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24.4.2011 Berlin / Clumbiagelände – Monster Bash Festival (15.5.11)

Berlin hat ein neues Punkrock-Festival! Die Macher haben sich bei der ersten Ausgabe auch nicht lumpen lassen und ein Haufen klasse Bands ins Line-Up geholt. Verteilt auf den C-Club und die C-Halle spielten an diesem Abend insgesamt 17 Künstler. Wer eine Pause vom Lärm brauchte konnte sich auf einer Halfpipe austoben oder einen der Stände mit Verschiedenem für das leibliche Wohl aufsuchen. Gut aufgeteilt und sortiert konnte hier jeder etwas finden. Lediglich die angekündigten Plattenstände vielen etwas dürftig aus, da kann es das nächste Mal ruhig mehr von geben. Bandtechnisch begann unser Abend mit OLD MAN MARKLEY im Club. Eigentlich wollten wir nur kurz reinschauen, da wir die Band nicht kannten, blieben aber bis zum Schluss und waren durchaus angetan. Weiter ging’s dann mit SAVES THE DAY und THURSDAY in der Halle. Beide Combos sagten mir nicht sonderlich zu, aber mein Kumpel war begeistert und feierte sie ab. Im Anschluss mussten wir schnell wieder rüber in den C-Club um THE BOTTROPS nicht zu verpassen. Die Berliner rockten gekonnt durch ihr Set aus eigenen Songs und ab und an gab es auch mal einen Terrorgruppe-Klassiker. Danach ging es wieder durch Gedränge in die große Halle, wo sich MILLENCOLIN anschickten ihr Liveset zu präsentieren. Obwohl ich die Band bisher sträflichst ignoriert habe und nicht einen einzigen Song wirklich kannte, rissen die Jungs mich von der ersten Sekunde an mit. Demnächst muss ich wohl meine Plattensammlung um ein paar Scheiben der Schweden ergänzen. Anschließend folgten die DESCENDENTS, von denen ich bis dato noch nie etwas gehört hatte. Da mich der gute Nasty um diesen Auftritt aber beneidete, war ich gespannt was mich da erwarten würde. Und was soll ich sagen, ich war mehr als angenehm überrascht. Die DESCENDENTS sind alte Säcke, die noch wissen wie man richtig rockt. Fast völlig ohne Lightshow brachten sie die Halle mit ihrem schnellen Punkrock zum kochen. Auch hier gilt: ich kannte keinen Song, feierte aber jede Minute des Konzertes mit! Der Headliner dieses Festivals folgte mit NOFX direkt im Anschluss. Nach Jahren der Abstinenz auf Berliner Bühnen gaben Fat Mike und Co. der ausgehungerten Masse wonach sie dürstete: schnellen, kompromisslosen Punkrock, Ska & Trompeten, Comedy-Einlagen und flink umher rennende kleine, moppelige, bunthaarige, ältere Männer! Mein erstes NOFX Konzert war für mich ein voller Erfolg und ich komm gerne wieder. Im Club spielten dann noch JINGO DE LUNCH, aber ich war so fertig, dass ich gezeichnet den Heimweg antrat. Außerdem hatte ich keine Lust mich noch einmal durch den völlig verstopften und viel zu kleinen Weg von der Halle zum Club zu kämpfen. Vielleicht ist es logistisch nicht anders machbar, aber ein einziger schmaler Weg für so viel Menschen ist einfach zu wenig. Aber ich will meinen Bericht nicht mit einem Kritikpunkt abschließen und so gibt’s hier noch ein paar Namen der Punkrock-Hauptstadt-Prominenz, die sich an diesem Abend unter das Volk mischte (alle Angaben ohne Gewähr): Vom Ritchie (DTH), Evil Jared (Bloodhoundgang) und Ingo (Donots). East Side Daniel

Earth Crisis live in Oberhausen

Als “Tomorrow Never Knows” mit leichter Verspätung gegen ca.18 Uhr loslegen, ist es im Schacht Oberhausen erschreckend leer.Woran liegt das?Am Veranstalter sicher nicht.Der hat seinen Job in Sachen Werbung und Promo mehr als erledigt.An diesem Wochenende ist aber auch ne` Menge los.Die “Big Four” langweilen in Gelsenkirchen,das “With Full Force” versinkt im Regen und auch Agnostic Front haben gestern bereits in Bochum abgeräumt.Oder liegt es vielleicht daran, das der Hype um Earth Crisis,trotz guter,neuer CD schlicht und einfach vorbei ist?Es ist sicher eine Mischung aus allem.Doch zurück zur Band.Der Fünfer post was das Zeug hält und ballert seinen Metalcore mit diversen 2-Step Einlagen in die leere Halle.Ist alles ganz o.k.Was jar nüscht passt sind die cleanen Vocals.Diese sollte man einfach weglassen.Auch in Sachen Songwriting ist noch Luft nach oben.Man merkt,das “TKN” ihre Ideen noch nicht zu 100% umsetzen können.Trotzdem ein guter Opener.

„City To City“ brauchen danach ewig für den Soundcheck und verplempern erneut unnötig Zeit.Ihr düster angehauchter NY Hardcore mit leichter Metal Glasur haut mich auch nicht unbedingt vom Hocker.Kann aber auch am Soundbrei liegen.Während der Sänger bei den Ansagen einen auf dicke Hose macht,wirkt er während den Songs regelrecht schüchtern.Auch die arg gepressten Vocals passen nicht wirklich zur Mucke.

„Look My Way“ klingen da schon ne` ganze Ecke besser.Und es kommt zu ersten Windmühlen vor der Bühne.Ist immer cool wenn man anhand der Shirts,welche die Bandmitglieder tragen schon darauf schließen kann welche Mucke nun folgt.Die Jungs ballern ne` coole Mischung aus Merauder,Terror und Madball in die nun etwas besser gefüllte Halle.Das leicht punkige Riffing weiß zu gefallen und auch in puncto Stageacting geht hier einiges mehr.Coole Show.

Bei „My City Burning“ geht dann komischer Weise wieder gar nix ab.Nichts desto trotz lässt sich das Quartett davon nicht beirren und ballert eine dicke Portion Hardcore mit Metal Riffing ins Rund.Man merkt das die Holländer viel auf Tour sind und auch das Songwriting setzt sich in punkto Qualität erheblich von den anderen Bands ab.Einigen Leuten hat`s gefallen und so darf sich die Band am Merch noch über ein paar verkaufte Cd`s und Poster freuen,welche auch unterschrieben werden.

Als „Earth Crisis“ dann nach einer relativ kurzen Umbau Pause loslegen wird schnell klar,das das “Vorprogramm” eben nur,äh, “Vorprogramm” war.Mit einem absolut dicken Sound (vor allem die Gitarren ballern ungemein) legen die Jungs um Sänger Karl Buechner los.Dieser hat zwar ordentlich an Gewicht zugelegt, hat aber immer noch ein derbes und unverwechselbares Organ.Die Band spielt absolut tight und das auch harte Burschen Spaß verstehen beweißt Gitarrist Scott,der mit seiner Klampfe mal eben über den Tresen latscht und dabei sichtlich Spaß in den Backen hat.Das Earth Crisis quasi ne` “Best Of” Setliste abliefern war auch klar.Hits haben sie schließlich genug.So dürfen sich die Fans über Kracher wie “Firestorm”,”All Out War” oder “Gomorrah’s Season Ends” freuen.Es gibt aber auch ein paar Tracks vom neuen
“Neutralize The Thread” Album,welche sich aber nahezu lückenlos in den Gesamtbild einfügen.Gott sei Dank geht auch vor der Bühne jetzt gut was ab.Buechner kümmert sich gut um alle und hält oft sein Mic ins Publikum.Auch seine Ansagen kommen sympathisch und nicht belehrend rüber.Seinen “Seventh Dagger” Windbreaker zieht er aber das ganze Set über nicht aus.Das aber nur am Rande.Schade das nicht mehr Leute zu der einizigen EC Show im Pott gekommen sind.Verdient hätten es die Bands und Veranstalter Carsten allemal.Aber mit diesem Problem kämpfen ja alle zur Zeit.Vielleicht geht es den Leuten in Sachen Konzert Angebot hier auch einfach zu gut.Aber das ist ein anderes Thema.Auch der Schacht in Oberhausen bietet sich definitiv für Konzerte an und sollte viel häufiger dafür genutzt werden.Mein Dank geht an Carsten und Cold Life Entertainment für die völlig unkomplizierte Zusammenarbeit und sein entgegenkommen.Supportet seine Shows!!!

Text: Marcel

Fotos: Marcel und Verena

http://www.coldlife-entertainment.com/wordpress/news

Riot Company – Indonesia Tour 2008

Riot Company – Indonesia Tour 2008
04.03. – 24.03.2008

 

Dienstag, 04.03.2008

Es ist Dienstag, sieben Uhr in der Früh. Ich habe soeben meinen Nachtdienst beendet und sitze im Auto. Neben mir auf dem Beifahrersitz, ein wie nicht anders zu erwarten, verkaterter Ronny Riot. Aber ich bin trotzdem voll des Lobes, da ich nur gute 10 Minuten benötige um den werten Herren aus seinem Bett zu klingeln und in mein Auto zu befördern. (Da hatten wir schon ganz andere Tage – Nicht wahr, mein Lieber!?!). Vor meiner Haustür wartet bereits ungeduldig der Rest unserer Reisegruppe (Hannes, Sascha und Victoria). Endlich geht es los in den Dschungel Süd-Ostasiens, genauer gesagt nach Indonesien. Aber wie kam es überhaupt zu so einer ja doch nicht ganz alltäglichen Tour? Ein kleiner Rückblick.

Bis Weihnachten 2007 stand für diesen Zeitraum eine Tour entlang der US-Ostküste auf dem Programm. Da es aber zu einigen Problemen mit dem Booker kam, mussten wir diese auf Ende 2008 verschieben (mehr dazu demnächst).
Nun war guter Rat teuer, schließlich hatten wir alle Urlaub beantragt, den wir nicht ungenutzt verstreichen lassen wollten.
Die Lösung des Problems lag aber eigentlich auf der Hand, da das Angebot einer Tour durch Indonesien schon länger bestand. Unsere Kollegen aus Hannover (u. A. Lion Shield) pflegten schon seit einiger Zeit eine innige Freundschaft mit Leuten und Bands aus der Region und kamen regelmäßig ins schwärmen wenn sie von Land und Leuten erzählten. Also schnell Leif kontaktiert und 4 Tage später stand fest, dass die Company ans andere Ende der Welt fliegt. 21 Tage mit 8 Shows quer über Java bis Bali und reichlich Zeit dazwischen um das Land zu entdecken und auch ein paar Tage Urlaub zu machen.

Also los. Die Treckingrucksäcke im Auto verstaut und ab Richtung Frankfurter Airport.
Nach dem Einchecken Verwunderung. Das kann doch nicht wahr sein, dass es nun keine Möglichkeit mehr gibt auf die Toilette zu gehen oder einzukaufen (vorzugsweise Bier)? Das haben wir ja noch nie erlebt. Ist das nur in FFM so? Nun ja, mit 30 Minuten Verspätung erhebt sich der Flieger gegen 15 Uhr in die Lüfte. Niemand von uns weiß genau, was uns die nächsten drei Wochen erwartet. Die Tragödie in Bandung vor zwei Wochen, bei der elf junge Menschen während eines Konzerts zu Tode gekommen sind, und die Unruhen auf Lombok tragen ihr übriges bei. Aber natürlich überwiegt die Vorfreude auf eine Zeit, die man wohl niemals wieder vergessen wird.
An Bord der Emirates Maschine ist für alles gesorgt. Jeder Sitzplatz hat einen eigenen Bildschirm mit hunderten von Spielereien wie Kinofilmen, TV-Serien, Videospielen, Musikalben, Radio und vielem mehr. Zur allgemeinen Freude ist auch Bier und Wein an Bord umsonst, so dass die Servicelämpchen über unseren Plätzen regelmäßig aufleuchten um die Stewardessen um weitere Heinekenbüchsen zu bitten.
An diesem Punkt stellt sich mir die Frage, wozu es Sicherheitskontrollen am Flughafen gibt, wenn an Bord Metallbesteck gereicht wird und auch die guten alten Blechdosen mit den messerscharfen Abreißschnallen serviert werden. Ich weiß es nicht.
Ich entschließe mich mit einem Film die Zeit zu überbrücken. „No country for old men“, aber irgendwie bin ich doch zu hibbelig um dem Film zu folgen. Immer wieder schau ich aus dem Fenster oder auf den Bildschirm wo wir uns denn gerade befinden. Iran. Hm – interessant.
Hannes kümmert das alles weniger. Er amüsiert sich prächtig und zieht sich eine Folge Simpsons nach der anderen rein. Sascha und Vicky schauen irgendeinen Märchenscheiß und Ronny, na ja, er trinkt um gegen seine Flugangst anzukämpfen.

Mittwoch, 05.03.2008

Gegen 0 Uhr Ortszeit der erste Zwischenstopp in Dubai. Drei Stunden Aufenthalt. Also ordern wir für humane 10 Euro 12 Büchsen Heineken. Überall liegen Menschen auf dem Boden und schlafen. Wir setzen uns irgendwo dazwischen und merken, dass es hier gar nicht erlaubt ist in der Öffentlichkeit zu trinken. Na super, aber immerhin können wir die Büchsen mit nach Jakarta nehmen. So bleibt uns aber nichts anderes übrig als für teures Geld ein Bier in einem Airport Pub zu trinken.
Weiter geht es quer über Indien bis zum nächsten Stopp in Kuala Lumpur (Malaysia). Leichte Enttäuschung, weil wir nicht aus dem Flieger raus dürfen. So bleibt uns nur der Blick aus dem Fenster auf den direkt ans Rollfeld angrenzenden Dschungel.
Endlich geht’s weiter. Noch 1,5 Stunden. Um 16:30 Uhr Ortszeit dann die Landung in Jakarta. Alle sind gespannt. Es folgt ein kaum enden wollender Gang durch etliche Kontrollen. Glücklicher Weise gibt es keinerlei Probleme wegen der mitgebrachten CDs und all dem anderen Krempel. Also, nix wie raus, vorbei an Massen von extrem aufdringlichen Taxifahrern direkt in die Arme der bekannten Gesichter die dort auf uns warten. Auch wenn man sich bisher nur über das Internet kennt, es ist sofort klar. Mit Pentul, Awan und Andrash passt das schon mal zu 100 %. Draußen trifft uns die Hitze und der Smog, der in einer riesigen Dunstglocke über Jakarta hängt, wie der Schlag. So zaubern wir schnell das in Dubai gekaufte Bier aus den Rucksäcken und verteilen es.
Nach 1,5 Stunden kommt dann auch Kiki, dessen Heim auch unseres während der Tage in Jakarta sein soll, mit dem zweiten Wagen und wir können aufbrechen.

Schnell wird klar, wer noch nie in Jakarta Auto gefahren ist, der hat noch nie richtig gelebt. Verdammt, was geht hier ab? Sind die alle wahnsinnig? Die Fahrt zur Behausung dauert an die zwei Stunden. Ich bin mir nicht mehr so ganz sicher ob es die Hitze ist, die mir den Schweiß auf die Stirn treibt oder die Fahrweise der Einheimischen. Kurz gesagt, es fährt eigentlich jeder so, wie es ihm gefällt. Jeder drängelt und hupt alle zehn Sekunden mindestens einmal. Ein System oder selbst so etwas wie ein geordnetes Chaos lässt sich für mich zu diesem Zeitpunkt nirgends erkennen. 3-spurige Strassen werden scheinbar willkürlich zu 5 oder gar 6-spurigen umfunktioniert und zwischen den Automassen schlängeln sich Unmengen von Motorrädern hindurch, was einen Touch von Harakiri hat.

Wir halten noch schnell zum Geld tauschen und Bier kaufen und finden uns dann endlich im Bretel HQ ein. Ein Begrüßungskomitee ist bereits anwesend und es wird sich gegenseitig beschnuppert. Auch hier wissen alle schnell. Das passt perfekt.
Nach zwei „Bierchen“ (0,62 Liter Flaschen) und etwas Black wine gibt es Bescherung und wir holen unsere und die von den Kollegen aus Hannover mitgegebenen Geschenke aus den Rucksäcken. Pentul, der uns übrigens die komplette Tour begleiten wird, bekommt leuchtende Augen als ich ihm seinen so sehnlich erwarteten Kirschschnaps in die Hände drücke und wird diesen auch den Rest des Abends nicht mehr loslassen.
Aber die vergangenen 1,5 Tage waren verdammt anstrengend, so dass wir bald unsere Quartiere aufsuchen.

Donnerstag, 06.03.2008

Moskitos die um mein Ohr herumschwirren holen mich aus den Träumen. Was für eine Hitze! Neben mir im Bett liegt Ronny, Hannes auf einer Matratze daneben. Wir haben ein kleines Zimmerchen mit Bad (Stehklo und Wasserbehälter) außerhalb des Haupthauses. Sascha und Vicky, die für diese drei Wochen mal eben verheiratet spielen, schlafen im etwas kühleren Haus. 6 Uhr morgens. Normalerweise bekommt mich um diese Zeit niemand aus dem Bett,  aber da draußen auf der Terrasse bereits wieder Stimmen zu hören sind und eh nicht mehr an schlaf zu denken ist, kipp ich mir ein paar Kellen Wasser über den Schädel und geh auch hinaus.

Pentul, Kiki, Fanny und Co sind bereits schon wieder auf den Beinen und so machen wir das, was wir eigentlich immer machen, wenn wir nichts zu tun haben. Wir sitzen auf der Terrasse, reden über Punk in Deutschland und Indonesien, irgendjemand spielt Gitarre und wir genießen ganz einfach die Zeit unter den Palmen und Bananenbäumen die im Garten stehen.
Nach und nach stoßen auch die restlichen Teutonen hinzu und wir beraten was wir heut unternehmen können.

Die Wahl fällt auf das National Monument (Monas) in der City. Es wimmelt nur so von Schulklassen um den 132 Meter hohen Turm, inmitten des Unabhängigkeitsplatzes, herum. Für viele Schulmädchen scheinen wir eine größere Attraktion zu sein als ihr eigentliches Ausflugsziel. Also nix wie rauf auf den Turm. Oben wird uns erstmals die unglaubliche Größe dieser Stadt bewusst. Häuser soweit das Auge reicht, umgeben von einem Mantel aus Auto- und Industrieabgasen.

Es ist 16.30 Uhr. Wir müssen wieder zurück ins HQ, da wir uns von 18 -20 Uhr im Proberaum um die Ecke eingemietet haben. Der Raum ist angenehm kühl und voll ausgestattet. Für umgerechnet 2 Euro die Stunde können wir hier soviel Lärm machen wie wir wollen. Die Gitarren sind O.K., haben allerdings viel zu kurze Gurte, so dass wir sie uns so zusagen unters Kinn schnallen müssen. Leider haben die Indonesier eine extreme Affinität zu Effektgeräten, die es unmöglich machen, mal eben auf die schnelle einen halbwegs vertrauten Sound einzustellen. So klingt alles sehr grell und extrem verzerrt, wie eigentlich fast immer in den nächsten drei Wochen. Aber was soll’s. Wir spielen einmal das Set durch und finden uns ein wenig später mit reichlich Bier zu einer netten Pokerrunde auf der Terrasse des HQ’s zusammen. Jeder darf einmal gewinnen, mit Ausnahme von, unserer Casino erfahrenen  Pokerikone, Ronny. Tja, that’s life.

Die Nacht wird ziemlich lang und das nahe gelegene Kiosk das ein oder andere Mal unser Ziel. Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass der gute Pentul die riesigen Kakerlaken, die uns des Öfteren besuchen, und auch sonstiges Getier wie Spinnen usw. total süß findet, er aber panische Angst vor den kleinen knuffigen Geckos hat, die ständig die Wände hoch und runter sausen. Seine Freunde wussten von seiner Phobie bisher noch nichts, doch von jetzt an versuchen sich alle in der Geckojagt um den armen Jungen zu ärgern.

Freitag, 07.03.2008

Trotz langer Nacht und viel Bier – Hitze und Moskitogesumme lassen auch diesmal nicht mehr als 3-4 Stunden Schlaf zu. Glücklicher Weise scheine ich aber gegen diese Blutsaugenden Quälgeister irgendwie resistent zu sein. Ich werde weitaus weniger gestochen als die anderen vier und die Stiche die ich abbekomme jucken überhaupt nicht, während der Rest aus dem Kratzen nicht mehr hinaus kommt.
Pentul erzählt, dass er gestern Nacht noch gesehen hat, wie 50m von uns entfernt in der Seitengasse, jemand mit abgeschlagenem Kopf auf der Strasse lag. Gangstreitigkeiten wahrscheinlich. Jeder macht sich so seine eigenen Gedanken.

Morgen und Nachmittag verbringen wir wieder im HQ. Zum Essen gibt es Reis – wie immer. Wobei die Beilagen des Öfteren variieren. Bis auf Hannes, der sich nichts sehnlicher wünscht als einen McDonalds, kommt das Essen bei uns Anderen aber sehr gut an und auch meinem Magen geht es so gut wie schon lange nicht mehr.

Morgen ist die erste Show in Indramayu. Wir wollen am späten Abend bereits aufbrechen. So sammeln wir uns vorher im Anti Music Shop von Eko. Dieser ist gerade dabei unsere Tourshirts zu drucken und was Punk angeht einer der Pioniere in Indonesien. Neben dem Shop spielt er noch in Jakartas erster Punkband The Idiots. Überhaupt scheint hier jeder in einer Band zu spielen oder irgendetwas anderes für die Szene zu machen. Etwas, was bei uns ja leider rückläufig zu sein scheint und viele lieber nur konsumieren und rummeckern, statt selbst was auf die Beine zu stellen. Hier bereitet es den Leuten riesigen Spaß Punk zu leben, Punk zu sein und immer weiter voranzubringen. Es ist alles so verdammt erfrischend, alles so pur.

Aus dem Supermarkt nebenan gibt es noch ein paar kalte Bier, die wir an die Jungs verteilen. Bier ist hier verhältnismäßig teuer (0,62 Liter ca. 1 Euro), weshalb man hier vorzugsweise billigen Wein trinkt. Schmecken tut es aber ähnlich gut wie bei uns zu Haus. Bintang und Anker sind die einzigen Einheimischen Sorten die man bekommt und beide sind sehr lecker.
Mit zwei vollbesetzten Jeeps machen wir uns schließlich auf den Weg nach Indramayu City. Eko fährt wie der Teufel und wir sind unendlich froh, dass der Großteil der Tour mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestritten wird. In Deutschland hätte dieser Helldriver seinen Lappen für keine 10 Minuten. Ein dutzend Mal seh ich mich schon auf dem Weg Richtung Hölle, bevor er doch noch irgendwie ausweichen kann. Eine Autofahrt, wie sie von uns noch keiner erlebt hat, und bei der noch dazu immer wieder dieselbe Kassette läuft. Aber was soll’s. Wir leben noch.

Nach drei Stunden erreichen wir Indramayu. Eine für indonesische Verhältnisse recht kleine Stadt (120.000 Einwohner) in West-Java. In unserer Unterkunft, einem Haus am Stadtrand, warten bereits an die zehn Punks auf uns. Wir würden eigentlich gern ins Bett gehen, aber aufgrund des Lärmpegels ist daran noch nicht zu denken. So gibt es noch einmal eine Portion Reis. Eko unterhält mittlerweile das komplette Haus und wir lernen die ersten unanständigen indonesischen Worte.

Samstag, 08.03.2008

Nun ist es soweit, die erste Show der Tour. Sascha und Vicky hatten mal wieder das Zimmer mit Ventilation abbekommen und waren daher wieder etwas ausgeschlafener als wir, die sich zu fünft mit einem Doppelbett arrangieren mussten. Das Konzert heute beginnt schon gegen Mittag. 25 Bands stehen auf dem Flyer und so drängen wir darauf doch endlich zum Veranstaltungsort zu fahren, um einige davon sehen zu können. Doch man sagt uns, dass das noch nicht gehen würde. Weshalb verstehen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Gegen 15 Uhr geht es los. Aufgrund der Tragödie in Bandung hatten die Veranstalter Probleme eine geeignete Location für das heutige Konzert zu finden, wurden aber schließlich auf einer Reisfarm fündig. Umso näher wir der Location kommen umso mehr füllen sich die Strassen mit Punks. Wo kommen die alle her? Wahnsinn. Als die Jeeps vor einem Nebenraum stoppen wollen wir aussteigen, werden aber sofort zurückgepfiffen. „Don’t open the door!“ Fragezeichen über unseren Köpfen. Schließlich erhalten wir eine Einweisung. Jeder von uns bekommt 2 Sicherheitsleute zugeteilt an die wir uns zu klammern haben. Sobald die Türen vom Auto aufgehen, sollen wir schnellstmöglich durch die 5m entfernte Tür in den Nebenraum verschwinden. Wir kommen uns alle vor wie im falschen Film, wir sind ja schließlich nicht Tokio Hotel. Dann gehen die Türen auf. „Hurry up!!!. Go, go, go!!!“ Hunderte von Kids fangen an zu johlen und stürmen auf uns zu! Oh, mein Gott!!! Wir laufen in den Nebenraum und die Tür wird hinter uns verschlossen. Vor der Tür Punkkids soweit das Auge reicht. Wir sind sprachlos und schauen uns geschockt an. Das haben wir nicht erwartet. Es ist regelrecht beängstigend. Da sollen wir raus? Verdammt, dass ist ja wirklich wie Tokio Hotel!!! Uns bleiben zehn Minuten um unsere Gedanken zu ordnen, dann müssen wir auf die Bühne. Es gibt keinen Backstageeingang, so müssen wir einmal quer durch die ganze Halle. Wieder bekommt jeder seine Sicherheitsleute zugeteilt und los geht’s. Wir betreten die Halle und wieder ertönt ohrenbetäubender Applaus und Geschrei. Die Crew kämpft uns einen Korridor durch die Menge. Unglaublich. Ich häng mir eine Gitarre um und merke, dass ich zittere. Die Bühne ist voller Security. Es bleibt keine Zeit für große Umbauten oder Einstellungen, wir müssen anfangen. Und von Anfang an bricht ein Pogo los, wie ich ihn noch nie gesehen habe. 1.200 Leute sollen da gewesen sein. Mindestens jeder zweite hat getanzt. Die erste kleine Pause nach drei Songs. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Daher lass ich es auch und schnappe einfach nur nach Luft, denn es ist unendlich heiß. Bereits jetzt sind wir völlig durchnässt. Nach 25 Minuten wird mir schwarz vor Augen und ich kann mich gerade noch abstützen um nicht lang hinzuschlagen. Luft holen, den Schweiß aus den Augen wischen, Luft holen, irgendwas erzählen, noch mal schnell Luft holen und noch irgendwie die letzten Songs über die Bühne kriegen.

