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Da für mich die aktuelle Scheibe „Road Worrier“ der erste Kontakt mit eurer Musik gewesen ist, stellt euch doch bitte einmal kurz vor. Wie lange gibt es euch, wer spielt was und seit wann?
Kornelius Flowers: Da es die Band schon seit 1991 gibt, könnte man da so langsam wohl ein Buch drüber vorlegen, aber kurz gesagt bin ich als Sänger noch von der originalbestzung übrig. Aktuell dabei sind Danny dannehl am Bass, auch schon seit 20Jahren und Jörg „Warpig“ Stoffregen (Banjo, Gitarre, Mandoline), Markus Schu (Drums), Chris Birch (Geige), Matt Dawson (Pedal-Steel, Mandoline, Gitarre) sowie Nataša Grujović am Akkordeon.
Wie viele Alben habt ihr bereits veröffentlicht?
DISKOGRAPHIE
1992: songs from the urban country hell (strangeways/indigo)
1993: polka hard (strangeways/indigo)
1994: love will tear us apart – Vinyl-Single (strangeways/indigo)
1995: these days EP (strangeways/indigo)
1996: Budapest Sessions feat. VEZERKAR (HU)
1998: 5 Years of Hard Polka 1993-1998
2001: The Haunted House Of Polka (Pinorrekk/Edel)
2005: Pölka (SumoRex/Broken Silence)
2007: Polka over Serbja – live in Chośebuz (SumoRex/Broken Silence)
2009: Squandering Youth (SumoRex/Broken Silence)
2011: Home For Christmas (Single/SumoRex/Broken Silence)
2013: Road Worrier (SumoRex/Broken Silence)
Wie würdet ihr jemandem euren Stil beschreiben der euch noch nicht kennt?
Wir haben unseren ganz früher ziemlich stark Irisch und osteuropäisch beeinflussten Folkrock bzw. Folkpunk „Hard Polka“ getauft. Seit ein paar Jahren konzentrieren wir uns aber auch ziemlich stark aud Country- und Americana-Sounds
Gab es oder gibt es Musiker die euch maßgeblich beeinflusst haben selber Musik zu machen?
Klar, bei mir waren das sicherlich Leute wie Neil Young, Bob Dylan und viele andere. Die Punkbands haben uns gezeigt, dass man auch ohne größere Virtuosität gute Musik machen kann und dann kamen noch die Pogues, Levellers, New Model Army usw. dazu, die dann den Folk-Touch drin hatten. Aber das ist sicherlich für die meisten in der Band individuell verschieden.
Gibt es musikalische Unterschiede zwischen euren frühen Sachen und den späteren Alben? Worin seht ihr die genauen Unterschiede?
Die Unterschiede bestehen vor allem in der Herangehensweise an das Songmaterial. In den Anfangstagen waren wir noch viel beheisterungsfähiger und sind völlig naiv an die für uns damals noch irgendwie neue Musik herangegangen. Heute sind wir da etwas abgekärter und versuchen Aufnahmen zu schaffen, die auch nach eine gewissen Zeit noch hörbar sind und nicht nur für die momentane Party taugen. Obwohl wir auch das letztere noch können, wie unser live-album zeigt. Von den Einflüssen her dominiert derzeit eher der Americana-Sound und weniger ie Celtic- oder gar Balkan-Klänge,.
Wo wir schon bei den Alben sind, lass uns mal etwas über euer neuestes Werk reden. Was bedeutet der Titel „Road Worrier“? Wie kam er zustande und was bedeutet das Album für euch?
Road Worrier ist ein Wort-Spiel mit Anspielung auf Road WARRIOR. Wir haben den Titel gewählt, weil das Touren auf die Dauer nicht nur spassig ist, sondern auch sehr anstrengend sein kann und wohl auch einige „Worries“ mit sich bringt. Wir fanden den Titel passend und auch witzig.
Ansonsten zeigt das Album für mich, dass es gut war, nach der Auflöung 2010 doch schnell wieder zusammenzufiunden bzw. mit neuen Musikern weiterzuarbeiten, denn das krative Potential war längst nicht erschöpft, wir waren nur etwas müde. Dann kam Road Worrier und für mich ist es unser bislang reifstes Album geworden und trotz des Titels und der vielen entspannteren Tracks steckt es voller Energie!
Wie lang habt ihr daran gearbeitet und wer hat die Songs geschrieben?
Wir haben ein paar Monate recht locker, immer wenn wir Zeit hatten daran gearbeitet. U ser Bassiest Herr Dannehl hat ein Studio in seiner Wohnung. Wir haben das Equipment noch etwas aufgepimpt und dann ging es los. In der Endphase haben wir uns in meinem Haus in Trier eingerichtet, wo wir dann alle zusammen ein paar Tage konzentriert am Stück arbeiten konnten.
Die Songs stammen vor allem von Matt Dawson, Warppig Stoffregen und von mir, aber eigentlich haben alle Bandmitglieder Songideen beigesteuert und Arrangementarbeit geleistet
Ich habe ein Review über die Scheibe geschrieben und kam durch die vorhandenen Country-Einflüsse unweigerlich auf den Namen Mike Ness. Oftmals erinnert mich der Gesang sowie die Songstrukturen an das Album „Under The Influence“. Ein Vergleich mit dem ihr gut klar kommt oder seht ihr das völlig anders?
Under The Influences kenne ich. Das ist eigentlich ein Kompliment von Dir, denn auf diesem Album sind ja ausschließlich Folk-und Countryklassiker in Coverversionen von Mike Ness. Der Vergleich spricht ja für die Qualität der Songs auf Road Worrier.
Ihr habt auf dem Album tatkräftige Unterstützung von Albert Lee bekommen der auch schon mit Eric Clapton zusammen auf der Bühne stand. Wie kam die Zusammenarbeit mit dem Gitarristen zustande?
Matt Dawson ist seit 2011 fest in unserer Band. Er ist der jüngere Bruder von Julian Dawson und kennt viele Leute aus dem Musikbiz. Unter anderem auch Albert Lee, mit dem er seit Jahrzenten befreundet ist. Als Albert 2012 in Luxemburg gastierte, hat Matt ihn eingeladen und er hat dann in einem Studio in Luxemburg zu einigen Songs Gitarre und Mandoline gespielt. Da haben wir sogar noch mehr auf Lager, was wir vllt. Für ein weiteres Album benutzen können.
Auf dem Album befindet sich mit „The Girl Who Lives On Heaven Hill“ auch eine mehr als gelungene Coverversion von Hüsker Dü. Wie kamt ihr denn auf Hüsker Dü und warum ausgerechnet diesen Song?
Ich kenne den Song schon seit dem Hüsker-Dü-Album „New Day Rising“ 1985. Irgendwie habe ich ihn immer sehr gemocht und wollte ihn in einem eigenen Gewand machen. Es ist ein sehr simpel strukturierter Song und irgendwie ging es sehr leicht, dies Version herauszuarbeiten. Die Atmosphäre ist sehr dicht geworden. Ich habe den Song Grant Hart, dem Autor und Hüsker-Dü-Drummer, vorgespielt. Er war sehr begeistert von der Version und auch von dem Video davon. Seit dem stehe ich in Kontakt mit Grant und wir haben vor, davon noch eine Vinylsingle in Deutschland und seinen Vertrieb in den USA zu veröffentlichen.
Wie schon erwähnt kenne ich eure früheren Alben nicht, finde aber den eher dezenten Folkpunk-Einschlag sehr erfrischend. Während viele andere Bands den Punkrock im Vordergrund stehen haben, scheint er auf „Road Worrier“ eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Dafür rücken bei euch rockigere Elemente in den Fokus, die meiner Ansicht nach das musikalische Können weitaus besser zur Geltung bringen und dem ganzen mehr Tiefgang verleihen. Wie steht ihr persönlich denn zu dem Folk-Punk-Boom der letzten Jahre?
Wir waren und sind zum Teil ja immer noch eine Folkpunkband. Wasmir aber bei den meisten anderen Folkpunkbands nicht gefällt, ist, dass sie sich eigentlich zu 95% auf den Punkrock konzentrieren, die Folkmelodien aber ziemlich stiefmütterlich behandeln und die Akkordeon-, Geigen,- banjo-etc-Klänge meist im allgemeinen Gitarrenlärm untergehen.
Das ist bei uns anders. Es muss zwar rocken, aber man muss auch die Melodien wahrnehmen können
Und welche Bands bevorzugt ihr persönlich? Dropkick Murphys oder lieber Flogging Molly? Eher die Levellers oder dann doch The Pogues?
Ich würde sagen es sind eher Fogging Molly und es sind eher die Pogues.
Eure Band existiert bereits seit 20 Jahren mit einer Unterbrechung zwischen den letzten beiden Alben. Was war da los?
Wir hatten in 2009 irgendwie die Schnauze voll vom Touren und Rumtingeln und haben us nach unserem Album „Squandering Youth“ in einer Sackgasse gesehen. Da kam denn der Entschluss in 2010 eine Abschiedstour zu machen und dann die Segel zu streichen. Von Mitte bis Ende 2010 gab es The Shanes dann nicht mehr, ein Halbes jahr etwa. Da merkten wir, dass uns doch etwas fehlte und wir haben die nicht mehr zur Verfügung stehenden Musiker ersetzt, sind zu einer neuen Bookingagentur gegangen und dann gings wieder los…und Road Worrier ist entstanden.
Wie geht es jetzt nach der Veröffentlichung von „Road Worrier“ bei euch weiter? Wird es eine Tour oder besondere Releasepartys geben?
Eine Tour wird es geben, Releasepartys eher nicht
So kommen wir dann auch langsam zur letzten Frage. Ich danke euch für das geduldige beantworten der Fragen. Habt ihr noch ein paar Worte für die Leser von Crazy United?
Da fällt mir ein schönes Songtitel ein „What´s so funny about peace, love and understanding?!“ das ist von Nick Lowe, schade dass es nicht von mir selber ist…
Die Israelis HAMMERCULT räumten 2012 mit ihrem Album “Anthems Of The Damned” die Bestnote bei Crazy United ab. Grund genug ihrem Sänger Yakir Shochat mal ein paar Fragen zu stellen und etwas mehr über die Thrash Metal-Hoffnung aus dem heiligen Land zu erfahren. Ich traf mich mit dem sympathischen Schreihals nach ihrem Auftritt im essener Turock, wo man gerade einen weiteren Gig als Support für Sepultura hingelegt hatte.
Yakir, schön das du dir nach dem Auftritt und deinen Pflichten am Merchandise-Stand die Zeit nimmst für ein Interview für Crazy-United. Beginnen wir mit der Gründung eurer Band, wann habt ihr begonnen Musik Zu machen?
Yakir: Unser Bassist Elad, Maayan (Drums) und ich gründeten HAMMERCULT im Oktober 2010. Wir haben sofort begonnen Songs zu schreiben, Shows zu spielen und unsere Sachen aufzunehmen. Es lief von Beginn an ziemlich gut an, immer mit einem Fuss auf dem Gaspedal.
Ihr seid ziemlich fleissig an der Live-Front. Seid ihr gern auf Tour?
Yakir: Fuck Yeah! Es ist grossartig. Auch wenn wir nicht in den Genuss kommen, alle Vorzüge zu geniessen, wie die großen Bands mit denen wir Touren. Ich mag es einfach aufzutreten, zu singen, viele neue Leute kennenzulernen und jeden Tag an einem anderen Ort zu sein. Ich kann gar nicht genug unterwegs sein, ich liebe es wirklich.
Spielt ihr die komplette Europa-Tour als Support für Sepultura?
Yakir: Ja, wir eröffnen jeden Gig der Tour. Gestartet sind wir in München, von dort nach Ungarn und weiter nach Frankreich. Insgesamt spielen wir 20 Konzerte. Das ist nun unsere größte Tour. Unsere früheren hatten an die 16 – 17 Shows, wir steigern uns also langsam.
Gefällt es euch in Deutschland aufzutreten? Mögt ihr die deutschen Metal-Fans?
Yakir: Ja, absolut. Es ist wirklich beeindruckend für Metal-Bands hier zu spielen. Für uns ist Deutschland so etwas wie das “Mekka des Metal”. Wir haben schon zwei mal auf dem Wacken Open Air gespielt,dort liebe ich es ganz besonders. Die größe der Festivals ist beeindruckend. Ich glaube in Deutschland leben die Fans einfach viel mehr für ihre Lieblingsmusik. Wir persönlich wurden vom deutschen Publikum auch sofort gut angenommen und unterstützt, das versuchen wir natürlich zurück zu geben. Auch unser Album wurde in Deutschlang recht gut verkauft, dafür möchte ich unseren Fans hierzulande wirklich danken.
Habt ihr musikalische Einflüsse oder Lieblingsbands die euch beeindruckt haben?
Yakir: Klar, da gibt es einige. Wir sind hier heute in Essen, deshalb beginne ich mit Kreator. Aber auch Sodom, Manilla Road, Manowar, Mercyful Fate und King Diamond. Viel Old School-Stuff. Wir haben dann Thrash mit klassischen Metal-Einflüssen gemixt und dem ganzen ein Soundgewand für das Jahr 2013 angelegt.
Hörst du persönlich noch andere Musik Richtungen? Oder bis du ausschließlich auf Metal fixiert?
Yakir: Ich höre gerne Punkrock und Hardcore. Wenn Musik nicht laut ist, mag ich sie nicht. Es muss schon knallen. Ich mag auch Metalcore, egal wieviele Leute behaupten Metalcore habe nichts mit Metal zu tun.
Hatten HAMMERCULT als Metalband schon mal Probleme in Israel? Habt ihr eine Metal-Szene in Israel?
Yakir: Nein, nicht wirklich. Wenn man sich im großen und ganzen an die Regeln hält, bekommt man keine Probleme. Speziell in Tel Aviv kann man spielen wann und wo man will, da gibt es keine Probleme. Ja, wir haben auch eine Metal-Szene in Israel. Die ist nich so riesig wie die hier in Deutschland, wir reden von ca. 5000-10.000 Leuten, aber es ist eine eigene Szene. Man kennt sich und alles ist sehr persönlich. Es gibt auch ein paar Bands die es geschafft haben, über die Grenzen Israels hinauszukommen. HAMMERCULT gehören dazu und dafür sind wir sehr dankbar und freuen uns.
Kommen wir noch mal auf euer Album “Anthems Of The Damned” zu sprechen. Wie waren die Reaktionen darauf?
Yakir: Sehr gut bisher, wir haben viele gute Kritiken in Fanzines und Magazinen bekommen. Es wurden natürlich keine Millionen davon verkauft, aber die Reviews waren wirklich sehr gut und dadurch kam der Deal mit SPV zustande, die nun eine Vinyl-Version veröffentlicht haben. Ich habe heute meine Kopie bekommen, die sind heute nach Essen gekommen und gaben uns unsere Exemplare. Großartig. Wir hatten etwas von Kindern, denen man Süßigkeiten mitbringt. (lacht) Wir freuen uns sehr über diese Vinyl-Version unseres Albums. Wir arbeiten auch fleissig an neuem Material, und hoffen ende 2013 unser nachfolge Album zu veröffentlichen (ebenfalls auf SPV).
Also arbeitet Ihr während euer ganzen Touren an neuem Material?
Yakir: Wir arbeiten ununterbrochen an HAMMERCULT. Wir haben schon alle Songs geschrieben und wollen die Platte im Juni im Studio aufnehmen. Andreas Kisser (Sepultura-Gitarrist und Thrash Legende) hat heute extra ein Solo für uns eingespielt. Darüber haben wir uns sehr gefreut.
