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Gumbles Interview (12.02.2012)

Moin Matti!
Nach fast 4 Jahre erscheint nun endlich das langersehnte neue Album!
Warum hat es diesmal so ewig lange gedauert, bis wir endlich ein komplettes, neues Album von Euch serviert bekommen?

Hallo Frank,ja nun ist es endlich so weit und du hast recht: “Es hat wirklich eine halbe Ewigkeit gedauert.”
Allerdings haben wir auch schon vor knapp 2 Jahren angefangen dieses Album zu planen, Lieder zu schreiben und zu proben. Leider hatten wir nur wenig Zeit um uns im Proberaum zu treffen, und somit gestaltet sich das Machen neuer Lieder sehr schwierig. Glücklicherweise gibt es das Internet, über das wir uns ständig fertig produzierte Demos schicken konnten. Trotzdem hat es dann noch lange bis zur Fertigstellung gedauert, da wir schließlich zwischendurch noch Clubkonzerte, Festivals und unsere kleine Tour mit Volxsturm gespielt haben. Nun ist das Album aber fertig und gut ist!!!!

Habt Ihr das Album vorproduziert oder wurden noch in letzter Sekunde Songs im Studio geschrieben? Wer ist auf dem neuen Tonträger für die Texte verantwortlich? Müssen die Texte von allen Bandmitglieder abgesegnet werden?

 Ja Frank, da bist du wohl sehr gut informiert gewesen:)!? Wir haben dieses Mal fast das gesamte Album zu Hause vorproduziert. Das heißt konkret, dass Harry alle Ideen zusammengefasst und uns dann schlussendlich die fertigen Demos präsentiert hat. Das funktionierte hervorragend und garantierte uns somit einen reibungslosen Ablauf. In letzter Sekunde haben wir dieses Mal gar nichts gemacht. Zwar waren die letzten Lieder auf den Punkt aufnahmebereit,standen jedoch schon als Demo fest.
Hauptsächliche habe ich mal wieder den größten Teil der Texte geschrieben, wobei Harry den einen (komplett geschrieben) oder anderen noch modifiziert und angeglichen hat. Erstmals hat auch Wünschi einen ganzen Song dazugesteuert. Dreimal dürft ihr raten, welcher aus seiner Feder stammt. -Hat was mit Arbeitsamt zu tun…..- Generell ist es bei uns so, dass die Texte teils kontrovers diskutiert werden und auch raus fallen wenn mal einer überhaupt nicht ankommt. Wir verfahren da stets demokratisch nach dem Mehrheitsprinzip.

Wie viele Songs hattet Ihr für den Tonträger in der Piepeline und wie viele haben es letztendlich auf díe Platte / CD geschafft. Wurden weitere Songs für andere Releases direkt mit aufgenommen?

Wir hatten genau 13 Lieder in Arbeit, von denen wir 12 aufgenommen haben. Ich weiß gar nicht wie das z.B. Broilers machen, die immer “behaupten” 690 Lieder geschrieben zu haben für ein Album:)  Wir sind froh, wenn wir 12 zusammen bekommen.
Eigentlich hatten wir schon vor,ein paar Sachen für nächste Projekte aufzunehmen, was aber durch Knappheit der Zeit beschnitten wurde.

Zum jetzigem Zeitpunkt unseres Interviews liegt mir das komplette Album leider noch nicht vor, aber Ich konnte ja schon in einige Songs reinhören und dabei ist besonders das Lied „Kinderaugen“ hängen geblieben, das ja die ganze Miesere unserer Welt aus Augen eines Kindes aufzeigt. Hattest Du alleine die Text Idee zu diesem Song, oder haben Dir wirklich deine Kids mit ein paar Nörgeleien dazu Vorlagen geliefert?

Es ist definitiv so, dass es meine Kinder herzlich wenig interessiert, was ich nun darstelle, oder auch nicht. Ich bin ihr Vater, und das ist für sie das Wichtigste. Wir schleppen uns ja viel zu oft mit einer gewissen Melancholie und Polemik durch das Leben, welche für unsere Kinder schwer nachvollziehbar ist. Auch wenn sie schonmal Sorgen haben wischen sie diese doch recht schnell und unkompliziert mit ihrer naiven Art und Weise vom Tisch.Mir fallen erst seit dem ich Kinder habe wieder schöne Sachen in meinem Umfeld auf, weil sie mich darauf hinweisen. Deshalb habe ich dieses Lied als eine Art Verbeugung geschrieben, und Harry hat, wie ich meine, die passende Musik dazu gemacht.

Bevor wir weiter über Songs des Albums quatschen,möchte Ich erstmal abwarten, bis die CD mich erreicht, was in kürze der Fall sein müsste.Lasse uns mal was über euer Video schnacken.
Wer hatte die Idee zu diesem Video, wo wurde es gedreht und wer ist das Pärchen, das im Video das Sofa bestückt?

Die Idee zu dem Video ist ganz langsam entstanden. Bis zum Sommer 2010 gab es noch so wirre Flausen wie: “Mit nem Wasserwerfer durch Hamburg fahren und damit den Hamburger Bauwagenplatz aufräumen“. Danach hätten wir uns ein dickes Konzert für lau auf dem Bauwagenplatz vorgestellt. Diese Idee zerschlug sich in der Folge aber zusehends aus diversen Gründen. An den Bauwagenpunx hat es genau so wenig gelegen, wie an dem Wasserwerfer. Letzterer war sogar schon organisiert.

Zeitgleich hatte Stephan Kipke, der uns schon seit Jahren für sein Studienprojekt mit der Kamera begleitet, eine völlig eigenständige Idee. Diese arbeitete er dann zusammen mit Aron Krause (www.musikbewegtbilder.de) aus. Dazu haben die beiden ein Filmstudio vom Tide-Stadtsender klargemacht und innerhalb einer  Woche zu unserer Kulisse umgebaut. Effektiv nahmen wir dann fast 3 Tage auf, wobei der Liveteil im Indra Club auf St.Pauli im Rahmen der Nordic Walking Tour entstand. Wir  denken, dass die beiden uns ein absolut professionelles Video hingezaubert haben. Unser Dank gilt auch allen anderen Beteiligten von der Kamera, Maske, Catering, Akteuren bis hin zur Requisite. Alles in Allem waren 10 bandexterne Leute am Dreh involviert.Einen großen Anteil hatten auch unsere beiden „Schauspieler“ namens Wolfgang und Jenny. Wolfgang kannten wir bis dato noch nicht (Freund von Stephan Kipke) und Jenny ist eine mittlerweile langjährige Freundin von mir.

Dann kommen wir mal wieder zum Album zurück, da mich mittlerweile die CD erreicht hat. Laß uns mal über die einzelnen Songs sprechen, bzw., erzähl Du uns doch bitte kurz was zu jedem Song.

Sach ma, bist du bekloppt? (Anmerkung Frank: klar bin Ich bekloppt, denn sonst würde Ich Euch doch nicht kennen und wir jetzt dieses Interview führen).

Das sind 12 Lieder, und zu allen soll ich was sagen?

Na gut, fangen wir also an. Los geht es auf der Scheibe mit einem „Opener“  im klassischen Stil. „Gumbles Punkrockshow“ beschreibt so ziemlich im Detail, was einen erwartet, wenn man Gumbles bei sich in der Stadt zu Gast hat. Wer uns näher kennt, der wird die einzelnen Zeilen des Liedes bestätigen können, ha,ha. Hab ich recht mein lieber Frank? (Anmerkung Frank: dem kann ich nur beipflichten)

Weiter geht es mit „Rosenkavalier“, der auch sehr aus dem (meinem?) Leben gegriffen ist. Unsere Frauen sind nun mal nicht mit Schwiegermutters Liebling verheiratet. Da kollidiert schon mal die Subkultur mit dem „normalen“ Familienleben.

Zu „Die Geilsten“ braucht man nicht viel zu sagen. Es ist Wahnsinn, was in den letzten Jahren mit dieser Band passiert ist, und dass soll dieses Lied beschreiben und zum Teil auch zurückgeben.

„Momente“-  Um gleich auf deine Frage zurückzukommen: „Nein, dieses Lied habe ich nicht geschrieben.“ Der Text und die Musik stammen komplett aus Harrys Feder. Deshalb kann ich zu den Hintergründen wenig sagen, was bei „Der perfekte Tag“ natürlich anders ist.

Dieses Lied drückt die komplette Wut, Angst und Ohnmacht aus, die man empfindet wenn man heutzutage nur einmal den Fernseher anschaltet, oder durch unsere  bunte, unwirkliche Welt geht. Den Menschen steht ihr Jamba-Klingeltonabo in die dummen Visagen geschrieben, mit der sie wie dämliche Schafe durch ihr Leben eiern.

Es gibt aber nicht nur wütende, sondern auch beschwingte Songs auf diesem Album. „Generation 21“ entstand in Zusammenarbeit mit Nick Hobbs aus Glasgow. Er ist der ehemalige Bassist der schottischen Helden von „United Front“. Teile des Textes stammen von ihm, wobei die Musik und die Refrains von mir und Harry verfasst wurden. Übrigens: TITELSONG

„Scheiss auf euch“ direkt danach ist wieder eine wütende Antwort auf den ganzen Szene- und Internetmüll, der immer mehr zu einer immensen Belastung wird. Trotz alledem werden wir (nicht nur die Band) weiter unser Ding machen, und uns nicht der Allgemeinheit anpassen. Wir stehen auf der Bühne und geben unserer Meinung ein öffentliches Gesicht, was man von all den Internethetzern nicht sagen kann. Wer immer schön in der Deckung des WWW agiert wird uns hoffentlich niemals das Wasser reichen können.

Da wir auf diesem Album ja schon vermehrt persönliche Sachen verarbeitet haben, durfte auch ein Lied wie „In all den Jahren“ nicht fehlen. Es ist als eine Art Hommage an unsere Jugend in den Sommern Schwerins zu verstehen. Eine Zeit, die diese Band geprägt hat und unvergessen bleiben wird. Hoffentlich wird sich der eine oder andere in diesem Lied wiederfinden.

Bei „Gumbles Iserlohn“  wird es in Zukunft sicherlich einige Frage und Verwirrungen geben. Vor ca 2 Jahren kontaktierten uns ein paar Jungs aus Iserlohn mit der Frage ob wir nicht eine Hymne für ihren Streethockeyverein machen könnten. Da sie sich selbst Gumbles Iserlohn nennen dachten wir uns, dass das eine super Idee sei , und wir machten in Zusammenarbeit mit den Hockeyjungs dieses Lied. Die Musik stammt von Harry und der Text ist bis auf ein paar Änderungen von Marcel und seinen Jungs verfasst worden.

Zu „Hartz 4 Fighting Man“ braucht man wohl nicht viel zu sagen. Es ist eine Sauerei, wie mit den Schwächsten unserer Gesellschaft umgegangen wird.  Wünschi  ist übrigens für die textliche Umsetzung verantwortlich.

„Beat the Bastards“ wird wohl jeder kennen und deshalb gehe ich auch nicht weiter darauf ein.

Den Schlusspunkt dieses Album setzt dann nach insgesamt 12 Liedern „Kinderaugen“. Schon lange wollte ich mal einen Song aus der Sicht meiner  Kinder machen. Ihnen ist es egal ob ich am Wochenende auf irgendeiner Bühne rumgeturnt bin, oder wie andere Menschen mich sehen. Ihnen ist nur wichtig, dass ich Zeit mit ihnen verbringe und auch mal zu Hause bleibe. Sie sehen diese Welt noch nicht mit dem verklärten Blick eines Erwachsenen, sondern können sich noch an Kleinigkeiten erfreuen und bringen dieses auch unverblümt zum Ausdruck. Schade, dass man selbst diese Gabe teilweise verloren hat.

Die CD erscheint ja in zwei Formate, sprich: es gibt eine normale CD Auflage und eine, der eine prall gefüllte Wundertüte beiliegt, worüber ja auch schon heftig auf FACEBOOK diskutiert wurde, ob so etwas noch Punk Rock ist oder nicht. Erzähle uns doch zuerst einmal, was dem Käufer alles in dieser Wundertüte erwartet und warum gerade die GUMBLES Wundertüte Punk Rock ist.

Tja Frank, tatsächlich wurde das Für und das Wieder der Sonderedition reichlich diskutiert. Ist das noch Punkrock? Ist es denn überhaupt noch Punk wenn man seine Sachen nicht mehr auf einem 5 Spur Recorder aufnimmt und dann über selbstgebrannte Cd´s (Kassetten gibt es ja nicht mehr) vertreibt, ach was sag ich, verschenkt? Ist es Punk wenn man T-Shirts drucken lässt, und diese dann auf Konzerten verkauft, oder wenn man mehr als das Spritgeld an Gage bekommt? Wer weiß die Antwort?
Wenn man danach geht, war Punk schon wieder tot als es gerade erst anfing.
Und ja, wir haben 2 Formate gemacht. Die eine Cd kommt als schickes Digipack daher und ist überall bis zum Erbrechen verfügbar. Die andere – besondere – Cd steckt in einer Wundertüte in Begleitung vieler wunderbarer kleiner Dinge, die die Welt nicht braucht. Das wären z.B. ein Gumblesenergydrink und…………! Wie du siehst, alles Dinge, wegen dessen man das Sonderpacket kaufen sollte. Übrigens ist die Wundertüte auf strenge 500 Stück limitiert. Ach ja, die Wundertüte ist deshalb Punkrock weil die, die sie nicht als Punkrock sehen sich jetzt ärgern darüber, dass das nicht mehr Punkrock ist, und wir somit bei denen anecken konnten, und das ist wiederum Punkrock!

Zum Schluß möchte Ich noch auf die GUMBLES Live Aktivitäten zu sprechen kommen. Am 18.2 spielt Ihr ja in Oberhausen auf dem Sunny Bastards Festival und vielleicht verratet Ihr mir ja, welche neuen Songs wir Live erwarten dürfen.Und wie sieht es mit der angedachten Nightliner Tour im Herbst dieses Jahres aus? Alles noch in der schwebe oder gibt es schon richtige Ergebnisse zu vermelden?

Das ist richtig, wir spielen am 18.2. das erste Mal in diesem Jahr. Das ganze findet in Oberhausen auf dem o.g. Festival statt, und wir freuen uns an diesem Tag unser neues Album das erste Ma live zu präsentieren. Im neuen Set werden auf jeden Fall schon mal 6-7 neue Lieder auftauchen. Unter anderem wird es „Scheiss auf euch“, „Rosenkavalier“ und „Punkrockshow“ zu hören geben. Bei Liedern wie „Momente“ und „Kinderaugen“  haben wir beschlossen, dass sie lediglich Lieder für die Platte sein sollen, und sich nicht fürs Liveset eignen.
Weiter geht es ja dann in Leipzig / Conne Island am 2.3., wo unter anderem auch Punkroiber ihr neues Album vorstellen. Danach kommt schon Neubrandenburg / Zebra, Schwerin / Dr.K., Hannover / Chez Heinz, Stuttgart / Hallschlag, Kiel, München / tba, das Endless Summer und das Spirit Festival.
Auch wird es wieder eine Nightliner Tour unter der Schirmherrschaft von Sunny Bastards geben. Da wir diesbezüglich aber planungsmäßig noch nicht sehr weit sind, gibt es auch nicht viel darüber zu berichten. Definitiv werden wir 5 Konzerte in fast allen Ecken der Republik und evtl Östereich , bzw in der Schweiz spielen.

Alright mein Freund! Das war´s auch schon meinerseits für´s erste. Die letzten Worte gehören Dir!

Ja danke lieber Frank für die Plattform, die du uns immer wieder gibst, und das schon seit Jahren. Wir hoffen natürlich, dass unser neues Album  bei den Leuten da draußen ankommen wird und dem einen oder anderen sogar gefällt. Ansonsten sehen  und hören wir uns auf einem unserer nächsten Konzerte. Denkt daran: “Das Son Of A Bastard Festival“ steht am 17./18.2. in Oberhausen/Turbinenhalle  mit einem unglaublichen Line – Up vor der Tür. Wer nicht hingeht ist ein ArschlochJ!!!“

Berserker Interview (07.02.2012)

Hallo Schröder, bevor wir mit dem eigentlichen BERSERKER-Interview anfangen, wie geht es Dir? Ich denke das interessiert nicht nur mich, sondern auch alle eure Fans.

Mir geht es soweit ganz gut. Die OP ist überstanden. Jetzt beginnt die Reha und Physiotherapie, damit ich schnellstmöglich wieder auf die Beine komme.  Immerhin sind wir alle ziemlich heiß, die neuen Songs den Leuten um die Ohren zu ballern.

Euch gibt es nun bereits elf Jahre, wie hast Du diese vergangenen Jahre aus Band- und persönlicher-Sicht erlebt? (Höhepunkte, unvergessliches…)

Es war immer ein voran Schreiten. Wir sind nie stehen geblieben und immer unseren Weg gegangen. Die Entwicklung merkt man von Album zu Album. Es gab viel Lustiges womit man ganze Bücher füllen kann. Von der Bühne stürzende Bandkollegen, oder ganzes Equipment. Viel brutales am Anfang unserer Schaffenszeit. Wir mussten uns fast auf jedem 2. Konzert mit Zuschauern rumwichsen. Gab immer wieder Schlägereien. Das hat sich zum Glück verändert. Denn auch wir werden ja älter und die Hände regenerieren sich nicht mehr ganz so schnell wie vor 7 – 8 Jahren wa ;)

Mit “Reinkarnation” habt Ihr, wenn ich richtig informiert bin, Euer sechstes Album veröffentlicht. Leider ist es die letzte Scheibe mit Matze an der Gitarre, der aus gesundheitlichen Gründen ausgestiegen ist. Hattet Ihr daran gedacht die Band komplett aufzulösen? Oder wart ihr euch im Klaren darüber mit einem neuen Bandmitglied weiter zu machen?

