Category Archives: Reviews S-Z (Archiv)

Sunset Radio – Vices CD (02.06.2017)

Es gibt spannende und aufregende Punkplatten und so Lalala Platten. Leider gehört „Vices“ der Italiener Sunset Radio zur letzten Kategorie. Das Info erzählt von Punkrock kalifornischer Prägung mit Einflüssen von No Use For A Name,NOFX, Lag Wagon und Konsorten. Dabei vergisst es nur zu erwähnen, dass die Musik der erwähnten Bands Hits enthält und ordentlich Dampf auf dem Kessel hat. Der Sound von Sunset Radio ist definitv Kalifornien beeinflusst, plätschert aber leider so vor sich hin, ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen. „Upside Down“ ist der erste Song, der in meinen Ohren hängen bleibt, und das ist schon der vierte auf der Platte. Danach geht es dudelnd weiter, nur „Older“ und der Akustik Song „Bed of Roses“ sind noch erwähnenswert. Die Scheibe tut nicht weh, klingt aber so was von egal, brauche ich definitv nicht. 4 ROLAND

V.A.: This Is Montreal – The Sounds of our Streets 7” EP (31.05.2017)

(Aggrobeat / www.aggroshop.com)
“On the streets of Montreal” heisst ein Song der SHARP Band Street Troopers, der mir da in den Sinn schiesst. In diese Kerbe schlagen die vier Bands auf dieser 7“ zumindest musikalisch. Die Speerspitze des OI!-Streetpunks geben sich ein Stelldichein um uns zu zeigen wo der Hammer hängt. Den Anfang machen die Veteranen The Prowlers, welche man dem Label Mad Butcher kennt. Ein schöner treibender Song mit einem Refrain der zum Mitgröhlen einlädt. King Cans geben mit ‚Fighting drunk‘ eine Anleitung zu Kneipenschlägerei. Der Song knallt schon wegen des Gesangs, der mich an The Aggressive erinnert. Rockt! Die B-Seite eröffnen die Shotcallers, mit einem stampfenden Skinhead Rock`n Roll Song. Ein ganz solider Song, der aber einen nicht vom Hocker haut. Als letztes trumpfen Torment auf, die etwas schneller zur Sache gehen. Verblüffend ist die Ähnlichkeit des Basslaufes zu Beginn des Songs mit dem von Pascows Song ‚Mond über Moskau‘. Ich glaube aber nicht, dass die beiden Bands sich kennen…Eine sehr gute 7“ die einen kleinen Überblick über die OI!-Punk Szene Montreals liefert, wobei die B-Seite etwas abfällt gegenüber der A-Seite. 2 sickguy77

Salome Fur – Beyond The Cathouse CD (29.05.2017)

(www.facebook.com/salomefur)
Das Debutalbum der 2015 in München gegründeten Retortenband mit Mitgliedern von Jamaram, Steamy Dumplings oder de beNuts überrascht mit einem recht breiten Interpretationsspektrum Karibischer Musikstile wie Ska, Reggae und Rocksteady vermischt mit Soul, Latin und Rock Grooves, wobei hier wohl vordergründig die Jamaikanischen Einflüsse zumindest beim Rhythmus den roten Faden spinnen. Latin höre ich bei der ganzen Platte lediglich während „you`ll never be“ heraus und vermutlich ist das auch gut so für mich , denn ich kann mich speziell in diesem Zusammenhang trotz lustiger Tempiwechsel nur schwer anfreunden mit diesem Mink de Ville-esken Tanzschulenrhythmen. Auf der Ballade „Roses“ erinnert der Gesang ein wenig an Mike Patton, ansonsten hinterlässt mich der Song hier auch erst mal eher ratlos, schlicht, weil ich ihn hier so auch nicht erwartet hätte. „the Greatest“ hingegegen wird von einer Ska Nummer zu einer Art Muse-artigem Progrock Gerumpel inklusive Klaviergeschwurbel und Kopfstimmengesang und mit „blue“ gibt’s dann auch nochmal orgellastigen und durchaus tanzbaren (northern-)Soul. Im großen und ganzen strotzt das komplette Album vor lauter Popzitaten der letzten 50 Jahre und man kann aus jeder Nummer immer wieder neue Sachen heraushören. Dazu muß man sie allerdings auch öfter hören und die meisten Songs auf dem Album sind zwar super produziert/arrangiert/gespielt. aber haben harmonisch nicht den Wiedererkennungswert von z.B. „the Greatest“. Es ist, obwohl komplett ohne Bläser eingespielt, einfach etwas viel von allem und so klingt das Album in meinen Ohren teilweise etwas überfrachtet und nicht wie aus einem Guss. Fraglos macht beinahe jeder Tune des Albums auf seine spezielle Art irgendwie Spaß, doch bin ich mir ohne die Band je live gesehen oder gehört zu haben sicher, daß das, was die fünf hier machen auf der Bühne besser funktioniert. Daher von mir unter Vorbehalt ne 3+…..ich glaube, da kommt noch was… KAI