Was sind die Pläne für die Zukunft? Wo wollt Ihr mit HAMMERCULT noch hin?
Yakir: Wir wollen unbedingt das neue Album veröffentlichen und danach direkt wieder auf die Strasse und Shows spielen. Dafür leben wir einfach. Wir werden diesen Sommer auch noch Festivals spielen, in Deutschland zB. auf dem Summerbreeze. Ansonsten fahren wir volle Kraft weiter. Ich halte nichts davon abzuwarten oder Pausen zu machen. Wenn man eine Band hat, muss man den Arsch hochbekommen und zusehen das man Konzerte spielt. Man muss sich alles erarbeiten. Man lebt nur einmal und sollte seine Zeit nutzen und nichts vertrödeln.
Denkst du, dass es Bands heute schwerer haben als früher?
Yakir: Ja, defintiv! Auf der einen Seite kann man natürlich viel mehr zuhause aufnehmen und es im Internet bekannt machen, aber diese Chancen haben ja alle Bands auf der Welt. Die Qualität von Studio-Aufnahmen, auch von Demos, ist verdammt hoch, aber es gibt auch genug Bands die es dann Live nicht bringen. Die Verkaufszahlen sind ja bekanntermaßen auch nicht mehr so hoch wie früher, deshalb kommt man leider immer schwieriger an Verträge. Man muss sich einfach den Arsch abspielen und sich so hocharbeiten.
Okay kommen wir zum Schluss, ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast. Möchtest du noch etwas zum Schluss loswerden?
Yakir: Ich danke und hoffe den Lesern gefällt unser Interview. Wenn ihr HAMMERCULT nicht kennt, checkt mal unsere Facebook-Seite oder unsere Clips auf Youtube. Wenn die Musik gefällt, ladet es euch doch einfach runter, und habt Spass daran. Darum geht es doch. Keep on kickig Ass! Wir sehen uns auf Tour!
Die sympathischen Jungs von Hounds and Harlots, eine Punkband aus San Francisco, hatten gestern ihren ersten Auftritt in Deutschland. Nachdem sie eine gute Show abgeliefert haben, hatte ich die Gelegenheit, den dreien ein paar Fragen zu stellen.
Stellt euch erstmal vor:
Greg De Hoot (Bass / Gesang), Bryan Zimmerman (Gitarre / Gesang), Cory Cunningham (Schlagzeug)
Seit wann gibt es die Band?
Greg: In der jetzigen Konstellation gibt’s uns seit Oktober 2009
Wann habt ihr euch denn das erste Mal getroffen? Wie kam es, dass ihr ne Band gegründet habt??
Greg: Wir alle sind Freunde, wir haben jeweils in anderen Bands früher schon mal zusammengespielt und es hat einfach musikalisch und menschlich gepasst.
Bryan: Ja, wir sind auf einer Wellenlänge. Wir haben uns alle durch die Szene kennengelernt, die Punkszene in San Francisco ist sehr klein, vielleicht kennst du das, von Deutschland? Es ist familiär, ähnlich wie hier auf dem Konzert, man kommt irgendwo hin, auf ein Konzert oder eine Party und jeder kennt irgendwie jeden.
Cory: Ja wir haben uns einfach immer überall wieder getroffen und sind Freunde geworden.
Ihr seit alle „Original-Mitglieder“, richtig? Wie seid ihr denn zu eurem Namen gekommen?
Greg: Ja sind wir. Ganz am Anfang hießen wir mal anderns, uns war es wichtig, dass wir uns mit San Francisco identifizieren können, man sollte wissen wir sind San Francisco, aber eben nicht das San Francisco im Sinne von Mainstream, sondern eben ein besonderes San Francisco, dass klar macht wo wir eben herkommen.
Du musst dir das so vorstellen, in San Francisco gibt es sowas wie Gangs. Grad so in den Neunzigern war es eben so, dass speziell die Punkszene 2 Gangs hatte. Es war wie ein Katz und Maus Spiel mit der Polizei. Egal in welcher man war, man hatte eben Stress mit den Cops. Da warst du ganz schnell n Dieb obwohl du eigentlich keiner warst. Dann wurdest du von denen eben schnell zusammengeschlagen. Das war einfach unser täglich Brot. Und die Bullen waren überfordert, weil die Leute plötzlich von überall herkamen. Naja es war dann so entweder warst du einer der „hounds“ oder einer der „harolts“.
Brayn: Ja, wir sind beides, doppelt so schlimm. ;)
Greg: Beides passt zu uns und das wollten wir ausdrücken.
Wer ist denn bei euch für die Songtexte verantwortlich??
Brayn und Greg gleichzeitig: CORY ;)
Brayn: Nee, also eigentlich wir alle. Es läuft so ab, einer von uns hat ne neue Melodie im Kopf oder ne Idee für nen Text und dann versuchen wir zusammen zu kommen.
Greg: Yeah, wir streiten und argumentieren und streiten und argumentieren solange bis es dann eben klappt und wir einer Meinung sind.
Man merkt, dass ihr mit vollem Herzen dabei seid, kommt das daher, dass ihr eure Songs über eigene Lebenserfahrungen schriebt??
Brayn: Ja, definitiv.
Cory: Versuchen damit negative Erlebnisse in was positives zu verwandeln.
Greg: Weisst du, man kann, ja nicht einfach über irgendwas schreiben, was man nie gefühlt hat oder nicht fühlt, oder über Sachen, die man nicht erlebt hat, dann ist es nichts als Fake. Und irgendwann merken die Fans das ja dann auch. Zum Beispiel, ich komm aus einem Dorf, und niemand mochte mich, ich war immer der kleine Junge, den man verprügelt hat und dann kam ich irgendwann zu den Punks aus S.F. und mit die Musik hat mir geholfen, das zu verarbeiten. Und so ist das auch bei unseren Texten.
Brayn: Dich mag immer noch keiner ;)
Greg: Siehst du, nicht mal meine Band mag mich. ;D
Was hofft ihr mit eurer Musik zu erreichen?
Greg: Wir wollen reich werden ;)
Cory: Wir schreiben Songs, nicht um dem Publikum zu gefallen sondern schreiben, was uns bewegt und was wir gerne erzählen wollen. Kannst du dich damit identifizieren?- Dann ist das super! Wenn das einer aber nicht kann, dann ist das auch ok.
Brayn: Ich hoffe immer, dass die Leute dadurch merken, „ Hey, ich kann das machen“ , Ich kann das schaffen, egal wie schwer es scheint. Ich hoffe wir können die Leute pushen, damit sie merken zu was sie fähig sind. Ein Freund von uns, hat unser Logo auf dem Fuß tättowiert und, das zeigt uns was Musik für ne Macht hat, weil wir sind nur ne kleine Band irgendwo aus S.F. aber diesen Kerl haben wir mit unserer Musik erreicht.
Greg: Ja genau das ist es.
Gibt es Bands die euch beeinflussen?
Greg: Hm…naja, da gibt es viele, aus den unterschiedlichsten Richtungen, egal ob es nun Symarip ist oder ne ganz andere Richtung. Ich hör auch gerne Rocksteady, alten Reagge, alten New York Hardcore, oder auch Evil Conduct. Ich denke, jeden von uns beeinflusst eine Band oder mehrere, ganz egal aus welcher Musikrichtung.
Brayn: Nimmst du das alles auf? Mal so unter uns, wir mögen größtenteils die gleiche Musik, aber bei mir ist es so, dass auch Bands wie ACDC mich beeinflussen.
Cory: Und auch Cock Sparrer.
Brayn: Ja genau, da sind wir uns einig, Cock Sparrer beeinflusst uns alle.
Cory: Es ist echt total unterschiedlich.
Brayn: Wir denken nicht, dass wir jetzt unbedingt klingen müssen wie die eine oder andere Band, klar beeinflussen uns verschiedene Bands, aber nur weil wir diese Musik einfach mögen…nicht weil wir genauso klingen wollen… Wir machen ja unseren eigenen Sound und mischen auch verschiedene Musikrichtungen.
Würdet ihr sagen, dass die Erfahrungen die ihr mit den anderen Bands gemacht habt euch jetzt helfen?
Brayn: Oh ja, es ist ja immer anders, egal in welcher Band man spielt. Man hat immer die unterschiedlichsten Charaktere mit denen man klarkommen muss. Und dadurch lernt man unheimlich viel dazu.
Cory: Es ist ja dann auch schwierig, wenn man einen hat, der immer alles kontrollieren will und dann jemanden der nie eine Meinung vertritt. Aber mit der Zeit lernt man eben auch mit schwierigen Menschen umzugehen damit umzugehen.
Greg: Ja, und ich denke bei uns hat sich das gut eingespielt. Oftmals streitet man sich dann hinterher über Sachen, die gar nichts mehr mit der Band zu tun haben und das sollte man vermeiden. Ich finde, unsere Band ist total relaxt. Klar geht auch mal was schief, aber durch die Erfahrungen die wir sammeln konnten, ist es eben so, dass wir super aufeinander abgestimmt sind. Und uns immer schnell wieder zusammenraufen.
Wie ist die Punk Szene in S. F.? Es gibt ja viele Leute, die meinen, dass die Szene früher besser war. Wie seht ihr das?
Greg:Die Szene ist klein, man kennt sich, aber es macht Spaß , mit den Leuten zu feiern.
Früher war es besser……hmmm….
Oh ja, das kann ich verstehen, das Problem ist einfach, dass mittlerweile die Punkszene gesellschaftstauglich geworden ist. Es ist mittlerweile unheimlich Mainstream.
Cory: Ja aber alle sagen immer früher war es besser.
Brayn: Klar, man denkt immer, es war besser wenn man zurückblickt. Es war einfach alles neu und alles war super und spannend und es war toll und es war einfach die beste Zeit an die man sich erinnert. Ist ja auch normal…obwohl ich weiss nicht ob es wirklich besser war oder ob man sich nur am liebsten an die schönen Sachen erinnert und es dadurch den Eindruck macht, es wäre besser gewesen.
Greg: Ach komm!! Die 90er waren ja wohl total spitze. Das weisst du auch.
Brayn: Ja, ok, hast ja Recht.
Was denkt ihr denn über patriotische Bands wie Dropkick Murphys??
Greg:Ja, es gibt ja viele dieser Bands, beispielsweise ja auch Last Resort, find ich übrigens weitaus patriotischer als die Murphys.
Aber weisst du, ich denke, die Bands müssen selber entscheiden, worüber sie singen wollen.
Mir ist Politik und Patriotismus egal, bei mir geht es um Freunde, Familie und einfach darum, ne gute Zeit miteinander zu haben…genau das ist es!
Brayn: Bin ich ganz deiner Meinung.
Cory: Jede Band hat ja die Möglichkeit sich zu entscheiden.Wir wollen eben nicht patriotisch klingen. Weil man dadurch eben schnell in eine Schiene gerät in der wir nicht sein wollen, wenn du verstehst wie ich das meine?!
Klar, versteh ich. Kommen wir zu einem anderen Thema, is die band euer Vollzeitjob oder is das eher n Freizeitprojekt?
Brayn: Nee, das is einfach n Freizeitprojekt, das Spaß macht!
Was sind eure Pläne für die Zukunft mit der Band? Gibts n neues Album?
Greg: Hey, wir sind in Europa, das ist so der Wahnsinn!! Und wir wollen wiederkommen!
Wir wollen auf jeden Fall weiter machen, weiter Songs schreiben und Konzerte spielen.
Mehr oder weniger arbeiten wir auch an einer neuen CD, alles nach und nach, erstmal die Tour und wenn wir dann wieder zuhause sind, dann nehmen wir auch wieder auf.
Letzte Frage, gibt’s noch was, was ihr unbedingt loswerden wollt?
Brayn: Wir sind echt froh hier zu sein, es hat Spaß gemacht und wir danken den Leuten, die heute Abend, trotz einer enormen Hitze hier sind. Und wir danken den Leuten, die das möglich gemacht haben. Und wir freuen uns coole Menschen, wie dich kennengelernt zu haben.
Greg: Ja genau, danke auch für die Möglichkeit ein Interview zu geben! Ich hoffe wir alle haben trotz Jetleg und wenig Schlaf noch nen tollen Abend, mit all den Leuten hier.
Ja, danke dass ihr euch die Zeit genommen habt und mir alle Fragen so ausführlich beantwortet habt.
MIRA
Kärbholz haben mit ihrem neuen Album „Rastlos“ ein erstklassiges Punk Rock Album abgeliefert. Ich schreibe an dieser Stelle bewusst „Punk Rock“. Denn wer die Band aus Ruppichteroth immer noch in die Deutsch Rock Ecke stellt, hat das Album bzw. die Band als Gesamtes nicht begriffen. Ein Grund mehr für mich, die absolut sympathische Band, vor ihrem Auftritt in der ausverkauften Bochumer Matrix etwas auszuquetschen. Zur Rede standen Gitarrist Adrian, Drummer Henning und Bassist Stefan.
Marcel: OK. Ich habe ein wenig in eurem Gästebuch gestöbert. Dort konnte ich überall lesen: „Gute Show und gute Besserung“. Was war los? Hat euch die Tourgrippe erwischt?
Stefan: (Lacht).Ne, ich bin arbeitsunfähig gewesen. Ich habe eine Herzmuskelentzündung gehabt. Ich bin auf Schonung und darf deswegen nur ein paar Lieder mitspielen. Deshalb „Gute Besserung“.
Marcel: Habt ihr den einen Ersatz am Start?
Henning: Wir haben extremes Glück gehabt, das wir so schnell einen fähigen Ersatz Bassisten gefunden haben.
Adrian: Das ist der Jay. Eigentlich wollte ich nur ein wenig Gitarre mit ihm üben, weil er ein Spitzen Gitarrist ist. Ja, dann hat sich der Stefan den Muskel entzündet und dann habe ich gesagt: „Ja Jay, du kannst mir was auf der Gitarre beibringen und nebenher kannst du dir das Set drauf ziehen haha. Dann hat er sich in vier Tagen das Set drauf geschafft, was aber nicht schwer ist.Wir haben sowieso immer nur C,G,A und F (lacht). Nur in unterschiedlichen Reihenfolgen.
Marcel:Da ihr ja grad auf Tour seid. Wie läuft es bis jetzt?
Adrian.: Hammer. Angefangen in Freiburg, wo wir sogar die Location wechseln mussten. Da hatten wir vorher noch nie gespielt und können gerne noch mal da hinfahren. München war super und Frankfurt auch. Teilweise sogar ausverkauft. Fünf Hammer Konzerte bis jetzt. Und nun ist ja Halbzeit.
Henning: Bis jetzt können wir uns definitiv nicht beklagen.
Marcel: Zwei Jahre sind vergangen, seid „100%“ veröffentlicht wurde. Wie lange habt ihr insgesamt an der neuen Scheibe gearbeitet? Inklusive dem Songwriting? Schreibt ihr auch wenn ihr unterwegs seid? Oder macht ihr das lieber zu Hause?
Henning: Das lassen wir meistens auf uns zu kommen. Bei der neuen Platte hat die meisten Texte der Adrian geschrieben. Und auch den Grundstock bei der Musik. Also so die Richtung wo es hingehen soll. Dann setzten wir uns im Proberaum zusammen und arbeiten daran. Manche Sachen funktionieren auf Anhieb, andere nicht. Die stellst du dann erstmal wieder hinten an.