Ja das ist richtig. Unser 6. Komplettalbum ist jetzt im Kommen. Und das letzte mit Matze. Durch seine Knochenkrankheit im Handgelenk, musste er leider die Band verlassen. Aber er versucht ja, soweit es sein Job dann zu lässt, als unser Techniker/Mischer immer mit dabei zu sein. Als wir uns mit diesem Thema befassten, denn zuerst haben wir es nur verdrängt, war es schon so, dass wir überlegten die Band aufzulösen. Es war unreal ohne Matze weiter zu machen im ersten Augenblick. Aber Matze meinte, wir MÜSSEN weitermachen. Es fällt ihm so schon schwer genug aufzuhören, aber wenn wir alle aufhören, wäre es unerträglich für ihn. Und so haben wir lange nach einem „Nachfolger“ gesucht. Denn er muss nicht nur gut spielen, sondern auch menschlich zu uns passen. Das haben wir geschafft. Mit Stefan ist ein toller Mensch mit Charakter zu uns gekommen. Und mit Linus zusammen, ist das jetzt unsere „Reinkarnation“! Überzeugt Euch davon auf dem neuen Album, aber am besten Live. Denn wir sind immer noch eine Live Band, die dort den besten Sound hat.

Ihr habt euch vom Deutschrock immer weiter hin zu metallischeren Sounds orientiert. Wer sind Eure größten musikalischen Einflüsse? Textlich sicherlich die Böhsen Onkelz (was wohl daran liegt das ihr ähnliche Themen verarbeitet), aber ich für meinen Teil höre auch Einflüsse von zB. Motörhead (Sound) raus.

Was zählt zu Deutschrock? Dass wir deutsch singen und Gitarren benutzen? Maffay oder Grönemeyer sind Deutschrock. Wir haben noch nie in eine Schublade gepasst denke ich. Die meissten Kids pissen sich in die Hose, sobald wir den ersten Akkord anspielen. Das war schon immer so.  Mit dem neuen Album bewegen wir uns einfach mehr in den Metalbereich, das stimmt.  Aber nicht  weil es geplant war/ist.  Wir haben uns einfach nur wieder weiter entwickelt.
Und der Vergleich mit den Onkelz kommt ja immer wenn man deutsch singt und etwas aus dem Leben mit rein bringt. Aufgewachsen sind wir alle mit Metal und Hardcore. Manowar, Helloween, Iced Earth, Tristania, Pro Pain, Rykers und viele viele mehr. Und natürlich auch die Onkelz. Das war die erste Band wo man was verstanden hat mit 12/13 Jahren.  Tote Hosen, Ärzte ebenfalls alles Bands aus der Jugend. Aber wurden mir persönlich dann zu „lasch“. Da fehlte mir die Power. Ich komme aus Berlin. Problembezirk und mehr joggen zur Schule als gemütlich laufen. Und ich war noch auf einer Schule, wo NICHT jeden Tag einer abgestochen wurde.  Einflüsse gibt es verdammt viele. Was „neues“ an Musik kann man doch eh nicht mehr machen. Es gab alles schon mal. Wir verpacken es halt in „unseren“ Sound. Und durch Linus an den Drums, Matze/Stefan mit seinen harten Riffs, Costa mit seiner Ausstrahlung am Bass und meiner Stimme, haben wir mittlerweile was Eigenes geschaffen. Man erkennt unseren Stil. Und das macht einen natürlich schon etwas stolz. Warum auch nicht. Es gibt nichts Größeres für einen Musiker, als auf der Bühne zu stehen und Menschen singen „DEINE EIGENE“ Mucke mit. Bekomm schon beim dran denken wieder Gänsehaut. Die Liebe zur Musik eben. Keine gestellte Scheiße oder vorgegebener Dreck! Wir sind wir. Berserker eben.

Von Dir stammen alle Texte des Albums, oder Du bist zumindest an allen beteiligt. Die Songs klingen ziemlich persönlich. Verarbeitest du nur reale Themen, sprich selbst erlebtes, oder sind auch Phantasie-Texte dabei?

Ja die Texte sind alle von mir und teilweise in Zusammenarbeit mit meinen Brüdern. Zu 99% alles real gelebt und geatmet. Ich kann nicht von irgendwas singen, was ich mir ausdenke. Das wirkt nicht authentisch in meinen Augen.  Live steiger ich mich teilweise so heftig hinein, dass ich fast kotzen muss, da ich keine Luft mehr bekomme oder mich zu sehr verausgabe. Aber das ist Rock´n Roll!

Natürlich bin ich kein Henker und auch nicht sein Gehilfe. Genauso wenig ein Rockstar oder der Tod selbst. Das sind Themen die mit Ironie angegangen werden. Auch wenn nicht jeder diese Ironie oder Sarkasmus versteht. Aber Songs wie „Was uns bewegt“ oder Kein Blick zurück“, „Die Würde der Menschheit“ usw… SIND das Leben. Die kann ich mir nicht ausdenken. Die verewigen sich von alleine auf dem Blatt Papier vor mir, sobald ich den Song schreibe. So entstehen von Anfang an unsere Songs. Mein/unser Leben schreibt sie…

Ich persönlich finde es auch besser wenn in den Texten persönliche Erfahrungen usw. verarbeitet werden. Man merkt das Eurer Musik deutlich an, dass euch das Vorgetragene nahe geht. Man spürt die Wut, Energie und Kraft. Gibt es dadurch live eher eine aufbauende Stimmung nach dem Motto “den Arsch hochbekommen” oder eher eine Aggressive Stimmung? Du sprachst vorhin von Schlägereien auf früheren Konzerten?!

Aggressiv im positiven Sinne würde ich sagen. Die Schlägereien früher, waren andere Auslöser, die dem braunen Lager zu zuordnen waren. Da wussten die Leute noch nicht, wie wir auf solche Spinner reagieren. Hat sich zum Glück schon lange geändert.

Heute wie gesagt positive „Gewalt“. Die Leute wollen sich Ihren Frust weg Pogen. Einfach die Sau raus lassen. Die Arbeit unter der Woche vergessen, den Chef sozusagen vor sich sehen und einfach weg latten mit all seiner Wut. Das muss sein, das hilft. Wie ein Ventil. Das war schon immer auf Konzerten so. Bei denen, wo ich jedenfalls hingegangen bin als Jugendlicher. Es ist ein geiles Gefühl die Meute vor sich zu sehen, wie sie voller Elan und Power Deine Songs mitsingt. Bekomm schon nen Steifen wenn ich nur dran denke!

Ich hatte bisher leider noch nicht das Vergnügen Euch leibhaftig auf der Bühne sehen zu können (werde es aber in Oberhausen im März nachholen). Ihr habt euch in den Jahren eine treue Fan-Basis erspielt, macht es Dich stolz sowas zu erleben und zu wissen, dass es Leute gibt, denen Eure Songs/ Deine Texte nahe gehen und viel bedeuten?

Auf  jeden Fall. Wie eben schon beschrieben. Welchen Musiker lässt es kalt, wenn die eigenen Texte mitgesungen werden bis zur Extase? Ich glaub derjenige sollte mit der Musik aufhören.
Du wirst begeistert sein in Oberhausen. Es wird Dich mitreißen! Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben. Allein schon auf die Bühne zu gehen, dieses Kribbeln im Bauch in den Beinen… Unbeschreiblich. Wenn ich dieses Gefühl nicht mehr haben sollte, es also nur noch Routine ist für mich auf die Bühne zu gehen, dann höre ich auf. Das habe ich mir geschworen! Denn nach 11 Jahren, hab ich immer noch vor jedem Gig dieses Gefühl. Adrenalin pur und das soll niemals aufhören, wenn ich es mir wünschen kann!

Ihr habt alle noch einen Job und betreibt die Band nebenher!? Wie sollte es im Idealfall mit Berserker weitergehen, habt ihr besondere Ziele für die Zukunft? Orte/Hallen wo Ihr gerne spielen würdet?

Ziele für die Zukunft und Planen kann man sowas nicht. Wir nehmen was kommt. Natürlich wäre es geil, mit dem was man am meisten liebt, sein Geld zu verdienen. Wer würde das nicht wollen? Aber nicht mit einem 3 Jahres Plan wie, was und wann geschehen soll. Wir haben uns alles selbst erarbeitet in diesen 11 Jahren. Haben wie gesagt alles so genommen wie es kam. Und unsere Zeit wird kommen. Das wissen wir von Anfang an. Nur wann steht noch in der Zukunft. Aber mit der Reinkarnation, sind wir einen großen Schritt weiter gekommen. Denk an meine Worte am Ende des Jahres 2012…

Letzte Frage, gibt es Bands mit denen Ihr unbedingt mal die Bühne teilen wollt?

Wünsche und Träume hat wohl jeder. Da wir alle aus dem Metal Bereich kommen… Na klar: Lemmy mit Motörhead, Hetfield mit Metallica, Mike Ness mit Social Distortion usw. Johnny Cash zu Lebzeiten, Elvis Presley, Rio Reiser, die Legenden…
Kann ich unendlich weiter führen…

Ich danke für deine Zeit um dieses Interview zu machen, wünsche Dir Gesundheitlich schnelle und vollste Genesung und Euch alles gute für die Zukunft . Gibt es noch etwas was du zum Abschluss hier sagen möchtest?

Ebenfalls ein Danke für das Interesse an uns.  Die Reinkarnation wird auch Dich/Euch befallen und mitreißen. Wir sehen uns ab März 2012 auf Tour. Wo genau erfahrt ihr hier:

www.berserker-berlin.de

www.facebook.com/berserkerberlin.staybrutal

Besten Dank und Stay Brutal

Schröder und Berserker

Dieses Interview führte “Domme”

Emils Interview (08.01.2012)

Dieses Interview soll im Februar in der neuen MIND THE GAP Ausgabe (http://de-de.facebook.com/mindthegapfanzine) erscheinen und wurde uns freundlicherweise zur Vorabveröffentlichung Verfügung gestellt, wofür wir uns mehr als Herzlich Bedanken!!!!

Interview mit Ille und Sven von den EMILS „Viel Rumgespringe, scheißegal, wie sich das anhört“

Die EMILS sind zurück! Wer hätte das gedacht? Ich war doch ziemlich überrascht, als ich vor einigen Monaten irgendwo las, dass es die EMILS wieder gibt und die Band Konzerte spielt. So überlegte ich nicht lange und fuhr nach Lübeck ins Treibsand, um mir den ersten Gig der Band seit ihrer Auflösung 1998 anzuschauen. Die Jungs hatten nichts verlernt und es kam mir fast so vor, als ob die EMILS nie weg gewesen wären. Das Set reichte von „Viel zu langsam“, „Dumm-Punk“, „Kirche nein“, „Pass Dich an“ über „Kosaken-Kaffee“ bis zu neueren Songs wie „93“. Das geniale Buttocks-Cover „Nein, nein, nein“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Fetter Sound und man merkte der Band den Spaß an, wieder gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Die EMILS haben einen großen Einfluss auf meine eigene Punkrockentwicklung gehabt, schließlich spielten sie damals auf meinem ersten Punkkonzert mit. Ich war 15 oder 16 und wollte mir damals das Nazis-Raus-Festival in der Markthalle nicht entgehen lassen. Es war das Jahr 1992 und ich tauchte ein in die wundervolle Welt des Punkrock. Auf dem Festival sah ich neben den EMILS noch SLIME und …BUT ALIVE und es war um mich geschehen…grins. Ok, bevor ich weiter abschweife, zurück zu den EMILS. Die Hamburger kamen im März 1985 das erste Mal zusammen. Ihr Debütalbum „We fight together for“ ist längst ein Hardcore-Punkrock-Klassiker und darf eigentlich in keiner Sammlung fehlen. Die EMILS spielen seit jeher Ihre unverwechselbare Mischung aus Punkrock, Hardcore und Metal, die ihnen damals nicht nur in deutschen Fanzines wie dem TRUST gute Kritiken einbrachte, sondern auch in dem amerikanischen Maximum Rock n` Roll und Flipside Magazine. Durch ihre energiegeladenen Liveshows machten sie sich auch über Hamburgs Grenzen hinaus einen Namen in der Szene. In all den Jahren spielten sie Konzerte mit Bands wie NAPALM DEATH, DIE GOLDENEN ZITRONEN, RAZZIA und tourten u.a. mit Attitude aus San Francisco, den heute legendären Gorilla Biscuits aus New York und der britischen Punklegende PETER AND THE TEST TUBE BABIES. WWarum gibt es die EMILS auf einmal wieder? Diese und andere Fragen geisterten bei mir im Kopf rum. So traf ich mich mit Ille (Gesang) und Sven (Bass) zum Interview. Das Ergebnis könnt ihr an dieser Stelle lesen. Interview: Christian Böttjer/Mind the Gap-Fanzine

Christian: Warum gibt es die Emils jetzt wieder, was war ausschlaggebend für Eure Reunion?

Sven: Carsten ist ja glaub ich schon 1994 ausgestiegen. Ich bin dann 1997 raus und 1998 haben sich die Emils dann komplett aufgelöst. Wir haben dann andere Bands gehabt, wo wir mitgemacht haben. Wir haben auch viel um die Ohren gehabt mit Arbeit und Familie und mit allen drum und dran. Dann war vor einigen Jahren schon mal der Gedanke da. Ich hatte Carsten mal gefragt mit dem ich ja noch Musik gemacht habe: “Was meinst Du, wollen wir mit den Emils nochmal was machen?” Er meinte, dass er schon Lust hätte. Dann habe ich mal Ille gefragt. Wir haben ja immer noch Kontakt gehabt mit Ille und Olli. Die waren aber erst etwas ablehnend. Nach ein paar Jahren haben wir dann gesagt, “Ok, probieren wir das einfach mal wieder so ein paar alte Songs mal live zu spielen, aber ohne Hintergrund ein neues Album zu machen.

Christian: Habt Ihr Euch also einfach mal wieder im Proberaum getroffen?

Ille: Getroffen haben wir uns eigentlich das erste Mal wieder im Übungsraum in dieser Besetzung, als wir den Song für den Slime-Tribute-Sampler aufgenommen haben. Sven kam dann auf die Idee, ob das nicht mal wieder was wäre, dass wir was zusammen machen. Wir haben auch gleich den Hintergedanken gehabt, nichts neues, den alten Kram und wirklich auch nur ausgewählte Konzerte. Wir haben keinen Bock auf solche Ochsentouren, das wieder alles durchzuziehen. Das haben wir alles gehabt.

Christian: Es gibt ja bei vielen Bands diesen typischen Ablauf, neue Platte-Tour etc.?

Ille: Ja, das war ja  bei uns früher nicht anders. Das war auch immer Platte-Tour, Platte-Tour, Platte-Tour. Das ist ja auch in unserem Info im Internet zu lesen, das da praktisch so eine Irusion in der Band stattgefunden hat. Wo man sich gedacht hat, wofür macht man das eigentlich? Wo bleibt der Spaß bei der ganzen Sache. Wir haben dann auch eine Auszeit genommen. Nach der „Wer frisst wen“ haben wir wirklich lange Zeit nichts raus gebracht. Dann kam ja total verändert, ganz anderer Stil die „Licht am Horizont“, die ja total anders ist. Das Ausschlaggebende ist einfach, dass wir wieder was zusammen machen wollen.

Christian: Das heißt eine neue Scheibe ist ausgeschlossen oder vielleicht eine Single?

Ille. Das ist ausgeschlossen, ich sag das jetzt einfach mal so. Wir haben noch ein paar alte Aufnahmen, die dann vielleicht mal als Single veröffentlicht werden. Das letzte Demo, was wir mal aufgenommen haben, da sind noch ein paar Lieder drauf, die man noch nicht so kennt, die glaub ich nur auf dem Demo veröffentlicht worden sind.

Christian: Euer erstes Album „We fight together for“ wird ja wieder neu aufgelegt?

Ille: Ja, die soll wieder aufgelegt werden. Im Gespräch waren ja aggressive Punkproduktionen, aber die sind nun abgesprungen. Die erwarten natürlich auch ein Konzept und wir haben einfach kein Konzept. Es gibt kein Konzept, nach dem wir uns richten wollen.

Sven: Ich habe einen guten Kontakt zu Rüdiger von Teenage Rebel Records. Dem habe ich das auch erzählt und der hätte selber auch Interesse daran, was mich selber überrascht hat, dass der die erste EMILS gut findet. Die ist ja doch ziemlich schnell und ein bisschen Metallastig.

Der Captain: Ich wollte gerade sagen, das ist ja doch ganz schönes Geholze.

Sven: Ich habe mich auch total gewundert, aber er meinte, die haben sie damals immer selber gehört, so „Kirche nein“ und „Viel zu langsam“. Das war so eine Partyplatte für die. Das mich selber überrascht.

Ille: Wahrscheinlich war das für die Leute früher Oi (Gelächter).

Sven: Wer weiß, der Vorläufer des Oi. Zu Rüdiger habe ich seit Jahren guten Kontakt und das freut mich auch, wenn das jetzt bei ihm klappt (Anm.: Es hat geklappt).

Christian: Was habt Ihr denn nach der Auflösung der EMILS musikalisch so getrieben?

Ille: Also ich habe nur so Projekte gemacht mit der ersten Hamburger Punkgeneration mit Schwabe, Lui und so. Wir hatten mal eine Sonics-Coverband. Da haben wir ein Konzert gehabt im Marquee. Das war ganz nett. Dann habe ich mit Schwabe noch die Good old boys gemacht, da haben wir ja auf der Möggenkladder gespielt und haben wir einmal noch mit einer anderen Besetzung der Good old boys vor den AVENGERS gespielt im Knust. Danach habe ich nie mehr irgendwas gemacht.

Christian: Was haben die anderen so gemacht?

Sven: Mit Carsten zusammen spiele ich noch bei OHL und Der Fluch. Dann haben wir noch zwei Jahre bei Erosion gespielt. Carsten macht noch Gottkaiser und war bei  Stimpy und Sex Machines. Olli hat momentan “Kein Hass da”.

Christian: Wenn wir jetzt nochmal ein bisschen zurück gehen. Was waren wirklich die Gründe, dass Ihr Euch damals aufgelöst habt? Habt Ihr Euch wirklich so ausgelaugt gefühlt mit dem ganzen Touren und so?