Dann geht wieder alles furchtbar schnell. „Hurry up!!!. Go, go, go!!!“ Die Crew nimmt uns in die Mitte und wir bahnen uns einen Weg heraus aus der Halle direkt zu den Autos. Die Leute greifen nach uns, wollen uns berühren, es wird immer enger, hektischer und unübersichtlicher doch schließlich sitzen wir in den Jeeps, die uns aus dem Trubel herausfahren. Noch immer haben wir nicht so richtig begriffen, was hier um uns herum soeben passiert ist. Wir sind doch nur eine Punkrockband. Ca. 200m von der Location entfernt parken wir auf einer anderen Reisfarm. Hier hat nur unsere Crew sowie die Veranstalter und deren Freunde Zugang. Wir trinken literweise Wasser und bekommen Reis zu essen, während wir versuchen das soeben Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen um es zu verarbeiten. Wir bleiben noch etwa zwei Stunden auf der Farm. Reden mit den Leuten, lassen uns fotografieren und bekommen einen Einblick in die Reisherstellung.

Dann fahren wir direkt mit den Helldrivern zur nächsten Station auf dem Tourplan. Cirebon City (250.000 Einwohner). Die Klimaanlage ist voll aufgedreht. Ich befürchte schlimmes und bitte Eko sie runterzudrehen, was er auch für etwa 10 Minuten macht, sie dann aber wieder aufdreht. Ein endloses hin und her ohne Sieger.

In Cirebon werden wir bei einer unendlich freundlichen Familie unterbracht. Diese verdient ihr Geld mit der Herstellung von hochwertigen Batikgewändern, die in mühevoller Handarbeit auf dem Hof hergestellt werden. Wir sitzen noch zwei, drei Stunden bei frisch geernteten Bananen aus dem Garten und Tee auf der Terrasse bis wir schlafen gehen. Sascha und Vicky in einem großen Bett, der ganze Rest auf Matten im Hausflur.

Sonntag, 09.03.2008

Der Tag beginnt wieder früh morgens um sechs. Es ist halt doch etwas hart auf dem Boden. So erkunde ich mit Hannes, Silvio und ein paar Jungs von der Crew die Gegend. Obwohl es Sonntag ist, scheint um 7 Uhr morgens schon jeder auf den Beinen zu sein. Wir schlendern durch die Gassen und werden überall freundlich begrüßt. Es kommt nicht oft vor, dass sich Weiße in diese Gegend verirren und so weiß bald jeder, dass wir da sind. Wir schauen uns die Location an, die sich auch heute wieder auf einer Reisfarm befindet, wo bereits jetzt die ersten Helfer dabei sind die Bühne aufzubauen. Die Natur ist atemberaubend.
Zurück zum Haus geht es mit dem Fahrradtaxi. Sascha und Vicky schlafen noch immer, so entschließen wir uns mit Kiki zum frühstücken und einkaufen in die City zu fahren.
Hannes ist heilfroh mal etwas anderes als Reis zwischen die Zähne zu bekommen. Seine Sehnsucht nach einer normalen Toilette kann aber auch das riesige und hochmoderne Einkaufszentrum nicht stillen. Da muss er dann wohl durch, der Rest schafft es ja nun auch sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren.

Nach dem Frühstück werden dann Schuhe gekauft. Chucks 4 Euro. Erste Sahne. Aber auch im Einkaufszentrum werden wir wieder erkannt und müssen uns immer wieder fotografieren lassen.
Also zurück. Mittlerweile sind alle auf den Beinen und nach dem Mittagessen und etwas relaxen, schleichen wir durch eine kleine Seitengasse zur Location. Wir bekommen mit, dass für die heutige Show keine Genehmigung ausgestellt wurde und sie damit illegal ist. Trotzdem sind 1.500 Leute da.

Dann dasselbe Spiel wie am Tag zuvor. Im Eiltempo und unter Bewachung geht’s zur Bühne. Instrumente gepackt und los geht’s. Wieder unendliche Begeisterung und Massenpogo. Die Security hat Mühe die Leute von der Bühne fern zu halten. Gott sei Dank hat die Halle keine Seitenwände und es weht ein wenig Wind, so dass es nicht so fürchterlich heiß ist wie Gestern. Dann fällt plötzlich während unseres letzten Songs der Strom aus. Was ist passiert? Aufregung. Leute laufen hin und her. Dann heißt es Flucht. Die Polizei ist angerückt und hat den Strom abgestellt. Keiner kann sagen was nun passiert. Wir werden schnellstmöglich durch versteckte Gassen und Hinterhöfe aus der Gefahrenzone gebracht. Erschöpft und mit mittlerweile 50 kleinen Kindern im Schlepptau, die uns unterwegs gefolgt sind, erreichen wir dann wieder unsere Unterkunft. Die ganze Strasse weiß nun wo wir wohnen und der komplette Hof ist voll mit Leuten die uns einfach nur ansehen.

Nach und nach kommen immer mehr Freunde vom Veranstalter hinzu und es folgt eine ca. zweistündige Foto- und Fragesession. Geduldig versuchen wir jeden Wunsch zu erfüllen aber irgendwann können wir dann auch nicht mehr. Wir stellen uns lediglich noch für ein Interview eines lokalen Punkfanzines zur Verfügung, währenddem ich meine Stimme verliere.

Am späten Abend fahren wir mit dem Zug weiter nach Blitar. Vorerst müssen wir aber von ein paar Leuten Abschied nehmen. Es ist krass, wie sehr einem Menschen schon nach so kurzer Zeit so ans Herz wachsen können. Bis auf Pentul und Kiki fährt die Crew wieder zurück nach Jakarta und auch der Abschied von unserer Gastfamilie geht sehr ans Herz.
Ich war schon in so vielen Ländern dieser Erde und habe so viele freundliche Menschen getroffen, aber nirgends habe ich so etwas erlebt wie in diesem Land. Es ist uns oftmals richtig unangenehm weil wir nicht wissen, wie wir uns für all diese Gastfreundschaft bedanken sollen.
Wir fahren in einem First Class Zug, der 8 Stunden nach Blitar braucht. Mit der Economy Class hätten wir 16 gebraucht und hätten wahrscheinlich auch stehen müssen. Die 4 Euro Aufpreis zahlt man also gerne. Blitar (120.000 Einwohner) liegt bereits in East-Java, was bedeutet, dass die nächsten Shows etwas entspannter ablaufen sollten, da die Leute in diesen Regionen etwas „ruhiger“ sind. Wir lassen uns überraschen.
Die Klimaanlage im Zug läuft jedenfalls auf vollen Touren. Ich hatte ja schon bereits während des Interviews meine Stimme verloren und auch Hannes war angeschlagen, aber diese achtstündige Zugfahrt bei dieser Kälte gibt uns endgültig den Rest. An Schlaf ist zudem nicht zu denken. So müde wir auch sind, der komplette Zug wackelt hin und her und macht einen furchtbaren Lärm.

Montag, 10.03.2008

6 Uhr morgens, Ankunft in Blitar. Ich habe keine Sekunde geschlafen, dafür aber eine anständige Bronchitis. Zum Glück ist erst Morgen die nächste Show, so dass ich 36 Stunden Zeit habe mich zu erholen. Hannes geht es nicht viel besser, aber immerhin braucht er sich keine Gedanken über seine Stimme zu machen.
Untergebracht sind wir im Cactus Music Studio in einer Garage, die direkt an der Hauptverkehrsstrasse liegt. Versuche den fehlenden Schlaf nachzuholen werden damit durch hupende Autos, Busse und LKWs im Keim erstickt. Aber ansonsten ist es absolut idyllisch. Keine 100m weiter beginnt bereits der tiefste Dschungel und im riesigen Garten wächst alles was man sich erträumt. Egal ob Bananen, Kokosnüsse, Sternfrüchte oder Mangos man braucht es nur zu pflücken.

Dusche und WC befinden sich im Hühnerstall, was Hannes’ Laune nicht gerade verbessert. Ich beschließe meinem Husten den Krieg zu erklären und lasse mich mit dem Motorrad zur nächsten Apotheke fahren. Auch wenn’s mir gerade elend geht aber die von Palmen gesäumten Alleen entlang zusausen ist ein Traum.
Ich besorg mir einen Streifen Antibiotika, die man hier problemlos ohne Rezept erhält. Zurück in der Garage werfe ich mir ganz nach dem Motto, „viel hilft viel“ alles Mögliche rein. Ich bereite mir in der Küche sogar nach Omas Rezept den guten, alten Zwiebelsaft zu. Dazu gibt’s Literweise Jae Tea. So verbringen Hannes und ich den Tag liegend in der Garage, während die anderen draußen eine gute Zeit haben.
Sascha scheint sich aufgrund meines Zustandes ernsthafte Sorgen um die morgige Show zu machen und so sucht er eine andere Schlafgelegenheit für mich. Ich darf im Haus nebenan schlafen. Es gehört den Eltern des Veranstalters und ist recht komfortabel. Seine Schwester stellt mir freundlicher Weise ihr Zimmer zur Verfügung, in dem ich abgeschottet von allem Lärm gute 13 Stunden durchschlafe. Ein richtiges Bett, was für eine Erholung.

Dienstag, 11.03.2008

Am nächsten Morgen geht es mir schon viel besser. Keine Ahnung was aus meinem Medikamentencocktail nun dafür verantwortlich ist, aber es ist mir auch egal. Ich bin über den Berg. Sicherheitshalber baller ich mir trotzdem weiterhin alles rein, vor allem Jae Tea.
Das Mittagessen bereitet diesmal Vicky zusammen mit der Hausherrin zu.
Im Anschluss fahr ich mit Hannes und Ronny auf der Ladefläche eines Lasters zur Location. Die Leute sind bereits fleißig beim Aufbauen und wir schauen uns das Equipment an. Wird schon hinhauen denken wir uns, auch wenn wieder massig Effektgeräte dazwischen geschaltet werden. Erfreulicher Weise ist die Bühne diesmal sehr groß und auch recht hoch, da sollte es mal etwas Bewegungsfreiraum geben.

Draußen beginnt es inzwischen unglaublich zu regnen. Wahnsinn, was da für Massen runterkommen. Aber wir haben ja auch noch Regenzeit. Dennoch haben wir ziemlich viel Glück, da sich die Regenfälle in den drei Wochen doch in Grenzen halten. Es gallert vielleicht fünf oder sechs Mal, dann aber auch richtig.
Da Hannes und ich noch unsere Flip Flops (überlebenswichtig!) anhaben müssen wir noch mal zurück zum Haus. Auf die Bühne wollen wir mit den Dingern dann doch nicht.
Pentul, der gerade mit jemandem in Jakarta telefoniert hat berichtet, dass für unsere Abschlussshow dort, bereits alle 5.000 Karten im Vorverkauf weggegangen sind. Man oh man.

Die heutige Show wird dagegen recht übersichtlich. 500 Leute finden den Weg in die Halle. Wir haben auch erstmals die Möglichkeit uns einigermaßen frei auf dem Gelände zu bewegen, ohne dass uns die Kleider vom Leib gerissen werden. So können wir uns endlich auch mal ein paar Bands ansehen. Da auch heute wieder über 20 Kapellen spielen hat jede (außer uns) nur 20 Minuten Zeit. Bei manchen ist das schade, bei anderen wiederum sind wir froh erlöst zu werden.
Unser Auftritt läuft reibungslos ob. Die Stimme hält, es ist nicht übermäßig heiß und die Leute feiern, ohne dass wir wieder Angst um die allgemeine Sicherheit haben müssen. Alles in allem, ein schönes Ding.

Im Anschluss hängen wir noch an einem an das Grundstück angrenzenden Kiosk ab und versuchen unseren Flüssigkeitshaushalt mit Literweise Wasser und Jae Tea wieder ins Reine zu bekommen. Bier, bzw. Alkohol an sich trinke ich schon seit ein paar Tagen nicht mehr. Es ist einfach zu warm. Das hebe ich mir dann für Balis Strandkneipen auf.
Nach ein paar Stunden habe, so glaube ich, ich mit jedem Besucher des Konzerts ein Foto gemacht. Jedenfalls kommt es mir so vor. Solange man von schnuckeligen Punk- und Skingirls um ein Foto gebeten wird hat die Sache ja noch durchaus einen gewissen Reiz, aber nach dem 200sten schweißnassen Typen, der seinen Arm um dich legt, ist es auch irgendwann zu viel des Guten.

Uns steht noch eine Nacht in der Garage bevor, ehe wir morgens um 6 Uhr mit dem Zug weiter nach Jember fahren. Diesmal in der Economy Class. Wir hoffen aber, dass der Zug zu dieser Tageszeit noch nicht überfüllt ist und wir nicht sieben Stunden stehen müssen.
Ich schütte mir noch ein paar Kellen kaltes Wasser über den Kopf und versuche zu schlafen.

Mittwoch, 12.03.2008

Na, so zwei bis drei Stunden habe ich dann wohl wirklich schlafen können, bis wir um 5 Uhr morgens geweckt werden. Unsere Gastfamilie ist auch bereits wach, um sich von uns zu verabschieden. Wieder ein trauriger Abschied, wieder so freundliche Menschen.
Der Bahnhof ist nur 500m entfernt und damit bequem zu Fuß zu erreichen.
Der Zug ist glücklicher Weise noch ziemlich leer. Zu Stoßzeiten kommt es vor, dass die Leute auf dem Dach sitzen oder sich noch irgendwie außen fest klammern. Das bleibt uns zum Glück erspart. Pentul erzählt von einer Fahrt zu seinen Eltern, bei der er 35 Stunden nonstop stehen musste. Der Zug bringt uns immer weiter Richtung Osten. Die Aussicht aus dem Fenster ist grandios. Die Landschaft ist so abwechslungsreich. Wir fahren durch dichten Dschungel mit tiefen Schluchten und Wasserfällen, entlang an scheinbar nicht enden wollenden Reisfeldern und rechts und links von uns erheben sich die riesigen, teils noch aktiven Vulkane der Insel.

Man gerät regelrecht ins träumen bei dieser Aussicht. Wenn da nicht die nervigen Verkäufer wären, die die Gänge hoch und runter sausen. „Aqua, aqua, aqua!!!“, Nasi, nasi, nasi!!!“ Keine 30 Sekunden in denen man nichts angeboten bekommt. Anfangs ist man ja noch freundlich und gibt zu verstehen, dass man nichts möchte. Nach dem 100sten „Aqua, aqua, aqua!!!“ versucht man das Ganze aber nur noch zu ignorieren und schaut lieber aus dem Fenster. Doch dann steigt plötzlich eine 7-köpfige Band, mit Kontrabass (!!!), Bongos, Gitarren etc. ein und beginnt in unserem Abteil zu spielen. Da zücke ich dann doch mal mein Portemonnaie. Das war echt nicht schlecht.
Den zweiten Abschnitt bestreiten wir dann in der Business Class, welche sich als die angenehmste Reiseart herausstellt. Es ist bei weitem nicht so kalt wie in der First Class, aber durch Ventilatoren an der Decke auch um einiges kühler als in der Economy. Auch die Anzahl der Verkäufer hält sich hier in Grenzen, so dass man die Fahrt durch immer schöner werdende Landschaften genießen kann.

Ich merke schon die ganzen letzten Tage, wie ich immer entspannter werde. Eine lange Wartezeit oder auch einfach mal den ganzen Tag nur dazusitzen und nichts zu tun, macht mir plötzlich überhaupt nichts mehr aus. Kennen mich viele doch als einen recht ungeduldigen Zeitgenossen, der sofort Unruhig wird, wenn er mal länger auf etwas warten muss, so habe ich hier all diese Eigenschaften abgelegt. „Wie spät ist es?“ – „Irgendwas zwischen zwei und sieben, ist doch egal!“ Ja, hier habe ich meine innere Ruhe gefunden. Ich bin mehr als zufrieden.

Gegen 13 Uhr erreichen wir Jember (310.000 Einwohner). Die Stadt liegt im Südosten von Java. Iron Lion Angga holt uns mit einem Taxi vom Bahnhof ab und wir fahren in sein Haus. Sehr schöne und komfortable Unterkunft. Einzig und allein der gelbblaue Anstrich passt nicht in mein Fussballweltbild, aber was soll’s.
Sascha und Vicky beziehen wieder ein Einzelzimmer aber auch wir haben alle unsere eigenen Matratzen.
Angga fragt was wir nun machen wollen. Ratlosigkeit. „Was kann man denn hier tun?“, frage ich. „Jaa, wir könnten auf einen Berg fahren oder auch zum Stra“ er braucht gar nicht ausreden, wir fahren zum Strand. Eine schöne Überraschung, da wir keine Ahnung hatten, dass Jember einen Strand hat. Hat es eigentlich auch gar nicht, denn wir sind 1,5 Stunden unterwegs, aber das erfahren wir erst im Wagen. Wir mieten uns also einen Taxi. 150.000 Rupiah kostet es hin und zurück. Das sind 10 Euro, für alle zusammen versteht sich. Pentul kommt nicht mit, er muss etwas Schlaf nachholen.

Wir müssen über einen Berg durch den Dschungel fahren um den Strand zu erreichen. Das Auto schafft es nicht und wir steigen alle aus, um zu Fuß die letzten Meter des Anstiegs zu bewältigen. Kikis Kopf droht zu platzen. Ronny dagegen springt auf das an uns vorbeisausende Taxi auf. Dann noch ein paar Minuten Bergab und wir trauen unseren Augen kaum. Überwältigend. Was für ein Ausblick. Eine versteckte menschenleere Bucht mit weißem Sandstrand und riesigen Felsen im Wasser an denen sich die Wellen brechen. Eigentlich fehlt hier nur noch ein altes Piratenschiff das vor Anker liegt und das Bild ist perfekt. Die drei traditionellen hölzernen Fischerboote stellen mich aber auch bereits zufrieden. Außer uns und drei einheimischen Anglern ist weit und breit niemand zu sehen. Wir rennen ins Wasser und lassen uns von den riesigen Wellen durch die Luft schleudern. Was für eine Zeit. Ich habe meine innere Ruhe gefunden und jetzt bin ich auch noch im Paradies.
Während Sascha und Vicky Muscheln suchen, mach ich mich mit den Jungs auf, die Felsen zu erforschen. Über riesige Brocken mit spitzen Steinen und Muscheln klettern wir immer weiter hinaus. Um uns herum bunte Fische, hunderte von riesigen Krebsen und hoch über uns, am Rand der mächtigen Klippen, hangeln sich die Affen durch die Bäume.
Wir entdecken eine Höhle, die durch einen der Felsen hindurch geht und klettern hinein. 40cm große Fledermäuse schwirren um unsere Köpfe. Am anderen Ende der Höhle stehen wir an einer 30m senkrecht abfallenden Felsklippe. Unter uns bersten die Wellen und das Wasser spritzt in unsere Gesichter. Ja, das ist das Leben!!!

Wir sind begeistert, so etwas kannten wir alle nur aus dem Fernsehen. Auf dem Rückweg zum Auto sehen wir noch wie ein paar bis zu 1,5m lange Komodovarane vor uns in den Dschungel flüchten.
Schnell wird es dunkel. Zurück bei Angga gehen wir noch einmal kurz in die Stadt um ein paar Freunde von ihm kennen zu lernen, doch wir sind schon sehr müde. Vorm schlafen gehen gönne ich mir noch mal einen Jae Tea. Was für ein Tag.

Donnerstag, 13.03.2008

Verhältnismäßig gut ausgeruht stehen wir auf. Um die Zeit bis zur Show zu überbrücken fahr ich nach dem Frühstück mit Angga, Hannes und Ronny in die City. Hannes ist auf der Suche nach einer Sonnenbrille. Doch einkaufen mit Hannes ist schlimmer als mit einer Frau. Nichts kann man ihm recht machen. Bei der einen Brille stört ihn das, bei der nächsten eine andere Kleinigkeit, so dass er am Ende mit leeren Händen da steht.
Ronny und ich amüsieren uns derweil in der Spielzeugabteilung des Einkaufzentrums an den elektronischen Spielautomaten und fahren gegeneinander Auto- und Motorradrennen.
Anschließend gehen wir in einen Rock n Roll Shop, indem wir auch die nächsten Stunden verweilen, da es plötzlich furchtbar zu regnen beginnt. Auf dem Weg zurück entdecke ich ein pinkes Girly Shirt mit der Aufschrift „I love my boyfriend“ und denke, dass das eigentlich ein ganz nettes Geschenk für Pentul wäre und behalte es im Hinterkopf.

Zurück in Anggas Haus werden wieder die Pokerkarten ausgepackt. Mit der Zeit wird es aber langweilig nur um Wasserentkeimungstabletten zu spielen und wir überlegen, wie wir das Ganze spannender gestallten können. Ich erzähle von dem Shirt aus dem Geschäft und schlage vor, dass der Verlierer ja dieses heute Abend bei der Show anziehen könnte. Geteiltes Echo. Während Kiki und Sascha eher skeptisch sind, ist Ronny sofort Feuer und Flamme und quengelt solange, bis alle Mann im Kreis sitzen um mitzuspielen. Wir entscheiden uns der Dramatik halber auf Black Jack umzusteigen. Jeder hat vier Leben. Der Verlierer muss heut Abend das pinke, bauchfreie „I love my boyfriend“-Shirt tragen. Die Regeln sind festgelegt und los geht’s. Was für eine Anspannung.
Doch man muss kein Hellseher sein um zu ahnen, dass natürlich ausgerechnet Ronny sang und klanglos verloren hat, schließlich wollte er ja unbedingt spielen. Das Gejohle war jedenfalls groß.

Die heutige Show findet in der Universität von Jember statt. 35 Bands! Von Punk, Hardcore und Metal bis hin zu Reggae und Ska ist alles dabei. Zum ersten Mal sind auch größere Mengen Skinheads unter den Gästen.
Guter Laden, gutes Equipment, gute Show. Im Anschluss relaxen wir noch eine Stunde in einem Nebengebäude und machen uns dann auf den Heimweg. Schließlich steht noch heute Nacht die Überfahrt nach Bali an. Zum Abendlichen Reisessen machen wir es uns an einem Stand auf der Strasse bequem und warten auf das Auto.
An dieser Stelle müssen wir uns für die nächsten fünf Tage von Kiki verabschieden, da er zurück nach Jakarta muss um noch die letzten Dinge für die riesen Abschlussshow zu klären.
Es ist nicht mehr weit bis Bali und der Taxifahrer heitzt wie ein wilder über die Berge Richtung Fähre.

Freitag, 14.03.2008

Am sehr frühen Morgen kommen wir in Singaraja (143.500 Einwohner), im Norden Balis, an. Da wir erst um 12 Uhr in das für uns gebuchte Hotel einchecken können, verbringen wir die nächsten Stunden im Haus des Veranstalters. Die Hitze ist kaum zu ertragen am heutigen Tag und wir können es kaum erwarten an den Strand zu kommen. Das Bild der Häuser hat sich mit der Ankunft auf Bali komplett gewandelt. Auf der Insel leben zu über 90% Hinduisten, was sich auch in der Architektur bemerkbar macht. Nahezu jedes Haus sieht aus wie ein kleiner Tempel und ist mit Malereien und Skulpturen geschmückt.
Im Hinterhof des Hauses entdecke ich das erste wirklich bedrohlich aussehende Insekt. Eine Spinne von beachtlicher Größe sonnt sich auf einem Baum. Ich entschließe mich Ronny in Unwissenheit zu lassen und ziehe mich selbst lieber auf die Terrasse vor dem Haus zurück.

Dann können wir endlich zum Hotel. Wir schmeißen uns schnell in unsere Badesachen, trinken noch rasch einen kalten Kokosnuss-Shake und werden dann von ein paar Punks mit ihren Motorrädern zum Strand gefahren. Doch was ist das? Entsetzen in unseren Augen. Ein kleiner verkümmerter schwarzer Sandstrand, ohne Palmen aber dafür mit umso mehr Müll. Dazu grünes stinkendes Wasser. Oh ne Jungs, hier können wir nicht bleiben, dass haben wir uns nun ganz anders vorgestellt. Wir verklickern den Kollegen, was wir uns unter Strand vorstellen und fahren 15 Minuten weiter Richtung Westen.
Aber das gelbe vom Ei ist das auch nicht. Zwar ist der schwarze Sand hier etwas sauberer aber das Wasser stinkt immer noch abartig. Ich bin ja was so etwas angeht wirklich nicht pingelig aber in diesem Wasser möchte ich nicht schwimmen.
Palmen suchen wir hier auch vergebens, dafür stürmt gleich eine ganze Armee von Verkäufern auf uns los. Ich suche das Weite und flüchte in eine Strandbar. Wir beschließen gleich nach der morgigen Show nach Kuta-Beach in den Süden der Insel zu fahren, um dort noch drei schöne Tage, an den Postkartenstränden der Insel, zu verbringen.

Die Strandbar ist allerdings ganz nett, wenn man sich die ekligen Sextouristen um uns herum wegdenkt. Ich trinke mein erstes Bier seit langem und es gibt frittierte Schrimps. Sehr lecker. Eine der Veranstalterinnen lädt uns für den Abend in ihr Restaurant ein, was wir gerne annehmen und vereinbart auch einen Massagetermin für Ronny und mich.
Sie hat einen alten amerikanischen Militärjeep auf dem sie uns in den Massagesalon fährt. Wir stehen hinten auf der Ladefläche und heizen durch die Nacht. Am Salon werden wir bereits erwartet. Wir legen uns hin und lassen uns bearbeiten. Mein geschundener Rücken macht Luftsprünge. Die 1,5 Stunden kosten umgerechnet 3,50 Euro, so dass wir die beiden Damen gleich für den nächsten Tag noch einmal für uns und auch für Hannes und Pentul in unser Hotel bestellen.

Das anschließende Abendessen ist ebenfalls sehr nett. Das Restaurant liegt idyllisch auf einem kleinen Hügel und es weht ein angenehmer Wind. Es wird wieder viel gelacht und wir beschließen nun doch erst am Morgen nach der Show in den Süden aufzubrechen.

Samstag, 15.03.2008

Wir werden um 8:30 Uhr aus den Betten geschmissen, denn für 9 Uhr ist ein Live-Interview bei Balis größtem Radiosender vereinbart worden. Im Sender läuft die Klimaanlage am Anschlag, so dass ich mir wieder Sorgen um meine Gesundheit mache, aber diesmal geht alles gut.
Nach dem einstündigen Interview wollen wir uns die heutige Location anschauen und werden wieder mit dem Willys (Militärjeep) abgeholt. Pentul sitzt auf dem Beifahrersitz, Sascha und Vicky auf der Motorhaube und der Rest steht auf der Ladefläche. Plötzlich merke ich, dass etwas nicht stimmt. Müssten wir nicht eigentlich mal etwas langsamer werden? Unsere Fahrerin tritt immer wieder die Bremse doch es passiert nichts. Wir krallen uns fest, rammen einen quer auf der Strasse stehenden Laster und landen schließlich rechts im Strassengraben. Schock! Ein riesen Glück, niemandem ist etwas passiert, dafür laufen wir alle ziemlich verstört die Strasse auf und ab. Noch halb in Trance wuppen wir den Jeep aus dem Strassengraben, während sich unsere Fahrerin mit den Eigentümern des Lasters arrangiert. „Alles ok, wir können weiter!“ -  „Wie, weiter? Womit?“ – „Na, mit dem Jeep, Bremsen gehen doch wieder!“ Mit einem mehr als unwohligen Gefühl klettern wir zurück auf den Wagen und kommen an die nächste Kreuzung. Wäre es hier passiert, hätte es uns wohl zerrissen. Wir rufen „Stopp! Bitte lass uns einen Taxi rufen!“ Zwar scheint die Bremse wirklich wieder zu arbeiten aber die Angst, dass es hier auf der Hauptstrasse noch einmal passiert ist einfach zu groß.

