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Seit vielen Jahren wird ja immer und immer wieder über die Konzerte diskutiert. Herrscht mittlerweile an Überangebot an Shows? Sind die Eintrittspreise zu hoch? Warum war der Saal wieder nicht voll? Diese Liste könnte man endlos fortführen. Um vielleicht ein wenig Licht ins dunkle zu bringen, stellte ich einigen Konzertveranstaltern und Bookern ein paar Fragen. Die Antworten werden wir nach und nach in unbestimmten Abständen auf unserer Homepage online stellen. Den Beginn macht Christian „Kiki“ Ressler. Kiki ist Geschäftsführer von „Kikis kleiner Tourservice“ der u. a. Shows für die Toten Hosen, Die Ärzte oder die Beatsteaks bucht. Vielen dank an Kiki das er sich die Zeit hierfür genommen hat.
Crazy United: Sind Live Konzerte das letzte “Bollwerk” in Zeiten sinkender CD Verkäufe ???
Kiki: Na ja, durch CD Verkäufe wird schon auch noch immer Geld verdient, nur ist es einfach keine verlässliche Größe mehr. Und die Einnahmen durch Tourneen ( Inklusive der Nebeneinahmen durch das auf den Konzerten verkaufte Merchandising ) machen sowohl bei den kleinen als auch großen Acts den Hauptteil ihrer Verdienste aus.
Crazy United: Heutzutage herrscht ja ein regelrechtes Überangebot an Live Konzerten. Gerade im Metal, Hardcore und Punk Sektor. Was erwartet der Konzertgänger von Heute und wie lockt man die Besucher von der heimischen Couch in den Konzertsaal ???
Kiki: Langfristig durch Konzerte, welche den Zuschauer emotional mitreißen. Und mehr sind, als ein herunterspielen der konservierten Musik.
Crazy United: Seit einigen Jahren beschweren sich immer mehr Leute über steigende Eintrittspreise auf Konzerten. Oft sagt die Band, das sie darauf keinen Einfluß hätte oder die Tour bzw. die Produktion einfach teurer geworden ist. Was stimmt den nun? Oder will man das Geld, welches man mit Tonträgern nicht mehr einnimmt dadurch wieder reinholen ?
Kiki: Natürlich haben sich in den letzten 5 Jahren die Allgemeinen Produktionskosten durch Positionen erhöht auf die eine Band keinen Einfluss hat (z. b . Gema, neue gesetzliche Regelungen die freiberufliche Arbeit von Secus oder Stagehands quasi untersagen, Versammlungstättenverordnung , etc.). aber es wird verständlicherweise auch versucht, so die Mindereinnahmen auf der Tonträgerseite auszugleichen.
Crazy United: Bands wie die Toten Hosen, Rammstein oder die Ärzte füllen die großen Hallen auch fünf mal in Folge. Wie schwierig ist es aber für eine Konzertagentur neue Bands zu puschen bzw. zu fördern ? Man hört ja auch oft vom berühmten “Pay to play” .Sprich, die (Support) Band selber muss einen großen Betrag zahlen um Band “XY” auf Tour zu begleiten. Wie steht ihr dem gegenüber ?
Kiki: “Pay to play” ist ein grauenhaftes Relikt aus der angloamerikanischen Rockkultur der 80`er. Ich hatte wirklich gedacht das sich das Thema komplett erledigt hat, aber in den letzten Jahren höre ich da leider immer öfter von. Unsere Acts haben sowas noch nie gemacht. Die großen Bands (z. b. die Ärzte, Die Toten Hosen, Beatsteaks, Fettes Brot) bezahlen ihre Support Bands immer gut.
Alle eint da die Einstellung das man entweder eine Band als Support haben möchte und die dann eben auch entsprechend gut behandelt. Das schließt eben auch die finanzielle Seite ein. Oder eben dann keinen Support bucht.
Crazy United: Bei vielen Shows sind teilweise 4-5 Vorgruppen am Start, welche teilweise nur 20 Minuten auf der Bühne stehen. Macht so etwas wirklich Sinn? Wieso hat sich das so entwickelt?
Kiki: Ich kann nicht sagen woher die Entwicklung kommt, halte sie aber nicht für sinnvoll. Oft ist das Publikum gelangweilt bis überfordert von zu vielen Acts. Und die Bands tun sich damit auch keinen gefallen.
Crazy United: Metallica haben ja vor ein paar Wochen gesagt, das sie so schnell wie möglich auf Tour gehen wollen um noch etwas vom “stabilen” Euro zu haben. Viele Fans sagen, das das Verrat an der Musik und Abzocke der Fans sei. Auf der anderen Seite sind Metallica aber ein Riesen Unternehmen die auch wirtschaftlich denken müssen. Also doch nur ehrlich oder Geldgeil?
Kiki: Egal wie groß oder klein die Band ist; natürlich spielen immer auch wirtschaftliche Gesichtspunkte eine Rolle bei der Tourplanung. Das ist ja auch völlig legitim. Ein weltweites Routing allerdings nach Währungsschwankungen auszulegen finde ich schon echt grotesk.Und dann noch so ungeschickt zu sein und das offen zu kommunizieren….. da musste ich herzlich lachen.
www.kktlive.de
Marcel Brozeit
Moin Matti!
Nach fast 4 Jahre erscheint nun endlich das langersehnte neue Album!
Warum hat es diesmal so ewig lange gedauert, bis wir endlich ein komplettes, neues Album von Euch serviert bekommen?
Hallo Frank,ja nun ist es endlich so weit und du hast recht: “Es hat wirklich eine halbe Ewigkeit gedauert.”
Allerdings haben wir auch schon vor knapp 2 Jahren angefangen dieses Album zu planen, Lieder zu schreiben und zu proben. Leider hatten wir nur wenig Zeit um uns im Proberaum zu treffen, und somit gestaltet sich das Machen neuer Lieder sehr schwierig. Glücklicherweise gibt es das Internet, über das wir uns ständig fertig produzierte Demos schicken konnten. Trotzdem hat es dann noch lange bis zur Fertigstellung gedauert, da wir schließlich zwischendurch noch Clubkonzerte, Festivals und unsere kleine Tour mit Volxsturm gespielt haben. Nun ist das Album aber fertig und gut ist!!!!
Habt Ihr das Album vorproduziert oder wurden noch in letzter Sekunde Songs im Studio geschrieben? Wer ist auf dem neuen Tonträger für die Texte verantwortlich? Müssen die Texte von allen Bandmitglieder abgesegnet werden?
Ja Frank, da bist du wohl sehr gut informiert gewesen:)!? Wir haben dieses Mal fast das gesamte Album zu Hause vorproduziert. Das heißt konkret, dass Harry alle Ideen zusammengefasst und uns dann schlussendlich die fertigen Demos präsentiert hat. Das funktionierte hervorragend und garantierte uns somit einen reibungslosen Ablauf. In letzter Sekunde haben wir dieses Mal gar nichts gemacht. Zwar waren die letzten Lieder auf den Punkt aufnahmebereit,standen jedoch schon als Demo fest.
Hauptsächliche habe ich mal wieder den größten Teil der Texte geschrieben, wobei Harry den einen (komplett geschrieben) oder anderen noch modifiziert und angeglichen hat. Erstmals hat auch Wünschi einen ganzen Song dazugesteuert. Dreimal dürft ihr raten, welcher aus seiner Feder stammt. -Hat was mit Arbeitsamt zu tun…..- Generell ist es bei uns so, dass die Texte teils kontrovers diskutiert werden und auch raus fallen wenn mal einer überhaupt nicht ankommt. Wir verfahren da stets demokratisch nach dem Mehrheitsprinzip.
Wie viele Songs hattet Ihr für den Tonträger in der Piepeline und wie viele haben es letztendlich auf díe Platte / CD geschafft. Wurden weitere Songs für andere Releases direkt mit aufgenommen?
Wir hatten genau 13 Lieder in Arbeit, von denen wir 12 aufgenommen haben. Ich weiß gar nicht wie das z.B. Broilers machen, die immer “behaupten” 690 Lieder geschrieben zu haben für ein Album:) Wir sind froh, wenn wir 12 zusammen bekommen.
Eigentlich hatten wir schon vor,ein paar Sachen für nächste Projekte aufzunehmen, was aber durch Knappheit der Zeit beschnitten wurde.
Zum jetzigem Zeitpunkt unseres Interviews liegt mir das komplette Album leider noch nicht vor, aber Ich konnte ja schon in einige Songs reinhören und dabei ist besonders das Lied „Kinderaugen“ hängen geblieben, das ja die ganze Miesere unserer Welt aus Augen eines Kindes aufzeigt. Hattest Du alleine die Text Idee zu diesem Song, oder haben Dir wirklich deine Kids mit ein paar Nörgeleien dazu Vorlagen geliefert?
Es ist definitiv so, dass es meine Kinder herzlich wenig interessiert, was ich nun darstelle, oder auch nicht. Ich bin ihr Vater, und das ist für sie das Wichtigste. Wir schleppen uns ja viel zu oft mit einer gewissen Melancholie und Polemik durch das Leben, welche für unsere Kinder schwer nachvollziehbar ist. Auch wenn sie schonmal Sorgen haben wischen sie diese doch recht schnell und unkompliziert mit ihrer naiven Art und Weise vom Tisch.Mir fallen erst seit dem ich Kinder habe wieder schöne Sachen in meinem Umfeld auf, weil sie mich darauf hinweisen. Deshalb habe ich dieses Lied als eine Art Verbeugung geschrieben, und Harry hat, wie ich meine, die passende Musik dazu gemacht.
Bevor wir weiter über Songs des Albums quatschen,möchte Ich erstmal abwarten, bis die CD mich erreicht, was in kürze der Fall sein müsste.Lasse uns mal was über euer Video schnacken.
Wer hatte die Idee zu diesem Video, wo wurde es gedreht und wer ist das Pärchen, das im Video das Sofa bestückt?
Die Idee zu dem Video ist ganz langsam entstanden. Bis zum Sommer 2010 gab es noch so wirre Flausen wie: “Mit nem Wasserwerfer durch Hamburg fahren und damit den Hamburger Bauwagenplatz aufräumen“. Danach hätten wir uns ein dickes Konzert für lau auf dem Bauwagenplatz vorgestellt. Diese Idee zerschlug sich in der Folge aber zusehends aus diversen Gründen. An den Bauwagenpunx hat es genau so wenig gelegen, wie an dem Wasserwerfer. Letzterer war sogar schon organisiert.
Zeitgleich hatte Stephan Kipke, der uns schon seit Jahren für sein Studienprojekt mit der Kamera begleitet, eine völlig eigenständige Idee. Diese arbeitete er dann zusammen mit Aron Krause (www.musikbewegtbilder.de) aus. Dazu haben die beiden ein Filmstudio vom Tide-Stadtsender klargemacht und innerhalb einer Woche zu unserer Kulisse umgebaut. Effektiv nahmen wir dann fast 3 Tage auf, wobei der Liveteil im Indra Club auf St.Pauli im Rahmen der Nordic Walking Tour entstand. Wir denken, dass die beiden uns ein absolut professionelles Video hingezaubert haben. Unser Dank gilt auch allen anderen Beteiligten von der Kamera, Maske, Catering, Akteuren bis hin zur Requisite. Alles in Allem waren 10 bandexterne Leute am Dreh involviert.Einen großen Anteil hatten auch unsere beiden „Schauspieler“ namens Wolfgang und Jenny. Wolfgang kannten wir bis dato noch nicht (Freund von Stephan Kipke) und Jenny ist eine mittlerweile langjährige Freundin von mir.
Dann kommen wir mal wieder zum Album zurück, da mich mittlerweile die CD erreicht hat. Laß uns mal über die einzelnen Songs sprechen, bzw., erzähl Du uns doch bitte kurz was zu jedem Song.
Sach ma, bist du bekloppt? (Anmerkung Frank: klar bin Ich bekloppt, denn sonst würde Ich Euch doch nicht kennen und wir jetzt dieses Interview führen).
Das sind 12 Lieder, und zu allen soll ich was sagen?
Na gut, fangen wir also an. Los geht es auf der Scheibe mit einem „Opener“ im klassischen Stil. „Gumbles Punkrockshow“ beschreibt so ziemlich im Detail, was einen erwartet, wenn man Gumbles bei sich in der Stadt zu Gast hat. Wer uns näher kennt, der wird die einzelnen Zeilen des Liedes bestätigen können, ha,ha. Hab ich recht mein lieber Frank? (Anmerkung Frank: dem kann ich nur beipflichten)
Weiter geht es mit „Rosenkavalier“, der auch sehr aus dem (meinem?) Leben gegriffen ist. Unsere Frauen sind nun mal nicht mit Schwiegermutters Liebling verheiratet. Da kollidiert schon mal die Subkultur mit dem „normalen“ Familienleben.
Zu „Die Geilsten“ braucht man nicht viel zu sagen. Es ist Wahnsinn, was in den letzten Jahren mit dieser Band passiert ist, und dass soll dieses Lied beschreiben und zum Teil auch zurückgeben.
„Momente“- Um gleich auf deine Frage zurückzukommen: „Nein, dieses Lied habe ich nicht geschrieben.“ Der Text und die Musik stammen komplett aus Harrys Feder. Deshalb kann ich zu den Hintergründen wenig sagen, was bei „Der perfekte Tag“ natürlich anders ist.
Dieses Lied drückt die komplette Wut, Angst und Ohnmacht aus, die man empfindet wenn man heutzutage nur einmal den Fernseher anschaltet, oder durch unsere bunte, unwirkliche Welt geht. Den Menschen steht ihr Jamba-Klingeltonabo in die dummen Visagen geschrieben, mit der sie wie dämliche Schafe durch ihr Leben eiern.
Es gibt aber nicht nur wütende, sondern auch beschwingte Songs auf diesem Album. „Generation 21“ entstand in Zusammenarbeit mit Nick Hobbs aus Glasgow. Er ist der ehemalige Bassist der schottischen Helden von „United Front“. Teile des Textes stammen von ihm, wobei die Musik und die Refrains von mir und Harry verfasst wurden. Übrigens: TITELSONG
„Scheiss auf euch“ direkt danach ist wieder eine wütende Antwort auf den ganzen Szene- und Internetmüll, der immer mehr zu einer immensen Belastung wird. Trotz alledem werden wir (nicht nur die Band) weiter unser Ding machen, und uns nicht der Allgemeinheit anpassen. Wir stehen auf der Bühne und geben unserer Meinung ein öffentliches Gesicht, was man von all den Internethetzern nicht sagen kann. Wer immer schön in der Deckung des WWW agiert wird uns hoffentlich niemals das Wasser reichen können.
Da wir auf diesem Album ja schon vermehrt persönliche Sachen verarbeitet haben, durfte auch ein Lied wie „In all den Jahren“ nicht fehlen. Es ist als eine Art Hommage an unsere Jugend in den Sommern Schwerins zu verstehen. Eine Zeit, die diese Band geprägt hat und unvergessen bleiben wird. Hoffentlich wird sich der eine oder andere in diesem Lied wiederfinden.
Bei „Gumbles Iserlohn“ wird es in Zukunft sicherlich einige Frage und Verwirrungen geben. Vor ca 2 Jahren kontaktierten uns ein paar Jungs aus Iserlohn mit der Frage ob wir nicht eine Hymne für ihren Streethockeyverein machen könnten. Da sie sich selbst Gumbles Iserlohn nennen dachten wir uns, dass das eine super Idee sei , und wir machten in Zusammenarbeit mit den Hockeyjungs dieses Lied. Die Musik stammt von Harry und der Text ist bis auf ein paar Änderungen von Marcel und seinen Jungs verfasst worden.
Zu „Hartz 4 Fighting Man“ braucht man wohl nicht viel zu sagen. Es ist eine Sauerei, wie mit den Schwächsten unserer Gesellschaft umgegangen wird. Wünschi ist übrigens für die textliche Umsetzung verantwortlich.
„Beat the Bastards“ wird wohl jeder kennen und deshalb gehe ich auch nicht weiter darauf ein.
Den Schlusspunkt dieses Album setzt dann nach insgesamt 12 Liedern „Kinderaugen“. Schon lange wollte ich mal einen Song aus der Sicht meiner Kinder machen. Ihnen ist es egal ob ich am Wochenende auf irgendeiner Bühne rumgeturnt bin, oder wie andere Menschen mich sehen. Ihnen ist nur wichtig, dass ich Zeit mit ihnen verbringe und auch mal zu Hause bleibe. Sie sehen diese Welt noch nicht mit dem verklärten Blick eines Erwachsenen, sondern können sich noch an Kleinigkeiten erfreuen und bringen dieses auch unverblümt zum Ausdruck. Schade, dass man selbst diese Gabe teilweise verloren hat.
Die CD erscheint ja in zwei Formate, sprich: es gibt eine normale CD Auflage und eine, der eine prall gefüllte Wundertüte beiliegt, worüber ja auch schon heftig auf FACEBOOK diskutiert wurde, ob so etwas noch Punk Rock ist oder nicht. Erzähle uns doch zuerst einmal, was dem Käufer alles in dieser Wundertüte erwartet und warum gerade die GUMBLES Wundertüte Punk Rock ist.
