PRO PAIN Interview (18-08-2012)

Gary, ich hoffe bei dir ist alles ok !!! Es freut mich das du dir die Zeit nimmst und für das  Crazy United Zine ein paar Fragen beantwortest. Als erstes: Wir sind Label Kollegen und ich hoffe das wir uns die Bühne auf dem Sunny Bastards Festival 2013 teilen werden.

Gary: Mir geht es gut. Danke der Nachfrage. Und Danke für das „Herzliche   Willkommen“. Ich habe deine Band grad mal angetestet und sie gefällt mir. Also besteht sicher mal die Möglichkeit, das wir uns in nicht all zu ferner Zukunft eine Bühne teilen werden.

Bevor wir über die neue CD „Straight To The Dome“ reden, erzähle uns doch einfach mal  wie du überhaupt mit Sunny und Christian von Sunny Bastards in Verbindung gekommen bist.

Gary: Ich war schon vorher ein wenig mit dem Label vertraut. Einige Freunde von mir (u.a. Toxpack und Berserker) haben ihre jüngsten Alben auf Sunny Bastards herausgebracht. Und als die Zeit kam und wir nach einem neuen Vertriebs Partner gesucht haben, habe ich sie einfach mal kontaktiert um zu sehen ,welches Interesse sie an uns hatten. Und nun sind wir da. Es gab sicherlich noch einige andere Optionen für uns, welche auch mehr in Richtung des traditionellen Metal gegangen wären, aber ich denke das dies ein cooler Deal bzw. eine interessante Konstellation für „Straight To The Dome“ ist. Das Album orientiert sich mehr an unseren Roots.

Ihr seid auch vor Sunny Bastards auf einigen deutschen Labels gewesen. AFM Records oder auch Nuclear Blast. Ist es einfacher für euch mit einem Label aus den USA zusammen zu arbeiten oder ist euch das egal wo das Label herkommt, solange sie einen guten Job für Pro Pain machen?

Gary: Wie du dir sicher vorstellen kannst, habe ich im Laufe der Jahre mit sehr vielen Labels aus aller Herren Länder zusammen gearbeitet. Wenn du auf einem sehr großen Label bist, besteht stets die Gefahr, das du dort verloren gehst. Unsere größten Erfolge hatten wir auf etwas kleineren Labels, weil wir da einfach der dicke Fisch in einem kleinen Netz waren. Es ist wie in jedem anderen Geschäft auch. Kreativität, Herzblut und die richtigen Mittel spielen eine große Rolle. Und die Firmen, welche aus diesen Faktoren die richtige Balance erreichen, haben in meinen Augen auch die größten Erfolge. Wenn wir uns als Band mit dem Label zusammengesetzt haben und unsere Erwartungen besprochen haben, kann ich meistens schon sagen, ob das dieses Verhältnis für eine längere Zeit halten wird.

AFM Records oder auch Nuclear Blast sind ja spezialisiert auf Metal.(Mit einigen Ausnahmen wie z.b. Agnostic Front).Sunny Bastards hingegen sind bekannt für Punk, Streetcore und OI Musik. Hattest du irgendwelche Zweifel das ihr eventuell nicht so gut zu dem „normalen“ Label Programm passt? Und welche Erwartungen hab ihr an Sunny Bastards?

Gary: AFM und Nuclear Blast sind qualitativ hochwertige Firmen mit absolut kompetenten Mitarbeitern. Und wir haben einige Jahre sehr gut mit ihnen zusammen gearbeitet. Dazu muss ich sagen, das wir niemals richtig in ein „Label Programm“ gepasst haben. Für einen Künstler, der immer höher hinaus möchte und die bestmögliche Qualität anstrebt, könnte das auch der letzte Sargnagel für seine Originalität sein. Aus kommerzieller Hinsicht kann das schon mal schwierig werden, wenn man den Künstler oder die Band an ein spezielles Publikum vermarkten möchte. Und weil wir ewig das schwarze Schaaf waren, haben wir uns eine wirklich starke und treue Fan Base erarbeitet. Die Erwartungen an das neue Label sind einfach die, das sie ihr bestes geben.

OK. Dann kommen wir erst einmal zur neuen Platte. Und die ist wirklich ein Kracher geworden. Glückwunsch dazu!!! Wann habt ihr mit dem Songwriting begonnen und wie habt ihr an dem Material gearbeitet? Habt ihr klassisch dazu geprobt oder schickt ihr euch auch nur noch Sound Files hin und her?

Danke dir. Es freut mich zu hören das du die Scheibe magst. Die Methode des Songwritings hat sich in jüngster Zeit doch ein wenig verändert. So haben wir z.b unsere neuen Riffs alle online miteinander geteilt. Als wir genügend Material zusammen hatten, haben wir uns dann im Mai bei mir zu Hause getroffen und die Song gemeinsam arrangiert. In unserem Proberaum in Belgien haben wir dann noch eine Pre- Produktion gemacht, und danach mit den eigentlichen Aufnahmen begonnen.