Das Konzert findet in einer Halle statt, die wie ein alter Tempel gebaut ist. Hinter der Bühne eine Art riesiger steinerner Altar indem etliche Skulpturen hinein gehauen wurden. Ohne Frage, die schönste Bühne auf der wie je spielen durften. Auch die P.A.- Anlage sieht sehr ordentlich aus, so dass wir uns mal auf einen guten Sound freuen.
Nicht weniger als 35 Bands stehen auf dem Flyer. Wir als letztes um 23 Uhr. Also erstmal wieder zurück ins nahe gelegene Hotel.
Die Masseusen warten schon und Hannes und Pentul machen den Anfang.
Gegen 17 Uhr geht es zurück zum Konzert. Hier ist es ungefährlich für uns und wir können uns frei bewegen. Ein Foto mit uns möchte trotzdem wieder jeder haben aber was tut man nicht alles. Währenddessen spielen ein paar wirklich gute Ska- und Punkbands. Allerdings ist der Sound trotz der ordentlichen Anlage und des vermeintlich professionellen Mischers unter aller Sau. Das geht mal gar nicht. Mit der Zeit werden auch die Bands wieder schlechter und die Leute verlassen zunehmend die Halle. Als wir um 23:30 Uhr beginnen ist kaum noch was los und die, die noch  da sind, schlafen entweder oder sind völlig stramm. Aber ein vernünftiges Konzert ist eh kaum möglich. Auf der Bühne hört sich alles nach nur einem einzigen Geräusch an. Das Schlagzeug ist so gut wie gar nicht wahrzunehmen, so dass es schwierig ist sich zu orientieren. Nach 30 Minuten brechen wir ab und ersparen uns und dem noch übrig gebliebenen Publikum die restlichen vier Lieder.
Das war heut nichts. Leicht enttäuscht besorgen wir uns noch ein Bier zum einschlafen und freuen uns auf Kuta-Beach.

Sonntag, 16.03.2008

Eigentlich sollte es ja heut Morgen schon um 8 Uhr losgehen aber der Taxifahrer hat es wohl nicht geschafft uns zu wecken, so brechen wir mit zwei Stunden Verspätung in Richtung der Balinesischen Traumstrände auf.
Es geht endlose Serpentinen hinauf, einmal quer über die Insel an malerischen Seen und hunderten von Affen vorbei. Gegen Mittag haben wir dann unser Ziel, auf das wir uns nun schon so lange gefreut hatten erreicht. Endlose, weiße Sandstrände, Palmen, riesige Wellen und Strandbars. Yieha!
Doch zunächst checken wir im Hotel ein. Wir wohnen in einer sehr gemütlichen Bungalowanlage, die 200m vom Strand entfernt ist. Alles ist sehr sauber und die 2 Euro pro Nacht sind unglaublich aber wahr.
Gleich um die Ecke gibt es Hoteleigene Restaurants, die ebenfalls sehr günstig sind und einen 24 Stunden Supermarkt. Was will man mehr? Na ja, die supercoolen australischen Surfer, die überall rumlaufen, gehen einem doch etwas auf den Sack. Diese benehmen sich als ob die Insel ihnen gehören würde und sind bei den einheimischen alles andere als beliebt.
Teilweise schon sehr krass. Sobald die Leute merken, dass wir aus Deutschland kommen und keine Australier sind werden wir prompt freundlich begrüßt und zuvorkommend behandelt.
Nach einem kleinen Snack gehen wir dann zum Strand. Bei einer älteren Dame kaufen wir nach harten Verhandlungen fünf Strandtücher und werfen uns in die Wellen.
Ronny macht sich derweilen auf den Weg sich ein Surfboard zu leihen. Da er Snowboard fahren kann, ist er fest davon überzeugt auch auf dem Wasser eine gute Figur zu machen. Zunächst sieht es auch alles sehr professionell aus, wie unser Muskelmann, mit dem Board unterm Arm, Richtung Wasser stolziert. Aber Wellenreiten und Snowboard fahren sind dann doch zwei unterschiedliche Sportarten, wie sich auch der gute Ronny eingestehen muss.
Gegen die aufdringlichen Verkäufer wird man recht schnell resistent, indem man sie gar nicht beachtet. Von Lebensmitteln über Perlenketten, bis hin zu Blasrohren wird alles Mögliche angeboten.

Es wird dunkel und wir gehen zurück ins Hotel. Es wird geduscht und wir machen uns fertig um in die Stadt zu gehen. Dort ist es erfreulich leer. Die meisten Touris sind bereits in den Discos verschwunden, in die uns aber niemand hinein bekommt.
Plötzlich stehen wir vor dem Denkmal an der Stelle, wo vor 6 Jahren bei dem Terroranschlag 202 Menschen ums Leben kamen. Wir sind alle ergriffen und stehen für ein paar Minuten stillschweigend vor der großen Tafel, in die die Namen der Opfer gemeißelt sind.
Später landen wir in der Espresso Bar. Zwar wimmelt es auch hier von Australiern aber auch wir wollen feiern. Wir lernen eine neue Biersorte kennen. Bali Hai. Schmeckt bei weitem nicht so gut wie die großen Brüder Bintang und Anker aber nach der zweiten Flasche geht es auch. In der Bar spielt eine Band Lieder auf Wunsch. Die fünf Metaltypen quälen sich gelangweilt durch ein paar Rockschnulzen bis mit Nirvana, Metallica und immer wieder Guns’n’ Roses endlich Leben in die Musiker und auch in den Laden kommt. Auch wir liegen uns in den Armen und singen ordentlich mit.
Den Abschluss bzw. Abschuss des Abends gab es dann in einer nahe gelegenen Cocktailbar, in der die Lichter für mich ausgehen.

Montag, 17.03.2008

Wir stehen spät auf. Die Cocktails brummen noch ganz schön in der Birne. Also hauen wir uns zum ausnüchtern an den Strand. Es ist bewölkt, was angesichts des sich allgemein langsam auftretenden Sonnenbrandes, sehr angenehm ist. Egal ob Sonne oder nicht, 28 Grad hat es eh immer.
Ronny wird von zwei Mädels gefragt, ob sie sich sein Surfboard ausleihen dürfen. „Na klar, ich kann euch ja auch ein bisschen was zeigen!“ Har, har, har!!!
Sascha und Vicky wollen am Abend im Hotel bleiben, so gehen wir diesmal nur zu viert auf die Piste. Wir entdecken „Mama’s“, ein deutsches Restaurant und beschließen Pentul in die Welt des Wiener Schnitzels einzuführen und nehmen Platz.
Im Hintergrund läuft deutsche Volksmusik, an der Wand Bilder aus der Heimat und die Kellner sprechen perfekt deutsch.

Oh man, sitzen wir wirklich in Indonesien in einem deutschen Restaurant? Sind wir etwa zu dem geworden was wir hassen? Aber was soll’s. Nach zwei Wochen Reis soll das nun auch mal erlaubt sein. Vier Wiener Schnitzel und vier große Bier. Pentul ist begeistert und meint, dass sei das Beste was er je gegessen hat. „Pork rules!“
Nicht weit entfernt befindet sich die Punkrockkneipe „Twice“. Wirklich was los ist da aber nicht. Pentul erzählt, dass wir dort auch hätten spielen können, er beim Planen der Tour aber nicht mit den angebotenen Konditionen zufrieden war.

So entschließen wir uns wieder die Espresso Bar aufzusuchen, die heute sehr gut besucht ist. Auch die Band ist wieder da. Genial, als sie plötzlich „Killing in the name of“ von Rage Against The Machine spielen, fangen vorne sogar die Australier an zu pogen und es geht Schlag auf Schlag weiter. Wir wünschen uns noch The Clash, Ramones und Motörhead und der Laden tobt. Ronny, der eigentlich nichts trinken wollte schraubt sich inzwischen diverse Tequilla in die Birne und wir sind alle recht gut dabei. Kurzerhand wird beschlossen morgen in aller Frühe Schnorcheln zu fahren. Drei Stunden schlaf sollten ja wohl genügen. Na dann, Prost.

Dienstag, 18.03.2008

6 Uhr, der Wecker klingelt. Oh oh, das wird hart. Aber für das was wir vorhaben, bin ich gern bereit mich zu quälen. Hannes sieht das komplett anders und ist nicht wach zu bekommen. Dann halt ohne ihn, dafür ließen sich Sascha und Vicky noch überreden mitzukommen.
Mit dem Taxi fahren wir in ein Tauchgebiet. Dort werden wir mit Brille, Schnorchel und Schwimmflossen ausgestattet und mit einem Boot zu den Korallenbänken aufs offene Meer hinausgefahren.
Ein Sprung ins Wasser und um mich herum tausende von bunten Fischen, mit bis zu 1m länge. Eine Stunde haben wir Zeit und sie vergeht wie im Flug. Sascha und Vicky haben irgendwelche Probleme mit ihren Schnorcheln und sitzen schon nach wenigen Minuten wieder im Boot. Ronny, Pentul und ich dagegen tauchen in die Tiefe, bis der Wasserdruck zu stark wird. Ich sehe mich ständig um. Die absolute Krönung wäre jetzt noch ein Riffhai, doch dafür muss man schon sehr viel Glück haben.
Dafür kommt plötzlich nur einem Meter unter mir ein Fußballgroßer Seeigel aus seiner Höhle hervor. Ein zwei Bewegungen mit den Schwimmflossen und ich kann mir das Tier aus sicherer Entfernung genauer anschauen.
Dann sind die 60 Minuten auch schon bald vorbei und mein Körper schlägt Alarm. Alkohol, wenig Schlaf und eine Stunde Sonne auf den Hinterkopf bescheren mir einen nicht allzu schlimmen aber dennoch ordentlich spürbaren Sonnenstich, der mich für den Rest des Tages außer Gefecht setzt.
Den Nachmittag verbringe ich also im Bett, während Ronny vor den Augen der Anderen weiterhin an seiner Surferkarriere arbeitet. Zwei Sekunden soll er sich sogar mal auf dem Brett gehalten haben.
Ich schaffe es gerade mal mich in den Supermarkt zu quälen um Wasser und eine Kleinigkeit zum Essen zu besorgen.
Der Abend verläuft ruhig, denn am nächsten Morgen geht es bereits früh zurück Richtung Jakarta.

Mittwoch, 19.03.2008

Um 5 Uhr steht Pentul vor meinem Bett. Aufstehen, der Flieger wartet nicht. Ronnys Befürchtung mit einer Cessna zu fliegen bewahrheitet sich leider nicht. Schade, wäre sicherlich interessant gewesen. Trotzdem, Pentul hat furchtbare Flugangst und betet ohne Pause bis wir wieder sicher gelandet sind.
Es dauert eine Stunde bis wir endlich unser Gepäck auf dem Band entdecken und Kiki in die Arme nehmen können.

Ich entschließe den Nachmittag zu relaxen um mich komplett von meinem Sonnenstich zu erholen, während die Anderen zum Shoppen in den Mall fahren. Ich mach es mir mit Fanny auf der Terrasse gemütlich und wir reden wortwörtlich über Gott und die Welt. Zwischendurch schnappt sich immer mal wieder jemand die Gitarre und wir singen dazu. Auch dem Kiosk um die Ecke statten wir den einen oder anderen Besuch ab.
Als die Anderen am späten Abend wiederkommen, haben wir noch eine Entscheidung zu fällen. Wir entschließen uns die Show in Bandung zu canceln. Das Risiko mit der Polizei aneinander zugeraten und damit auch noch die Shows in Bogor und Jakarta zu gefährden wird als zu groß erachtet. Schade, da ich mich sehr auf das Konzert zusammen mit Rentenir gefreut hatte, aber es ist die Richtige Entscheidung.

Donnerstag, 20.03.2008

Nach dem Mittagessen sitzen alle auf der Terrasse und niemand hat so Recht einen Plan vom heutigen Tag. So schau ich im Internet nach, was Jakarta an Ausflugszielen alles zu bieten hat. Uns fällt sofort die Bay City ins Auge. Eine Ansammlung von mehreren Freizeitparks. Wir entscheiden uns für Sea World und das angrenzende riesige Spaßbad Atlantis. Zu fünft (Pentul, Kiki, Hannes, Ronny und Dole) machen wir uns auf den Weg.
So sehr mich das neu eröffnete Sea Life in Hannover auch enttäuscht hatte, so begeistert mich Sea World Indonesia. Alles ist viel größer und die Wartezeiten sind minimal. Es gibt Haie, Krokodile, riesige Fische und verdammt coole Seekühe.
Das war schon mal was. Auf dem Weg zum Spaßbad müssen wir aufpassen, nicht aus dem Gebüsch von Schlangen angegriffen zu werden und man fordert uns auf möglichst weit links zu gehen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und wechseln die Seite.
Im Spaßbad haben wir freien Eintritt, da Kiki einen der Manager kennt, der uns für den Abend auch gleich noch ins angrenzende Restaurant zum „All you can eat“ einlädt. Die Rutschen im Bad sind riesig. Sicherheit wird dagegen eher klein geschrieben. Ronny und mich hebt es in den Kurven ein paar Mal über den Rand der Rutsche hinaus. Hannes kommt kurioser Weise überhaupt nicht in Fahrt, so dass ihm regelmäßig die nachfolgenden Badegäste in den Rücken fahren. Irgendwas macht er falsch, doch des Rätsels Lösung offenbart sich uns nicht.
Das anschließende Essen ist wieder vom Feinsten. Es gibt erneut frittierte Schrimps bis zum abwinken und dazu frisch gepresste Fruchtsäfte. Ronny (fr)isst für drei und alle sind zufrieden.
Zurück bei Kiki wird sämtliches Geld in Bier umgesetzt. Es wird gepokert und gelacht. Nur noch vier Tage, ich will gar nicht an den Abschied denken.

Freitag, 21.03.2008

Da wir Bandung aus Sicherheitsgründen gecancelt haben, steht uns auch der heutige Tag wieder zur freien Verfügung. Der Großteil ist aber recht träge und unmotiviert, so dass Hannes, Kiki und ich allein losfahren. Ziel ist ein Safaripark in den Bergen südlich von Jakarta. In der Stadt und auf der Autobahn ist erfreulich wenig Verkehr, dafür staut es sich umso mehr, je näher wir unserem Ziel kommen. Nach einer Stunde stopp and go den Berg hinauf haben wir es geschafft. Wir kaufen noch schnell ein paar Karotten zum verfüttern und fahren in der Park. Elefanten, Kamele, Löwen und Tiger laufen direkt an unserem Wagen vorbei. Ein riesiger hungriger Ochse bemerkt unsere Karotten und steckt plötzlich seinen Kopf durch unser Fenster. Ahhh. Das ist dann doch etwas zu nah und Hannes wird zur allgemeinen Erheiterung ordentlich vollgesabbert.

Nach zwei Stunden machen wir uns wieder auf den Heimweg. Am Ausgang entdecke ich schräg über meinem Fenster wie sich eine Untertassengroße Spinne vom Baum abseilt, was zur Folge hat, dass mein Fenster für den Rest der Fahrt geschlossen bleibt.
Zuhause angekommen, wird ist es schon wieder dunkel. Ronny schläft und hat dies auch schon den ganzen Tag getan. So bekommt er auch nicht mit, wie die Jungs und Mädels aus Semarang eintreffen, die uns noch für den Rest der Tour begleiten werden.
Um mir weitere Namen zu merken ist es zu spät, zu viele Leute kreuzten in den letzten Wochen meinen Weg. Wir trinken noch zwei, drei Bier und plötzlich kommt jemand auf die Idee, noch einmal in den Proberaum zu gehen. Es folgt eine 2stündige Allstar Session in der man sich quer durch die Punk- und Skageschichte covert. Wieder zurück, geht es ab ins Bett, um für die letzten beiden Shows fit und ausgeruht zu sein.

Samstag, 22.03.2008

Direkt nach dem Frühstück brechen wir auf Richtung Bogor (770.000 Einwohner). Die heutige Show findet in Fidos Villa, hoch in den Bergen, statt.
Zur allgemeinen Freude ist es in dieser Höhe einige Grad kühler, so dass man ausnahmsweise nicht ununterbrochen schwitzt. Es gibt Mittagessen und wir machen es uns im Schlafzimmer gemütlich.
Eine Stunde später trifft unser zweites Auto ein. Pentul hat es geschafft sich während der 1,5stündigen Fahrt völlig abzuschießen und muss ins Haus getragen werden. So ein Gemisch aus Black wine, Spiritus und was weiß ich nicht noch allem, hat es halt schon in sich.
Da es sich um ein Konzert auf einem Privatgrundstück handelt ist Alkohol heute erlaubt und die Leute geben auch mächtig Gas. Bier gibt es leider nur wenig und an Pentuls Teufelsgebräu trauen wir uns nicht dran.

Als es dunkel wird, fällt erstmals auf, dass es gar kein Licht auf der Bühne gibt. So machen sich einige Leute auf den Weg, um ein paar Neonröhren zu besorgen. Nachdem diese eingetroffen und angebaut sind, können wir anfangen. Wir sind sehr positiv überrascht. War das Ganze doch als ein kleines Privatkonzert auf Fidos Grundstück angekündigt, so tummeln sich mittlerweile an die 700 Leute im Garten der Villa. Die Bühne ist ziemlich wacklig, so dass ich kaum traue mich zu bewegen, Spaß macht es nach der längeren Pause trotzdem wieder tierisch.

Nach uns eine Mädel Oi!- und Ska Band. Leider Gottes gibt die Gesangsanlage dabei ihren Geist auf, so dass kaum noch etwas zu verstehen ist. Musikalisch klingt das nämlich sehr ordentlich. Die Damen sind auch ansonsten sehr nett. Gaben sich doch sonst alle Frauen, die wir auf der Tour kennen lernten, eher schüchtern und zurückhaltend, so plappern diese ununterbrochen und wollen alles von einem wissen.
Dass es überall Idioten gibt, müssen wir diesen Abend aber auch noch feststellen. Ein Trottel nervt ungemein mit seinem Geschwafel über den Ku Klux Klan und Indonesian Proud und bekommt dabei seinen rechten Arm nicht mehr runter. Ich glaube zwar kaum, dass der Vogel eine wirkliche Ahnung hat, was er da von sich gibt, schließlich sah man auch Punks mit Adolf Hitler T-Shirts, aber dennoch wird er konsequenter Weise vor die Tür gesetzt.
Während sich der Rest gegen 22 Uhr auf den Weg zurück nach Jakarta macht, verzögert sich für Hannes und mich die Abreise um 5 Stunden, weil das zweite Auto nicht kommt. Im Schlafzimmer versuchen wir etwas zu pennen – mit mäßigem Erfolg.
Um 3 Uhr kommt dann endlich das Auto und wir schlürfen nach draußen.

Sonntag, 23.03.2008

Drei Stunden Schlaf müssen genügen. Heute müssen wir noch einmal alles geben. Die Abschlussshow ist schon im Vorverkauf mit 5.000 Leuten ausverkauft. Ein Traum. Die Crew hat für die Vorbereitung der Show unglaubliches geleistet. Wir brennen darauf endlich loszukommen und alles mit eigenen Augen zu sehen. Doch die aktuelle Situation ist angespannt. Die Polizei ist schwer bewaffnet angerückt. Es wäre noch zu gefährlich für uns. So stoppen die Wagen einen Kilometer vor der Location und wir werden in Sicherheit gebracht.
So kurios es auch klingt, aber es ist wahr. Aus Schutz vor der Polizei, werden wir im Haus des Polizeipräsidenten, dessen Sohn ein Punk und Mitorganisator der Show ist, untergebracht. Obwohl Haus stark untertrieben ist. Es ist eher ein Palast. Keiner von uns war jemals in solch einem Gebäude zu Gast. Das Sicherheitspersonal öffnet das elektronische Tor und heißt uns herzlich willkommen. Durch die Garage, mit etlichen schwarzen Limousinen, gelangen wir in die prunkvolle Empfangshalle und werden an den hauseigenen Swimming Pool gebeten. Welch ein Kontrast zu den letzten drei Wochen. Mit Bier und Tee sitzen wir am Pool und warten auf den erlösenden Anruf dann doch endlich los zu können.

Gegen 16 Uhr ist es soweit. Wir steigen in die Autos und nähern uns dem Open Air Gelände. Die Massen von Punks, Skins und Hardcore Kids auf den Straßen werden immer dichter.
Keine Ahnung wie viel Tausend hier noch zusätzlich auf der Straße stehen und keine Karte mehr bekommen haben.
In einer kleinen versteckten Seitengasse halten wir. Jeder bekommt wieder seine Bewacher und wir werden in den gesicherten Bereich hinter der Bühne gebracht.
Auf der Bühne fangen gerade „The Fishska“ an. Liga, Fanny und Co geben richtig Gas, so dass selbst ein Skamuffel, wie ich es bin, seinen Spaß daran hat. Dann kommen auch schon wir. Vor uns Menschen soweit das Auge reicht. Weil es durch die Polizei zu Verzögerungen kam bleiben uns nur noch 25 Minuten. Also, volle Kraft voraus.
Was folgt kann man nicht beschreiben, man muss dabei gewesen sein. Die Security hat große Mühe die Leute einigermaßen unter Kontrolle zu halten, damit der Pogo nicht zu wild wird und die Leute in den ersten Reihen, durch die nach vorne drängenden Massen, nicht erdrückt werden. Einfach nur Wahnsinn.

Aus Sicherheitsgründen machen wir uns nach der Show wieder recht zügig auf den Weg. Während des Zwischenstopps in einer Pizzeria erfahren wir weshalb. 30 Minuten vor unserem Auftritt wurde einem Punk, auf der Strasse vor der Location, mit einer Sichel der Kopf abgeschlagen, woraufhin die Masse mit Schraubenziehern und allem was sie finden konnte auf den Täter einstach. Um das Konzert nicht zu gefährden wurden die Körper in den Graben geworfen und mit Palmenblättern und Zeitungen bedeckt. Ohne Worte! Das ist dann die Kehrseite in diesem doch sonst so fröhlichem und freundlichen Land. Rivalitäten zwischen Gangs sind leider allgegenwärtig.
Es folgt unser letzter Abend und langsam werden wir alle melancholisch. So sehr ist man sich doch gegenseitig in den letzten Wochen ans Herz gewachsen. Doch spätestens in zwei Jahren kommen wir wieder, dass können wir allen versprechen.

Montag, 24.03.2008

Der Tag der Abreise ist gekommen. Die letzte Woche verging aber auch wie im Flug. Viele kommen noch einmal vorbei um sich von uns zu verabschieden. Man sitzt noch einmal gemeinsam auf der Terrasse und wir geben ein ausführliches Interview für Kikis und Ligas Hairless Skinzine. Dann ist es soweit.
Oh man, wie ich so etwas hasse. Auf beiden Seiten kullern vereinzelte Tränen übers Gesicht. Hier haben wir echte Freunde gefunden. Ich kann mich gar nicht genug bei euch allen für diese wunderschöne Zeit bedanken. See you next time, mates!!!

Special thanks to: Pentul MacGowan, Kiki and his whole family, Eko the Helldriver, Liga, Fanny, Awan, Andrash, Fido and family, Angga, Bretel, The Fishska, Social Social, The Idiots, The Gangs, Harmoniska, everyone @ Anti Music and all the other bands and people who helped us out in these unforgetable weeks!!!

Vera goes Amerika

Als Vera von Hulk Räckorz mir per email mitteilte, das Sie mit ihrer besseren Hälfte Richtung Amerika fliegen würde, bat ich Sie,doch ein paar Zeilen über ihren Aufenthalt zu verfassen, was Sie auch prompt mache. THANX!!!!

Hier also ne Handvoll Urlaubsspass:

California over alles oder;  Wenn einer eine Reise tut…

Um Frank neidisch zu machen hab ich ihm geschrieben, das Fratz und ich nach Amerika zu fliegen, um Silvie Pussycat und ihren Ehemann Mark zu besuchen.

Schneller als ich gucken konnte hab ich treudoof versprochen, einige nette Urlaubsgeschichten aufzuschreiben… here we go; Angefangen hat alles ganz harmlos am 22.12. morgens um 8.00 Uhr am Duesseldorfer Flughafen. Wir checkten unser Gepaeck ein, um mit einem Zwischenstop in Frankfurt nach LA zu fliegen.Darueber, das die ganzen Fluege nach Frankfurt vor uns gecancelt wurden, haben wir uns noch lustig gemacht. Bis unser Flug dann auch auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.Am Schalter wurden wir dann aufgeklaert, das wir unseren Anschlussflug nach LA verpassen wuerden – schoene Scheisse.

Fuer nen Zug ode rein Taxi nach Frankfurt war es schon zu spaet, also leierten wir der netten Dame von der Lufthansa eine Nacht in nem neugebauten Nobelhotel am Flughafen raus.

Also begann unser Urlaub in Dueseeldort mit Sauna und Dampfbad. Am naechsten Tag gings dann morgens um 7 Uhr los Richtung Frankfurt und ohne Zwischenfaelle weiter nach LA, wo Silvie und Mark uns am Flughafen abholten.

Wir hatten das rundum sorglos Paket gebucht und die beiden brachten uns nach Santa Barbara.

Am naechsten Tag gings zurueck nach LA und von dort aus flogen wir mit den Beiden  nach Cancun – Mexico. Was dem deutschen Himbeer-Toni sein Ballermann, ist dem Ami sein Cancun.

5 Tage Arschloch-all-incusive-Urlaub in ner Hotelballerburg mit fiesen Animateuren, unglaublich vielen Cocktails und white trash people.

Um uns den mit kleinen Arschlochtattoos uebersaeten Chefanimateur (der, warum auch immer nen silberfarbenen Stoffpenis ueber seiner Badehose trug) vom Hals zu halten, gingen wir surfen oder Catamaran fahren (natuerlich auch all inclusive).

Direkt am ersten Abend trafen wir meine Lieblings-Urlaubsbekanntschaft: die Pimmelfrau aus San Francisco die auf der Suche nach nem netten Paerchen war (alles kann, nichts muss…. oder so aehnlich).

Aber nicht mit uns Spiessern!

Einen Tag trafen wir uns mit Franz, dem Gitarristen von der feinen kanadischen Band Grimskunk (check www.myspace.com/grimskunk) in Playa del Carmen, einem kleinen Ort mit weissen Sandstraenden und kristallklarem Meer und danach gings schon wieder zurueck nach LA, wo wir uns am 30.12. Mike Ness und seine Mannen ansahen. Mein Gott, ist der Trommler schlecht, der gehoert verboten. Social Distortion spielten im House of Blues nem sauteuren Laden mit Flughafenmetallsuchgeraeten am Eingang. Bei Bierpreisen von 7.50 Dollar verging uns das Saufen ganz schnell und jeder nuckelte den ganzen Abend an einem drink rum.

