Category Archives: Reviews A-I (Archiv)

The Busters – Straight Ahead CD (22.12.2017)

(www.tehbusters.com)
Im 31. Jahr Bandgeschichte präsentiert hier Deutschlands Ska Band der ersten Stunde (in Wiesloch – irgendein Kaff bei Heidelberg, wo sie her kommen waren sie sicherlich die ersten) ihr etwa 20stes Album. Und ich nehme es direkt vorweg:… die marginalen Änderungen in der Besetzung haben im Vergleich zu den 19 Vorgängern wenig Einfluß auf den seit den 80ern gesponnenen roten Faden. Zwar verteilen die Busters ihre Musiker seit jeher wie der Nikolaus die Nüsse in aller Welt und es gibt von daher gewisse Fluktuationen im Personal, doch schmälert das in keinster Weise die Kernkompetenzen dieser 11-Mann-Maschine…Wieder ein Album, auf dem ich z.B. bei Nummern wie „love and prayer mania“ dieses 1980er Madness – Shufflepiano höre und mich frage: warum macht so was keine Sau mehr? (Außer vielleicht Buster Shuffle, denen schon wegen des Namens nix anderes übrig bleibt….) Darüber hinaus fällt die Platte wie gewöhnlich eher …nunja..typisch Busters aus… bei den Oldschool ,Twotone und Reggae-Nummern funktioniert die Band traditionell ganz großartig, aber leider versickern sie wie viele ihrer Mitstreiter aus Deutschland mitunter in einem gewissen Gottlieb Wendehals Gute Laune Kirmes Twang, der mich speziell bei den Busters nervt, weil ich seit Alben wie z.B. „Revolution Rock“ weiß, daß sie es besser können…Natürlich ist das alles wieder grundsolide und es sind neben „love and prayer“ einige Tracks dabei, die ich vor 30 Jahren auf ein Mixtape gepackt hätte…aber dem ganzen Album hätte ich beim besten Willen keine Cassettenseite geopfert…Ich mag die Busters wegen unzähliger Songs in ihrer Karriere,sie sind Urgesteine und einfach ne tolle Band, habe aber auch hier wieder Probleme zu sagen: Ganzes Album toll….Man muß ihn mögen , den deutschen Ska…Was ist denn an Moll so Scheisse? Warum zwischendurch immer dieser Sangria-im-Eimer-Sound? ….Aber gut….trotzdem….2- isses schon…objektiv….für Skavielhörer….und man muß es schon zugeben: im internationalen Vergleich können hierzulande nur wenige so mithalten – und schon gar nicht so lange….Kai

Darius Koski – What Was Once Is By And Gone CD (20.12.2017)

(Fat Wreck Chords)
Der Name des Künstlers „Da Ruis Koski“ klingt für mich schon ein wenig wie ein Schriftsteller oder auch Philosoph von damals.Das Album kommt in einem coolen Artwork, mit vielen kleinen Karikaturen & Bildern. Kann auf jeden Fall schon optisch überzeugen. Aber was steckt dahinter??? Hier kommt Country Musik, die sich sehen lassen kann. Tiefsinnig, melodisch und auch manchmal sentimental. Dieses Album könnte für mich auch voll und ganz, als Filmmusik durchgehen. Man hat richtig Bilder im Kopf, wenn man diese Songs hier hört. Hier ist Leben und Leidenschaft drin, die man oft suchen muss. Vielleicht ist hier ein neuer Johnny Cash geboren? Auch wenn der Stil etwas anders ist, kann dieses Album mit den Alben von damals locker mithalten. Note 1 David

Der klassische Punk – Eine Oral History Buch (19.12.2017)