Adrian: Letzten Endes nun gut 1 ½ Jahre. Zwischendurch haben wir aber auch ein wenig Müll produziert haha. Klar, ein paar Ideen kommen auch auf Tour, aber da ist meistens nicht die Stimmung für da. Da sind wir aber auch nicht so fanatisch und trinken lieber ein Bier. Bei der neuen Platte war es eigentlich so, das die Lieder vom Grund her, auch mit einer Akustik Gitarre und Gesang funktioniert haben. Und wenn wir merken das es so klappt, setzten wir uns zusammen und arbeiten an dem Material. So sind die ganzen Songs entstanden. Hat alles ein wenig länger gedauert als bei der letzten Platte. Wichtig ist aber auch, das die Songs alle zusammen im Proberaum wachsen. Viele setzten sich einfach an den Rechner und machen ein komplettes Lied fertig, mit Drum Sampel und Gesang etc…Das hatten wir auch mal probiert, ist aber relativ schnell in die Hose gegangen. Das ist dann eher so ne´ Art Bausatz gewesen. Das ist halt nicht mehr Rock` N `Roll.
Henning: Wenn du zusammen im Proberaum bist, hast du ja auch direkt diesen Dialog. Und durch den entstehen ja auch viele Ideen. Und wenn alles vorher vorgegeben ist, bleibt es meistens auch dabei. Das ist eben das schöne im Proberaum.
Adrian: Davon ab sind wir ja auch Kumpels und können uns ganz normal unterhalten, nicht nur über E-Mail. Davon ab merken wir auch direkt, ob die Sachen funktionieren. Wir sind ja musikalisch nur ein Trio, sprich, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Im Studio kannst du natürlich alles reinbauen, aber das ist ja Live nicht umsetzbar. Das heißt, wir müssen Songs schreiben, die auch Live als Trio funktionieren. Bei uns würde dieses Baukasten System also gar nicht greifen.
Marcel: Gitarren Technisch passiert ja sehr viel bei euch. Fällt es dir da nicht schwer, auf der Bühne ein wenig reduzierter arbeiten zu müssen?
Adrian: Das ist für mich völlig ok. Ich muss ja das auf der Gitarre machen, was dem Song dient. Also ich kann mich da auch gut zusammen reißen ,mal eine Melodie nicht zu spielen. Die würde ich wahrscheinlich auch gar nicht treffen. Ich hab ja mit den drei Solis schon Probleme haha.
Stefan: Gott sei dank haha!!!
Marcel: Eure neue Scheibe trägt den Titel „Rastlos“, was meiner Meinung nach perfekt als Überschrift zu allen Songs passt. Es herrscht eine positive Aufbruchstimmung. Was bedeutet der Albumtitel für euch ? Wofür steht „Rastlos?“
Stefan: Positiver Aufbruch. Perfekt interpretiert haha.
Adrian: 10 Punkte. Haha. Genau das sollte rumkommen bei der Platte. Wir haben uns jetzt gar nicht so viele Gedanken gemacht, aber es sollte einfach etwas positives hängen bleiben. Alle Bands sind immer so angepisst. Sie sind die ewig bösen, verfolgten und ewig Missverstandenen. Da muss man ja nicht ewig drauf rum reiten.
Henning: Das ist ja auch das Gefühl wenn man auf Tour ist. Da spielt dieses „Rastlos“ natürlich mit rein. Das sind ja alles Sachen die man von einem Konzert mit nimmt. Da gibt es ja unheimlich viele Erlebnisse und Eindrücke. Ich hatte es auch noch nie, das ich von einer Tour nach Hause gekommen bin und mir gedacht habe: „Mensch, das war aber scheiße“.
Wenn ich nach einer Show von der Bühne gehe, bin ich super gut drauf und aufgepusht. Springe rum wie ein Flummi. Und das wollen wir den Leuten auch vermitteln. Das Leben ist viel zu geil als das es ständig scheiße sein muss.
Marcel: Die Platte klingt für mich wie aus einem Guß und im Vergleich zu den Vorgänger „100%“ deutlich befreiter und sehr detail verliebt. Im Info konnte man ja auch lesen, das ihr den „Kärbholz Sound“ auf Herz und Nieren geprüft habt. Was habt ihr beim Songwriting anders gemacht und wie muss man sich so eine „Prüfung“ vorstellen?
Adrian: Im Grunde haben wir überlegt, was wir bis jetzt gemacht haben. Und haben dann ein wenig aufgeräumt. Da gab es Z.b. Sachen, die mehr in die Metal Abteilung gingen und die einfach nicht funktioniert haben. Rückblickend betrachtet. Da haben wir gesagt, das das eigentlich nicht Kärbholz ist. Auf der anderen Seite haben wir auch Ska Elemente, wo die Leute total drauf abgehen und Spaß haben. Das ist dann natürlich Kärbholz. Dann haben wir auch überlegt ob es auf Solis ankommt oder einfach darauf, das der Songs an sich stimmt. Also im Fundament. Wir haben auch mit Leuten gesprochen, die nicht in der Band sind. Das bekommst du ja so gar nicht mit. Mal abgesehen von den Besoffenen, die nach einer Show zu dir ankommen haha. Deswegen war Jay für mich auch an der Gitarre da, um einfach der Betriebsblindheit ein wenig entgegen zu wirken.
Henning: Im Endeffekt startest du irgendwann mit deinen Kumpels eine Band. Und jeder spielt mehr schlecht als recht drauf los. Und wie Adrian ja schon sagte, sind wir ja auch vier Individuen, und das hört man den alten Platten auch an, das dort mehr experimentiert wurde. Für einen selber klingt das immer geil, aber wenn dann jemand von außen sagt: „Mh, ist aber nicht ganz so super“, wirkt das der Betriebsblindheit entgegen. Es ging halt darum, das jeder sein Standing in der Band findet, und das dies zu einer Einheit zusammen kommt. Wir wollen den Leuten natürlich auch eine geile Show bieten. Man kommt ja auch nicht mehr zu einem Konzert, fängt vorher an zu saufen, spielt dann die Show und säuft weiter. Die Leute kommen zu dir um unterhalten zu werden.
Adrian: Die Leute bezahlen ja auch 15 Euro Eintritt um dich zu sehen. Da kannst du ja auch keinen Scheiß abliefern. Das muss einem ja auch erstmal bewusst werden, das es eine große Ehre ist, das Leute Geld bezahlen um eine Show von dir zu sehen. Das muss man dann schon ernst nehmen. Am Anfang waren es nur besoffene Punks, denen war es egal ob die Bass Drum gestimmt ist oder ob auf der Gitarre nun fünf oder sechs Saiten sind. Das ist eben jetzt anders. Also muss man es ernster nehmen und überlegen. Was kann man besser machen?
Marcel: Die Single Auskopplung ist „Fallen und fliegen“, zu der ihr auch ein sehr unterhaltsames Video gemacht habt. Geht es in dem Song darum, das man meint, auf dem richtigen Weg zu sein, aber gar nicht merkt, das es doch der Falsche ist? Oder das einem immer wieder Hindernisse in den Weg gelegt werden?
Henning: Sowohl als auch. Wenn du in deinem Leben einen Weg gehst, wirst du in den seltensten Fällen problemlos durch` s Leben kommen. Die Probleme kommen halt. Aber man sollte eben nicht die Hände vor` s Gesicht halten.
Adrian: Es geht auch darum, das es gar nicht schlimm ist mal auf dem Holzweg zu sein. Es gehört dazu auch mal eine falsche Entscheidung zu treffen. Man muss selber einfach nur die Kraft dazu haben, sich das auch einzugestehen, das man etwas falsch gemacht hat. Und so lange das so ist, kann man so viele Fehler machen wie man will.
Marcel: Also hat der Typ im Video schlicht und einfach Pech, das er mit dem Gesicht in die Bierfalsche fällt?
Adrian: Wir wollten einfach nur Blut haha.
Marcel: Steht die Kneipe den in Ruppichteroth?
Stefan: Ne, die liegt in Richtung Koblenz.
Henning: Die hatte uns jemand von der Film Crew empfohlen.
Adrian: In der Kneipe herrschten 3 Grad. Und das 16 Stunden lang. Immer wieder diesen verfickten Song. Und so tun, als wenn Leute davor stehen die das auch abfeiern. Dabei steht da nur ein gelangweilter Kameramann haha.
Marcel: Ihr habt auf dem neuen Album ja auch wieder einige Country Zitate mit eingebaut. Hört ihr Privat auch viel davon und was hört ihr im Allgemeinen gerne?
Adrian: Ich höre sehr gerne Country. Aber auch Punk, Hardcore und Singer / Songwriter Geschichten.
Henning: Klar, wir haben schone eine Schnittmenge, da gehört sicher auch Johnny Cash dazu. Aber jeder von uns hat so Ausbrüche in andere Richtungen. Mittlerweile wissen wir ja auch was Kärbholz vom Sound ausmacht und was geil klingt. Ich höre aber auch sehr gerne Metal, aber ich werde den Teufel tun und da jetzt mit nem` Black Metal Riff für einen neuen Kärbholz Song anzukommen haha. Versucht haben wir das schon, aber es hat nicht geklappt. Und davon ab, würde das wieder auf so ne Ego Geschichte hinauslaufen. Es würde einfach nicht passen.
Adrian: Dann muss halt der arme Cash herhalten hehe.
Marcel: In dem Video bekommt jemand eine Flasche „ZUNFT“ Bier ins Gesicht geschlagen.Und zu guter letzt fällt jemand auch in eine Flasche ZUNFT Bier hinein. Hat euch die Brauerei trotzdem Freibier zur Verfügung gestellt?
Stefan: Ja, haben sie haha.
Henning: Ich hatte das Pro Forma mit dem Beauftragten der Zunft Brauerei schon abgeklärt. Aber der meinte bloß: „Pf, mach einfach mal“ haha. Die fanden das aber hinterher auch sehr geil wo sie es gesehen haben.
Marcel: Ich möchte noch mal kurz auf einen Song zu sprechen kommen. In dem Film das Boot, geht das Boot selbst am Ende mit der Besatzung unter, und alles war vergebens. Worum geht es bei euerem Boot?
Adrian: Es geht eigentlich um die Frage „Was sind wir als Band?“. Wir haben ja grad schon darüber gesprochen, als deine Freunde sagten: „Ne, Kärbholz ist doch Deutsch Rock, da kommen wir nicht mit“. Wir sehen uns aber gar nicht im Deutsch Rock. Das ist ein Scheiß Wort und da gehören wir nicht hin. Wir machen Punk oder was auch immer. Aber keinen Deutsch Rock. Wir sind privat gut drauf und unsere Musik ist auch positiv. Wir sind eben nicht die verfolgten oder die Missverstandenen. Aber das verstehen viele leider nicht. Aber unser Ziel ist es, unser Boot da durch zu manövrieren. Das wir zusammen als Band das Ding stemmen und zeigen: „Hey, so böse sind wir gar nicht“. Die Musik soll einfach Spaß machen.
Marcel: „Das Feuer“ ist eine schöne „Steh auf“ Ballade am Ende. Viele Bands verpacken solche Songs in die üblichen Underdog Phrasen. Nach dem Motto: „Wir sind die härtesten, am meisten tätowiert, haben am meisten gesoffen und das schwerste Leben gehabt“. Eure Lyrics weichen generell von diesen Themen ab. Wie entstehen eure Texte und was denkst du macht eure Texte „anders“ ???
Adrian: Das alles wurde ja schon 1000 mal besungen. Und wahrscheinlich hatten die Leute auch eine schlechtere Kindheit als wir. Davon ab muss man auch über das singen, was man wirklich erlebt. Wenn wir jetzt sagen, das wir jedes Wochenende zum Fußball gehen und uns da prügeln, dann stimmt das einfach nicht.
Henning: Jeder hat ja auch sein Päckchen zu tragen. Ich persönlich habe ja nichts davon wenn jemand ankommt und mir erzählt wie scheiße es ihm gerade geht wenn es mir auch nicht gut geht. Dann sollte derjenige mich eher aufmuntern. Das Album ist ja auch sehr positiv und das wollen wir den Leuten ja auch mitgeben. Wir müssen denen nicht auch noch erzählen wie scheiße alles ist. Das wäre ja kontraproduktiv.
Adrian: Die Onkelz haben es ja damals schon auf die Spitze damit getrieben. Da war das ja auch noch geil. Aber mittlerweile ist das ja das Nonplusultra.“ Alle sind gegen uns“.“ Aber wir werden es denen schon zeigen wo der Hammer hängt“. Das kann ich nicht mehr hören. Die Musik soll Spaß machen. Und davon ab wird der Torben (Sänger, beim Inti aber nicht dabei. - d. Verf) keinem dabei helfen, sein Leben auf die Kette zu kriegen. Das muss schon jeder selber schaffen. Klar, auf den ersten Platten hatten wir auch solche Lyrics, haben aber ganz schnell gemerkt, das das nicht zu uns passt.
Marcel: Eure CD wurde, wie auch das Vorgänger Album, von Andy Classen produziert, der wahrscheinlich einigen Metalheads ein Begriff sein dürfte. Wie seid ihr damals auf Andy gekommen und wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?
Henning: Das lief über einen Bekannten von mir. Der kannte den Andy und hat zu mir gesagt: „Der hat ein Studio“. Dann hab ich mir ein paar Soundbeispiele angehört und habe gedacht: „Respekt“. Das klingt alles echt super. Dann hab ich ihn einfach mal angeschrieben. Und die erste Mail von ihm war dann auch super euphorisch. “Voll geil und voll super“. “Endlich mal etwas anderes als Metal“ haha. Er ist eben super motiviert an die Sache herangegangen. Er ist ja selber auch Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger. Dann hat er uns auch wirklich gute Tips gegeben, was man der „100%“ auch schon angehört hat. Und bei der neuen Scheibe natürlich auch.
Adrian: Es ist auch ein sehr gutes miteinander. Er hat auch sehr viele Ideen mit eingebracht. Das ging auch gut, weil wir da gar nicht so festgefahren waren. Vieles ist eben auch erst im Studio entstanden, weil er sich eben so gut mit eingebracht hat. Davon ab hatte er auch ewig lange keine eigene Kapelle am Start. Und jetzt hat er ne` Ska Band haha. Er macht jetzt selber wieder Musik und ist total glücklich dabei. Die Arbeit mit uns, war so eine kleine Zündung für ihn.(Die Band heißt „Beatburners“ – d. Verf.) Es ist nicht so, das er nur als Produzent da steht. Er hat wirklich mit mir die Gitarre in die Hand genommen und hat an den Melodien gearbeitet. Es ist wirklich sehr freundschaftlich abgelaufen, hat aber auf der anderen Seite auch kein Blatt vor den Mund genommen, wenn etwas scheiße war. Aber so soll es ja auch sein.
Henning: Wir hatten auch ne` Vorproduktion gemacht. Haben die Songs vorher am Computer aufgenommen und das Material an den Andy geschickt.
Marcel: Eure vorherigen Alben sind ja auf „Asphalt Records“ erschienen. Das neue Werk kommt auf „Better Than Hell“ raus, was ja die Jungs von Betontod leiten. Gab es damals auf eurer Tour schon Pläne darüber, oder wie kam es zum Label Wechsel ???
Stefan: Da haben wir schon auf der Tour drüber gesprochen.