Ille: Nein, danach hatten wir uns ja wieder gefangen. Die “Licht am Horizont” ist für uns immer noch eine großartige Platte. Es war einfach so, dass wir schon wieder ein Bandmitglied verloren hatten. Thomas von Rostock Vampyres, der für Sven in die Band gekommen war, wollte aussteigen. Der wollt garkeine Musik mehr machen. Wir hatten innerhalb von drei Jahren einen neuen Drummer, einen neuen Bassisten. Da war für mich der Punkt erreicht und ich wollte einfach nicht mehr. Es ist auch einfach anstrengend, Du musst neue Leute einspielen. Auf den Konzerten ist es halt meistens auch so, dass Du das alte Zeug spielen musst. Das musst Du erstmal wieder einproben. Für mich, der das mittlerweile dann schon seit 13 Jahren spielt dieses Zeug, ist es auch echt nervig. Das war dann ausschlaggebend, dass man dann aufhört und irgendwas anderes macht. Es war schon so, dass man irgendwas anderes machen wollte, aber es kam dann nicht mehr dazu. Ich hatte einfach keine Lust schon wieder ein neues Bandmitglied. Man trat einfach auf der Stelle.

Christian: Habt Ihr eigentlich eine Übersicht über die Verkaufszahlen Eurer Alben? Die “We fight together for” hat sich doch bestimmt am meisten verkauft oder?

Sven: Ja, die erste “We fight together for”. Zuerst gab es die als LP, da war das noch nicht so mit CD, als die rausgekommen ist. Ein, zwei Jahre später gab es die auch als CD. Insgesamt wurden so 17.000 verkauft. Von der “Es geht uns gut” wurden so 14.000-15.000 Exemplare verkauft. Von der “Wer frißt wen” waren es 12.000 verkaufte Alben. Bei der “Licht am Horizont” gab es schon einen leichten Einbruch. Die Zahlen weiß ich auch nicht mehr so ganz genau.

Christian: In den letzten Jahren haben sich im Punkbereich ja so einige alte Bands reformiert wie SLIME und viele andere Bands. Welche Reunions haltet Ihr für gelungen und bei welchen Bands sagt Ihr, das hätten die sich auch lieber sparen können?

Ille: Was ich ganz gut finde und auch gelungen finde, das sind diese ganzen amerikanischen Bands wie Channel 3 und T.S.O.L. Da habe ich mich echt gefreut, dass ich die nochmal sehen konnte. Auch nennen möchte die CRO MAGS mit John Joseph am Gesang. Das ist total geil gewesen. Auch wenn die Musiker andere waren, es war ja keine richtige Reunion. Das waren ja auch bekannte Musiker von SICK OF IT ALL und der Original-Drummer von CRO-MAGS. Das war auch schon ein Erlebnis.

Christian: Gibt es auch eine Band, wo Du mit viel Hoffnung hingegangen bist und dann warst Du total enttäuscht?

Ille: Ne, ich glaube mit Hoffnung darf man auf solche Konzerte nicht gehen. Man muss es dann einfach für den Moment auf sich wirken lassen. Mit Erwartungen darf man auf solche Konzerte nicht gehen. Ich glaube, dann wird man garantiert enttäuscht. Wenn ich gesehen habe in der Fabrik, aber das war keine Reunion, das waren die TOY DOLLS, die waren so großartig. Sensationell. Wenn man Olga sieht, wie der immer noch Gitarre spielt und was der für eine Show hinlegt. Hut ab.

Sven: TOY DOLLS sind überhaupt nicht so mein Ding. Aber die ADDICTS fand ich zum Beispiel sehr gut, auch wenn die nicht so gut bei Euch abgeschnitten haben (Gelächter). Live waren die wirklich gut. Was da Backstage noch so lief, weiß ich auch nicht so genau. Abrasive Wheels vor zwei, drei Wochen fand ich auch richtig geil, obwohl da nur 25 Leute waren im Knust. Ja, wie gesagt Channel 3 und T.S.O.L. waren auch gut. Ja, so richtig schlecht fällt mir jetzt auch nichts ein gerade.

Ille: Du wolltest jetzt bestimmt was zu SLIME hören, ne (Gelächter)?

Sven: SLIME habe ich jetzt noch nicht gesehen.

Ille: Ich habe die jetzt auf dem 100 Jahre St. Pauli-Festival gesehen. Wenn man das früher so als kleiner Punker gesehen hat auf Schulfesten so für 99 Cent, ne Pfennig waren das damals, dann ist das natürlich echt ein Unterschied. Wenn man SLIME heute sieht auf so einer großen Bühne. Aber sollen sie ihr Ding machen, egal.

Sven: Ich habe die sooft gesehen. Also RUBBERSLIME haben mir überhaupt nicht gefallen. Die RUBBERMAIDS fande ich nie gut. RUBBERSLIME haben mir nicht gefallen. Das war mir irgendwie zu lasch und zu lahm. Wenn die mit A.C.A.B. angefangen haben, das fande ich eine Katastrophe. Das war einfach total langsam und keine Power. Jetzt soll es ja richtig gut sein mit SLIME, aber ich habe sie noch nicht gesehen. Ich werde sie mir nochmal angucken.

Christian: Ja, das ist jetzt auf jeden Fall wieder schneller, die alte Geschwindigkeit.

Ille: Man darf auch nicht vergessen, ich glaub der Bassist hat da auch Schwierigkeiten und kann garnicht richtig spielen.

Christian: Und Stephan Mahler wollte ja eigentlich keine Reunion mehr.
Ille. Ja, der hat das alles schon gemacht. Wenn man jetzt mal 30 Jahre zurück guckt, ich weiß nicht die wievielte Reunion das ist, ich glaube die vierte oder fünfte von Slime. Dann ist das natürlich schon so, ja, ok. Aber viele Leute haben sie nicht gesehen und deswegen ist das vielleicht ganz gut. Es ist auf jeden Fall eine wichtige Band.

Sven: Die haben sehr gute Platten gemacht, die ich heute auch immer noch höre.

Christian: Das war damals mein erstes Punkkonzert 1992 in der Markthalle als Ihr mit SLIME und BUT ALIVE in der Markthalle beim “Nazis raus-Festival” gespielt habt. Nagut, was bedeutet für Euch heutzutage noch Punkrock oder anders gefragt, was habt Ihr früher mit Punkrock verbunden und was verbindet Ihr heute damit?

Ille: Also früher war es einfach erstmal nur Spaß,  mit gleichgesinnten Freunden Zeit verbringen, scheiße bauen und natürlich leckere Besäufnisse, die dazugehören; Partys. Und natürlich ganz viel Musik. Dieses politische das kam tatsächlich erst später. So 1980 haben wir uns kenengelernt.

Sven: Wir kamen alle von der selben Schule aus Meiendorf.

Christian: Habt Ihr Euch auf der Schule kennengelernt?

Sven: Ja, aber ziemlich spät erst. Wir kamen halt aus Meiendorf aus der Ecke und so kam das alles zuammen. Wir kennen uns wirklich schon seit der Kindheit.

Ille: Es waren früher ganz viele Punker bei uns auf der Schule. Das war echt ein ganzer Haufen. Harms unter anderem und Morrak, der lebt jetzt ja in Edinburg.

Sven. Das waren auf jeden Fall eine Menge Leute, die sind später alle weggezogen. So haben wir zusammen Konzerte besucht und so hing man rum und hat bei mir Partys gefeiert.

Christian: Habt Ihr so eine feste Clique gehabt?

Ille: Die Szenen damals haben sich so auf die Urban-Stadtteile verteilt. Später das alles zusammen kam am Mönckebrunnen, am Jungfernstieg und Spritzenplatz ganz später, das kam erst alles. Da haben sich dann diese Gruppen gebildet, man ist zusammen auf Konzerte und dort auch andere Leute kennengelernt. 1981 auf dem Konzert von den DEAD KENNEDYS in Harburg hat man unheimlich viele Leute kennengelernt. Auch Juz Korachstraße und so, wo die ersten finnischen Bands auftauchten. Die Bergedorf-Punks gab es.

Sven: Ja, die Bergedorf-Punks, die Langenhorner, das war immer alles so Stadtteilmäßig.

Ille. Man hat sich dann abends immer auf den Konzerten irgendwie getroffen und hat da dann auch mal andere Leute kennengelernt. So hat sich das alles vermischt und so wurde die Szene immer größer. Mit dieser ersten Punkgeneration diese 77er Caroviertel, damit hatten wir nie was zutun. Die haben sich ja später abgesplittet. Die sind teilweise nach rechts abgewandert. Da sind ja auch einige von der Hamburger Punkprominenz geblendete Kinder sozusagen, den das heute sichtlich unangenehm ist. Und sie am liebsten heute nicht drauf angesprochen werden. Das sollte man auch nicht machen.

Christian: Na, da sollte ich jetzt mal weiter nachfragen, da machst Du mich jetzt aber ganz schön neugierig…

Ille: Ja, da sind schon so einige Leute, die da Leichen im Keller haben.

Christian. Ah ok, ich merke schon, Du willst keine Namen nennen.

Sven: Ein beliebter Treffpunkt von uns war damals auch das Graffiti  in den achtziger Jahren. Da haben wir guten Kontakt zu den Bergedorfer Punks gehabt. Die sind da auch immer hingefahren. Sagt Dir das was, in Poppenbüttel, ein Punkladen. Ich glaube den gab es nur ein Jahr lang.

Ille: Ja, der war nicht lange. Das war eine ganz normale scheiß Diskothek vorher. Der Typ war irgendwie bei den Hells Angels.

Sven: Reiner Ettler. Ille: Genau, der hat unter anderem dieses Magazin gemacht, wie hieß das noch. Sven: Das Gothic-Magazin.

Christian: Zillo. llle: Ja, Zillo, genau, das hat der später gemacht. Der hat diese Diskothek gehabt. Da hat er dann irgendwann gesagt, er macht jetzt Punkrock. Es war auch ätzend teilweise, weil er auch Rocker hatte als Türsteher als Ordner. Wenn Du da ne Flasche hast fallen lassen am Eingang, dann gab es gleich einen auf die Fresse. Das waren echt harte Jungs, aber nachher hat er die nicht mehr gehabt.

Sven: Da waren ganz gute Konzerte. Slime haben wir da auch gesehen, Napalm, die TOTEN HOSEN haben da gespielt. Da waren die Hosen noch ganz unbekannt. UK SUBS haben da zwei Tage hintereinander gespielt. Daily Terror. Nach einem Jahr war aber Feierabend, da war der Druck von der Öffentlichkeit zu groß.

Ille: Es gab damals auch eine große Demo in der Innenstadt. Der Laden war auch kurzzeitig besetzt, aber den haben die dann irgendwie platt gemacht. Der war auch kurzzeitig besetzt der Laden, aber den haben die dann platt gemacht, so diese Oberpunker Zander und so. Die Bergedorfer Punks haben da ganz viel organisiert, u.a. auch diese Demo. Aber nachher haben die Bullen das einfach platt gemacht und das Ding geräumt. Ich glaube, heute ist da ein Getränkemarkt drin.

Sven: Und eine Videothek, ja, ich fahre da immer noch vorbei und ich denk auch jedes Mal dran.

Christian: Was verbindet Ihr heute noch mit Punkrock? Seid Ihr noch viel unterwegs?

Ille: Für mich persönlich ist das so eine geistige Geschichte. Punkrock hat mir ganz viel gegeben. So wie ich heute bin, meine ganzen Gedankengänge, wie ich mit Menschen umgehe, das kommt alles vom Punkrock. Ich glaube, das ist einfach eine positive Entwicklung gewesen für mich.

Christian: Punkrock hat Dir also in Deiner Entwicklung geholfen.

Ille: Ja, auf jeden Fall und ich fühle auch echt immer noch so. Ich bin Punkrocker, auch wenn ich vielleicht nicht so aussehe. Ich kann mit 45 Jahren auch nicht mehr so rumrennen. Mit 40 habe ich es noch gemacht mit den hochstehenden Haaren und gefärbte Haare. Dazu habe ich jetzt einfach keine Lust mehr.

Christian: Und Du Sven?

Sven: Ja, bei mir auch, das tun und lassen, wozu man Bock hat. Das war schon immer mein Motto. Die Musik ist natürlich auch ein ganz großer Punkt.

Christian: Was macht Ihr so außer Musik im normalen Leben so jobmäßig?

Sven: Ich bin Maurermeister und arbeite in einem Familienbetrieb.

Ille: Ich arbeite mit straffällig gewordenen Jugendlichen zusammen.

Christian: Das ist ja auch nicht ganz einfach oder?

Ille: Das ist die Klientel, die man teilweise selber mal war.

Christian: Was machen die anderen?

Ille: Olli arbeitet im Knust als Mischer und Carsten ist auch Veranstaltungstechniker/Lichtmischer in Elmshorn.

Christian: Könnt Ihr Euch noch an Eure erste Erinnerung mit Punkrock erinnern? Habt Ihr da mal ein Tape bekommen oder wie kann ich mir das vorstellen?

Sven: Im Radio, bei NDR2 gab es immer nachmittags Musik für junge Leute. Ich war früher bei den Pfadfindern, also richtig Pfadfinder und nicht so ne Wikingjugend oder so. Das muss ich auch erstmal sagen.

Ille: War das nicht die Hitlerjugend (Gelächter).

Sven: Der Gruppenleiter hat sowas auch schon gehört und dann hab ich ein paar Sachen von ihm bekommen.

Christian: Pfadfinder als Einstieg zum Punkrock, nicht schlecht.

Sven: Ja, so ungefähr. Mein erstes Konzert weiß ich noch ganz genau, da habe ich auch noch die Karte. Das waren BUZZCOKS im Januar 1981 in der Markthalle. Das war mein erstes Punkkonzert. Das wurde auch vom Rockpalast aufgezeichnet. Ich glaube, das gibt es auch auf DVD zu kaufen.

Christian: Was war so Deine erste Scheibe, die Du hattest?

Sven: Das war die erste Scheibe von CLASH. Die zweite war glaub ich 999 und dann PLASMATICS.

Christian: Ille, wie war das bei Dir, kannst Du Dich noch dran erinnern?

Ille: Mein erstes großes Konzert war auch Markthalle UK SUBS, das müsste 1980 gewesen sein. Ich hatte damals Leute in Volksdorf/Bargstedt kennengelernt. Da gab es immer so ne Disco, Freitagsfete nannte sich das immer und da haben sie Punkrock gespielt. Da kam man dann in Kontakt auch mit der Musik, die damals gespielt wurde. Es war halt noch viel 77er-Kram. Dann bin ich mit den Leuten in die Markthalle, weil wir gehört haben, dass UK SUBS spielen. Wir hatten gar keine Karten. Wir waren damals 14. Wir hatten gar kein Geld, um rein zu kommen. Das geile war dann, dass dieses Konzert dann echt gestürmt wurde.

Christian: Und Ihr mittendrin.

Ille: Ja, wir waren mittendrin im Pulk und sind mit rein gespült worden. Es war draußen auch echt eine tierische Masse an Leuten. So haben wir UK SUBS gesehen. Das war total geil.

Christian: Und heute gibt es die SUBS immer noch.

Ille: Der junge Nicki Garrat an der Gitarre, das ist schon geil gewesen. Der ist ja heute noch sehr fit. Das waren natürlich die, die früher schon härteren Punkrock gespielt haben. Da ging es ja gerade so los, dass es sich abgespalten hat von dieser 77er Geschichte. Da gab es Bands, die dann auch mal härteren Sound gespielt haben.

Christian: Was war so Deine erste Scheibe?

Ille: Tatsächlich ganz klassisch Sex Pistols: Never mind the bollocks, die amerikanische Pressung. Die habe ich irgendwo mal gekauft. Die ist nicht gelb, ich glaub grün vorne.

Christian: Wenn wir jetzt gerade so über Konzerte gesprochen haben, könnt Ihr Euch noch an Euer erstes Konzert mit den EMILS erinnern?

Sven: In der Hafenstraße in der Volksküche da war unser erstes Konzert.

Ille: Da gibt es sogar noch ein Demo von. Das Datum kann ich Dir auch sagen, wenn ich mal eben nachgucke.

Christian: Was war in den Jahren so Euer geilstes Konzert mit den EMILS? Ihr seid ja auch viel getourt, habt Ihr da vielleicht eine Anekdote?

Ille: Eins war natürlich das Konzert im Millerntor-Stadion. Das war unser größter Gig. Ich glaube, 1991 müsste das gewesen sein dieses Viva St. Pauli-Festival. Das war eine geile Veranstaltung, nicht dass wir jetzt besonders geil waren.

Sven: 10.000 Leute waren da.

Ille: SLIME haben dort auch gespielt und 10.000 Leute singen “Deutschland verrecke”, es regnet und das Flutlicht ist an. Das war schon echt Gänsehaut. Das war schon ein Erlebnis, mal vor sovielen Leuten zu spielen.

Christian: Ihr seid ja auch mit GORILLA BISCUITS und PETER AND THE TEST TUBE BABIES getourt. Habt Ihr da noch gute Erinnerungen dran?

Sven: Die erste Tour mit Attitude als die Platte draußen war, war ganz witzig, aber auch hart. Wir hatten einen Ford Transit, den ich mir mal gekauft habe. Wie lange war die Tour, 5-6 Wochen?

Ille: Ja, die war ziemlich lang und dann auch mitten im Dezember. Das war echt eine harte Tour. Unsere Platte war noch nicht draußen und uns kannte noch keiner, eher ganz wenig Leute. Die Platte war aber unten auf dem Plakat schon abgebildet mit “demnächst”. Eigentlich war es so geplant, das die vor der Tour raus kommt, aber es hat natürlich mal wieder nicht geklappt aus irgendwelchen Gründen. ATTITUDE sind halt amerikanische Leute gewesen, die ihren Drummer ziemlich schlecht behandelt haben, der dann später auch bei uns mitgefahren ist. Das war ein netter Bursche. Das geile war ja, die kamen aus San Francisco und die hatten noch nie Schnee gesehen. Und dann war auf einmal dieses Ding “Schnee”. I never saw snow (Gelächter).

Sven: Dann haben sie auch erzählt bekommen, nimm mal Klopapier mit nach Deutschland, da gibt es keins, irgendwie sowas, solche Dinger. Wir mussten dann, wenn man nach Berlin will durch die ehemalige DDR fahren. Da haben die dann immer “Fuck Kommunisten”, “Fuck Kommunisten” genuschelt. Die kannten das auch irgendwie nicht.

Christian: Das war also voll der Kulturschock für die?

Ille: Wenn man dann in nicht so kommerzialen Hallen gespielt, sondern in so autonomen, besetzten Geschichten, das war für die auch echt schwierig.