Tja Frank, tatsächlich wurde das Für und das Wieder der Sonderedition reichlich diskutiert. Ist das noch Punkrock? Ist es denn überhaupt noch Punk wenn man seine Sachen nicht mehr auf einem 5 Spur Recorder aufnimmt und dann über selbstgebrannte Cd´s (Kassetten gibt es ja nicht mehr) vertreibt, ach was sag ich, verschenkt? Ist es Punk wenn man T-Shirts drucken lässt, und diese dann auf Konzerten verkauft, oder wenn man mehr als das Spritgeld an Gage bekommt? Wer weiß die Antwort?
Wenn man danach geht, war Punk schon wieder tot als es gerade erst anfing.
Und ja, wir haben 2 Formate gemacht. Die eine Cd kommt als schickes Digipack daher und ist überall bis zum Erbrechen verfügbar. Die andere – besondere – Cd steckt in einer Wundertüte in Begleitung vieler wunderbarer kleiner Dinge, die die Welt nicht braucht. Das wären z.B. ein Gumblesenergydrink und…………! Wie du siehst, alles Dinge, wegen dessen man das Sonderpacket kaufen sollte. Übrigens ist die Wundertüte auf strenge 500 Stück limitiert. Ach ja, die Wundertüte ist deshalb Punkrock weil die, die sie nicht als Punkrock sehen sich jetzt ärgern darüber, dass das nicht mehr Punkrock ist, und wir somit bei denen anecken konnten, und das ist wiederum Punkrock!
Zum Schluß möchte Ich noch auf die GUMBLES Live Aktivitäten zu sprechen kommen. Am 18.2 spielt Ihr ja in Oberhausen auf dem Sunny Bastards Festival und vielleicht verratet Ihr mir ja, welche neuen Songs wir Live erwarten dürfen.Und wie sieht es mit der angedachten Nightliner Tour im Herbst dieses Jahres aus? Alles noch in der schwebe oder gibt es schon richtige Ergebnisse zu vermelden?
Das ist richtig, wir spielen am 18.2. das erste Mal in diesem Jahr. Das ganze findet in Oberhausen auf dem o.g. Festival statt, und wir freuen uns an diesem Tag unser neues Album das erste Ma live zu präsentieren. Im neuen Set werden auf jeden Fall schon mal 6-7 neue Lieder auftauchen. Unter anderem wird es „Scheiss auf euch“, „Rosenkavalier“ und „Punkrockshow“ zu hören geben. Bei Liedern wie „Momente“ und „Kinderaugen“ haben wir beschlossen, dass sie lediglich Lieder für die Platte sein sollen, und sich nicht fürs Liveset eignen.
Weiter geht es ja dann in Leipzig / Conne Island am 2.3., wo unter anderem auch Punkroiber ihr neues Album vorstellen. Danach kommt schon Neubrandenburg / Zebra, Schwerin / Dr.K., Hannover / Chez Heinz, Stuttgart / Hallschlag, Kiel, München / tba, das Endless Summer und das Spirit Festival.
Auch wird es wieder eine Nightliner Tour unter der Schirmherrschaft von Sunny Bastards geben. Da wir diesbezüglich aber planungsmäßig noch nicht sehr weit sind, gibt es auch nicht viel darüber zu berichten. Definitiv werden wir 5 Konzerte in fast allen Ecken der Republik und evtl Östereich , bzw in der Schweiz spielen.
Alright mein Freund! Das war´s auch schon meinerseits für´s erste. Die letzten Worte gehören Dir!
Ja danke lieber Frank für die Plattform, die du uns immer wieder gibst, und das schon seit Jahren. Wir hoffen natürlich, dass unser neues Album bei den Leuten da draußen ankommen wird und dem einen oder anderen sogar gefällt. Ansonsten sehen und hören wir uns auf einem unserer nächsten Konzerte. Denkt daran: “Das Son Of A Bastard Festival“ steht am 17./18.2. in Oberhausen/Turbinenhalle mit einem unglaublichen Line – Up vor der Tür. Wer nicht hingeht ist ein ArschlochJ!!!“
Hallo Schröder, bevor wir mit dem eigentlichen BERSERKER-Interview anfangen, wie geht es Dir? Ich denke das interessiert nicht nur mich, sondern auch alle eure Fans.
Mir geht es soweit ganz gut. Die OP ist überstanden. Jetzt beginnt die Reha und Physiotherapie, damit ich schnellstmöglich wieder auf die Beine komme. Immerhin sind wir alle ziemlich heiß, die neuen Songs den Leuten um die Ohren zu ballern.
Euch gibt es nun bereits elf Jahre, wie hast Du diese vergangenen Jahre aus Band- und persönlicher-Sicht erlebt? (Höhepunkte, unvergessliches…)
Es war immer ein voran Schreiten. Wir sind nie stehen geblieben und immer unseren Weg gegangen. Die Entwicklung merkt man von Album zu Album. Es gab viel Lustiges womit man ganze Bücher füllen kann. Von der Bühne stürzende Bandkollegen, oder ganzes Equipment. Viel brutales am Anfang unserer Schaffenszeit. Wir mussten uns fast auf jedem 2. Konzert mit Zuschauern rumwichsen. Gab immer wieder Schlägereien. Das hat sich zum Glück verändert. Denn auch wir werden ja älter und die Hände regenerieren sich nicht mehr ganz so schnell wie vor 7 – 8 Jahren wa ;)
Mit “Reinkarnation” habt Ihr, wenn ich richtig informiert bin, Euer sechstes Album veröffentlicht. Leider ist es die letzte Scheibe mit Matze an der Gitarre, der aus gesundheitlichen Gründen ausgestiegen ist. Hattet Ihr daran gedacht die Band komplett aufzulösen? Oder wart ihr euch im Klaren darüber mit einem neuen Bandmitglied weiter zu machen?
Ja das ist richtig. Unser 6. Komplettalbum ist jetzt im Kommen. Und das letzte mit Matze. Durch seine Knochenkrankheit im Handgelenk, musste er leider die Band verlassen. Aber er versucht ja, soweit es sein Job dann zu lässt, als unser Techniker/Mischer immer mit dabei zu sein. Als wir uns mit diesem Thema befassten, denn zuerst haben wir es nur verdrängt, war es schon so, dass wir überlegten die Band aufzulösen. Es war unreal ohne Matze weiter zu machen im ersten Augenblick. Aber Matze meinte, wir MÜSSEN weitermachen. Es fällt ihm so schon schwer genug aufzuhören, aber wenn wir alle aufhören, wäre es unerträglich für ihn. Und so haben wir lange nach einem „Nachfolger“ gesucht. Denn er muss nicht nur gut spielen, sondern auch menschlich zu uns passen. Das haben wir geschafft. Mit Stefan ist ein toller Mensch mit Charakter zu uns gekommen. Und mit Linus zusammen, ist das jetzt unsere „Reinkarnation“! Überzeugt Euch davon auf dem neuen Album, aber am besten Live. Denn wir sind immer noch eine Live Band, die dort den besten Sound hat.
Ihr habt euch vom Deutschrock immer weiter hin zu metallischeren Sounds orientiert. Wer sind Eure größten musikalischen Einflüsse? Textlich sicherlich die Böhsen Onkelz (was wohl daran liegt das ihr ähnliche Themen verarbeitet), aber ich für meinen Teil höre auch Einflüsse von zB. Motörhead (Sound) raus.
Was zählt zu Deutschrock? Dass wir deutsch singen und Gitarren benutzen? Maffay oder Grönemeyer sind Deutschrock. Wir haben noch nie in eine Schublade gepasst denke ich. Die meissten Kids pissen sich in die Hose, sobald wir den ersten Akkord anspielen. Das war schon immer so. Mit dem neuen Album bewegen wir uns einfach mehr in den Metalbereich, das stimmt. Aber nicht weil es geplant war/ist. Wir haben uns einfach nur wieder weiter entwickelt.
Und der Vergleich mit den Onkelz kommt ja immer wenn man deutsch singt und etwas aus dem Leben mit rein bringt. Aufgewachsen sind wir alle mit Metal und Hardcore. Manowar, Helloween, Iced Earth, Tristania, Pro Pain, Rykers und viele viele mehr. Und natürlich auch die Onkelz. Das war die erste Band wo man was verstanden hat mit 12/13 Jahren. Tote Hosen, Ärzte ebenfalls alles Bands aus der Jugend. Aber wurden mir persönlich dann zu „lasch“. Da fehlte mir die Power. Ich komme aus Berlin. Problembezirk und mehr joggen zur Schule als gemütlich laufen. Und ich war noch auf einer Schule, wo NICHT jeden Tag einer abgestochen wurde. Einflüsse gibt es verdammt viele. Was „neues“ an Musik kann man doch eh nicht mehr machen. Es gab alles schon mal. Wir verpacken es halt in „unseren“ Sound. Und durch Linus an den Drums, Matze/Stefan mit seinen harten Riffs, Costa mit seiner Ausstrahlung am Bass und meiner Stimme, haben wir mittlerweile was Eigenes geschaffen. Man erkennt unseren Stil. Und das macht einen natürlich schon etwas stolz. Warum auch nicht. Es gibt nichts Größeres für einen Musiker, als auf der Bühne zu stehen und Menschen singen „DEINE EIGENE“ Mucke mit. Bekomm schon beim dran denken wieder Gänsehaut. Die Liebe zur Musik eben. Keine gestellte Scheiße oder vorgegebener Dreck! Wir sind wir. Berserker eben.
Von Dir stammen alle Texte des Albums, oder Du bist zumindest an allen beteiligt. Die Songs klingen ziemlich persönlich. Verarbeitest du nur reale Themen, sprich selbst erlebtes, oder sind auch Phantasie-Texte dabei?
Ja die Texte sind alle von mir und teilweise in Zusammenarbeit mit meinen Brüdern. Zu 99% alles real gelebt und geatmet. Ich kann nicht von irgendwas singen, was ich mir ausdenke. Das wirkt nicht authentisch in meinen Augen. Live steiger ich mich teilweise so heftig hinein, dass ich fast kotzen muss, da ich keine Luft mehr bekomme oder mich zu sehr verausgabe. Aber das ist Rock´n Roll!
Natürlich bin ich kein Henker und auch nicht sein Gehilfe. Genauso wenig ein Rockstar oder der Tod selbst. Das sind Themen die mit Ironie angegangen werden. Auch wenn nicht jeder diese Ironie oder Sarkasmus versteht. Aber Songs wie „Was uns bewegt“ oder Kein Blick zurück“, „Die Würde der Menschheit“ usw… SIND das Leben. Die kann ich mir nicht ausdenken. Die verewigen sich von alleine auf dem Blatt Papier vor mir, sobald ich den Song schreibe. So entstehen von Anfang an unsere Songs. Mein/unser Leben schreibt sie…
Ich persönlich finde es auch besser wenn in den Texten persönliche Erfahrungen usw. verarbeitet werden. Man merkt das Eurer Musik deutlich an, dass euch das Vorgetragene nahe geht. Man spürt die Wut, Energie und Kraft. Gibt es dadurch live eher eine aufbauende Stimmung nach dem Motto “den Arsch hochbekommen” oder eher eine Aggressive Stimmung? Du sprachst vorhin von Schlägereien auf früheren Konzerten?!
Aggressiv im positiven Sinne würde ich sagen. Die Schlägereien früher, waren andere Auslöser, die dem braunen Lager zu zuordnen waren. Da wussten die Leute noch nicht, wie wir auf solche Spinner reagieren. Hat sich zum Glück schon lange geändert.
Heute wie gesagt positive „Gewalt“. Die Leute wollen sich Ihren Frust weg Pogen. Einfach die Sau raus lassen. Die Arbeit unter der Woche vergessen, den Chef sozusagen vor sich sehen und einfach weg latten mit all seiner Wut. Das muss sein, das hilft. Wie ein Ventil. Das war schon immer auf Konzerten so. Bei denen, wo ich jedenfalls hingegangen bin als Jugendlicher. Es ist ein geiles Gefühl die Meute vor sich zu sehen, wie sie voller Elan und Power Deine Songs mitsingt. Bekomm schon nen Steifen wenn ich nur dran denke!
Ich hatte bisher leider noch nicht das Vergnügen Euch leibhaftig auf der Bühne sehen zu können (werde es aber in Oberhausen im März nachholen). Ihr habt euch in den Jahren eine treue Fan-Basis erspielt, macht es Dich stolz sowas zu erleben und zu wissen, dass es Leute gibt, denen Eure Songs/ Deine Texte nahe gehen und viel bedeuten?
Auf jeden Fall. Wie eben schon beschrieben. Welchen Musiker lässt es kalt, wenn die eigenen Texte mitgesungen werden bis zur Extase? Ich glaub derjenige sollte mit der Musik aufhören.
Du wirst begeistert sein in Oberhausen. Es wird Dich mitreißen! Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben. Allein schon auf die Bühne zu gehen, dieses Kribbeln im Bauch in den Beinen… Unbeschreiblich. Wenn ich dieses Gefühl nicht mehr haben sollte, es also nur noch Routine ist für mich auf die Bühne zu gehen, dann höre ich auf. Das habe ich mir geschworen! Denn nach 11 Jahren, hab ich immer noch vor jedem Gig dieses Gefühl. Adrenalin pur und das soll niemals aufhören, wenn ich es mir wünschen kann!
Ihr habt alle noch einen Job und betreibt die Band nebenher!? Wie sollte es im Idealfall mit Berserker weitergehen, habt ihr besondere Ziele für die Zukunft? Orte/Hallen wo Ihr gerne spielen würdet?
Ziele für die Zukunft und Planen kann man sowas nicht. Wir nehmen was kommt. Natürlich wäre es geil, mit dem was man am meisten liebt, sein Geld zu verdienen. Wer würde das nicht wollen? Aber nicht mit einem 3 Jahres Plan wie, was und wann geschehen soll. Wir haben uns alles selbst erarbeitet in diesen 11 Jahren. Haben wie gesagt alles so genommen wie es kam. Und unsere Zeit wird kommen. Das wissen wir von Anfang an. Nur wann steht noch in der Zukunft. Aber mit der Reinkarnation, sind wir einen großen Schritt weiter gekommen. Denk an meine Worte am Ende des Jahres 2012…
Letzte Frage, gibt es Bands mit denen Ihr unbedingt mal die Bühne teilen wollt?
Wünsche und Träume hat wohl jeder. Da wir alle aus dem Metal Bereich kommen… Na klar: Lemmy mit Motörhead, Hetfield mit Metallica, Mike Ness mit Social Distortion usw. Johnny Cash zu Lebzeiten, Elvis Presley, Rio Reiser, die Legenden…
Kann ich unendlich weiter führen…
Ich danke für deine Zeit um dieses Interview zu machen, wünsche Dir Gesundheitlich schnelle und vollste Genesung und Euch alles gute für die Zukunft . Gibt es noch etwas was du zum Abschluss hier sagen möchtest?
Ebenfalls ein Danke für das Interesse an uns. Die Reinkarnation wird auch Dich/Euch befallen und mitreißen. Wir sehen uns ab März 2012 auf Tour. Wo genau erfahrt ihr hier:
www.berserker-berlin.de
www.facebook.com/berserkerberlin.staybrutal
Besten Dank und Stay Brutal
Schröder und Berserker
Dieses Interview führte “Domme”
KALTFRONT, die Dresdener Punkinstitution, tourt seit 2005 wieder durch die Clubs des Landes. Das war längst fällig, aber zu jeder guten Reunion gehört, aus meiner Sicht, auch eine richtig gute neue Platte. Und ja, von einer neuen LP wurde schon vor einiger Zeit gesprochen, aber dann hörte man lange Zeit gar nichts mehr … Ich hatte schon die Hoffnung ad acta gelegt. Doch dann im Dezember wurde die Releaseparty zur Platte angekündigt. Das Konzert in der “Scheune” war erstklassig. Und auch das Album “Zwischen allen Fronten” lässt keine Wünsche offen und bietet richtig guten hitlastigen PunkRock. Keinen überflüssigen Schnellschuss, den sich Alt-Punkbands regelmäßig im Reunionüberschwang leisten. Ich befragte Bassist Jörg zur neuen Platte und erhielt erfrischend ehrliche Antworten … aber lest selbst:
Hallo Jörg, erst mal Glückwunsch zur wirklich gelungenen neuen Platte. Aber jetzt mal raus mit der Sprache, in den 80ern habt ihr von 1987- 1990 vier Tapes veröffentlicht. Das ging damals ruckzuck. Für die neue Platte habt ihr seid der Reunion sechs Jahre gebraucht. Bisschen lange oder? Die Platte war immer mal wieder angekündigt worden. Wieso hat es letztlich so lange gedauert?
Vielen Dank. Der Unterschied war, dass wir damals alles im Proberaum zusammen gespielt und direkt aufgenommen haben. Nicht mal der Gesang oder Gitarren-Overdubs wurden nachträglich hinzugefügt. Wenn wir uns verspielt haben, wurde der Song eben noch mal gespielt. Wir waren meist an einem Tag fertig und am nächsten Tag konnte man es schon auf Tape veröffentlichen. Die Aufnahmequalität war aber dementsprechend und musikalisch war auch vieles nur so hingeschludert. Die neue Platte haben wir natürlich in einem richtigen Studio aufgenommen und viel mehr Zeit und Mühe investiert (und viel Kohle natürlich!). Man arbeitet viel länger an den Aufnahmen und das Mischen dauert dann auch seine Zeit. Man kann nicht 15 Lieder an einem Tag mischen. Irgendwann hat man kein Gehör mehr. Dazu kam, dass wir zwischen den einzelnen Aufnahme-Sessions oft monatelang gar nichts dran gemacht haben. Jeder von uns hat noch viele andere zeitintensive Verpflichtungen, da ist es oft schwer auf einen Nenner zu kommen.