Silvester gaben Silvie und Mark ne Bad Taste Party und fast alle kamen schlecht angezogen daher. Fratz lag mit bis unter die Arme gezogener Joggingbuxe, Pferdekopf-T-Shirt, Socken mit Sandalen und aufgeklebtem Hitlerbaertchen ganz weit vorn. Was fehlte, war n Pissfleck. Hehe.

 Jetzt ist der 01. Januar – frohes Neues allerseits und ich geh nach schlappen 2 Stunden Schlaf nochmal ins Bett.

Guats Naechtle,

Vera

TEIL 2

Wem der erste Teil unseres USA-Berichts noch nicht langweilig genug war, liest am besten hier weiter:

Vom 01. Januar gibts nicht viel zu berichten, ausser Partyreste beseitigen und rumgammeln ist nicht viel passiert.

Am 02. Januar holte Darcy, ne Freundin von Silvie und Mark, die nuklear-betriebene U-Boote baut, uns ab und fuhr mit uns in nen am Meer gelegenen Naturschutzpark zum Wandern. So sieht Punkrock im Jahr 2008 aus.

Danach gings zum Baseball spielen. Ein Heidenspass fuer die ganze Familie.
Man steht bewaffnet mit dem fetten Baseballschlaeger in nem Kaefig (ohne Helm) und laesst sich von ner Maschine wahlweise Soft – oder harte Baelle um die Ohren ballern, auf die man wie wild einschlaegt – ganz grosses Kino.Ich hab mir vor lauter Begeisterung ne Blase am Handballen geholt.Weiter gings mit Bowling (Fratz der alte Angeber warf 3 strikes hintereinander)und zum Abschluss waren wir Billiard spielen.Soviel Spass fuer eine Handvoll Dollar.

Heut gehts Richtung Norden zur weltberuehmten wall of gum (ne Wand, wo alle ihre Kaugummis hinkleben). Muss man laut Silvie und Mark gesehen haben…

Mehr dazu spaeter.Lieben Gruss…..Vera

So, wir sind seit kanpp ner Woche wieder zu Hause und haben soweit alles aufgearbeitet, was liegen geblieben ist, während wir..s uns gut gehen lassen haben.
Jetzt ist..s Zeit für den 3 und letzten Teil des USA Reiseberichts.
Erstmal schauen, womit Teil 2 geendet hat -ah mit der weltberühmten “wall of gum”.
Die entpuppte sich zu ner kleinen Passage, die ziemlich fruchtig (!) roch und von oben bis unten mit angesibbelten Kaugummis vollgeklebt war… bäääh!
Aber das Kaff, wo die Mauer war, war total nett, n kleines Nest mit vielen Bunthaarigen und Punkrockern, wo auch oft Konzerte sind (und ich Depp hab natürlich vergessen, wie..s hieß).
Auf dem Weg dahin fuhren wir durch “little Las Vegas”, n altes Indianerreservat mit nem Riesen-Spielcasino (da kann Hohensieburg mal kacken gehen).
Vielleicht sollte man dazu sagen, das Glücksspiel in Amerika verboten ist (außer in Las Vegas) und da dieses Land den Indianern gehört, ist es erlaubt (wobei mal dahingestellt bleibt, wer an dem Glücksspiel vrdient…
Danach gings nach “danish village” , n kleines Dorf, wo hauptsächlich Dänen wohnen (wer hätte das gedacht). Alles süße kleine bunte Fachwerkhäuschen und Windmühlen. Wir waren in nem Bonbonladen der aus Pippi Langstrumpf hätte stammen können.
Am letzten Abend fings mächtig an zu regnen (für die die Nachrichten hören: Unwetter in Californien) und wir bekamen schon Angst, das die Küstenstraße nach LA überschwemmt werden würde (da mußten wir ja am nächsten Morgen zum Flughafen).
Haben schon überlegt, ob wir nen Abend eher losfahren und im Flughafen pennen, aber nach ein paar Cocktails verflog die Idee genauso schnell wie sie gekommen war.
Kamen am nächsten Tag auch wirklich prima durch und besuchten noch den Friedhof, wo DEE DEE und Johnny liegen.
Für Amoeba-records reichte die Zeit leider nicht mehr (sorry Fratz, da waren wir bei unserem letzten Besuch aber auch schon).
Zum Schluß will ich noch schnell ein riesiges Danke loswerden an Mark und Silvie (Kotumba Records, Silent Meaow, Derita sisters) für die super Gastfreundschaft und das Rundumsorglos-Paket.
Achso: an den Zollkontrollen wollen die Amis nur 2 Fingerabdrücke (beide Zeigefinger) haben, nicht alle 10! ;-)

Combat 77 – China Tour

09.-23. Februar 2009

Montag, 09. Februar

Oh man, was für eine beschissene letzte Nacht auf der Arbeit. Ich bin völlig übermüdet. Meine Leute, in dem psychiatrischen Wohnheim in dem ich arbeite, haben mich ganz schön auf Trapp gehalten.
Nun schnell nach Hause, es gilt keine Zeit zu verlieren, in fünf Stunden geht’s los zum Flughafen und es ist noch nicht ein Koffer gepackt.
Nach dem letztjährigem Trip mit Riot Company nach Indonesien, steht wieder eine Tour durch die unbekannten Weiten Asiens auf dem Programm. Diesmal geht’s mit meiner anderen Band Combat 77 in das Land des Lächelns, nach China.

Möglich wurde diese Tour durch unsere Zusammenarbeit mit Kids Union Records & Booking in Person von Gao und Ray.
So hat Kids Union die Rechte an unserem ersten Album erworben, um dieses in China zu veröffentlichen. Was lag da näher als eine Promotiontour!
In kürzester Zeit wurden für uns 10 Shows in 11 Tagen gebucht. Einmal quer durch das ganze riesige Land, von Peking (Beijing) im Norden bis in den Süden, ins subtropische Hongkong.
Wieder eine Tour ins Ungewisse, wieder ein großes Abenteuer. Ich freue mich riesig und meine Müdigkeit ist plötzlich wie weggeblasen.

Gegen 12:30 Uhr schlägt Hannes bei mir auf und meine Mutter bringt uns freundlicher Weise zum Hannover Airport. Wir fliegen mit Air France und unsere Route führt über Paris Charles de Gaulles nach Peking.
Nach dem Abschied von meiner Mutter beschließen wir im Flughafenpub bei einem letzten einheimischen Bier, auf die Anderen zu warten.
Kaum sind die Gläser geleert, sind auch Kirsten, Björn, Noppi und Uli eingetroffen.
Letzterer begleitet uns auf der gesamten Tour. Als Asienfan kennt er sich schon etwas im Land aus und es ist schön ihn dabei zu haben.
Hannes (ebenfalls Indonesien mit Riot Company) und Björn (Japan mit Recharge) verfügen ebenfalls schon über Erfahrungen mit Reisen nach Ostasien. Unser neuer Gitarrist Noppi dagegen ist kalkweiß und völlig von der Rolle, was sich aber mit der Zeit legen sollte.

Da wir noch eine halbe Stunde Zeit haben gehen wir noch einmal geschlossen in den Flughafenkiosk um Bier zu kaufen. Um Zeit zu sparen, beschließe ich alle Dosen zusammen zu bezahlen, doch die Kassiererin wird skeptisch und schaut mich musternd an. „Den Personalausweis, bitte!“ Ich bin völlig fassungslos. Hat die mich gerade nach meinem Perso gefragt? Mich? Gejohle um mich herum. Doch liebenswürdig wie ich nun einmal bin, zücke ich meine Papiere und deute freundlich auf mein Geburtsdatum und sage: „Junge Frau, ich werde dieses Jahr noch 30!“ Ach war das schön. Zwar werde ich häufig jünger eingeschätzt, aber so etwas?!?!?! Nun gut, man hört es ja gern.

Der Flieger nach Paris startet pünktlich. Es ist eine Fokker und damit kleiner als ein Reisebus. Der Flug verläuft ereignislos, zwar merken wir, dass es bei der Landung recht windig ist, messen diesem aber, zu diesem Zeitpunkt, noch keine große Bedeutung zu.
Der Weg über das Rollfeld bis hin zum Gate dauert über eine halbe Stunde. Trotzdem sollten 55 Minuten eigentlich locker ausreichen um den Anschlussflug zu erreichen, schließlich (so sollte man meinen) müsste Gate 2F ja gleich neben 2G liegen. Pustekuchen. Sie sind Kilometer von einander entfernt und wir müssen sogar noch einen Shuttlebus nehmen. Langsam wird es knapp mit der Zeit und wir laufen zum Check in. Zu fünft stehen wir nach einer problemlosen Kontrolle wenig später auf der anderen Seite, doch einer fehlt.
Da sehe ich schon, wie ein Haufen Sicherheitsleute um Björn herum steht und mit den Teilen seiner Fußmaschine rumhantiert.
Dabei war im Vorhinein alles telefonisch angemeldet und bestätigt worden, doch jetzt heißt es „no way“, damit kommst du nicht in den Flieger. Alles muss extra aufgeben werden und die Zeit verstreicht.
So laufe ich mit Uli zum Gate um eventuell noch etwas Zeit herauszuholen. Doch es ist zu spät, das Gate schließt vor unseren Augen. Fuck!
Aber nun gut, alles halb so wild, dann eben mit dem Flieger in vier Stunden, denken wir.
Dann der Schock. Der komplette Flughafen wird dichtgemacht. Unwetter. Der nächste Flug nach Peking in 24 Stunden!!! Uff. Was nun? Wir fragen uns durch, und schließlich erhalten wir Bustickets und Hotelgutscheine. Air France muss 10tausende von Passagieren in der Stadt unterbringen. Wie wir später erfahren, ist es das erste Mal in 30 Jahren, dass der komplette Flughafen dicht gemacht wird. Ganz große Klasse.
Aber wir sind nicht irgendwo untergebracht. Standesgemäß bringt man uns in ein 4 Sterne Hotel im Euro Disney mit Blick auf das Märchenschloss. Wir stürzen uns gleich auf das Buffet, welches absolut fantastisch ist. Die „richtigen“ Gäste sind dagegen weniger erfreut, als plötzlich Horden von Pauschaltouristen in ihr nobles Hotel einfallen und Fressen als gäbe es kein Morgen.
Das Essen und die edlen Zimmer, von denen eines schlappe 400 Euro die Nacht kostet (wir haben drei bekommen), tröstet uns etwas über den verpassten Flug hinweg. Unser geplantes Trinkgelage muss dagegen leider entfallen. Alkohol muss selbst bezahlt werden. Ein kleines Bier acht Euro. Nein danke, dann Gute Nacht.

Dienstag, 14. Februar 2009

Gut ausgeruht erwachen wir, ich schaffe es sogar noch pünktlich zum Frühstück, welches sonst in der Regel, einer weiteren Stunde Schlaf zum Opfer fällt. Es gibt Brötchen, Croissants und alles was man sich wünscht, da lässt sich Air France wirklich einiges kosten um ihre festsitzenden Kunden einigermaßen bei Laune zu halten.
Unser heutiger Flug soll planmäßig um 18:55 starten. Es ist zwar immer noch stürmisch, die Langstreckenflüge sollen jedoch stattfinden. Gegen 13 Uhr sitzen wir also in der Hotellobby und warten auf die Shuttlebusse. In den ersten Bus ist kein hineinkommen. Denkt man doch immer Drängelei und Unfreundlichkeit ist eine Eigenart der Deutschen, so wird man hier eines besseren belehrt. Franzosen und Amerikaner führen einen erbitterten Kampf um die Plätze. Das ist uns einfach zu blöd. Zumal uns gesagt wird, dass noch mindestens 2 weitere Busse kommen. Der nächste lässt eine gute Stunde auf sich warten und wieder kämpfen die genervten Touris, als ob es um Leben und Tot geht, um die Sitzplätze.
Ein dicker Franzose in edlem Zwirn und der Trikolore auf dem Jackett tickt nun völlig aus und schimpft wild um sich, so dass er von mehreren Hotelangestellten gebändigt werden muss.
Als nach weiteren 30 Minuten noch immer kein weiterer Bus eingetroffen ist, gehe ich, zum mittlerweile bestimmt fünften Mal, zur Rezeption and frage wie es nun weitergehen soll. Dieselbe Dame, die vorher meinte es würden noch weitere Busse kommen, teilt mir nun mit, dass es das gewesen wäre. Doch es sitzen noch immer an die 30 ahnungslose Leute in der Lobby, denen man diese Information schlichtweg vorenthalten hat.
Wir fordern, dass man uns ein Taxi ruft, den wir auch bekommen, und teilen den anderen Wartenden mit was Sache ist. Der dicke Franzose ist nun überhaupt nicht mehr zu halten, was dem ganzen dann doch noch einen amüsanten Touch gibt.

Dann sind wir endlich wieder am Flughafen. Björn macht sich gleich auf den Weg um noch einmal sein Glück mit der Stange der Fußmaschine zu suchen, doch ohne Erfolg. Sie soll nachgeschickt werden.
Währendessen stehen wir vor dem Check-in und stoßen endlich mit kaltem Bier auf den baldigen Abflug an.
Das Einchecken verläuft diesmal reibungslos, nur Hannes fragt, warum wir denn plötzlich nach Beijing fliegen und nicht nach Peking! Hehe.

Der Flieger ist OK, zwar bin ich von den letztjährigen Emirates Flügen noch einiges mehr gewöhnt, aber man kann es aushalten.
Kaum gestartet, droht Noppi bereits ein paar Engländern die hinter uns sitzen Schläge an. Er hat wohl etwas Flüssigkeit in den Nacken bekommen. Ob es wirklich die Tommis waren, oder nur ein Tropfen aus der anlaufenden Klimaanlage über ihm, bleibt jedoch ungeklärt.
Der Flug an sich verläuft ruhig. Wir halten die Stewardessen, bzw. Flugbegleiterinnen wie man ja heute sagen muss, schön in Bewegung indem wir ein Bier nach dem anderen ordern und vertreiben uns die Zeit mit dem Entertainmentsystem und etwas Schlaf.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Um 11:40 Uhr Ortszeit landen wir in Peking. Am Gepäckband wird schnell klar, dass Björns Koffer, in dem unter Anderem die Becken sind, und auch das extra aufgegebene Teil der Fußmaschine, fehlen.
Wieder langes Warten und Durchfragen beim Personal. Der Koffer ist noch in Paris! Super!
Wir können es aber nicht ändern und gehen in die Ankunftshalle. Dort sehen wir auch schon Ray mit den Armen wedeln. Er arbeitet für Kids Union, ist unser Tourmanager und begleitet uns die ganzen zwei Wochen. Außerdem ist er als Sänger der Band No Name (in Deutschland bei Contra Records) ein kleiner Star in China, der die Titelseiten diverser Musikmagazine schmückt.

Draußen ist es bewölkt bei 10 Grad. Immerhin wärmer als zu Hause, wo gerade ein Schneesturm wütet. Mit drei Taxen, die hier fast gar nichts kosten, machen wir uns auf den Weg in unser Hotel. Entgegen aller Befürchtungen ist alles recht sauber und gemütlich und wir richten uns für 2 Tage ein.
Nachdem wir uns frisch gemacht haben, lädt uns Ray zu einem traditionellen chinesischen Begrüßungsessen in ein kleines Restaurant ein, was wir gerne annehmen. Es gibt gerade mal zwei Tische und alles sieht nicht besonders Hygienisch aus. Am anderen Tisch sitzen bereits die restlichen Leute von No Name, die uns herzlich begrüßen und es wird Bier bestellt. 0,6 Liter für 35 Cent (wie fasst überall). Halleluja!
Die Speisen auf der Karte sehen ebenfalls recht appetitlich aus und Ray ist ordentlich am bestellen. Auch das fertige Essen auf den Tellern macht einen guten Eindruck und wir beißen herzhaft zu. Doch was ist das? Purer Knorpel und Knochenplatten!!! Reines schwabbeliges Bauchfett!!! Alles gut gewürzt und frittiert und damit lecker aussehend, aber absolut ungenießbar!!! Nun haben wir Ray, der genüsslich am Speisen ist, ja gerade erst kennen gelernt und wollen ihm nicht gleich sagen, dass alles widerlich ist, zumal es als höchst unhöflich gilt, angebotene Dinge abzuschlagen. So quälen wir uns, außer Noppi, der sofort kapituliert, und versuchen das Zeug irgendwie runter zubekommen.
Alles schaffen wir jedoch beim besten Willen nicht, Hunger haben wir aber trotzdem noch.
Nach dem Schock holen wir unsere Instrumente und machen uns auf den Weg in den Club, indem wir heute spielen. Das Mao Live House ist bequem zu Fuß zu erreichen.
Ein gut ausgestatteter moderner Club, wie man ihn sich in Deutschland oft wünschen würde. Überhaupt sind alle Veranstaltungsorte der gesamten Tour sehr gut. Schöne, teils etwas rustikale aber moderne Clubs mit gemütlichen Bars. Da fühlt man sich sofort wohl.
Mit uns zusammen stehen heute No Name und die ja auch in Deutschland recht bekannten Mi San Dao auf der Bühne.
Uli kümmert sich derweil um unsere Getränke und verlangt 10 Bier pro Person. Ray, der davon ausging, dass das für die ganze Band reichen würde, macht da erstmal große Augen. Ja ja, die Asiaten und Alkohol. Nix können sie ab! 

Der Schuppen ist mit über 300 Leuten gut gefüllt und wir feiern eine schöne Party. Nur besonders viele Skinheads lassen sich nicht entdecken. Wir fragen Leijun von Mi San Dao, wo die denn alle wären und er erzählt uns, dass der Hype mittlerweile wieder vorbei sei und es außer der Band eigentlich nur noch eine Hand voll in der gesamten 10 Millionen Metropole geben würde. Schade zu hören, aber auch umso bemerkenswerter, dass die Jungs ihr Ding trotz allem weiterhin allein durchziehen.
Auch die Punkszene steckt noch in den Kinderschuhen, wächst aber stetig. Äußerlich geben sich ebenfalls nur wenige als Punks zu erkennen. Zu groß ist noch die Angst in diesem Land vor Andersdenkenden und so wagen nur weinige diesen Schritt.
Auf dem Konzert tummeln sich auch einige Deutsche, die in Peking leben und sich freuen, Leute aus der Heimat zu treffen. Viel Zeit zum Unterhalten bleibt jedoch nicht, weil wir ständig zum Fotos machen und Autogramme schreiben unterbrochen werden und schließlich wollen wir auch bald ins Bett, weil uns der harte Tag ganz schön in den Knochen liegt.
In der Hotellobby trinken wir noch ein Gute Nacht Bier und entdecken durchs Fenster ein golden Leuchtendes „M“ am Ende der Strasse. Die Rettung, denn der Hunger ist ungebrochen. Also nichts wie los und ein paar Burger besorgt. Unglaublich, dass ich mal so froh sein würde diesen Fraß zu bekommen.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Heute wollten wir uns eigentlich um 10 Uhr morgens treffen um uns vor dem zweiten Auftritt in Peking noch etwas die Stadt anzuschauen. Doch Ray kommt und kommt nicht. Erst mittags steht er zerknittert vor uns. Wie war das mit Asiaten und Alkohol?
Inzwischen ist aber Gott sei Dank Björns Koffer geliefert worden und alle sind guter Dinge. Doch Ray möchte wieder mit uns in das Restaurant von gestern. Entsetzen macht sich breit. Höflich versuchen wir ihm beizubringen, dass wir doch gerne etwas „normales“ essen würden. Zwar begleitet er und zu McDonalds und isst auch etwas, ist aber dennoch ziemlich angepisst, dass uns sein Schlangenfraß nicht so zu schmecken scheint. Egal, da muss er durch. Noch Tage später haben wir den Geschmack des Knorpels und des Fetts im Hals, es geht einfach nicht weg. Zumal einem auch alle paar Meter auf der Strasse ebendieser Geruch aus den unzähligen Essensbuden, in die Nase steigt.

Nach dem Essen wollen wir etwas von der Stadt sehen. Zu Fuß gehen wir zum Drum Tower und schlendern durch die letzten erhaltenen Strassen der Altstadt von wo aus wir mit dem Taxi zum Platz des himmlischen Friedens fahren. Dort machen wir ein paar Bilder vor dem riesigen Mao Portrait und Hannes wird von allen Seiten bestaunt. So etwas wie einen Psychobilly hat hier noch niemand je zuvor gesehen. Alle Leute zeigen auf ihn und drehen sich nach seinen grünen Haaren um.
Ein älterer Herr kommt mit einem Prospekt zu ihm und zeigt auf einen Pandabären, der einen grünen Hut trägt. Ich kann nicht mehr vor lachen.
Später erfahren wir, dass grün als die Farbe der untreue gilt und untreue Menschen früher als Strafe einen grünen Hut tragen mussten.

Trotz anhaltenden Regens entschließen wir uns die Verbotene Stadt (nein, nicht Braunschweig) zu besuchen. Gigantisch was hier geschaffen wurde. Wir gehen sämtliche Paläste, Thronsäle sowie den Kaiserlichen Garten ab und sind beeindruckt, bevor wir wieder am Olympiastadion vorbei Richtung Hotel fahren. Wir haben noch eine Stunde Zeit um etwas zu schlafen, bevor wir zum Soundcheck aufbrechen müssen.
Vorher schafft es Ray aber doch wieder uns in so ein Restaurant des Grauens zu schleppen. Wir verlangen Reis und Nudeln, was man ja einigermaßen essen kann, aber es gibt dennoch wieder fragwürdige Beilagen. So gibt es zusätzlich noch Kuddeln, nach Schwefel stinkende Eier, irgendein widerliches Tofuzeug und einen Schnaps der umgehend Brechreiz auslöst. Oh Gott.

Der Club befindet sich im Keller eines großen Hotels. Zwar sind nicht so viele Leute da wie am Vortag, aber die Anwesenden feiern dafür umso mehr. Heute spielen neben No Name noch Gum Bleed, die einzige Irokesenband des ganzen Landes.
Die Toilette befindet sich eine Etage weiter unten in der Tiefgarage. Durch meine drei Wochen im indonesischen Dschungel war ich ja schon einiges gewohnt aber an einem dermaßen verdreckten Ort, war ich nun auch noch nicht. Um das Loch im Boden befanden sich kniehohe Haufen mit benutztem Klopapier, was immerhin den Nebeneffekt hatte, die Atemwege wieder frei zu ätzen. Für uns Kerle war es ja schon schlimm genug, aber die arme Kirsten konnte einem schon richtig leid tun, zudem es auch keine Türen gab.
Aber auch interessant zu sehen, dass es Leute gibt, die so schmerzfrei sind und ihre gewaschene Wäsche in fünf Metern Entfernung zu diesem Drecksloch aufhängen.

Das Konzert macht wieder sehr viel Spaß. Ich bin der Meinung, dass ich in meinem Leben noch nie so gut Gitarre gespielt habe, wie an diesem Abend, vielleicht bin ich aber auch einfach immer noch vom Klogestank bedröhnt.
Im Anschluss möchte Björn mit den Jungs von Gum Bleed eine CD tauschen, wird jedoch von Ray zurückgepfiffen. Nach dem Motto die Band sei nicht würdig genug, für so einen Tausch mit uns. Scheiß Statusdenken, wir tauschen trotzdem.
Früh geht es wieder ins Bett, denn um 5 Uhr morgens müssen wir zum Bahnhof. Auf dem Weg zum Hotel hören wir von Ray zum ersten Mal einen Satz, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Tour ziehen wird. „We lost some money“ Da es sich aber immer nur um einstellige Eurobeträge handelt, kümmert uns das weniger.

Freitag, 13. Februar 2009

Ray klopft an die Tür. Es ist mitten in der Nacht. „Quick, quick!“ Wir müssen schnell aufstehen und schnell zum Bahnhof, wo wir dann auch in aller herrgottsfrühe dumm Rumstehen und noch über eine Stunde Zeit haben. Langsam beginnen wir diesen kleinen chinesischen Quälgeist zu verfluchen. Aber sobald er einen mit seinem riesigen Schädel angrinst, kann man ihm einfach nicht mehr böse sein. Ja, wir haben uns sogar schon richtig angefreundet.
Bahnhöfe in China haben mehr Ähnlichkeit mit einem Flughafen. Riesige Wartehallen, deren Tore erst geöffnet werden, sobald der Zug am Bahngleis steht.
Nach einem humanen Frühstück bestehend aus Reis und Ei können wir in den völlig überfüllten Zug. Gott sei Dank haben wir reservierte Plätze, anderes wäre es nicht zu ertragen. Wir fahren 7 Stunden durch karge und leblose Landschaften. Die aktuelle Wasserknappheit lässt das Land noch trostloser erscheinen als es ohnehin schon ist.
Schließlich erreichen wir Zhengzhou (7.000.000 Einwohner). Ray fordert uns auf an der allgemeinen Drängelei teilzunehmen und uns so schnell es geht aus dem Zug rauszukämpfen. Wir sehen das jedoch alles etwas lockerer und staunen nicht schlecht, als wir plötzlich von Militär und Polizei aus dem Zug gezerrt werden. Ein riesen durcheinander. Während an der einen Tür die Leute raus gezogen werden, werden sie an der nächsten schon mit aller Kraft hineingedrückt und zusammengequetscht. Das Militär brüllt uns durch seine verdammten Megaphone irgendwelche Befehle direkt ins Ohr. Frauen schreien, Kinder weinen und wir mittendrin. Man kommt sich vor wie Vieh. Draußen vor dem Bahnhof der nächste Schock. Mehrere 10.000 Menschen auf einem riesigen Platz. Menschen soweit das Auge reicht, wie Ameisen und wir als einzige Weißbrote dazwischen. Es sind absolut furchtbare Verhältnisse und uns wird angst und bange, wenn wir an die nächsten Tage denken.
Das Volk in Nord- und Zentralchina ist ohnehin sehr rücksichtslos. Gespuckt wird überall, auch in den Zügen. Dazu wird gerempelt wo es nur geht. Man versucht die Bevölkerung sogar durch Werbespots zu mehr Rücksichtnahme zu bewegen, ohne großen Erfolg. Im Gegenteil, Ray fordert uns auf mehr zu schupsen und zu drängeln, ganz egal wenn man dabei einer 80jährigen Omi in die Rippen haut, aber das ist uns einfach zu wider.

Auf dem riesen Platz brauchen wir 30 Minuten um zwei Taxen zu bekommen. Es ist total laut. Auch unser Fahrer scheint nicht normal sprechen zu können und ist unentwegt am Schreien. Das wir kein Wort verstehen, scheint ihn dabei nicht zu interessieren. Wir fahren gleich in den Club, keine Zeit um etwas abzuschalten. Immerhin gibt’s hier einen Computer mit einer vernünftigen Verbindung, so dass man ein paar Lebenszeichen nach Hause schicken kann.
Die Show wurde in einen größeren Club umgebucht, aber es ist schweinekalt. Obwohl draußen auch gerade Mal ein paar Grad plus sind, läuft die Klimaanlage drinnen auf Hochtouren.
Das Publikum heute ist sehr lustig. Man fühlt sich etwas in ein Avril Lavigne Video hineinversetzt. Haufenwiese kleine Kids die wie wild vor der Bühne auf und ab hüpfen und ununterbrochen Handyvideos fabrizieren.
Wir werden gefeiert wie Rockstars, was zur Folge hat, dass man wieder Unmengen Fotos machen und Autogramme schreiben muss.