(Klartext Verlag / ISBN 9 783837 517040)
Was ist eigentlich so eine „Oral History“? Wikipedia sagt dazu: „Oral History ist eine Methode der Geschichtswissenschaft, die auf dem Sprechenlassen von Zeitzeugen basiert. Dabei sollen die Zeitzeugen möglichst wenig von der/dem Historiker/in beeinflusst werden.“ An dieser Definition zeigt sich schon, dass hier ist keine leichte Lektüre. Es ist eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas, um als Grundlage für weitere Arbeiten zu dienen oder einfach nur als Lesestoff. Im Speziellen legt der Schreiber sein Augenmerk auf den Düsseldorfer Raum, in der Zeit von 1977 bis 1983. Wahrscheinlich war diese starke Eingrenzung notwendig, um so ein ambitioniertes Vorhaben anzugehen, schließlich wollen weit über 500 Seiten erst einmal befüllt werden. Als ich mich dann daran machte, mir das Werk vorzunehmen, merkte ich schnell, warum ich solche Bücher während meines Studiums nicht gerade geliebt habe. Der Beginn dreht sich hauptsächlich über die Methodik etc. und verdirbt mir schnell den Spaß am Lesen. Dass so etwas in solch eine Arbeit hineingehört ist mir klar, aber mögen muss ich es trotzdem nicht. Nachdem ich diesen Teil aber geschafft habe, indem ich zugegebenermaßen ein paar Seiten übersprungen habe, folgten die Abschnitte über die Protagonisten. Salvio Incorvaia stellt einige Beteiligte und ihre Geschichte vor. Dieser Part ist definitiv spannender und informativer. Aber so richtig warm werde ich auch mit diesem Teil des Buches nicht. Die Art und Weise, wie die Interviews aufbereitet werden, gefällt mir nicht wirklich. Es werden lediglich Bruchstücke in Texte eingefügt und somit ergibt sich für mich kein echtes Bild des Interviewten. Aus meiner Sicht sollte man dem Buch aber dennoch eine große Wertschätzung entgegenbringen, denn wer sich so intensiv mit einem Teil der (Punk)Geschichte beschäftigt, verdient Anerkennung. Für kommende (akademische) Generationen wird dies hier sicher eine gute Lektüre sein, ob man es allerdings als „Normalsterblicher“ heutzutage komplett lesen muss, wage ich zu bezweifeln. Note: 3 East Side Daniel

The Cable Bugs – Have a ball CD/LP (13.12.2017)

(Wolverine Records)
Die deutsch-belgische Band Cable Bugs gibt es seit 2002 und hat wie fast jede Band mit Höhen und Tiefen zu kämpfen (Besetzungswechsel/Schaffenspausen). Geboten werden 13 Songs incl. einem Roy Brown Cover „Black Diamond“. Locker flockiger Rockabilly trifft wilden Rock’n’Roll der Spaß macht und gut durchläuft. Die Cable Bugs sind mal langsam, mal schneller unterwegs, wobei mir die schnelleren Parts/ Nummern besser gefallen. Im Beipackzettel steht was von einem gnadenlosen Kontrabass und das unterstreich ich nur zu gerne, der knallt hier richtig fett. Der Rest der Band versteht allerdings sein Handwerk mindestens genauso gut. Rhythmisches Schlagzeug, treibende Gitarre und ein lässiger Gesang. Perfekter Soundtrack zum Kaffee nach einer durchzechten Nacht, um die müden Knochen wie in Schwung zu bekommen – ganz der Devise „Have A Ball“ eben. -nasty-

Fingers To The Bone – Burning It Down CD (07.12.2017)

(Indelinum Records)
Indelirium Records, das Label, das auch schon die gute Scarfold Cd rausgebracht hat, haut mit Fingers to the Bone gleich noch eine weitere gute Band raus. FTTB kommen aus Bologna, haben einen amerikanischen Sänger und orientieren sich auch soundmäßig an der Ostküste. Geboten bekommt man auf „Burning it down“, dem Debut, der erst seit 2016 bestehenden Band, fett produzierten, recht schnellen Hardcore, der auch aus New York kommen könnte. Sechs Songs lang geht es ordentlich nach vorne, nur „Neversleep“ ist irgendwie komisch, weil schräg disharmonisch. Passt aber schon rein, man muss dem Hörer auch mal eine Pause gönnen. Meine Anspieltipps sind „The Thread is real“ und „Burning it down“. Kompakte Platte mit genügend Abwechslung, die ruhig noch ein paar Stücke mehr vertragen hätte. Wer flotten, metallischen Hardcore ohne Gewimmer und Kreischvocals mag, sollte reinhören. 2- ROLAND

GHOSTSTREET “Stagnation in Trümmer” CD (07.12.2017)