Wie waren die ersten Reaktionen nach der Releaseparty, also bezüglich der Platte?
Die CD ist ja erst vor kurzem erschienen. Bis jetzt habe ich noch nicht viele Rückmeldungen. Nach der Releaseparty gab es sehr viel Lob. Auch von Leuten, die immer sehr kritisch sind. Damit hätte ich nicht gerechnet. Aber vielleicht war beim Publikum die Erwartungshaltung nicht sehr hoch.
Na, Na nicht gleich so pessimistisch …
Meine Überhits sind “Geisterstadt”, “Kaltfront” und “Wie ein Fremder”? Was sind deine “Hits”? Gibt es Publikumsfavoriten?
Ich bin da gar nicht aussagefähig. Frag mich mal in einem Jahr. Die letzten Monate musste ich die ganzen Songs so oft anhören, analysieren und bearbeiten, dass sie mir zum Hals raushängen! Es fallen mir immer noch Dinge auf, die man hätte besser machen können. Die ersten Songs haben wir Anfang 2008 aufgenommen. Inzwischen würde ich einige ganz anders spielen. Aber jetzt ist es abgeschlossen. Jetzt geht nichts mehr. Ich bin froh und lass es erst mal sacken. Die Reaktionen des Publikums auf einzelne Songs kann ich nicht einschätzen. Mich erstaunt nur immer wieder, was sich die Leute live so an alten Songs wünschen. Da sind welche dabei, wo es mir kalt den Rücken runter läuft und ich mir wünschte, wir hätten sie nie gespielt, geschweige denn aufgenommen.
Naja, aber es sind sicher auch Songs, die Euch bekannt gemacht haben. Vor allem solche Gassenhauer wie “Rudi” oder “Scheißegal” sind für viele Leute Klassiker. Gerade bei “Rudi” feiern die Leute immer total ab. Selbst punk-unkundige Menschen finden das Lied super.
Das behauptest du jetzt. Gegen die genannten Songs habe ich persönlich auch nichts. Aber Musikgeschmack ist subjektiv. Andere Leute wünschen sich noch ganz andere alte Songs. Manche sogar den Original-80er-Jahre-Probenraum-Sound. Und wieder andere haben von dem alten Kram die Nase voll und wollen nur neue Songs hören. Wir können es nicht allen recht machen. Deshalb machen wir was uns Spaß macht. Ein Teil des Publikums wird sowieso immer was zu meckern haben.
Wer ist denn überhaupt noch von der alten Besetzung dabei?
Blitz (Gitarre) und ich (Bass) sind Gründungsmitglieder und Tom (Gesang) gehörte von 1987-88 zur alten Besetzung. Unser Schlagzeuger Micha ist seit unserer Reunion 2005 dabei. Live unterstützt uns manchmal als zweiter Gitarrist Malo, der fast zwanzig Jahre jünger ist als ich.
Ich kann mich an ein KALTFRONT-Konzert mit Rummelsnuff als Gastsänger erinnern? Der dicke Käptn hat ja schon auf Eurem Reunionkonzert gespielt. Kann man da eine weitere Zusammenarbeit erwarten?
Das soll ja nicht zur Gewohnheit werden. Vielleicht machen wir mal was im Studio zusammen. Aber live lassen wir uns lieber was Neues einfallen, wenn es wieder mal die Gelegenheit gibt, einen Spezialgast zu präsentieren.
Was mir besonders gut an der Platte gefällt, ist dass der Bezug zu den “alten” KALTFRONT musikalisch durchaus vorhanden ist. Trotzdem wirkt sie vom Gesamteindruck zeitgemäß. Irgendwie im “Hier und Jetzt” verankert? War das für Euch wichtig? Ich meine, diese ganze Nostalgiekiste kommt ja auch, gerade beim Ostpunk, gut an.
Es liegt wahrscheinlich daran, dass unser Songwriting und die Art der Texte immer noch ähnlich wie früher sind, aber handwerkliche Fähigkeiten, Instrumente und Technik viel besser geworden sind. Den Ostpunk-Bezug können wir nicht verleugnen. Über dieses Etikett haben uns viele überhaupt erst wahrgenommen. Aber für uns ist es wichtig, dass wir uns davon emanzipieren. Wir wollen keinesfalls in so einem Ostpunk-Revival-Ding stecken bleiben. Das ist doch nichts anderes als dieses unsägliche Ost-ROCK-Revival mit Bands wie Puhdys, City und was weiß ich, wer da noch aus der Gruft geholt wird. Nein, es war nicht alles gut in der DDR…
“Zwischen den Fronten” ist ein guter Albumtitel. Passt auch irgendwie zu eurer Bandgeschichte? Ihr ward/seid weder plakativer Deutsch-Punk aber auch kein introvertierter EA80 Schlaupunk. Irgendwie anders…. Für mich angenehm anders.
Zu dumm für Schlaupunk, aber zu schlau für Dummpunk! Guter Slogan. Aber es geht weniger darum, was für eine Art PUNK wir sind, sondern eher darum, ob wir überhaupt PUNK sind. Exemplarisch war unser Erlebnis beim Force Attack 2010. Einige hatten uns im Vorfeld schon gewarnt und gefragt, ob wir ernsthaft dort spielen wollen. Diese Bedenken haben sich leider bestätigt. Es sollen wohl 8000 Besucher dort gewesen sein, unser Auftritt hat vielleicht fünfzig interessiert (die dann allerdings auch jeden Text mitsingen konnten). Als nach uns die nächste beliebige Oi-Punk-Band gespielt hat, war vor der Bühne wieder alles voll. Ich habe mich dort von Anfang an völlig fehl am Platz gefühlt. Und wenn uns DIESES Publikum genauso gefeiert hätte, wie die anderen Bands, ich glaube ich hätte aufgehört zu spielen und wäre sofort aus der Band ausgestiegen. Wenn man in keine Schublade so richtig reinpasst, wird man von dem ganzen Szene-Volk ignoriert. Die blicken nicht über ihren Tellerrand. Aber damit kann ich gut leben.
Ich höre aus deinen Worten so eine gewisse Distanz zur aktuellen PUNK-Szene raus. Was ist dein momentaner Eindruck? Mir kommt es momentan so vor, als würde alles in kleine Einzelszenen zersplittern.
„Distanz“ ist noch untertrieben. Mich interessiert das nicht. Szene, egal welche, bedeutet musikalische, modische und ideologische Diktatur. Viele, die sich damit nicht voll identifizieren können, zimmern sich ihre persönliche Splitterszene zusammen. Das ist ja grundsätzlich in Ordnung. Aber warum muss man sich so wichtig nehmen und dem auch noch bedeutungsschwangere Namen geben? Der Begriff PUNK dient für mich nur als stilistische Orientierung. Bei dem Wort denke ich immer noch an das, was damals darunter verstanden wurde, als wir angefangen haben PUNK zu machen. Wahrscheinlich ist das nicht mehr aktuell.
Auch auf der neuen Platte reiten wieder `ne Menge Cowboys in den Sonnenuntergang. Woher kommt der Reiz an dieser Westernromantik?
Westernromantik ist es auf keinen Fall. Dann würden wir wertkonservativen Country spielen und Cowboyhüte tragen. Uns fasziniert eher die brutale Trostlosigkeit der Italo-Western, wo alle romantischen Wildwest-Klischees ad absurdum geführt werden.
Soweit ich das mitbekommen habe, tretet ihr meist nur im Großraum Sachsen auf. Gab es auch mal Anfragen von weiter weg oder seid ihr ein rein Ostdeutsches Phänomen? Kann man im Rahmen der Albumveröffentlichung ein paar mehr Konzerte erwarten?
Der größte Teil unseres Publikums lebt im Osten. Manchmal kommen auch Anfragen aus dem Westen, oft von Exil-Ossis, aber der Aufwand und das Risiko sind uns zu groß. Es ist schon ein Unterschied, ob man 150 km fährt oder 500 km. So richtig heiß sind wir nicht darauf, uns die Wochenenden auf den Autobahnen um die Ohren zu schlagen. Aber klar, ab und an müssen wir mal auftreten. Es wird überwiegend im Osten sein. Aber nicht all zu oft. Wir haben anderweitig viel zu tun und wollen auch niemanden auf die Nerven gehen.
Ich danke fürs Interview
Stephan
www.kaltfront-dresden.de
www.eastsiderecords.de
Dieses Interview soll im Februar in der neuen MIND THE GAP Ausgabe (http://de-de.facebook.com/mindthegapfanzine) erscheinen und wurde uns freundlicherweise zur Vorabveröffentlichung Verfügung gestellt, wofür wir uns mehr als Herzlich Bedanken!!!!
Interview mit Ille und Sven von den EMILS „Viel Rumgespringe, scheißegal, wie sich das anhört“
Die EMILS sind zurück! Wer hätte das gedacht? Ich war doch ziemlich überrascht, als ich vor einigen Monaten irgendwo las, dass es die EMILS wieder gibt und die Band Konzerte spielt. So überlegte ich nicht lange und fuhr nach Lübeck ins Treibsand, um mir den ersten Gig der Band seit ihrer Auflösung 1998 anzuschauen. Die Jungs hatten nichts verlernt und es kam mir fast so vor, als ob die EMILS nie weg gewesen wären. Das Set reichte von „Viel zu langsam“, „Dumm-Punk“, „Kirche nein“, „Pass Dich an“ über „Kosaken-Kaffee“ bis zu neueren Songs wie „93“. Das geniale Buttocks-Cover „Nein, nein, nein“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Fetter Sound und man merkte der Band den Spaß an, wieder gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Die EMILS haben einen großen Einfluss auf meine eigene Punkrockentwicklung gehabt, schließlich spielten sie damals auf meinem ersten Punkkonzert mit. Ich war 15 oder 16 und wollte mir damals das Nazis-Raus-Festival in der Markthalle nicht entgehen lassen. Es war das Jahr 1992 und ich tauchte ein in die wundervolle Welt des Punkrock. Auf dem Festival sah ich neben den EMILS noch SLIME und …BUT ALIVE und es war um mich geschehen…grins. Ok, bevor ich weiter abschweife, zurück zu den EMILS. Die Hamburger kamen im März 1985 das erste Mal zusammen. Ihr Debütalbum „We fight together for“ ist längst ein Hardcore-Punkrock-Klassiker und darf eigentlich in keiner Sammlung fehlen. Die EMILS spielen seit jeher Ihre unverwechselbare Mischung aus Punkrock, Hardcore und Metal, die ihnen damals nicht nur in deutschen Fanzines wie dem TRUST gute Kritiken einbrachte, sondern auch in dem amerikanischen Maximum Rock n` Roll und Flipside Magazine. Durch ihre energiegeladenen Liveshows machten sie sich auch über Hamburgs Grenzen hinaus einen Namen in der Szene. In all den Jahren spielten sie Konzerte mit Bands wie NAPALM DEATH, DIE GOLDENEN ZITRONEN, RAZZIA und tourten u.a. mit Attitude aus San Francisco, den heute legendären Gorilla Biscuits aus New York und der britischen Punklegende PETER AND THE TEST TUBE BABIES. WWarum gibt es die EMILS auf einmal wieder? Diese und andere Fragen geisterten bei mir im Kopf rum. So traf ich mich mit Ille (Gesang) und Sven (Bass) zum Interview. Das Ergebnis könnt ihr an dieser Stelle lesen. Interview: Christian Böttjer/Mind the Gap-Fanzine
Christian: Warum gibt es die Emils jetzt wieder, was war ausschlaggebend für Eure Reunion?
Sven: Carsten ist ja glaub ich schon 1994 ausgestiegen. Ich bin dann 1997 raus und 1998 haben sich die Emils dann komplett aufgelöst. Wir haben dann andere Bands gehabt, wo wir mitgemacht haben. Wir haben auch viel um die Ohren gehabt mit Arbeit und Familie und mit allen drum und dran. Dann war vor einigen Jahren schon mal der Gedanke da. Ich hatte Carsten mal gefragt mit dem ich ja noch Musik gemacht habe: “Was meinst Du, wollen wir mit den Emils nochmal was machen?” Er meinte, dass er schon Lust hätte. Dann habe ich mal Ille gefragt. Wir haben ja immer noch Kontakt gehabt mit Ille und Olli. Die waren aber erst etwas ablehnend. Nach ein paar Jahren haben wir dann gesagt, “Ok, probieren wir das einfach mal wieder so ein paar alte Songs mal live zu spielen, aber ohne Hintergrund ein neues Album zu machen.
Christian: Habt Ihr Euch also einfach mal wieder im Proberaum getroffen?
Ille: Getroffen haben wir uns eigentlich das erste Mal wieder im Übungsraum in dieser Besetzung, als wir den Song für den Slime-Tribute-Sampler aufgenommen haben. Sven kam dann auf die Idee, ob das nicht mal wieder was wäre, dass wir was zusammen machen. Wir haben auch gleich den Hintergedanken gehabt, nichts neues, den alten Kram und wirklich auch nur ausgewählte Konzerte. Wir haben keinen Bock auf solche Ochsentouren, das wieder alles durchzuziehen. Das haben wir alles gehabt.
Christian: Es gibt ja bei vielen Bands diesen typischen Ablauf, neue Platte-Tour etc.?
Ille: Ja, das war ja bei uns früher nicht anders. Das war auch immer Platte-Tour, Platte-Tour, Platte-Tour. Das ist ja auch in unserem Info im Internet zu lesen, das da praktisch so eine Irusion in der Band stattgefunden hat. Wo man sich gedacht hat, wofür macht man das eigentlich? Wo bleibt der Spaß bei der ganzen Sache. Wir haben dann auch eine Auszeit genommen. Nach der „Wer frisst wen“ haben wir wirklich lange Zeit nichts raus gebracht. Dann kam ja total verändert, ganz anderer Stil die „Licht am Horizont“, die ja total anders ist. Das Ausschlaggebende ist einfach, dass wir wieder was zusammen machen wollen.
Christian: Das heißt eine neue Scheibe ist ausgeschlossen oder vielleicht eine Single?
Ille. Das ist ausgeschlossen, ich sag das jetzt einfach mal so. Wir haben noch ein paar alte Aufnahmen, die dann vielleicht mal als Single veröffentlicht werden. Das letzte Demo, was wir mal aufgenommen haben, da sind noch ein paar Lieder drauf, die man noch nicht so kennt, die glaub ich nur auf dem Demo veröffentlicht worden sind.
Christian: Euer erstes Album „We fight together for“ wird ja wieder neu aufgelegt?
Ille: Ja, die soll wieder aufgelegt werden. Im Gespräch waren ja aggressive Punkproduktionen, aber die sind nun abgesprungen. Die erwarten natürlich auch ein Konzept und wir haben einfach kein Konzept. Es gibt kein Konzept, nach dem wir uns richten wollen.
Sven: Ich habe einen guten Kontakt zu Rüdiger von Teenage Rebel Records. Dem habe ich das auch erzählt und der hätte selber auch Interesse daran, was mich selber überrascht hat, dass der die erste EMILS gut findet. Die ist ja doch ziemlich schnell und ein bisschen Metallastig.
Der Captain: Ich wollte gerade sagen, das ist ja doch ganz schönes Geholze.
Sven: Ich habe mich auch total gewundert, aber er meinte, die haben sie damals immer selber gehört, so „Kirche nein“ und „Viel zu langsam“. Das war so eine Partyplatte für die. Das mich selber überrascht.
Ille: Wahrscheinlich war das für die Leute früher Oi (Gelächter).
Sven: Wer weiß, der Vorläufer des Oi. Zu Rüdiger habe ich seit Jahren guten Kontakt und das freut mich auch, wenn das jetzt bei ihm klappt (Anm.: Es hat geklappt).
Christian: Was habt Ihr denn nach der Auflösung der EMILS musikalisch so getrieben?
Ille: Also ich habe nur so Projekte gemacht mit der ersten Hamburger Punkgeneration mit Schwabe, Lui und so. Wir hatten mal eine Sonics-Coverband. Da haben wir ein Konzert gehabt im Marquee. Das war ganz nett. Dann habe ich mit Schwabe noch die Good old boys gemacht, da haben wir ja auf der Möggenkladder gespielt und haben wir einmal noch mit einer anderen Besetzung der Good old boys vor den AVENGERS gespielt im Knust. Danach habe ich nie mehr irgendwas gemacht.
Christian: Was haben die anderen so gemacht?
Sven: Mit Carsten zusammen spiele ich noch bei OHL und Der Fluch. Dann haben wir noch zwei Jahre bei Erosion gespielt. Carsten macht noch Gottkaiser und war bei Stimpy und Sex Machines. Olli hat momentan “Kein Hass da”.