Adrian: Wir hatten uns auf der Tour mit dem Eule (Frank, Betontod Gitarrist. -d. Verf) darüber unterhalten, ob wir uns das vorstellen können. Da hatten wir aber noch gar keine genauen Pläne wie das so ablaufen wird. Wir hatten auch Angebote von anderen Labels, die wir natürlich auch gecheckt haben. Aber da wir die Jungs kennen und uns eben gut verstehen, haben wir uns mit ihnen geeinigt. Davon ab, haben sie auch verstanden was wir mit unserer Musik sagen und erreichen wollen. Wir wollten auch, das unsere Musik insgesamt besser erhältlich ist. Bei Asphalt ging es ja etwas mehr um Oi. Jetzt haben wir mit Edel aber auch einen sehr guten Vertrieb.
Marcel: Ihr seid ja auch eine Band die viel auf Tour ist. Was macht dir persönlich am meisten Spaß, das Touren oder das arbeiten im Studio?
Henning: Natürlich hat alles seine Vor und Nachteile. Im Studio kannst du dich zu 100 % auf die Musik konzentrieren. Du sitzt da drei Wochen und hast wirklich nichts anderes im Kopf. Natürlich aber auch die Konzerte.
Adrian: Am Anfang haben wir das ja für ne` Kiste Bier gemacht. Und damit man überhaupt am Wochenende was zu tun hat. Nicht das schlechteste wenn man in Ruppichteroth groß geworden ist haha. Und wenn man dann nach 1 ½ Jahren Platte auf der Tour geht und sieht das die Leute Spaß haben, dann weiß man, das man alles richtig gemacht hat. Und die ganze CD Produktion ist ja eigentlich die Vorarbeit dafür um auf Tour zu gehen oder eben auch Festivals zu spielen. Die CD macht so was ja erst möglich.
Marcel: Ein Traum von euch war es, auf dem „Wacken Open Air“ zu spielen. Dieser Traum geht nun in Erfüllung…..
Stefan: Hammer!!!
Henning: Ehrfürchtiges Schweigen. Der Heilige Acker haha. Ich war schon selber als Besucher dort. Und nun darf ich ein Teil davon sein bzw. dort auftreten. Danach kann ich glücklich sterben haha.
Adrian: Das war immer so ein Ziel was man hatte. So nach dem Motto: „Wenn ich groß bin, kaufe ich mir einen Ferrari“. Ein Bekannter von uns hängt beim Wacken mit drin. Dem haben wir mal gesagt das es super wäre da aufzutreten. Das war aber nicht nur der einzige Grund. Die Platte hat sich ja auch gut verkauft. Und dann kam tatsächlich der Anruf ob wir da spielen wollen. Wir sind echt total gespannt auf den Auftritt dort. Das kann dir dann auch keiner mehr nehmen. Egal ob da nur zwei oder 2.000 Leute vor der Bühne gestanden haben haha.
Marcel: Die letzte Frage: „Bröltaler SC 03“ oder der „FC Köln“ ?
Henning & Stefan : 50/50 Köln und Schalke haha.
Adrian: Wir haben für den „Bröltaler FC“ sogar die Vereinshymne geschrieben haha. Blau und Weiß sind unsere Farben BSC Hehohe haha. Und die ganzen Berliner Freuen sich immer haha. Ich war im übrigen Jahrelang Torwart dort.
Auch Helloween haben mit „Straight Out Of Hell“ ein tierisch starkes Album abgeliefert. Bevor die Jungs auf große Welt Tour mit ihren Hamburger Freunden von Gamma Ray gehen, unterhielten wir uns noch schnell mit Basser Marcus Grosskopf.
Marcel: Marcus.Ihr habt mit „Straight Out Of Hell“ ein neues und sehr geiles Album am Start. Und in kürze startet eure Welt Tournee in Barcelona. Wie geht es dir gerade und was machst du?
Marcus: Vielen dank!!! Nun, ich telefoniere gerade mit dir hehe. Mir geht es eigentlich ein wenig scheiße. Ich hab mir ne` Grippe eingefangen. Das ist wohl auf der 70.000 Tons Of Metal Tour passiert.(Eine Kreuzfahrt mit diversen Metal Bands, die dort Konzerte spielen. Anm-d.Verf.) Da ging es immer rein und raus. Draußen kalt und innen warm. Da habe ich mir wohl einen eingefangen. Wir haben aber zwei geile Gigs gespielt und die Sache hat auch tierisch Spaß gemacht. Das sollte aber Ende der Woche erledigt sein. Dann geht es wieder los mit den proben und im Anschluss daran tingeln wir dann wieder durch die Welt Geschichte.
Marcel: Da hätte ich aber eher mit einer See Krankheit gerechnet….
Marcus: Och, da bin ich relativ See fest. Ich bin ja ein Nordmann. Ich bin auf den Kuttern des Nordens zu Hause.
Marcel: Während der 70.000 Tons Of Metal Tour habt ihr ja auch von eurem Charteinstieg erfahren, welcher der höchste in der Helloween Geschichte war.
Marcus: Richtig. Du kannst so lange Musik machen wie du willst, aber es passiert immer wieder etwas neues. Wir haben uns natürlich tierisch darüber gefreut. Sonst kann man ja auch gleich einpacken wenn man sich über so etwas nicht mehr freuen würde. Man hat dann aber auch gleich ein anderes Gefühl. Du gehst dann raus auf die Bühne und schlägst gleich ganz anders deine dicke E Saite an hehe.
Marcel: OK. Dann kommen wir mal zur neuen Scheibe. Würdest du mir zustimmen, das das neue Material deutlich leichter zugänglich ist als die Songs der 7 Sinners ? Worin siehst du die Unterschiede?
Marcus: Sie hat eine hellere Ausstrahlung. Ich denke wir haben wieder mehr von den typischen Helloween Elementen eingeschmissen, wie Doppel Soli oder auch Chöre. Die Titel haben das einfach so erfordert und so sind wir dann auch an die Sache rangegangen.
Marcel: Der Opener „Nabatea“, der ja auch die erste Single geworden ist, kommt mit sieben Minuten daher. Auf der Legacy Scheibe war mit „King For 1000 Years“ auch ein langer Opener am Start. Damals standen solche Tracks eher am Ende einer Scheibe, wie z.b „KOTSK“ oder „Halloween“. Redet die Platten Firma euch da rein oder warum läuft das ganze jetzt anders herum?
Marcus: Nein. Die Reihenfolge und die Musik bestimmen wir selber. Da redet uns auch keiner rein, was ja auch gut so ist. Die Leute haben begriffen, das sie uns da besser in Ruhe lassen sollen, hehe. Außerdem hat man im hohen Alter ja nicht mehr so viel Zeit, deswegen muss man das an den Anfang packen haha. Im Ernst; das hat sich so angeboten und wir wollten den Song als Opener haben. Drauf und Zack.
Marcel: Zu „Nabatea“ habt ihr auch ein recht aufwendiges Video produziert. Lohnt sich so etwas überhaupt noch? Oder macht man Videos heutzutage nur noch für Youtube?
Marcus: In anderen Ländern wird so etwas ja noch gezeigt, wie in Asien z.b. In Deutschland sieht man so was hingegen ja fast gar nicht mehr. Klar, wir hätten auch einen kommerzielleren Song nehmen können, aber da biedern wir uns auch nicht an, weil es ja so oder so nicht gespielt wird. Also nehmen wir lieber nen` Metal Track und zeigen wo es lang geht.
Marcel: Ihr habt mit „Hold Me In Your Arms“ auch wieder eine Ballade am Start. Gehört das für euch einfach dazu oder braucht der Fan zwischendurch eine kurze Pause?
Marcus: Für die letzte Scheibe hatten wir eine, die haben wir aber nicht genommen. Bei „Hold Me In Your Arms“ habe ich aber gleich ne` Gänsehaut bekommen, da haben wir direkt gesagt : „Die ist doch gut, lass uns die machen“. Die war einfach gut, also wollten wir die auch haben.
Marcel: Was bei der neuen Scheibe auffällt, ist die Tatsache, das ihr wieder deutlich auf das Gaspedal getreten habt. Ist das etwas was man vorher plant? So nach dem Motto „ Lass uns mal wieder eine schnelle Scheibe machen“?
Marcus: Wir haben einfach genug Auswahl. Es komponiert ja auch nicht jeder nur schnelle Songs. Da wir ja alle komponieren, achten wir schon darauf das die Platte eine ausgewogene Mischung enthält. Langsame Songs, stimmungsvolle Songs und natürlich auch Speed Kracher. Das soll schon alles ein rundes Bild werden. Und es funktioniert auf der neuen Platte auch sehr gut.
Marcel: Ihr habt ja insgesamt um die 30 Songs für das neue Album geschrieben. Tut es nicht weh, wenn da mal was auf der Strecke bleibt?
Marcus: Nein, man kann ja schließlich nicht alles raus bringen. Du brauchst ja auch viel Material für die Bonus Tracks oder Diggi Packs. Egal ob in Japan oder auch hier in Europa. Und das was übrig bleibt…nun ja, dann ist das halt mal so.
Marcel: Wem ist der Song „Asshole“ gewidmet?
Marcus: Alle Arschlöcher die es da draußen gibt, dürfen sich das reinziehen. Das musste einfach mal gesagt werden hehe.
Marcel: Helloween waren immer für erstklassige Produktionen bekannt. Das ist auch bei der neuen Scheibe nicht anders. Ihr habt erneut mit Charlie Bauerfeind aufgenommen, der ja euer Stamm Produzent ist. Was denkst du eigentlich. Wie sollte heut zu Tage eine moderne Metal bzw. Rock Produktion klingen? Bist du eher auf der Old oder New School Seite?
Marcus:Mh, wenn ein Song gut klingt oder dich irgendwie berührt, dann ist da ja auch was bei. Es geht ja nicht nur um die Produktion, sondern um den Song an sich. Schau mal die alten Ramones oder Sex Pistols Sachen waren ja auch nicht dufte produziert, was ja auch gar nicht zur Musik gepasst hätte, und es war trotzdem geil und hat mich berührt. Heute doktort man natürlich mehr daran rum. Aber warum auch nicht? Die Möglichkeiten sind ja gegeben, auch wenn wir sie noch längst nicht ausgeschöpft haben. Wie gesagt, der Songs muss mich berühren und ein Herz und eine Seele haben, und da gehört für mich auch nicht immer eine gute Produktion dazu. Aber wie gesagt; wenn du heute die modernen Möglichkeiten nutzen willst, ist das natürlich auch von Vorteil.
Marcel: Ihr habt ja auch die Drums komplett ohne Klick eingespielt….
Marcus: Ja, und das trotz der ganzen Technik haha. Wir haben einfach viel Iive gespielt, und hatten das Gefühl, das es funktioniert. Wir haben den Klick dann später auf die Sachen gelegt, die Dani gespielt hat, um Sachen wie Keyboards darüber zu legen. Und er spielt ja auch ganz gut unser Bodensee Lombardo haha.
Marcel: Dem ist sicher nichts hinzuzufügen. Ihr seid demnächst wieder mit Gamma Ray auf großer Tournee. War der Erfolg der „Hellish Rock Tour“ so groß, das ihr gesagt habt, das das wiederholt werden muss? Oder was war der Grund für den zweiten Teil?
Marcus: Och, wir haben einfach hier und da überlegt was wir machen. Und man braucht ja doch immer wieder eine neue Idee. Und ich fand die Idee mit dem zweiten Teil gar nicht schlecht, denn gerade der zweite Teil hat bei Helloween ja auch Tradition. Siehe „Keeper Of The Seven Keys“. Zumal ist es ja auch gar nicht verkehrt alte Freunde mit auf Tour zu nehmen. Es ist ja im Grunde ein eine Familie.
Marcel: Sind Helloween eigentlich eine Band, die noch regelmäßig zusammen im Proberaum steht? Egal ob es vor einer CD Produktion, oder vor einer großen Tour ist?
Marcus: Nein, wir proben auf jeden Fall. Das kannst du nicht machen. So völlig trocken auf Tour zu gehen. Wenn Titel dabei sind, die wir lange nicht gespielt haben, höre ich die natürlich vorher zu Hause raus. Aber vor einer großen Tour treffen wir uns schon drei Wochen im Voraus und proben intensiv. Wir spielen ja auch um die 20 Songs. Wir ändern das Set auch nicht so oft, denn die Songs sind ja doch sehr komplex. Auch die älteren Stücke. Du musst die Songs einfach täglich vor der Tour spielen, denn wenn du da mal ne Woche Pause machst, fehlen dir da schon wieder einige Teile. Wir haben nämlich echt viele Noten in den Songs.
Marcel: Du bist ja mit Helloween auch um den ganzen Globus getourt. Was ist für dich immer noch das reizvolle, nach all den Jahren wieder den Koffer zu packen und in den Bus zu steigen?
Marcus: Es ist ja nicht so das wir jedes Jahr ne` Tour haben. Das läuft so im Rhythmus von 2 bis 2 ½ Jahren. Wir machen ja auch zwischen den Kontinenten immer ein bis zwei Wochen Pause, dann geht das eigentlich. Wenn wir dann aber los legen, dann auch ergiebig. Damals war es auch sicherlich einfacher auf Tour zu sein. Das hat der Körper auch ganz anders weg gesteckt. Heute kneift und juckt es hier und da. Man muss einfach auf den Körper hören und dann geht das auch schon. Aber es war und wird immer ein großer Teil meines Lebens sein. Man muss den Fans natürlich auch dankbar dafür sein, das man nach wie vor so etwas machen kann, denn von den Plattenverkäufen kannst du heut zu Tage natürlich nicht mehr leben. Ich kenne auch ganz viele Kollegen aus anderen Bands, die zwischen ihren Touren ganz normal arbeiten gehen müssen. Das ist natürlich ne` ganz andere Geschichte. Ich bin sehr dankbar dafür. Und sollte ich das eines Tages nicht mehr sein, soll mich bitte direkt der Blitz erschlagen haha. Ich weiß ja auch wo ich herkomme. Und nach dem Gig möchte ich nicht mehr zurück in die Schlachterei. Dann lieber nach Hause und einen Song schreiben.(Marcus hat Metzger gelernt. Anm. d. Verf.)
Marcel: Wo du grad deine Kollegen erwähnt hast. Behältst du eigentlich noch so im Auge was in der Metal Szene so abgeht?
Marcus: Klar, ich treffe mich mit Freunden. Oder wenn Bekannte in der Nähe sind rufen sie an, und ich treffe mich mit ihnen. Aber ein richtiger Verfolger der Szene bin ich nicht. Vor allem nicht wenn ich Songs schreibe. Dann will ich keine anderen Sachen im Ohr haben die mir gefallen haha. Ich komme da sonst nicht wieder raus. Ich will ja nen` eigenen Songs schreiben und nicht das, was ich grad im Ohr habe. Davon ab kommen ja auch jeden Monat 60-70 neue Scheiben raus. Da fällt es schon sehr schwer alles zu verfolgen. Und sicherlich gehen dabei auch gute Sachen unter. Ich denke die Labels haben sich damals auch viel intensiver um Bands gekümmert bzw. aufgebaut. Wenn du heute nicht richtig funktionierst bist du sicher auch schnell weg vom Fenster. Mit Helloween bin ich da natürlich ganz anders unterwegs als eine band die gerade am Anfang ihrer Karriere steht. Du musst dir heute wie damals einfach etwas einfallen lassen um bei den Leuten Gehör zu finden.