(Oeldewood Records)
Gab es jemals eine wirklich authentische Hardcore Punk Band? Klar…AGNOSTIC FRONT fällt einem sofort ein. Aber bei vielen anderen Bands „scheint“ es doch eher so zu sein, das bei genauerer Betrachtung der „Schein“ doch wesentlich größer ist als das „Sein“. Bei GHOSTSTREET aus Oelde (was zwischen Dortmund und Münster liegt) habe ich das Gefühl, dass ich eine der echten Hardcore Bands zu hören bzw. zu sehen bekomme. Wobei sich Band einen Dreck schert ob sie eine „echte HC Band“ sind oder nicht. Da wird nicht auf hart oder derbe markiert um irgendwo irgendwelche Pluspunkte zu sammeln, sondern die vier Jungs verhalten sich einfach nur so wie sie selbst im tagtäglichen Leben sind. „Jungs“ ist vielleicht nicht ganz richtig ausgedrückt, denn sie sind alle bereits um die 40 Jahre alt und spielen bereits in Bands seitdem sie selbstständig Bierdosen aufmachen können. Das neue Album von GHOSTSTREET fängt mit der Ansage an: „Wenn Ihr das hier gehört, dann gehört Ihr zum Widerstand!“. Dieser Satz ist mehr als wahr, denn der weitere Inhalt des Songs „Der Eintrag“ ist fast schon hoch philosophisch zu sehen, da es im weiteren heißt: „Du und ich, wir sind der Eintrag in die Datenbank, welche das Minus speichert, die Überflüssigkeit“. So wird man vom System gesehen, wenn man nicht mit-schwimmt und es wagt anders zu denken und zu handeln. Insgesamt halte ich die Texte von Sänger Teasy für außergewöhnlich gut und anders. Nicht nur auf dem neuen Album „Stagnation in Trümmer“, sondern auch schon auf dem Debüt Album „Ihre Agenda“ von 2012. Sänger Teasy hat eine andere Art und Weise seine Texte zu schreiben, die ich für sehr inhaltsstark halte, die oftmals exzellent formuliert sind, zudem bringt er die Themen immer knallhart auf den Punkt. Texte zu Songs wie „Bluthund“, „Knüppel & Tritte“, „Lifestyleleichen“, „In den Ruin“ als auch der Titeltrack „Stagnation in Trümmer“ sind richtige Schwergewichte, die man erst mal sacken lassen muss, bevor man anfängt vor Wut über die Ungerechtigkeiten unserer Welt zu randalieren! Musikalisch fahren GHOSTSTREET ebenfalls einen sehr eigenen Stil. Ganz grob gesehen kann man die Musik als Punk bzw. Hardcore Punk bezeichnen, aber sie biedern sich nirgends an. Sie können es dem Zuhörer zielmich derbe, schnell und ganz hart besorgen, können aber genau so gut im langsamen oder mittelschnellen Tempobereich zulangen. Während andere Bands auf seit langen Jahren bewährte Stilmittel zurückgreifen (wie z.B. bei den Breaks), ziehen GHOSTSTREET ihren eigenen Stiefel durch und verwenden musikalisch auch mal einfache Lösungen, die nicht hübsch auf gelackt getrimmt sind und die man erst einmal aushalten muss. Die Songs hier auf der CD sind kein Schnick-Schnack, sondern purer Ernst! Es hieß doch mal irgendwo, dass „Punk wieder zu einer Gefahr werden soll“. Das sie bis unter die Halskrause tätowiert sind….geschenkt. Das machen sie heute doch alle. Dicke Hose und großes Maul. Aber wenn es auf hart kommt, hört man meist nur ein „Mimi-mi“. Bei GHOSTSTREET ist es anders. Findet es heraus! Hört Euch die CD an oder schaut Euch eines der Konzerte an. Dann werdet Ihr auch zu den Wissenden gehören! Mir gefällt die neue CD sehr gut, weil mir vor allem die Leute gefallen. Die stehen für etwas ein, das ich ebenfalls voll vertreten kann. Helge Schreiber

Choke On Me – Brain Freeze CD (04.12.2017)

(www.chokeonme.com)
Die letzten Wochen lagen immer eine Handvoll CDs auf meinem Schreibtisch, die nach und nach von mir „abgearbeitet“ wurden. Aus irgendeinem Grund schob ich „Brain Freeze“ vor mir her, was sich im Nachhinein betrachtet als kleiner Fehler rausstellt. Von insgesamt sieben Songs haben drei Hitpotential und die restlichen vier würde ich immerhin als gehobenen Durchschnitt betrachten. Die Band zu beschreiben fällt richtig schwer und sie in eine Schublade zu packen ist gar unmöglich. Hier von abwechslungsreich zu sprechen, ist stark untertrieben. Los geht es mit einem 54 sekündigen (Hardcore-)Punk-Gewitter, das direkt von einem 77er-Punkrock-Kracher abgelöst wird (erster Hit). Anschließend wird es dann zuckersüß mit einer Power-Pop-Granate erster Güte – „Shit talking youth“ (zweiter Hit). Erinnert mich stark an einige Veröffentlichungen auf Damaged Goods aus den 90ern. Großartige Melodien treffen auf tollen, umschmeichelnden Frauengesang und klasse Gitarrensound, irgendwo zwischen Garage und Pop. In die gleiche Kerbe schlägt „Love, I’ve never known“ (dritte Hit), nur noch einen Zacken besser. Bei den anderen Songs geht es dann wieder härter zur Sache, die durch den überwiegenden Männergesang insgesamt rauer wirken. Diese extremen Unterschiede zwischen den einzelnen Stücken machen es einem nicht gerade leicht, denn es fehlt der rote Faden, um die Platte sauber in einem Stück gut durchzuhören. An ihrer „harten Seite“ muss die Band noch arbeiten, aber in den poppigen Momenten gefallen mir CHOKE ON ME richtig, richtig gut! Note: 2- East Side Daniel

