Chaos En France – Volume No. 1

Man schreibt das Jahr 1982 und Punk hat schon lange zuvor seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Während in England bereits die 2. Welle mit Bands wie Exploited und Co. im vollen Gange ist und alles ein bisschen Härter wurde, scheint die Punkrockszene in Frankreich auf einem Höhepunkt zu schweben und ihr eigenes Süppchen zu kochen. Das französische Label Chaos Productions stellt einen Sampler zusammen der auch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung immer noch mit einer unverschämt großen Hitdichte vorneweg marschiert. Einziges Manko, man muss natürlich offen sein für die französischen Sprache , was allerdings bei den vorliegenden Melodien und Songs vollkommen zweitrangig ist. Trotz der Sprachbarriere reiht sich hier Hit an Hit und somit stellt das ganze für mich persönlich überhaupt kein Problem dar. Im Gegenteil damit wird der exotische Bonus hier noch einmal unterstrichen und da ich als Kind so manchen Urlaub in Frankreich verbracht habe, bekomme ich beim hören generell Fernweh. Sämtliche Songs laufen hier nämlich auch ohne das man alles versteht sauber rein und verweilen im Ohr. Grund genug dem jüngeren Publikum dieses Teil noch einmal näher zu bringen, da ich finde das diese Scheibe nach wie vor in jede gut sortierte Punkrock-Plattensammlung gehört. Der Sampler dürfte beim erscheinen einen großen Einfluss auf die europäische Punk und Skinszene gehabt haben, denn noch heute covern Bands Songs von diesem Stück schwarzem Gold. Stomper 98 haben jüngst auf den letzten Veröffentlichungen mehrere Songs aus dieser zeitlichen Dekade mit einem deutschen Text versehen und damit der jüngeren Skinhead-Generation schmackhaft gemacht. Dieser Sampler ist jedoch das Original und sollte einfach nicht in Vergessenheit geraten! Auch wenn auf Chaos En France noch eine wichtige Band dieser Zeit fehlt wie die Warrior Kids, sind hier dennoch jede Menge interessante Namen zu finden. Die Scheibe wird mit den genialen Camera Silens und deren „Pour la Gloire“ eröffnet und legt ab diesem Moment ein verdammt hohes Niveau an den Tag. Gefolgt von Collabos aus Brest kommt danach der nächste Höhepunkt mit den Trotskids die sich mit einem astreinen Song ins Ohr fräsen. Ebenso finden sich aber auch relativ unbekannt gebliebene Namen mit unvergleichlichen Songs wie zum Beispiel Drei Oklok mit dem treibenden „Les Petit Vauriens“ oder dem ausnahmsweise in englisch vorgtragenen Song  von Decontrol der in die Richtung von Sham 69 geht. Die zweite Seite wird von Komintern Sect gestartet die bekannt sind für ihre unvergleichlich eingängigen Melodien. Weitere  hier vertretene Bands sind Kidnap, No Class, Reich Orgasm oder auch Snix. Bei der letztgenannten Band ist der Sänger heute noch aktiv mit den Bands The Veros und The New Chords. Die Sub Kids aus Dünkirchen widerlegen ebenso das Vorurteil Franzosen würden kein englisch sprechen mit dem Song „Against The Law“. Bis auf die zwei Ausnahmen die in englisch gesungen werden, stellt man hier sehr schnell fest dass die Franzosen allesamt einen eigenen Stil hatten der sich nicht unbedingt an den englischen Bands orientiert hat. Französischer Punkrock aus dieser Zeit steht fast immer für saubere Melodien mit einer guten Portion Härte. Genau die richtige Wahl zwischen diesen beiden Zutaten macht Chaos En France so interessant. Das Original auf Chaos Productions ist heute relativ schwer zu finden, aber von Zeit zu Zeit stolpert man auf Plattenbörsen noch heute über das Teil, jedoch darf man sich aufgrund des Kultcharakters nicht wundern über die Preise die da verlangt werden. Für ein gut erhaltenes Exemplar muss man in der Regel so um die 40 Euro locker machen und ist damit im Vergleich gesehen, wenn man sich das ein oder andere Original-Album der hier vertretenen Bands zulegen will auch schon mal um die 100 Euro, noch relativ günstig. Wer nicht unbedingt Wert auf das Original legt, der kann die Scheibe auch mittlerweile wieder als Neuauflage in einschlägigen Mailordern zu einem normalen Kurs finden. Egal ob Neuauflage oder Original, Fakt ist Chaos En France ist und bleibt ein Meilenstein in Sachen französischem Punkrock und sollte in keiner gut sortierten Sammlung fehlen. Wer nach der Volume 1 dann angefixt ist, kann selbstverständlich mit Volume 2 weitermachen. Der 2. Teil setzt genau da an wo diese Scheibe aufhört und kann ebenso uneingeschränkt empfohlen werden. Bei den ständigen Streifzügen durch irgendwelche dubiosen Plattenläden ist mir mittlerweile auch eine Bootleg-Cd in die Hände gefallen auf der beide Teile zusammen drauf sind. Also Augen offen halten und wenn euch die Platte unter die Füße kommt Zugreifen! Daniel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.