Marcel: Wie fühlt es sich eigentlich an, ein Pionier des Melodic Metal zu sein?
Marcus: Ich freue mich einfach darüber. Mir gefällt es wenn andere Leute Spaß daran haben, an dem was wir machen.
Ein wenig stolz ist man natürlich auch. Denn schließlich haben auch wir viele Jahre dafür gearbeitet.
Und ich habe meine Gesundheit dafür geopfert haha. Also ist es geil, warum auch nicht. Ich fühle mich in der Rolle in welcher wir gerade sind, sehr wohl. Es scheint wieder viel zu passieren. Wir hätten eh nie damit gerechnet das die Post wieder so abgeht. Z.b. die Sache mit den Chart Entrys. Wir haben gesagt: „OK, lass die neue Scheibe raus hauen und fertig“ haha. Wie auch mit der Single. Mit Dr. Stein (Song vom Keeper zwei Album Anm-der Verf.) hatte auch keiner gerechnet, das der so erfolgreich werden würde, und es war auch nur ne` B- Seite. So etwas passiert immer wenn man am wenigsten damit rechnet.
Marcel: Denkst du denn das die Leute nach wie vor Bock auf Handgemachte Musik haben?
Marcus: Klar, die Leute kommen ja seit Ewigkeiten zu den Gigs. Und das auf der ganzen Welt. So etwas wird wahrscheinlich auch nie aufhören. Selbst als die Krise da war, die ja doch einige betroffen hat, waren die Konzert Hallen voll. Das fand ich schon erstaunlich. Aber gerade das wollen sich die Leute auch in schwierigen Zeiten nicht nehmen lassen. Das ist eine echte Qualität die eben dort abgeliefert wird. Und dafür sind die Leute noch bereit zu zahlen.
Marcel: Zum Ende hin noch eine Frage die nix mit Musik zu tun hat. Du bist ja auch sehr tätowiert. Schaust du dich auf Tour auch nach guten Tätowierern und Motiven um?
Marcus: Ich habe ungefähr noch einen Kilometer am Bein zu machen haha. Dass lasse ich aber hier in Hamburg machen. Aber klar, in Japan war ich auch schon bei Mr. Horiyoshi dem dritten. Das ist mein absoluter Lieblingsmann. Die Outlines macht er zwar mittlerweile auch mit der Nadel, aber der Rest wird traditionell gestochen. Ich finde es schmerzt auch gar nicht so sehr wie mit der Nadel. Aber Mr.Hoiyoshi ist natürlich auch in alle Ewigkeiten ausgebucht. Da ist es gar nicht so einfach einen Termin zu bekommen. Und fertig wird man ja eh nie.
Marcel: Ist es eigentlich wahr, das du mal einen Song in einem Sandkasten aufgenommen hast?
Marcus: Haha, ja das war bei „Revolution Now“. Da habe ich mich komplett zugeraucht und wir wollten einfach Unsinn treiben. Ich bin dann in den Hof wo so eine Art Sandkasten stand. Ich war völlig zugedröhnt haha. Ich hatte natürlich keinen Kontakt zum Regie Raum, also habe ich immer in den Pick Up von meinem Bass reingebrüllt. Und wenn da komische Geräusche raus kamen, wusste ich immer:“ Ok, jetzt geht es wieder los“. Und plötzlich standen auf den Balkonen diverse Leute, die da einen Besoffenen im Sandkasten sehen, der mit seinem Bass spricht haha. Es hat aber keiner die Polizei angerufen haha.
MARCEL
Kaum eine deutsche Ska-Punkband konnte mich in den letzten Jahren dermaßen begeistern wie die Jungs von Oxo 86. Von Album zu Album sorgt die Band stets für partytaugliche Songs gespickt mit einer humorvollen Attitüde und dem ein oder anderen ironischen Verweis auf aktuelle Themen. Nie zu ernst, aber generell auch nie zu flach, wissen die Bernauer genau wie man auch den letzten Tanzmuffel zur Bewegung animiert und damit für ordentlich Stimmung sorgt. Da bei der Band momentan einige Neuigkeiten anstehen, habe ich sie mal ein wenig per Email ausgefragt. Daniel
Ich denke großartig vorstellen muss man euch nicht mehr. Ihr seid jetzt schon ca. 15 Jahre unterwegs und versorgt die Szene mit großartigem Ska-Punk oder Punkrock mit Off-Beat, der mit einer guten Portion Humor ausgestattet ist. Was ich allerdings bis heute nicht weiß, wieso der Name Oxo 86? Wofür steht das Oxo und wofür die 86?
Willi: Hallo Daniel, schön dass wir uns die Vorstellungsrunde schenken und danke für die Blumen! Unsere Namensgebung ist zu einem gewissen Anteil gar nicht auf unserem Mist gewachsen. Seiner Zeit war es nämlich so, dass einer unserer Junx auf dem besten Weg war, einen drogeninduzierten Realitätsverlust zu erleiden. Das äußerte sich dahingehend, dass er im Jahre 1996 anfing Ost-Geld zu sammeln, um sich im Jahre 1986, in das er nämlich zeitnah per Zeitmaschine gebeamt werden würde, etwas zum Essen kaufen zu können. Ferner schmierte er mit Vorliebe an Häuserwände und Proberaumtüren etc. “Oxo” und kommentierte sein Tun gerne und häufig mit den Ausrufen: “A nach B, Ost nach West, wir sind überall!” oder “Überlege, aber überlege richtig!”. Aus diesem bunten Konglomerat verbaler und künstlerischer Ergüsse, machten wir schließlich unseren Bandnamen. Oxo86!
Wie man so manchem eurer Texte entnehmen kann, hat Harald Juhnke bei euch einen hohen Stellenwert. Gab es weitere Einflüsse die euch dazu getrieben haben damals selber Instrumente in die Hand zu nehmen?
Willi: Also Harald Juhnkes Einfluss auf uns würde ich jetzt nicht überbewerten wollen. Herr Juhnke war in der Tat ‘ńe Type, der für seine Exzesse, aber auch für seine Rolle in Falladas “Der Trinker”, von Jugendlichen wie uns immer wieder Symphatie und Respekt erntete, was sich in einigen unserer Texte auch wiederfindet, aber ihm nun die Verantwortung dafür zu übertragen, dass wir die Instrumente in die Hand genommen haben, ginge zu weit. Ich möchte mich hier mal auf den Haupteinfluss beschränken, der uns dazu gebracht hat ein Instrument in einer Band zu spielen. Das war, und ich glaube für alle aus der Band sprechen zu können, ganz einfach der Punk und zwar mit allem (Musik, Klamotten, Gehabe, Einstellung etc.) was da noch dran hängt. Dass das mal solche Dimensionen annehmen würde konnte ja keiner ahnen, denn wahrscheinlich hätten wir uns dann auch ein besseren Bandnamen zugelegt! ;-)
Wobei ihr ja nicht nur die Punk-Szene ansprecht, sondern auch stets ein Liedchen für den gutgelaunten Skinhead auf Lager habt. Gab es schon mal Probleme mit irgendwelchen Glatzen die den Humor eurer Songs wie beispielsweise „S.O.S“ oder „Skinhead“ nicht teilen konnten?
Willi: Das ist richtig, selbstverständlich sprechen wir mit unseren Liedern nicht nur Punks sondern auch die Skinheads an. Der Einfachheit halber möchte ich mir erlauben, bei der Beantwortung eventuell noch folgender Fragen, Vertreter der Punk- und Skinheadszene als Gesamtes zu betrachten, da wir sie auf unseren Konzerten glücklicherweise auch als solches wahrnehmen. Zum zweiten Teil der Frage ist festzustellen, dass es bezüglich jener von dir aufgeführten Lieder nie Probleme gab. Ich denke das liegt zum einen daran, dass viele Glatzenträger mehr Humor haben, als man ihnen zutraut oder zugestehen möchte und zum anderen glaube ich, dass der Fakt, dass wir uns mit diesen Lieder ja auch immer gern und kräftig selbst auf die Schippe nehmen, es einfach den meisten ermöglicht, entspannt mit dieser Art der “Verunglimpfung” unserer Subkultur umzugehen.
Kommen wir mal zu den Neuigkeiten bei euch. Euer letztes volles Album “Kommen, Seh’n Und Singen” habt ihr in Eigenregie veröffentlicht und die neue Scheibe wird bei Sunny Bastards erscheinen. Wie kam der Kontakt zustande und wo liegt für euch der Vor oder Nachteil zwischen Eigenproduktion oder Label im Rücken?
Maik: Den Kontakt zu SB haben wir nach Empfehlungen durch Freunde und Bekannte selbst aufgenommen. Grund dafür war, dass wir keine Lust mehr hatten, uns um den ganzen Kram (Vertrieb, etc), den so eine Produktion mit sich zieht, zu kümmern. Diese zeitraubenden Dinge sind auch eindeutig der große Nachteil der Eigenproduktion bzw. freuen wir uns sehr darüber, dass Chris und Sunny das übernehmen! Und bis jetzt sind wir auch sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit.
Kommendes Wochenende gebt ihr schon mal Live euren Einstand auf dem Sunny Bastards Festival. Wie sieht es aus mit dem neuen Album? Wenn ich richtig informiert bin steht das schon in den Startlöchern, oder?
Maik: Ja, da bist du völlig richtig informiert. Das Album steht in den Startlöchern und wir freuen uns schon wie Bolle! Das Festival am Wochenende wird aber leider noch nicht der Release-Termin sein. Die Scheibe kommt offiziell am 15.3.2013 raus. Natürlich lassen wir es uns aber nicht nehmen, auf unsere Art schonmal ein wenig Werbung für die Platte zu machen und das ein oder andere Stück bereits live zu präsentieren.
Dann lass uns mal direkt bei der Werbung für die Scheibe bleiben. Sie heißt “Auf die Liebe und auf die Sehnsucht”. Leider hatte ich noch keine Gelegenheit eins von den neuen Stücken zu hören. Was wird uns da erwarten?
Maik: Es wird natürlich wieder ein musikalisches Potpourri geben, bei dem Geschichten erzählt werden, die das Leben schreibt. Sei es ein Lied wie “Samba Skinheads” in dem DEM Turnschuh gehuldigt wird oder “Bier und Reggae”, dessen Titel wohl selbsterklärend ist. Außerdem hat es mit “Sapoljarny” auch ein super Instrumental-Stück auf die Scheibe geschafft. Aber auch der Titelsong “Auf die Liebe und auf die Sehnsucht” ist meiner Meinung nach ein absoluter Ohrenschmaus. Es ist also ein bunter musikalischer Blumenstrauß in typischer Oxo-Manier zu erwarten!
„Bier und Reggae“ ist definitiv eine feine Mischung, die sicherlich jeder schon mal getestet hat, aber „Sapoljarny“ scheint laut Google eine russische Stadt zu sein. Was hat es damit auf sich?
Maik: Sachlich richtig. King Willi hatte die Inspiration zu diesem Lied aus einem Artikel in einem Wissensmagazin. Dieser beschäftigte sich damit, dass in der Stadt Sapoljarny vor einigen Jahrzehnten versucht wurde, das tiefste Loch der Erde zu bohren. Dieser Versuch fand aber schon nach etwa 10 km sein jähes Ende. Und noch bevor der King den Artikel zu Ende gelesen hatte, spielte sich in seinem Kopf diese Melodie ab und ein neues Lied war geboren. Die Umsetzung stellte, dank klarer Anweisungen seiner Majestät Himself und dem musikalischen Genie meiner Gefährten, absolut kein Problem mehr da. Und wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis!
Und woher kommt der Titel „Auf Die Liebe und Auf die Sehnsucht“?
Willi: Entstanden ist dieser Albumtitel in den Morgenstunden beim Endless Summer 2011. Dieser Zeit stand ich mit Platty, seines Zeichens letzter Wirt der torgauer “Endstation”, am Tresen eines Bierstandes und frönten dem Sachsen-Whisky (Pfeffi). Als ich den Becher zum Anstoßen hob und Platty mit den Worten “Auf die Liebe!” zu prostete, entgegnete dieser mit erhobenen Zeigefinger und einem gewichtigen Gesichtsausdruck, der Goethe, Schiller etc. vor Neid hätte erblassen lassen: “Uuund uff dieä Säähhnsucht!”. Der Titel war also gefunden und es musste “nur noch” das dazugehörige Material geschrieben, geprobt und aufgenommen werden.
Das Album wird zum einen als Doppel-CD erscheinen und die LP kommt mit einer zusätzlichen 7“ die auf den Titel „If The Kids Are United“ getauft wurde. Worum geht es da genau?
Maik: Da wir vor den Konzertbühnen vorwiegend nur älteres Publikum begrüßen dürfen, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis wir uns nicht mehr dem Auftrag der musikalischen Früherziehung entziehen konnten. Dieser innere Druck entlud sich nun in dieser zusätzlichen CD bzw. LP. Darauf werden sich 4 inhaltlich Wertvolle und hundertprozentig Jugendfreie Lieder wiederfinden. Da wird zum Beispiel in “Komm doch mal runter” erläutert, dass es doch viel schöner ist, die Zeit mit den Freunden zu verbringen und nicht den ganzen Tag vor der Glotze zu hängen. Ein Tip, den sich wohl auch manch volljähriger zu Herzen nehmen sollte… Außerdem findet sich mit “Einmal im Jahr” ein Geburtstagslied auf der Scheibe wieder. Alle vier Lieder sind im Oxo-typischen Offbeat gehalten, mit Kinderchören verfeinert und laden hoffentlich auch die kleinen zum mitsingen und tanzen ein.
Hört sich sehr interessant an! Ich bin mir sicher, das mit dem Erziehungsauftrag wird einwandfrei funktionieren. Hat bei uns älteren ja auch gut geklappt! Ich weiß nicht wie oft ich bereits euren Song „Walking Class Heroes“ auf dem Heimweg von irgendwelchen Konzerten vor mich hin geträllert habe, ha ha. Wie wird denn das bereits vorangeschrittene Jahr nun bei Oxo 86 weiter gehen?
Maik: Erstmal werden wir das machen, was wir immer machen: nicht proben und trotzdem Konzerte spielen. Und zwar kann man sich das Schauspiel an folgenden Terminen ansehen:
16.03.2013 München „Backstage“
06.04.2013 Torgau
14.04.2013 Berlin „Punk And Disorderly“ im Astra
07.06.2013 Saalfeld
08.-10.08.2013 Torgau „Endless Summer Festival“
29.08.-01.09.2013 Niedergörsdorf „Spirit Festival“
02.11.2013 Leipzig „Dynamite Ska Festival“
Weitere Konzerte sind in Planung und der aktuellste Stand ist unter oxo86.blogsport.de einzusehen.
Und dann sind da noch so ein paar Ideen, die wir haben und bei denen man sehen muss, ob und wie sie sich umsetzen lassen, wie z.B. ein Livealbum. Aber das hat noch Zeit. Schließlich tickt erstmal der Countdown zur aktuellen Release.
Sehr schön, ich bin mal gespannt was die Zukunft bringen wird und fiebere natürlich schon dem Release-Termin eurer neuen Scheibe entgegen. Ich danke euch für das geduldige beantworten der Fragen und wünsche euch einen guten Start mit dem neuen Album. Habt ihr noch ein paar abschließende Worte für unsere Leser?
Maik: Danke an alle, die bis zu diesem Punkt des Interviews durchgehalten haben! Wir sehn uns beim nächsten Konzert! Und ich grüße meine Mutti!