Ich denke das alle Pro Pain Fans die neue Scheibe mögen werden. Ganz egal ob man den alten Stuff, oder das neue Material bevorzugt. Die Songs knallen ohne Ende und kommen direkt auf den Punkt. Null Ballast. War das reiner Zufall oder ein natürlicher Prozess beim Songwriting ?

Gary: Wie das immer so der Fall ist : Der eine mag das neue Material lieber und anders herum ist das ja genau so. Vielleicht hat das auch was mit Nostalgie zu tun. Ich persönlich bevorzuge eine natürliche Entwicklung mit Pro Pain. Zudem haben wir auch erreicht, das wenn man neue Bandmitglieder pusht und ermutigt, sie sich viel stärker mit in das neue Songwriting einbringen. Diesmal haben sie ihre eigenen Besitz an der Platte und fühlen sich nicht wie irgendwelche „Cover Musiker“. Zudem wollen wir verhindern das jemand im Regen stehen bleibt, denn so etwas verhindert Spontanität und Fehler.

Eure neue Platte trägt den Titel :“Straight To The Dome“. Was bedeutet dieser Titel? Geht es darum immer mit Volldampf an das das Ziel zu kommen? Oder seid ihr religiöse Menschen, welche am Sonntag Morgen aufstehen und sagen: „OK, let`s go straight to the dome“ ?

Gary: Haha. Das einzige was für mich am Sonntag morgen “Straight To The Dome“ ist, sind die Drinks von Samstag Abend. Der Titel bedeutet, gerade aktuell für die Band, das man einfach seinem Kopf folgt. Für uns ist es eine sehr energische Pro Pain Platte und so dachten wir, das der Titell einfach perfekt passt. Der Titel Track an sich erzählt aber über eine Schlägerei in einer Bar.

Gary, du bist und warst immer bekannt für deine ehrlichen und direkten Texte. Das ist auf dem neuen Album nicht anders. Die Texte sind direkt auf den Punkt gebracht und haben zum größten Teil eine negative Grundstimmung. Wie z.b bei Bloodlust For War“ oder „Pure Hatred“. Handeln die Texte über deine eigenen Erlebnisse oder sind es Geschichten die du aus den Nachrichten oder von Freunden gehört hast?

Gary: Meiner Meinung nach würde es schwer sein, Pro-Pain in seiner ganzen Fülle zu erleben, ohne sich zumindest ein bisschen auf den textlichen Zusammenhang einzulassen. Gefühlsmäßig war ich nie irgendwo “in der Mitte” angesiedelt. Durch Pro-Pain kann ich bestimmte Gefühle einfacher zulassen. Ich sitze nicht in einem Elfenbeinturm und predige von dort aus. Das wäre schlichtweg zu einfach und ich bin auch kein Egoist. Mein Vater war ein Enthüllungsreporter für die New York Daily News, von ihm habe ich wohl die Leidenschaft geerbt, “allem auf den Grund” gehen zu wollen. Im Laufe der Zeit wurde mir oft gesagt, ich gehöre zum “rechten, linken oder jedem sonst noch so vorstellbaren Flügel”. Dann wurde behauptet, ich sei voll politischer Widersprüche, ohne die offensichtliche Schlussfolgerung zu ziehen, dass letztendlich beide Flügel zum gleichen, verdammten Flugzeug gehören.  Wir halten uns nun politisch etwas zurück, weil ja jeder selbst und rund um die Uhr alles dazu bei z. B. Googel selbst recherchieren kann, wenn es seine politische Neugierde stillt. Es wird immer Sachen auf dieser Welt geben, die völlig daneben sind. Und daher werden uns bei Pro Pain nie die Texte ausgehen. Wie aus einer Nussschale heraus, beobachte ich die Welt, wie sie ist, schreibe darüber und kann mich dabei ihrem Einfluss doch nicht entziehen.

Wie wichtig sind die Texte für dich? Ich finde es schade, das sich viele Kids von heute gar nicht mehr für die Texte interessieren. Sie können sich auch nicht auf ein komplettes Album konzentrieren und ziehen nur einzelne Songs auf ihren i Pod.