Christian: Wenn wir jetzt nochmal ein bisschen zurück gehen. Was waren wirklich die Gründe, dass Ihr Euch damals aufgelöst habt? Habt Ihr Euch wirklich so ausgelaugt gefühlt mit dem ganzen Touren und so?
Ille: Nein, danach hatten wir uns ja wieder gefangen. Die “Licht am Horizont” ist für uns immer noch eine großartige Platte. Es war einfach so, dass wir schon wieder ein Bandmitglied verloren hatten. Thomas von Rostock Vampyres, der für Sven in die Band gekommen war, wollte aussteigen. Der wollt garkeine Musik mehr machen. Wir hatten innerhalb von drei Jahren einen neuen Drummer, einen neuen Bassisten. Da war für mich der Punkt erreicht und ich wollte einfach nicht mehr. Es ist auch einfach anstrengend, Du musst neue Leute einspielen. Auf den Konzerten ist es halt meistens auch so, dass Du das alte Zeug spielen musst. Das musst Du erstmal wieder einproben. Für mich, der das mittlerweile dann schon seit 13 Jahren spielt dieses Zeug, ist es auch echt nervig. Das war dann ausschlaggebend, dass man dann aufhört und irgendwas anderes macht. Es war schon so, dass man irgendwas anderes machen wollte, aber es kam dann nicht mehr dazu. Ich hatte einfach keine Lust schon wieder ein neues Bandmitglied. Man trat einfach auf der Stelle.
Christian: Habt Ihr eigentlich eine Übersicht über die Verkaufszahlen Eurer Alben? Die “We fight together for” hat sich doch bestimmt am meisten verkauft oder?
Sven: Ja, die erste “We fight together for”. Zuerst gab es die als LP, da war das noch nicht so mit CD, als die rausgekommen ist. Ein, zwei Jahre später gab es die auch als CD. Insgesamt wurden so 17.000 verkauft. Von der “Es geht uns gut” wurden so 14.000-15.000 Exemplare verkauft. Von der “Wer frißt wen” waren es 12.000 verkaufte Alben. Bei der “Licht am Horizont” gab es schon einen leichten Einbruch. Die Zahlen weiß ich auch nicht mehr so ganz genau.
Christian: In den letzten Jahren haben sich im Punkbereich ja so einige alte Bands reformiert wie SLIME und viele andere Bands. Welche Reunions haltet Ihr für gelungen und bei welchen Bands sagt Ihr, das hätten die sich auch lieber sparen können?
Ille: Was ich ganz gut finde und auch gelungen finde, das sind diese ganzen amerikanischen Bands wie Channel 3 und T.S.O.L. Da habe ich mich echt gefreut, dass ich die nochmal sehen konnte. Auch nennen möchte die CRO MAGS mit John Joseph am Gesang. Das ist total geil gewesen. Auch wenn die Musiker andere waren, es war ja keine richtige Reunion. Das waren ja auch bekannte Musiker von SICK OF IT ALL und der Original-Drummer von CRO-MAGS. Das war auch schon ein Erlebnis.
Christian: Gibt es auch eine Band, wo Du mit viel Hoffnung hingegangen bist und dann warst Du total enttäuscht?
Ille: Ne, ich glaube mit Hoffnung darf man auf solche Konzerte nicht gehen. Man muss es dann einfach für den Moment auf sich wirken lassen. Mit Erwartungen darf man auf solche Konzerte nicht gehen. Ich glaube, dann wird man garantiert enttäuscht. Wenn ich gesehen habe in der Fabrik, aber das war keine Reunion, das waren die TOY DOLLS, die waren so großartig. Sensationell. Wenn man Olga sieht, wie der immer noch Gitarre spielt und was der für eine Show hinlegt. Hut ab.
Sven: TOY DOLLS sind überhaupt nicht so mein Ding. Aber die ADDICTS fand ich zum Beispiel sehr gut, auch wenn die nicht so gut bei Euch abgeschnitten haben (Gelächter). Live waren die wirklich gut. Was da Backstage noch so lief, weiß ich auch nicht so genau. Abrasive Wheels vor zwei, drei Wochen fand ich auch richtig geil, obwohl da nur 25 Leute waren im Knust. Ja, wie gesagt Channel 3 und T.S.O.L. waren auch gut. Ja, so richtig schlecht fällt mir jetzt auch nichts ein gerade.
Ille: Du wolltest jetzt bestimmt was zu SLIME hören, ne (Gelächter)?
Sven: SLIME habe ich jetzt noch nicht gesehen.
Ille: Ich habe die jetzt auf dem 100 Jahre St. Pauli-Festival gesehen. Wenn man das früher so als kleiner Punker gesehen hat auf Schulfesten so für 99 Cent, ne Pfennig waren das damals, dann ist das natürlich echt ein Unterschied. Wenn man SLIME heute sieht auf so einer großen Bühne. Aber sollen sie ihr Ding machen, egal.
Sven: Ich habe die sooft gesehen. Also RUBBERSLIME haben mir überhaupt nicht gefallen. Die RUBBERMAIDS fande ich nie gut. RUBBERSLIME haben mir nicht gefallen. Das war mir irgendwie zu lasch und zu lahm. Wenn die mit A.C.A.B. angefangen haben, das fande ich eine Katastrophe. Das war einfach total langsam und keine Power. Jetzt soll es ja richtig gut sein mit SLIME, aber ich habe sie noch nicht gesehen. Ich werde sie mir nochmal angucken.
Christian: Ja, das ist jetzt auf jeden Fall wieder schneller, die alte Geschwindigkeit.
Ille: Man darf auch nicht vergessen, ich glaub der Bassist hat da auch Schwierigkeiten und kann garnicht richtig spielen.
Christian: Und Stephan Mahler wollte ja eigentlich keine Reunion mehr.
Ille. Ja, der hat das alles schon gemacht. Wenn man jetzt mal 30 Jahre zurück guckt, ich weiß nicht die wievielte Reunion das ist, ich glaube die vierte oder fünfte von Slime. Dann ist das natürlich schon so, ja, ok. Aber viele Leute haben sie nicht gesehen und deswegen ist das vielleicht ganz gut. Es ist auf jeden Fall eine wichtige Band.
Sven: Die haben sehr gute Platten gemacht, die ich heute auch immer noch höre.
Christian: Das war damals mein erstes Punkkonzert 1992 in der Markthalle als Ihr mit SLIME und BUT ALIVE in der Markthalle beim “Nazis raus-Festival” gespielt habt. Nagut, was bedeutet für Euch heutzutage noch Punkrock oder anders gefragt, was habt Ihr früher mit Punkrock verbunden und was verbindet Ihr heute damit?
Ille: Also früher war es einfach erstmal nur Spaß, mit gleichgesinnten Freunden Zeit verbringen, scheiße bauen und natürlich leckere Besäufnisse, die dazugehören; Partys. Und natürlich ganz viel Musik. Dieses politische das kam tatsächlich erst später. So 1980 haben wir uns kenengelernt.
Sven: Wir kamen alle von der selben Schule aus Meiendorf.
Christian: Habt Ihr Euch auf der Schule kennengelernt?
Sven: Ja, aber ziemlich spät erst. Wir kamen halt aus Meiendorf aus der Ecke und so kam das alles zuammen. Wir kennen uns wirklich schon seit der Kindheit.
Ille: Es waren früher ganz viele Punker bei uns auf der Schule. Das war echt ein ganzer Haufen. Harms unter anderem und Morrak, der lebt jetzt ja in Edinburg.
Sven. Das waren auf jeden Fall eine Menge Leute, die sind später alle weggezogen. So haben wir zusammen Konzerte besucht und so hing man rum und hat bei mir Partys gefeiert.
Christian: Habt Ihr so eine feste Clique gehabt?
Ille: Die Szenen damals haben sich so auf die Urban-Stadtteile verteilt. Später das alles zusammen kam am Mönckebrunnen, am Jungfernstieg und Spritzenplatz ganz später, das kam erst alles. Da haben sich dann diese Gruppen gebildet, man ist zusammen auf Konzerte und dort auch andere Leute kennengelernt. 1981 auf dem Konzert von den DEAD KENNEDYS in Harburg hat man unheimlich viele Leute kennengelernt. Auch Juz Korachstraße und so, wo die ersten finnischen Bands auftauchten. Die Bergedorf-Punks gab es.
Sven: Ja, die Bergedorf-Punks, die Langenhorner, das war immer alles so Stadtteilmäßig.
Ille. Man hat sich dann abends immer auf den Konzerten irgendwie getroffen und hat da dann auch mal andere Leute kennengelernt. So hat sich das alles vermischt und so wurde die Szene immer größer. Mit dieser ersten Punkgeneration diese 77er Caroviertel, damit hatten wir nie was zutun. Die haben sich ja später abgesplittet. Die sind teilweise nach rechts abgewandert. Da sind ja auch einige von der Hamburger Punkprominenz geblendete Kinder sozusagen, den das heute sichtlich unangenehm ist. Und sie am liebsten heute nicht drauf angesprochen werden. Das sollte man auch nicht machen.
Christian: Na, da sollte ich jetzt mal weiter nachfragen, da machst Du mich jetzt aber ganz schön neugierig…
Ille: Ja, da sind schon so einige Leute, die da Leichen im Keller haben.
Christian. Ah ok, ich merke schon, Du willst keine Namen nennen.
Sven: Ein beliebter Treffpunkt von uns war damals auch das Graffiti in den achtziger Jahren. Da haben wir guten Kontakt zu den Bergedorfer Punks gehabt. Die sind da auch immer hingefahren. Sagt Dir das was, in Poppenbüttel, ein Punkladen. Ich glaube den gab es nur ein Jahr lang.
Ille: Ja, der war nicht lange. Das war eine ganz normale scheiß Diskothek vorher. Der Typ war irgendwie bei den Hells Angels.
Sven: Reiner Ettler. Ille: Genau, der hat unter anderem dieses Magazin gemacht, wie hieß das noch. Sven: Das Gothic-Magazin.
Christian: Zillo. llle: Ja, Zillo, genau, das hat der später gemacht. Der hat diese Diskothek gehabt. Da hat er dann irgendwann gesagt, er macht jetzt Punkrock. Es war auch ätzend teilweise, weil er auch Rocker hatte als Türsteher als Ordner. Wenn Du da ne Flasche hast fallen lassen am Eingang, dann gab es gleich einen auf die Fresse. Das waren echt harte Jungs, aber nachher hat er die nicht mehr gehabt.
Sven: Da waren ganz gute Konzerte. Slime haben wir da auch gesehen, Napalm, die TOTEN HOSEN haben da gespielt. Da waren die Hosen noch ganz unbekannt. UK SUBS haben da zwei Tage hintereinander gespielt. Daily Terror. Nach einem Jahr war aber Feierabend, da war der Druck von der Öffentlichkeit zu groß.
Ille: Es gab damals auch eine große Demo in der Innenstadt. Der Laden war auch kurzzeitig besetzt, aber den haben die dann irgendwie platt gemacht. Der war auch kurzzeitig besetzt der Laden, aber den haben die dann platt gemacht, so diese Oberpunker Zander und so. Die Bergedorfer Punks haben da ganz viel organisiert, u.a. auch diese Demo. Aber nachher haben die Bullen das einfach platt gemacht und das Ding geräumt. Ich glaube, heute ist da ein Getränkemarkt drin.
Sven: Und eine Videothek, ja, ich fahre da immer noch vorbei und ich denk auch jedes Mal dran.
Christian: Was verbindet Ihr heute noch mit Punkrock? Seid Ihr noch viel unterwegs?
Ille: Für mich persönlich ist das so eine geistige Geschichte. Punkrock hat mir ganz viel gegeben. So wie ich heute bin, meine ganzen Gedankengänge, wie ich mit Menschen umgehe, das kommt alles vom Punkrock. Ich glaube, das ist einfach eine positive Entwicklung gewesen für mich.
Christian: Punkrock hat Dir also in Deiner Entwicklung geholfen.
Ille: Ja, auf jeden Fall und ich fühle auch echt immer noch so. Ich bin Punkrocker, auch wenn ich vielleicht nicht so aussehe. Ich kann mit 45 Jahren auch nicht mehr so rumrennen. Mit 40 habe ich es noch gemacht mit den hochstehenden Haaren und gefärbte Haare. Dazu habe ich jetzt einfach keine Lust mehr.
Christian: Und Du Sven?
Sven: Ja, bei mir auch, das tun und lassen, wozu man Bock hat. Das war schon immer mein Motto. Die Musik ist natürlich auch ein ganz großer Punkt.
Christian: Was macht Ihr so außer Musik im normalen Leben so jobmäßig?
Sven: Ich bin Maurermeister und arbeite in einem Familienbetrieb.
Ille: Ich arbeite mit straffällig gewordenen Jugendlichen zusammen.
Christian: Das ist ja auch nicht ganz einfach oder?
Ille: Das ist die Klientel, die man teilweise selber mal war.
Christian: Was machen die anderen?
Ille: Olli arbeitet im Knust als Mischer und Carsten ist auch Veranstaltungstechniker/Lichtmischer in Elmshorn.
Christian: Könnt Ihr Euch noch an Eure erste Erinnerung mit Punkrock erinnern? Habt Ihr da mal ein Tape bekommen oder wie kann ich mir das vorstellen?
Sven: Im Radio, bei NDR2 gab es immer nachmittags Musik für junge Leute. Ich war früher bei den Pfadfindern, also richtig Pfadfinder und nicht so ne Wikingjugend oder so. Das muss ich auch erstmal sagen.
Ille: War das nicht die Hitlerjugend (Gelächter).
Sven: Der Gruppenleiter hat sowas auch schon gehört und dann hab ich ein paar Sachen von ihm bekommen.
Christian: Pfadfinder als Einstieg zum Punkrock, nicht schlecht.
Sven: Ja, so ungefähr. Mein erstes Konzert weiß ich noch ganz genau, da habe ich auch noch die Karte. Das waren BUZZCOKS im Januar 1981 in der Markthalle. Das war mein erstes Punkkonzert. Das wurde auch vom Rockpalast aufgezeichnet. Ich glaube, das gibt es auch auf DVD zu kaufen.
Christian: Was war so Deine erste Scheibe, die Du hattest?
Sven: Das war die erste Scheibe von CLASH. Die zweite war glaub ich 999 und dann PLASMATICS.
Christian: Ille, wie war das bei Dir, kannst Du Dich noch dran erinnern?
Ille: Mein erstes großes Konzert war auch Markthalle UK SUBS, das müsste 1980 gewesen sein. Ich hatte damals Leute in Volksdorf/Bargstedt kennengelernt. Da gab es immer so ne Disco, Freitagsfete nannte sich das immer und da haben sie Punkrock gespielt. Da kam man dann in Kontakt auch mit der Musik, die damals gespielt wurde. Es war halt noch viel 77er-Kram. Dann bin ich mit den Leuten in die Markthalle, weil wir gehört haben, dass UK SUBS spielen. Wir hatten gar keine Karten. Wir waren damals 14. Wir hatten gar kein Geld, um rein zu kommen. Das geile war dann, dass dieses Konzert dann echt gestürmt wurde.
Christian: Und Ihr mittendrin.
Ille: Ja, wir waren mittendrin im Pulk und sind mit rein gespült worden. Es war draußen auch echt eine tierische Masse an Leuten. So haben wir UK SUBS gesehen. Das war total geil.
Christian: Und heute gibt es die SUBS immer noch.
Ille: Der junge Nicki Garrat an der Gitarre, das ist schon geil gewesen. Der ist ja heute noch sehr fit. Das waren natürlich die, die früher schon härteren Punkrock gespielt haben. Da ging es ja gerade so los, dass es sich abgespalten hat von dieser 77er Geschichte. Da gab es Bands, die dann auch mal härteren Sound gespielt haben.
Christian: Was war so Deine erste Scheibe?
Ille: Tatsächlich ganz klassisch Sex Pistols: Never mind the bollocks, die amerikanische Pressung. Die habe ich irgendwo mal gekauft. Die ist nicht gelb, ich glaub grün vorne.
Christian: Wenn wir jetzt gerade so über Konzerte gesprochen haben, könnt Ihr Euch noch an Euer erstes Konzert mit den EMILS erinnern?
Sven: In der Hafenstraße in der Volksküche da war unser erstes Konzert.
Ille: Da gibt es sogar noch ein Demo von. Das Datum kann ich Dir auch sagen, wenn ich mal eben nachgucke.
Christian: Was war in den Jahren so Euer geilstes Konzert mit den EMILS? Ihr seid ja auch viel getourt, habt Ihr da vielleicht eine Anekdote?
Ille: Eins war natürlich das Konzert im Millerntor-Stadion. Das war unser größter Gig. Ich glaube, 1991 müsste das gewesen sein dieses Viva St. Pauli-Festival. Das war eine geile Veranstaltung, nicht dass wir jetzt besonders geil waren.
Sven: 10.000 Leute waren da.
Ille: SLIME haben dort auch gespielt und 10.000 Leute singen “Deutschland verrecke”, es regnet und das Flutlicht ist an. Das war schon echt Gänsehaut. Das war schon ein Erlebnis, mal vor sovielen Leuten zu spielen.
Christian: Ihr seid ja auch mit GORILLA BISCUITS und PETER AND THE TEST TUBE BABIES getourt. Habt Ihr da noch gute Erinnerungen dran?
