalshit vorbeischrammenden „Stimmungshits“ (Rosemary, Return of the Ugly) serviert. Für mich nicht gerade ihr allerbestes Album im Vergleich zu den allerersten Veröffentlichungen, aber sicherlich eines der besseren von einer Band, die eigentlich immer eher eine Singleband war, wie sich zum einen an den unzähligen Compilations absehen läßt und zum anderen an den häufigen Platzierungen in den Britischen Singlecharts der 80er. Wer auf der Suche nach tiefgründigen Botschaften und besinnlichen Momenten ist, wird hier wie auch auf den meisten anderen der inzwischen etwa 20 Platten von Herrn Bloodvessel und seinen Mannen kaum fündig werden. Wer nach experimetierfreudigem, bisweilen überdrehtem, Second Wave Ska aus dem Umfeld der Twotone-Bewegung sucht, dem sei diese Schallplatte ans Herz gelegt. Von mir persönlich gibt es hier nur ne 3+ einfach, weil ich mich auf Dauer etwas schwer tue mit diesem Gute Laune-Dauerbeschuss und dem Top of the Pops Appeal der Band, die nach Alben wie „Ska `n`B“ oder „Gosh, it`s“ den anarchischen Geist der früheren Tage hier allmählich zu verlieren beginnt. Kai

Amplified Hate – Crossroads CD (03.07.2017)

(Deafground Records / www.deafground.net)
Die DEEZ NUTS der Berge? AMPLIFIED HATE aus dem Chiemgau wissen genau was sie wollen und wie sie klingen müssen. Artwork, Waschzettel, Produktion etc.: Alles sehr professionell, international gehalten. Hier sind keine verstrahlten Kids aus dem örtlichen JUZ zugange, hier wird Vollgas gegeben. Vor zehn Jahren gegründet, sportliche Live-Bilanz, zwischenzeitlich umbesetzt, mit AMPLFIED HATE ist zu rechnen. Interessant liest sich auch die Liste der lokalen Supporter/Sponsoren, „endorsed/powered by Washburn Guitars, Pyramid Strings, Steiner Bier, Autohaus Freilinger Obing“ etc. Zum Album…Fetter Hard Core-Sound ohne Makel, leider auch ohne (fast) ohne eigene Note. Die mächtigen DEEZ NUTS-Grooves, Mosh Parts und TERROR-Riffs tragen U.S. Brandings, neu sortiert im WISDOM IN CHAINS-Baukastensystem. Geht musikalisch problemlos in Ordnung, das Rad muß schließlich nicht neu erfunden, Vorlieben dürfen bedient werden. Alternativ: Ein Wiedererkennungswert kann auch textlich mächtig gesteigert werden. Ganz besonders wenn man etwas zu sagen hat. Die AH Texte haben erstaunlichen Tiefgang, kein Tough Guy/Bollo/Party-Gestammel, sondern höchst patente Gedanken und Ansagen. Kämpferisch, romantisch, wütend. Leider „lost in translation“ aka fremdsprachig . Wobei die Lösung nicht fern ist, Titel 12 macht es vor: Der (deutschsprachige) Gastpart von Matzo (TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN) im englischsprachigen (!) „Ihr seid nicht das Volk“ setzt einen würdigen und unerwarteten Schlußpunkt. Auch wenn es besser klingt und so fuckin’ cool ist: Wer hierzulande wirklich den Finger auf die Wunde legen möchte, ist mit englischem Texten nur holprig auf dem Fahrradstreifen unterwegs. Auf der linken Spur der Klartext-Autobahn wird nachwievor deutsch gesprochen. Der Promo-Waschzettel geht den richtigen Weg, erklärt „Crossroads“ auf deutsch: „Der Scheideweg zwischen Aggression und Alpenglühen..liegt im Chiemgau: Genau dort wo die Hütte brennt. Wo wütende Gangshouts von den Bergen hallen, druckvolle Riffs durch die Täler rauschen und es knallt, im Wald…“ PARADISE

DxBxSx feat. Egotronic, FCKR,Dyse – Deutschland Du mieses Stück Scheiße EP (01.07.2017)

(Bakraufarfita Records / www.bakraufarfita-records.de)
Ein Hit auf der letzten Platte von DxBxSx war definitiv „Deutschland du mieses Stück Scheiße“, ein toller Song über das, was an diesem Land stinkt. Hier kann man ganz ungeniert seinen Frust über Deutschland rausbrüllen, denn der Track ist auf keinen Fall hol, sondern bringt die Probleme auf den Punkt. Diese schicke Vinyl-Single zauberte daher ein breites Grinsen auf mein Gesicht, denn gleich vier Bands haben sich hier diesem Stück angenommen. Neben dem Original von DxBxSx geben sich noch FCKR, EGOTRONIC und DYSE die Ehre. Eine bunte Mischung also aus Punk, Noise und Elektro. Hier kommt keine Langeweile auf und man wird nicht müde, ein und denselben Track immer wieder zu hören. Das Cover stimmt auch und versprüht einen dem Titel entsprechenden Charme. An dieser Platte gibt es einfach nichts zu meckern und somit möchte ich nicht lange rumschwafeln und eine klare Kaufempfehlung aussprechen! Note: 2+ East Side Daniel