Mittlerweile machen sich die ersten Verschleißerscheinungen bemerkbar. Björn und Kirsten hat es ziemlich erwischt und auch der Rest ist gesundheitlich angeschlagen. Aber Kirsten findet für jeden etwas, was sie aus ihrer Reiseapotheke zaubern kann, so dass für alle gesorgt ist.

Auch morgen geht’s wieder um 5 Uhr in der früh weiter. Also ab ins Bett. Zum einzigen Mal, sind wir heut in einer Privatwohnung untergebracht. Alles ist sehr einfach und nicht besonders sauber, aber ich bin so müde, dass ich schlafe wie ein Stein. Auch die Matratze (Holzbrett + Decke) finde ich nach der ungemütlichen Zugfahrt sehr entspannend für meinen Rücken.

Samstag, 14. Februar 2009

Pünktlich um 5 Uhr werden wir geweckt. Ich habe eigentlich sehr gut geschlafen. Noppi hingegen schimpft wegen der harten „Matratze“. Wir haben ein etwas mulmiges Gefühl, wenn wir an die bevorstehende Zugfahrt und vor allem das Aus- und Einsteigen am Bahnhof denken. Doch Ray meint um diese Uhrzeit wäre es nicht so voll. Falsch gedacht. Der Bahnhofsplatz platzt schon wieder aus allen Nähten. Wir kämpfen uns durch bis wir die richtige Wartehalle erreicht haben und reihen uns ein. Als endlich die Tore zum Bahnsteig geöffnet werden, rennen um uns herum alle plötzlich wie wild los, so dass man von dem Strom zwangsweise mitgerissen wird.
Die Zugfahrt dauert volle acht Stunden. Unser Ziel ist Xi’an (7,2 Millionen Einwohner), welches dem ein oder anderen eventuell durch die weltberühmte Terrakotta-Armee bekannt ist.
Die Landschaft unterwegs ist wieder trostlos und öde. Lediglich die unzähligen bewohnten Höhlen, die ringsum in den Fels geschlagen wurden, sind sehenswert.

Gottlob ist Xi’an Endstation und wir können entspannt aussteigen. Zur allgemeinen Freude haben wir jetzt ebenfalls noch zwei Stunden Zeit um noch etwas im Hotel zu schlafen. Im Zug selbst hat man so gut wie keine Möglichkeit etwas Ruhe, geschweige denn Schlaf zu finden. Dazu ist es einfach zu eng und unruhig um einen herum.

Der heutige Club befindet sich in einer wunderschön Strasse, die aufgrund ihrer bunten Beleuchtung etwas an die Reeperbahn erinnert. In der gesamten Millionenstadt ist dies der einzige Club, in dem Rockmusik gespielt wird. Dementsprechend voll ist es auch.
Der Inhaber ist ein Chinese der aussieht und gekleidet ist, wie ein Indianer. Ein völlig durchgeknallter Typ.
Außerdem lernen wir Kids Union Chef Gao kennen. Dieser kann jedoch so gut wie kein Englisch was eine Unterhaltung sehr schwierig macht und so lass ich Björn allein mit ihm über das „Geschäft“ sprechen.
Rays Schwestern sind auch da. Jedoch sage ich ihm, dass ich ihm das nicht abkaufe und er doch mal seinen riesen Schädel im Spiegel mit den ihrigen vergleichen soll. Noppi kugelt sich am Boden während Ray mich verstört ansieht. Aber so langsam versteht er unseren Humor und kann später auch drüber lachen.

Das Konzert ist super auch wenn sich plötzlich ein paar Typen vor der Bühne die Köppe blutig hauen. Der Indianer versorgt uns mit Oldenburger Pils, welches die Chinesen zu Ehren eines alten deutschen Braumeisters brauen. Etwas zu süß die Plörre, da schmeckt das auch bei uns bekannte Tsingtao doch um einiges besser.
Nach dem Konzert versinkt der Indianer in seinem Element. Karaoke! Völlig ausgelassen springt er brüllend durch seine Bar und feiert ohne Ende. Schließlich stellt er Björn und Kirsten seine Frau vor und fragt was sie denn von Partnertausch halten würden. Ein lustiger Typ.

Aber Uli und ich wollen schnell ins Hotel, schließlich ist es in Deutschland Samstagnachmittag und das chinesische Fernsehen überträgt bekanntlich Bundesliga live. Nach dem 3:2 für 96 nach 0:2 Rückstand gibt es vorübergehend kein Halten mehr und wir toben durchs Zimmer, auch wenn wir durch den Ausgleich kurz vor Schluss wieder auf den Boden geholt werden.

Sonntag, 15. Februar 2009

Heute geht’s um 9:45 Uhr mit dem Flugzeug nach Wuhan (9 Millionen Einwohner). Alles läuft zur Abwechslung mal reibungslos, dennoch ist die Hälfte von uns krank. Stundenlange Fahrten, nasskaltes Wetter, kaum Zeit zum Schlafen, furchtbares Essen und ein Tourmanager dessen Lieblingssatz „Quick, quick!“ ist. Das alles zerrt doch sehr an unseren Kräften.
Unser wohlverdientes KFC Frühstück im Flughafen wird durch Ray auch bereits wieder nach dem ersten Happen beendet, weil wir plötzlich „Quick, quick“ einen Bus erreichen müssen.
Die Fahrt in die City zu unserem Hotel dauert weitere 1,5 Stunden. Wir wohnen im 16. Stockwerk in einem Schimmelpalast. Dies war jedoch eine Ausnahme, da sämtliche anderen Hotels auf der Tour ziemlich OK waren.
Wuhan ist angeblich Punkrockcity und auch Heimat, der in Europa ziemlich bekannten, SMZB.
Der Club befindet sich im gleichen Haus wie das Hotel, genau wie der Wuhan Prison Store. Ein feiner kleiner 2nd Hand Laden von Punks und Skins. Der Chef, der der kleine Bruder von Lou Ferrigno sein könnte, erzählt, dass es der einzige 2nd Hand Laden in ganz China ist und er auch der einzige ist, der offiziell Proberäume an Bands vermietet. So sind hier in den Nebenräumen über 20 Bands zu Hause.

Vorm Soundcheck gehen wir noch mit Ray und Lou zum essen. Ray hat mittlerweile begriffen, dass er humanere Dinge für uns bestellen muss. Der Knorpelgeschmack vom ersten Tag hängt uns nämlich noch immer in Hals.
So gibt es Reis, einen zwar scheußlich aussehenden aber wirklich leckeren Fisch und verschiedene Fleischbeilagen.

Der Club ist wieder sehr gut und wir vertreiben uns die Zeit am Billardtisch. Schließlich beobachten wir, wie die Putzfrauen immer wieder ihre Wischmops mit Wasser aus den Stehklos nass machen um anschließend den gesamten Boden damit zu wischen. Pingelig darf man hier wirklich nicht sein.

Wirklich viele Punks lassen sich in dieser angeblichen Hochburg aber auch nicht blicken. Auf Björns Frage, wo denn die ganzen Leute wären, erhält er nur einen verständnislosen Blick und die Antwort, was er denn erwarten würde, schließlich würde es doch regnen.
Ja, so ist das. Der gemeine Chinese geht bei Regen nicht vor die Tür, wenn er nicht unbedingt muss.

Dennoch, so sehr einem die Lust tagsüber oft durch den ganzen Stress vergeht, sobald wir auf der Bühne stehen macht es gleich nach den ersten paar Akkorden richtig Spaß, so auch Heute. Die Leute Feiern mit uns. Es sind Gäste aus Deutschland, Amerika, Mexiko, Russland und Polen anwesend, viele Studenten. Uli hat am Merchstand einiges zu tun und ich gönne mir einen Cuba Libre mit viel, viel Libre.

Hier gibt es alles, Bitburger, Warsteiner, Jägermeister. Doch Tsingtao schmeckt unserer Meinung nach am Besten und ist zudem spottbillig.
So kaufen wir noch eine Kiste für 3,50 Euro und treffen uns zum Pokern in unserem Hotelzimmer.
Ray spielt auch mit. Aber der Knabe ist einfach zu unruhig. Sobald man einmal 5 Sekunden überlegt, macht er gleich Hektik. „Come on, quick, quick!“ Aber wir haben eh kaum noch Energie und nach dem ersten Bier fallen uns die Augen zu.

Montag, 16. Februar 2009

Diesen Tag gibt es in meinen Erinnerungen fast gar nicht. Wir haben einen „day off“, den einzigen auf der ganzen Tour. Wir haben uns darauf gefreut wie auf ein Wochenende. Endlich einmal mehr als 4 Stunden Schlaf und Kräfte tanken.

Während ich dusche, kommt Hannes das essen zum wiederholten Male wieder hoch. Da ich abgeschlossen habe bleibt ihm keine andere Wahl, als ordentlich aus dem 16. Stock aus dem offenen Fenster auf die verkehrsreiche Strasse zu brüllen. Glückwunsch!

Hannes und ich bleiben den ganzen Tag im Bett und schlafen. Die Anderen raffen sich hingegen auf und besichtigen einige historische Bauwerke der Stadt. Uli bekommt auch endlich seinen Hot Pot zu essen, was nun auch die allerletzten Grenzen zur Widerlichkeit überschreitet.

Dienstag, 17. Februar 2009

Wir müssen um 6 Uhr aufstehen. Nur von Ray nirgends eine Spur. Der Gute war gestern noch saufen und hat verpennt. Diesmal drehen wir den Spieß um, rütteln an seiner Tür und rufen „Quick, quick!“.
Kirsten ist heilfroh endlich aus dem Schimmelpalast zu entkommen. Am riesigen Bahnhof dann wieder Probleme. Die Taxifahrer haben uns an unterschiedlichen Stellen raus gelassen und es dauert eine gute halbe Stunde, bis wieder alle zusammen sind. So schaffen wir es gerade noch so unseren Zug zu erwischen.
Die Fahrt nach Nanchang (4,5 Millionen Einwohner) ist verhältnismäßig entspannt, auch wenn man zu viert auf Dreierbänken sitzt und die Gänge überfüllt sind.
Dann fängt die Frau neben uns, die schon die ganze Zeit wie wild am schwitzen ist, an, ihren Mageninhalt auf dem Boden zu verteilen. Leute laufen hindurch, oder setzen sich sogar hinein in die Lache, die in regelmäßigen Abständen immer wieder aufgefüllt wird. Es ist so Ekel erregend und wir können nur hoffen uns nicht mit irgendetwas anzustecken.
Die Landschaft draußen wird zwar langsam etwas grüner, aber wärmer wird es noch immer nicht. Das schlechte, nasskalte Wetter reist mit uns mit. Überall hören wir von den Leuten, dass sie zwei Tage zuvor noch mit dem T-Shirt im Freien waren. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, und vertrauen auf die Tage im Süden.
Unser Hotel ist wieder sehr ordentlich und der Club gleich um die Ecke. Genau wie ein Supermarkt, den wir aber übersehen und stattdessen auf der Suche nach etwas Nahrung durch die Stadt irren.
Die vierte Bank, die wir ansteuern, ist dann auch endlich bereit uns etwas Geld umzutauschen.
Das Konzert ist wieder super. Der Laden rappelvoll und die Umgebung mit dem riesigen See direkt vor der Tür wäre fantastisch, wenn das Wetter nur besser wäre.
Wir müssen wieder zahlreiche Autogramm- und Fotowünsche erfüllen und auch heute haben sich ein paar Deutsche auf das Konzert verlaufen.
Mittlerweile haben wir keine Ahnung was die letzte Woche in der Welt passiert ist. Ausländische TV-Sender und Tageszeitungen sind noch immer in großen Teilen des Landes verboten und aus den chinesischen Nachrichten wird man verständlicher Weise nicht schlau.
Internetverbindungen laufen in der Regel auch nur über ein 56k Modem, was ebenfalls einiges an Nerven kostet, bis man es ganz lässt.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Es geht weiter nach Changsha (2,1 Millionen Einwohner). Diesmal mit dem Bus. Im Hotel wieder das alte Spiel. Wir werden angetrieben, dass wir uns beeilen müssen, um anschließend wieder 1,5 Stunden am Busbahnhof zu warten.
Auch diese haben mehr Ähnlichkeit mit einem Flughafen, als mit einem Busbahnhof wie wir ihn kennen. In der Wartehalle gibt es einige Geschäfte, so dass wir in Ruhe und vor allem nach unseren eigenen Wünschen Frühstücken können.
Der Bus ist nur zu einem Viertel besetzt, dennoch bekommen wir bestimmte Plätze zugewiesen, die wir auch nicht wechseln können. Eine völlig sinnlose Regelung.
Die Autobahnen sind völlig frei. Kaum ein Auto kommt uns entgegen. Der Bus  fährt nonstop nach Changsha und hält lediglich an einer Raststädte zum Mittagessen.
In dieser stinkt es wieder einmal furchtbar. Selbst Ray scheint es hier zu eklig zu sein, wogegen die anderen Mitreisenden sich ihre Bäuche voll schlagen.
Weiter geht’s. Im Großen und Ganzen ist die Fahrt recht angenehm. Mir gelingt es sogar für ein paar Minuten die Augen zu schließen und zu schlafen, etwas was mir während der Zugfahrten leider nie gelungen ist. Doch auch im Bus kann man über einiges nur mit dem Kopf schütteln.
So spukt der Busfahrer, nach einem beachtlichen Grunzen, im Minutentakt in den Treppenaufgang, in dem mit der Zeit einiges zusammenkommt. So ist es von Nöten beim Aussteigen ein paar Stufen zu überspringen, um nicht den ganzen Rotz an den Schuhen zu haben. Von dem barfüssigen Typen vor mir, der seine völlig verdreckten Mauken gegen die Fensterscheibe lehnt ganz zu schweigen.
Für Heute haben wir kein Hotel, da es im Anschluss an die Show direkt mit dem Nachtzug weiter Richtung Süden geht. Der Sonne entgegen.
Nachdem Ray uns erzählt, dass er geplant hat, dass wir die ganze Nacht in einem normalen Waggon sitzen müssen, schlagen wir aber Alarm. Das kann er mal ganz schnell vergessen. Schlafwagen!!! Was anderes ist definitiv nicht akzeptabel. Und nach einigen Telefonaten kann er uns auch letztendlich beruhigen und hat alles arrangiert.
Nach einem Besuch bei KFC gehen wir gleich in den Club, wo wir noch ein paar Stunden mit Billard spielen relaxen können.
Anhand der Plakate sehen wir, dass wir durchaus nicht die einzigen Europäer sind, die hier spielen. So fällt mir unter Anderem ein Plakat von den Kollegen von Skarface ins Auge.
Nach der guten Show kommen wir an der Bar mal wieder mit ein paar Deutschen, sowie einem Belgier ins Gespräch, die für Bosch arbeiten. Und so redet man über Deutschland, China und natürlich Fußball.
Ray hat schon wieder drei Bier getrunken und ist gut dabei. Wenig später müssen wir weiter zum Bahnhof.
Oh je. Das kann was werden. Der Nachtzug ist erwartungsgemäß völlig überfüllt. In den Waggons, die Ray eigentlich für uns vorgesehen hatte stapeln sich die Menschen übereinander auf den Bänken auf dem Boden, einfach überall. Zudem stinkt es extrem. Gott sei Dank bleibt uns das erspart. Wobei es in den Schlafwagen nicht viel besser aussieht. Auch hier liegen die Menschen zusätzlich auf dem Boden.
Unsere Betten sind alle einzeln über mehrere Waggons verstreut. Mein Bett, welches aus einem Holzbrett einer dünnen Auflage und einer gebrauchten Decke besteht, ist ganz oben in der dritten Etage. Eine Leiter gibt es nicht. So muss man über die Betten fremder, schlafender Chinesen klettern, um sein Ziel zu erreichen. Es ist eng, warm und laut, aber dennoch bin ich heilfroh zu liegen und kann sogar ein paar Stunden schlafen.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Nach neun Stunden Fahrt erreichen wir Guangzhou. Wir steigen aus dem Zug und …. Endlich! Das Thermometer zeigt 26 Grad. Jacken und Pullover aus! Es ist Sommer. Am Ziel sind wir jedoch noch nicht, da zwei Shows getauscht wurden und wir noch eine Stunde weiter nach Shenzhen (6,5 Millionen Einwohner) fahren müssen. Wir sind wieder in einer völlig anderen Welt gelandet. Hier im Süden ist vieles sehr viel angenehmer.
Im Hotel angekommen fühlen wir uns ein bisschen wie im Paradies. Palmen so weit das Auge reicht. Parks, Grünflächen, freundliche Menschen. Es ist wie im Urlaub. Der Stress der letzten Tage ist bei einem kühlen Bier unter Sonne und Palmen fast vergessen.
In einem angrenzenden riesigen Park vergessen Hannes, Noppi und ich, nicht ganz unabsichtlich, die Zeit und kehren erst mit 45minütiger Verspätung zum Hotel und dem wartenden Ray zurück. Der auch prompt dafür sorgt, dass wir uns nicht zu sehr entspannen und uns gleich in den Taxi zum Club scheucht.
Hier haben wir logischer Weise, wie sollte es auch anderes sein, wieder massig Zeit und können die Einkaufstrasse entlanglaufen. In einem Geschäft kauft sich Hannes eine riesige Plüschkatze, die es ihm schon in Peking angetan hatte und muss diese nun die letzten drei Tage mit sich rumschleppen. Björn hingegen findet in einem Musikladen endlich die benötigte Stange fürs Schlagzeug und kann nun endlich mit seiner Doppelfußmaschine spielen.
Das Konzert ist wirklich sehr merkwürdig. Im ganzen Club, auch direkt vor der Bühne, stehen vollbesetzte Tische und Stühle. Sowohl mit Jungendlichen aber auch mit etlichen älteren Herren in Begleitung junger Damen. Die „Vorband“ spielt original 80er Jahre Pornomusik. Wir fühlen uns irgendwie fehl am Platz. Doch auch Napalm Death haben hier vor demselben Publikum gespielt, also los.
Und es hat tatsächlich wieder Spaß gemacht, so kurios die Show auch war. Letztendlich fanden sich sogar noch einige Leute ein, die sich von ihren Tischen erhoben und tanzten.
Als wir die Bühne verlassen, glauben wir erst gar nicht was wir hören. Es läuft plötzlich Tarkan in voller Lautstärke. Der DJ freut sich derweil ein drittes Ei und wedelt mit einer CD Deutscher Chart Hits herum. Hehe, dachte der Kollege doch Tarkan singt deutsch und er würde uns damit eine Freude machen. Na ja, er hat es versucht.
Dann geht es auch schon schnell wieder ins Hotel und ins Bett und wir sind etwas traurig, dieses schon Morgen früh wieder verlassen zu müssen, so schön es hier doch ist.

Freitag, 20. Februar 2009

Verhältnismäßig gut ausgeschlafen und bei sommerlichen Temperaturen fahren wir zurück nach Guangzhou (9,5 Millionen Einwohner). Als wir schließlich unser Hotel erreichen stehen wir vor einem Gebäude ohne Fassade und inmitten einer Baustelle.
Eine gewisse Verzweiflung bzw. Hilflosigkeit lässt sich plötzlich in Rays Gesicht erkennen. Doch es stellt sich heraus, dass das Hotel trotzdem geöffnet ist. Wir müssen uns durch den Bauschutt hindurch und an den Arbeitern vorbei zu einem Fahrstuhl durchkämpfen, der uns in den dritten Stock befördert. Auch hier wird gearbeitet. Terpentingeruch liegt in der Luft, gegen den die riesigen Ventilatoren, die in den Fluren stehen, anzukämpfen versuchen.
Die Zimmer sind jedenfalls sehr in Ordnung.
Der Club ist auch heute bequem zu Fuß zu erreichen. Auf dem Weg Falle ich noch in ein bekanntes Sandwichrestaurant ein. Was für eine Geschmacksexplosion. Richtiges Brot, frischer Salat. Es soll nicht der einzige Besuch des Tages bleiben.
Der Club ist ähnlich wie am Tag zuvor. Wieder stehen viele Tische im Saal, sowie auf der schönen Galerie.
Wir lernen einen französischen Skinhead kennen, der uns erzählt, dass viele von dem Tausch der beiden Shows in Shenzhen und Guangzhou nichts wüssten und wir bezweifeln, dass es besonders voll wird.
Trotzdem ist der Laden am Ende sehr gut gefüllt und wir haben wieder unseren Spaß. Held des Abends war aber definitiv der Bassist der Vorband. Er stellte seinen Bass auf den Amp, und spielte wie auf einem Kontrabass, wobei er dem Publikum die gesamte Show den Rücken zuwand. Spielerisch war es absolut topp, trotzdem sah das Ganze natürlich ziemlich lächerlich aus.
Seit zwei Wochen sind wir nun fast schon unterwegs. Nicht ein einziges Mal sind wir jedoch dazu gekommen, richtig zu feiern. Eine Schande. Der Stress und die damit verbundenen Anstrengungen waren einfach zu enorm. Außer Zügen, Hotelzimmern und Clubs, haben wir auch so gut wie gar nichts von dem ganzen Land gesehen, was sehr schade ist, aber der Tourplan ließ das einfach nicht zu. Heute jedoch lassen wir es mal ein bisschen krachen. Das Wetter sorgt schließlich für gute Laune und Hongkong, auf das wir uns alle sehr freuen, liegt nur eine Stunde von uns entfernt.
Gut angeheitert machen wir uns schließlich auf den Weg zum Hotel. Hannes will noch bleiben, aber er kennt ja den Weg.
Da ich jedoch aufgrund diverser Getränke schlafe wie ein Murmeltier höre ich nicht, wie er nachts wie verrückt an die Zimmertür hämmert, die ihm letztendlich doch noch vom freundlichen Personal geöffnet wird, nachdem er die komplette Etage, außer mich, wach gebrüllt hat.


Samstag, 21. Februar 2009

Mit einem ICE-ähnlichen Zug geht es nach Hongkong. Hier gibt es noch immer Grenz- und Zollkontrollen, was Ray zunächst zum Verhängnis wird. Menschen aus dem Norden Chinas, sind hier ohnehin schon nicht besonders gern gesehen, aber wenn diese dann auch noch bunte Haare und Lederjacken tragen, wird man besonders skeptisch. So will man unseren immer grinsenden Freund die Einreise verwehren. Es dauert fast eine Stunde, bis man ihn doch endlich die Grenze überqueren lässt.
Am Bahnhof werden wir von einem Typen zum Essen eingeladen. Es gibt Spaghetti, Glück gehabt. Wir wollen eigentlich so schnell es geht in die Stadt, aber plötzlich hat Ray die Ruhe weg. Der Typ stellt sich nämlich als der Eigentümer, des größten Internetmusikmagazins des Landes heraus und Ray hat viel mit ihm zu bereden.

Nach einiger Zeit geht es endlich mit der U-Bahn Richtung City, wo wir uns mit Ross, einem Freund von Uli treffen.
Dieser ist Engländer und betreibt in Hongkong mit seiner Freundin das Star Crossed Tattoostudio. Er hat hier alles für uns organisiert.
Untergebracht sind wir im legendären Chungking Mansions Hotel, welches dem ein oder anderen vielleicht aus dem Film Chungking Express bekannt ist. Alles ist kleiner als klein, aber das stehen wir jetzt auch noch eine Nacht durch.

Ray ist mittlerweile ganz Kleinlaut geworden und läuft nur noch artig hinter Ross her, ohne uns fortwährend rumzuscheuchen. Hier ist alles eher „easy-going“ statt „Quick, quick!“
So warten wir im Anschluss auch noch eine Ewigkeit in Ross’ Tattoostudio, bis dieser endlich fertig ist und wir, zur nicht weit entfernten Hafenpromenade gehen können, um die gigantische Skyline zu bestaunen.
Die ganze Stadt ist toll. Bunt beleuchtete Strassen, überall Geschäfte und Pubs sowie Menschen aus aller Welt, die friedlich zusammen Leben.
Hier könnt man es echt aushalten.
Wir kommen auch endlich dazu Postkarten für die Lieben daheim zu besorgen und etwas shoppen zu gehen.
Der Club für heut Abend ist eigentlich nur eine kleine Bar, die schon zu Beginn der Show aus allen Nähten platzt. Wir spielen zusammen mit Defiant Scum, die sogar einen deutschen Drummer haben, und Oi! Squad. Allesamt multikulturelle Bands bestehend auch Chinesen, Amerikanern, Australiern, Engländern, Franzosen und eben Deutschen. Alle sind verdammt nett und wir verstehen uns super. Die Musik ist ebenfalls erste Klasse. Man könnte meinen, man wäre in England. Traditionelle englische Oi! Musik. Ein Erbe der Kolonialzeit. Sehr geil.
Das Publikum könnte kaum gemischter sein, wobei die Chinesen hier deutlich in der Unterzahl sind.
Auf der „Bühne“ ist kaum Platz, ständig fliegen tanzende Leute zwischen uns hindurch. Ein toller Tourabschluss.
Zur Aftershowparty, schließlich wollen wir heut noch mal richtig Gas geben, gehen wir mit den Oi! Squad Leuten, Ross und einigen anderen in das um die Ecke liegende „Amazonia“.
Am ehesten ist dieses Etablissement wohl mit dem Titty Twister aus „From dusk till dawn“ zu vergleichen. Die Hälfte des Publikums besteht aus philippinischen Nutten, die andere Hälfte aus fetten besoffenen Australiern, ein paar Touristen und UNS!
Die absolut geniale Band begrüßt uns gleich mit Namen, als sie uns reinkommen sieht. Und spielt einige Rockklassiker in absoluter Perfektion, bevor unsere Wünsche entgegengenommen werden und von Cock Sparrer und Cockney Rejects über Ramones bis hin zu The Clash alles, ebenfalls Perfekt, gespielt wird. Letztendlich finde ich mich tanzend auf der Bühne wieder bevor ich an einem Tisch zusammensacke und mich ins Reich der Träume verabschiede.
Was für ein Abend.

Sonntag, 22. Februar 2009

Der letzte Tag. Heut Abend geht es wieder Richtung Heimat. Die letzten drei Tage im warmen Süden haben noch einmal richtig Spaß gemacht und der Schädel brummt.
Heute bleiben wir bis zum Abflug noch in Ross’ Studio, wo sich Kirsten, Björn und Noppi tattoowieren lassen.
Hannes, Ray und ich schauen währenddessen Musik DVDs und spielen mit Ross’ kleinen Babychiwawas.
Dann müssen wir uns verabschieden, was ich ja immer hasse. Aber da wir schnell in den Airportshuttle einsteigen müssen, bleibt Gott sei Dank keine Zeit für rührende Abschiedsszenen und ich bleibe diesmal recht gefasst.