Sven: Die erste Tour mit Attitude als die Platte draußen war, war ganz witzig, aber auch hart. Wir hatten einen Ford Transit, den ich mir mal gekauft habe. Wie lange war die Tour, 5-6 Wochen?
Ille: Ja, die war ziemlich lang und dann auch mitten im Dezember. Das war echt eine harte Tour. Unsere Platte war noch nicht draußen und uns kannte noch keiner, eher ganz wenig Leute. Die Platte war aber unten auf dem Plakat schon abgebildet mit “demnächst”. Eigentlich war es so geplant, das die vor der Tour raus kommt, aber es hat natürlich mal wieder nicht geklappt aus irgendwelchen Gründen. ATTITUDE sind halt amerikanische Leute gewesen, die ihren Drummer ziemlich schlecht behandelt haben, der dann später auch bei uns mitgefahren ist. Das war ein netter Bursche. Das geile war ja, die kamen aus San Francisco und die hatten noch nie Schnee gesehen. Und dann war auf einmal dieses Ding “Schnee”. I never saw snow (Gelächter).
Sven: Dann haben sie auch erzählt bekommen, nimm mal Klopapier mit nach Deutschland, da gibt es keins, irgendwie sowas, solche Dinger. Wir mussten dann, wenn man nach Berlin will durch die ehemalige DDR fahren. Da haben die dann immer “Fuck Kommunisten”, “Fuck Kommunisten” genuschelt. Die kannten das auch irgendwie nicht.
Christian: Das war also voll der Kulturschock für die?
Ille: Wenn man dann in nicht so kommerzialen Hallen gespielt, sondern in so autonomen, besetzten Geschichten, das war für die auch echt schwierig.
Christian: Die nächste Frage ist echt ein alter Hut, aber wenn ich Euch schon interviewe, wer hat die Idee zu SLIME rückwärts gehabt?
Ille: Olli unser Gitarrist hatte die Idee dazu.
Sven: Das war bei einer Party von mir. Wir haben getrunken und Musik gemacht. Ich hätte diverse Konzertplakate an der Wand, u.a. auch ein SLIME-Plakat. Dann hat er das irgendwie besoffen rückwärts gelesen. Und so hießen wir dann.
Christian: Ihr hattet vorher lange überlegt wegen einem Bandnamen.
Ille: Ja, wir hatten schon angefangen, hatten die ersten Stücke, aber noch keinen Namen. Das fanden wir dann lustig. SLIME hatten sich damals auch gerade aufgelöst zum ersten Mal. Da gab uns dann halt und wir haben uns dann halt gesagt, dann nennen wir uns so, das ist witzig. SLIME sind weg. Viele haben uns ja später vorgeworfen, das sei ein Marketinggag gewesen.
Sven;Clever gemacht.
Ille: Fabsi von den MIMMIS hat mich mal drauf angesprochen beim Force Attack. Ihr seid doch die und so.
Christian: Wie haben denn SLIME drauf reagiert?
Ille: Damals kannten wir sie ja noch nicht persönlich. Die haben wir erst später kennengelernt. Elf, Dicken, die anderen kenne ich jetzt garnicht so. Mahler hat uns glaube ich sogar mal produziert im Soundgarden-Studio. Die haben eigentlich ganz locker reagiert. Die haben uns eigentlich garnicht gefragt. Die haben uns auch keine Schläge angedroht (Gelächter).
Sven: Und auch keine Prozesse angeleiert.
Christian: Irgendwelche arroganten Säcke hätten das vielleicht gemacht.
Sven: Ja, heute wäre es vielleicht anders.
Ille: Heute wäre es garantiert anders. Stell Dir vor, Du würdest RANCID umdrehen und würdest genau das gleiche nehmen. Das würde es wahrscheinlich eine Menge Ärger geben. Damals war es halt anders. Wir hatten ja mal Kontakt zur Plattenfirma von SLIME zu AGR. Walterbach wollte uns mal haben, aber das ist irgendwie nicht zustande gekommen. Wir waren mal einen Tag bei ihn im Büro vor seinen ganzen goldenen Schallplatten (Gelächter). Dann hat er seinen Lakein und den hat er dann mit uns los geschickt, der sollte mit uns was essen gehen. So war es für ihn damit auch erledigt.
Christian: Welcher Emils-Song ist so Euer persönliches Lieblingsstück und warum?
Sven: Also ich finde “Wir müssen draußen bleiben” gut, weil der Song musikalisch richtig nach vorne geht, so richtig metallisch, hart.
Christian: Und Du Ille, hast Du auch einen Favoriten?
Ille. Für mich natürlich textlich als Sänger. Das sind dann auch eher die späteren Sachen. Die anderen sind natürlich Geballer. Man darf auch nicht vergessen, dass wir bei der ersten Platten vielleicht 16, 17 waren, als wir die Texte geschrieben haben. Viele haben ja später auch immer alles mit der ersten Platte verglichen. Die haben auch garnicht mehr auf die Texte gehört bei den anderen Platten, die bei den anderen Platten einfach wesentlich ausgereifter waren und auch besser. Da haben die Leute nicht mehr hingehört. Es war einfach Klischee die erste Platte als Maßstab zu nehmen und zu sagen, das ist alles Abklatsch von SLIME. Für mich ist textlich gesehen ein Favorit “93″. Das Thema behandelt das, was damals in Deutschland los ging. Das ist textlich sicherlich eines der wichtigsten Lieder für mich.
Christian: Da kann ich ja gleich eine Brücke schlagen. Auf den Song wollte ich sowieso eingehen. Wie beurteilt Ihr die Situation jetzt im Jahr 2011?
Ille: Du darfst nicht vergessen, damals war das groß in den Medien durch die Vorfälle in Rostock-Lichtenhagen. Da stürmten 2.000 Leute dieses Asylbewerberheim oder diese Hochhaussiedlung und werfen Molotowcocktails, wo Menschen drinnen sind. Das ging echt durchd die Medien weltweit. Es gibt auch heute noch Brandanschläge auf Asylbewerberheime. Ich habe neulich mal im Internet recherchiert. Es gab am 13. April in Oberhausen einen Anschlag. Da ist niemand zu Schaden gekommen. Man erfährt das halt nicht mehr. Wenn man sich dafür interessiert, dann schon. Ansonsten gibt es keine Berichterstattung mehr darüber. Das ist eigentlich schade. Es ist nachwievor so, das so etwas passiert und das ausländische Leute auf der Straße zusammengeschlagen werden. Es geht ja nicht nur um große Ausschreitungen. Es geht einfach um ausländerfeindliche Übergriffe und Rassismus.
Christian: Könnt Ihr Euch eigentlich noch dran erinnern, wie Ihr an Euer erstes Plattenlabel “We bite” gekommen seid?
Sven: Genau, wir haben damals das Demo gemacht 1987. Das habe ich damals an ganz viele Fanzines verschickt. Das hat auch gute Kritiken bekommen. Ich habe das auch an Plattenfirmen verschickt und We bite haben sich dann mal gemeldet. Die fanden das gut. Ich weiß jetzt garnicht, ob die vorher mal bei einem Konzert von uns waren oder wir bei denen gespielt haben.
Ille: Ne, die waren hier in der Dansdorfstraße im A-Laden. Da kamen die hin und wollten sich die Live-Performance angucken. Die war ja nicht schlecht damals mit viel Rumgespringe und scheißegal, wie sich das anhört. (Gelächter). Egal, ob man sich verspielt.
Christian: Also hauptsache ausflippen auf der Bühne.
Ille: Ja, hauptsache die Performance musste passen zur Musik.
Sven: Beim Publikum kam es auch gut an und dann haben wir es gemacht bei denen.
Ille: Also kein Mensch hätte gedacht, dass das Ding so abschießt.
Christian: Ok, anderes Thema. Schwabe (RAZORS, PHANTASTIX) ist ja gestorben, wie war da so Eure erste Reaktion, als Ihr von seinem Tod erfahren habt? Habt Ihr Kontakt zu Ihm gehabt?
Sven: Also ich habe ihn zwei Wochen bevor er gestorben ist noch bei GBH getroffen. Da hat er mir noch einen Flyer in die Hand gedrückt, da meinte er noch, hier wieder ein Konzert. Ich meinte, klar, da komme ich sowieso vorbei, weil er bei fast jeder Band mitgespielt hat, die spielen sollte. Dann sagte er noch, das ist auch mein 50. Geburtstag. Ich sagte nur, ok, auf jeden Fall. Als das dann passiert ist, hatte ich mit einer anderen Band ein Konzert. Ich habe das dann 3,4 Tage später gehört, dass er die Treppe herunter gestürzt ist. Das ist erst mal ein Schock gewesen, weil man halt auch überhaupt nicht damit gerechnet hat oder so. Das war schon hart.
Christian: Ille, wie war Deine Reaktion?
Ille: Ich habe es morgens als ich vor meinem Laptop saß vor der Arbeit eine Email aus Amerika bekommen, der hat mir das gemailt. Das war aber schon ein paar Tage danach. Ich glaube, das war schon zwei Tage her, dass er gefallen war und sich tödlich verletzt hat.
Der Captain: Hast Du noch Kontakt zu Ihm gehabt?
Ille: Ja, so losen Kontakt, auch durch die Band die wir zusammen hatten (Good old boys). Du kannst jetzt nicht sagen, dass wir die besten Freunde waren. Er war ja echt ein Mensch, der viele Leute zusammen gebracht hat und viel organisiert hat. Er war echt so ein Macher. Das war echt geil. Er hat verschiedenen Leute, auch mit den Good old boys, Leute mit denen er auch musikalisch garnicht so in Kontakt war, dass er mit den Leuten dann mal was macht, das ist wunderbar. Er ist ein wunderbarer Mensch gewesen.
Christian: Ok, kommen wir zurück zu den EMILS. Ihr habt ja seit 2010 Eure Myspace-Seite. Wie kam es dazu, macht das ein Freund von Euch?
Ille: Also ich war ja eigentlich immer dagegen, das es eine Myspaceseite von den EMILS gibt. Kai macht das und der wollte das schon viel früher machen. Es gab halt ein Veto.
Christian: Hat er Dich dann doch mal rumgekriegt in einem schlechten Moment?
Ille: Irgendwann war es mir dann egal. Ich habe immer so meine Schwierigkeiten mit diesen Diensten. Man steckt da irgendwie nicht richtig hinter. Man muss Werbung zulassen, obwohl man es nicht will. Irgendwann habe ich dann gesagt, ja, mach das. Kai ist ein ganz großer Fan der EMILS aus Wolfsburg. Der ist früher schon immer überall auf die Konzerte gekommen in die winzigsten Dörfer im Osten und so. Der ist echt mit Herz und Seele dabei.
Christian: Also richtig ein Diehard-Fan?
Ille: Ja, ich weiß nicht, ob andere Bands sowas haben (Gelächter). Der macht das halt ganz gut. Der macht das mit dem Herzen.
Christian: Was würdet Ihr denn jungen Bands raten, die kein Label und keine Kohle haben?
Sven: Meinst Du jetzt Deine Band?
Christian: Das habe ich so jetzt nicht gesagt (Gelächter). Nagut, gib doch mal ein paar schlaue Ratschläge?
Sven: Ja, fünf Tage die Woche Gitarrenunterricht nehmen (Gelächter). Ne, einfach nur Spaß an der Musik haben und alles locker sehen.
Ille: Arsch abspielen und echt durch die Scheiße gehen.
Christian: Eine Sache ist mir doch noch eingefallen. Sven, ich habe gelesen, dass Du ausgewandert bist?
Sven: Ne, das habe ich mal vorgehabt. Da waren so einige Probleme und da wollte ich eigentlich nach Thailand auswandern. Aber das schwebt immer noch im Hinterkopf, aber das dauert noch ein paar Jahre. Ich wandere nur aus, wenn ich auch finanziellen Hintergrund habe und dann auch von meinen Reserven oder meiner Rente leben kann. Aber das dauert ja noch ein paar Jahre.
Christian: Ok, super, vielen Dank für das Interview!
Die „Scheinproleten“ aus Geseke sind zwar noch absolut frisch im Geschäft, haben aber mit ihrem zwei Track Demo ein cooles Teil aufgenommen.Sollte die Band ihr Ding weiter durchziehen und am Ball bleiben, könnte hier noch was großes entstehen.Ich fühlte Gitarrist Lukas und Basser Santi mal ein wenig auf den Zahn.
Crazy United: Santi,Lukas.Erzählt dochmal, wie es überhaupt zur Gründung der „Scheinproleten“ kam.
Santi:Lukas hat im Januar 2010 unter anderem Namen und in anderer Besetzung angefangen.
Lukas und ich haben uns im Sommer kennengelernt. Nach der ersten Probe war Santi sofort klar:”Der Sänger hat`s nicht drauf!” Lukas hatte vorher schon denselben Gedanken und als dann noch der Drummer absprungen ist, weil die eingeschlagene Musikrichtung nicht seinen Vorstellungen entsprach, beschlossen Lukas und ich, was Neues zu machen. Aus seiner früheren Band („Krawallfreunde“) kannte ich noch Steffen (Sänger) und lud diesen zu einer Probe ein.
Sebastian alias „Wulf“ (Drummer) war ein “Insider-tip” von einem Bekannten.Die erste Probe war dann zum eigentlichen kennenlernen gedacht. Also alles in allem, eine ziemlich ungewöhnliche Bandenstehung.
Crazy United: Wie kamt ihr denn auf den Namen „Scheinproleten“ ?
Lukas: Auf den Namen „Scheinproleten“ kam ich selbst.Eine Freundin und eine Bekannte hatten mal gesagt, dass sie mich für einen “total arroganten Arsch” halten, was alle nur bestätigen können.
Aber bei näheren kennenlernen, war dem dann doch nicht so. Steffen kannten eben diese beiden aus dem Schulbus und sagten so ziemlich dasselbe. Eine andere Bekannte von mir sprach ihn auf Santi an, warum dieser mit mir in einer Band spiele, ich sei doch total eingebildet. So kam ich dann auf den Namen “Scheinproleten”. Da wir nur auf den ersten Blick arrogant und eingebildet wirkten, obwohl wir eigentlich “total lieb” sind.
Crazy United: Ihr habt nun eure erste Demo CD mit zwei Tracks aufgenommen.Erzähl doch mal ein bisschen was zu den Aufnahmen.
Santi: Wir haben auf dem „Emscherkurve 77“ Konzert in Dortmund jemanden kennengelernt, der Hobbymäßig ein Tonstudio betreibt. Zu den Aufnahmen lässt sich sagen, dass der Tag mit amüsierten Gelächter begann, da Wulf noch total benommen von einer durchzechten Nacht war. Das hat sich letzten Endes nicht negativ ausgewirkt.Im Gegenteil: Es klappte besser als erwartet. Insgesamt haben wir 10 Stunden für zwei Songs gebraucht und waren mit dem Ergebnis, dafür dass es unsere erste Aufnahme war, sehr zufrieden.
Crazy United: Eure Songs klingen recht old schoolig.Man erkennt ein paar Onkelz Ansätze mit ner` Prise Oi / Punk.Wo liegen den eure Roots?Und wie schreibt ihr eure Songs?
Lukas: Genau da! Zumal Steffen und Santi in ihrer früheren Band vorzugsweise Onkelz coverten und die Onkelz auch meine absolute Lieblingsband sind. Die “Prise Oi/Punk” kommt von Santi und hat sich praktisch von ihm auf mich übertragen.
Zum Songwriting: Das Songwriting an sich mache ich so gut wie alleine. Zuerst entsteht ein Text, zu dem ich eigentlich immer auch schon eine Melodie im Kopf habe. An diese Melodie füge ich dann das Grundriff der Gitarre an. Damit steht dann das Gerüst des Songs. Der eigentlich schwierige Teil, für mich zumindest, kommt dann erst: Melodien und Soli für die Gitarre finden. Diese sollten ja fett klingen, aber auch das Thema des Songs unterstützen.
Crazy United: Ein Song der CD heißt “Mensch aus Glas” der mir von den Hooks her auch am besten gefällt. Kritisiert ihr damit das Internet, bzw.das heute alles nachvollziehbar ist, was die Menschen so machen?
Lukas:Ganz genau. Mich hat es einfach genervt, das die Leute,vor allem bei Facebook, jeden kleinen Scheiß posten wie: “Herr XY geht jetzt mit seinem Schatzi spazieren” . Aber das gefährliche sind die Perversen. Die, die diese Infos und das, was man sonst noch über sich angibt, nutzen um herauszufinden, wann du wo bist und dir dann auflauern.Beispiele gibt es dafür genug.
Das Lied soll die Leute die es hören, vor allem davor warnen, was passieren kann, bevor es zu spät ist.Es soll aber keineswegs eine Vorschrift o.ä. darstellen.
Crazy United: Habt ihr euch mit dem Demo schon bei diversen Labels beworbe oder habt ihr vor dies zu machen?
Santi:Also bewerben würden wir uns natürlich schon gerne, aber ohne Erfahrung fällt einem es schwer, das richtige zu finden.
Crazy United: Wie sieht es denn mit Live Gigs aus?Seid ihr mit der Band viel unterwegs?