Stanley – s/t 7″ EP (25.05.2017)

(Contra Records)
Stanley ist eine relativ neue Oi! Band aus Mailand, wurden 2016 gegründet, und bringen jetzt bei Contra ihre Debut 7“ raus. Und die hat es in sich, Stanley spielen, nicht wie von den meisten Italienern sonst, melodischen Oi!mit Zuckermelodien, sondern eher amerikanischen Ostküsten Sound. Die Jungs könnten auch aus Boston und Umgebung kommen oder, in der guten alten Zeit, auf TKO Records veröffentlicht haben. Vier Songs gibt es auf die Lauscher, alle vier sind Hits. Der Opener „Burst out Laughing“ teilt gleich gut aus, direkt aufs Fressbrett, das folgende „Reason“ ist eher hymnisch getragen, bei „1984“ gehen die Fäuste wieder in die Luft, das abschliessende „SOS“ macht dann noch mal Gas. Der Gesang ist angenehm rauh, die Produktion fett und alles mit einer kleinen RnR Kante. Tolle Platte, die Lust auf mehr macht. Ich hoffe, dass man auf eine vollständige Lp nicht zu lange warten muss. 2+ ROLAND

Seven Kingdoms – Decennium CD (18.05.2017)

(Napalm Records)
Puh, jetzt wird es haarig. Seven Kingdoms sind eine lupenreine Power Metal Band aus Florida, die ihre Wurzeln aber ganz klar in Europa hat. Helloween und Hammerfall sind wohl die Bands, die die Jungs und die Dame am häufigsten in ihrem Leben gehört haben. Hier stimmt einfach alles, ein buntes Fantasy Cover, cooles Bandfoto, zweistimmige Leads ohne Ende und eine Sängerin, die alles gibt. Das ist schön, das funktioniert songweise auch, aber ist auf einem Longplayer vollkommen überdimensioniert. Der ständig auf einer Tonlage liegende Gesang wird monoton, die Gitarren nerven irgendwann. Jetzt kommt aber das schlimmste, der Hit fehlt. Es ist von den zehn Songs auf „Decennium“ keiner dabei, bei dem ich denke, „geil, der knallt“, nein, alles wirkt gleichförmig, wirkt runtergeschrubbt, bleibt Stangenware. Abwechslung wäre hier wirklich willkommen, mal eine Ballade oder irgend so was. Sorry, was mir nach Genuß der Platte bleibt, sind Kopfschmerten ob des klirrenden Gesanges. Wird dem Wacken Metaller eventuell gefallen, aber ich bin raus hier. 4+ ROLAND

Worst Days Down – Elsewhere CD/LP inkl. DL (08.05.2017)

(Gunner Records)
Hier kommen 10 Lieder einer Band aus Kanada mit ihren Debüt Album! Schon nach den ersten Tönen, wird klar, die CD verschwindet so schnell nicht aus dem Player. Ohne Mist, heutzutage neue Bands zu finden, die eine Sache mit Herzblut macht, ist einfach nicht mehr so leicht… aber bei WORST DAYS DOWN kommt direkt ein Feeling rüber, welches man oft vergebens sucht. Irgendwo zwischen Singer/Songwriter Kram bis hin zu härteren Gefilden, ist diese Band zuhause. Mit dieser Scheibe reißen sie irgendwie alles ab. Genau die richtige Rezeptur von ein glatten aber nicht zu glattem Produktion. Einfach genau richtig. Note: 2+ David

Tom Unterweger – Soundtrack zum Ende der Welt CD (24.04.2017)

(www.tom-unterwegger.com)
Tom Unterweger ist ein österreichischer Musiker, der hier seinen ersten Solo Longplayer vorstellt. Das ist jetzt allerdings nicht so in Akustik Klampfen August, sondern schon eine vollinstrumentierte Punkscheibe. Ob der Herr jetzt alles alleine eingespielt hat weiss ich jetzt nicht, ist aber auch egal, nur das Ergebnis zählt. Und das weiss durchaus zu gefallen, Tom spielt sich durch diverse Arte des Punk, mal flotter, mal getragener, aber immer hochmelodisch und mit einfühlsamer Stimme. „Traum im Traum“ erinnert mich ein wenig an „How will i laugh tomorrow“ von Suicidal, der Rest ist ist stark von den Ärzten beeinflusst, besonders von den Bela B Songs. Auch stimmlich erinnert Tom sehr an den langen Berliner. Das soll aber nichts schlechtes heißen, die Ärtze sind ja auch äusserst kreativ. Textlich beschäftigt sich Herr Unterweger unter anderem mit dem gierigen Bankenwesen, Serienmördern, Religion und Spritwein. Mal etwas plakativ, „Wo ist der Satanismus, wenn man ihn braucht“ kommt mir als Textzeile zu plump rüber, das könnte er besser, mal humorös. Als ich die Platte das erste Mal gehört habe, habe ich gedacht, was ein Rotz, aber sie ist ein Grower. Jetzt so nach dem zehnten oder so Durchlauf, gefällt sie mir doch recht gut. Ist nicht was für jeden Tag, aber eine Platte, die es definitv verdient hat angehört zu werden. 3 ROLAND