Auch wenn es im Großen und Ganzen eine verdammt stressige Tour war und wir so gut wie nichts vom Land gesehen haben und kaum gefeiert haben, so ist es doch eine Erfahrung, die niemand von uns missen möchte.

By Dole (Combat 77)

Wir bedanken uns bei:  Ray & Gao (Kids Union Records & Booking), No Name, Mi San Dao, Gum Bleed, Wuhan Prison Shop Crew, Ross & Star Crossed Tattoos, Defiant Scum, Oi! Squad und allen die wir vergessen haben!!!
Danke!!!

SON OF A BASTARD TOURBERICHT 14 – 17 Oktober 2009

Bevor Ich diese ersten Zeilen in die Tastatur meines Laptop kloppe, habe ich mir auf Spillers Foto Seite (http://www.myspace.com/spiller67) alle Fotos der Tour noch einmal angeschaut und es kommt Wehmut hoch, denn was wir da in 4 Tagen miteinander erlebt haben, war schon eine mehr als großartige Sache und auch eine, zumindest für mich, nicht missende Lebenserfahrung. Denn es ist keine Selbstverständlichkeit, das knapp 20 Leute, die sich auf engsten Raum bewegen, bestens miteinander auskommen, ohne sich zu Zerfleischen, was bei unserer Crew aber absolut der Fall war und perfekt Funktionierte! 

TAG 1: 

Der ganze Spaß begann am Mittwoch! Zum Auftakt stand dass Bochumer Zwischenfall auf dem Tour Plan, wo wir gegen 17 Uhr eintrudelten. Schnell die Klamotten rein getragen, kurz die Jungs von „Operation Semptex“ begrüßt, die heute als Lokaler Support den Tour Abend eröffnen und dann ging es erstmal ab inne Stadt, wo man sich das Nobel Kaufhaus Kick aufsucht, da Spiller noch Socken brauchte, die er aber dort nicht fand, da er nur auf 100% Baumwoll Socken steht. Schnell noch zum Döner Laden, wo wir uns noch kurz stärken und dann ins „Zwischenfall“. O.S. machten gerade Soundcheck, während wir (wenn ich von „wir“ spreche, ist immer von „Emscherkurve 77“ die Rede, das nur zur Verständlichkeit) den üblichen Scheiß Labern, bevor die Hamburger Crew der GUMBLES eintrifft. Es findet zuerst die übliche Begrüßung statt. Eastside Boys hängen wohl noch im Auto und kommen erst später und Schlagzeuger „Kaiser“ genießt sogar den Luxus, sich einfliegen zu lassen. Nobel geht die Welt zugrunde, sag ich da nur Operation Semptex eröffnen dann den Reigen, aber viel bekomme ich von den Jungs nicht mit, da irgend eine Film Crew Backstage Interviews führt und ich auf einmal auch auf dem Sofa sitze und heftig Rede und Antwort gebe, warum und weshalb es Punk Rock gibt. Christian und Sunny von Sunny Bastards stehen später auch noch vor der Kamera, aber man ist sich hinterher Einig, das die Fragen mehr als einfach und Öde waren, denn wenn man schon die Chance hat, Leute zu Interviewen, dann sollte man auch bessere Fragen am Start haben.
Nach O.S. dann die EMSCHERKURVE 77 und die knapp 100 Leute feiern die Band gut ab, es wird Lautstark mitgesungen und das bei fast jedem Song. Als letztes Lied dann „Religion“, bei dem Ich ja immer die Ehre habe, dieses Lied gemeinsam mit Spiller (mit) Singen zu dürfen, was auch souverän klappt und auch dieses Mal kommt der Song beim Publikum bestens an.
Ich persönlich hätte ja nie gedacht, das ich mit meinen 47 Jahren jemals auf einer Bühne stehen würde und das noch als Sänger. Unfassbar, aber jedes Mal ein sehr geiles Gefühl. Zischen den Songs höre ich Gesänge Essener Ultras, die aber einfach ignoriert werden, denn das könnte schnell Ärger geben, den niemand braucht und EK 77 hat das auf der Bühne auch nicht so mitbekommen, wie z.B. Hugo und Ich.
Nach EK 77 geben sich dann die EASTSIDE BOYS die Ehre und geben Vollgas und ich Liebe diesen Sound und gröhle fast jeden Song mit. Selbst Borusse „Mike“ wird auf der Tour zum Fan dieser Combo, aber irgendwie werden die Jungs bei uns im Pott nicht soooo aufgenommen, wie sie es eigentlich verdient hätten, warum auch Immer. Ich persönlich hatte meinen Spaß und nur das zählt für mich, hehehehehe.
Als letztes (einen Headliner gibt es Laut Sunny Bastards nicht, da man alle Bands, nicht nur während dieser Tour, gleich behandelt und so eine Stellung finde ich mehr als cool) dann GUMBLES, die schon lange nicht mehr im Pott zockten und folge dessen ohne Ende angefeiert wurden, was mich aber nicht wundert, denn die Band hat super Songs am Start, die förmlich zu einer Party einladen, was auch in die Tat umgesetzt wurde. Warum sich jedoch Skinheads zu den Gumbles Takten nackt ausziehen müssen, kann ich persönlich absolut nicht nachvollziehen, zumal das ja oft kein schöner Anblick ist, aber vielleicht bekommt man im Reellen Leben keine Aufmerksamkeit und macht es deshalb. Danach werden schnell alle Klamotten verstaut und um 2 Uhr morgens lege ich im Bett, denn in wenigen Stunden geht es ja Richtung Hamburg, wo der zweite Tag der Tour stattfinden wird!

TAG 2:  

Nur knapp 1 Stunde geschlafen, denn an Schlaf war nicht zu Denken, da ich noch voller Adrenalin war, mein Sohn schwer erkältet ist und er in sehr kurzen Abständen heftige Hustenanfälle bekommt.Treffpunkt ist um 9 Uhr auf der Sunny Bastards Ranch, um noch ein gemeinsames Frühstück einzunehmen, bevor die Tour beginnen soll.Spiller und Sarah holen mich gegen kurz nach halb 9 ab und wir sammeln noch Böhle unterwegs ein, um kurz nach 10 am frisch gedecktem Tisch zu Sitzen, der von Mama Fischer mit den leckersten Sachen gefüllt ist und wir schlagen uns erst einmal die Wampe voll und lassen es uns gut gehen. Besser kann eine Tour kaum Beginnen!Der Bus kommt fast ´ne Stunde zu spät und wir verstauen schnell unsere Klamotten, denn in Bochum warten schon die Jungs von EASTSIDE BOYS und GUMBLES auf uns, damit wir von Dort in Richtung Hamburg aufbrechen können.Ich checke meine Koje und muss feststellen, dass man dort sehr bequem liegen kann, was sich auch in den nächsten Tagen bestätigen wird.In Bochum angekommen wird schnell der ganze Kram (Backline, Merchandise ect) eingepackt und wir stellen voller Entsetzen fest, das wir noch einen Anhänger brauchen, um alles mit zu bekommen, denn bei 3 Bands plus Crew kommt doch einiges zusammen.Also ab in den Bus und Mike (so heißt unser Busfahrer) fährt nach ? um einen Anhänger zu besorgen, was auch zügig klappt. Dort angekommen, alle Leute raus, alles umgepackt und schon geht es Richtung Autobahn.Kann mir mal jemand verraten, wieso es an einem Donnerstag auf den Autobahnen Richtung Hamburg sooooooo voll ist?Ist doch echt Mist, da wir durch Stau und einen Unfall wertvolle Zeit verlieren, denn eigentlich war noch ein wenig Sightseeing vor dem Gig in angesagt, aber das klappte leider nicht, da wir satte 8 Stunden brauchten, bis wir vorm Laden standen.Gerockt wurde im „Alter Hafenklang“, der mir bis Donnerstag nicht bekannt war.Schnell ausladen, aufladen, was Futtern (ich nicht, da wir bei vorher bei Mäcces waren und ich noch pappsatt war) und schon eröffneten ON THE JOB den Abend in Hamburg und boten einen sehr ordentlichen Gig. Musikalisch, alter Punk Rock mit einer schönen, rauen Stimme, die gefällt und auch vom Hamburger Publikum gut abgefeiert wurde. Meine Wenigkeit und Mike kümmerten sich Anfangs um den Merch und die EASTSIDE BOYS lieferten wieder einen sehr gelungenen Auftritt und vom Merch Stand aus, bölkte ich fast jeden Song der Band mit und verkaufte zwischendurch einige Shirts und CDs.Emscherkurve 77 gaben auch wieder 100% und die knapp über 200 Leute (für einen Donnerstag eine sehr gute Kulisse, wie ich finde) feierten mit den Oberhausener Jungs eine fette Party und bei mir machte sich König Alkohol bemerkbar (kein Wunder, da ich ja seit über einem Jahr kaum noch was trinke), denn auf einmal stand ich Arm in Arm mit 2 Lesbischen Frauen, vor der Bühne und wir alle Drei Sangen was das Zeug hergab. Solche Szenen gibt es wohl nur in Hamburg, hahahahaha.„Religion“ wurde natürlich vom Hamburger Publikum bestens aufgenommen und ich schrie mir die Seele ausem Hals und das Publikum auch.GUMBLES zockten als letztes und diesmal war sogar der DUFF Mann anwesend und unterhielt das Publikum und Ich, immer noch mit den beiden Lesbischen Frauen im Arm, inner ersten Reihe, jedes Lied am mitsingen. Danach wollte man noch auf Tour und auch Ich schloss mich dem Mob an, aber irgendwie nahm der Fußweg einfach kein Ende und Besoffen kommt einem eine nicht Endende Strecke auch noch Doppelt so weit vor und nach über eine halbe Stunde hatte ich die Fresse voll, da ich Besoffen war und mir die Beine schmerzten. Emscherkurve 77 „Marcel“ hatte auch nicht mehr den Drang weiter zu Laufen und ich Danke Gott, das er mit mir zurück lief und sozusagen mein „Navi“ war, denn wäre Ich Besoffen alleine zurückgelaufen, hätte ich wohl erst 2 Tage später den Weg zurück alleine gefunden, hahahahaha. An dieser Stelle ein fettes Thanx an Marcel.Ab in die Koje und Ausnüchtern!  

TAG 3: 

Nach sehr wenig Schlaf, ohne Kopfpogo wach geworden, und erstmal Frühstück und Alkoholfreie Getränke gekauft, denn Nonstop Saufen muss echt nicht sein. Mit einer kleinen Crew noch ein Hamburger Plattenladen aufgesucht, ein leckeres Eis, sowie Burger, Wurst und Pommes verzehrt. (Nein…..nicht ich habe das alles gefuttert, sondern die Leute, mit denen ich durch Hamburg zog)Neubrandenburg stand heute auf den Plan und das ganze sollte im „Underworld“ stattfinden, den aber irgendwie niemand unserer Crew kannte. Doch bevor wir dort ankamen, mussten wir erst einmal eine Strecke von knapp über 300 Kilometer zurücklegen und kamen dort im Stockdusteren an, was wohl auch besser war, denn hier möchte kein Hund begraben werden! Der Laden wurde auch ganz gut gefunden und schon ging betraten wir die Location, um diesen zu Inspizieren. Beim ersten Blick erinnerte mich diese Laden eher an einen Bunker indem es Arschkalt war. Kurz nach unserem Eintreffen, trafen auch BERSERKER ein, die heute den Abend eröffnen sollten, was dann, nach Aufbau der Anlage und Merchandise, auch der Fall war und ich war schon sehr gespannt auf die Band, da Christian ja sehr von dieser Band schwärmte. Geboten wurde dann kräftiger Deutsch Rock, der mir gut gefiel, aber die Solis brauche ich nicht wirklich in den Songs, auch wenn diese gekonnt runter gerockt wurden.Der Laden war auch mittlerweile sehr gut gefüllt und nach BESERKER betraten die EASTSIDE BOYS die Bühne und auch wenn ich mich wiederhole, sehr routiniert, großartig und mit viel Fun, was auch vom Publikum gebührend aufgenommen wurde. Zum Publikum sei noch erwähnt, das sich dort einige Asi Punks im Publikum befanden und ich kam mir oft wie auf einem Basar vor, da die Leute, beim Merchandise Kauf, einfach alles geschenkt haben wollten. Und wenn ich dann noch Punks sehe, die fast 15 Zentimeter Nägel an Ihrer Lederjacke habe und damit Pogen gehen, könnte ich Kotzen. Hätte mich jemand damit getroffen, hätte ich diesem Arschloch ein paar schöne Blaue Augen verpasst. Bei Blaue Augen fällt mir noch ein, das einer unser Crew an diesem Abend von einem Gast als „Schwuler Skinhead“ beschimpft wurde, was er Sekunden später bereute, da er von besagter Person den „Ritterschlag“ bekam, hehehehehehe.Emscherkurve 77 spielten als vorletztes, aber leider war das nicht der Abend der Band, denn irgendwie wollte der Funke einfach nicht überspringen und das wenige Publikum, was während des Gigs vor der Bühne stand, meinte auch noch, sich Boxen zu müssen, was natürlich nicht dazu beitrug, die Laune zu verbessern. Die Jungs der Kurve waren sogar fast so weit, den Gig abzubrechen, aber Spiller schaffte es irgendwie, dass das Set doch noch zu Ende gespielt wurde. Nur das ich es fast nicht schaffte, „Religion“ mit zu Singen, bringt mich jetzt noch zum Schmunzeln, denn als ich gerade auf die Toilette stehe um mein Geschäft zu verrichten, höre ich die ersten Töne von „Religion“ und packe ruckzuck den kleinen Kollegen ein, Renne schnellstens zur Bühne, und packe es gerade noch meinen Text ins Mikro zu Gröhlen. Gott sei Dank musste ich nur Pinkeln, denn sonst hätte sich das Singen erledigt gehabt, aber auf dieser Toilette hätte ich eh nie geschissen.
Als letztes dann Gumbles, die vom Publikum komplett frenetisch abgefeiert wurden.
Lustig war auch noch die Anhimmelei zweier Konzert Besucherrinnen, die wohl liebend gerne den Sänger von…….nee……..selbstverständlich werde ich nicht den Band Namen verraten, zu sich mit nach Hause genommen hätten, um mit Ihm…….Danach, wie jeden Abend, Klamotten in den Bus getragen (das war da echt Scheiße, da super Dunkel und wir über einen Acker Laufen mußten) und ab in den Bus, Bierchen Trinken und Scheiße Labern. Einige Leute unserer Crew feierten noch weiter zu Musikalischen Klängen der 80ziger Jahre Musik und besonders „Roman“ muss sich als hervorragender Tänzer bewährt haben. Morgens wurde man Wach und der Busfahrer hatte nicht die beste Laune, da wohl irgendein Asi in einer Tüte geschissen und diese vor der Bus Türe abgeladen hatte, aber ich möchte direkt erwähnen, das es NIEMAND DER CREW war, denn man ging stark davon aus, das es ein Typ war, mit dem sich einige unserer Leute wohl noch bis in den frühen Morgenstunden vor dem Bus unterhaltet haben müssen.Nur zum Catering muss man hier mal klar sagen, das dieses ein Griff in den Klo war, denn man kann schon erwarten, das Bands, die Hunderte von Kilometer für einen Gig unterwegs sind, mehr als beschmierte Toastbrote bekommen. Und wenn man halt nicht die Möglichkeit hat selber im Laden zu Kochen, kann man für die Band was bestellen, denn es waren keine Leute am Start, die große Ansprüche stellten. Aus solchen Fehler sollte man künftig Lernen ;-) 

TAG 4:  

Meine Stimme hat sich mittlerweile so gut wie komplett verabschiedet, da ich ja jeden Abend von jeder Band fast alle Songs mit Gröhle und so praktisch jeden Abend 3 Gigs abliefere, wenn auch nicht auf der Bühne ;-)Leipzig steht heute als Abschluss auwem Plan und wir befürchten, dass wir irgendwie in eine Nazi Demo reingeraten, die an diesem Tag in Leipzig stattfindet, aber Gott sei dank blieben wir komplett verschont. Als ich mit Lutz von den Gumbles anner Raststätte Richtung Toilette Laufe, sehen wir mehrere Bullenwannen und während Ich so Pfeifend vor mich hin Eier, wird mir auf einmal bewusst, das ich das Shirt „Hooligans in Uniform“ von „Wiens No.1“ trage und diese bestimmt nicht erfreut über diesen Anblick wären und bewege mich ein wenig Schneller Richtung Bus, hahahaha, denn wir haben keine Lust, das uns die Cops den kompletten Bus Filzen.In Leipzig treffen wir schon Mittags an und es sind noch einige Stunden bis zum Gig und wir verbringen die Wartezeit mit Kickern, Bierchen, Duschen, Filmzitate auszutauschen (das hätte man Filmen müssen. Unfassbar, was wir gelacht haben. Dagegen kann kein Komiker anstinken und besonders „Roman“ scheint ein Lexikon aller Filmzitate zu sein.
Er sollte sich bei „Wetten das…“ bewerben).
Als besonderes Bonbon und zum Abschluss der Tour wird die komplette Crew bei jeder Band, die zockt, zum letzten Song der jeweiligen Band, sich auf die Bühne versammeln und alle gemeinsam das Liedchen mitträllern.ON THE JOB eröffnen heute Abend wieder und das Leipziger Publikum nimmt die Schwedische Crew sehr gut auf und man rockt sich zusammen durch das Programm.
Danach sind schon Emscherkurve 77 an die Reihe und Ich habe echt Panik vor „Religion“, da ich kaum noch einen Ton aus meiner Kehle gepresst bekomme, den man verstehen könnte. Tonnen an Kräuter / Hals Bonbons, sowie Fenchelhonig im Tee, zeigten keinerlei Wirkung, aber da ja die komplette Crew mit mir gemeinsam Singt, wird das Publikum wohl meinen Stimmverlust hoffentlich nicht mitbekommen.
Spillers Stimme, die morgens auch sehr angeschlagen klang, ist fast komplett zurück und er, sowie der Rest der Band, bringen noch mal 100% und haben das Publikum im Griff, denn hier ist die Stimmung, im Gegensatz zu gestern, einfach Spitzenmäßig und man kann schon fast von einem Heimspiel sprechen. Selbst aus Oberhausen ist eine Crew angereist ;-) Grüße an Bobby, Sabrina, Sarah, Marcie, Marco, Keek, Rupert und Timmey.Dann ist es so weit. Es wird Zeit für „Religion“ und fast die gesamte Crew steht auf der Bühne und als die ersten Töne erklingen, scheint es so, als ob mein Schalter wieder auf 1000 Volt umgelegt wurde, denn irgend wie schaffe ich es, den Songs so zu Singen, das es verständlich rüberkommt und da ich ja von der gesamten Crew unterstützt werde, rockt der Song wie Sau und auch Das Publikum Singt und Feiert den Song ab.Verschwitzt und Glücklich verlässt man die Bühne um sich die EASTSIDE BOYS zum letzten Mal auf dieser Tour an zu sehen und schon bei „The Boys Are Back In Town“ haben sie das Publikum auf Ihrer Seite und bei „Pfeffi macht den Punk kaputt“ geht eine Gieskanne um und auch Ich komme zum Ersten Male in den Genuss, dieses Getränk probieren zu Dürfen, aber mich haut das nicht wirklich vom Hocker. Schmeckt wie „Wick Medi Night“ und Gott sei Dank geht der größte Teil des Getränkes, was man mir einflösst, auf mein T- Shirt und so habe ich diesen ekelhaften Geschmack schnell aus meinemMund. Als zum Abschluss Cock Sparrer gecovert wird, springt der ganze Mob wieder auf die Bühne und man feiert sich gemeinsam mit viel Geschrei und Bier.Nun wird es Zeit für die GUMBLES und Matti, der Anfangs auch etwas um seine Stimme zittert, zieht sofort die Leipziger in seinen Bann und es folgt Hit um Hit und als „Barney Army“ angestimmt wird und wir alle, zum letzten Mal, die Bühne betreten, gibt jeder noch einmal 100% und Feiert als ob die Welt in wenigen Minuten untergehen würde.Ich fühle mich wie 20 und springe einfach in den Mob, der mich auffängt und wenige Minuten später folgt mir „Marcel“ und auch Label Boss „Christian“ macht den Flieger!Unglaublich, was wir alle für einen Spaß in den Backen haben. Zwischendurch wieder rauf auf die Bühne, um Bier ins Publikum zu Spritzen und auch zu Rotzen, denn auch das ist Punk Rock, und schon geht´s wieder ab ins Publikum.Nach gefühlten 100 Minuten ist es aber endgültig vorbei und so langsam wird jedem Bewusst, das die Tour zu Ende ist und ich sehe Zufriedene,Glückliche, aber auch Wehmütige Gesichter, denn man kann, ohne Schleimen zu wollen, sagen, das hier echte Männerfreundschaften für´s Leben geschlossen wurden und man sich in diesem Moment wirklich wie eine Familie fühlt.Nun wieder das übliche in Form von zusammenpacken, Einladen, bevor wir noch einige Minuten im Conne Island bei feiner Musik von Band feiern, bevor es heißt, sich von GUMBLES und EASTSIDE BOYS verabschieden zu müssen, denn der Rest von uns möchte nicht zu Spät am Sonntag zu Hause eintrudeln. Der Bus verlässt das Conne Island und bewegt sich Richtung Autobahn und ich Schlafe ein paar Minuten im Sitz ein, bevor ich mich in meine Koje zurück ziehe, um ein wenig Schlaf zu finden, der aber Morgens um 8 Uhr wieder vorbei (für mich zumindest) ist, denn Busfahrer Mike braucht Hilfe, um den Anhänger dort auszuladen, wo wir Ihn auf der Hinreise abholten.Da noch niemand der Rest Crew unter den Lebenden weilt, spucken wir beide eben in die Hände und haben das Umräumen auch Ruckzuck erledigt um im Anschluss bei Mäcces Frühstücken zu gehen. Beim Futtern, wird mir wieder einmal bewusst, dass ich diesen Fraß des Amerikanischen Restaurantes nicht wirklich mag.Die nächsten 2 Jahre brauch mir keiner mehr damit zu Kommen!In Bochum endlich angekommen, wird noch ein Teil der restlichen Mitreisenden rausgelassen und wenige Minuten später sind wir auch schon in Essen, wo unsere Reise begann und laden Schnell das Zeug aus, damit Busfahrer Mike wieder zurück fahren kann, denn er hat noch eine weite Rückfahrt vor sich. 

Fazit: Dieser Bericht ist nur ein ultrakleiner Einblick unserer Reise, und das auch nur aus meinem Blickwinkel. Jeder Mitreisende dürfte bestimmt einen anderen Bericht verfassen, aber dieses sind meine persönlichen Erinnerungen / Eindrücke, die man sicherlich noch viel ausführlicher hätte ausführen können, aber Ich habe jetzt keine Zeit noch mehr in meine Tastatur zu Tippen.Mein Dank und Gruß gilt an Sunny Bastards und allen Mitreisenden, sowie allen Leuten, die ich Unterwegs traf. Man sieht sich auf dem nächsten Konzert oder vielleicht auch mal wieder auf einer „Sunny Bastrards Nightliner Tour“  - FRANK -

Hier nun noch ein paar Sätze von beteiligten Personen zu dieser Tour (sehr schade, das nur so wenige was geschrieben haben)

So dann hier mal meine Eindrücke der Tour. Ich hab jetzt dreimal angefangen was zu schreiben und jedes Mal wäre es nen seitenlanger Roman geworden, deshalb hier mal ganz kurz und knapp.
Ich denke jeder der Mitfahrer wird bestätigen können dass es ein einmaliges Erlebnis war.
War schon ne coole Art in so ‘nem Nightliner von Konzert zu Konzert zu reisen. Die Reisegruppe passte und man hatte unterwegs jede Menge Spaß. Jede Stadt hatte so ihre Highlights zu bieten. Der Abschluss dann mit Gänsehautfeeling im Conne Island Leipzig. Jede Band beim jeweils letzten Lied der anderen zusammen auf der Bühne und dann jede Menge Party. Das ganze endete dann mit einem Lied das mir heut noch nicht so richtig aus dem Kopf ist „Gumbles – Barney Army“, weniger wegen dem Song selbst als wegen der Szenen vor und auf der Bühne. Nach vier Tagen war dann Ende, im Nachhinein hätte es gern etwas mehr sein dürfen. Es war schon schwer Sonntagabends wieder runterzukommen weil man trotz Müdigkeit immer noch euphorisiert war. Mein Fazit wenn ich nochmal dabei sein dürfte gerne wieder und gerne auch länger. An der Stelle auch noch mal Danke an Sunny & Christian das die beiden mich eingeladen haben mitzufahren. MIKE

Ich möchte an dieser Stelle darauf verzichten ein weiteres Tourtagebuch zu schreiben,diese Aufgabe wird Frank mit absoluter Sicherheit gut erfüllen.
Mein persönliches Fazit dieser Tour ist ein Eindruck,welcher sich wieder einmal bestätigt.Musik,egal ob Punk,Metal oder Hardcore fügt die unterschiedlichsten Menschen zusammen,lässt sie eine gute Zeit zusammen haben und obwohl man sich vorher nicht kannte oder vielleicht doch ein wenig andere Mucke macht als die anderen Bands dieser Tour,stellte sich schnell so eine Art „Crew“ Gefühl ein.Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel,aber eben nicht auf dieser Tour.Von daher geht mein „DANKE“ an Sunny Bastards,die Eastside Boys,Gumbles,Maik,Mike und meine Jungs von „EK77“ für diese kurzen,aber absolut geilen vier Tage. Marcel,22.10.20009


 

Vorab kann ich schon mal sagen, die Tour war der absolute Hammer und ich hatte mir vorher schon riesige Sorgen gemacht ob das alles harmonisch mit den 3 Bands untereinander klappen würde aber ich muss sagen ich wurde absolut positiv überrascht. Kann nur sagen 18 Männer sind absolut pflegeleicht im Gegensatz zu 18 Weibern

Da die einzelnen Anekdoten bestimmt schon von dem ein oder anderen erzählt werden, hab ich mir gedacht etwas über die Tourvorbereitungen zu schreiben.

Die einzelnen Support Absagen und Location Änderungen lass ich mal aus…

Als wir am 1 Oktober aus dem Urlaub zurückkamen, 13 Tage vor der Tour,  wollte ich die Bestätigung und den Vertrag für den Nightliner checken ob alles in Ordnung ist. Und siehe da RIESEN SCHOCK ich habe den zwar bestätigt per Fax mit meiner Unterschrift allerdings stand kleingedruckt: Nur fest gebucht bei Rückbestätigung und Unterschrift der Nightliner Firma“ und wo war diese? Keine da! Erstmal Telefon gegriffen und angerufen. Wie erwartet, sagte mir dann jemand „Wir haben hier keine Reservierung für Sie“ Tja was soll man da sagen, klarer Fehler meinerseits aber ich dachte wenn die meine Unterschrift haben dann klappt das auch und hab den Vertrag ganz toll im Ordner seit Februar 2009 abgeheftet. Somit ging das Chaos los… nachdem ich dann eine Dauerleitung zu der Nightliner Firma hergestellt habe, bekam ich dann doch noch einen Nightliner für 18 Personen bestätigt, puhhh Schwein gehabt.

