Category Archives: Reviews S-Z (Archiv)

T.S.O.L. – The Trigger Complex CD (20.02.2017)

T.S.O.L sind schon ewig und drei Tage dabei, gehörten zu der Welle Westküstenpunkbands, die auch Bad Religion oder Social Distotion an Land geschwemmt hat. Komischerweise habe ich denen aber nie große Beachtung geschenkt. Die Band hat regelmäßig platten veröffentlicht und getourt, war mir aber irgendwie egal. Letztes Jahr habe ich sie dann auf dem Ruhrpott Rodeo gesehen und sie haben mich umgeblasen. Sie hatten nur 30 Minuten Spielzeit und haben dermaßen Vollgas gegeben, dass nicht wenigen im Publikum der Mund offen geblieben ist. Punk wie er sein soll. Großartig, und hat (endlich) auch meine Sympathie für die Band geweckt. Jetzt, 2017, eine neue Lp und die erste, mit der ich mich konzentriert beschäftige. Ich muss sagen, es macht Spaß. Energetischer Punkrock, mit guten Chören und dezenter Orgel im Hintergrund. Mal rotzig, mal Poppig, aber immer schmissig. Leichte Anklänge von Social D., etwas Misfits düster Touch, fertig ist ein tolles Punkalbum. 13 Songs hauen einem die gestandenen Männer um die Ohren und nicht einer ist langweilig. Anspieltipps, wenn die überhaupt nötig sind, sind für mich „Sometimes“, Nothing ever lasts“ oder „You´re still the same“. Tolle, abwechslungsreiche Scheibe, sollte man mal gehört haben. 2 ROLAND

val sinestra – Unter Druck Digi Pack CD / LP (15.02.2017)

(Concrete Jungle Records)
Debütalbum der vierköpfigen Berliner Band. Die Band selbst bezeichnet ihren Sound als „Hardocre Rock ’n‘ Roll“. Ich würde die Musik allerdings eher als schnörkellosen und sehr gelungenen Mix aus Punk, Rock und Hardcore bezeichnen. Aber lassen wir diesen Genre-Quatsch mal außen vor. Was mir hier besonders gefällt, ist dass die 11 Songs auf deutsch sind und dabei frei von Parolen und Plattitüden. Stattdessen ist man kritisch mit seiner Umwelt und teils politisch. Mir hat die CD beim zweiten durchlauf sogar noch besser gefallen als beim ersten. Gerne mehr davon. 2-/Mark

Strg Z – Laune der Zeit 7“ + DL (09.02.2017)

(www.still-unbeatable-records.de)
In letzter Zeit lief mir der Name der Band des Öfteren über den Weg und ich fragte mich jedes Mal, wie zum Teufel spricht man die eigentlich aus? Das weiß ich bis heute nicht genau, aber zumindest habe ich jetzt schon mal eine Platte von den Jungs vor mir liegen. Optisch macht die Vinyl-Single einiges her und versprüht aus jedem einzelnen mm² ihres Covers und aus jeder einzelnen Rille den Oldschool-Punkrock-Charme der Anfangszeit. Manchmal gemischt mit 80er New-Wave-Elementen ergibt das einen Sound, der nicht unbedingt super kreativ ist, aber altbewährt und immer wieder Spaß macht. Bei „Egokarussell“ klingen die vier dann völlig unverhohlen nach THE CLASH und runden die EP damit mehr als würdig ab. Inhaltlich haben die Dresdner auch einiges zu sagen, so dass sich das Hinhören ebenfalls lohnt. Alles in allem bietet „Laune der Zeit“ von STRG Z vier Mal intelligenten, melodischen 77er Punkrock auf einer limitierten Single (200x schwarzes und 100x weißes Vinyl), die man sich durchaus zulegen kann. Note: 2 East Side Daniel

Walter Subject – Just Dance Like Nobody´s Watching! CD (03.02.2017)