Darius Koski – What Was Once Is By And Gone CD (02.12.2017)

(Fat Wreck Chords)
Der Name Darius Koski sagte mir zuerst gar nichts, so das ich im Internet recherchieren musste. Musikalisch ist er nicht unvorbelastet, denn er ist der Songschreiber und Leadgitarrist der Swingin` Utters und deren Ableger Filthy Thieving Bastards. Das sind beste Voraussetzungen für beste Musik, aber beim Betrachten der CD, mit einem sehr geilem Cover versehen, und dem Wissen, das es sich um ein Soloalbum handelt, beschleicht mich die Befürchtung, das sich da jemand als Liedermacher versucht. So ist es dann auch, nach den ersten Klängen der Openers ‚Black Sheep‘ ist klar, das es dann auch so ist. Darius Koski deckt die ganze Bandbreite an Einflüssen des US-Amerikanischen Folk- und Songwritergenres mit seinem zweiten Soloalbum ab. Egal ob Country, Rockabilly, Gospel, die Einflüsse sind vielfältig und spiegeln sich in den Songs wieder. Genau so vielfältig wie die Einflüsse ist auch der Musiker. Alle Instrumente wurden von Ihm eingespielt, egal ob Banjo, Gitarre, Piano, Orgel, selbst das Glockenspiel findet sich in der Aufreiung der von Ihm betätigten Instrumente wieder. Schade nur, das ich persönlich solche Musik langweilig und anstrengend finde und so keinen Bezug zu dieser CD habe. Es gibt ja auch gerade im Bereich Punkrock mehr als genug Leute, die so etwas hören, ich nun mal nicht. Sickguy77

Grai – Ashes CD (01.12.2017)

(Noizgate Records)
Mit dem Album „Ashes“ der russischen Band Grai ist mir eine ziemlich ungewöhnliche Scheibe zum rezensieren ins Haus geflattert. Die Sechsertruppe aus der Republik Tatarstan im Osten Russlands steht ihres Zecihens für eine facettenreiche Mischung aus filigranen Folkloreklängen und druckvollem Metal. 2005 gegründet, können GRAI bereits auf eine EP und drei Alben, sowie zahlreiche Festivalshows, europaweite Tourneen und Konzerte an der Seite von Größen wie Arkona, Dalriada oder Alestorm zurückblicken. Dabei kombinieren Irina Zybina (Gesang), Ruzel „Ruzveld“ (Gitarre), Aliya „Leta“ (Flöte, Dudelsack, Gesang), Yuri „Sadist“ (Bass, Growls, Kaljuka), Vitold Buznaev (Gitarre, Growls) und Ilnur (Drums) „klassische“ Metal-Elemente wie bretternde E-Gitarrenriffs, fette Drums und harte Growls mit traditionellen Folklore-Instrumenten und klarem, oft mehrstimmigem weiblichem Harmoniegesang. Die Texte sind komplett auf russisch gehalten. So gestaltet sich auch ihr viertes Album „Ashes welches mir vorliegt, und welches musikalisch ganz gut gemacht ist. Persönlich ist das Genre nicht so wirklich mein Fall weshalb es mir schwer fällt mich zu einem wirklichen Urteil über das Schaffen dieser Musiker aus der kalten Heimat hinreißen zu lassen. Qualitativ ist das Ganze gut gemacht, von daher wird es Hörern die Fans jenes eigenwilligen Genres sind sicher gefallen. Von mir vor diesem Hintergrund eine 4 / ausreichend Gereon

GBH – Momentum CD (22.11.2017)

(Epitaph)
Zu den englischen Punk-Urgesteinen muss man glaube ich nicht mehr viel sagen. Von Ihren, seit 1978 veröffentlichten 11 Alben und unzähligen Singles, sind heute einige (speziell die ersten beiden) absoluter Kult und haben seit dieser Zeit eine Menge Einfluss auf Punkbands überall auf dem Globus und haben das Genre Hardcore-Punk maßgeblich beeinflusst und mitgestaltet. Im November 2017 gibt es also das nächste Album mit dem Titel: Momentum. 12 Songs die mir beim ersten Durchlauf schon gut gefallen und auch beim erneuten hören nicht weniger zu begeistern wissen. Solider U.K Hardcore Punk mit Metalkante, wie man ihn erwartet. Nicht so geil und in den Ohren hängenbleibend wie die ersten Alben, aber ein wenig besser als die letzten. Ich fand es Klasse und mir gefallen GBH auch in 2017 immer noch. 1- / Mark