Mhh es waren also nur 18 Betten im Bus und wir waren definitiv 19, egal bei der letzten Tour haben wir schon unten an den Tischen geschlafen,  wird schon klappen.

1 Woche vor Abfahrt ging dann die Checkerei  zwischen den Bands, Veranstaltern etc rum.

5 Tage vor Abfahrt eine email von Bert Bertson in der dann stand:

„der super gau is eingetroffen:
wir können erst ab hamburg mitmachen, würden also mit mietwagen direkt nach hamburg kommen und da zusteigen. tut mir wahsinnig leid, aber was solln wir machen…“

 

Ich dachte ich fall vom Stuhl, das kann ja wohl nicht wahr sein. Also erstmal mit Bert wieder in Kontakt um eine Lösung zu finden und siehe da es geht Alles.  Jens/Drummer Eastside Boys  nach Köln fliegen lassen, Abholung checken, danke Esther, dann musste er am Donnerstagmorgen wieder mit dem ICE nach Berlin zur Arbeit und dann Donnerstagabend wieder mit dem ICE nach Hamburg zum GIG. Unfassbar aber es hat funktioniert.

Dann die nächste schlechte Nachricht Christian muss noch am Donnerstag arbeiten in Köln, also auch hier Flug nach Hamburg und alles wird gut.

Am Dienstagabend dann der Anruf von Matti/Gumbles: „ Der Mercher, der fest eingeplant war für die ganze Tour, kann nicht er muss arbeiten! Und ich fahr mit dem Bus Donnerstagmorgen direkt nach Hamburg mit Wünschi und arbeite noch ein wenig am Haus und wir sehen uns dann in Hamburg wieder!

Scheiße, also keinen Mercher dabei, auch gut, nachdem wir uns kurz Gedanken darüber gemacht haben, wie wir das alles alleine hinbekommen, war klar WIR SCHAFFEN DAS!. Kurzum riefen wir Frank Crazy an, da wir wussten, ihm würde das sauviel Spaß machen und 20 Minuten später kam dann die Zusage. Matti und Wünschi in Hamburg aufgabeln…alles Bestens.

Am Mittwochabend im Zwischenfall waren dann auch einige am Start, hat uns gefreut dass sie den Po in der Woche von der Couch bekommen haben um uns alle kräftig zu unterstützen. Danke besonders an OPERATION SEMTEX, für den geilen Support, welcome to the Family!

Super großes Dankeschön, an Sascha für den absoluten RIESENBANNER, ganz großes Kino!

(unverschämt  gefragt: könnten wir noch nen Kleinen bekommen??)

Erste Show hinter uns und dann nach Hause und Klamotten packen, ich glaub ich war um 4h morgens im Bett und bin am Donnerstag um 7h aufgestanden um um 10h fertig zu sein wenn der Bus kommt. Chris zur Arbeit, meine Schwiegerma stand dann mit Brötchen um 830h auf der Matte und beköstigte einen Teil von EK77, die Ihre Autos bei uns stehenließen.

Es wurde 10h es wurde 1030h und kein Nightliner in Sicht, Scheiße was ist passiert.

Mike/ Busfahrer angerufen der hatte auf seinem Rider Pick up 11h stehen und war noch 30 km entfernt, alles wird Gut , nur das die Gumbles und Eastside Boys in Bochum vor dem Hotel standen und auf uns warteten, aber Frischluft kann nicht schaden. Nachdem der Bus erst einmal unsere ganze Straße lahmlegte und wir alles verstaut hatten ging die Reise los…

In Bochum angekommen standen die Jungs schon ziemlich durchgefroren und hatten soviel Klamotten (Merch Instrumente etc) dabei, das es extrem eng wurde im Bus und man sich nicht mehr bewegen konnte, überall standen Kisten, Klamotten  die Kojen waren komplett vollgestopft.

Was tun?? Dietmar/Chefe des Nigthliners angerufen, wir haben ein Problem wir brauchen doch nen Trailer……wie gut das Geseke auf dem Weg nach Hamburg lag, wo zum Glück noch 2 Hänger rumstanden, so konnten wir vollgepackt die Reise in Richtung Hamburg antreten mit leerem Trailer hintendran, denn Umpacken konnten wir noch in Hamburg. Gut dass wir so einen netten unkomplizierten Busfahrer hatten, der die Tage davor noch Leningrad Cowboys durch die Gegend fuhr und uns eine Story nach der anderen erzählte und wir ihn aufklären mussten, dass es nicht nur rechte Skins gibt, der dachte der fährt mit nem Haufen Faschos durch die Gegend…sehr witzig!

 

Alles war super entspannt, Alles hat in letzter Minute geklappt nur wir hatten einen Stau nach dem nächsten und kamen nach 8:30h Fahrt endlich am Hafenklang in Hamburg an. Wo man uns herzlich empfangen hat.  Chris, Jens, Matti und Wünschi schon gut drauf freuten sich uns endlich wiederzusehen.  Danke an Sam für die Abholung meines Mannes am Flughafen und für den Getränkeservice des Merchstandes und dem Stromdeal mit dem Knust.

Nun ging es ratz fatz, Reihe gebildet und innerhalb von 40 Minuten stand dann die erste Band auf der Bühne, ON THE JOB, sehr nette Jungs und danke auch an St. Pauli Skinheads für die Hilfe! Wir kommen bestimmt wieder…

Zweites Konzert super gelaufen, alle gut drauf und dann der nächste Knaller.

Mike der Busfahrer kam zu mir und sagte „Wir haben ein Problem der Nightliner hat zu wenig Strom bekommen da wir an der PA angeschlossen waren und nun springt er nicht mehr an! Organisiere Deine Jungs zum Schieben und nen Platz zum Stromtanken für die Nacht!“

Ich dachte der will mich verarschen, nen Nightliner anschieben mit vollgepacktem Trailer auf Kopfsteinpflaster, hahahah.  Nachdem er mir das dann doch glaubhaft erklärte standen dann 18 Männer hinter dem Bus und lachten sich schlapp bis Mike dann aus seinem Fenster schrie „JETZT“ und alle kräftig schoben bis dann nach 100 Metern der Bus anspring…zum Glück…

Nach ein paar Telefonaten von Sam mit dem Knust, fanden wir dann unsere Steckdose für die Nacht und konnten entspannt zum Skorbut wo wir alle noch trinkkräftig den Alex von True Rebel unterstützen wollten, da es sein letzter Abend war nachdem man ihm seine Lizenz nicht verlängerte…

Den Rest werden andere dokumentieren hoffe ich ….

Ich kann mich nur noch einmal bei allen Anwesenden bedanken Toll dass Ihr uns alle supportet  und mit uns gefeiert habt! Danke an meine ganzen 19 Männern Ihr seid super, fahre jederzeit gerne wieder mit Euch! 2 Teil ist in Planung. Danke an die jeweiligen Helferchen die uns immer aus der Patsche geholfen haben, danke an die Veranstalter für das Booking, wir kommen wieder………

So long Rock on

Die Sunny

Nun auch noch von mir ein kleiner Tourbericht. So wie ich diese super geile Zeit erlebt habe.

Mittwoch der 14.10.2009 17:00 Uhr in Bochum. Zwischenfall Bochum-Langendreer, geparkt meine Gitarre ausgeladen innen Backstage gegangen hingesetzt Zigarette an, Füße hoch arschlecken. Danach erstmal ein kühles blondes aussem Kühlschrank, die netten Menschen von Operation Semtex begrüsst und dann erstmal das obligatorische warten.

Grüppchenweise trafen dann auch meine Mitstreiter von EK77 ein und eben auch die mir nicht so bekannten anderen Bands sprich Eastside Boys und Gumbles. Von den Gumbles war mir auch nur noch Harry bekannt, da wir uns damals in der Volksschule bei einem gemeinsamen Konzert schon mal längere Zeit unterhalten hatten. Worüber weiß ich nicht mehr, aber nur soviel es war ein großartiges Gespräch bei dem Inhalte auch nicht weiter wichtig waren. Das sollte in den nächsten Tagen auch noch intensiviert werden.

Nachdem O.S. keine Gitarrentopteile mithatten (danke da noch mal an Christian, das geht wohl auf deine Kappe) leihten sich diese kurzerhand die Teile von den Gumbles aus, glaub ich zumindest. Und die Jungs spielten ein souveränes Set herunter ohne jedoch die nötige Würdigung des Publikums, da der Z-Fall mal wieder relativ schwach besucht war. Naja gut es war Mittwoch, es war noch früh aber es war auch schade drum.

In der Zwischenzeit vertrieben wir uns die Zeit mit einem schönen Interview, welches Bestandteil eines Dokumentarfilms über Punk in Deutschland werden soll. In der Runde saßen Frank (Crazy United), Matti (Gumbles), Spiller (EK), Harry (Gumbles) und meine Wenigkeit. Nach einigen Fragen und allgemeinem Gebrabbel über Punk musste ich feststellen das EK nun an der Reihe war ich aber noch nicht meine Tarnhose trug. Also stand ich auf, lief durchs Bild und zog mich um. Ich hoffe die Kamera hat das nicht mitgefilmt.

Der Auftritt war dann auch wie immer im Zwischenfall nett und als Tourstart durchaus akzeptabel. Spielleistung und Publikumsresonanz waren für den oben benannten Mittwoch in Ordnung. Die Eastside Boys sowie die Gumbles verpasste ich allerdings zum größten Teil, da ich meinen ständigen Begleiter mit Bier abfüllen musste und bei lustigen Diskussionen Mäuschen spielte, bei denen es um böse lederbekleidete Menschen ging die offenbar ein paar Probleme mit einem anwesendem Musiker hatten. Danach ging es nach Hause. Unter sternenklarem Himmel die letzte Zigarette Zuhause mit Marc und Alex (EK) genossen, dann schlafen und am anderen Tag mit nem Mörderschädel wieder wachgeworden. Warum auch immer. Kaffee gemacht Aspirin in den Kopp und dann ab nach Bochum-Riemke zum vereinbarten Treffpunkt. Der Bus kam natürlich zu spät und somit nutzten wir die Zeit ein wenig Proviant einzukaufen, sprich Bier und fettiges Salzgebäck, sowie Zigaretten.

Am Treffpunkt angekommen warteten wir dann noch gefühlte 5 Stunden mit den Jungs von den Eastside Boys und den Gumbles bis er endlich kam. DER BUS. Für mich war das immer ein Traum und er wurde erfüllt. Was für ein großartiges Gefühl als ich dieses geile Teil zum ersten mal betrat und mich voller erstaunen umsah. Ich weiß nicht wie es den anderen ging aber ich bekam den Mund nicht mehr zu. Die Fahrt nach Hamburg war eine Geduldsprobe für uns sowie für Mike (Busfahrer), da wir wirklich jeden beschissenen Stau mitnahmen den auf dieser verdammten Welt gab. Also widmete ich mich schöneren Dingen zu und legte mich in meine Koje und schlief, und schlief, und schlief….

Ding Dong ich wurd wach, der Bus stand ich schaute raus und was muss ich da sehen wir waren tatsächlich da. Mit kleinen Augen aus der Koje geschält Hose an Schuhe an, Kippe an und raus. Einen tiefen Zug genommen Backline ausgeladen ab in den Laden. Schon beim ersten Begang liess mich der Eindruck nicht los das es ein super Abend wird und das uns Hamburg nicht im Stich lässt. So sollte es sein. Erstmal ein wunderbares eigentlich nicht tourgeeignetes Essen genossen. Es handelte sich um einen vegetarischen Taco mit viel Bohnen. Oh man wie sollte das nur enden im Bus. Höchste Explosionsgefahr, Karantäne wegen Erstickungsgefahr. Wie gesagt der Nightliner hat oben keine Fenster. Egal erstmal ein Bier aufgemacht den Jungs von On the Job zugeprostet und den tollen Auftritt der Jungs verfolgt. Sehr geile Mucke und ein hoffentlich baldiges Wiedersehen. Danach kamen die Eastside Boys, die ebenfalls ein super Set spielten, wie immer muss man im Nachhinein sagen.

Als wir dann die Bühne betraten und die ersten Töne erklangen muss ich wirklich sagen das es ein ca 45-minütiger ergreifender Auftritt war der für mich persönlich zu meinen Highlights zählt. Der Hafenklang erbebte und die Meute war grossartig. Das hätte ich nachdem doch recht normalen Auftritt im Pott nicht erwartet, das an einem Donnerstag der Laden rappelvoll war und zudem das Publikum feierte als wenn es keinen morgen mehr gebe. Danach noch schön die Gumbles gucken die grossartig waren und ich den Eindruck hatte das es für die Jungs noch besser läuft als bei uns, was kaum noch möglich war.

Danach machten wir das was unser alter Freund Hans Albers uns schon geraten hatte. Nämlich St. Pauli bei Nacht zu erleben. Vom Bus der an den Landungsbrücken stand liefen wir Richtung Skorbut. Ohne Spiller hätten wir das wohl nie gefunden. Wir also los, gefühlte Stunden später und einigen Anbändelungsversuchen leichter Mädchen (ich sag nur „Hey Tarni!“) kamen wir im Skorbut an. Ich weiß allerdings nicht mehr viel. Ich setzte mich genoss ein Bier und war am Ende. Genauso wie Frank hatte ich auch ein Navi dabei, Namens Alex der mich in meinem Zustand wunderbar, nach gefühlten Stunden und einigen Anbändelungsversuchen leichter Mädchen („Ach bitte komm doch mit ich mach es fast umsonst!“), zum Bus führte ohne Geld- oder sonstigen Verlust. Danach wurde noch kräftig weiter gesoffen und geraucht bis ich morgens in meiner Koje aufwachte, hinuntertorkelte und Harry und Wünschi sah, die es wohl nicht wirklich geschafft hatten schlafen zu gehen. Warum auch es war ja genug Alkohol an Bord und im Körper. Also machte ich da weiter wo wir Nachts aufgehört hatten. Danach in den gegenüberligenden Real zum scheißen eingelaufen und noch ein wenig Proviant eingekauft. Diesmal nicht nur Bier, sondern auch Jägermeister hmmmm lecker. Danach Abfahrt nach Neubrandenburg. Die Fahrt wie üblich komplett verpennt und als ich wach wurde war es auch schon dunkel und wir waren da. Am Underworld angekommen dachte ich nur wo zur Hölle sind wir hier. Es war finster, es war kalt, es war halt das Underworld in Neubrandenburg. Eigentlich sollte das Konzert in Berlin im SO36 stattfinden. Glaubt es mir und nehmt es mir nicht übel, aber ich sehnte mich nach Berlin-Kreuzberg und dem schillernden Leben drumherum, denn nach Leben sah das hier nicht aus. Berserker machten den Opener mit grossartigen Gitarrensolis, danach ein wunderbares Konzert der Eastside Boys die Neubrandenburg echt gerockt haben. Und dann kamen die Looser des Abends. Herzlich willkommen wir sind Emscherkurve 77 aus Oberhausen und schon wars geschehen. Der vorher sehr gut gefüllte Saal war wie leergefegt und die vorher herrschende super Stimmung war ebenfalls dahin. Unser Publikum bestand aus einer Hand voll extra wegen uns angereisten gut gelaunten Jungs und drei bis vier Dorfsherriffs die meinten den dicken Herrmann raushängen zu lassen und unsere Musik zum Anlass nahmen Ihren Frust unter gleichgesinnten zu entladen.

Es flogen Fäuste es wurde getreten es wurde geschubst. Nicht das der Eindruck entsteht ich hätte was gegen Pogo, so isset ja nicht, aber das hier erinnerte mehr an Bareknucklekämpfe für ganz arme Pfannen. Und nachdem unser Set halb rum war und der Saal noch leerer gefegt wurde, flogen nun auch Menschen an den Bühnenrand. Deshalb noch mal ein recht großes FUCK OFF! an diese frustrierten Arschlöcher, die dieses Konzert für uns zum beschissensten der ganzen Tour machten. Aber jeder bekommt seine Strafe, manchmal schneller als erwartet. Soweit ich weiss hat sich einer von den geistig Minderbemittelten das Knie verdreht und wurde mit nem beige-roten Kastenwagen mit blauen Lichtern oben drauf abtransportiert. Nelson von den Simpsons würde mit ausgestrecktem Zeigefinger dastehen und rufen „HAHA, du Trottel!“

Und wo wir gerade dabei sind die Gumbles waren mal wieder zu später Stunde dran und legten bei wieder hervorragender Stimmung ein super Konzert hin. Danach war uns (Roman,Jens von den Eastside Boys, Alex, Marc (EK), Sunny und Meik) noch danach ein wenig zu tanzen um den Abend ausklingen zu lassen. Roman war aber was das tanzen anging weit vorne und trägt nun den Titel DANCING QUEEN. Grossartig!

Der letzte Tag brach an es war der 17.10.2009 und wir waren auf dem Weg nach Leipzig. Am Conne Island angekommen, mal wieder das übliche. Backline hoch zur Bühne, Bierchen auf und Kippe an. Marcel, Alex und ich machten uns auf die Suche nach einem großen Markt für Elektrowaren um unsere Konsumlust zu befriedigen. Leider kamen wir nur bis zum ansässigen Lebensmittelmarkt und kehrten nach gefühlten 25 km Fussmarsch wieder um. Am Conne Island angekommen speisten wir erstmal ein leckeres Baguette. Alle mochten ihr Baguette kalt geniessen außer Harry und meine Wenigkeit. Wir hatten in unserem durchtriebenen Hirn das Verlangen auf warmes Essen, auf Salami auf Käse auf Schinken auf ein zartschmelzendes warmes Käse-Schinken-Salami Baguette. Ohne Frage fehlte uns nur das richtige Werkzeug, um eben jene Leckerei herzustellen. Doch dann hatten wir die Lösung. EINE MIKROWELLE! Also knallten wir unsere Baguettes in eben jenes Gerät und genossen danach unser unglaublich wohlschmeckendes Baguette. Brrrrrr… schüttel schüttel!!!

Danach wurde dann richtig aufgetischt. Kulinarische Kostbarkeiten alla Conne Island. Es war wirklich verdammt lecker und dafür ein Riesendankeschön an die Crew die diesen Gaumenschmaus zubereitet hat. Besser geht’s nicht.

On the Job eröffneten schon wie in Hamburg die Show und diesmal fand ich die Jungs noch besser.

Danach durften wir unser letztes Konzert der Tour spielen und ich bin dankbar dafür denn Leipzig bot ein hervorragendes Publikum und wir eine wirklich gute Show. Als dann bei „Religion“ die ganze Crew die Bühne stürmte kamen bei mir Gefühle von Wehmut auf, da ich wusste das morgen wieder alles vorbei ist. ABER egal heute ist noch nicht morgen und so gaben wir noch mal richtig Gas. Es folgten zwei weitere grossartige Auftritte der Eastside Boys und Gumbles bei denen am Ende genau dasselbe Spielchen abging wie zuvor bei uns bei Religion. Und die mir zu Beginn der Tour unbekannten Lieder der beiden Bands waren auf einmal zu meinen Lieblingsliedern geworden. Ich konnte fast alles mitsingen ich kannte jedes Break, jedes Solo und ich kannte die Jungs die da oben standen. Noch mehr als das ich hatte das Gefühl man kennt sich schon ewig und man ist seit Jahren befreundet. Als wenn man nie was anderes in seinem Leben gemacht hat. Ich wusste natürlich das es nicht so war, aber ich würde schon sagen das man sich als Fremde begegnete und als Freunde auseinanderging. Ich wünschte mir es wird eine Wiederholung geben und mal sehen manchmal werden Träume ja wahr.

Danke an alle die diese Tour möglich gemacht haben und an alle Beteiligten Bands, Veranstalter und Konzertbesucher und alle die in irgendeiner Weise was dazu beigetragen haben. Und spezielle Grüße an unseren super Busfahrer Mike.

Daniel 26/10/09

LOST BOYZ ARMY STUDIO TAGEBUCH TEIL 2

01.10.09

Der nächste Termin ist ne ganze Ecke später, bei Sven gibt’s scheinbar keine Wirtschaftskrise. Getönt wird immer, der Kalender ist voll, das Auftragsbuch auch. So ist es schon Oktober, als ich das nächste Mal mit Rene im Studio anreise. Wir sind nur zu zweit und werden das auch den ganzen Tag über bleiben, in der Woche ist es für die Kollegen nicht so leicht mit dem ausklinken aus den Jobs.
Wir gehen locker an den Start und ich sing um „drauf zu kommen“ erstmal n paar Sachen bei denen ich mir relativ sicher bin. Svens Vorschläge fürs „warm machen“, gymnastische Lockerungsübungen und einzelne Töne tröten ist mir zu albern und 0% Punkrock. Es muss so gehen. Es ging immer so. Ich bin nicht Karel Gott und das hier schließlich nicht für die Hitparade gedacht. Das schlimmste beim einsingen ist eigentlich nur der ungeheure Unterschied zum Proberaumsound. Jeder Missklang der bisher im Getöse der Kollegen versteckt wurde, ist jetzt zu hören. Bin jedes Mal erschrocken, aber daran hast du dich schnell gewöhnt. Man darf einfach nicht dran denken, dass die nebenan vielleicht gerade alle Musik runtergedreht haben und dein Gebrüll völlig nackig hören… Wenn du das alles abgelegt hast, kanns losgehen.
Wir kommen ganz gut voran und ich traue mich relativ frühzeitig an die ruhigen Songs, die erfahrungsgemäß leider nicht so mein Teil und damit auch die bei mir selber unbeliebtesten sind, zumindest, was das einsingen angeht. Deshalb will ich die schnell weghaben und natürlich solange das stimmlich noch geht. Es ist superschwer die Stimmung richtig zu treffen und ich nehm mir wieder mal vor, so was nie wieder zu machen. So gerne ich die Songs später auch höre, oder vielleicht gerade deshalb? Aber auch da geht’s eigentlich. Ich bin zum Teil überrascht wie locker die Sachen mit Svens Hilfe zusammenkommen, in der Regel ist der dritte Take der richtige, manchmal geht’s sogar schneller. Er hat eine wirklich einfühlsame Art dich auf die Songs einzustimmen und dir emotional das Optimum abzuverlangen. Sein gut gemeintes Angebot zu tunen lehnen wir allerdings ab. Auch wenn das viele Kollegen machen, sogar in Punkrockerkreisen wie man hört – ich mag die elektronisch gestylten und durchgebügelten Gesänge nicht und bin nach wie vor der Meinung, dass es auch schon mal rauh oder dünn sein darf, solange Emotion transportiert wird. Das ist das A und O. Authentizität ist wichtiger als Effekthascherei. Solln die andern machen.
Mittags gibt’s Pizza, die Stimme ist schon ganz schön am Arsch. Ich hatte mir vorgenommen alle der 15 noch offenen Songs fertig zu kriegen, oder wenigstens so viele wie möglich und ahne, dass das wohl heute nix mehr wird. Aber machen kann man leider nichts und obwohl die Pausen immer länger werden, erholt sich die Stimme am Ende nicht mehr wirklich und ich hätte auf jeden Fall weniger rauchen sollen… Wir machen ne Menge drumherum Kram und auch Rene kommt mal ans Mikro, aber das rettet alles nix. Zum Schluss n paar brüllige Sachen noch und Feierabend, mehr war nicht drin. Der Tag war unspektakulär aber anstrengend, am Ende haben wir dennoch einiges geschafft. 5 Lieder sind offen geblieben. Die plus Chöre, das müsste beim nächsten Mal drin sein. Wir fahren erst weit nach 21 Uhr mit dem Gefühl nach Hause, zwar nicht alles, aber doch viel geschafft zu haben.

24.10.09

Bis zum nächsten Mal zieht es sich dann doch wieder fast n Monat hin. Wir brennen förmlich darauf, die Sachen endlich über die Bühne zu kriegen. Langsam beginnt sich die Geschichte wie Kaugummi zu ziehen. An diesem Samstag Morgen sind außer uns 5 auch noch Stephi und Jeany dabei und wir erwarten Mittags meinen alten Kollegen Bernd, den Meister der ohohos, der einen Song mitsingen wird und uns im Chor unterstützen soll.
Es geht wieder locker los, die Songs sind relativ sicher drin. „Du“, das wir beim letzten Mal schon fertig hatten, mache ich zur Hälfte noch mal neu. Es war mir zu derbe gesungen. Als Bernd kommt, sind wir im Grunde auch fast soweit, dass wir mit ihm starten können. Direkt nach der Mittagspause (diesmal McDonalds), geht’s los. Anfangs n bisschen holprig, aber erst mal angelaufen geraten die Dinge in Fluss. Bernd ist n alter Hase. Hat zwar schon ne ganze Weile nix mehr gemacht, aber gelernt ist gelernt. Wir singen gemeinsam „Aloha heja he“ von Achim Reichel, eine erstklassige Coverversion des Schützenzeltstürmers mit nem herrlichen original Huster von Bernd am Anfang, der da so gut hinpasst, dass er einfach drinbleiben musste.
Im Anschluss geht’s direkt an die Chöre, der Zeitrahmen wird nun doch ganz schön eng. Die Liste scheint unendlich lang. Hier noch was und da, ich befürchte wir werden es heute nicht mehr schaffen. Sven ist hoch konzentriert und arbeitet mit stoischer Ruhe. Ich bin immer wieder fasziniert, wie Studioleute das machen. Rundherum Chaos, Stimmengewirr und pipapo… Irgendwo fehlt immer was – hör doch mal da und guck mal hier und Sven mittendrin mit Nerven aus Stahl sieht aus als ob es ihn alles nichts angeht. Kein Cowboy könnte cooler gucken. Er ballert Take für Take in den PC: “den bitte noch mal, das war nicht gut“ und „ja, so ungefähr mit etwas mehr Dampf bitte“ – „der war noch nichts, aber ich weiß du kannst es – noch mal bitte“ als wäre es das normalste der Welt.
Wir kriegen tatsächlich alles fertig, auch wenn’s zum Ende wirklich hektisch wird und ich stellenweise echt kein richtig gutes Gefühl dabei habe. Aber es ist nach 22°° Uhr, als wir gehen und um diese Uhrzeit werden keine Fragen mehr gestellt und viel mehr gehofft, dass der Studiomann als Profi die besseren Ohren hat.