Lukas:Bisher hatten wir zwei Gigs.Der nächste folgt am 3. Dezember in Rietberg. Wir bewerben uns jedoch für alles, was sich bietet.
Crazy United: Iron Maiden oder Metallica?
Lukas und Santi:Einstimmig Metallica!!
Crazy United: Die berühmten letzten Worte gehören wie immer der Band:
Lukas und Santi:Zu den berühmten letzten Worten haben wir ein Zitat aus unserem ersten Song:”WIR sind Scheinproleten, ihr tut uns leid!”
In Anlehnung an das, was andere vielleicht denken mögen.
BICAHUNAS
Interview schriftlich gemacht im November 2011 für Crazy United von Oliver Wacha
Bicahunas , eine Band die aus Witten kommt und die mir auf Ihre LP/CD Release Party am 20.10.2011 im Wageni begeistert haben.
Nein , nicht nur durch die hübsche Sängerin , die eine Power und das gewisse Extra hat , sondern auch Ihre 4 Mitstreiter , die Ihre Instrumente beherschen und alle sichtlich Spaß an der Musik und auch Ihren Auftritt haben/hatten . Diese Band gehört auf die Bühne und dieser Meinung sind wohl auch viele andere. Denn nicht umsonst haben die ” Bicahunas ” , der Name stammt übrigens aus dem Pulp Fiction Film , zahlreiche
Auftritte im ganzen Bundesgebiet .
Die knallige Musik gefällt also nicht nur mir. Auch andere haben gefallen gefunden an der rotzigen Musik , die durch Sängerin Janine , den beiden Gitaristen , die Ausflüge vom Metal erkennen lassen sowie den
Basser und Drumer alles zu einer sehr homogenen Masse verschmelzen , die treibenden und auch kräftigen PankHardcoreMetalCrossoverSchubladeaufundzuMukke spielen , die auch Dich bestimmt interessieren dürfte !
Deswegen ein Interwiev mit der Band und den Hinweis , das die Platte 10 € + Porto kostet. [E-Mail : j-rocks@gmx.de + www.facebook.com/pages/BicahunaS/144655885593307?ref=ts
Sage mir und den Leser erstmal was allgemeines zu Bicahunas.
Wir sind, Jannine(Gesang), Werner (Gitarre), Madame(Gitarre),SkinnyN.(Bass),Olli(Drums)! Ein beklopptes Quintett aus Witten und Umgebung welches sich mit ihrem Debutalbum „ZERSTÖREN&GESTALTEN“(VÖ Oktober’11) zu BicahunaS umbenannt hat, weil wir zuvor, seit März’09 mit einem Bandnamen unterwegs waren(J.& the die Oh’s) der nicht einmal mehr bei klarem Verstand von der Mehrheit richtig ausgesprochen bzw.geschrieben werden konnte ,haben wir ende 09 ein 6track Demo aufgenommen.
Noch mit alter Rhythmusfraktion.(Drum & Bass)
Erzähle uns ein wenig von dieser Platte.Wie lange habt Ihr aufgenommen ? Wie hoch ist die Auflage ?
Ist irgendwas besonderes im Studio vorgefallen ? Waren alle schonmal im Studio ?
Da wir von Anfang an vor hatten unser Debutalbum in Eigenproduktion raus zubringen
war uns von vorne herein klar das wir uns durch die dadurch entstehenden Kosten(LP,CD,Merch) kein professionelles Tonstudio leisten können. Was für uns aber auch kein Problem darstellte, weil wir in unserem Proberaum eine sehr gute Akustik haben und ein Freund von uns, der Bö, das nötige Equipment, sowie Erfahrung in Sachen Bandaufnahmen mitbrachte. Somit hatten wir den Vorteil, dass wir zeitlich nicht so unter
Druck standen, was aber nicht heißt das wir rumgeklüngelt haben. Weil wir alle nur Nachmittags Zeit hatten und den im Wohngebiet liegenden Bunker nur bis 22Uhr für die Aufnahmen nutzen konnten, brauchten wir 14 Tage, was so ungefähr 5-6 Studiotage entspricht. Diese verliefen klassisch: erst die Drums, dann Bass, dann erste und zweite Klampfe, zum Schluß der Gesang und die Chöre. Auf Studioschnickschnack z.B.:
doppelte Gitarren haben wir bewusst verzichtet, damit es auch Live authentisch ist. Somit war nachher auch das Mixen eine Sache von ein paar Tagen. Die Aufnahmen verliefen dementsprechend reibungslos, weil wir alle Studioerfahrung mitbrachten und natürlich keinen langweiligen Klick benutzten.(Der kann einen den letzten Nerv kosten) Ok, zur Auflage: 300LP’s, 500CD’s
Wie ist der Verkauf der Platte/CD ? Ich war erstaunt , als Du mir sagtest , daß die Platten besser weg gehen , was mich sehr gefreut hat . Schallplatten sind und bleiben das bessere Format . Findest Du das auch oder bist Du mehr für CD`s ?
Anfangs wurden mehr Platten als CD’s gekauft, doch mittlerweile ist es mal so mal so. Jannine: Ich kaufe mir nur im Ausnahmefall ne CD, wenn ich heiß hinter ner Aufnahme her bin, die es nicht auf Vinyl gibt! Also 12“, 10“ und 7“ sind auf jeden fall das bessere Format.
Werner: Auf jeden Fall Vinyl!
Spielt Ihr dieses Jahr auf dem Ruhrpott Rodeo ? Wenn nicht , warum macht Ihr das nicht ? :-)
Der " Zwakkelmann " geht auch einfach dahin und spielt . Wenn auch "nur" vor dem RilRec. Plattenstand .
Haben uns mit unserem Album für ’s Rodeo beworben, mal sehen ob Herr Schwers uns beachtet, weil wir ja kein Label oder Management hinter uns haben was uns unterstützt und wir ja auch erst seit März’09 als Band existieren. Natürlich würden wir sofort und ohne auch nur mit der Wimper zu zucken zusagen, ansonsten würd’ ja was mit uns nicht stimmen.
Na, wie der Zwakkelmann einfach vorm Rilrecstand, was würd’ denn da die Security sagen wenn wir unsere Backline da aufbauen und den anderen Bands die Show stehlen…Haha
Ihr habt schon einiges an Konzerten gespielt - Was nervt Euch am meisten und was liebt Ihr ?
Live spielen ist generell das beste was man mit seiner Zeit anfangen kann. Damit kommen wir schon zum nächsten Punkt, wenn das Wörtchen Zeit nicht wäre!
Werner: Da ich im sozialen Dienst tätig bin, gibt es für mich keine Wochenenden und Feiertage und den Schichtplan so hinzubiegen daß das mit den Gigs so klappen kann ist für mich dann das stressigste.
Jannine: Wenn ich der Chauffeur bin und somit das Pack nach Hause transportieren muss.
Madame: Spielen, Spielen, Spielen!...wenn es nach’ nem Auftritt stressig wird, dann ist’s nicht ganz so doll, denn man vergisst leider manchmal wie Geil es grad noch war. Lieben bei der Sache ist, dass man rumkommt, neue Städte, Locations und vor allem die Leute die dahinter stehen kennen lernt, die anderen Bands, das Publikum und immer wieder ein neues Erlebnis hat, was man sich für Geld nicht kaufen kann.
Ach ja, dann sind da ja noch die anschließenden Partys!!
Was war dein peinlichstes Erlebnis als Musiker ?
Jannine: Zwar nicht peinlich aber witzigJ! Hab in einer langen Wartezeit bis zum Auftritt, doch tatsächlich mal vergessen das ich noch auf die Bühne muss…Prost….war der erste Gig…
Werner: Bei der ersten Note im ersten Lied sind zwei Seiten gerissen Madame:Hm…Peinlichkeiten gab es nicht wirklich! Das was Werner hatte ist mir auch schon mal passiert…nur dreimalJerst meine Gitarre, dann die Ersatzklampfe vom Kollegen..und dann noch mal die von der anderen Band! Haha doch war lustig!
Was steht so in den nächsten 6 Monaten so an ?
So viel es geht Live spielen und gute Songs für das nächste Album schreiben!
Was war deine erste gekaufte Platte / besuchtes Konzert und zuletzt gekaufte Platte / zuletzt besuchtes Konzert ?
Jannine: Extrabreit, Welch ein Land!! Was für Männer war meine erste Schallplatte!
Erste Konzerte auf denen ich war kamen aus meinem Freundeskreis, wie z.B. The Fake….aus Ibbenbüren, dort lebte ich auch seit meinem 7.Lebensjahr.
Meine zuletzt gekaufte Schallplatte war unter anderem die Volxverätzung 10“ und die Hysterese die ich erfreulicherweise am 3.Dezember im AZ Mülheim sehen werde…
Madame:1.Konzert:Die Toten Hosen + 1.Platte: hui buh das Schlossgespenst
Werner: Mit 8 Jahren hab ich mir unter Beaufsichtigung meiner Mutter von meinem ersparten Taschengeld“The Visitors“ von ABBA gekauft, man war ich stolz!
Die zuletzt gekaufte:Attitude Adjustment“No way back“.Mein erstes Konzert Depeche Mode auf der Black Celebration Tour.
Werner + Jannine: Zuletzt besuchte Konzert Eisenpimmel, Chefdenker …oder?
War 2011 ein gutes Jahr für Euch ? Nächstes Jahr geht ja die Welt unter . Weißt Du , wann genau ? Gebt Ihr dann einen letzten Gig ?
So’n Quatsch die Welt ist doch schon am untergehen, so lange es Strom gibt spielen wir weiter!
Würdet Ihr bei Günther Jauch mit machen ?
Nö! Erst gegen so’ ne Scheisse, diesem System, Kapitalisten wettern und dann…dahin…neee!
Was wollt Ihr zerstören ? Was gestalten ?
Zerstören: Den Glauben an eine heile Welt!
Gestalten: Eine neue Welt in der jeder tun und lassen kann was er will ohne die Freiheit anderer zu beeinträchtigen(Ihr wisst was das ist!!)…was wohl niemals passieren wird…
Macht ihr bei Occupy mit? Wenn ja wie?
Jannine: Ich finde es super, dass ne Menge Treffen stattfinden wo Leute sich organisieren,
aber ich selbst teile/verbreite nur manchmal nen Link in denen es um Demonstrationen und treffen geht.
Werner, Madame: Machen da nix… bis jetzt zumindest.
Als Jannine und Werner bei mir waren, habe ich kurz das Thema “Punk und Nagel im Kopp“ angesprochen. Ich glaube, Ihr wusstet nicht, was ich gemeint habe. Nun auch für die anderen3-glaubt ihr auch, dass einige “zwangsläufig“ zum Punk hingefunden haben, weil irgendwelche Defizite in ihrer Kindheit stattgefunden haben, mit denen sie überfordert waren oder irgendwas“ gesucht“ haben? Wie seht ihr das? Viele mit denen ich sprach sehen das auch so und fanden das seht interessant!
Jannine: Wenn einem durch Defizite klar wird, daß eigentlich die Gesellschaft den Nagel im Kopp hat, ist das im Grunde betrachtet ja sogar positiv.
Letzt endlich bedeutet das ja tatsächlich einen Schutz davor bei dieser ganzen Scheiße mit zu machen.
Werner: Bei vielen trifft das bestimmt zu mit den Defiziten in der Kindheit zu aber bei den meisten die ich kenne bestimmten die politischen Ansichten, sowie Spaß am Leben, ja halt anders zu sein als die Schafherde.
Madame: Das seh’ ich auf jeden fall auch so bzw. ist’s auch meine Erfahrung das viele die sich nen Iro schneiden einfach in der „normalen“ Welt nicht klar kamen oder zuhause derbe Probleme hatten/haben oder auch manche den Gedankensatz haben das sie eh nix Wert sind und sich dann auch ruhig nen Iro schneiden können und sich dann vor’ m Bahnhof setzen und
Schnorren! Na ja ist das Punk ??? nein!!! Ich bin’s weil ich weiß das ich anders bin und was anderes will als der Rest der da sonst so rum läuft.. und da bin ich stolz drauf und nicht weil mich das Elend zuhause dahin gedrängt hat! usw. usw.
Finde ich auch eine sehr interessante Frage: Was meint Ihr, warum sich viele Punks von früher zum Skin “mutiert“ sind?
Jannine: Kann ich nicht nachvollziehen…waren der oder diejenigen Punks????.
Werner: Keine Ahnung, die Punks die ich von früher kenne sind alle noch Punks.
Madame: Vielleicht aus dem Grund den ich grad in 14 ansprach…weil sie keinen Bock drauf haben das sich viele als Punk bezeichnen obwohl sie im Endeffekt nur Schnorrer mit Iro sind! Könnte ein Grund sein….
Ihr spielt viele Gigs. Macht Ihr das alle für Sprit? (Tank+Kehle) Wollt ihr kein Geld nehmen/Haben?
In erster Linie zählt der Spaß an der Sache und wir sind froh darüber viele Gigs spielen zu können um unsere Platte zu promoten. Bisher hatten wir mit den Veranstaltern Glück, dass sie so fair waren und uns immer einen Anteil aus ihrem Pott zusätzlich zum Sprit überlassen haben. Noch machen wir deren Laden mit unserem Namen ja nicht voll. Das passt schon…Reich werden ist voll doof…Hahaha
Wenn man sich die Begebenheiten hier in Deutschland anschaut, ist da nicht einiges übertrieben, wenn Punks sagen, hier sei es scheiße? Hier kann man nicht frei Leben, die Menschen seien Arm etc.? Mir fällt da gerade ein guter Satz von „Rasta Knast“ ein, als die das erste mal in Brasilien auf Tour waren und Sinngemäß sagten: „Wenn man das Elend hier in Brasilien sieht, ist es lächerlich, über was sich deutsche Punks aufregen!“
Jannine: Wenn man solche Vergleiche zieht stimmt das schon. Hab Kumpelpunks in Brasilien die auch Mucke machen und Angst in Sao Paulo in ihrer Favela haben, von den Bullen während der Probe erschossen zu werden. Ohne die katastrophaleren Dinge in Vergleich zu ziehen ist es hier natürlich Scheiße, auch hier wird Diskriminiert, Leute von den Bullen verprügelt, wie z.B. auf den Demos gegen (Castor Transporte)etc…
Werner: Ich schließ mich dem an.
Madame: Das stimmt schon…aber wo soll man versuchen was anders zu machen als vor der eigenen Tür! Und nur weil’s anderen noch schlechter geht heißt das ja nicht das hier alles super läuft! Und Froh bin ich schon hier geboren worden zu sein…aber trotzdem scheiß ich drauf!!!
Ihr macht ja alles im D.I.Y. Verfahren . Was meint Ihr , hat das für Vorteile ? Lernt man einiges daraus ?
Der Vorteil ist das einem keiner rein reden kann und man lernt ne Menge dazu, weil man sein eigenes Label, Vertrieb, Bookingagentur, Grafikabteilung, Management, Studio …ist. Nachteil: Zeitaufwändig und stressig
Wie entstehen die Texte und Musik bei Euch ? Hat da jeder seinen Part oder wie läuft das ab ?
Bis Du nicht auch der meinung , daß wenn man ehrlich ist teilweise der Gesang auchg blos das 5. Instrument ist ?
Jannine: Die Texte schreib ich alle selber, Werner macht die Gitarrenparts dazu und wir alle puzzeln das dann nachher zusammen, wo jeder seinen Senf dann noch dazu gibt. Bei manchen Songs entsteht zuerst der Text, den ich der Band vortrage und sie die Gitarrenriffs unterlegen(Werner: so find ich’s am besten) oder sie hauen mir ein paar Riffs um die Ohren worauf ich den Text schreibe, das gefällt mir am besten.
Jannine: Ja klar! Aber der Gesang ist definitiv im deutschsprachigen Punk das wichtigste Instrument.
Habe ich was vergessen zu fragen , Ihr aber noch unbedingt sagen wollt ?
Fällt uns grad nix ein…außer das wir Bock haben weiter zu machen bis wir irgendwann umfallen
Wie sieht der Traumgig von Euch aus ? [ so von der Location , Bands etc . ]
Jannine: Würd’ gerne mit Joe, Johnny, Deedee und Marky auf Tour gehen…haha
Werner: Würd’ gerne mal mit Motörhead auf Tour gehen…
Madame: Etwas größere Festivals wären mal ne Sache…Ruhrpott Rodeo oder Force Attack zB…aber ansonsten einfach jede Gigs, wo alle ihren Spaß haben sind immer sau Geil!
Seit Ihr für das bedingungslose grundeinkommen ? Wie hoch müsste es sein ? Wäre das nicht unfair gegenüber den Leuten die arbeiten ?
Jannine: Ja klar, find ich super! Wieso sollte das unfair denen Gegenüber sein die arbeiten, die bekommen das ja auch.
Werner: Yo, und die hätten sogar die Möglichkeiten zu sagen, Juchuu gehe nur noch 5Std. am Tag arbeiten!
Madame: Klar!… Na so hoch wie’s grad das Überleben einem vordiktiert! Aber mindestens doppelt bis dreimal so hoch wie Hartz4 Scheisse.. und dann könnte ich endlich aufhören zu malochen!!!