Oxo 86 – Auf die Liebe und auf die Sehnsucht CD/LP
(Sunnybastards / Crazy United Records)
Die Bernau Punkrock League meldet sich zurück! Nach einem kleinen Zwischenspiel auf der Split mit Mona Reloaded haben die Jungs dieses Jahr ein neues Label im Rücken und dementsprechend auch das neue Album im Gepäck. Das letzte reguläre Album ist mittlerweile schon fast 3 Jahre her und so wurde es auch langsam Zeit mal wieder den ein oder anderen Partykracher im feinsten Ska-Punk-Gewand auf die Meute loszulassen. Eigentlich habe ich oftmals so meine Probleme mit der Mischung aus Ska und Punkrock, aber es gibt da Gott sei Dank immer immer so ein paar Ausnahmen. Oxo 86 sind definitiv eine dieser Ausnahmen, die es auf hervorragende Art und Weise schaffen Ska mit einem dicken Spritzer Oi! und einer satten Portion Humor und Sarkasmus zu einem absolut zündenden Cocktail zu vermischen. Kaum eine andere Band kann textlich so herrlich und humorvoll mit allseits bekannten Dingen aus dem täglichen Leben umgehen. Auch auf der neuen Scheibe sind damit wieder die typischen Ohrwürmer vorprogrammiert. Songs wie „Lasst euch begraben“ sprechen mir da direkt aus der Seele und beschreiben ganz klar meine Gedanken wenn ich morgens vor der Arbeit im Supermarkt steh und die ganzen trüben und humorlosen Gestalten vor mir in der Schlange sehe. Oxo 86 haben eben ein sehr feines Gespür für ihren Humor und so kommen Songs wie „Kaloreene“, der klar macht das man genug von irgendwelchen Magermodels hat und eher die weiblichen Kurven bevorzugt, oder „Samba Skinheads“ mit einem Augenzwinkern wieder absolut genial rüber. Die Jungs nehmen sich stets selbst nicht zu ernst und können auch mal über sich selbst oder die Szene schmunzeln. Man bewegt sich sehr oft auf dem schmalen Grad zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit, ohne jedoch dabei aus der Balance zu geraten. Da hauen auch Songs wie „Bier und Reggae“ wunderbar hin und bringen den Spaß auf einen Ska-Nighter positiv auf den Punkt. Oxo 86 bleiben ihrem eingeschlagenen Weg also auch auf dem neuen Album weiter treu und machen da weiter wo mit der letzten Scheibe aufgehört wurde. Manchmal muss es eben keine enorme Weiterentwicklung sein, sondern es macht auch sehr viel Spaß, wenn man weiß, das ein Name stets ein Garant für absolut gelungene Unterhaltung ist. Bisher hatte ich mit jedem Album der Jungs meine Freude und so verhält es sich auch mit „Auf die Liebe und auf die Sehnsucht“. 12 x gibt es hier wieder allerfeinsten Ska-Punk der jeden Tanzmuffel garantiert zum mitgehen einlädt. Das Album glänzt aber nicht nur mit einem sehr guten Inhalt, sondern die Aufmachung hält auch nochmal die eine oder andere Überraschung bereit. In dem schicken ausklappbaren Digipack findet sich nochmal eine zusätzliche CD die zu den bereits 12 erwähnten Songs nochmal 4 zusätzliche Stücke mit dem Titel „If The Kids Are United“ hinterher schickt. Auch wenn es sich hier um 4 Kinderlieder handelt, die mit dem Oxo-Kinderchor eingesungen wurden, dürften die Songs dem ein oder anderen doch schon in die Jahre gekommenen Hörer ansprechen. Allein der Song „Mein Bett ist ein Mysterium“ der davon handelt das man abends nicht in selbiges rein kommt und morgens nicht wieder raus, dürfte so mancher zumindest textlich nachempfinden können. Die zusätzliche Cd geht als Bonus also auch als absolut in Ordnung durch und rechtfertigt ebenfalls definitiv den Kauf des Albums. Wer mit dem Vinyl Vorlieb nimmt braucht sich aber ebenso wenig Gedanken darum zu machen leer auszugehen, denn bei der LP liegt das ganze als 7“ mit bei. Wie man sieht Sunny Bastards und Oxo 86 haben sich hier mächtig ins Zeug gelegt um das ganze zu einer gelungenen Sache werden zu lassen. Hier kann jeder mit Sinn für Humor, egal ob bunthaarig oder kurzhaarig, wieder bedenkenlos zu greifen und sich eine neue Ladung Ska-Punk in der typischen Oxo-Manier abholen. Note: 2+ Daniel
„Stigma“ haben mit „For Love And Glory“ ein richtig schönes Punk Album am Start. Die Hardcore Fraktion wird natürlich auch bedient, keine Frage. Aber mal abgesehen von der guten Mucke, sind es vor allem die Texte, die sehr viel Spaß machen und Gelegenheit zum Nachdenken geben. Ein Grund mehr, um uns mit Basser Mike ein wenig zu unterhalten.
Marcel:
Ok Mike. Lass uns direkt über eure neue Platte sprechen. Ich habe auf dem letzten Sunny Bastards Festival von vielen Leuten gehört, das sie euren Track auf dem Label Sampler richtig geil finden. Der Meinung kann ich mich nur anschließen. Euer neues Album überzeugt auf ganzer Linie. Erzähl doch mal ein bisschen was darüber.
Mike:
Es freut mich sehr zu hören, das dir und den anderen die Platte so gut gefällt. Sie ist für mich und Vinnie besonders wichtig. Es ist jetzt auch fünf Jahre her, seit „New York Blood“ unsere erste Platte veröffentlicht wurde. Jamey Jasta (Sänger – Anm.d.Verf.) von Hatebreed, war im übrigen der Initiator der ganzen Geschichte. Er hatte die Idee für diese Band und war auch der Haupt Songwriter dieser Platte. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Ahnung was daraus werden wird. Die neue CD haben wir aber eigenständig und zusammen als Band geschrieben. Ich habe das meiste Material komponiert und Phil Caivano von Monster Magnet, hat mir geholfen als es ums schreiben und produzieren ging. Davon ab hat er auch ein paar Gitarren eingespielt. Wenn du beide Platten miteinander vergleichst, merkst du das wir bei der neuen Scheibe eine klare Richtung hatten. Der Aufwand hat sich gelohnt. Vinnie hat auch sehr viel mit unserem Freund Lars Fredrickson von Rancid bzw. Old Firm Casuals zusammen gearbeitet, was man der Scheibe auch anhört. Ich habe eindeutig ein besseres Gefühl als bei „New York Blood“. Ich habe im Gefühl, das wir eine großartige Platte aufgenommen haben, sowohl Textlich als auch Musikalisch. Wir sind wirklich stolz auf das Teil und können es gar nicht abwarten, die neuen Sachen live zu spielen. Für mich ist es eine super Mischung aus Punk, Hardcore, OI und Streetcore.
Marcel:
“New York Blood” wurde 2008 veröffentlicht. Kurz danach ging für AF wieder richtig die Post ab. War das der Grund, warum eure neue Scheibe erst fünf Jahre später erscheint?

Mike:
Wir kümmern uns nur um „Stigma“, wenn wir eine Pause mit AF haben. Wir hatten überhaupt keinen Druck und mussten keine Platte herausbringen.
Als wir merkten das die Zeit richtig ist, nahmen wir sie uns und gaben unser bestes. Die Leute haben wahrscheinlich gar nicht mehr daran geglaubt, das wir überhaupt noch mal etwas herausbringen werden.
Marcel:
AF sind ja eine Band, die ständig auf Tour ist. Wann kannst du am besten Songs schreiben? Daheim oder auf Tour, während der restlichen 23 Stunden Freizeit?
Mike:
Ich mag es generell lieber, Sachen zu Hause zu schreiben. Texte kann ich durchaus auf Tour verfassen, aber die Musik komponiere ich lieber daheim. Und zwar zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht. Frag mich nicht warum das so ist, aber ich denke das ist auch bei jedem anders und unterschiedlich.
Marcel:
Einige Leute haben von Stigma sicher ein Brett der Marke Agnostic Front erwartet. Aber der neue Stuff geht deutlich mehr Richtung Punk. Magst du es einfach neben AF etwas anderes zu spielen, oder zollt ihr den Punk Bands Tribut, mit denen ihr aufgewachsen seid?
Mike:
Beide Punkte die du erwähnt hast treffen zu. Wir lieben Punk Rock. Es sind unsere Wurzeln. Ich hasse Bands, die sich selber Hardcore nennen, aber keinerlei Punk Roots in ihrer Musik haben. Wir kommen alle vom Punk. Klar, Agnostic Front klingen natürlich ein wenig aggressiver, aber du kannst auch dort die Punk Rock Roots erkennen. Es würde ja auch keinen Sinn machen eine neue Band zu gründen, die exakt wie die andere Band klingt in der du spielst. Wir können all unsere Einflüsse bei Stigma einbringen und ausleben. Und das lieben wir an dieser Truppe einfach. Es gibt kein Limit.
Marcel:
Lass uns ein wenig über die Texte sprechen Mike. Wer ist der einfache Mann. Also der “Average man” ?

Mike:
Du und ich sind der einfache Man. Die Basis ist doch die: Wir sind alle Menschen und machen Fehler. Und das ist auch völlig ok. Wir können einfach nicht perfekt sein. Du kannst aus ihnen lernen, und somit die scheinbar schwierigsten Hürden nehmen, die das Leben dir in den Weg legt. Was aber auch kommt; gib niemals auf und versuche immer, dein bestes zu geben. Mit Stolz und Ehre.
Marcel:
In dem Song “I Am” ,habe ich Schleichwerbung für einen bekannten Tattoo Store in NY gefunden……
Mike:
Haha, ein wenig Promotion in eigener Sache geht doch völlig in Ordnung. Wir möchten einfach, das jeder den NYHC Tattoo Shop kennt. Er ist ein Merkmal der Szene. Und so halten wir ihn am leben.
Marcel:
In „Heroes Of Our Time“, zollt ihr dem einfachen Arbeiter Tribut. Der hart arbeitenden Bevölkerung wie z. b. Soldaten oder Feuerwehr Männern. Denkst du das die Arbeit von diesen Menschen völlig unterbewertet wird, und deutlich mehr Aufmerksamkeit braucht?
Mike:
In diesem Song geht es darum, das viele Menschen sich die falschen zum Vorbild nehmen. Sie verehren Musiker oder Hollywood Sternchen. Das ist im Grunde natürlich ok, aber es geht um all die Leute, die ihr Leben lang hart arbeiten, für andere den Kopf hinhalten und sogar ihr eigenes Leben riskieren. Das richtige im Leben tun, aber niemals eine Form von Anerkennung dafür erhalten. Der Song geht an alle, die es verdient haben, und das muss nicht nur die „Working Class“ sein.
Marcel:
Die meisten von uns erinnern sich gerne an ihre Kindheit oder Jugend zurück. Man entdeckt viel in dieser Zeit. Erlebt Abenteuer und ist unsterblich. Um diese Erinnerungen geht es bei “Days Of Gold”.
Mike:
Genau darum geht es. Wir genießen diese Erinnerungen und Momente. Der Song bringt uns in die Zeit zurück, wo Vinnie und Roger (AF Sänger-Anm.der Verf.) einfach Kids waren und Spaß daran hatten Shows zu spielen und in der Szene aktiv zu sein.
Sie erzählen mir immer wieder, das sie niemals daran geglaubt hätten soweit zu kommen.
Vinnie sagt das dies die „Gute alte Zeit“ war, die er niemals vergessen wird. Wie z.b. als er im CBGB von der Bühne gesprungen ist, und sich seinen Kopf an einem Verstärker aufgeschlagen hat. Das tat zwar weh, hat aber Spaß gemacht haha. Es hat auch unglaublich viel Spaß gemacht, sich gegenseitig die Köpfe mit Glas Scherben zu rasieren. Einfach Scheiße bauen. Wie könnte man solche Sachen je vergessen? Es war einfach unglaublich in NY aufzuwachsen. Und es ist immer noch großartig dort zu leben.
Marcel:
Du erwähnst es ja bereits. Ihr lebt alle in New York. Was hat sich dort seit 9-11 verändert?
Mike:
Es fühlt sich an, als hätte sich alles dort verändert. So viele Clubs haben dicht gemacht. Das macht es natürlich für die Szene schwer. Ich fühle das die Mittel Schicht nach und nach rausgedrückt wird. So ist das Leben in NY doch härter geworden. Aber nichts desto trotz ist es mein zu Hause und ich liebe es hier zu leben.
Marcel:
“Unity” war ja stets ein wichtiger Begriff im Hardcore. Gehst du eigentlich immer noch auf Shows oder verfolgst was andere Bands so machen? Hörst du auch gerne neuen Kram oder legst du lieber die Klassiker auf? Wie groß ist die „Unity“ heut zu Tage überhaupt noch?
Mike:
„Unity“ wird in der Szene immer noch groß geschrieben. Und ich denke das wird auch immer so sein. Es ist quasi die große Überschrift, die über unserer Musik steht. Es ist aber auch gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Es finden so viele Konzerte statt wenn wir zu Hause sind. Und wir versuchen wirklich, so viele wie möglich davon zu besuchen. Davon ab haben wir auch Leute wie Joe von Black Blue Production oder Buske und Lauren von I Scream Records, welche jede Dienstag Nacht eine Radio Show am Start haben.(www.eastvillageradio.com). Sie machen das alles gratis. Es kommt definitiv aus ihren Herzen und sie versuchen so, die Szene lebendig zu halten. Sie veranstalten auch einmal im Jahr den „Hardcore Super Bowl“. Sie setzten jedes Jahr neue und noch unbekannte Bands auf das Line Up. Solche Leute sind es dann auch, die den Hardcore Spirit und die „Unity“ am leben erhalten. Und so viele mehr.

Marcel:
Vor ein paar Wochen haben wir uns ja in Tilburg auf der Persistance Tour getroffen, wo ihr mit Hatebreed und H2O zusammen auf Tour wart. Wie ist es, nach all den Jahren immer noch zusammen auf Tour zu gehen?
Mike:
Es ist einfach klasse. Vor allem mit Jamey, der ja ,wie bereits erwähnt, die Sache ins Leben gerufen hat. Ohne ihn wäre vieles anders. Ich danke Gott dafür, Freunde wie ihn zu haben. Denn er hat verdammt viel für AF und Stigma getan.
Lars und Phil haben uns ja auch sehr unterstützt, was die Produktion dieses Albums betrifft. Und das liebe ich auch an dieser Szene. Man arbeitet mit Leuten zusammen, die deine Freunde werden. Das alles könnte ich ohne sie nicht tun. Ich bete wirklich jeden Tag für meine Freunde und natürlich auch für meine Familie.
Marcel:
Du hast “For Love And Glory” ja Co-produziert. Nimmst du auch andere Bands auf, und ist die Produzenten Sache etwas was du dir in Zukunft vorstellen kannst, wenn es AF eines Tages nicht mehr geben wird?
Mike:
Ja, ich produziere auch andere Bands. Ich habe gerade erst mit einer Band Namens „LIVE FAST DIE FAST“ aufgenommen. Alte Freunde von mir. Richtig geiler Old School Stuff. Du solltest sie dir mal anhören. Davon ab habe ich auch mit den Punks von „DEAD TRICKS“ an ihrer EP gearbeitet. Sie kommen von der „Lower East Side“. Das alles mache ich, weil ich Musik schlicht und einfach liebe. Glaube mir, ich verdiene damit kein Geld. Und ich werde das niemals aufgeben.