Vitja – Digital Love (14.04.2017)

(Century Media Records / People Like You)
Das ganze sieht schwer nach Metal-Core oder dergleichen aus. Zumindest tippe ich auf die Art von Musik die meine Frau gerne beim Autofahren hört und die mir mittlerweile auch sehr zusagt. Und beim hören der Scheibe festigt sich mein Eindruck zunehmend. Ob das jetzt reiner Metalcore ist oder ob noch andere Sachen da drinn‘ stecken, sollen die selbsternannten Experten und Genre-Nazis entscheiden. Jedenfalls wird kräftig in die Seiten gehauen und aufs Schlagzeug eingeprügelt und beim Gesang wird mal zwischen cleanen Vocals und shouten, growlen oder wie auch immer das heißt gewechselt. Jedenfalls erinnert mich das ganze an Bands wie: Bring me the Horizon, Bury Tomorrow, Caliban…usw. Für den Opener SCUM hat man sich Unterstützung von „Eskimo Callboy“ geholt und für den sehr geilen Song SIX SIX SICK hat man sich Mathias von der Band „Nasty“ ins Boot geholt. Insgesamt kommt man auf 11 Songs + zwei Bonus Tracks bei der CD. Wirklich schlecht fand ich das ganze nicht, aber Luft nach oben ist sicherlich dennoch.
Note 3 / Mark

Staatspunkrott – Choral vom Ende CD (14.04.2017)

(People Like You Records)
Staatspunkrott – welch ein genialer Bandname, den man in der Vergangenheit oft gelesen hat, die Musik der Band aber nie gehört hat. Der Name lässt schnell auf typischen Deutschpunk schliessen, aber weit gefehlt, hier gibt es melodischen Punkrock zu hören. Zudem ist ‚Choral vom Ende‘ die Abschlussscheibe einer Trilogie, welche 2005 Ihren Anfang nahm. Da ich die anderen Alben nicht kenne, weiss ich nicht, ob es sich um Konzeptalben handelt. Der Band nach gibt es Melodycore zu hören, die musikalischen Wurzeln sind da in den 90ern zu suchen und zu finden. Da werden im Proberaum der Band in den Anfangstagen wohl Fatwreck und Burning Heart hoch und runter gelaufen sein. Diese Einflüsse sind nicht zu überhören, aber gleich der erste Song ‚Richtung Horizont‘, welcher der beste Song des Albums ist, erinnert doch eher an Donots. Gleich hinterher gibt es mit ‚Monokel für zwei Augen‘ einen sozialkritischen Song, zu dem es ein Video gibt. Die folgenden Songs sind dann nicht mehr so pralle, bevor man mit ‚Choral vom Ende‘ wieder einen guten Song präsentiert. So geht das eigentlich weiter, mal wieder ein sehr durchschnittlicher Song, bevor man dann wieder einen ansprechenderen Song präsentiert. Schade, das man den guten Standard nicht alle Songs über halten konnte. Auch wenn ich die Platte nicht in den Himmel lobe, kann man den Fans von Donots, Rogers oder Massendefekt das Album empfehlen, so wird es auch seine Käufer finden. 3 sickguy77

The Upset – s/t 7″ Vinyl (11.04.2017)

(Contra Records)
Barcelona grimmig: Die Band heißt UPSET, zwei Songs „Destroying everything“ und „The Hammer“. Klingelts? Die ex-Combo von Sänger Ramon hieß BULLDOZER. Veröffentlichungen auf UNITED KIDS, CONTRA, CAMDEN TOWN. Songs wie „Two Fingers“ haben den Fleischwolf damals schon angeworfen, BULLDOZER setzen bullig nach. Diagnose: Ramon hat seine Medikamente abgesetzt. Oder verwechselt. Weniger Melodie, mehr Aggro. Keine Option für bonbonsüßen Girlie Tingeltangel und gesichtstätowierte XXX-Bürschlein. Stattdessen: Ein zünftiges 4-Song Meet & Greet mit der abgesägten Schrotflinte. UPSET ist verdammt upset, böser Bordstein-Sound von zertifizierten Absolventen der BONECRUSHER School of Bareknuckle Street Rock’n’Roll. Oi!, Punk Rock und schweißtreibenden Bad Boys R’n’R durch die Blutpresse gejagt, kalt ausgeschwitzt. Mundschutz rein und los. Musik für extrem verärgerte Zeitgenossen in optisch smarter Verpackung (Siebdruck-Lettering blitzt gülden wie Tysons Schneidezahn). Rauer Kern in edler Schale. PARADISE