Christian: Die nächste Frage ist echt ein alter Hut, aber wenn ich Euch schon interviewe, wer hat die Idee zu SLIME rückwärts gehabt?

Ille: Olli unser Gitarrist hatte die Idee dazu.

Sven: Das war bei einer Party von mir. Wir haben getrunken und Musik gemacht. Ich hätte diverse Konzertplakate an der Wand, u.a. auch ein SLIME-Plakat. Dann hat er das irgendwie besoffen rückwärts gelesen. Und so hießen wir dann.

Christian: Ihr hattet vorher lange überlegt wegen einem Bandnamen.

Ille: Ja, wir hatten schon angefangen, hatten die ersten Stücke, aber noch keinen Namen. Das fanden wir dann lustig. SLIME hatten sich damals auch gerade aufgelöst zum ersten Mal. Da gab uns dann halt und wir haben uns dann halt gesagt, dann nennen wir uns so, das ist witzig. SLIME sind weg. Viele haben uns ja später vorgeworfen, das sei ein Marketinggag gewesen.

Sven;Clever gemacht.

Ille: Fabsi von den MIMMIS hat mich mal drauf angesprochen beim Force Attack. Ihr seid doch die und so.

Christian: Wie haben denn SLIME drauf reagiert?

Ille: Damals kannten wir sie ja noch nicht persönlich. Die haben wir erst später kennengelernt. Elf, Dicken, die anderen kenne ich jetzt garnicht so. Mahler hat uns glaube ich sogar mal produziert im Soundgarden-Studio. Die haben eigentlich ganz locker reagiert. Die haben uns eigentlich garnicht gefragt. Die haben uns auch keine Schläge angedroht (Gelächter).

Sven: Und auch keine Prozesse angeleiert.

Christian: Irgendwelche arroganten Säcke hätten das vielleicht gemacht.

Sven: Ja, heute wäre es vielleicht anders.

Ille: Heute wäre es garantiert anders. Stell Dir vor, Du würdest RANCID umdrehen und würdest genau das gleiche nehmen. Das würde es wahrscheinlich eine Menge Ärger geben. Damals war es halt anders. Wir hatten ja mal Kontakt zur Plattenfirma von SLIME zu AGR. Walterbach wollte uns mal haben, aber das ist irgendwie nicht zustande gekommen. Wir waren mal einen Tag bei ihn im Büro vor seinen ganzen goldenen Schallplatten (Gelächter). Dann hat er seinen Lakein und den hat er dann mit uns los geschickt, der sollte mit uns was essen gehen. So war es für ihn damit auch erledigt.

Christian: Welcher Emils-Song ist so Euer persönliches Lieblingsstück und warum?

Sven: Also ich finde “Wir müssen draußen bleiben” gut, weil der Song musikalisch richtig nach vorne geht, so richtig metallisch, hart.

Christian: Und Du Ille, hast Du auch einen Favoriten?

Ille. Für mich natürlich textlich als Sänger. Das sind dann auch eher die späteren Sachen. Die anderen sind natürlich Geballer. Man darf auch nicht vergessen, dass wir bei der ersten Platten vielleicht 16, 17 waren, als wir die Texte geschrieben haben. Viele haben ja später auch immer alles mit der ersten Platte verglichen. Die haben auch garnicht mehr auf die Texte gehört bei den anderen Platten, die bei den anderen Platten einfach wesentlich ausgereifter waren und auch besser. Da haben die Leute nicht mehr hingehört. Es war einfach Klischee die erste Platte als Maßstab zu nehmen und zu sagen, das ist alles Abklatsch von SLIME. Für mich ist textlich gesehen ein Favorit “93″. Das Thema behandelt das, was damals in Deutschland los ging. Das ist textlich sicherlich eines der wichtigsten Lieder für mich.

Christian: Da kann ich ja gleich eine Brücke schlagen. Auf den Song wollte ich sowieso eingehen. Wie beurteilt Ihr die Situation jetzt im Jahr 2011?

Ille: Du darfst nicht vergessen, damals war das groß in den Medien durch die Vorfälle in Rostock-Lichtenhagen. Da stürmten 2.000 Leute dieses Asylbewerberheim oder diese Hochhaussiedlung und werfen Molotowcocktails, wo Menschen drinnen sind. Das ging echt durchd die Medien weltweit. Es gibt auch heute noch Brandanschläge auf Asylbewerberheime. Ich habe neulich mal im Internet recherchiert. Es gab am 13. April in Oberhausen einen Anschlag. Da ist niemand zu Schaden gekommen. Man erfährt das halt nicht mehr. Wenn man sich dafür interessiert, dann schon. Ansonsten gibt es keine Berichterstattung mehr darüber. Das ist eigentlich schade. Es ist nachwievor so, das so etwas passiert und das ausländische Leute auf der Straße zusammengeschlagen werden. Es geht ja nicht nur um große Ausschreitungen. Es geht einfach um ausländerfeindliche Übergriffe und Rassismus.

Christian: Könnt Ihr Euch eigentlich noch dran erinnern, wie Ihr an Euer erstes Plattenlabel “We bite” gekommen seid?

Sven:  Genau, wir haben damals das Demo gemacht 1987. Das habe ich damals an ganz viele Fanzines verschickt. Das hat auch gute Kritiken bekommen. Ich habe das auch an Plattenfirmen verschickt und We bite haben sich dann mal gemeldet. Die fanden das gut. Ich weiß jetzt garnicht, ob die vorher mal bei einem Konzert von uns waren oder wir bei denen gespielt haben.

Ille: Ne, die waren hier in der Dansdorfstraße im A-Laden. Da kamen die hin und wollten sich die Live-Performance angucken. Die war ja nicht schlecht damals mit viel Rumgespringe und scheißegal, wie sich das anhört. (Gelächter). Egal, ob man sich verspielt.

Christian: Also hauptsache ausflippen auf der Bühne.

Ille: Ja, hauptsache die Performance musste passen zur Musik.

Sven: Beim Publikum kam es auch gut an und dann haben wir es gemacht bei denen.

Ille: Also kein Mensch hätte gedacht, dass das Ding so abschießt.

Christian: Ok, anderes Thema. Schwabe (RAZORS, PHANTASTIX) ist ja gestorben, wie war da so Eure erste Reaktion, als Ihr von seinem Tod erfahren habt? Habt Ihr Kontakt zu Ihm gehabt?

Sven: Also ich habe ihn zwei Wochen bevor er gestorben ist noch bei GBH getroffen. Da hat er mir noch einen Flyer in die Hand gedrückt, da meinte er noch, hier wieder ein Konzert. Ich meinte, klar, da komme ich sowieso vorbei, weil er bei fast jeder Band mitgespielt hat, die spielen sollte. Dann sagte er noch, das ist auch mein 50. Geburtstag. Ich sagte nur, ok, auf jeden Fall. Als das dann passiert ist, hatte ich mit einer anderen Band ein Konzert. Ich habe das dann 3,4 Tage später gehört, dass er die Treppe herunter gestürzt ist. Das ist erst mal ein Schock gewesen, weil man halt auch überhaupt nicht damit gerechnet hat oder so. Das war schon hart.

Christian: Ille, wie war Deine Reaktion?

Ille: Ich habe es morgens als ich vor meinem Laptop saß vor der Arbeit eine Email aus Amerika bekommen, der hat mir das gemailt. Das war aber schon ein paar Tage danach. Ich glaube, das war schon zwei Tage her, dass er gefallen war und sich tödlich verletzt hat.

Der Captain: Hast Du noch Kontakt zu Ihm gehabt?

Ille: Ja, so losen Kontakt, auch durch die Band die wir zusammen hatten (Good old boys). Du kannst jetzt nicht sagen, dass wir die besten Freunde waren. Er war ja echt ein Mensch, der viele Leute zusammen gebracht hat und viel organisiert hat. Er war echt so ein Macher. Das war echt geil. Er hat verschiedenen Leute, auch mit den Good old boys, Leute mit denen er auch musikalisch garnicht so in Kontakt war, dass er mit den Leuten dann mal was macht, das ist wunderbar. Er ist ein wunderbarer Mensch gewesen.

Christian: Ok, kommen wir zurück zu den EMILS. Ihr habt ja seit 2010 Eure Myspace-Seite. Wie kam es dazu, macht das ein Freund von Euch?

Ille: Also ich war ja eigentlich immer dagegen, das es eine Myspaceseite von den EMILS gibt. Kai macht das und der wollte das schon viel früher machen. Es gab halt ein Veto.

Christian: Hat er Dich dann doch mal rumgekriegt in einem schlechten Moment?

Ille: Irgendwann war es mir dann egal. Ich habe immer so meine Schwierigkeiten mit diesen Diensten. Man steckt da irgendwie nicht richtig hinter. Man muss Werbung zulassen, obwohl man es nicht will. Irgendwann habe ich dann gesagt, ja, mach das. Kai ist ein ganz großer Fan der EMILS aus Wolfsburg. Der ist früher schon immer überall auf die Konzerte gekommen in die winzigsten Dörfer im Osten und so. Der ist echt mit Herz und Seele dabei.

Christian: Also richtig ein Diehard-Fan?

Ille: Ja, ich weiß nicht, ob andere Bands sowas haben (Gelächter). Der macht das halt ganz gut. Der macht das mit dem Herzen.

Christian: Was würdet Ihr denn jungen Bands raten, die kein Label und keine Kohle haben?

Sven: Meinst Du jetzt Deine Band?

Christian: Das habe ich so jetzt nicht gesagt (Gelächter). Nagut, gib doch mal ein paar schlaue Ratschläge?

Sven: Ja, fünf Tage die Woche Gitarrenunterricht nehmen (Gelächter). Ne, einfach nur Spaß an der Musik haben und alles locker sehen.

Ille: Arsch abspielen und echt durch die Scheiße gehen.

Christian: Eine Sache ist mir doch noch eingefallen. Sven, ich habe gelesen, dass Du ausgewandert bist?

Sven: Ne, das habe ich mal vorgehabt. Da waren so einige Probleme und da wollte ich eigentlich nach Thailand auswandern. Aber das schwebt immer noch im Hinterkopf, aber das dauert noch ein paar Jahre. Ich wandere nur aus, wenn ich auch finanziellen Hintergrund habe und dann auch von meinen Reserven oder meiner Rente leben kann. Aber das dauert ja noch ein paar Jahre.

Christian: Ok, super, vielen Dank für das Interview!

BicahunaS Interview (03.12.11)

BICAHUNAS
Interview schriftlich gemacht  im November 2011 für Crazy United von Oliver Wacha

Bicahunas , eine Band die aus Witten kommt und die mir auf Ihre LP/CD Release Party am 20.10.2011 im Wageni begeistert haben.
Nein , nicht nur durch die hübsche Sängerin , die eine Power und das gewisse Extra hat , sondern auch Ihre 4 Mitstreiter , die Ihre Instrumente beherschen und alle sichtlich Spaß an der Musik und auch Ihren Auftritt haben/hatten . Diese Band gehört auf die Bühne und dieser Meinung sind wohl auch viele andere. Denn nicht umsonst haben die ” Bicahunas ” , der Name stammt übrigens aus dem Pulp Fiction Film , zahlreiche
Auftritte im ganzen Bundesgebiet .
Die knallige Musik gefällt also nicht nur mir. Auch andere haben gefallen gefunden an der rotzigen Musik , die durch Sängerin Janine , den beiden Gitaristen , die Ausflüge vom Metal erkennen lassen sowie den
Basser und Drumer alles zu einer sehr homogenen Masse verschmelzen , die treibenden und auch kräftigen PankHardcoreMetalCrossoverSchubladeaufundzuMukke spielen , die auch Dich bestimmt interessieren dürfte !
Deswegen ein Interwiev mit der Band und den Hinweis , das die Platte 10 € + Porto kostet. [E-Mail : j-rocks@gmx.de + www.facebook.com/pages/BicahunaS/144655885593307?ref=ts

Sage mir und den Leser erstmal was allgemeines zu Bicahunas.
Wir sind, Jannine(Gesang), Werner (Gitarre), Madame(Gitarre),SkinnyN.(Bass),Olli(Drums)! Ein beklopptes Quintett aus Witten und Umgebung welches sich mit ihrem Debutalbum „ZERSTÖREN&GESTALTEN“(VÖ Oktober’11) zu BicahunaS umbenannt hat, weil wir zuvor, seit März’09 mit einem Bandnamen unterwegs waren(J.& the die Oh’s) der nicht einmal mehr bei klarem Verstand von der Mehrheit richtig ausgesprochen bzw.geschrieben werden konnte ,haben wir ende 09 ein 6track Demo aufgenommen.
Noch mit alter Rhythmusfraktion.(Drum & Bass)

Erzähle uns ein wenig von dieser Platte.Wie lange habt Ihr aufgenommen ? Wie hoch ist die Auflage ?
Ist irgendwas besonderes im Studio vorgefallen ? Waren alle schonmal im Studio ?
Da wir von Anfang an vor hatten unser Debutalbum in Eigenproduktion raus zubringen
war uns von vorne herein klar das wir uns durch die dadurch entstehenden Kosten(LP,CD,Merch) kein professionelles Tonstudio leisten können. Was für uns aber auch kein Problem darstellte, weil wir in unserem Proberaum eine sehr gute Akustik haben und ein Freund von uns, der Bö, das nötige Equipment, sowie Erfahrung in Sachen Bandaufnahmen mitbrachte. Somit hatten wir den Vorteil, dass wir zeitlich nicht so unter
Druck standen, was aber nicht heißt das wir rumgeklüngelt haben. Weil wir alle nur Nachmittags Zeit hatten und den im Wohngebiet liegenden Bunker nur bis 22Uhr für die Aufnahmen nutzen konnten, brauchten wir 14 Tage, was so ungefähr 5-6 Studiotage entspricht. Diese verliefen klassisch: erst die Drums, dann Bass, dann erste und zweite Klampfe, zum Schluß der Gesang und die Chöre. Auf Studioschnickschnack z.B.:
doppelte Gitarren haben wir bewusst verzichtet, damit es auch Live authentisch ist. Somit war nachher auch das Mixen eine Sache von ein paar Tagen. Die Aufnahmen verliefen dementsprechend reibungslos, weil wir alle Studioerfahrung mitbrachten und natürlich keinen langweiligen Klick benutzten.(Der kann einen den letzten Nerv kosten) Ok, zur Auflage: 300LP’s, 500CD’s

Wie ist der Verkauf der Platte/CD ? Ich war erstaunt , als Du mir sagtest , daß die Platten besser weg gehen , was mich sehr gefreut hat . Schallplatten sind und bleiben das bessere Format . Findest Du das auch oder bist Du mehr für CD`s ?
Anfangs wurden mehr Platten als CD’s gekauft, doch mittlerweile ist es mal so mal so. Jannine: Ich kaufe mir nur im Ausnahmefall ne CD, wenn ich heiß hinter ner Aufnahme her bin, die es nicht auf Vinyl gibt! Also 12“, 10“ und 7“ sind auf jeden fall das bessere Format.
Werner: Auf jeden Fall Vinyl!

Spielt Ihr dieses Jahr auf dem Ruhrpott Rodeo ? Wenn nicht , warum macht Ihr das nicht ? :-)
Der " Zwakkelmann " geht auch einfach dahin und spielt . Wenn auch "nur" vor dem RilRec. Plattenstand .
Haben uns mit unserem Album für ’s Rodeo beworben, mal sehen ob Herr Schwers uns beachtet, weil wir ja kein Label oder Management hinter uns haben was uns unterstützt und wir ja auch erst seit März’09 als Band existieren. Natürlich würden wir sofort und ohne auch nur mit der Wimper zu zucken zusagen, ansonsten würd’ ja was mit uns nicht stimmen.
Na, wie der Zwakkelmann einfach vorm Rilrecstand, was würd’ denn da die Security sagen wenn wir unsere Backline da aufbauen und den anderen Bands die Show stehlen…Haha

Ihr habt schon einiges an Konzerten gespielt - Was nervt Euch am meisten und was liebt Ihr ?
Live spielen ist generell das beste was man mit seiner Zeit anfangen kann. Damit kommen wir schon zum nächsten Punkt, wenn das Wörtchen Zeit nicht wäre!
Werner: Da ich im sozialen Dienst tätig bin, gibt es für mich keine Wochenenden und Feiertage und den Schichtplan so hinzubiegen daß das mit den Gigs so klappen kann ist für mich dann das stressigste.
Jannine: Wenn ich der Chauffeur bin und somit das Pack nach Hause transportieren muss.
Madame: Spielen, Spielen, Spielen!...wenn es nach’ nem Auftritt stressig wird, dann ist’s nicht ganz so doll, denn man vergisst leider manchmal wie Geil es grad noch war. Lieben bei der Sache ist, dass man rumkommt, neue Städte, Locations und vor allem die Leute die dahinter stehen kennen lernt, die anderen Bands, das Publikum und immer wieder ein neues Erlebnis hat, was man sich für Geld nicht kaufen kann.
Ach ja, dann sind da ja noch die anschließenden Partys!!

Was war dein peinlichstes Erlebnis als Musiker ?
Jannine: Zwar nicht peinlich aber witzigJ! Hab in einer langen Wartezeit bis zum Auftritt, doch tatsächlich mal vergessen das ich noch auf die Bühne muss…Prost….war der erste Gig…
Werner: Bei der ersten Note im ersten Lied sind zwei Seiten gerissen Madame:Hm…Peinlichkeiten gab es nicht wirklich! Das was Werner hatte ist mir auch schon mal passiert…nur dreimalJerst meine Gitarre, dann die Ersatzklampfe vom Kollegen..und dann noch mal die von der anderen Band! Haha doch war lustig!

Was steht so in den nächsten 6 Monaten so an ?
So viel es geht Live spielen und gute Songs für das nächste Album schreiben!