Wenn das kein schönes Wort zum Abschluss ist….
New York Blood“, das Debüt vom „Goodfather“ des NY Hardcore, Vinnie Stigma, erschien bereits 2008.Danach ging die Post wieder ab für Agnostic Front. Wohl auch ein Grund dafür, das der Nachfolger erst fünf Jahre später erscheint. Doch gut Ding will gut Weile haben. Wer hier jetzt aber einen Sound a la AF erwartet, der wird vielleicht ein wenig enttäuscht werden. AF covern ja bekanntlich auch „Blitzkrieg Bop“. Und da knüpft „For Love & Glory“ an. Die Band um Stigma und Gallo zollt ihren Punk Rock Roots Tribut. Klar, ganz so fröhlich und „Gabba Gabba Hey“ geht es hier natürlich auch nicht zu. Aber Songs wie „I Am“ oder das geile „Days Of Gold“ laden eher zum mitsingen als zum mitgröhlen ein. Die Hardcore Fraktion wird natürlich auch bedient, wie z.b. bei „Average Man“, aber all in all bleiben die Songs doch sehr simpel und melodiös gehalten, was den Reiz dieser Platte ausmacht. Denn dadurch gehen sie direkt ins Ohr. Ein großer Pluspunkt sind auch die Lyrics. Egal ob der einfache Man beschrieben wird, oder man mehr Respekt für die hart arbeitenden Menschen verlangt. Man weiß das die Jungs, speziell Stigma, hinter jedem Text eine Geschichte haben oder eben mit jeder Pore dahinter stehen. Einfach kaufen, aufdrehen und ne` gute Zeit haben. Nicht nur für Hardcore Fans geeignet. Note: 2 Marcel
2013 ist das Jahr für Johnnie Rook: ihr könnt mit Stolz auf euer viertes und am 1. Februar veröffentlichtes Studioalbum „Stimmungsgerät“ blicken und euer 10-jähriges Bandbestehen feiern.
1.Was macht das Stimmungsgerät zum Stimmungsgerät?
Franziska: Also, erstmal heißt die Platte “Stimmungsgerät” weil das eigentlich ein Scherz war. Roman, unser Gitarrist, hat im Proberaum sein Stimmgerät gesucht und hat sich versprochen. Er sagte: “Wo ist denn mein Stimmungsgerät?”. Das fanden wir witzig und haben es uns gemerkt. Und im Prinzip ist es ja auch so, dass du als Band auf die Bühne kommst und mittels der Musik verschiedene Stimmungen erzeugst, je nach Lied. Aber auch die Stimmung der Leute wirkt auf die Band. Das ist so ein Spiegelding.
2.Warum habt ihr Euch für Gastsänger auf dem Album entschieden?
Micha: Gastmusiker an sich hatten wir ja schon immer dabei. Das gefällt uns und das wollten wir so fortführen.
Jan: Der Anstoß war aber auch, dass wir 10jähriges Jubiläum haben und da auch was Krasses machen wollten. Gunnar von Dritte Wahl war dabei erste Wahl. Wir haben kurz überlegt und das war einfach die Band, die für uns am meisten rausgestochen hat, die uns in unserer Jugend am meisten beeinflusst hat, mit denen wir mittlerweile einigermaßen befreundet sind und die wir gut kennen und wir dachten uns „hey, lass uns doch mal versuchen uns diesen Traum zu erfüllen“. Dann haben wir gefragt und es kam auch promt das Ja, und das ist natürlich ein riesen Glück für uns und ‘ne riesen Ehre, dass das geklappt hat.
3.Stimmungsgerät auch sehr persönliches Album: welche Geschichten hören wir da? Und aus wessen Leben kommen diese?
Franziska: Aus verschiedenen. Es ist ja so, dass in den meisten Songs ein ”lyrisches Ich” singt, aber es geht nicht immer um mich, es geht nicht immer um meine Geschichte. Es sind Geschichten von Leuten, die ich kenne, die ich verarbeitet habe zum Lied, weil ich es passend fand. Und auf der Platte sind so ganz viele verschiedene Facetten drauf. Ein Mensch hat ja mehrere Stimmungen, der ist ja nicht immer gleich, und das spiegelt sich auf dem Album wieder. Ich hab mich entschieden aus meiner Perspektive zu schreiben, weil es leichter zu verstehen ist.
4. Wie können sich die anderen damit identifizieren, wenn sie die Texte nicht schreiben?
Franziska: Pankow hat Jan geschrieben! Ich finde, das merkt man auch. Das klingt auch gleich ganz anders. Ich find den Text super.
Jan: Oft verstehe ich die Texte erst ein halbes Jahr nachdem wir im Studio waren und ich mir mal das Booklet durchlese. Klar, die Hook, die höre ich, die gefällt mir und dann war es das auch schon. Mein Schwerpunkt liegt auch viel krasser auf der Musik. Für mich ist die Aussage des Textes erst mal zweitrangig. Es muss fett klingen, es muss ein Brett sein und mich mitreißen und dann kommt der Text noch oben drauf. Das ist dann immer so ein Aha! Erlebnis, dass der Text dann auch noch geil ist.
Franziska: Ich glaube, da geht es anderen Bands nicht anders. Solange den Jungs nichts unangenehm auffällt oder sie irgendwas peinlich finden, nicken sie den Text ab, und das ist so unser Konsens.
5. Zu welchem Zeitpunkt sind alle zufrieden mit einem Song und wie stark geht ihr dann auch Kompromisse ein?
Jan: Man muss sehr viele Kompromisse machen. Das Ergebnis ist ja zum Schluss immer sehr gut. Und weil ich das gelernt habe, bin ich in der Lage diese unglaublichen Qualen, die bei uns in der Probe ablaufen, zu ertragen. Das darf gar keiner wissen, das darfste keinem erzählen, aber das ist unglaublich, was bei uns abgeht. Bei uns wird die Hälfte der Zeit, auch wenn wir nur das Set üben, gestritten.
Micha: Naja, es ist halt so: wenn ich manchmal mit einem Riff ankomme, von dem ich überzeugt bin, und die anderen finden das jetzt nicht so geil, muss ich darum kämpfen. Das habe ich gelernt. Bestes Beispiel ist “Kanonenfutter”, das fand Roman zum Beispiel total zum kotzen, oder “gegen den Horizont”, den Jan scheiße fand, beide Songs gehören mittlerweile aber zu unseren besten Songs.
Jan: Ja, wir finden die ja mittlerweile auch schön.
6. Wie hat sich euer Musikstil in den Jahren verändert und durch welche Einflüsse?
Franziska: Bei der neuen Platte ist die Musik tatsächlich härter geworden. Auch der Gesang habe ich da so’n bissl angepasst. Aber der Stil an sich hat sich nicht verändert. Wir hatten von Anfang an so eine Mischung von Punk, son bisschen Ska, so’n bisschen Metal, weil Micha eben auch flinke Finger hat und super Soli spielen kann, und meinen Gesang. Wenn man die vier Platten, die wir jetzt haben, nebeneinander legen würde, dann haben wir die ganze Zeit eigentlich nur optimiert. Wir haben das rausgeschmissen, was dann doch einen Ticken zu viel war. Johnnie Rook hat das große Glück von Anfang an einen Stil zu fahren. Wir hatten es nie nötig plötzlich ein Keyboard dazunehmen zu müssen, oder andere krasse Experimente, weil wir dachten, uns verändern müssen. Wir hatten tatsächlich von Anfang an eine Mischung, die uns gefällt und uns repräsentiert.
Micha: Wenn wir unsere erste Platte noch mal aufnehmen würden, und die jetzt direkt mit der Neuen vergleichen würden, würdest du tatsächlich keinen großen Unterschied feststellen.
Jan: Was jetzt nicht heißt, dass das alles gleich klingt. Das drückt einfach aus, dass wir grundsätzlich sehr abwechslungsreich sind und das von Anfang an.
7. Auf Konzerten fällt auf, dass ihr zum Teil ein recht persönliches Verhältnis zu euren Stammfans habt, einige begleiten euch schon seit sehr vielen Jahren. Wer sind eure Fans?
Jan: Rine, Sven, Nicole, Johnny und Melanie und Julian.
Micha: Also, ich wusste ja auch immer nicht, wie viele Fans wir denn haben. Das kriegt man ja immer nicht so mit. Ich hab das jetzt im Zuge der Vorbestellungen zum neuen Album gemerkt. Unsere Fans kommen aus ganz Deutschland. Das hat mich auch sehr gefreut.
Franziska: Wir haben ein sehr persönliches Verhältnis zu unseren Fans, weil wir das so wollen. Wir suchen auch den Kontakt. Manchmal sind auch Leute schon vor dem Konzert da, dann quatschen wir mit ihnen. Ich will auch wissen, wer sie sind und spreche sie an. Auch wenn uns Leute auf Facebook adden, dann kucke ich auch ab und zu nach, wer das ist.
8. Ihr habt vor Weihnachten ein Video auf Youtube hochgeladen, dass euch mit einer Akustikversion zu “Kanonenfutter” zeigt. Das kam ja ziemlich gut an. Wie wäre es denn mal mit einem Akustikset?
Micha: Ach, das war eher ein Scherz und eine spontane Aktion. Bevor ich mich hinsetze und ein Akustikset mache, das meinen Ansprüchen auch gerecht wird, schreibe ich lieber neue Songs. Und ich seh auch nicht wirklich einen Sinn darin.
Jan: Grundsätzlich sind wir aber für jeden Spaß zu haben und uns für nichts zu schade. Eigentlich ist gar nichts ausgeschlossen.
9. Auf welchen Festivals dürfen wir euch dieses Jahr bewundern und auf welche Konzerte blickt ihr besonders gern zurück?
Micha: Da kann ich noch gar nicht so viel zu sagen, denn das ist grad in Arbeit. Aber fest steht schon Rock am Berg, Hohenlobbense Festival und Kuhstock.
Franziska: Was noch ganz wichtig zu erwähnen wäre, ist unser großes 10jähriges Bandbestehen, das wir groß feiern werden, mit vielen großartigen Bands wie Zaunpfahl, Nordwand, Skin of Tears und die Wallerts. Das wird am 10. Mai im K17 stattfinden und das Ereignis des Jahres, zumindest für uns.
Als dritter im Bunde, legt nun auch Peter „PE“ Schorowsky ein Solo Album vor. Der Ex Onkel hat eine schöne und sehr melodische Punk Platte raus gehauen, die eher Ramones als Deutsch Rock Fans ansprechen dürfte. Grund genug um ein wenig mit ihm zu plaudern.
CU: PE, die Onkelz haben sich im Jahre 2005 aufgelöst. 2012 ist nun deine erste deine erste Solo Platte erschienen. Was hast du in der ganzen Zwischenzeit gemacht?
PE: Ich wollte etwas anderes machen. Musik, die ich gerne selbst hören würde, die es aber nur selten gibt. Ich bastelte an Instrumental-Songs mit 60er Retro-Einschlag. Hatte dann ein Album voll und irgendwann auch die Nase und so verschwand es in der Schublade. Ich werde sie wahrscheinlich demnächst für Umme in You Tube stecken.
Mitte 2008 fing ich an, an Dreck und Seelenbrokat zu basteln.
Zwischendrin hab ich auch immer wieder mal ein klassisches Lied komponiert und Teile davon wollte ich eigentlich zwischen die Punkrock-Songs von Dreck und Seelenbrokat klemmen.
Als Kontrast. Das hat eine gute Up and Down – Wirkung. Für die meisten Hörer wäre das vermutlich zu viel Zick-Zack gewesen.
Ich werde diese Songs in Kürze auch auf You Tube veröffentlichen.
CU: Wann hattest du das Gefühl bzw. wann kam der Zeitpunkt wo du dir gesagt hast “Jetzt ist die Zeit reif für ein Solo Album“ ?
PE: 2008
CU: Wie bist du an das Songwriting herangegangen? Hast du die Songs zu Hause komponiert oder habt ihr die Sachen zusammen im Proberaum geschrieben?
PE:
Die hab ich im stillen Kämmerlein zusammen geschustert. Im Studio kamen 2-3 Teile dazu, und mein Produzent und ich haben die Songs hier und da noch besser strukturiert.
CU: Du hast auf der CD ja komplett den Gesang übernommen, während Peter Zettel die Drums eingespielt hat. War dir von Beginn an klar, das du dich auf den Gesang konzentrieren möchtest?
PE: Ja, es war ziemlich klar, dass ich kein Schlagzeug spiele, da ich nur wenig Zeit im Studio zur Verfügung hatte und er hat es in 3,5 Tagen eingespielt. Ich hätte wahrscheinlich 2 Wochen gebraucht.
CU: Neben Chris Fuetarra (Gitarre) ist noch Tobias Exxel am Start, der einigen durch seine Hauptband “Edguy” (Power Metal Band aus Fulda .Anm. der Verf.) bekannt sein dürfte. Erzähl doch mal bitte, wie du deine Band kennen gelernt bzw. zusammen gestellt hast.
PE: Keine große Sache: Peter Zettl spielte schon für „Der-W“ (Stephan Weidner, ehemaliger Onkelz Bassist. Anm. der Verf.) ein paar Songs und war im Studio bekannt. Chris ist ein Freund von Michael Mainx und Tobias Exxel wurde einem guten gemeinsamen Bekannten vermittelt.
CU: Michael Mainx, der ja einen großen Teil der Onkelz Alben produziert hat, hat sich auch für deine CD hinter das Pult gesetzt. Erzähle doch mal bitte wie die Arbeit mit ihm ist und wie die Produktion abgelaufen ist.
PE: Wir kennen uns ja schon seit vielen Jahren und haben uns schon durch unzählige Stunden im Studio gekämpft. Er ist ein unermüdlicher, ehrgeiziger Workaholic. Er hat eine feine Antenne für jedes Detail und hat mich perfekt durch die Gesangsphase gecoacht. Ohne ihn wäre diese CD nicht halb so gut geworden.
CU: Kommen wir jetzt endlich zu deiner neuen Platte J Der Titel ist “Dreck und Seelenbrokat” .Brokat ist, wenn ich richtig liege, ein schwerer, fester Stoff aus Seide. Was bedeutet der Titel für dich? Das die Seide “der Seele” den Dreck aufnehmen kann, welchen man täglich ausgesetzt ist?
PE: Brokat ist meist ein schwerer Seidenstoff der mit Goldfäden durchwoben ist. Die Seele ist ebenfalls mit geistigen Goldfäden durchwoben. Der Dreck ist das Profane im Leben. Ich wollte ja wie gesagt noch klassische Songs zwischen die dreckigen Punklieder klemmen. Diese klassischen Stücke hätten ebenfalls das Seelenbrakat noch unterstrichen.
CU: Deine Texte sind sehr abwechslungsreich und beinhalten viele Themen. Das man nicht immer alles auf morgen verschieben soll. Die eigene Blüte wieder zum blühen zu bringen. Oder auch einfach mal durch die Nacht brausen und dabei an die Angebetete aus der Schulzeit denken und so vieles mehr. Wie wichtig sind dir heut zu Tage selber noch Texte? Egal ob deine eigenen oder die anderer Künstler?
