Interview mit Claude Alain Chervet (Caps) **26.07.205**

Interview mit Claude Alain Chervet (Caps)

Moin Caps,

wie hast Du so viele bekannte Künstler für solch ein Projekt wie dieses neue Album zusammenbekommen?
Also, ich bin seit Ende der siebziger Jahre im Punkrock, und dass ich viele Jahre in diversen Bands gespielt habe trug dazu bei, dass ich viele meiner ‚Helden‘ getroffen habe. Charge 69 hat viele Gigs weltweit gespielt, wir haben viele von ihnen auf Tourneen getroffen. So haben sich dann Beziehungen und auch Freundschaften entwickelt. Als wird dann das Projekt angehen wollten, haben wir sie einfach gefragt, ob sie bei einem unserer Songs auf Englisch singen, und viele von ihnen haben zugestimmt. Vom Enthusiasmus einiger Musiker waren wir wirklich überrascht, es war fast wie ein Geschenk für uns, und ich kann Dir sagen, es ist, als ob ein Traum Wirklichkeit wird …

10863946_10153528802064240_4220712872311370151_oWar es schwierig, die anderen Künstler für das Projekt zu begeistern?
Nicht wirklich. Zu Beginn haben wir unsere Lieblingssongs wieder aufgenommen, und wir haben überlegt, welcher Sänger mit seiner Stimme zur Melodie passen würde. Bei einigen war es einfach, z.B. Colin GBH zu fragen, ob er ‚The 80’s‘ singen will – das war klar. Bei anderen war es schwieriger. Als die Lieder wieder neu aufgenommen worden waren, haben wir die Originalsongs an einige Sänger geschickt, um sicher zu gehen, dass sie das Lied und die Melodie mögen. Wenn es für sie ok war, haben wir die Texte für sie übersetzt, aber wir haben ihnen gesagt, sie können auch gerne die Texte anpassen, wenn ihnen das besser gefällt. Danach mussten wir Studios in ihren Gegenden finden, und dann haben sie ihre Stimmen zu unseren Songs aufgenommen. Die Aufnahmen wurden zu Jon Caffery nach Deutschland geschickt, der das Ganze abgemischt hat. Wenn die Lieder fertiggestellt waren, haben wir sie zu den Sängern geschickt, um ihre Zustimmung einzuholen, und um zu erfahren, ob sie an der Mischung etwas geändert haben wollten. Als die Songs schließlich fertig waren, haben wir eine neue Abmischung gemacht, um das ganze Ding homogen klingen zu lassen und …. hier ist es! Wir haben über zwei Jahre an dem Projekt gearbeitet, aber es war eine große Freude, dass unsere ‚Helden‘ unsere Lieder gesungen haben… wir können es kaum glauben …. und wir arbeiten schon an Volume 2.

Schön zu hören, dass Du an Volume 2 arbeitest. Das Album gefällt mir super! Kannst Du uns einige Namen vom nächsten Album nennen?
Schön, dass Dir das Album gefällt … Nein, ich werde keine Namen von unseren nächsten Gästen herausgeben, das soll eine Überraschung sein.

Wirst Du ein anderes Album von Charge 69 ohne Gastsänger produzieren?
Ja, wir arbeiten auch an einem brandneuen Album nur mit der Band. Wir haben jetzt ziemlich viele Songs, es reicht schon fast für ein volles Album, aber es braucht immer eine lange Zeit zwischen den Aufnahme-Sessions, dem Mischen usw. Ich kann noch kein Datum angeben, aber ja, wir sind dran …

Avec Arturo BassickWas bedeutet der Titel ‚Much more than music‘ für Euch als Band?
Heutzutage gibt es viele wirklich brillante Alben, mit guten Sängern, guten Aufnahmen, künstlerisch herausragend, aber dieses spezielle Album hat etwas mehr… es ist mehr als Musik: es ist ein Traum, der Wirklichkeit wird. Unsere Helden hatten zugestimmt, unsere Lieder nochmals zu singen, einfach zur Unterstützung. Dadurch gewinnen sie nichts – oder nur wenig; sie machen es wegen der besonderen Art des Punkrock. Dadurch wird bewiesen, dass Punkrock mehr als nur Musik ist, es ist eine Lebensart, ein Verhalten. Ich glaube kaum, dass wir so eine Aktion in einer anderen Szene finden würden.