(7us music)
Hier wird wieder eine Platte mit Rock’n’Roll angekündigt, ich weiß einfach nicht mehr, ob das der neue Rock’n’Roll von heute sein soll oder ob man sich einfach nur vertan hat.Die CD ist für mich eine reine Indie Platte, mit elektro Einflüssen. Man weiß noch nicht so richtig wo man hin will kommt es mir vor. Mal klingt ein Lied nach Mando Diao, ein anderes dann wieder nach Depech Mode. Man erkannt einfach keinen Faden wohin es gehen soll. Hauptsache alles schon popig.Es ist keines Wegs mega schlecht und den ein oder anderen gefällt bestimmt was er hier zu hören bekommt. Für mich ist es leider nichts… Note: 4 David

Slam # 89 (24.01.2017)

(www.slam-zine.com)
Das Wiener ALTERNATIVE MUSIC MAGAZINE (Offizieller Untertitel) mit seiner 89. Ausgabe. Anfänglich (est. 1994) noch verstärkt im Sektor „Hardcore und Punk“ unterwegs, hat man mittlerweile eine ganz erstaunliche Bandbreite aufgezogen und zielt offensichtlich auf ein recht weitgefächertes Klientel. Die Karawane ist weitergezogen, die Genres „Heavy Metal“ und „Independent/Alternative“ sind (mal wieder) die angesagten Trend-Sportarten und so geht es beim SLAM dann auch extrem quer durch den Gemüsegarten: Von METALLICA zu den PIXIES, Zwischenstopp: Patti Smith, DKM, GOTTHARD, KVELERTAK, MIOZÄN und PLACEBO. Alles was derzeit ein neues Album veröffentlicht hat bzw. auf Tour ist. Pay to write, Payola-Prinzip in der musikalischen Schreibstube. Promo makes the world go round und das ist auch gut so bzw. mittlerweile eine betonierte Gesetzmäßigkeit. Interessanter als die üblichen Verdächtigen sind aber die kleinen Nebenschauplätze, hier wird der Horizont ordentlich erweitert. Man erfährt u.a. : „Mittekill, das ist das avantgardistisch progessive Projekt des Berliners Friedrich Greiling, der mit Hilfe verschiedenster Helfer ausgefallene Electro-Music fabriziert“. Oder dass es eine Band gibt, welche sich nach Walter Sobchak („Big Lebowsky“) benannt hat: WALTER SUBJECT. Oder dass das zweite Album von AC ANGRY aus Saarbrücken „Appetite for erection“ heißt. Blätter, blätter…OVERKILL aus New York gibt es auch noch und im VERLAG NICOLE SCHMENK ist ein Buch über Peter Steele erschienen. Ansonsten: Viel Werbung, viel bunt. Sehr großzügiges Layout. Wer hier nichts mehr erkennt, braucht keine Brille sondern einen Schäferhund. Was aber wirklich fehlt, ist das Herzblut, die Leidenschaft. Insgesamt zu glatt, zu steril, zu unpersönlich. Wo im OX altgediente Scenester leidenschaftlich, nebenberuflich und unbezahlt den Helden ihrer Jugend ein Sprachrohr basteln, regiert im SLAM schnöde Professionalität. Und auf Herzblut hat keineswegs nur die HC/Punk-Sparte den Alleinvertretungsanspruch, man erinnere sich nur wehmütig an METAL HAMMER und ROCK HARD in den 80ern: Hier wurde leidenschaftlich durch die Lederweste transpiriert, mit inbrünstiger Begeisterung plus Sachverstand und Fandom Kapelle XY durch die Deckegejubelt. Rundum eine packende Lektüre gewesen, auch wenn die betreffenden Bands komplett uninteressant waren bzw. am eigenen Musikgeschmack meterweise vorbeipatroullierten. Fazit: Eine eigene SLAM-Note, von mir aus auch mehr „Schmäh“, wären ein großer Schritt aus der relativen Beliebigkeit. Alle kann man nicht glücklich machen, vielleicht doch wieder mehr auf die eigene DNA, das Kerngeschäft, konzentrieren? Pekunäres Trostpflaster: Der Preis von 4,90 für 120 Seiten, CD inklusive, geht schon mal in Ordnung. PARADISE

Split: 7er Jungs / Bonecrusher Split 7″ (09.01.2017)