Was war deine erste gekaufte Platte / besuchtes Konzert und zuletzt gekaufte Platte / zuletzt besuchtes Konzert ?
Jannine: Extrabreit, Welch ein Land!! Was für Männer war meine erste Schallplatte!
Erste Konzerte auf denen ich war kamen aus meinem Freundeskreis, wie z.B. The Fake….aus Ibbenbüren, dort lebte ich auch seit meinem 7.Lebensjahr.
Meine zuletzt gekaufte Schallplatte war unter anderem die Volxverätzung 10“ und die Hysterese die ich erfreulicherweise am 3.Dezember im AZ Mülheim sehen werde…
Madame:1.Konzert:Die Toten Hosen + 1.Platte: hui buh das Schlossgespenst
Werner: Mit 8 Jahren hab ich mir unter Beaufsichtigung meiner Mutter von meinem ersparten Taschengeld“The Visitors“ von ABBA gekauft, man war ich stolz!
Die zuletzt gekaufte:Attitude Adjustment“No way back“.Mein erstes Konzert Depeche Mode auf der Black Celebration Tour.
Werner + Jannine: Zuletzt besuchte Konzert Eisenpimmel, Chefdenker …oder?

War 2011 ein gutes Jahr für Euch ? Nächstes Jahr geht ja die Welt unter . Weißt Du , wann genau ? Gebt Ihr dann einen letzten Gig ?
So’n Quatsch die Welt ist doch schon am untergehen, so lange es Strom gibt spielen wir weiter!

Würdet Ihr bei Günther Jauch mit machen ?
Nö! Erst gegen so’ ne Scheisse, diesem System, Kapitalisten wettern und dann…dahin…neee!

Was wollt Ihr zerstören ? Was gestalten ?
Zerstören: Den Glauben an eine heile Welt!
Gestalten: Eine neue Welt in der jeder tun und lassen kann was er will ohne die Freiheit anderer zu beeinträchtigen(Ihr wisst was das ist!!)…was wohl niemals passieren wird…

Macht ihr bei Occupy mit? Wenn ja wie?
Jannine: Ich finde es super, dass ne Menge Treffen stattfinden wo Leute sich organisieren,
aber ich selbst teile/verbreite nur manchmal nen Link in denen es um Demonstrationen und treffen geht.
Werner, Madame: Machen da nix… bis jetzt zumindest.

Als Jannine und Werner bei mir waren, habe ich kurz das Thema “Punk und Nagel im Kopp“ angesprochen. Ich glaube, Ihr wusstet nicht, was ich gemeint habe. Nun auch für die anderen3-glaubt ihr auch, dass einige “zwangsläufig“ zum Punk hingefunden haben, weil irgendwelche Defizite in ihrer Kindheit stattgefunden haben, mit denen sie überfordert waren oder irgendwas“ gesucht“ haben? Wie seht ihr das? Viele mit denen ich sprach sehen das auch so und fanden das seht interessant!
Jannine: Wenn einem durch Defizite klar wird, daß eigentlich die Gesellschaft den Nagel im Kopp hat, ist das im Grunde betrachtet ja sogar positiv.
Letzt endlich bedeutet das ja tatsächlich einen Schutz davor bei dieser ganzen Scheiße mit zu machen.
Werner: Bei vielen trifft das bestimmt zu mit den Defiziten in der Kindheit zu aber bei den meisten die ich kenne bestimmten die politischen Ansichten, sowie Spaß am Leben, ja halt anders zu sein als die Schafherde.
Madame: Das seh’ ich auf jeden fall auch so bzw. ist’s auch meine Erfahrung das viele die sich nen Iro schneiden einfach in der „normalen“ Welt nicht klar kamen oder zuhause derbe Probleme hatten/haben oder auch manche den Gedankensatz haben das sie eh nix Wert sind und sich dann auch ruhig nen Iro schneiden können und sich dann vor’ m Bahnhof setzen und
Schnorren! Na ja ist das Punk ??? nein!!! Ich bin’s weil ich weiß das ich anders bin und was anderes will als der Rest der da sonst so rum läuft.. und da bin ich stolz drauf und nicht weil mich das Elend zuhause dahin gedrängt hat! usw. usw.

Finde ich auch eine sehr interessante Frage: Was meint Ihr, warum sich viele Punks von früher zum Skin “mutiert“ sind?
Jannine: Kann ich nicht nachvollziehen…waren der oder diejenigen Punks????.
Werner: Keine Ahnung, die Punks die ich von früher kenne sind alle noch Punks.
Madame: Vielleicht aus dem Grund den ich grad in 14 ansprach…weil sie keinen Bock drauf haben das sich viele als Punk bezeichnen obwohl sie im Endeffekt nur Schnorrer mit Iro sind! Könnte ein Grund sein….

Ihr spielt viele Gigs. Macht Ihr das alle für Sprit? (Tank+Kehle) Wollt ihr kein Geld nehmen/Haben?
In erster Linie zählt der Spaß an der Sache und wir sind froh darüber viele Gigs spielen zu können um unsere Platte zu promoten. Bisher hatten wir mit den Veranstaltern Glück, dass sie so fair waren und uns immer einen Anteil aus ihrem Pott zusätzlich zum Sprit überlassen haben. Noch machen wir deren Laden mit unserem Namen ja nicht voll. Das passt schon…Reich werden ist voll doof…Hahaha

Wenn man sich die Begebenheiten hier in Deutschland anschaut, ist da nicht einiges übertrieben, wenn Punks sagen, hier sei es scheiße? Hier kann man nicht frei Leben, die Menschen seien Arm etc.? Mir fällt da gerade ein guter Satz von „Rasta Knast“ ein, als die das erste mal in Brasilien auf Tour waren und Sinngemäß sagten: „Wenn man das Elend hier in Brasilien sieht, ist es lächerlich, über was sich deutsche Punks aufregen!“

Jannine: Wenn man solche Vergleiche zieht stimmt das schon. Hab Kumpelpunks in Brasilien die auch Mucke machen und Angst in Sao Paulo in ihrer Favela haben, von den Bullen während der Probe erschossen zu werden. Ohne die katastrophaleren Dinge in Vergleich zu ziehen ist es hier natürlich Scheiße, auch hier wird Diskriminiert, Leute von den Bullen verprügelt, wie z.B. auf den Demos gegen (Castor Transporte)etc…
Werner: Ich schließ mich dem an.
Madame: Das stimmt schon…aber wo soll man versuchen was anders zu machen als vor der eigenen Tür! Und nur weil’s anderen noch schlechter geht heißt das ja nicht das hier alles super läuft! Und Froh bin ich schon hier geboren worden zu sein…aber trotzdem scheiß ich drauf!!!

Ihr macht ja alles im D.I.Y. Verfahren . Was meint Ihr , hat das für Vorteile ? Lernt man einiges daraus ?
Der Vorteil ist das einem keiner rein reden kann und man lernt ne Menge dazu, weil man sein eigenes Label, Vertrieb, Bookingagentur, Grafikabteilung, Management, Studio …ist. Nachteil: Zeitaufwändig und stressig

Wie entstehen die Texte und Musik bei Euch ? Hat da jeder seinen Part oder wie läuft das ab ?
Bis Du nicht auch der meinung , daß wenn man ehrlich ist teilweise der Gesang auchg blos das 5. Instrument ist ?
Jannine: Die Texte schreib ich alle selber, Werner macht die Gitarrenparts dazu und wir alle puzzeln das dann nachher zusammen, wo jeder seinen Senf dann noch dazu gibt. Bei manchen Songs entsteht zuerst der Text, den ich der Band vortrage und sie die Gitarrenriffs unterlegen(Werner: so find ich’s am besten) oder sie hauen mir ein paar Riffs um die Ohren worauf ich den Text schreibe, das gefällt mir am besten.
Jannine: Ja klar! Aber der Gesang ist definitiv im deutschsprachigen Punk das wichtigste Instrument.

Habe ich was vergessen zu fragen , Ihr aber noch unbedingt sagen wollt ?
Fällt uns grad nix ein…außer das wir Bock haben weiter zu machen bis wir irgendwann umfallen

Wie sieht der Traumgig von Euch aus ? [ so von der Location , Bands etc . ]
Jannine: Würd’ gerne mit Joe, Johnny, Deedee und Marky auf Tour gehen…haha
Werner: Würd’ gerne mal mit Motörhead auf Tour gehen…
Madame: Etwas größere Festivals wären mal ne Sache…Ruhrpott Rodeo oder Force Attack zB…aber ansonsten einfach jede Gigs, wo alle ihren Spaß haben sind immer sau Geil!

Seit Ihr für das bedingungslose grundeinkommen ? Wie hoch müsste es sein ? Wäre das nicht unfair gegenüber den Leuten die arbeiten ?
Jannine: Ja klar, find ich super! Wieso sollte das unfair denen Gegenüber sein die arbeiten, die bekommen das ja auch.
Werner: Yo, und die hätten sogar die Möglichkeiten zu sagen, Juchuu gehe nur noch 5Std. am Tag arbeiten!
Madame: Klar!… Na so hoch wie’s grad das Überleben einem vordiktiert! Aber mindestens doppelt bis dreimal so hoch wie Hartz4 Scheisse.. und dann könnte ich endlich aufhören zu malochen!!!

Kontakt : E-Mail : j-rocks@gmx.de

 

Halbstarke Jungs Interview (25.11.2011)

Stell doch einmal bitte die Halbstarken Jungs im Einzelnen vor, wer seid ihr, was macht ihr und wo kommt ihr her oder wo lebt ihr?

Die Halbstarken Jungs sind: Gitarrist Kügi – er ist der einzige von uns der einen richtig bodenständigen Job im Einzelhandel hat, Lead-Gitarrist Marvin befindet sich in der Vorbereitung auf sein Musikstudium, Basti – unser Sänger hat einen guten Job bei einer namhaften IT-Firma abgegriffen, Bassist Pille – gelernter Koch und inzwischen Sous-Chef(?) in einem Sterne-Restaurant in Leipzig und Drummer Sascha der momentan in Halle BVWL studiert. Wir stammen alle aus Gräfenhainichen bzw. den umliegenden Dörfern und kehren auch regelmäßig und nicht zuletzt wegen der Proben dorthin zurück.

Es gibt euch bereits seit knapp 3 Jahren! Was hat sich denn aus eurer Sicht seit der Bandgründung verändert?

In diesen 3 Jahren miteinander hat sich natürlich die persönliche Bindung extrem verstärkt. Wir hängen alle aneinander und können uns „Halbstarke Jungs“ nicht ohne den jeweils anderen vorstellen. Während dieser Zeit haben wir einiges an Bühnenerfahrung zusammen gesammelt und einen guten Teil an musikalischer Entwicklung miteinander durchgemacht. Durch den stets steigenden Bekanntheitsgrad der Band und die Ausweitung der Auftritte mussten wir uns zunehmend mit Themen wie Organisation, Marketing und Finanzen auseinandersetzen. Das alles war für uns immer ein Schritt in Richtung „Musiker-Karriere“.

Am 14.10.2011 kam euer erstes Album raus, wo habt ihr es aufgenommen, wie kam es dazu, wie waren eure Erlebnisse im Studio bei den Aufnahmen, seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden?

Unsere Albumsongs haben wir in Halle/Saale im Studio Null 5 (www.studionull5.de) bei Tino Hohndorf aufgenommen. Erst war eine 5-Track EP als Format angedacht. Nach Gesprächen mit unserem Label Sunny Bastards Films & Music (www.sunnybastards.de) haben wir zwei weitere Songs eingespielt um „Dissonant“ zu einem MiniAlbum machen zu können.Im Studio hatten wir sehr viel Spaß zusammen, ein Satz ist uns im Gedächtnis geblieben: „Der Klick ist gnadenlos!“.
Wir haben dort Professionalität kennen und schätzen gelernt und konnten andererseits auch spontan viele neue Ideen entwickeln und ausbauen was uns enorm viel Freude bereitete.In Tino Hohndorf haben wir einen neuen Freund gewonnen und waren uns ohne Absprachen sofort einig das er garantiert auch in Zukunft der Tontechniker unseres Vertrauens sein wird.

Wie oft probt Ihr und was erlebt ihr so auf euren Konzerten, Reisen und mit wem habt ihr eigentlich bereits schon die Bühne geteilt bzw. welche Feste habt ihr schon gerockt?

Leider schaffen wir es momentan nur einmal pro Woche in kompletter Besetzung zu proben. Berufs-und Studienbedingt hat es uns alle in verschiedene Städte verschlagen. Somit muss ein jeder von uns ein gutes Stück Strecke zurücklegen um zu den Proben zu kommen.
Wir sind in den letzten Jahren sehr viel rumgekommen. Von Mecklenburg Vorpommern bis Baden Württemberg kreuz und quer durch die komplette Republik. Grob überschlagen haben wir einige tausend Kilometer auf Deutschlands Straßen zurückgelegt wobei wir viel Spaß und unzählige schöne Erlebnisse hatten, auch haben wir eine Menge cooler Leute kennen gelernt.
Wir haben einige Supportgigs für Toxpack, Pöbel & Gesock’s, Krawallbrüder, Oxo86, Gumbles, Volxsturm, Dritte Wahl sowie einigen anderen Hochkarätern gespielt. Natürlich spielen wir aber auch sehr gerne eben die kleineren Konzerte in gemütlichen Clubs wo die Bindung zum Publikum einfach viel intensiver ist als bei den größeren Events! Grundsätzlich sind wir aber für jeden Spaß zu haben. Auf Festivals waren wir leider noch nicht allzu oft vertreten, jedoch hoffen wir das sich dies in den nächsten Jahren ändert und uns auch die Veranstalter größerer Festivals mal die Möglichkeit geben bei ihnen zu spielen!

Euer witzigstes bzw. irrstes Erlebnis im Rahmen der Bandgeschichte?

Ohne hier den Namen der Location zu nennen, können wir sagen, dass einer unserer Gitarristen schon mal die ganze Nacht durchgesoffen, und dabei unsere Gage komplett verzecht hat. Wir sind uns nicht sicher aber es könnte sein das wir dort immer noch Schulden haben   Die begleichen wir natürlich beim nächsten Gig vor Ort!

Was sind eure weiteren Pläne, die ihr sicher habt, für die Zukunft?

Natürlich haben wir diese. Aktuell versuchen wir unsere neue Scheibe „Dissonant“ noch als Vinyl zu platzieren. Wir stecken mitten in den Planungen der Auftritte für das kommende Jahr. Das Festival unseres Labels “Son of a Bastards – The Ride 2012″ mit einem Knaller Line-Up vom 17.02.-18.02.2012 in der Turbinenhalle Oberhausen ist bereits bestätigt. Wir hoffen weitere Festivals werden folgen. Aus beruflichen Gründen müssen wir die Anzahl der Gigs im ersten Halbjahr 2012 leider sehr gering halten. An neuen Songs wird selbstverständlich weiterhin ständig gearbeitet. Das Studio werden wir voraussichtlich wieder im März des kommenden Jahres entern um einen Track für den Tribute-Sampler „Auch wir sind Dritte Wahl“ aufzunehmen. Ein neues sehr schickes Logo haben wir ebenfalls spendiert bekommen (Riesen Dank dafür an Robert). Das Shirt mit diesem Logo gibt es in schwarz für die Damen und dunkelgrau oder schwarz für die Herren. Ordern könnt ihr das gute Stück ab sofort per Mail an hsj.basti@yahoo.de. Des Weiteren werden in Zukunft nach und nach weitere Merchandise-Artikel von uns erhältlich sein!

Wo findet der Fan euch im Internet, wie kann man euch für Konzerte buchen und wo findet man euren Merchandise?

Unser Fan findet uns natürlich immer wenn er es will im Internet, besucht uns einfach auf unserer offiziellen Facebookseite (www.facebook.com/halbstarkejungs).
Bookinganfragen bitte grundsätzlich an halbstarkejungs@gmx.de . Wir freuen uns über jede Anfrage und schauen was sich dann machen läßt. Also haut in die Tasten und stiftet eure Freunde und die lokalen Clubs an.
Merchandise gibt es in erster Line direkt per Mail bei uns sowie auf Facebook und im Brain-n-Dead Shop (www.brain-n-dead.de)
Pressekontakt: winkler@brain-n-dead.de

Danke für das Gespräch die letzten Worte gehören euch den Halbstarken Jungs…

Wir bedanken uns erst einmal, das wir uns bei euch zu Wort melden durften.

Besonders Danken und herzlichst Grüßen möchten wir an dieser Stelle nun folgende Leute ohne die wir ganz sicher nicht das wären was wir sind: Göran (FotoGraf & Fahrer), Lars (KlugEs Marketing), Tino Hohndorf (Studio Null 5), Carmen & Christian (Sunny Bastards Films & Music) für Ihr Vertrauen, Robert (MCS-Berlin), Schulle (Toxpack) & Matti (Gumbles) für den Support auf „Dissonant“, allen Bands mit denen wir bisher die Bühne teilen durften, sowie allen Veranstaltern die uns die Möglichkeit gaben und geben werden Konzerte zu spielen, natürlich unseren Familien, unseren Supportern und zuletzt unserer festen Halbstarke Jungs-Crew! Leute ihr seid der absolute Wahnsinn!!!

Dieses Interview führte Egulk Onne im November 2011

Emscherkurve 77 Interview (13.11.2011)

Sunny Bastards war so nett und hat uns für Euch 3 CDs zwecks Verlosung zur Verfügung gestellt, wofür wir uns recht Herzlich bedanken.
Um eine dieser drei CDs zu gewinnen braucht ihr nur eine sehr einfache Frage beantworten, die wie folgt lautet:

Welchen Fußball Verein unterstützt die Emscherkurve 77?

Eure Antworten bitte an frank@crazyunited.de mailen. Einsendenschluß ist der 20.11 2011.

Pünktlich zum erscheinen der neuen Emscherkurve 77 CD „Dat Soll Punkrock Sein“, hab ich den Jungs mal die ein oder andere Frage gestellt. Die letzte Scheibe ist Ende 2008, Anfang 2009 erschienen und in dieser Zeit hat sich einiges bei den Ruhrpottlern getan. Umso wichtiger war es mir nicht nur auf das neue Album ein zu gehen, sondern auch die ein oder andere Frage zu Band-internen Dingen zu stellen.
Die Jungs waren sehr redselig und neben allerlei Neuigkeiten aus dem Hause Emscherkurve, habe ich mich auch geoutet das 3. Wahl eine Band ist die komplett an mir vorbei gegangen ist. Hätten mich die Jungs nicht darauf aufmerksam gemacht, wäre mir nicht aufgefallen das sich doch ein Coversong mit aufs Album geschlichen hat. Ich denke das spricht für den eigenen Stil mit dem EK 77 mittlerweile zu Werke gehen. Für mich gehört „Dat Soll Punkrock Sein“ zu eines der besten Emscherkurve Alben und somit war es definitiv an der Zeit mal ein Interview mit ihnen zu machen.