13.12.09

Hat Sven uns vergessen? Wir stehn eine knappe Woche vorm letzten Termin und haben außer den „alten Aufnahmen“ noch nichts vom Studio gehört! Alle Gesänge vom letzten Mal und sämtliche Chöre – keiner von uns hat ne Ahnung, ob das am Ende alles ok war. Wer weiß was wir in der Hektik der letzten Aufnahmen alles vergessen haben!? Sven wollte die Aufnahmen längst schicken.
Eine Woche vor dem 13ten schreib ich ihm ne Mail. Jo. Er hat uns tatsächlich vergessen. So können wir die kompletten Aufnahmen erst 2 Tage vorm letzten Studiobesuch Probe hören. Ich bin ein bisschen angepisst, aber was soll man sagen? Er lebt nicht nur von der Lost Boyz Army und hat scheinbar richtig was um die Ohren. Dann ist kurzfristig noch ein Kollege ausgefallen… wie das eben so ist… Auch bei uns und den letzten Aufnahmetagen hat er nie so genau auf die Uhr gesehn und inzwischen schon vorgearbeitet und alles grob gemischt, wir gehen also doch nicht gänzlich unvorbereitet ans Werk. Was solls also.
Trotzdem begleiten uns gemischte Gefühle auf dem Weg zum letzten Termin, passieren kann heute alles. Aber die Zweifel sind am Ende unbegründet. Es muss zwar an nahezu jedem Lied noch geschraubt werden und ging auch nicht ohne knallharte Kompromisse (Scheiß Demokratie), aber ich denke zum Schluss sind alle ohne Bauchschmerzen wirklich zufrieden mit dem Mix. Sven hat ganze Arbeit geleistet und wieder einmal bewiesen, dass er einfach einer der Besten ist. Ich habe nichts anderes erwartet.
Die Songs klingen auf jeder Anlage fett und bissig, egal ob laut oder leise, über Kopfhörer genauso geil wie über die 22 Jahre alten originalen VW Boxen meines Golf 2 ! Sven ist ein echter Könner und hat alles gegeben – der Mix ist der krönende Abschluss von 1½ Jahren Proberaumschweiß und macht jeden einzelnen von uns auf seine Weise glücklich. Wir sind gespannt was die Sachen nun noch beim mastern gewinnen werden. Ist das überhaupt möglich?
Das Master wird uns wieder Sebastian Haitz zaubern, die Kompetenz in Person, mit dem ich schon einige Male arbeiten konnte. Er macht so was heute an und für sich nicht mehr und nur für uns ne Ausnahme, worüber ich wirklich sehr froh bin.
Parallel zu den letzten Studiotagen arbeitet inzwischen auch schon Torsten aus Dorsten, der Moloko Plus Chef himself, an der Grafik fürs CD Cover und dem Layout für die Picture LP, damit die Sachen auch fürs Auge mithalten können. :„Die Scheibe, gefällt mir bei jedem Durchlauf besser. Außerordentlich gutes Album, wirklich! Und ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass ich vielleicht ein bisschen befangen sein könnte.“ schreibt er mir. Ja, ich glaube wir haben im Vorfeld wirklich nicht zu viel versprochen.
Leider gibt’s aber auch hier einen Wermutstropfen, denn mit dem Abschließen der Aufnahmen verlässt unser Seppl die Band. Es kommt nicht überraschend, er hatte so was schon vor dem Studio angekündigt, die letzten Tage waren eine Art Bedenkzeit, nun steht der Entschluss. Seppl war als einer der Gründer vom ersten Tag der Band an dabei und hat ganz bestimmt den größten Teil der Songs zusammengetragen. Wir verdanken ihm eine Menge. Ohne ihn wären es nicht die gleichen Lieder, die L.B.Army und diese Platte überhaupt gar nicht denkbar. Sein Ausscheiden ist ein herber Verlust für die Band, den wir nicht so leicht wegstecken werden. Aber wir gehen freundschaftlich auseinander, die erste LP/CD der Army ist n guter Zeitpunkt für so was, der erste echte Höhepunkt wenn man so will. Trotzdem ist und bleibt es schade. Wir werden sehr viel arbeiten müssen, um diesen Verlust zu verpacken.
Vorerst geht es also zu viert weiter, bis wir einen passenden Ersatz gefunden haben.
Und jetzt möchte ich diese super Gelegenheit natürlich auch nutzen:
Solltest du hier gerade lesen, in der Region Ruhrgebiet / Niederrhein wohnen, dein Instrument solide beherrschen und vielleicht sogar schon Banderfahrung besitzen – dann melde dich bei uns, wenn du Bock hast mit zu machen.

Zoni für die L.B.Army, Dezember 2009

LOST BOYZ ARMY STUDIO TAGEBUCH

Dass wir uns an diesem Samstag Morgen im August um kurz vor zehn an Sven Neumanns Klangfabrique treffen, um unsere erste Platte aufzunehmen, ist alles andere als selbstverständlich. Die Band ist während des gerade mal knapp einjährigen Bestehens durch eine ganze Reihe von Krisen gegangen, in denen das vorzeitige Aus oft unvermeidlich schien. Reichlich Zoff und Diskussionen von außen, Besetzungswechsel, inzwischen bewohnen wir schon den dritten Proberaum. In diesem ersten Jahr war Euphorie mindestens ebenso oft zu Gast wie Niedergeschlagenheit und dennoch klappte immer alles irgendwie. Ohne die Hilfe unzähliger „guter Geister“ wäre das praktisch unmöglich gewesen. Und genauso wichtig war es natürlich, dass wir nie wirklich ans aufgeben dachten und so immer einen Weg finden konnten, gemeinsam was auf die Beine zu stellen. Keiner hat erwartet, dass alles reibungslos klappt. Es gibt nichts geschenkt. Das war uns allen von Anfang an klar.

Erst seit Ende letzten Jahres kann man inzwischen von einer festen Besetzung reden, die trotz aller Schwierigkeiten regelmäßig probt so oft es eben geht. Aber die Probleme reißen deshalb nicht ab. Erst muss ich zum Jahreswechsel mit einer Lungenentzündung für mehrere Wochen ins Krankenhaus. Meine ohnehin schon angegriffene Lunge erholt sich nur schleppend und noch heute sind Hustenanfälle ein fester Bestandteil jeder Bandprobe. Dann wird es für Seppl zeitlich immer schwieriger regelmäßig zu proben. Da treffen wir uns zu viert weiter, versuchen das Beste draus zu machen und halten ihn per Internet auf dem laufenden. Als Rene sich bei einem Unfall so kompliziert das Schlüsselbein bricht, dass er verschraubt und verdrahtet werden muss, spielt er im sitzen weiter, um nur keine Zeit zu verlieren …

Es gab wirklich reichlich Hürden zu überwinden Freunde. Und trotzdem stehen heute 17 Songs auf dem Zettel. 16 eigene Lieder und ein Cover, das für die Punk Chartbusters Reihe von Wolverine aufgenommen werden soll. 17 Songs, die wir sogar extra noch vorproduziert haben, um im Studio sicherer arbeiten zu können. Eine wirklich stolze Leistung, nach all dem Stress der vergangenen Monate.

Weil wir für die Aufnahmen leider nicht gemeinsam frei kriegen konnten, haben wir uns darauf verständigt, an mehreren Wochenenden hintereinander aufzunehmen. Das war der Vorschlag vom Studio, ein Verfahren, dass für mich selber völlig neu ist und dem ich deshalb anfangs etwas skeptisch gegenüber stand. Aber es hat auch eine ganze Reihe Vorteile, die mich am Ende überzeugen konnten. Wir sparen uns viel nervtötende Langeweile, die jeden Studioaufenthalt spätestens ab dem dritten und vierten Tag unerträglich macht. Die ganze Geschichte wird stressfreier. Du kommst an jedem Wochenende mit frischen Ohren gut gelaunt angereist und fährst wieder ab, bevor es öde wird einander zu zuhören. Im Gegenteil, man freut sich die Woche über voll drauf. Außerdem kann sich jeder mit den neuen Aufnahmen aufs kommende Wochenende und seinen eigenen Einsatz vorbereiten. Fragt sich nur: Warum haben wir das nicht schon immer so gemacht?

Sicher wird es insgesamt länger dauern bis alles im Kasten ist, aber die Platte ist ohnehin erst für den Januar geplant. Wir haben also keinerlei Eile, sondern alle Zeit der Welt, selbst wenn noch tausend Sachen schief gehen sollten…

22./23.08.09

Als ich (Zoni, voc) mit David (git) und Rene (bs) am Studio eintreffe, sind Andre (dr) und Seppl (git) schon am Start. Seppl mit lila Wohnmobil, er wird über Nacht in Lohmar bleiben. Wir tragen die Sachen rein und machen Kaffee, Andre und Sven bauen das Schlagzeug auf. Die Beiden haben sofort n guten Draht zueinander gefunden, das A und O für eine solide Zusammenarbeit.

Sven Neumanns Klangfabrique stand auf meinem Wunschzettel. Hier hab ich mit VJ die letzten drei Platten aufgenommen. Nach meiner Meinung vom Sound her die besten VJ Sachen, so also auch Svens beste Empfehlung. Er ist ein absolut angenehmer Mensch mit sagenhafter Kompetenz in seinem Fach, der dir auch schon mal gerade raus sagt, dass das Riff, an dem du vielleicht wochenlang gearbeitet hast, tonal totale Scheiße ist. Sven ist in jeder Situation die Ruhe selbst, hat immer irgendeinen Spruch parat und sprüht vor glänzenden Ideen. So ist es auch an diesem Morgen, die Band wird schnell warm mit ihm und die erste Nervosität legt sich langsam.

Wir spielen keine „klassischen“ Piloten ein, sondern vereinfachen alles. Andre trommelt die Songs aus dem Gedächtnis nach Metronom, zur Orientierung spielen abwechselnd Seppl und David ne Gitarre dazu und wenn’s sein muss singe ich auch mal ein Stück mit. Das klappt hervorragend und spart enorm viel Zeit. Andre hat die Lieder auf unserer Liste in drei Kategorien unterteilt. Ein Plus bedeutet leicht, ein Kreis „geht so“, ein Minus steht für schwierig. So tasten wir uns langsam vor. Erst mal ein paar leichte um sicherer zu werden, dann was schwieriges. Es kann auch schon mal sein, dass ein Song trotz des Plus davor mehrere Anläufe braucht und einer mit Kreis im ersten Durchgang perfekt klappt. Nichts ist unmöglich. Andre schwitzt sich die Seele aus dem Leib und fängt auch schon n bisschen an zu riechen, aber am Abend unseres ersten Studiotages hat er mehr als die Hälfte der Takes im Sack und ist sichtlich stolz auf seine Sonderleistung. Dabei spielt er alles andere als ein 08/15 Schlagzeug, sondern sehr phantasievoll, dicht und abwechslungsreich. Man merkt ihm seine Erfahrung an und auch, dass er sich sehr gut vorbereitet hat. Ich hatte nichts anderes erwartet. Das Schlagzeug ballert schon jetzt beeindruckend, die Toms wummern gewaltig. Wir sind baff. „Aber warte erst mal ab, bis ich das gemischt habe“ meint Sven mit einem Grinsen.

Wir fahren mit dem guten Gefühl nach Hause, sehr viel geschafft zu haben.

Am Sonntag treffen wir drei wieder als letzte ein, Andre ist schon vor Ort und Seppl frühstückt gerade in der lila Kuh. Es geht genauso locker wie am Vortag ab, wir haben lange nicht mehr so viel gelacht. Andre spielt den Rest der Songs runter. Perfekt. Der Vortag steckt ihm zwar noch in den Knochen, gibt aber auch reichlich Rückenwind und so erreicht er stolz sein Ziel, vorfristig fertig zu werden. Wir haben sehr viel Spaß in den Backen und entspannen uns mehr und mehr.

Danach geht sofort Rene an den Start. Eigentlich spielt er Gitarre, extra für die Army ist er an den Bass gewechselt und das ist gerade mal etwas mehr als ein halbes Jahr her. Rene hat außer dem kurzen Besuch beim AMP in Duisburg für den Tribute to Slime Sampler, keinerlei Studioerfahrung. Er ist sichtlich nervös, hat sich aber auch spürbar gut vorbereitet. Er macht seine Sache super, fährt rundum reichlich Lob ein und wird so schnell warm und von Lied zu Lied sicherer. Er hat ganz offensichtlich viel geübt, und das nicht nur im Proberaum, denn diese Routine gibt’s nicht geschenkt. Es macht richtig Spaß zu zugucken wie er sich mehr und mehr zutraut. Studiomann Sven, von Hause aus ebenfalls Bassist, ehemals bei Donald Dark, heute bei C – Mones und zwischendurch sicher in zig anderen Formationen, hat reihenweise Tipps auf Lager und spart nicht mit Ratschlägen.. Die Beiden verstehn sich.

Als wir am Sonntag Abend aufbrechen, sind alle Schlagzeug Takes fertig + 4 Songs Bass im Kasten. 60 % mehr als er erwartet hat, sagt Sven. Wir sind stolz wie Oskar und brennen schon aufs nächste Wochenende.

29./30.08.09

Ich kann am Samstag leider nicht dabei sein. Habe am Freitag Nachtschicht und penne danach den halben Tag, nachmittags noch die 110 km nach Lohmar zu fahren lohnt den Weg nicht. Seppl macht Urlaub im Spreewald. Aber Andre, Rene und David kommen auch alleine sehr gut zurecht. Rene ballert seine Bässe ein und kommt wieder, wie am letzten Wochenende, sehr gut voran. Der anfängliche Plan, von Titel zu Titel abwechselnd Bass und Gitarre aufzunehmen um sich gegenseitig Pausen zu verschaffen, wurde jedoch schnell wieder fallen gelassen. Zu viel Aufwand und Checkerei, es behindert mehr als es entlastet. Dennoch hat der Versuch für einen ersten fertigen Song gereicht und sie haben sich auf den Gitarrensound geeinigt. Ein Mix aus Engl, Marshall und Ommas Röhrenradio, der bratzig und breit und richtig schön nach Gitarre klingt. Auch schon mal sehr viel wert. Zum Feierabend fehlen bei Rene nur noch 4 Songs und die drei fahren hochzufrieden nach Hause.

Sonntags bin ich wieder mit am Start, dafür bleibt Andre heute zu Hause. In Dinslaken sind DIN Tage, so ne Art Volksfest und alljährliches Großereignis für die Region. Außerdem wird heute in ganz NRW gewählt. Aber das alles interessiert uns nicht. Was zählt sind die Kreuze auf unserer Liste, hinter Renes Namen sind noch 4 Felder offen. Die hatter gegen Mittag weggeputzt und nun geht David nahtlos an den Start, der Sound steht ja bereits.

Für ihn ist es, genau wie bei Rene, nach dem kurzen AMP Besuch der erste wirkliche Studioaufenthalt. Das macht sicher Druck. Trotzdem, dieser hier ist kein Vergleich mehr mit dem David, der irgendwann Ende letzten Jahres im Oberhausener Bunker schüchtern und unsicher vorgespielt hat. Er muss sagenhaft viel gearbeitet haben. Dieser David hier, und der von „damals“, dass ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, auch wenn er an der Gitarre bestimmt noch einen weiten Weg vor sich hat. Trotzdem merkt man ihm keinerlei Nervosität oder so an. Er ballert seine Sachen locker runter und scheint die Ruhe selbst. Anfangs klingt es hier und da noch n bisschen wacklig, aber er kommt mit der Zeit immer besser zurecht und bald sehr flott vorwärts. Dann gibt’s zwischendurch noch mal n paar Probleme mit dem Sound, die sich keiner so richtig erklären kann, aber nach dem hier und da n bisschen rumprobiert, geschraubt, gedreht und neu justiert worden ist, haben wieder ein ordentliches Brett am Start.

Als wir abends aufbrechen, hat David 8 Songs eingespielt. Eine solide Leistung, die sich sehen lassen kann und die gute Bilanz der Band insgesamt fortsetzt. Wir können absolut zufrieden sein und hoffen, das Tempo so beibehalten zu können.

05./06.09.09

Für mich heißt es Samstags wieder Auszeit. Kindergeburtstag, Nele wird heute 4. Das ist wichtiger als jedes Studio. David ist bei der Feuerwehr und Andre auch irgendwo, keine Ahnung. Aber Seppl und Rene sind in Lohmar am Start. Und als Gast an diesem Wochenende außerdem noch Lennart, Sepps Bandkollege von 180 GRAD.

Es gibt keine erwähnenswerten Probleme, Seppl ist routiniert und studioerfahren. Er kloppt seine Sachen locker von der Stange. Ich hab nichts anderes erwartet. „Feierabend. 11 Songs im Kasten“ – schreibt er abends per sms. Sehr schön. Die drei verbringen die Nacht feucht fröhlich im lila Bulli. Scheiß drauf was die Leute denken…

Sonntags sind wir dann wieder alle komplett dabei. Rene noch etwas verpeilt/verkatert, dafür mit reichlich Unterhaltungswert. Sepp scheppert ohne große Schwierigkeiten seinen Rest zusammen. Grundsolide Arbeit + ein paar kleine aber sehr schöne nette Überraschungen an der Gitarre, er ist mit Recht sichtlich stolz auf seine Arbeit. Die Songs nehmen jetzt mehr und mehr Gestalt an, es knallt zum Teil gewaltig. Das zuhören macht schon richtig Spaß und auch Lennart gefällts sehr gut. Aber er sitzt nicht nur dabei. Lennart ist wach und mittendrin, passt auf wie’n Schiesshund, hört selbst die kleinsten Fehler. Diskutiert und lobt und grübelt mit. Sehr schön. Wirklich. Witziges Detail: Ausgerechnet der Titel, der bisher das „Stiefkind“ der kompletten Band war, ist der Song der ihm am besten gefällt. Zumindest so wie er ihn bisher gehört hat. „Sing mir das Lied bloß nicht kaputt“ sagt er, als wir uns verabschieden.

12./13.09.09

Am Samstag fehlt nur Andre. Keine Ahnung wo der sich wieder rumtreibt. Wir wollen heute noch einen Rest von Davids Gitarren erledigen und den Coversong angreifen. Heute ist der Tag an dem alle aufgeschobenen Titel fertig werden sollen. Es könnte haarig werden. Es wird haarig. Der Tag gestaltet sich schwieriger als wir dachten, die Sachen ziehn sich, es gibt Momente in denen keiner wirklich weiter weiß und wir uns langsam durch die Lieder tasten müssen, um den Faden nicht zu verlieren. Gut das Seppl dabei ist, mit seiner Hilfe kriegen wir am Ende doch noch so einigermaßen die Kurve. Das Ergebnis überzeugt und ich denke, am Ende war es die Mühe wert. Bestimmt.

Mittags kommt Mecko vorbei. Wir haben uns schon ewig nicht mehr gesehen, die Kollegen kennt er noch gar nicht. Es wird dann doch noch n ganz witziger Tag, David ist mit allem durch und Seppl beginnt mit den Melodie und Sologitarren. Sind ein paar wirklich traumhafte Sachen dabei. Ich hab keine Ahnung wo er das mit einmal alles herzaubert.

Wir trennen uns erst sehr spät und hatten keine Mittagspause, alle wirken irgendwie kaputt und abgespannt. Ich glaube dieser war der bisher schwierigste und bestimmt auch nervigste Studiotag.

Mecko pennt bei mir, der Abend klingt gemütlich mit viel Gelaber über alte und neue Zeiten bei ein paar Bieren aus, nachts teilt er sich das Sofa mit unserem Hund. Morgens fahren wir zu zweit nach Lohmar, David fährt mit Rene vor, er will heute seine Anlage nach Hause holen, dafür braucht er im Wagen Platz. Seppl hat wieder im Lilalaunebus in Lohmar übernachtet und die Kamera dabei gehabt. Ich bin gespannt was dabei rausgekommen ist.

Mecko und ich sind die letzten die im Studio ankommen. Die Kollegen bereits am arbeiten, bzw zugucken, Kaffee ist fertig, alles bestens.

Seppl sitzt im Aufnahmeraum und zaubert Melodien und Solos, Andre und ich hören zu. Mecko und Rene diskutieren im Aufenthaltsraum scheinbar endlos und unerschöpflich über Gott, die Welt und Punkrock nebst Szene natürlich. Genug Gesprächsstoff um Wochen zu füllen. David liegt in irgendeiner Ecke. Er war gestern Nacht unterwegs, man sieht ihm die Strapazen an. So schleichen sich die Stunden bis zur Mittagspause dahin. Alle hängen irgendwie durch heute, der Tag gestern hat ganz schön geschlaucht.

Wir verdauen gerade die Mittags – Pizza, als Christian und Sunny Bastards reinschneien. Jo, lange nicht mehr gesehen und pipapo. Großes Hallo und so, unser Label Chef hat n Kasten Bier dabei und Sunny verteilt Cheeseburger. Danach wird der neueste Szenetratsch getauscht. Ich bin immer wieder verwundert, wie viele Sachen in letzter Zeit völlig an mir vorbeigehen und es ist trotzdem nach wie vor witzig zu hören, was die Leute so treiben und von sich geben. Vor allem wenn man die Köppe schon über so viele Jahre kennt. Wir lachen drüber, auch wenn’s manchmal zum weinen ist.

Gemeinsam mit Mecko und den Bastards wird dann der Schlachtplan in Sachen „VMK negativ“ geschmiedet, wir hören in die Songs rein und klären die letzten Fragen. Ich glaube den Beiden gefallen die Lieder. Auch das Demo hatte schon begeistert. Christian sagt, es sind ne ganze Reihe Sachen dabei, die er bei den letzten VJ Produktionen sehr vermisst hat. Das geht natürlich runter wie Öl.

Seppl schließt mit den Solos sichtlich erleichtert seine Session ab. Es kann gesungen werden. Wenigstens noch ein zwei Songs oder so, es ist schon ganz schön spät.

Am Samstag hatten wir schon verschiedene Mikros ausprobiert und alles aufgebaut, es kann sofort losgehen. Wir beginnen mit „Eine Armee“, das ist einer unserer ersten Songs gewesen, nach ner Idee von Sepp und noch im Raum von Cotzraiz in Wesel entstanden. Guter Song, wird vermutlich der Opener der Platte werden. Eines der Lieder, die Christian vorhin meinte. Der Titel geht gerade und schnörkellos nach vorne. Davids Lieblingslied. Wir kommen ganz gut zurecht und einigen uns schnell mit meinem Gesinge, danach gehen Sepp und Rene an den Start, der Song ist fix im Sack. Es geht weiter mit „Vergiss nie“. Gleiche Liga. Schnell, hart und präzise, ein wunderschönes Solo in der Mitte, der Gesang ist hier der pure Hass. Auch ein älterer Song. Sepp mit der zweiten Stimme, fertig. Wir machen Feierabend.

Eben noch bouncen und brennen, wir verabschieden uns vorerst auf ungewisse Zeit. Den nächsten Termin klären wir per Email, ich denke es geht frühestens zum Monatsende weiter. Vielleicht fahr ich vorher mal alleine zum singen nach Lohmar. Auf dem Rückweg mit Rene im Auto hören wir unsere Aufnahmen und sind beide so begeistert, dass wir glatt die Abfahrt verpassen. Kleiner Umweg über Gladbeck, kein Problem. Hauptsache wir sind mit „VMK negativ“ auf dem richtigen Weg.

CRAZY UNITED als Radio Sendung

CRAZY UNITED als Radio Sendung gibt es seit Januar 2003.

Von 2003 bis Oktober 2009 wurde die Sendung immer im Rahmen des Duisburger Bürgerfunkes ausgestrahlt, doch nach einer Sendung, in der wir die Punk Band EISENPIMMEL zu Gast hatten und ein paar, nicht Jungendfreie Worte fielen, verpasste man uns dort einen Arschtritt.

Doch schon innerhalb kürzester Zeit bekam man von Impact ein Angebot, über
www.punk-radio.de die Sendung weiter auszustrahlen,was ich natürlich dankend annahm. Die erste Sendung über www.punk-radio.de wurde am 15.12.2009 ausgestrahlt.
Der Vorteil ist zudem noch der, das wir wesentlich mehr Zuhörer als im Bürgerfunk haben,hahahahaha.

Besten Dank geht an das Team von Impact (www.impact-records.de), das uns, völlig unkompliziert, diese Möglichkeit bietet.

Podcast der aktuellen Sendung gibt es immer unter www.punk-radio.de runter zu Laden ;-)

Unterwegs in Duisburgs Kneipen

Was für eine Tristesse in Sachen Trash-Kultur an einem Freitagabend. Den melancholischen und zudem depressiven in die Jahre gekommenen Altpunk zieht es wie so oft wie durch Geisterhand gesteuert in die grandiose Gaststätte „Scheune“ auf der Beekstr. Im Herzen der Duisburger City findet man Freaks, gestrandete Rentner sowie einer Stammgästin welche tapfer schon seit Jahren ihren Korn in sich rein schüttet. Die Wirtin schwärmt indessen immer noch vom legendären Besuch des wahrhaftigen Franz Beckenbauer welcher die Kneipe mal in den höchsten Tönen lobte. Was waren das noch für Zeiten in denen der Laden rammelvoll war und es außerdem die besten Mettbrötchen der Stadt verkaut wurden! Ein Besuch heute lohnt sich allemal. Besonders zu Monatsbeginn wenn die Arge die „Stütze“ an manchem Stammgast bereitwillig auszahlt.

Nach zwei Stunden stolpere ich die Beekstr. hoch und lasse das neu eröffnete Erotik-Kino für Swinger genauso souverän links liegen wie das Cafe Movies und das Hundertmeister am Dellplatz. Die „Dellklause“ erscheint mir da schon interessanter. Jedoch nur um ein „Hommage-Sambuca“ an die ehemalige Wirtin „Renate“ ( RIP ) zu schlürfen welche schon das legendäre „Rendezvous“ auf der Unterstr. Geführt hat. Leider treffe ich hier auf zwei Gäste welche stumm auf ihr Glas Pils schauen. Begleitet wird dies ohne einen einzigen Ton Musik. Nein, dann schon lieber ein paar Meter weiter ins „Cafe Graefen“ wo man natürlich prompt Bekannte aus der Szene trifft. Die Erdnüsse gibt es traditionell immer noch aber leider vermisse ich den Party-Faktor der vergangenen Tage wo die Kellnerinnen noch cool genug waren auf diverse Tanzeinlagen spontan zu reagieren

Ich gehe weiter die Realschulstr. hoch und steuere der verruchten Ecke Duisburgs zu. Im „Harlekin“ regiert seit Gedenken die gleichgeschlechtliche Liebe unter dem Gewand von einem mysteriösen „Lola Loch“. An manchen Tagen ist die Musik schier unerträglich unter strengem, dominantem Kommando einer beleibten Dame welche bei den Stammgästen genauso umstritten ist wie bei den Kollegen. Der Eindruck verschärft sich als ich besoffen, aber höflich, um einen Stilwechsel von Technoschlager in Richtung Oldies bitte. „Ich finde die Musik super. Möchten Sie zahlen?“ war ihr lakonischer Kommentar.

Weiter geht’s ins „Pampus“. Einer echten Duisburger Institution welche souverän ohne Veränderungen von „Mary“ geführt wird. Dort trifft man auf allerhand Individualisten welche zum Teil dem „Mau-Mau“ gnadenlos verfallen sind. Im verrauchten Ambiente lässt man sich dort gern zu später Stunde von Frauen jeglicher Vernunft Geschichten abseits des Mainstreams erzählen. Manchmal wird man auch als „Uschi“ beschimpft was gern hingenommen wird angesichts der unzähligen Küsse der zauberhaften Stammgäste. Leider herrscht dort strenges Schnapsverbot seitdem bekannt geworden ist, dass ich in der nahe gelegenen S/M Bar „Stiletto“ vom Stuhl gefallen bin. Aber dazu an anderer Stelle mehr. Wir sehen uns an der Bar! Roman Romero