PE: Für meine Lieder sind gute Texte sehr wichtig, denn sie geben meine Visitenkarte ab und spiegeln mich wieder. Gute Texte von anderen Künstlern zu hören erfreut mich natürlich. Es gibt ja auch beschissene Musik mit guten Texten… und umgedreht…
CU: Die CD ist eine richtig schöne Punk Rock Scheibe geworden. Direkt auf` n Punkt, mit vielen coolen Hooks und Melodien. Was war dir beim schreiben der Songs wichtig? Welche Bands haben dich während der Songwriting Phase selbst inspiriert?
PE: Bad Religion, Blink 182, Ramones, AC/DC…. so in der Art.
CU: Einige Hörer werden sicherlich überrascht sein von deinen Songs. Hätten sie doch mit ner “Onkelz” oder Deutsch Rock Kelle gerechnet. Verfolgst du die zur Zeit doch recht sehr große Deutsch Rock Szene? Und kannst du damit etwas anfangen?
PE: Nein, ich höre mir kaum etwas davon an.
CU: Leider konnte ich im Info Zettel keine Tour Daten finden. Wirst du mit deine Band nicht auf Tour gehen um die CD zu präsentieren?
PE: Ich hab nicht genügend Songs und noch ungenügend Erfolg um in See zu stechen. Es kann schnell in ein finanzielles Desaster führen. Vor einer verlorenen Traube von Leuten zu spielen hab ich auch keinen Bock.
CU: Eine Frage noch zum Abschluss. Die Onkelz waren ja ein absoluter Full Time Job. Wie bereitet man sich eigentlich auf so ein Ende vor? Hattest du Angst da in ein Loch zu fallen?
PE: Ja, hatte ich, aber die Verkäufe lieferten noch genug Geld zum Leben ab. Aber es war gut zu lernen vollkommen selbständig zu sein und zu Handeln. Dieses Freiheitsgefühl möchte ich nicht mehr missen.
CU: Vielen dank das du dir die Zeit für die Antworten genommen hast :-)
PE: Vielen Dank für Dein Interesse :)
Kaum eine Band hat in den letzten Jahren mit ihrem Debütalbum für so viel Aufsehen gesorgt wie KOTZREIZ. Die einen lieben die sympathischen Assis aus Berlin und die anderen hassen sie! Ich jedenfalls hab mich schon beim ersten Durchlauf von „Du machst die Stadt kaputt“ in die Scheibe verliebt. So minimalistisch und gleichzeitig großartig hat schon lange keine Platte mehr geklungen. Meine Erwartungen an den Nachfolger „Punk bleibt Punk“ waren dementsprechend groß, wurden allerdings zu 110% erfüllt! Grund genug, der Band endlich mal ein paar Fragen zu stellen.
Eure neue Platte ist jetzt fertig. Nenn mir doch mal zu Beginn drei gute Gründe, warum sich jemand eine Platte mit dem Titel „PUNK BLEIBT PUNK“ kaufen sollte!? Wenn PUNK PUNK BLEIBT, dann hab ich doch schon alles gehört, oder?
Ja, juhu, die platte is ja schon länger fertig aber jetzt endlich rausgekommen. Klar haste schon alles gehört. Den Punk können und wollen wa ja auch garnich neu erfinden. Punk is so wie er is und das is ja auch gut so.
Habt ihr bei der neuen Scheibe eigentlich Druck verspürt, sei es vom Label, von Freunden oder euch selbst? Schließlich habt ihr mit eurem Debütalbum für mächtig Furore gesorgt und da ist ein Nachfolger nicht so einfach zu schreiben.
Die einen fanden unsere erste Platte cool, die anderen wiederum fanden unsere Musik bzw. unser Erscheinungsbild scheisse. Hat irgendwie polarisiert. Ehrlich gesagt verstehe ich das nich so wirklich, aber egal. Jede Woche kommen 12.000 neue Punkplatten raus und warum grade wir da abgefeiert oder abgehasst werden, kann ich nich so ganz nachvollziehen. Aber is halt so. Gibt schlimmeres. Druck verspürt haben wir eigentlich keinen. Was soll da noch kommen wenn man auf der ersten platte schon jedes Punker-“Klischee“ verballert hat?! Wir haben uns keine Gedanken gemacht was irgendwer von uns erwartet. Wir haben nur von uns selber erwartet, dass wir bessere Songs schreiben und dass die Texte nich ganz so bescheuert sind, wie sie teilweise bei “Du machst die Stadt kaputt“ waren. Wir haben nie vorgehabt in irgendeine Nische zu krabbeln oder irgendwem neue Lieblingslieder auf den Leib zu schneidern oder uns irgendwo einzuschleimen. Wenn unsere Musik Leuten gefällt, is das schön, wenn nicht, dann eben nicht.
Wie ist denn das bisherige Feedback auf die neue Scheibe?
Das Feedback bisher is eigentlich ziemlich positiv. Klar findet‘s irgendwer mal beschissen, aber das is ja auch das gute Recht jedes Menschen. (Ja, auch Leute die Reviews schreiben sind Menschen.) Ich glaube viele haben verstanden, dass wir das ganze Punk-Ding nicht NUR veräppeln oder lächerlich machen wollen, sondern dass wir das auch so‘n bisschen ernst meinen. Nicht total ernst, aber schon auch ein bisschen.
Mit “Tränen” sprecht ihr mir aus dem Herzen! Kotzen euch diese ganze Deutschrockszene und Punkrockbands, die sich mit selbiger anbiedern, auch so an?
Ja, die kotzen uns natürlich an! Beziehungsweise sind die uns eher egal. Wir wollen damit nichts zu tun haben. Dieses ganze männliche Prollgehabe und dieses apolitische, das verstehen wir nicht. Man kann sich als Band ja gerne musikalisch weiterentwickeln, is ja schön und gut. Aber wenn irgendwelche Halb- oder Ganz-Nazi-Volltrottel aufm Konzert rumlaufen und einen das nicht stört – „solange die friedlich sind und nur feiern wollen“ – sollte man sich selber schon mal hinterfragen. Und wenn sich eine Band in eine bestimmte Richtung entwickelt und entsprechende Texte schreibt, dann braucht sich diese Band auch nich zu wundern, dass sie vor Idioten spielt und andere, ich nenn sie mal Nicht-Idioten, diese Band nicht mehr hören oder sehen möchten. Das Lied „Tränen“ haben wir übrigens zusammen mit unseren Homies von FEINE SAHNE FISCHFILET geschrieben und aufgenommen. Ganz viele Grüsse an dieser Stelle, falls die Heinis das hier lesen!!!
Warum ist Montag eigentlich ein Scheißtag? Als richtiger Assi hat man doch gerade das Wochenende überstanden und kann endlich auf der Couch relaxen während die anderen arbeiten gehen!
Kennt doch jeder. Schönes Wochenende gehabt mit saufen und so und am Montag musste wieder malochen gehen oder in die Schule oder zur Ausbildung oder zum Arbeitsamt. Quasi das „Morning after“-Gefühl, dass is unsere Ode an die gute alte Working Class… oder so.
Wie kommt man eigentlich auf so geniale Songtitel wie „Der Klügere kippt nach“ oder „Pfeffi Graf“?
Wortspielchen mochten wir ja schon immer. Erklären muss ich die beiden Titel ja jetzt hoffentlich nicht. Fällt uns halt irgendwie so ein.
Mit „Totale Vergiftung“ habt ihr euren eigenen Anti-Nazi-Song geschrieben. Wie kam es dazu? Braucht die Welt noch ein Lied über das Thema oder kann es davon nicht genug geben?
Natürlich hat jede zweite (hoffentlich) Band einen Anti-Nazi-Song, aber ich finde, wie du schon sagtest, kann es davon garnich genug geben. Gerade in dieser „Grauzonen“-Zeit sollte man schon Stellung beziehen. Vielen Leuten, auch in der Punk- und Hardcore-Szene, is einfach alles scheissegal. Für mich hat Punk und Hardcore und diese ganze Subkultur schon immer bedeutet, dass man weltoffen is und eine linke politische Einstellung hat.
Die Finanz- / Euro-Krise etc. beherrscht jetzt seit Jahren die Medien. Kümmert euch das noch oder habt ihr bereits resigniert und wartet ohnmächtig auf die Dinge die noch kommen? Warum gibt es noch keinen KOTZREIZ Song über das Thema?
Es gibt noch keinen KOTZREIZ Song darüber, weil wir davon keine Ahnung haben, ganz einfach. Geld regiert die Welt, is klar, soweit haben wa das schon verstanden. Aber wir singen lieber über Dinge mit denen wir uns zumindest halbwegs auskennen. Bier und Fussball ;-)
Ihr seid, im Gegenteil zu vielen anderen Bands, auf dem diesjährigen Force Attack aufgetreten. Wie war es für euch? Trifft aus deiner Sicht irgendjemanden die Schuld oder war dieses Chaos unvermeidlich? Denkst du, dass das einstige Punkrock-Vorzeige-Festival noch eine Zukunft hat?
Ich weiss nicht wer da jetzt schuld is, dass das alles eher chaotisch abgelaufen is. Die Kommunikation war echt der Knaller. Keiner hat uns irgendwie Bescheid gesagt und den meisten anderen Bands wohl auch nicht. Daher kann ich es auch keiner Band verübeln, wenn sie abgesagt haben. Gerade Bands die aus Amerika oder England kommen, auf Tour sind und auf die Gage angewiesen um ihre Flüge nach Hause bezahlen zu können oder sonstwas. Als wir dann aber am Morgen des Konzertes das GO per facebook Mail bekommen haben, sind wa einfach auf gut Glück (oder Pech) losgedüst. Wir durften 17 Minuten spielen aber es hat sich gelohnt. Alleine schon für die neuen Veranstalter. Nen Haufen Punkrock-Kids, die das alles einfach selber in die Hand genommen und durchgezogen haben. Respekt dafür auf jeden Fall. Wir waren auch genervt von dem ganzen hin und her im Vorfeld, aber wir würden jedes Jahr wieder spielen!
Eure anstehende Tour mit den VAGEENAS steht unter dem Motto „Zahl’ nicht mehr als als 6 €“. Warum so teuer?
Ich kenne dieses Smiley. Is die Frage quasi ironisch gemeint? Oder doch ernst?! Also ich finde 6 € nicht zu billig und nicht zu teuer, sondern genau richtig. Viel weniger nehmen können wa nich, weil wir sonst dolle draufzahlen, wegen Bus und Sprit und Kram. Mehr nehmen wollten wa nicht, weil wir wollten, dass sich jede/r das Konzert leisten kann, der/die/das gerne hingehen wollen würde. Oft spielt ja auch noch ne dritte Band mit und ich finde drei Bands für 6 Euros, da kann und sollte man nich meckern. Und damit nich jeder rumnervt und fragt wie teuer das Konzert is, haben wa das gross aufn Flyer gepackt!
Du bist ja nebenbei noch mit einer anderen Kapelle unterwegs. Wie ist das eigentlich den einen Tag in der Zitadelle in Berlin vor tausenden Leuten zu spielen und Tags darauf im Cortina Bob vor ein paar hundert?
Manchmal kommen sich diese beiden Bands mal bei Konzertterminen in die Quere und dann hat diese eine Band, von der ich Miete zahlen und essen kaufen kann, halt Vorrang. Aber ansonsten klappt das ganz gut. Ich komm vom Punk und hab schon in ganz vielen Bands gespielt und auf ganz vielen Fussböden geschlafen und hatte nie Kohle. Dann hatte ich irgendwann das Glück in dieser anderen Band mitspielen zu dürfen. Das Hobby zum Beruf gemacht sozusagen. Und es is der beste Beruf den ich mir vorstellen kann, ganz egal was mir da irgendwelche Pöbel-Anti-Kommerz-Punker erzählen wollen. Da scheiss ich drauf. Aber ohne dieses „Punk-Assi-auf-versifften-Matratzen-pennen-Dorf-Juz-saufen-die-ganze-Nacht-Nietenjacken“-Ding könnte ich auch nich. Das würde mir fehlen. Das sind natürlich zwei verschiedene Welten, aber ich spiele mit der einen Band genauso gerne vor 1500 Leuten, wie mit der anderen Band am nächsten Tag vor 34 Spinnern im Juz Pumpernickel in Wanne-Eickel.
Am 08.09. hast du auf dem 190 Jahre Sternburg Brauereifestival gespielt. Wie war’s? Nur Proletenpack oder auch ordentlich Punkrock? Warum ist STERNBURG nicht längst in ganz Deutschland ein Nationalgetränk?
Das war spitze da. Das is das neue Force Attack will ich hier mal so ganz salopp behaupten. Da waren ganz viele Punker. Ich bin da den ganzen Tag rumgelaufen und muss gestehen, dass ich echt kaum Proletenpack entdeckt habe. Und ich hab eigentlich ein recht gutes Auge dafür. STERNBURG is nunmal ne Pissplörre, aber deswegen haben wir das ja alle auch so lieb.
Was ist eigentlich aus dem Bauarbeiter eurer ersten Scheibe geworden?
Der hat den Text von „Bauarbeiter stuerb“ falsch verstanden, sein Job gekündigt und arbeitet jetzt als Organisator für Anti-Gentrifikations-Demos und Kundgebungen!
Die Frage muss ich einfach stellen: Wann hattest du deinen letzten KOTZREIZ? Konntest du ihn unterdrücken oder hast du ihm nachgegeben?
Normalerweise kotze ich echt nie, zumindest kann ich mich nich dran erinnern. Aber die letzte Kotze, die aus meinem Mund kam, abgesehen von dem Interview hier, is noch garnich solange her. Das war in Los Angeles am Flughafen. Da hab ich das komplette Klo vollgekotzt. Aber unpunkigerweise nicht weil ich total besoffen war, sondern weil mich dieser „abgelaufene nacho“ Trojaner erwischt hatte. So‘n Virus da drüben bei denen.
Viele Leute bekommen bei eurer Mucke bestimmt einen KOTZREIZ! Bei welcher Musik stülpt sich dir der Magen um?
Ich bin da recht tolerant was Musik angeht. Wenn mir das Lied gefällt, dann gefällt‘s mir halt, egal ob von BLACK EYED PEAS (kommt eher selten vor) oder von der super unbekannten Crust-Punk-Band aus den tiefsten Höhlen Schwedens. Mein Lieblingslied der Welt is zum Beispiel „Boys of Summer“ von DON HENLEY, vielleicht auch nicht, aber der Song is super! Ansonsten… hmmm… kennst du die Band „auf bewährung“? Die haben jetzt auch son Pfeffi-Lied gemacht, obwohl der Sänger nichtmal weiss wie man Pfeffi schreibt. Die gehen uns schon ziemlich auf die Nerven.
Wie sehen denn die Zukunftspläne von KOTZREIZ aus?
Erstmal gehen wa jetzt ab 28.09 für 10 Tage auf Tour zusammen mit den VAGEENAS. Das wird sicherlich ganz ulkig. Da freuen wa uns drauf. Wir spielen noch‘n paar Konzerte dieses Jahr und nächstes Jahr sicherlich auch. Ansonsten gibt’s eigentlich erstmal keine Pläne. Vielleicht machen wa ne Split mit NXD (Ex-Napoleon Dynamite). Mal gucken was passiert!
Ansonsten tausend Dank für das Interview und für DEIN Interesse, dass du den Kram hier gelesen hast.
Piss bald!
Chris+KOTZREIZ!
Vielen Dank für das Interview und bis zum nächsten Konzert!
East Side Daniel