Eigentlich braucht man euch ja nicht mehr vorstellen, ihr sorgt seit 11 Jahren bereits für relaxten Punkrock zwischen Fußball, Ruhrpottromantik und ernsten Themen. Aber trotzdem für neu hinzu gestoßene, stellt euch doch noch einmal kurz vor. Seit wann gibt es euch euch und wer spielt was,bzw. wer hat vorher schon woanders gespielt? Was war damals die treibende Kraft Emscherkurve 77 ins Leben zu rufen?

Daniel: Ja gut du hast ja schon einiges vorweggenommen. Also an den  einzelnen  Instrumenten haben wir den Alex am Schlagzeug, den Marc am Bass,den Spiller am Gesang und Marcel und Mich an den Gitarren. Ich bin seit 2006 bei Emscherkurve dabei und habe vorher mit Alex und Marc Musik gemacht.

Spiller: Eigentlich wurde das ganze damals als Spassprojekt mit einem RWO Lied, nämlich “Die Macht vom Niederrhein” gegründet. Zu diesem Zeitpunkt  konnte auch niemand ahnen, das da mal irgendwann ne ernsthafte Band draus werden wird. Elf Jahre, viele Konzerte und
einige Platten später, sind wir um einiges Schlauer.

 

Die Split-Vinyls und Mini-Lps mal außen vor gelassen, dann seid ihrjetzt mit eurem dritten kompletten Album am Start. Im Laufe der Jahre hat der Fußball bei euch, meiner Ansicht nach nicht mehr so ganz den Stellenwert wie am Anfang, was ich sehr begrüßenswert finde. Fussball reduziert Musik unter Umständen immer auf einen bestimmten Hörer-Kreis.Fußball ist zwar auch auf der neuen Scheibe mit dabei, aber bewusst habe ich eigentlich nur einen Song bemerkt. Mehr und mehr finden szenerelavante- und auch ernste Themen Einzug wie auf der neuen Platte. Hat sich das einfach so mit der Zeit ergeben oder wie kommt das?

Daniel: Keine Ahnung wie das kommt. Es passiert einfach. Evtl weil man seine eigenen Interessen mehr mit in die Musik mit einbringt. Wir wollen halt nicht nur Fußball- oder aber Partyband sein. Die Emscherkurve ist mehr als das und schon allein deswegen war es wichtig in den Texten andere Themen als nur Fußball zu verarbeiten. Ich denke dennoch das der Fußball generell nicht zu kurz kommt. Und ich für meinen teil bin begeisterter Fußballfan.

Marcel: Das man uns immer mit dem Thema Fußball in Verbindung bringt stimmt natürlich. Ich denke aber auch das wir den Fußball Anteil deutlich runtergeschraubt haben, was aber eher unbewusst passiert ist. Nun war es einfach mal wieder an der Zeit was für den RWO zu machen. Und wie du ja selbst am besten weißt, war der “RWO” Songs ja eigentlich für die Crazy United Crew gedacht, was ja aus Zeitgründen nicht geklappt hat. Und warum sollte man so einen guten Song dann fallen lassen? Wie gesagt, der Fußball gehört zu unseren Wurzeln dazu. Aber wie Daniel schon sagt; EK77 ist viel mehr als Fußball.

Spiller: Ich verstehe nach wie vor nicht warum wir immer in diese Fussball Ecke gedrängt werden. Klar besteht diese Verbindung durch unseren ersten Tonträger und auch durch den Bandnamen. Aber auf ALLEN nachfolgenden Veröffentlichungen haben wir doch wohl mehr als gut bewiesen das man uns nicht nur auf das eine Thema beschränken sollte. Sprich auch da war Fussball dann schon eher Nebensache. Das ist also keine Errungenschaft der neuen Platte.

Louis De Funes hat bei euch auf dem neuen Album einen eigenen Song bekommen. Wer kam auf diese Idee bzw. wer bei euch ist Fan von dem kleinen hektischen Franzosen?

Daniel: Die Idee stammt von Marcel und Spiller. Die Musik hab ich geschrieben und der Text stammt auch von Marcel. Aber Fan sind wir alle. Er
ist einer der größten Humoristen Europas, wenn nicht sogar weltweit gewesen.

Marcel: Genau. Ich habe mit Spiller einen Film von ihm gesehen und dachte mir; der Mann hat einen Song verdient. War eigentlich schon längst
überfällig. Zudem finde ich es schade das Leute wie er, oder Dieter Krebs und Dieter Hallervorden immer in die Blödel Ecke gedrängt werden. Um so etwas zu spielen braucht man verdammt viel Schauspielerisches Talent.

Spiller: Und er wird auch mit Sicherheit nicht der letzte sein, dem wir musikalisch huldigen werden.

Ihr hattet einen kleinen Sängerwechsel zwischen der letzten und der neuen Scheibe. Wie man hören kann habt ihr das sehr gut ausgeglichen. Wieso gab es diesen Wechsel und wer hat den fehlenden Posten von Böhle ersetzt?

Daniel: Es gab im Laufe der Jahre immer wieder Probleme mit Böhle. Mal war es eine Zeit lang ganz ok, aber das war nur temporär. Der letztendliche Grund war seine Rot Weiß Oberhausen Platte, die er ohne unser Wissen geplant und auch aufgenommen hat. Das ist nun erstmal nicht das Problem. Jedoch war sein Plan “Die Macht vom Niederrhein” und somit auch die Emscherkurve beim RWO auszubooten, um selbst die Lorbeeren zu ernten. Es gab aber in der Vergangenheit immer wieder eine Menge Streit zu diversesten Themen. Wir haben uns ganz bewusst nicht nach einem Ersatz umgesehen. Von daher gibts keinen Ersatz. Da Marcel und Ich eh fast alles mitgesungen haben, hat sich auch für uns nicht viel geändert. Dennoch hat die Entwicklung im letzten Jahr dazu geführt, das Spiller und Ich sich den Gesang aufteilen. Das kann man auch bei Songs wie eben “Alles Gute und viel Glück” oder “Zeit bleib stehen” hören.

Marcel: Es sind einfach zu viele Sachen vorgefallen die nicht mehr (er)tragbar waren. Das würde jetzt den Rahmen sprengen. Wäre Böhle nicht
gegangen, wären Daniel und ich ausgestiegen und ob Marc und Alex dann noch geblieben wären ist fraglich. Fakt ist: Die Emscherkurve hat jetzt ihre beste Zeit.

Spiller: Nach der “Lieder aus der Kurve” hat er sich auch völlig aus allem rausgezogen, nur noch sein eigenes Ding verfolgt und rein gar nichts mehr für die Band getan. Selbst an der Coverversion zum Slime Tribute hat er seine Mitarbeit verweigert und so war das bereits der erste Song den wir ohne ihn aufgenommen haben. Er hat uns zuvor über Jahre hinweg mit Ausstieg gedroht und wir haben ihm egal was war und trotz aller Eskapaden immer und immer wieder die Stange gehalten. Irgendwann war aber leider der Punkt erreicht wo es einfach anders nicht mehr ging. Du kannst mir glauben das dieser Schritt kein einfacher war, aber wie man so schön sagt: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!!

Eure neue Platte ist vollgestopft mit eingängigen Melodien die sich schnell im Ohr festsetzen und da verweilen. Ganz zu schweigen davon, dass
sie fast alle auch live absolut Mitgröhl-tauglich sind. Wer schreibt bei euch die Songs und ist für die Ideen verantwortlich?

Daniel: Alle Songs und alle Texte wurden von Marcel und Mir geschrieben.Gemeinsam haben wir unsere ausgearbeiteten Ideen im Proberaum präsentiert und danach gemeinsam entschieden, welche Songs genommen werden und welche nicht.

Marcel: So sieht es aus. Daniel und ich stehen halt auf geile Hooks, egal aus welcher Musik Richtung sie kommen. Und solche Melodien wollen wir dann auch bei EK77 mit unterbringen.

Spiller: Wie man schon beim letzten Album teilweise bemerken konnte ist Daniel, was Mitgröhl-Chöre, melodischen Backgroundgesang oder die zweite Stimme betrifft eine unheimliche Bereicherung bei EK77. Nur durfte er sich damals eben noch nicht so austoben wie er wollte. Beim neuen Album waren Marcel und Daniel dann aber keinerlei Grenzen gesetzt, wie man nun ganz gut hören kann.

Mit „Wir ham den Punk verstanden“ habt ihr einen Song über die bunthaarige Subkultur am Start. Was war der Auslöser für den Song und was bedeutet diese Subkultur für euch?

Daniel: Den Song hab ich gemacht. Die Idee dazu kam mir im Zug, als ich ein Gespräch zwischen ein paar Halbstarken mitbekam. Irgendwie haben Sie im TV was über Punk gesehen und fanden es cool. Es ging darum, welche Klamotten nötig wären um auch Punk zu sein. Mich hat es gestört und zugleich amüsiert, als ich das hörte und hab mich gefragt, was das für arme Würste sein müssen, die sich ausschließlich durch Kleidung einer Subkultur anschließen möchten. Das war letztlich der Anlass für den Song. Für mich ist es so, das mir die Szene an sich nicht so wichtig ist, da ich mein Leben definitiv außerhalb dieser verbringe. Sprich in meinem Alltag spielt das eine untergeordnete Rolle. Dennoch tauche ich für Konzerte auch gerne in diese Szene ein und fühle mich sehr wohl und bin froh das diese besteht.

Ich finde euer neues Album um einiges straighter und geradliniger als noch bei „Lieder aus der Kurve“ was absolut positiv zu werten ist. Mir scheint so als wenn ihr einiges an unnützen Ballast bzw. Spielereien über Bord geworfen und euch dafür mehr auf die Melodien konzentriert habt. Seht ihr das ähnlich?

Daniel: Danke für die Blumen. Ich find aber auch das dieser Schritt notwendig war. Wir wollten nicht die x-te Skanummer machen, weil es eben
zum guten Ton gehört. Wir wollten und haben uns aufs wesentliche konzentriert und uns mehr Gedanken über Songs gemacht als über den Stil
in dem er daher kommen soll. Das ist ein anderer Ansatz als früher. Wir wollten nur Dinge machen zu denen wir 100% stehen ohne Kompromisse. “Dat soll Punkrock sein!?” ist das Resultat.

Marcel: Genau so ist es. Es war einfach an der Zeit den nächsten Schritt zu gehen. Ich bin mit “Lieder aus der Kurve” nicht wirklich zu frieden. Die Platte klingt total zusammengewürfelt und hat keinen roten Faden. Zudem war die Produktion auch sehr schwach. Diese Fehler wollten wir beim neuen Album vermeiden. Und wie Daniel schon sagt: Wir sind eine Punk Band und darauf haben wir uns dieses mal konzentriert. Kein Ska, Keine Schlager oder Gimmicks. Straight auf`n Punkt. Ich denke das wir diese Richtung auch beim nächsten Album weiter ausbauen werden.

Dieses mal ist nicht eine einzige Coverversion vorhanden. Bei der „Lern mal deutsch“-Scheibe habt ihr euch ja damals ausgiebig in dieser Richtung hin ausgetobt. Gibt es noch Bands mit denen ihr so etwas gerne nochmal machen würdet, aber damals nicht die Möglichkeit dazu bestand? Oder war das eine einmalige Sache die man nicht wiederholen sollte?

Daniel: Also wir haben eine Coverversion auf dem Album mit “Zeit bleib stehen” von Dritte Wahl. Mal davon ab, wollten wir so wenig Coversongs
wie möglich machen. Wir wollten zeigen, das wir eine eigenständige Band sind. Vor allem war es uns wichtig keine Gastmusiker zu haben. Das Album sollte zu 100% von uns stammen, ohne namhafte Unterstützung, wie es beispielsweise bei “Lieder aus der Kurve” der Fall war. Dennoch würde ich nichts ausschließen, jedoch glaub ich nicht das nochmal so ein Album wie “Lern ma deutsch” möglich bzw. nötig ist. Außerdem muss eine Wiederholung, von einer guten Sache, nicht zum Erfolg führen. Und eine Wiederholung wird es auch nicht geben. Wir schreiben unsere eigenen Songs und Texte und so soll es auch bleiben.

Marcel: Genau. Es soll jetzt nicht arrogant klingen,aber wir brauchten dieses mal einfach keine Gäste. Klar ist es cool wenn Person XY was geiles
singt oder ein geiles Solo spielt ,aber wir wollten einfach zeigen, das wir sowas auch alleine können-Was natürlich nicht heißt, das es bei EK77 nie wieder Gastmusiker auf einem Album geben wird.

Spiller: Wir hatten schon immer die ein oder andere Coverversion im Programm. Aber das “Lern ma deutsch” Album hat ja auch nur funktioniert da wir zu den jeweiligen Covern auch immer einen oder mehrere Original Band Mitglieder der gecoverten Bands dabei hatten. Ist nichts neues und auch nichts was andere Bands nicht auch schon vor und nach uns gemacht hätten, aber auf unserem Album haben diese Punklegenden dann eben in DEUTSCH gesungen und nicht in ihrer Landessprache. Ich denke was wir damals geschaffen haben kann man nicht toppen, auch wenn es da die ein oder andere Band gibt mit der ich gerne noch mal so einen Song in deutsch aufnehmen würde. Aber wir hatten ja bereits einiges dabei was Rang und Namen hat.

Nochmal zurück zum neuen Album, wer von euch ist „Der Mann für unten rum“ damit die Groupies bescheid wissen an wen sie sich wenden müssen?

Daniel: Das sind wir alle! Nur ist es nicht jedem weiblichem Wesen vergönnt, diese Qualitäten zu genießen, da wir bis auf unseren Drummer
alle vergeben sind.

Marcel: Genau. Also bitte unseren Drummer Alex kontaktieren.

Eure CD ist mit einem Booklet ausgestattet das sich jeder so falten kann das er seinen Lieblings-EK77er auf dem Cover hat. Wie löst ihr das Problem mit der LP oder gibt es da ein anderes nettes Highlight? Buntes Vinyl oder ähnliches?

Marcel: Es wird ne Picture LP geben, wo dann einfach ein Bandfoto drauf ist.

Spiller: Und dazu gibt es noch ein beidseitig bedrucktes A2 Poster mit Texten, etc auf der Rückseite.

Wie geht es nach der Veröffentlichung des Albums in den nächsten Monaten weiter mit der Emscherkurve 77? Steht eine Tour oder ähnliches an?

Daniel: Ums ehrlich zu sagen, keine Ahnung. Wir supporten in 2011 noch bei 3 Kassierer-Shows und spielen noch im Dezember ein Konzert mit Betontod in Rheinberg. Darüber hinaus ist für 2012 einiges angedacht, was aber noch nicht spruchreif ist. Eine richtige Tour ist natürlich das absolute Highlight. Mal sehen ob da was geht. Bock drauf haben wir aber alle.

Spiller: Wir haben schon den ein oder anderen Song in der Mache und schauen dann mal ob wir die für nen neuen Longplayer zusammen sammeln, oder ob wir uns dann mal wieder ne Splitplatte mit ner anderen Band leisten. Ihr werdet es früh genug erfahren.

Bei euch geht es innerhalb der Band sehr „united“ zu Marcel kommt eher aus der Hardcore-Richtung, Daniel scheint die ein oder andere Metal-Scheibe zu mögen und Spiller gehört eindeutig in die Skinheadszene.Gibt es da manchmal Diskussionen bei der musikalischen Umsetzung oder profitiert man als Band eher von den unterschiedlichen Geschmäckern?

Daniel: Also das ist natürlich stark vereinfacht dargestellt. Somit liegst du nicht ganz falsch, aber eben auch nicht ganz richtig, denn ich
komme ganz klar aus dem Punkbereich und habe eine Affinität für Metal. Jedoch war ich nie ein Haarschwein oder Die Hard Metal-Fan, sondern mich hat immer der Punk am meisten beeinflusst. Vor allem Bands wie Descendents, NOFX oder Face to Face. Aber es ist vollkommen richtig, das wir von dieser Vielfalt profitieren. Ich kann mich in der jetzigen Konstellation an keine Diskussion erinnern, wo bsp. gesagt wurde, der Song geht gar nicht, weil der zu sehr nach Hardcore klingt. Es gibt in unserem Schema nur Songs die gut oder schlecht sind.

Marcel: Gerade weil wir alle unterschiedliche Mucke hören tut es der Band gut. Das heißt das viele verschiedene Ideen zusammen kommen und doch nach Emscherkurve klingen. Ich bin mittlerweile offen für alles. Egal ob harte Mucke oder was auch immer.

Spiller: Und Lieder die dann aus irgendeinem Grund gar nicht nach EK77 klingen oder zu uns passen, werden dann eben wieder aus dem Programm geschmissen. Oder auch so abgeändert das sie passen. Da gab es in der Vergangenheit den ein oderanderen Song der mir zb erst gar nicht gefiel, dann aber eben aufgearbeitet wurde und nun zu uns passt.

Ich danke euch für das Interview! Möchtet ihr dem ein oder anderen Leser noch was mit auf den Weg geben?

Marcel: Danke für`s Inti und checkt die neue Platte aus!!!

Spiller: Dem ist nichts hinzuzufügen! Weitere Infos:
www.facebook.com/emscherkurve77 oder www.sunnybastards.de

Betontod Interview (23.10.11)

CRAZY UNITED: Maik.Bitte erzähle unseren Lesern doch ersteinmal,wie du überhaupt zu Betontod gekommen bist.

MAIK: Ich kannte die Band von nem Kollegen von mir,der zusammen mit Mario auf eine Schule ging.Von daher wusste ich halt, das die Jungs nen Drummer suchen und somit bot ich mich quasi als “Stand In” Drummer an und wir trafen uns zur ner Probe.Danach passte irgendwie alles und wir machten da ne feste Sache draus.Das ist jetzt 2 Jahre her und seitdem is alles cool!

CRAZY UNITED: Im Vergleich zu eurem letzten Album “GlaubeLiebeHoffnung” klingt “Antirockstars” bedeutend gereifter.Sowohl vom Songwriting,als auch von der Produktion her.Bitte erzähle doch mal,wie ihr an das neue Album herangegangen seid.Sowohl vom Songwriting,als auch von der Produktion her.