Kontakt : E-Mail : j-rocks@gmx.de
Stell doch einmal bitte die Halbstarken Jungs im Einzelnen vor, wer seid ihr, was macht ihr und wo kommt ihr her oder wo lebt ihr?
Die Halbstarken Jungs sind: Gitarrist Kügi – er ist der einzige von uns der einen richtig bodenständigen Job im Einzelhandel hat, Lead-Gitarrist Marvin befindet sich in der Vorbereitung auf sein Musikstudium, Basti – unser Sänger hat einen guten Job bei einer namhaften IT-Firma abgegriffen, Bassist Pille – gelernter Koch und inzwischen Sous-Chef(?) in einem Sterne-Restaurant in Leipzig und Drummer Sascha der momentan in Halle BVWL studiert. Wir stammen alle aus Gräfenhainichen bzw. den umliegenden Dörfern und kehren auch regelmäßig und nicht zuletzt wegen der Proben dorthin zurück.
Es gibt euch bereits seit knapp 3 Jahren! Was hat sich denn aus eurer Sicht seit der Bandgründung verändert?
In diesen 3 Jahren miteinander hat sich natürlich die persönliche Bindung extrem verstärkt. Wir hängen alle aneinander und können uns „Halbstarke Jungs“ nicht ohne den jeweils anderen vorstellen. Während dieser Zeit haben wir einiges an Bühnenerfahrung zusammen gesammelt und einen guten Teil an musikalischer Entwicklung miteinander durchgemacht. Durch den stets steigenden Bekanntheitsgrad der Band und die Ausweitung der Auftritte mussten wir uns zunehmend mit Themen wie Organisation, Marketing und Finanzen auseinandersetzen. Das alles war für uns immer ein Schritt in Richtung „Musiker-Karriere“.
Am 14.10.2011 kam euer erstes Album raus, wo habt ihr es aufgenommen, wie kam es dazu, wie waren eure Erlebnisse im Studio bei den Aufnahmen, seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden?
Unsere Albumsongs haben wir in Halle/Saale im Studio Null 5 (www.studionull5.de) bei Tino Hohndorf aufgenommen. Erst war eine 5-Track EP als Format angedacht. Nach Gesprächen mit unserem Label Sunny Bastards Films & Music (www.sunnybastards.de) haben wir zwei weitere Songs eingespielt um „Dissonant“ zu einem MiniAlbum machen zu können.Im Studio hatten wir sehr viel Spaß zusammen, ein Satz ist uns im Gedächtnis geblieben: „Der Klick ist gnadenlos!“.
Wir haben dort Professionalität kennen und schätzen gelernt und konnten andererseits auch spontan viele neue Ideen entwickeln und ausbauen was uns enorm viel Freude bereitete.In Tino Hohndorf haben wir einen neuen Freund gewonnen und waren uns ohne Absprachen sofort einig das er garantiert auch in Zukunft der Tontechniker unseres Vertrauens sein wird.
Wie oft probt Ihr und was erlebt ihr so auf euren Konzerten, Reisen und mit wem habt ihr eigentlich bereits schon die Bühne geteilt bzw. welche Feste habt ihr schon gerockt?
Leider schaffen wir es momentan nur einmal pro Woche in kompletter Besetzung zu proben. Berufs-und Studienbedingt hat es uns alle in verschiedene Städte verschlagen. Somit muss ein jeder von uns ein gutes Stück Strecke zurücklegen um zu den Proben zu kommen.
Wir sind in den letzten Jahren sehr viel rumgekommen. Von Mecklenburg Vorpommern bis Baden Württemberg kreuz und quer durch die komplette Republik. Grob überschlagen haben wir einige tausend Kilometer auf Deutschlands Straßen zurückgelegt wobei wir viel Spaß und unzählige schöne Erlebnisse hatten, auch haben wir eine Menge cooler Leute kennen gelernt.
Wir haben einige Supportgigs für Toxpack, Pöbel & Gesock’s, Krawallbrüder, Oxo86, Gumbles, Volxsturm, Dritte Wahl sowie einigen anderen Hochkarätern gespielt. Natürlich spielen wir aber auch sehr gerne eben die kleineren Konzerte in gemütlichen Clubs wo die Bindung zum Publikum einfach viel intensiver ist als bei den größeren Events! Grundsätzlich sind wir aber für jeden Spaß zu haben. Auf Festivals waren wir leider noch nicht allzu oft vertreten, jedoch hoffen wir das sich dies in den nächsten Jahren ändert und uns auch die Veranstalter größerer Festivals mal die Möglichkeit geben bei ihnen zu spielen!
Euer witzigstes bzw. irrstes Erlebnis im Rahmen der Bandgeschichte?
Ohne hier den Namen der Location zu nennen, können wir sagen, dass einer unserer Gitarristen schon mal die ganze Nacht durchgesoffen, und dabei unsere Gage komplett verzecht hat. Wir sind uns nicht sicher aber es könnte sein das wir dort immer noch Schulden haben Die begleichen wir natürlich beim nächsten Gig vor Ort!
Was sind eure weiteren Pläne, die ihr sicher habt, für die Zukunft?
Natürlich haben wir diese. Aktuell versuchen wir unsere neue Scheibe „Dissonant“ noch als Vinyl zu platzieren. Wir stecken mitten in den Planungen der Auftritte für das kommende Jahr. Das Festival unseres Labels “Son of a Bastards – The Ride 2012″ mit einem Knaller Line-Up vom 17.02.-18.02.2012 in der Turbinenhalle Oberhausen ist bereits bestätigt. Wir hoffen weitere Festivals werden folgen. Aus beruflichen Gründen müssen wir die Anzahl der Gigs im ersten Halbjahr 2012 leider sehr gering halten. An neuen Songs wird selbstverständlich weiterhin ständig gearbeitet. Das Studio werden wir voraussichtlich wieder im März des kommenden Jahres entern um einen Track für den Tribute-Sampler „Auch wir sind Dritte Wahl“ aufzunehmen. Ein neues sehr schickes Logo haben wir ebenfalls spendiert bekommen (Riesen Dank dafür an Robert). Das Shirt mit diesem Logo gibt es in schwarz für die Damen und dunkelgrau oder schwarz für die Herren. Ordern könnt ihr das gute Stück ab sofort per Mail an hsj.basti@yahoo.de. Des Weiteren werden in Zukunft nach und nach weitere Merchandise-Artikel von uns erhältlich sein!
Wo findet der Fan euch im Internet, wie kann man euch für Konzerte buchen und wo findet man euren Merchandise?
Unser Fan findet uns natürlich immer wenn er es will im Internet, besucht uns einfach auf unserer offiziellen Facebookseite (www.facebook.com/halbstarkejungs).
Bookinganfragen bitte grundsätzlich an halbstarkejungs@gmx.de . Wir freuen uns über jede Anfrage und schauen was sich dann machen läßt. Also haut in die Tasten und stiftet eure Freunde und die lokalen Clubs an.
Merchandise gibt es in erster Line direkt per Mail bei uns sowie auf Facebook und im Brain-n-Dead Shop (www.brain-n-dead.de)
Pressekontakt: winkler@brain-n-dead.de
Danke für das Gespräch die letzten Worte gehören euch den Halbstarken Jungs…
Wir bedanken uns erst einmal, das wir uns bei euch zu Wort melden durften.
Besonders Danken und herzlichst Grüßen möchten wir an dieser Stelle nun folgende Leute ohne die wir ganz sicher nicht das wären was wir sind: Göran (FotoGraf & Fahrer), Lars (KlugEs Marketing), Tino Hohndorf (Studio Null 5), Carmen & Christian (Sunny Bastards Films & Music) für Ihr Vertrauen, Robert (MCS-Berlin), Schulle (Toxpack) & Matti (Gumbles) für den Support auf „Dissonant“, allen Bands mit denen wir bisher die Bühne teilen durften, sowie allen Veranstaltern die uns die Möglichkeit gaben und geben werden Konzerte zu spielen, natürlich unseren Familien, unseren Supportern und zuletzt unserer festen Halbstarke Jungs-Crew! Leute ihr seid der absolute Wahnsinn!!!
Dieses Interview führte Egulk Onne im November 2011
Ich treffe Matt “Gonzo”Röhr im Rahmen seiner “Blitz und Donner” 2011 in der Turbinenhalle Oberhausen. Auch wenn mir nur gut 12 Minuten für`s Inti bleiben (wenige Minuten später startet bereits die Show) ,nimmt sich Gonzo in Ruhe die Zeit für meine Fragen. Der Ex-Onkel ist absoluter Vollprofi, dabei aber absolut sympathisch, ehrlich und extrem freundlich.
Marcel: Gonzo, dein neues Album heißt “Blitz und Donner”. Sollen sich die Leute nach dem hören wie von “Blitz und Donner” erschlagen fühlen oder was bedeutet der Titel?
Gonzo: (Lacht) Weder noch. Der Titel soll eigentlich Ausdruck von Zorn und Wut sein. Der Titel soll auch auf die Song hinweisen. Das Album und die Songs sind roh und unbelassen. Quasi wie ein Live Album. Das ist die Idee hinter dem Titel.
Marcel: Nach dem Ende der Onkelz hast du ja eine ganz andere Musik gemacht, die nicht wirklich viel mit der alten Richtung zu tun hatte. Wie kam es, das du mit “Blitz und Donner” wieder Back To The Roots gegangen bist?
Gonzo: Ehrlich gesagt haben mich Fans und Freunde darauf angesprochen und zwar eine ganz schön lange Zeit. Mal endlich wieder was auf Deutsch zu machen. Zur Zeit war ich aber gerade mit anderen Sachen unterwegs und hatte da gar keinen Bock drauf. Nachdem sie aber keine Ruhe gegeben haben habe ich gesagt: “O.K, weißt du was? Ich mach jetzt einfach mal 1-2 Songs um zu sehen ob es mir Spaß macht und funktioniert. Und ob es mich kickt. Und wenn es funktioniert, dann kann ich mir es vorstellen das auf Deutsch zu machen .Dann habe ich zwei Songs gemacht. Der eine war direkt “Sekt oder Selters” und es hat totale Laune gebracht und so habe ich gesagt: „Machste jetzt ein ganzes Album auf Deutsch“. Das bringt`s jetzt grad.
Marcel: Du hast ja auf dem neuen Album nicht nur die Gitarre, Bass und Produktion übernommen, sondern auch den Gesang. War dir das von Beginn an klar, das du auch diesesmal wieder den Gesang übernehmen wirst?
Gonzo: Ja, das war so geplant.
Marcel: Du hast mit Michael Ehre und Ferdy Doernberg ja zwei recht bekannte Musiker bei dir in der Band. Wie hast du die Leute ausgewählt bzw. die Band zusammengestellt?
Gonzo: Ferdy kannte ich vorher schon, seid geraumer Zeit. Und zwar seid der letzten Tour mit der ich in Deutschland war. Vor ca. 3-4 Jahren. Da habe ich Ferdy kennengelernt. Ich kannte ihn natürlich als Musiker von Axel Rudi Pell oder Uli John Roth. Über Ferdy kam auch der Kontakt zu Michael zustande. Ich habe auch einen Drummer gesucht der wirklich fit ist, also auch mit Double Bass und diesen ganzen Geschichten. Michael war damals zu der Zeit noch bei Firewind (Griechische Metal Band mit Gus.G an der Gitarre, aktueller Ozzy Osbourne Gitarrist; Anm. Marcel) Und ich hab gesagt: “Michael ich geh auf Tour, hast du nicht Bock mitzukommen”? Leider konnte er nicht, da er mit Firewind in den USA auf Tour war. Und ich sag:”Scheiße” (lacht laut).Ich hatte aber einfach keinen Bock mir nen` anderen Schlagzeuger zu suchen. Zufälligerweise ist er aber dann bei Firewind ausgestiegen und hat mir dann drei Monate später die Tour zugesagt. Ich bin echt froh darüber das ich die Jungs an Bord habe .Es funktioniert hervorragend, es sind super Musiker, das steht natürlich außer Frage und wir haben Spaß. Und wir proben uns gerade schon ein für das nächste Jahr z.b. für Sommer Festivals und den zweiten Teil der Tour.
Marcel: Planst du denn schon möglichst schnell ein neues Album nachzulegen?
Gonzo: Mit den Album Arbeiten wollte ich erst Ende nächsten Jahres beginnen. Wir wollen jetzt erstmal viele Konzerte machen, bis zum Sommer 2012.
Marcel: Eine Frage kann ich dir jetzt aber nicht ersparen. Wirst du heute Abend auch ein paar Onkelz Nummer spielen?
Gonzo: (Lacht erneut).Das ist doch ganz klar. Da habe ich auch lustige Sachen gelesen bevor es auf Tour ging. Als bekannt wurde das ich auch Onkelz Songs spiele,tauchten dann plötzlich so Kommentare auf, wie z.b: “Wie, der spielt jetzt Onkelz Songs”? “Die höre ich mir doch lieber von einer Cover Band an”. Da habe ich mir gedacht: Von dem der die Songs mitgeschrieben hat, wollt ihr die Songs nicht hören? Da geht ihr lieber zu irgendeiner Cover Band und hört euch die Songs da an? Das kommt mir echt ein bisschen komisch vor. Um es kurz zu machen: Es ist ganz klar. Es war eine lange musikalische Karriere und ich muss natürlich Songs, welche ja zu mir gehören, von ganz früher bis heute spielen. Das geht von den Onkelz Sachen, bis hin zu zwei Songs von den Englischen Alben, zwei Instrumental Songs bis hin zur Blitz und Donner Präsentation.
Es gehört aber definitiv dazu. Stell dir vor du würdest auf ein Konzert gehen, von deiner Lieblingsgruppe oder von einem Mitglied deiner Lieblingsgruppe und der würde die alten Songs nicht spielen? Das ist doch unmöglich. Wenn ich dahin gehen würde, und er würde die alten Sachen nicht spielen, sage ich ganz klar: “Was für ein Arsch” (Lacht erneut).
Marcel: Du warst bei den Onkelz ja immer sehr aktiv auf der Bühne. Fühlst du dich durch die Doppel Belastung Gitarre / Gesang nun etwas limitiert?
Gonzo: Das rumlaufen fehlt mir natürlich und die Bühne ist sicher auch ein ganzes Stück kleiner in den Clubs. Da kannst du dann nicht mal eben vom Mikrofon weg gehen. Ich kann mich natürlich schon etwas weniger bewegen.
Marcel: Du hast dein Album ja komplett alleine produziert und komponiert. Könntest du dir vorstellen auch einmal andere Künstler zu produzieren oder für andere Leute Songs zu schreiben?
Gonzo: Ich hab so was ja schon einmal gemacht. Das war dieser Ralley Song ( „Fire & Gasoline“ ,Anm.Marcel) mit Lina van de Mars (Autorin und Schlagzeugerin aus München; Anm.Marcel).Das war ja so eine Auftragsproduktion. Das kam vom deutschen Ralley Bund. Die haben halt angefragt ob man so was machen könnte. Die hatten schon ihre Vorgaben bzw. was sie sich so vorstellen können. Das der Text z.b. auf Englisch sein soll und der Song keine politische Aussage enthalten darf usw usw…Das war wirklich eine Auftragsproduktion, die ich bis jetzt einmal gemacht habe. Das hat auch Spaß gemacht. Eine komplette Produktion mit einer Band kann ich mir jetzt zur Zeit nicht vorstellen. Als Gastmusiker zu spielen schon. Das habe ich letzte Woche auch gemacht, ich darf allerdings noch nicht sagen bei wem. Als Gastmusiker zu spielen das macht Spaß, aber eine komplette Produktion, außer meine, zu machen, da habe ich zur Zeit kein Interesse dran.
Sunny Bastards war so nett und hat uns für Euch 3 CDs zwecks Verlosung zur Verfügung gestellt, wofür wir uns recht Herzlich bedanken.
Um eine dieser drei CDs zu gewinnen braucht ihr nur eine sehr einfache Frage beantworten, die wie folgt lautet:
Welchen Fußball Verein unterstützt die Emscherkurve 77?
Eure Antworten bitte an frank@crazyunited.de mailen. Einsendenschluß ist der 20.11 2011.
Pünktlich zum erscheinen der neuen Emscherkurve 77 CD „Dat Soll Punkrock Sein“, hab ich den Jungs mal die ein oder andere Frage gestellt. Die letzte Scheibe ist Ende 2008, Anfang 2009 erschienen und in dieser Zeit hat sich einiges bei den Ruhrpottlern getan. Umso wichtiger war es mir nicht nur auf das neue Album ein zu gehen, sondern auch die ein oder andere Frage zu Band-internen Dingen zu stellen.
Die Jungs waren sehr redselig und neben allerlei Neuigkeiten aus dem Hause Emscherkurve, habe ich mich auch geoutet das 3. Wahl eine Band ist die komplett an mir vorbei gegangen ist. Hätten mich die Jungs nicht darauf aufmerksam gemacht, wäre mir nicht aufgefallen das sich doch ein Coversong mit aufs Album geschlichen hat. Ich denke das spricht für den eigenen Stil mit dem EK 77 mittlerweile zu Werke gehen. Für mich gehört „Dat Soll Punkrock Sein“ zu eines der besten Emscherkurve Alben und somit war es definitiv an der Zeit mal ein Interview mit ihnen zu machen.