(Contra Records / Bezirk 7 Records)
Bonecrusher (USA) hier mit 2 Tracks aus ihrer stärkeren Frühphase um 97/98 herum. Beide Songs hier vom viel gelobten „working for nothing“ Album. Wer Bonecrusher kennt, bekommt auch genau das geboten. Die 7er Jungs, wie schon in den letzten Jahren immer häufiger, hier mit 2 Hass-Granaten passender Weise auf englisch „eingesungen“, den Veteranen von B.C. insgesamt durchaus ebenbürtig. Alles in Allem eine Ep mit dem Zeug zum Kultobjekt auch in limitierter Buntvinyl-Ausgabe…allzu riesig ist die Auflage ( mit Textblatt!!!) vermutlich nicht…Freunde des gepflegten Knüppel-aus-dem-Sack Oi! Streetpunks werden in jedem Fall ihre helle Froide haben. Feingeistern und Liebhabern der eher leiseren Töne sei hier abgeraten. Von mir ne 2……..Kai

Toxic Nation – Doomsday EP (29.12.2016)

(Steeltown Records / www.steeltownrecords.de)
Giftige Weltuntergangs-Stimmung made in Quedlinburg…Personell handelt es sich bei TOXIC NATION um die ISOLATED-Crew (Sänger+Saiten-Instrumente), aufgestockt durch den MY OWN LIFE-Drummer. Zuviel Tagesfreizeit oder die sprichwörtlichen Hummeln im Arsch? Das Logo-Lettering erinnert zunächst an TOXIC HOLOCAUST, VOIVOID & Co….Zackige Blitz-Buchstaben in 80er Trash-Tradition. Ob auf dem Cover eine Invest-Ruine in Eisenhüttenstadt oder der Atom-Meiler von Tschernobyl abgebildet ist, kann man nicht mit Gewißheit sagen. Aber es passt gut zum Thema „Doomsday“. Zerstörung, Apocalypse, Tag des Jüngsten Gerichts. Textlich geht man dazu passend recht düster-negativ zu Werke, englisch wird „Hate, „Insomnia“ und „Action speaks louder than words“ besungen, deutsch befasst man sich mit „Weltschmerz“. Der versprochene „Mix aus Thrashmetal, Doom, Sludge, Stoner Rock, Punk und Hardcore“ kommt (gottlob) nicht so massiv und vielspurig zum Einsatz, soll wohl nur der Groboriertierung dienen. Die vier Songs könnte man dann auch etwas weniger ambitioniert als Trashmetal (Version: PANTERA)/Hardcore (AF „One Voice“-Style)-Mix mit PRO-PAIN/BIOHAZARD-Groove und Stoner-Sympathien umschreiben (Gitarrist Fuxer hat unter Umständen 1-2 Alben von FU MANCHU oder QOTSA im Schrank stehen). Die Ausführung gestaltet sich recht flüssig und straight, eine verquaste Kopflastigkeit exaltierter Stoner-Endlosigkeit bleibt uns erspart. No sleep til Doomsday…Extrem professionell eingespielt, satt produziert. Sportliches „All School“-Brett in 12 Minuten. PARADISE

Split: Distance / Isolated . Hardcore Brotherhood Lp/CD (27.12.2016)