MAIK: Die Fans mussten sich ja immer etwas gedulden zwischen den Veröffentlichungen.Doch nach “Glaube Liebe Hoffnung” haben wir dann direkt weiter gemacht und haben Songs geschrieben.Alles ging viel schneller und Eule hatte ziemlich schnell nen Haufen Songs am Start, wo wir dann die besten vorproduziert haben.Mit dem Material sind wir dann direkt ins Studio gegangen für 2 mal 2 Wochen.Wir haben halt getrennt aufgenommen,also nich alle jeden Tag zusammen dort abgehangen….lässt ja auch mittlerweile die Zeit gar nicht mehr zu.

CRAZY UNITED: Euer Album ist ja auf Platz Nummer 28 in die Charts eingestiegen.Wie passt das mit dem Titel “Antirockstars” zusammen?

MAIK: Die Frage kam in letzter Zeit öfter.Die Chartplazierung ist für uns ein Zeichen, dass die Leute die Musik hören und unsere Platten kaufen.Und ich denke das dies auch nichts mit Mainstream zu tun.Wir haben ein eigenes Label,stecken viel Zeit und Arbeit da rein und haben uns was kleines aufgebaut worauf wir ziemlich stolz sind…..Wenn dann so eine Chart Platzierung dabei heraus kommt, ist das doch für den eigentlichen Mainstream ein schöner Tritt im Arsch.

CRAZY UNITED: Mit “König Alkohol” habt ihr zwar ne`coole Nummer am Start,bedient natürlich aber auch das Klischee.Wolltet ihr damit den “Pöbel” bedienen oder ist das der Soundtrack für euch wenn ihr auf Tour seid?

MAIK: Mittlerweile ist es Tradition das wir nen Party Song auf unseren Alben haben….Deshalb hat “König Alkohol” seine Berechtigung und wir 5 trinken ja auch ab und an mal gerne ein Glas:)
Jeder von uns hatte schonmal die ein oder andere Erfahrung und der Song dient einfach zum Party machen.

CRAZY UNITED: Gerade die Gitarren liefern einige schöne Solis ab,die stark an Maiden oder auch Helloween erinnern.Wo liegen bei euch die Geschmäcker und wie bringt man die alle unter einen Hut?

MAIK: Ja wir hören eigentlich ziemlich vieles an Musik.Wenn ich mich mal hervor hebe; ich höre fast alles von Metal bis Funk oder so ein paar Electro Sachen oder Hip Hop…BTD ist ne Punkrockband und da liegt ja auch der Fokus.Und Eule und Mario hören auch gerne die besagten Bands und da kann man ja seine Einflüsse oft nur schwer leugnen.

CRAZY UNITED: Im Vergleich zu euren alten Alben klingt ihr in meinen Ohren viel mehr nach Deutsch Rock als nach Punk.Wo würdet ihr euch einstufen und wie stehst du dem Begriff Deutsch Rock gegenüber,der ja die Lager spaltet?Zumal ihr ja auch im Oktober mit Kärbholz zusammen auf Tour geht.

MAIK: Der Begriff “Deutschrock” wird ja schon für viele Bands mittlerweile als Beleidigung empfunden, weil viele Leute diese Bands schon in eine dunkle Ecke drängen.Betontod ziehen seit 21 Jahren durch die Clubs und haben immer ihr Ding durchgezogen und sich nie verbiegen lassen.Und das hat was mit Punk zu tun – seinen eigenen Weg zu gehen und geradeaus zu sein.Wenn Leute uns als Rockband bezeichen – bitte,wir können damit leben.Im Endeffekt ist es Musik und unsere ist ehrlich,das ist das was zählt!

CRAZY UNITED: Ihr habt ja gute Chancen von der Musik leben zu können.Würdet ihr das Risiko eingehen oder würdet ihr die Band dann doch eher “nebenbei” laufen lassen und euren regulären Jobs nachgehen?

MAIK: Wir alle 5 haben mittlerweile Kinder und Familien.Wir könnten uns jetzt den Arsch abspielen und jedes Konzert mitnehmen und versuchen davon zu leben.Wir haben aber das Glück das wir alle Jobs haben die uns die Freiheiten für die Band geben und sind damit zufrieden….”nebenbei” ist das ja schon länger nicht mehr,dafür ist Betontod viel zu zeitintensiv.

CRAZY UNITED: Wie steht ihr dem Thema Internet / Downloading gegenüber?Fluch oder Segen für euch?

MAIK: Man kann das positiv und negativ sehen.Natürlich ist seit dem Internet die Musikbranche im Arsch.Jeder kann sich seinen Krams illegal runterladen usw….CD Verkäufe gehen natürlich dadurch drastisch nach unten.Daher ist es natürlich gut das es zumindest solche Plattformen wie Amazon und co. gibt wo der Künstler dann wenigstens noch etwas Geld als Entschädigung bekommt.Natürlich freut man sich aber als Band am meisten wenn die richtigen CD´s gekauft werden,ganz klar!

CRAZY UNITED: Famous last words:
MAIK: Vielen Dank an alle da draußen die uns bisher so geil unterstützt haben – wir wissen das zu schätzen und hoffen das ihr das auch merkt ! Bleibt sauber und wir sehn uns auf Tour***

(Dieses Interview führte Marcel Brozeit)

Aggressive Punk Produktion Interview (23.10.11)

„D-PUNK DELUXE“ prangt es über einer der aktuellen AGGROPUNK Werbungen und diesem Anspruch sind AGGRESSIVE PUNK PRODUKTIONEN seit ihrer ersten Veröffentlichung treu geblieben. Sei es mit den Newcomern von KOTZREIZ oder den alten Hasen von RAWSIDE, AGGROPUNK haben mich noch mit jeder Veröffentlichung zu 100 Prozent überzeugt. Für mich Grund genug Matze, dem Betreiber dieses schicken Labels, mal ein paar Fragen per Mail zu schicken. Dabei stellte sich heraus, dass APP nur ein Baby von vielen ist und Matze wohl einer derjenigen ist, für die ein Tag mehr als 24 Stunden bietet. Also viel Spass beim Lesen!

Jetzt gibt es AGGRESSIVE PUNK PRODUKTIONEN nun schon über ein Jahr. Kannst du kurz Bilanz ziehen? Wie lief es?

In Zeiten wo Plattenlabels eigentlich dicht machen, lief es für uns ganz OK. Es gibt uns immer noch und es schaut im Moment auch so aus, als ob es uns noch 2012 geben wird. Es gab in der Zeit einige richtig gute Überraschungen aber auch wieder die Erkenntnis, dass man nicht immer für die Mühe belohnt wird. Das ist bei uns nicht anders als bei anderen Firmen. Manchmal gewinnst du, manchmal verlierst du.

Nachdem der „Aggropunk“ Sampler Vol. 1 ein durchschlagender Erfolg war, gibt es jetzt die Nummer 2, die natürlich wieder mit erste Sahne deutschen Punkbands gespickt ist. Wie groß sind die Erwartungen an den Nachfolger? Wie sind die ersten Reaktionen?

Also die ersten Reaktionen seitens der Presse sind für einen Sampler echt sehr, sehr gut. Reihenweise Kaufempfehlungen. Das hätte ich so nicht erwartet, wobei ich schon auch finde, dass der zweite Teil noch ein Stück besser geworden ist als der Vorgänger. Einziger Nachteil dabei ist, dass die Messlatte für den 3. Teil dann noch höher liegt. Aber gut. Bis dahin ist ja noch etwas Zeit. Ich bin vor allem gespannt wie er bei den Leuten ankommt bzw. angenommen wird. Der erste Teil war ja wirklich ein großer Erfolg.

Die Verkaufszahlen von CDs und Vinyl heutzutage gut einzuschätzen ist ja schon ein wahres Glücksspiel, zumal AGGRESSIVE PUNK PRODUKTIONEN gerade erst gestartet ist. Wie lagst du bisher mit den Einschätzungen? Liegen noch Tonnen von nicht verkauften Tonträgern rum?

Also bis jetzt lagen wir eigentlich immer ganz gut. Drei bis vier Mal mussten wir sogar nachpressen. Nur ein einziges Mal haben wir uns echt richtig dick verschätzt. Wir haben jetzt nicht viel zu viel produzieren lassen, aber einfach nicht erreichen können, dass sich überhaupt was richtig bewegt. Aber naja, kann man nicht mehr ändern und so lange es eine Ausnahme bleibt, ist das auch noch irgendwie verkraftbar. Aber auch wenn das jetzt so klingt als ob wir nur noch vereinzelte Tonträger auf Lager haben, ist dem natürlich nicht so. Labels haben fast immer zu viel im Lager herumstehen. Gehört wohl zum guten Ton.

Zu den Veröffentlichungen von RAWSIDE, THE STATTMATRATZEN und KOTZREIZ gab es vorab kleine, schick aufgemachte Singles. Was war das Ziel dieser Scheiben und wird es die in Zukunft öfter geben?

Ach das wird es immer wieder mal geben wenn wir glauben, dass es Sinn macht. Beispielsweise wird es so eine in ähnlicher Form wie bei Rawside für Rejected Youth geben, die auf unserem zweiten Label erscheinen. Der „tiefere“ Sinn dahinter ist eigentlich nur der, eine neue bald erscheinende Scheibe schon mal vorab mit ein paar ausgewählten Songs zu promoten.

Von einigen deiner Scheiben gibt es Vinylversionen, von anderen nicht. Wonach entscheidest du das? Warum gibt es von FAHNENFLUCHT z.B. nur eine CD-Version und warum läuft die Vinyl-Geschichte bei MISSBRAUCH über das SN PUNX Label?

Im Endeffekt ist das recht simpel. Ich schaue mir die Band und ihre Fans an. Es gibt einfach gewisse Gruppen da funktioniert Vinyl super – teilweise sogar viel besser als CD – und es gibt welche da geht so was gar nicht oder nur so wenig, dass es sich bei den hohen Produktionskosten nicht rentieren würde. Wenn ich eine Vinylscheibe produzieren lasse, dann muss ich einfach davon überzeugt sein, dass in den ersten 3-4 Monaten min. 50% – besser aber noch ¾ der Auflage verkauft ist oder zumindest noch über den Vertrieb im Handel steht. Andernfalls machst du einfach Minus und jeder der was anders behauptet, macht sich entweder selbst was vor oder es ist ihm als Diehard Fan eh egal ob er damit Miese macht.

Deine Veröffentlichungen gibt es natürlich auch bei iTunes und Co. zum runterladen. Verkaufst du darüber eigentlich viel? Ist der Punk von heute digital?

Es ist ein Bruchteil von den Gesamtverkäufen. Aber doch mehr als Du wahrscheinlich annehmen würdest. Bei iTunes shoppen ist jetzt auch nicht mein Ding. Aber ich find es cool, dass die Leute das machen und nicht illegal herunterladen und so die Bands und uns unterstützen.

Neben dem „Deutschpunk-Label“ AGGRESSIVE PUNK PRODUKTIONEN betreibst du noch CONCRETE JUNGLE, auf dem du die englischsprachigen Sachen unterbringst. Wie läuft es da? Ist momentan eher die deutsche oder englische Sprache gefragt?

Das kann man so nicht sagen. Beide Labels sind in den letzten 1-2 Jahren extrem gewachsen und sowohl Aggressive Punk Produktionen wie auch Concrete Jungle Records haben ihre Highlights und kleineren Newcomer Bands, die wir erst mal noch den Leuten näher bringen müssen. Dieses Jahr lag vielleicht Concrete Jungle eine Nasenlänge vorne. Aber da haben wir auch paar Veröffentlichungen mehr gehabt.

Gibt es einen großen Unterschied zwischen den beiden Plattenfirmen bei der Labelarbeit?

Vom Grundprinzip her gibt es da eigentlich keinen Unterschied. Du sprichst vielleicht mit den verschiedenen Labels ein anderes Publikum an, aber das ist eher Teil der Promoarbeit die natürlich auch zu so einem Label dazu gehört. Klar, dass eine Band wie Fahnenflucht größtenteils andere Fans hat als jetzt beispielsweise Adolescents oder Turbo A.C.’s. Aber der „Workflow“ – wie man das so schön Neudeutsch sagt – ist fast immer der gleiche. Es sind eher die Bands, die den Unterschied machen. Mit manchen ist man ratzfatz durch. Mit anderen zieht es sich wie Kaugummi.

Jetzt noch eine Klassikerfrage: Kannst du vom Label leben oder gehst du nebenbei ganz normal arbeiten?

Ich habe bevor ich Aggressive Punk Produktionen gestartet habe, aus einem Mix von Laden, Mailorder und Label gelebt. Hab mir damals aber schon recht bald wieder einige Grafikkunden gesucht und glücklicherweise auch gefunden. Denn mit dem Start des neuen Labels und dem Ausbau von Concrete Jungle Records stecke ich im Moment jeden Gewinn gleich wieder in das Label. Allerdings ist das schon trotzdem ein Fulltime Job, den ich so nur machen kann, weil ich als Grafiker selbstständig bin und das gut kombinieren kann. Das wird sich aber hoffentlich bald wieder etwas einpendeln nach den großen Anfangsinvestitionen zum Start von Aggressive Punk Produktionen.

Da du ja offensichtlich mit zwei Labels nicht ausgelastet bist, hast du noch eine eigene Band am Start, REJECTED YOUTH. Da steht bald Album Nummer vier an und ich konnte vorab schon mal in die fast fertigen Songs reinhören. Ich muss gestehen, dass ich die Band bisher nicht kannte, aber ich bin schwer begeistert. Kannst du für jemanden wie mich kurz die Bandgeschichte abreißen?

Rejected Youth gibt es jetzt schon eine ganze Weile – seit 1998 um genau zu sein – und war irgendwann für mich auch ein Grund gewesen überhaupt mit einem eigenen Label zu starten. Oberbegriff wäre wohl Streetpunk. Wobei ich finde, dass es der Band – zumindest mittlerweile – nicht mehr gerecht wird. Über die letzten 13 Jahre haben wir doch unseren Sound von Platte zu Platte weiterentwickelt und immer mehr an Eigenständigkeit gewonnen. Naja und ansonsten gab es das Übliche. Einige Besetzungswechsel, Trennung, Reunion, Spaß und viel Streit.

Bei „For Fuck’s Sake“ habt ihr ja schamlos bei einer nicht unbekannten englischen Band geklaut, he he. Was sind denn deine wichtigsten Einflüsse in Sachen Punk?

Geklaut klingt immer so negativ. Es ist eher eine kleine Hommage an die Bands. Das mach ich immer wieder gerne. Wenn Du genau hinhörst findest du im ersten Song auch eine. Und bei der letzten Platte ebenso. Wobei bei For Fuck’s Sake eher unser Basser dafür verantwortlich war. Die wichtigsten Punkeinflüsse aufzuzählen find ich nicht so einfach. Da es sich ja auch immer wieder verändert. Cock Sparrer „Guilty As Charged“ ist sicherlich eine Scheibe die ich vor 12-13 Jahren rauf und runter gehört habe und mich wahrscheinlich heute noch unterbewusst beim Songwriting beeinflusst. Das merkt man vielleicht nicht unbedingt als Außenstehender – aber mir selber fällt das immer wieder an der Aufbauweise mancher Songstrukturen bei uns auf. Naja und sonst. Sicherlich Rancid, Transplants und viele neuere Amibands. Aber meine musikalische Bandbreite ist echt riesig und es ist unmöglich die hier mal eben in einem Satz aufzulisten.

Wenn ich es richtig verstehe, wettert ihr in „All That Glitters Is Not Gold“ ordentlich gegen die heutige „Jugend“ bzw. die „Social Media Generation“ und deren Moralvorstellungen. Wie stehst du selbst zu diesen neuen Medien? Nutzt du die privat oder nur für die Labelarbeit?

Nee, eigentlich nicht. Mir geht es um elitäres Gehabe in bestimmten Kreisen, die eine herablassende Haltung gegenüber Menschen an den Tag legen, die nicht in ihre Weltanschauung passen. Menschen, welche die Attitüde à la „Wir sind besser als Du, weil wir es WIRKLICH kapiert haben“ ausstrahlen. Das ist Bullshit. Sicherlich häng auch ich nicht mit Leuten herum, die mir auf den Sack gehen, aber deshalb muss ich noch lange nicht über diese urteilen oder sie ausgrenzen. Bezüglich Social Media, kann ich dir nur sagen, dass es mich eigentlich ziemlich nervt. Aber für die Labelarbeit unumgänglich und sicherlich auch sehr hilfreich ist.

Kannst du kurz schildern, was der Fan von der neuen Platte erwarten kann? Habt ihr euch, wie es so schön heißt, weiterentwickelt?

Aber auf jeden Fall haben wir uns weiterentwickelt. Nichts ist schlimmer als eine Band die sich immer wieder wiederholt. Vor allem beim Sound haben wir auch einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Simon Krauss von Trust In The Flow Recording Solutions war diesmal Produzent und hat wirklich ganze Arbeit geleistet und viel Zeit – und wahrscheinlich auch Nerven – da hineingesteckt. Aber es hat sich gelohnt und der Junge – wenn er so weiter macht – wird mal ein gefragter Mann im Studio- / Produzentenbereich werden. Bezüglich der Songs wird es für den ein oder anderen langjährigen Fan sicherlich wieder hier und da eine Überraschung oder sagen wir mal eine neue Seite von uns geben. Es sind aber auch noch genug „typische“ Rejected Youth Songs drauf. Aber entscheidet selbst. Ab dem 18. November überall erhältlich.

Ein paar Gigs zur Veröffentlichung der Platte stehen schon fest. Kommt da noch eine ausgedehnte Tour? Hast du dafür überhaupt Zeit?

Wir fangen gerade erst an für 2012 zu planen, denn bisher war der Fokus nur auf die Aufnahmen und die Veröffentlichung gerichtet. Es wird aber sicherlich viele Shows und / oder eine Tour neben den ganzen Festivals geben. Mal sehen.

Noch mal ein Themenwechsel. Wie stehst du zur Entwicklung in der Punk- und Oi-Szene, dass immer mehr Bands in die Deutschrock-Ecke abdriften und auf unsäglichen Festivals wie dem O.F.T. oder G.O.N.D. spielen?