Eigentlich braucht man euch ja nicht mehr vorstellen, ihr sorgt seit 11 Jahren bereits für relaxten Punkrock zwischen Fußball, Ruhrpottromantik und ernsten Themen. Aber trotzdem für neu hinzu gestoßene, stellt euch doch noch einmal kurz vor. Seit wann gibt es euch euch und wer spielt was,bzw. wer hat vorher schon woanders gespielt? Was war damals die treibende Kraft Emscherkurve 77 ins Leben zu rufen?
Daniel: Ja gut du hast ja schon einiges vorweggenommen. Also an den einzelnen Instrumenten haben wir den Alex am Schlagzeug, den Marc am Bass,den Spiller am Gesang und Marcel und Mich an den Gitarren. Ich bin seit 2006 bei Emscherkurve dabei und habe vorher mit Alex und Marc Musik gemacht.
Spiller: Eigentlich wurde das ganze damals als Spassprojekt mit einem RWO Lied, nämlich “Die Macht vom Niederrhein” gegründet. Zu diesem Zeitpunkt konnte auch niemand ahnen, das da mal irgendwann ne ernsthafte Band draus werden wird. Elf Jahre, viele Konzerte und
einige Platten später, sind wir um einiges Schlauer.
Die Split-Vinyls und Mini-Lps mal außen vor gelassen, dann seid ihrjetzt mit eurem dritten kompletten Album am Start. Im Laufe der Jahre hat der Fußball bei euch, meiner Ansicht nach nicht mehr so ganz den Stellenwert wie am Anfang, was ich sehr begrüßenswert finde. Fussball reduziert Musik unter Umständen immer auf einen bestimmten Hörer-Kreis.Fußball ist zwar auch auf der neuen Scheibe mit dabei, aber bewusst habe ich eigentlich nur einen Song bemerkt. Mehr und mehr finden szenerelavante- und auch ernste Themen Einzug wie auf der neuen Platte. Hat sich das einfach so mit der Zeit ergeben oder wie kommt das?
Daniel: Keine Ahnung wie das kommt. Es passiert einfach. Evtl weil man seine eigenen Interessen mehr mit in die Musik mit einbringt. Wir wollen halt nicht nur Fußball- oder aber Partyband sein. Die Emscherkurve ist mehr als das und schon allein deswegen war es wichtig in den Texten andere Themen als nur Fußball zu verarbeiten. Ich denke dennoch das der Fußball generell nicht zu kurz kommt. Und ich für meinen teil bin begeisterter Fußballfan.
Marcel: Das man uns immer mit dem Thema Fußball in Verbindung bringt stimmt natürlich. Ich denke aber auch das wir den Fußball Anteil deutlich runtergeschraubt haben, was aber eher unbewusst passiert ist. Nun war es einfach mal wieder an der Zeit was für den RWO zu machen. Und wie du ja selbst am besten weißt, war der “RWO” Songs ja eigentlich für die Crazy United Crew gedacht, was ja aus Zeitgründen nicht geklappt hat. Und warum sollte man so einen guten Song dann fallen lassen? Wie gesagt, der Fußball gehört zu unseren Wurzeln dazu. Aber wie Daniel schon sagt; EK77 ist viel mehr als Fußball.
Spiller: Ich verstehe nach wie vor nicht warum wir immer in diese Fussball Ecke gedrängt werden. Klar besteht diese Verbindung durch unseren ersten Tonträger und auch durch den Bandnamen. Aber auf ALLEN nachfolgenden Veröffentlichungen haben wir doch wohl mehr als gut bewiesen das man uns nicht nur auf das eine Thema beschränken sollte. Sprich auch da war Fussball dann schon eher Nebensache. Das ist also keine Errungenschaft der neuen Platte.
Louis De Funes hat bei euch auf dem neuen Album einen eigenen Song bekommen. Wer kam auf diese Idee bzw. wer bei euch ist Fan von dem kleinen hektischen Franzosen?
Daniel: Die Idee stammt von Marcel und Spiller. Die Musik hab ich geschrieben und der Text stammt auch von Marcel. Aber Fan sind wir alle. Er
ist einer der größten Humoristen Europas, wenn nicht sogar weltweit gewesen.
Marcel: Genau. Ich habe mit Spiller einen Film von ihm gesehen und dachte mir; der Mann hat einen Song verdient. War eigentlich schon längst
überfällig. Zudem finde ich es schade das Leute wie er, oder Dieter Krebs und Dieter Hallervorden immer in die Blödel Ecke gedrängt werden. Um so etwas zu spielen braucht man verdammt viel Schauspielerisches Talent.
Spiller: Und er wird auch mit Sicherheit nicht der letzte sein, dem wir musikalisch huldigen werden.
Ihr hattet einen kleinen Sängerwechsel zwischen der letzten und der neuen Scheibe. Wie man hören kann habt ihr das sehr gut ausgeglichen. Wieso gab es diesen Wechsel und wer hat den fehlenden Posten von Böhle ersetzt?
Daniel: Es gab im Laufe der Jahre immer wieder Probleme mit Böhle. Mal war es eine Zeit lang ganz ok, aber das war nur temporär. Der letztendliche Grund war seine Rot Weiß Oberhausen Platte, die er ohne unser Wissen geplant und auch aufgenommen hat. Das ist nun erstmal nicht das Problem. Jedoch war sein Plan “Die Macht vom Niederrhein” und somit auch die Emscherkurve beim RWO auszubooten, um selbst die Lorbeeren zu ernten. Es gab aber in der Vergangenheit immer wieder eine Menge Streit zu diversesten Themen. Wir haben uns ganz bewusst nicht nach einem Ersatz umgesehen. Von daher gibts keinen Ersatz. Da Marcel und Ich eh fast alles mitgesungen haben, hat sich auch für uns nicht viel geändert. Dennoch hat die Entwicklung im letzten Jahr dazu geführt, das Spiller und Ich sich den Gesang aufteilen. Das kann man auch bei Songs wie eben “Alles Gute und viel Glück” oder “Zeit bleib stehen” hören.
Marcel: Es sind einfach zu viele Sachen vorgefallen die nicht mehr (er)tragbar waren. Das würde jetzt den Rahmen sprengen. Wäre Böhle nicht
gegangen, wären Daniel und ich ausgestiegen und ob Marc und Alex dann noch geblieben wären ist fraglich. Fakt ist: Die Emscherkurve hat jetzt ihre beste Zeit.
Spiller: Nach der “Lieder aus der Kurve” hat er sich auch völlig aus allem rausgezogen, nur noch sein eigenes Ding verfolgt und rein gar nichts mehr für die Band getan. Selbst an der Coverversion zum Slime Tribute hat er seine Mitarbeit verweigert und so war das bereits der erste Song den wir ohne ihn aufgenommen haben. Er hat uns zuvor über Jahre hinweg mit Ausstieg gedroht und wir haben ihm egal was war und trotz aller Eskapaden immer und immer wieder die Stange gehalten. Irgendwann war aber leider der Punkt erreicht wo es einfach anders nicht mehr ging. Du kannst mir glauben das dieser Schritt kein einfacher war, aber wie man so schön sagt: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!!
Eure neue Platte ist vollgestopft mit eingängigen Melodien die sich schnell im Ohr festsetzen und da verweilen. Ganz zu schweigen davon, dass
sie fast alle auch live absolut Mitgröhl-tauglich sind. Wer schreibt bei euch die Songs und ist für die Ideen verantwortlich?
Daniel: Alle Songs und alle Texte wurden von Marcel und Mir geschrieben.Gemeinsam haben wir unsere ausgearbeiteten Ideen im Proberaum präsentiert und danach gemeinsam entschieden, welche Songs genommen werden und welche nicht.
Marcel: So sieht es aus. Daniel und ich stehen halt auf geile Hooks, egal aus welcher Musik Richtung sie kommen. Und solche Melodien wollen wir dann auch bei EK77 mit unterbringen.
Spiller: Wie man schon beim letzten Album teilweise bemerken konnte ist Daniel, was Mitgröhl-Chöre, melodischen Backgroundgesang oder die zweite Stimme betrifft eine unheimliche Bereicherung bei EK77. Nur durfte er sich damals eben noch nicht so austoben wie er wollte. Beim neuen Album waren Marcel und Daniel dann aber keinerlei Grenzen gesetzt, wie man nun ganz gut hören kann.
Mit „Wir ham den Punk verstanden“ habt ihr einen Song über die bunthaarige Subkultur am Start. Was war der Auslöser für den Song und was bedeutet diese Subkultur für euch?
Daniel: Den Song hab ich gemacht. Die Idee dazu kam mir im Zug, als ich ein Gespräch zwischen ein paar Halbstarken mitbekam. Irgendwie haben Sie im TV was über Punk gesehen und fanden es cool. Es ging darum, welche Klamotten nötig wären um auch Punk zu sein. Mich hat es gestört und zugleich amüsiert, als ich das hörte und hab mich gefragt, was das für arme Würste sein müssen, die sich ausschließlich durch Kleidung einer Subkultur anschließen möchten. Das war letztlich der Anlass für den Song. Für mich ist es so, das mir die Szene an sich nicht so wichtig ist, da ich mein Leben definitiv außerhalb dieser verbringe. Sprich in meinem Alltag spielt das eine untergeordnete Rolle. Dennoch tauche ich für Konzerte auch gerne in diese Szene ein und fühle mich sehr wohl und bin froh das diese besteht.
Ich finde euer neues Album um einiges straighter und geradliniger als noch bei „Lieder aus der Kurve“ was absolut positiv zu werten ist. Mir scheint so als wenn ihr einiges an unnützen Ballast bzw. Spielereien über Bord geworfen und euch dafür mehr auf die Melodien konzentriert habt. Seht ihr das ähnlich?
Daniel: Danke für die Blumen. Ich find aber auch das dieser Schritt notwendig war. Wir wollten nicht die x-te Skanummer machen, weil es eben
zum guten Ton gehört. Wir wollten und haben uns aufs wesentliche konzentriert und uns mehr Gedanken über Songs gemacht als über den Stil
in dem er daher kommen soll. Das ist ein anderer Ansatz als früher. Wir wollten nur Dinge machen zu denen wir 100% stehen ohne Kompromisse. “Dat soll Punkrock sein!?” ist das Resultat.
Marcel: Genau so ist es. Es war einfach an der Zeit den nächsten Schritt zu gehen. Ich bin mit “Lieder aus der Kurve” nicht wirklich zu frieden. Die Platte klingt total zusammengewürfelt und hat keinen roten Faden. Zudem war die Produktion auch sehr schwach. Diese Fehler wollten wir beim neuen Album vermeiden. Und wie Daniel schon sagt: Wir sind eine Punk Band und darauf haben wir uns dieses mal konzentriert. Kein Ska, Keine Schlager oder Gimmicks. Straight auf`n Punkt. Ich denke das wir diese Richtung auch beim nächsten Album weiter ausbauen werden.
Dieses mal ist nicht eine einzige Coverversion vorhanden. Bei der „Lern mal deutsch“-Scheibe habt ihr euch ja damals ausgiebig in dieser Richtung hin ausgetobt. Gibt es noch Bands mit denen ihr so etwas gerne nochmal machen würdet, aber damals nicht die Möglichkeit dazu bestand? Oder war das eine einmalige Sache die man nicht wiederholen sollte?
Daniel: Also wir haben eine Coverversion auf dem Album mit “Zeit bleib stehen” von Dritte Wahl. Mal davon ab, wollten wir so wenig Coversongs
wie möglich machen. Wir wollten zeigen, das wir eine eigenständige Band sind. Vor allem war es uns wichtig keine Gastmusiker zu haben. Das Album sollte zu 100% von uns stammen, ohne namhafte Unterstützung, wie es beispielsweise bei “Lieder aus der Kurve” der Fall war. Dennoch würde ich nichts ausschließen, jedoch glaub ich nicht das nochmal so ein Album wie “Lern ma deutsch” möglich bzw. nötig ist. Außerdem muss eine Wiederholung, von einer guten Sache, nicht zum Erfolg führen. Und eine Wiederholung wird es auch nicht geben. Wir schreiben unsere eigenen Songs und Texte und so soll es auch bleiben.
Marcel: Genau. Es soll jetzt nicht arrogant klingen,aber wir brauchten dieses mal einfach keine Gäste. Klar ist es cool wenn Person XY was geiles
singt oder ein geiles Solo spielt ,aber wir wollten einfach zeigen, das wir sowas auch alleine können-Was natürlich nicht heißt, das es bei EK77 nie wieder Gastmusiker auf einem Album geben wird.
Spiller: Wir hatten schon immer die ein oder andere Coverversion im Programm. Aber das “Lern ma deutsch” Album hat ja auch nur funktioniert da wir zu den jeweiligen Covern auch immer einen oder mehrere Original Band Mitglieder der gecoverten Bands dabei hatten. Ist nichts neues und auch nichts was andere Bands nicht auch schon vor und nach uns gemacht hätten, aber auf unserem Album haben diese Punklegenden dann eben in DEUTSCH gesungen und nicht in ihrer Landessprache. Ich denke was wir damals geschaffen haben kann man nicht toppen, auch wenn es da die ein oder andere Band gibt mit der ich gerne noch mal so einen Song in deutsch aufnehmen würde. Aber wir hatten ja bereits einiges dabei was Rang und Namen hat.
Nochmal zurück zum neuen Album, wer von euch ist „Der Mann für unten rum“ damit die Groupies bescheid wissen an wen sie sich wenden müssen?
Daniel: Das sind wir alle! Nur ist es nicht jedem weiblichem Wesen vergönnt, diese Qualitäten zu genießen, da wir bis auf unseren Drummer
alle vergeben sind.
Marcel: Genau. Also bitte unseren Drummer Alex kontaktieren.
Eure CD ist mit einem Booklet ausgestattet das sich jeder so falten kann das er seinen Lieblings-EK77er auf dem Cover hat. Wie löst ihr das Problem mit der LP oder gibt es da ein anderes nettes Highlight? Buntes Vinyl oder ähnliches?
Marcel: Es wird ne Picture LP geben, wo dann einfach ein Bandfoto drauf ist.
Spiller: Und dazu gibt es noch ein beidseitig bedrucktes A2 Poster mit Texten, etc auf der Rückseite.
Wie geht es nach der Veröffentlichung des Albums in den nächsten Monaten weiter mit der Emscherkurve 77? Steht eine Tour oder ähnliches an?
Daniel: Ums ehrlich zu sagen, keine Ahnung. Wir supporten in 2011 noch bei 3 Kassierer-Shows und spielen noch im Dezember ein Konzert mit Betontod in Rheinberg. Darüber hinaus ist für 2012 einiges angedacht, was aber noch nicht spruchreif ist. Eine richtige Tour ist natürlich das absolute Highlight. Mal sehen ob da was geht. Bock drauf haben wir aber alle.
Spiller: Wir haben schon den ein oder anderen Song in der Mache und schauen dann mal ob wir die für nen neuen Longplayer zusammen sammeln, oder ob wir uns dann mal wieder ne Splitplatte mit ner anderen Band leisten. Ihr werdet es früh genug erfahren.
Bei euch geht es innerhalb der Band sehr „united“ zu Marcel kommt eher aus der Hardcore-Richtung, Daniel scheint die ein oder andere Metal-Scheibe zu mögen und Spiller gehört eindeutig in die Skinheadszene.Gibt es da manchmal Diskussionen bei der musikalischen Umsetzung oder profitiert man als Band eher von den unterschiedlichen Geschmäckern?
Daniel: Also das ist natürlich stark vereinfacht dargestellt. Somit liegst du nicht ganz falsch, aber eben auch nicht ganz richtig, denn ich
komme ganz klar aus dem Punkbereich und habe eine Affinität für Metal. Jedoch war ich nie ein Haarschwein oder Die Hard Metal-Fan, sondern mich hat immer der Punk am meisten beeinflusst. Vor allem Bands wie Descendents, NOFX oder Face to Face. Aber es ist vollkommen richtig, das wir von dieser Vielfalt profitieren. Ich kann mich in der jetzigen Konstellation an keine Diskussion erinnern, wo bsp. gesagt wurde, der Song geht gar nicht, weil der zu sehr nach Hardcore klingt. Es gibt in unserem Schema nur Songs die gut oder schlecht sind.
Marcel: Gerade weil wir alle unterschiedliche Mucke hören tut es der Band gut. Das heißt das viele verschiedene Ideen zusammen kommen und doch nach Emscherkurve klingen. Ich bin mittlerweile offen für alles. Egal ob harte Mucke oder was auch immer.
Spiller: Und Lieder die dann aus irgendeinem Grund gar nicht nach EK77 klingen oder zu uns passen, werden dann eben wieder aus dem Programm geschmissen. Oder auch so abgeändert das sie passen. Da gab es in der Vergangenheit den ein oderanderen Song der mir zb erst gar nicht gefiel, dann aber eben aufgearbeitet wurde und nun zu uns passt.
Ich danke euch für das Interview! Möchtet ihr dem ein oder anderen Leser noch was mit auf den Weg geben?
Marcel: Danke für`s Inti und checkt die neue Platte aus!!!
Spiller: Dem ist nichts hinzuzufügen! Weitere Infos:
www.facebook.com/emscherkurve77 oder www.sunnybastards.de