COR – Leitkultur CD (24.10.017)

(Rügencore Records)
Cor beehren uns zwei Jahre nach „Lieber tot als Sklave“ mit ihrer neuen Platte „Leitkultur“. Schön und gut, ich bin gespannt. Ich muss sagen, ich konnte bis zur letzten Lp mit der Band so gut wie gar nichts anfangen, zumindest was Studioaufnahmen angeht. Live sind sie eine Macht und eine intensive Angelegenheit, nur konnten sie diese Energie für mich nie auf Konserve übertragen. Bei der neuen Platte passt es diesmal aber, der Sound ist gut druckvoll und differenziert. Geboten werden auf „Leitkultur“ elf Songs, die uns Friedemanns Sicht auf die Gesellschaft näherbringen. Da darf sich Jeder von angesprochen fühlen, irgendwo kann man sich definitiv in einem der Lieder wiederfinden. Aber der Reihe nach, eröffnet wird „Leitkultur“ von dem musikalisch eher verhaltenem „Gras“, das vom Umgang des Menschen mit der Natur handelt und mich an diese TV Dokus über die Welt ohne den Menschen erinnert. Der Mensch gestaltet sich die Erde so wie er meint, dass sie sein soll, aber sein Werk ist vergänglich, über alles wird Gras wachsen und er wird irgendwann vergessen sein. Darauf folgen „Gift“ und „Das schöne Leben“, die sich beide mit unserem Konsumverhalten befassen. Während „Gift“ aufzeigt, was die Industrie uns für Dreck als Glück oder Freiheit verkauft, befasst sich „Das schöne Leben“ damit, was wir für unser Konsumverhalten aufgeben. Lebt mal wieder mehr, als nur für Statussymbole arbeiten zu gehen. Das Lied bollert auch ordentlich nach vorne, man merkt die Wut der Band richtig, harte Gitarre, wütender Gesang. So geht es auch im Titeltrack „Leitkultur“ weiter, das Ding hat eine ordentliche Motörhead Kante. Zum Inhalt muss man eigentlich nicht viel sagen, „Leitkultur“ ist in Deutschland ja leider Thema genug gewesen, Cor bieten ihre Variante dazu an. Danach kommt mein Fave der Platte „Die Anderen“. Pack euch mal an die eigene Nase, schiebt es nicht auf die Anderen, wer sind die überhaupt?„Vollkontakt“ klingt so wie es der Titel verspricht, mit Vollgas voll in die Fresse, der Text lässt mich an den Film „Falling Down“ denken. „Erst stirbt die Geduld, dann die Vernunft“…. Dann kommen zwei Hassbatzen, „Propaganda“ und „Sauber“, erinnern an alte sknadinavische Punksongs, schönes Schnell- Langsamspiel mit wütendem Gebrüll.„Spielverderber“ ist eine Hommage an die Szene, an die Leute, die was bewegen. „Getötet“ ist der melancholische Emo Song der Platte. Ruhig, zerbrechlich mit einem Hauch von Selbstresignation.Zum Abschluss wird die Band noch einmal wütend. „Vom Glück das alles endet“ protestiert gegen den Stillstand der Gesellschaft, es muss sich was ändern.Cor haben zwar keine Lösung anzubieten, geben aber genug Denkanstösse, über die man diskutieren kann. Punk zum nachdenken halt. Eine Note fällt hier weg.
Hört Euch die Platte an und unterhaltet euch drüber. Sie ist es mehr als wert und das ist wohl auch das, was die Band möchte. ROLAND

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