Fuzzy Vox – No Landing Plan LP (29.06.2017)

(Kidnap Music)
ZweitesALbum der französichen Garage-Punk Band FUZZY VOX. Das Pariser Trio schafft es problemlos den 60er Garage Sound rüber zu bringen. Um das ganze aber wirklich genießen zu können, muss man den Regler der Anlage aber schon voll aufdrehen. Songs wie der Opener „Explosion of Love“ oder der Song „I got a Girl“ treffen bei mir voll ins Schwarze und machen ne ordentliche Portion gute Laune. Daumen hoch! 2+/ Mark

Authority Zero – Broadcasting To The Nations LP/CD (27.06.2017)

(Bird Attack Records)
Über den Namen „Authority Zero“ bin ich schon unzählige male gestolpert aber wirklich bewusst wahrgenommen habe ich die 1994 gegründete Band nicht. Beim anhören ihres nunmehr 6. Albums habe ich allerdings schon das Gefühl die Stimme und den Sound in der Form oder einer ähnlichen schonmal gehört zu haben. Klingt alles durchaus vertraut und geht gut ins Ohr. Einzig die Songs mit Ska- undReggaeeinfluss enttäuschen mich etwas. Die reinen Punk Nummern, die ’nen leichten Skate-Einschlag haben überzeugen mich hingegen um so mehr. Sehr abwechslungsreich und schönes Album. Wer auf frischen Amipunk mit Ska Einfluss steht kann hier eigentlich nicht viel verkehrt machen. 2-/ Mark

The Establishment – Underachieves 7” EP (19.06.2017)

(Aggrobeat / www.aggroshop.com)
Mit The Establishment gibt es die letzte Besprechung von Veröffentlichungen aus dem Hause Aggrobeat. Die Mitglieder der Band haben schon einige Jahre in der niederländischen Punk / Hardcoreszene hinter sich, waren unter anderem bei Bands wie Born From Pain oder Brat Pack aktiv. Das hört man den 6 Songs auch an, das Level wird konstant gehalten, der Druck und die Härte auch. Härte deshalb, weil die Musik sehr hardcorelastig ist. Die Band spielt eine Mischung aus Hardcore und OI!, Warzone meets The Business oder so ähnlich. An Bands wie Down For Life, die denselben Stil pflegen kommen sie nicht ganz ran, aber Arsch treten tun sie allemal. Die Auflage beträgt nur 300 Kopien, davon 150 in schwarz und 150 im marmoriertem Weiss! 2- sickguy77

Eat/Read/Sleep – s/t LP (17.06.2017)

(Kidnap Music / www.kidnapmusic.de)
Also mein Lebensmotto ist eher „eat – sleep – go fishing“, aber gegen ein gutes Buch hab ich auch nichts einzuwenden. Gegen eine gute Platte übrigens auch nicht und ob „Live Slow // Die Whenever“ zu dieser Sorte gehört, galt es herauszufinden. Nach den ersten Hörproben muss ich zugeben, dass, wenn ich eine CD zugeschickt bekommen hätte, mein Review wohl eher schlecht ausgefallen wäre. Wenn ich aber ein schickes Vinyl in der Post finde, wird eben auch noch eine Runde mehr auf dem Plattenteller gedreht. Bei EAT//READ//SLEEP hat sich das auch ein wenig gelohnt, denn ihre Debütscheibe bietet keine herausragende, aber durchaus gute und unterhaltsame Musik. Das Label schreibt hierzu: „Zu hören ist nun profund dargebotener Punk Rock mit Synthi, abwechslungsreich, bisweilen auch ausgefallen. Hinzu kommen stark rockige Elemente, immer mit Fokus auf Melodie, furchtlos poppige Momente und die ein oder andere 90er Reminiszenz.“ Da haben sie mir doch glatt die Worte aus dem Mund genommen, denn genauso hätte ich es beschrieben – haha. Aber Spaß bei Seite, das trifft es, auch wenn zu ausschweifend beschrieben, ganz gut. Durch diese Vielzahl an Einflüssen ergibt sich ein relativ eigenständiger Sound, den ich, dass muss ich zugeben, so schon lange nicht mehr gehört habe. Nicht ganz mein Ding, aber durchaus reizvoll. Völlig im Kontrast dazu steht das Cover, dass ich – gelinde gesagt – echt nicht gelungen finde. Im Gegensatz dazu steht der Gesang von Helen Runge, der super zum knackigen Sound passt und sich von der breiten Masse abhebt. Insgesamt also eine durchschnittliche bis gute Platte, bei der ich mir aber ganz sicher bin, dass es viele geben wird, die es abfeiern werden. Verdient hat es das Album. Note: 3+ East Side Daniel