Festival der Volxmusik & Stiff Little Fingers Konzertberichte

Festival der Volxmusik / Berlin – BiNuu (24.10.2014)
Fast 25 Jahre nach der ersten „Festival der Volxmusik“-Tour machen sich die damaligen Protagonisten, diesmal allerdings ohne SCHLIESSMUSKEL, erneut auf eine Reise durch die Republik. Die MIMMIS und natürlich die ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN wagen es, im gereifteren Zustand noch einmal die Sau rauszulassen. Allerdings besteht die Gefahr, dass es peinlich werden kann, wenn alte Fun-Punk-Bands als „alte Männer“ auf der Bühne über Themen singen, die eigentlich den jüngeren vorbehalten sein sollten. Nichtsdestotrotz machte ich mich an diesem Freitagabend auf den Weg in die Stadt, um mir ein eigenes Bild zu machen. Als ich dort ankam, spielten bereits die ELLYS. Allzu viel konnte ich vorab im Internet nicht rausfinden und in Anbetracht der Tatsache, dass sie mich nicht hinterm Ofen vorlocken konnten, werde ich mir auch keine weitere Mühe geben. Die belanglose Mischung aus Rock und Punk zieht einfach nicht mehr, denn weder Fleisch noch Fisch ist scheisse. Einzig die Ausstrahlung der Sängerin machte die Show erträglich. Recht schnell kamen im Anschluss die MIMMIS auf die Bühne. Ich hab Fabsi und Co. jetzt schon einige Male erlebt und bisher war es immer ein riesen Gaudi. Dementsprechend groß war meine Vorfreude, die Band nach ein paar Jahren endlich wieder live zu sehen. Allerdings verflog meine Freude relativ schnell, denn im Vergleich zu früheren Auftritten war das hier eine lahme Nummer. Entweder waren sie angeschlagen von den bisherigen Konzerten oder sie hatten einfach keinen richtigen Bock. Eher halbherzig wurden die Songs runtergerissen und der Zauber der damaligen Zeit schien völlig verflogen. Die Einlagen, zum Beispiel mit der Gegen Nazis Fahne, sind immer noch dieselben und auch die Ansagen wirken einstudiert. Schade eigentlich, aber vielleicht haben DIE MIMMIS das nächste Mal wieder mehr Spass daran vor ihrem Publikum zu stehen. So wie ich schienen das aber bei weitem nicht alle zu sehen, denn die Stimmung schien recht ausgelassen. Nach einer erneuten kleinen Pause kamen sie dann endlich auf die Bühne, DIE ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN! Nach Jahren der Entbehrung, lechzte das Publikum förmlich nach der Band, bzw. nach Micro. Und obwohl ich die Band erst vor einigen Monaten im Rahmen eines anderen Festivals live gesehen habe, war meine Vorfreude noch größer als damals. Gleich vom ersten Song an hatten die zwei leichtes Spiel, denn ein Klassiker folgte dem anderen. Dabei gelang sogar das Unmögliche. Wirklich jeder in den ersten Reihen, sei er noch so alt, sang lauthals jede einzelne Zeile mit, egal wie stumpfsinnig der Inhalt manchmal auch ist. So viele Männer im gesetzten Alter habe ich lange nicht vor einer Bühne springen sehen. Ich will gar nicht wissen, wie sehr ihnen die Knochen am nächsten Morgen schmerzten. Was soll ich noch weiteres sagen, die BRIEFTAUBEN waren schlicht und ergreifend großartig. Micro schmettert die alten Lieder aus voller Kehle, hopst als wäre er mindestens 20 Jahre jünger und scheint jede Menge Spass dabei zu haben. Die Ängste, dass es eine Veranstaltung zum Fremdschämen ist, die kann ich jedem nehmen. Also schaut sie euch unbedingt an und lasst auch in ein anderes Jahrzehnt Punkrock versetzen! East Side Daniel

Stiff Little Fingers / Berlin – SO36 (13.11.2014)
Nachdem ich das neue Album der STIFF LITTLE FINGERS an anderer Stelle bereits besprochen und für gute befunden hatte, lag es auf der Hand, dass ich ihnen auf der anstehenden Tour einen Besuch abstatten werde. Dass sie eine der wichtigsten frühen Punkbands darstellen, wird wohl niemand bezweifeln, aber ich kann auch diejenigen verstehen, die sich angesichts der musikalischen Entwicklung der Jungs von ihnen abgewandt haben. Jedenfalls scheinen die FINGERS immer noch genügend Anhänger zu haben, auch wenn diese mittlerweile in die Jahre gekommen sind. Dementsprechend lag der Altersdurchschnitt bei gefühlt Mitte 40 oder noch höher. Ab und an erblickte man aber auch Jungvolk. Zunächst mussten aber alle Altersklassen die Vorband überstehen. FIGHTBALL waren zwar nicht wirklich schlecht, aber überzeugend spielen sieht auch anders aus. Das bedeutete aber auch, dass es unmöglich war, eine rauchen zu gehen, denn das kleine Kabuff war angesichts der Massen, die aus dem Saal strömten, hoffnungslos überfüllt. Als der Auftritt der STIFF LITTLE FINGERS nahte, waren spätestens alle wieder im Club vor der Bühne. Als sie auf die Bühne kamen, hatten sie von der ersten Sekunde alle im Griff und recht schnell kam der erste Höhepunkt – „Nobody’s Hero“ dröhnte aus den Boxen und erzeugte Gänsehaut. Die Stimmung stieg und vor der Bühne wurde ausgelassen gepogt. Das weitere Set setzte sich aus alten, mittelalten und neuen Songs zusammen und lief solide durch. Natürlich musste ein Vollpfosten die Nerven von Sänger Jake testen, indem er ein volles Bier auf die Bühne warf. Mittlerweile dürfte sich bei vielen rumgesprochen haben, dass er darauf nun überhaupt nicht steht. Wer provozieren will, soll doch zu Hause bleiben. Nach kurzer Zeit war der kleine Zwischenfall aber vergessen und die Combo spielte mit gleichem Enthusiasmus weiter. Generell schienen alle Bandmitglieder auf der Bühne richtig viel Spass zu haben. Die alten Knochen wurden im Rahmen der Möglichkeiten durch die Luft geschleudert und mit Gitarren gepost. Zum großen Finale schmetterten sie dem Publikum natürlich noch Kracher wie „Suspect Device“ und „Alternative Ulster“ entgegen. Spätestens hier gaben sie noch mal alles. Der Sound stand dem der Platten in nichts nach und alte Männer mussten fast weinen. Wer Angst vor einer Rentnerveranstaltung hat, muss sich bei den STIFF LITTLE FINGERS definitiv keine Sorgen machen und einmal gesehen haben muss man sie! East Side Daniel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.