Gary:Für mich sind die Texte ganz besonders wichtig, da sie die komplette Bedeutung des Songs zusammenfassen. Kannst Du Dir vorstellen, was es bedeuten würde, wenn man “Hey, Jude”, einfach mit “Hey, Detlef ersetzen würde?? Mit einem Federstreich könnte man quasi einen klassischen Beatles-Song ruinieren :))) Du verstehst, was ich meine? Im Bezug auf den musikalischen Geschmack der jüngeren Generation, kann man glaube ich sagen, das wir alle in einem “Yellow Submarine” leben. Eines mit Wi-Fi und eines mit großem Flachbildschirm mit 24-Stunden-Pornokanal. Kinder sind immer beeinflusst von ihrer Umgebung. Unglücklicherweise stellt dies immer eine Gefahr dar. Gleichzeitig erinnere ich mich aber daran, das sich meine Eltern auch oft nach der “guten, alten Zeit” zurücksehnten. Was ich sagen möchte ist, daß es eine andauernde Rückwärtsspirale gibt und wir alle zusammen müssen dies realisieren. Zum einen, um Dinge auch “wirklich” verändern zu können. Ich hoffe, wir konnten dazu zumindest die Aufmerksamkeit einiger Leute wecken. Das Leben an sich ist schon ein schleichender Tod. Deshalb brauchen wir keine Idioten, die diesen Fakt auch noch beschleunigen.

Eure neue Scheibe hat eine sehr fette und klare Produktion. Wo habt ihr die CD aufgenommen?

Gary: Wir haben die neue CD im „Little Creek“ Studio in Gelternkinden, Schweiz aufgenommen. Produzent war unser Freund V.O. Pulver von Gurd. (Thrash Metal Band aus Basel. Anm. Marcel.)Er hatte ja auch schon unser letztes Album „Absolute Power“ produziert. V.O. hat einen super Job für uns gemacht und die „Little Creek“ Studios bieten für uns eine relaxte und entspannte Atmosphäre zum aufnehmen. Sie behandeln uns dort wie eine Familie und wir hoffen das wir dort in naher Zukunft auch noch einmal aufnehmen dürfen.

Ihr habt vor nicht all zu langer Zeit euer 20 Jähriges Jubiläum gefeiert. Habt ihr zu diesem Anlass etwas besonderes gemacht?

Gary: Wir haben zu diesem Anlass die CD/DVD „20 Years Of Hardcore“ herausgebracht, welche rückblickend alle Phasen von Pro Pain beinhaltet .Zu der Platte haben wir dann auch eine ausgedehnte Tour gespielt. Nun sind wir schon 21 Jahre am Start. Mit allen Höhen und Tiefen.

Ihr seid ja u.a. mit den Böhsen Onkelz auf Tour gewesen und habt auch einen Song von den Jungs gecovert. Und du hast ja bei der Berliner Hardcore Band „Protection Of Hate“ ein paar Guest Vocals auf der letzten CD beigesteuert. Verfolgst du was in der Deutschen Szene so abgeht und gibt es ein paar Bands die du zur Zeit gerne hörst?

Gary: Ja, wir sind nach wie vor sehr eng mit Stephan, aka „Der W“ und Gonzo von den Onkelz befreundet. Aber auch mit anderen Deutschen Bands wie Toxpack, Berserker oder auch Destruction. Deutschland hat eine sehr ehrliche und starke Szene was harte Musik betrifft. Und so kommt es auch, das es bei euch ein reichliches Angebot an sehr guten Bands gibt.

Ein Track auf der CD heißt “Zugabe”. Habt ihr diesen Song extra für eure Deutschen Fans aufgenommen oder erscheint dieser Track in der jeweiligen Landessprache wo die CD released wird?

Gary: Nein. Wir haben diesen Song extra für die deutschen Fans aufgenommen und wollen uns einfach für die Jahrelange Unterstützung bei ihnen bedanken.
Meine Mutter kommt im übrigen aus Ost Deutschland und so habe ich auch eine ganz besondere Beziehung zu eurem Land.

Sind Pro Pain eine Band die eigentlich noch regelmäßig zum üben in den Proberaum geht?

Gary: Als wir alle noch in der Gegend von New York lebten, haben wir auch regelmäßig zusammen geprobt. Heutzutage leben wir alle schon ein großes Stück voneinander entfernt, was eine gemeinsame Probe unmöglich macht. Wir proben bevor wir auf Tour gehen oder ein Album zusammen machen. Wenn man berücksichtigt was wir alle noch neben der Musik so machen, ist es so am besten und funktioniert prima.

Gary. Vielen Dank das du dir die Zeit für das Inti genommen hast. Ich hoffe wir sehen uns dann auf Tour. Das letzte Wort gehört wie immer dir!!!

Gary:Vielen dank für das Interview. Wir wünschen dir und deiner Band „Emscherkurve77“ alles gute und hoffen das wir euch alle auf der kommenden Europa Tour sehen werden. Alle Daten und Infos findet ihr auf www.pro-pain.com.Und hört euch das neue Album „Straight To The Dome“ an, welches am 9 September via Sunny Bastards erscheint. Prost, Gary!!!

Marcel