(Steeltown Records / www.steeltownrecords.de)
Hoppla! Erstens kommt es anders und zweitens als der Waschzettel suggeriert…Nicht das Buch nach dem Einband beurteilen undsoweiter. Hier langweilt nicht die erwartete Hausmannskost aus Klischees und Stereotypen, sondern es erfrischen zwei dynamisch-zackige Darbietungen. DISTANCE aus Hradubice, CSR. Eröffnen zügig mit flinkem Riff und peitschenden Drums. Kommt auf schön schlankem Fuß, sportlich-schnittiger Sound. Hard driving, yet melodic/catchy. Lief Anno Zopf unter „Positive Hardcore“, Referenz: MINOR THREAT, H2O, 7 SECONDS, TOKEN ENTRY. Der Opener „Behind your mask“ flitzt elegant zwischen den Tempi vor und zurück, der Refrain kommt partiell bekannt vor, das Original liegt auf der Zunge. Klingt wie…? Und verschwindet wieder. So muß es sein. Versatzstücke im Puzzle-Style ohne Kopierfunktion, Hardcore-History als Motivation und Orientierung. Den Blueprint richtig gelesen. Und verstanden. Posicore muß 2017 nicht altbacken klingen. 4 Songs. Englischer Text. Schönes Brett! ISOLATED sind „Q-Town Punx“. Brennende Mülltonne im Harz? Aufatmen: Nicht der erwartete NYHC-Clone. This is Quedlingburg/Sachsen-Anhalt, not New York City. College Font-Lettering und Brotherhood-Attitude führen in die Irre. Nope. Hier wird privat viel Metal gehört. Fette Riffs, filigrane Leads. Zeitgemäßes Update der End 80er Crossover-Welle. Kein Metal-Core. Recht ungewöhnlicher Gesangsstil. No Tough Guy-Gegrunze oder 08/15 Gebelle, eher ein gepresstes Roger Miret Style-Shouting. Nur intensiver. Intensiv ohne Screamo. Angepisst, leidenschaftlich aus voller Kehle. Zwingend. Hat erhöhten Wiedererkennungswert. „Wir haben immer noch diese Wut im Bauch“. Hört man. Es wird deutsch gesungen. Deutsche Texte machen den Unterschied. Schon beim Turmbau zu Babel wußte man: Wer etwas zu sagen hat, sollte die Sprache der Zielgruppe auf dem Textblatt haben. „Zeichen der Zeit“ wird mit Matzo von TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN eingesungen, gekonnte Kür, macht Sinn. Namedropping außen vor. „Skate or die“ brettert unterhalb der Minutengrenze durchs Beet, „flammende Räder“ machen halt keine Gefangenen. Geil! Hätte schon 1986 exzellent auf ein THRASHER Compilation-Tape gepasst. „Wenn der Himmel brennt“ ist kein SLIME-Cover, schlägt aber textlich eine ähnliche Gangart an. 5 Songs. Mit 22 Minuten ein überraschend kurzes Hörvergnügen, aber gerade das ist hier die Stärke. Kompakt komprimiert ohne Überlänge, Intros, Outros, Füllmaterial. Wie MADBALL einst auf ihrer ersten Euro-Tour. Kurz und schmerzvoll. PARADISE

They Promised Me Ponies – s/t Demo EP (17.12.2016)

(www.facebook.com/theypromisedmeponieshc)
Über schlechte Bandnamen kann man streiten, über gute Musik allerdings nicht. Was die fünfköpfige Hardcore-Combo aus Dortmund hier in Eigenregie auf die Beine gestellt hat ist verdammt nochmal richtig gut geworden. Ein richtig dickes Hardcore-Brett gibt’s hier direkt in die Fresse, welches sich stilistisch nicht auf eine Schublade reduzieren lässt. Sowohl klassische als auch modernere Elemente finden sich hier wieder und das ist auch gut so. Sieben dicke Songs, die das Hardcoreherz erfreuen dürften.Wie es sich gehört für die Szene, wurde das Demo im Alleingang aufgenommen und wird ganz ohne Label unter die Leute gebracht. Diese Tatsache und natürlich die geile Musik sind Grund genug die Jungs zu unterstützen.Also, Ihr wisst was zu tun ist: Auf die Konzerte gehen und die Platte kaufen. Support your Scene! 2+/Mark

Tear Them Down – Abide 7″ (16.12.2016)

Schweden und Punkrock, eine Formel die nicht erst seit heute aufgeht. Man denke an großartige Bands wie Bombshell Rocks, Voice of a Generation, Randy oder was auch immer. Eine Perle nach der nächsten. Tear Them Down kommen auch aus dem Land der Elche und reihen sich nahtlos in die Reihe der guten Bands ein. Geboten werden auf der „Abide“ Single fünf schnelle, melodische Songs. Alle nicht länger als zweieinhalb Minuten und bringen in der Zeit alles auf den Punkt. Kein Geschnörkel, nur Vollgas mit guten Chören und ein paar kurzen Soli. Spätestens beim zweiten Durchlauf ist man gefangen und singt die Refrains mit. Songs wie „Take me back“ und „Stoney Broke“ machen einfach süchtig. Hammer Single, die leider nur eine Single ist. Ich will mehr hören! Das Ding ist auf 300 Exemplare limitiert und es müsste mit dem Teufel zu gehen, wenn das Gerät nicht bald ausverkauft ist. Ist wirklich Jedem zu empfehlen, der oben genannte Bands, oder auch amerikanischen Poppunk ala The Queers und Konsorten mag. 1 ROLAND