Nachdem Du über 20 Jahre im Punkrock bist, welche Veränderungen hast Du festgestellt?
Nicht über 20, sondern über 35 Jahre, würde ich sagen … So viele Dinge haben sich geändert. Zuerst habe ich die Welt mit den Augen eines zornigen Teenagers gesehen, der total gegen alles war. Heute bin ich nach wie vor in der Szene, aber ich habe einen anderen Blickwinkel. Ich habe zwei Jungs, die in dem Alter sind, in dem ich den Punkrock entdeckte, das ist seltsam.
Global gesehen ist Punk manchmal das Gegenteil von dem, was es war. Früher war Punk nihilistisch und sehr, sehr provokativ und vielleicht auch mehr Spaß. Andererseits gibt es weniger Gewalt, das ist besser, man spielt an mehr Orten, es ist leichter, Alben aufzunehmen usw….es ist etwas total anderes, es hat sich in etwas völlig anderes entwickelt – eine Art Mutation.

Man spielt an mehr Orten, gibt es schon Daten für weitere Gigs?
Ja, natürlich… früher war es schwierig, Punkrock Gigs zu sehen. Erstmal gab es weit weniger Bands, und die meisten haben nicht in Frankreich gespielt, oder nur 2 oder 3-mal. Viele Bands wurden boykottiert und viele Veranstalter akzeptierten keine Bands, die das ‚Punk-Etikett‘ trugen. Punk war viel mehr beängstigend….
Das ist nur ein Witz, es gibt einen Song mit demselben Titel ….
Wir spielen dieses Jahr noch einige Gigs.

Wann hast Du Dein Label Combat Rock gegründet?
Warum hast Du es gegründet, war es mehr, um Deine eigene Band zu produzieren, oder war es, um professionell zu produzieren?
Caps & CharlieIch habe das Label 1988/89 gegründet. Zu der Zeit habe ich gearbeitet. Es war nur, um mein eigenes Label zu haben und einige Aufnahmen von Bands zu machen, die ich mochte und die ich mit anderen teilen wollte. Ich habe mit 5000 Franc begonnen, das waren ca. 800 Euro. Ich kannte Leute von Damaged Goods und Released Emotions in England und Leute von GOUGNAF in Frankreich, und da ich schon ein Vinyl-Junkie war, wollte ich zum Spaß ein paar Aufnahmen machen, um den Punkrock in Frankreich zu verbreiten. Also war es hauptsächlich aus Spaß.

Hat dich die Arbeit mit deinem Label beeinflusst ,was das Musik machen betrifft?
Nicht wirklich, ich arbeite immer mit meinem Herzen. Wenn ich eine neue Band auswähle, eine neue platte aufnehme fürs Label muss es mich umhauen, in meinem Kopf und in meinem Herzen.Ich frage mich nicht ob sich die Platte gut verkaufen lässt, oder nicht. Es gibt keine „big sales“ mehr, also will ich einfach nur eine gut Platte aufnehmen, eine die Menschen Spaß macht zu hören  und eine platte auf die ich Stolz sein kann. Es ist das wichtigste ! es ist meine Leidenschaft, das Wichtigste in meinem Leben. PUNKROCK ist meine Leidenschaft, also mach ich es so!

Sieht man euch dieses Jahr nochmal hier auf der Bühne?
Ich hoffe es, wenn es dieses Jahr nicht klappt dann sicherlich 2016. Wir versuchen nach Deutschland zu kommen , weil wir es lieben dort aufzutreten. Die Leute ( aus der Szene) wissen soviel über PUNKROCK und in der ganzen Zeit haben sich natürlich viele Freundschaften gebildet und es ist immer wieder toll Menschen zu treffen die man seit 20 Jahren oder länger kennt. Es ist immer „Viel Spaß“ also sind wir mehr als ungeduldig wieder nach Deutschland zu kommen.

Das waren doch mal gute Nachrichen zum Schluss!

Vielen lieben Dank an Caps von Charge 69

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