Es ist doch so, dass solche „Punkbands“ auch schon vor 10 Jahren auf solchen Festivals gespielt hätten, hätte sich damals jemand für sie interessiert. Und das ist für mich der springende Punkt. Diese ganze Kacke gab es doch damals schon. Der Unterschied liegt doch einfach nur darin, dass diese Protagonisten viel mehr Zuspruch erhalten. Und das finde ich viel bedenklicher.

Nervt es dich auch, wenn Bands wie die KASSIERER, S.I.K. oder BETONTOD zusammen mit FREI.WILD auftreten? Wie reagierst du dann? Strafst du diese Leute mit Missachtung oder tolerierst du das?

Also ich sag mal so. Tolerieren will ich das ganz bestimmt nicht. Allerdings tangiert es mich auch nur peripher. Diese Bands sind mir persönlich nämlich ziemlich scheiß egal, interessieren mich nicht die Bohne und sind auch zum Teil meilenweit entfernt von meiner Welt. Ich frag mich nur bei manchen Bands wieso sie sich das antun?! Ob das Naivität, Dummheit oder einfach nur Geldgier ist?! Keine Ahnung. Ein Mix aus allem wahrscheinlich. Manche Bands wittern da wohl auch einfach den großen Erfolg und brauchen für ihr Selbstwertgefühl einen gewissen Status.

Wie sieht denn die Zukunft von AGGRESSIVE PUNK PRODUKTIONEN aus? Welche Bands dürfen wir demnächst bei euch begrüßen? Was ist sonst noch geplant?

Nun, im Moment ist für 2012 noch nicht all zu viel geplant. Das liegt vor allem daran, dass 2011 so intensiv war. Was ich aber schon mal verraten kann, ist dass die Jungs von Kotzreiz fleißig an einem neuen Album arbeiten, welches dann wohl im nächsten Jahr erscheinen soll. Weitere Infos zu den kommenden Veröffentlichungen müsstet ihr dann aber alle zu einem späteren Zeitpunkt auf unserer Webseite nachlesen oder einfach in den Newsletter eintragen.

Zum Abschluss noch eine kleine Frage in Bezug auf den Aggropunk Sampler Vol. 2. Als letztes Lied ist darauf „Aggropunk“ von AGGROPUNK drauf. Wer steckt dahinter?

Ach da war mir mal ausnahmsweise langweilig :) )

Vielen Dank für das Interview!
East Side Daniel
www.aggressivepunkproduktionen.de

ATTILA THE STOCKBROKER INTERVIEW (02.10.11)

ATTILA THE STOCKBROKER begleitet mich nun schon eine ganze Weile. Es muss Mitte der 90er gewesen sein, als mich mein Vater zu einem seiner Gigs mitnahm. Es war ein Sonntagabend in der Turmvilla in Bad Muskau und nächsten Tag musste ich bei Zeiten in der Schule sein. Es war ein großartiges Konzert und seit damals ließ mich der Singer und Songwriter nicht mehr los. Später erschienen zwei seiner Alben auf unserem Label und wir waren Stolz wie Bolle, dass ATTILA mit seiner Band BARNSTORMER seine Platten bei uns veröffentlichte. Seit damals hab ich ihn jetzt einige Male live (Solo und mit Band) erleben dürfen und wurde nie enttäuscht, sondern ging immer glücklich nach Hause. Dieser Mann ist einfach ein Naturtalent und kann vom kleinen Club bis hin zu größeren Hallen einfach alle unterhalten und mitreißen! Wenn dieses Interview erscheint ist ATTILA gerade mit BARNSTORMER unterwegs und wer ihn diesmal verpasst hat, sollte sich die nächste Chance Anfang nächsten Jahres nicht entgehen lassen, denn dann geht der Börsenmakler wieder auf Tour. Aber lest selbst…

Die neuesten Entwicklungen bzw. die Ausschreitungen in England hat mittlerweile die ganze Welt mitbekommen. Wie siehst du diese Angelegenheit? Kannst du die Kids verstehen? Wie stehst du zu den Gewaltausbrüchen?

Ich habe ein Lied darüber geschrieben: „Looters“ („Plünderer“). Anbei der Text und für die, die kein Englisch können hier eine kurze Zusammenfassung: die Bänker plündern tausendmal mehr als die Kids, kriegen aber keine Gefängnisstrafen dafür. Es gab in diesen Ausschreitungen nichts wirklich Politisches, sie waren aber nachvollziehbar. Wir leben in einer Gesellschaft, wo Geld und Kaufen den gesellschaftlichen Status bestimmen. Überall gibt’s Werbung. Und diese Kids wohnen in Gebieten, wo sie nichts haben und wo die Behörden einfach sagen: ihr seid nichts, ihr werdet nichts sein. Das war für die eine Möglichkeit, der Werbung glauben zu schenken und ein bisschen Late-Night-Shopping zu betreiben, ohne bezahlen zu müssen…
Der Refrain ist:
„Es gibt keine Gesellschaft, (das war ein Zitat von Thatcher)
Also stehle, betrüge und plündere,
Nur eine Sache ist wichtig:
Vorsicht, dass Du einen Anzug trägst…“

LOOTERS

Dazza is a looter
In trainers and a hood
He trashed his local corner shop
He’d learned that greed is good
The CCTV nailed him
The papers called him scum
Now Dazza’s in the barry place
And crying for his mum

CHORUS
There’s no such thing as society
So steal and cheat and loot
Just one thing to remember though -
Make sure you wear a suit!

Bazza is a looter
In pinstripe, brogues and tie
Short selling in the City
He made millions on the sly
He nicked our hard earned savings
Then turned round and said thanks
He walked off with the money -
And we bailed out the banks!

CHORUS

When greed’s the creed that breeds and breeds
What else can you expect?
The selfish scum get richer
And communities get wrecked
Some rob us with an iron bar
Some a computer screen
And when they say it’s ‘legal’
it’s even more obscene…

Dazza is a street kid
And what he did was wrong
But he probably wouldn’t do it
If he felt he could belong
Bazza’s rich and priveleged
He doesn’t give a shit
He takes us for a load of mugs
And gets away with it!

Wie sieht es denn momentan aus? Das Thema ist aus den Medien weitestgehend verschwunden.
Das war schon einzigartig. Jetzt sind die Ausschreitungen vorbei, aber die sozialen Umstände sind natürlich genau dieselben wie vorher, und es wird wieder passieren…

Die Politiker in Deutschland sagen jetzt natürlich, “das kann bei uns nicht passieren“! Du kennst Deutschland von deinen vielen Tourneen. Siehst du das genauso? Warum kann es hier nicht passieren oder doch?

Um ehrlich zu sein sind in (West-)Deutschland die sozialen Umstände viel, viel fairer als hier. Ich mein natürlich nicht, das alles Ok ist, nur, dass es bei uns – nach Thatcher und Blair – für die 30% die es schwer haben immer schlimmer wird. Die 10-15% die echt keine Hoffnung mehr haben, leben in Umständen, die meiner Meinung nach in Deutschland gar nicht existieren – auch im Osten im „Marktsektor One“ nicht. Großbritannien hat viele Gebiete, die zu den ärmsten in ganz Westeuropa zählen.

Wie ist es denn um das Sozialsystem in Großbritannien bestellt?

Die Armen werden immer ärmer und die Reichen immer reicher! Wir müssen für die Fehler und Verbrechen der Bänker bezahlen!!! Viele behinderte Leute, alleinerziehende Mütter usw. müssen arbeiten gehen, weil sie kein Sozialsicherheitsgeld mehr kriegen und Arbeitslose kriegen immer weniger Geld. Die Gewerkschaften sind schwach bis hin zur Hilflosigkeit. Ehrlich, es ist ein Alptraum.

Wie macht eigentlich euer “neuer“ konservativer Premierminister David Cameron seine Arbeit? Er regiert ja nun auch schon über ein Jahr.

Davor war es schon schlimm und jetzt wird es noch schlimmer. Die tun das, was sie wollen und viele von den 60%, denen es finanziell gut geht, stimmen damit überein, dass „faule Arbeitslosen“ usw. ihre sozialen Sicherheiten verlieren.

Die Welt scheint sich momentan gewaltig zu ändern (Tunesien, Ägypten etc.). Wie siehst du die Entwicklungen?

Es ist natürlich eine gute Entwicklung, vorausgesetzt, dass Islamisten nicht die Macht übernehmen und die Bevölkerung unterdrücken, wie im Iran usw. Was in Libyen passiert ist meiner Meinung nach aber etwas ganz anders. Diese Revolution ist keine Revolution, wenn sie die NATO-Luftwaffe für sich benutzt! Dazu auch ein neues Lied.

MISSION CREEP

I usually cheer at the word ‘revolution’
And rebels in action are my kith and kin
But when they are backed by the whole New World Order
That kind of description soon wears pretty thin
Royalists, Islamists, old regime turncoats
Internal divisions already exposed
The flag that they wave is the flag of King Idris
The sad Western toady Gaddafi deposed

CHORUS
Cos this revolution is sponsored by NATO
Endorsed by BP, Haliburton and Shell
Oilmen are waiting in anticipation
Arms dealers bargaining, trading in hell

They’ve not much in common with Chavez or Castro
They’re not like the rebels we’ve cheered on before
When skin colour means you get lynched, shot or beaten
I think of the Rebs in the Yank Civil War
Innocents die as the old scores are settled
West and Islam in a cynical tryst
Upstart from Sirte gets bombed to oblivion
Syrian royalty slapped on the wrist

CHORUS
Cos this revolution is sponsored by NATO
Endorsed by BP, Haliburton and Shell
Oilmen are waiting in anticipation
Arms dealers profiting, trading in hell….

And as for that mandate, ‘protecting civilians’
If you’re in Benghazi, then that may be true
But If you’re in Sirte, Bani Walid or Sabha
You’re not with NATO ,so hell rains on you
One sided coverage in all the media
Rebels are heroes and loyalists scum
Legitimate targets for air strikes and massacres
And when they are beaten – the oilmen will come

CHORUS

Vieles läuft auf das Thema Religion hinaus. Hat der Mensch eigentlich nichts aus der Vergangenheit (christliche Kreuzzüge, Judenverfolgung) gelernt? Wie hältst du es mit der Religion?

Marx hatte Recht. Die Religion ist das Opium des Volkes. Ausnahme sind natürlich viele Hippies, für die das Opium die Religion des Volkes ist :)

Du bist auch im Internet unterwegs und hast deine eigene Myspace- bzw. Facebook-Seite. Nutzt du diese Medien eigentlich hauptsächlich für deine Aktivitäten als Musiker oder auch privat? Wie stehst du zu diesen Social Networks?

Ich nutze diese Medien fast nur für meine Aktivitäten als Musiker (und Dichter). Für mich, als unabhängiger Künstler, der alles selbst organisiert, ist das Internet wunderbar! Es ist jetzt tausendmal leichter Fans zu erreichen und mit Musikseiten meine Songs und Gedichte zu verbreiten. (Jetzt, da Myspace Geschichte ist, ist meine wichtigste Musikseite www.reverbnation.com/attilathestockbroker.) In meinem Privatleben brauche ich Social Networks nicht, meine Freunde sind nicht „virtuell“.

In Deutschland flammt, vor dem Hintergrund von Bands wie Frei.Wild, gerade wieder eine Grauzonendiskussion auf. Wie viel hast du davon mitbekommen? Gibt es Großbritannien eine ähnliche Debatte über eine Öffnung nach rechts?

Glücklicherweise gibt’s sehr wenige rechtsorientierten Bands hier, die bekannt (oder auch nur ein bisschen bekannt) sind. Und die, die existieren, sind meistens aus den 80ern. Jugendliche in England haben glücklicherweise sehr wenig Bock auf rechtsorientierte Musik. Unsere Gesellschaft und auch die Musikszene sind meiner Meinung nach viel multikultureller als während der 80er. Das ist eine gute Sache.

Ich habe gelesen, dass du eine Tour planst. Wie weit bist du? Ist es eigentlich über die Jahre einfacher oder schwieriger geworden gute Gigs zu bekommen?

Einfacher – wegen des Internets!!! Im Frühjahr war ich auf Tour in Australien und Neuseeland. Dann viele Konzerte in England. Dann Deutschland. Und im Dezember spiele ich in Tirana, Albanien. Die Deutschland-Tour (mit meiner Band BARNSTORMER) fängt nächste Woche an. Leider nichts im Osten. Nächstes Jahr vom 15. bis 25. März plane ich eine Solo-Tour durch Deutschland. Zum ersten Mal wird die dann von einer Agentur organisiert werden, Muttis Booking in Berlin. Ich will unbedingt wieder Konzerte im Osten haben…

Die letzte Veröffentlichung, sei es als Solokünstler oder mit BARNSTORMER, ist schon eine ganze Weile her. Wann dürfen wir mit neuen Songs rechnen?

7 Songs sind fertig und werden auf dieser Tour gespielt. Aufgenommen werden die dann im November und im Frühjahr 2012 soll es endlich eine neue Platte geben.

Vielen Dank für das Interview!

East Side Daniel

www.attilathestockbroker.com

Interview: Gespräch mit Ecke (Konzert-mit-Veranstalter) 21.03.2010

Mein lieber Ecke!
Willkommen in der wunderbaren Welt von Crazy United.
Da du zwar Bekannt in unserer Szene sein dürftest, dich aber nicht alle Mitleser kennen dürften, hätte ich gerne Anfangs von Dir einen kleinen Lebenslauf!

Hallo Frank, du willst also einen Lebenslauf, na dann mal los – geboren vor nunmehr 34 Jahren in einer Kleinstadt zwischen Dresden und Leipzig, dort eine angenehme Kindheit gehabt, und als 1989 die sogenannte “Wende” kam war das glaube ich genau der richtige Zeitpunkt für einen Teenager wie mich. Mein Freundeskreis bestand damals hauptsächlich aus verrückten Außenseitern, Langhaarigen und Metalfans und mit den Herüberschwappen der ganzen “westlichen” Subkulturen schon kurz vor der Wende fingen die ersten schnell an zu Skinheads (oder das was sie dafür hielten) zu mutieren. Leider allzu oft mit den falschen Vorzeichen um es mal nett zu umschreiben. Mich faszinierte vor allem Style und Musik und ich hatte schnell das Glück einen schon etwas älteren Typen kennen zu lernen der mir relativ schnell auch Bands wie The Business, Cock Sparrer und die Angelic Upstarts näher brachte.
Anfang der 90er dann auf die ersten Oi! und Hardcore Konzerte gefahren, festgestellt “das isses” und die alten Bindungen gekappt.
Also bin ich seit circa 1992/93 irgendwie in der “Szene”, anfangs als bloßer Konsument, mit dem Umzug nach Leipzig 1996 aber schnell auch als Konzert(mit-)veranstalter, Fanzineschreiberling und seit einiger Zeit auch noch mit in der Crew von Contra Records. Oder wolltest du ernsthaft wissen dass ich immer noch ledig, unterbezahlt und sportbegeistert bin?

Was heißt „unterbezahlt“ und „Ledig“? Hast du keinen „richtigen 9 to 5 Job“ und wieso hat die weibliche Welt einen so gut aussehenden Menschen noch nicht für sich entdeckt?

Haha, das war doch nur so dahin gesagt. Jeder fühlt sich doch unterbezahlt, angefangen von Herrn Ackermann über Franck Ribery bis hin zu Meier, Schulze, Lehmann von nebenan. Ich sitze in aller Herrgottsfrühe auf einem LKW und bewege Pakete, allerdings nur ein paar Stunden. Das reicht für die fixen Kosten. Ausschweifungen, Urlaub und die Pfeffirunden im Lokal verdiene ich mir als Konzertpromoter, noidoitsch “ich bin im Eventmanagement tätig”. Und mein lieber Frank, ledig heißt doch nur dass ich mich bisher gekonnt dem Ehering entziehen konnte! Ich habe eine süße Freundin!

So sindse die Ossis! Erst die West Weiber heiß machen und dann nebenbei doch anmerken, das man eigentlich doch vergeben ist. Damit dürftest du jetzt einige Frauen Herzen gebrochen haben, hahahahaha.
Dann lass uns doch mal über deine „Eventmanagement Tätigkeiten“ reden. Du veranstaltest ja mit mehreren Leuten Konzerte im „Conne Island / Leipzig“, von dem Ich mir ja letztes Jahr selber ein Bild machen konnte.
Kannst Du uns zuerst einmal etwas Geschichtliches zum Laden an sich erzählen?

Nun, das Conne Island existiert seit den frühen 90er Jahren und hat wahrlich eine bewegte Geschichte hinter sich, eigentlich viel zu viel für eine Interviewantwort. Ganz kurz: Schwer vorstellbar, aber kurz nach der Wende gab es hier im Osten durchaus so etwas wie eine rechtsfreie, sagen wir lieber rechtsunsichere Zeit, wo irgendwie “alles ging”, alles machbar erschien. Das war teilweise völlig verrückt und absurd, angefangen damit, dass niemand mehr die Staatsmacht für ernst nahm:
von Fußballkrawallen bis Immobilienbetrug gab es eine Zeit wo irgendwie jeder das machen konnte was er wollte, sofern er sich das einfach getraut hat. So gab es hier eine Crew aus Leuten, die teilweise schon zu DDR-Zeiten in der Punk- und Alternativ-Szene am Start waren und die haben in Leipzig die sogenannten “Reaktion” Konzerte gemacht, viel hardcore und solche Sachen. Die hatten einige Locations und suchten wohl nach einer festen Bleibe. Der “Eiskeller” aka Conne Island sollte wohl an einen Investor verscherbelt werden und da haben Leute aus dieser Crew den Laden (oder war es sogar das Leipziger Rathaus?) besetzt und mehr oder weniger für sich als Jugendzentrum “eingefordert”. Man einigte sich irgendwie, sicher auch weil die Staatsmacht dachte die Leute würden sich – sofern sie an einem Ort konzentriert seien – besser beobachten lassen oder sich selber herunterwirtschaften. Tja, und mittlerweile gibt’s das Conne Island schon fast 20 Jahre und es ist nach wie vor einer der wichtigsten Clubs Deutschlands. Hier ist erstmal prinzipiell jeder willkommen der sich mit den Grundprinzipien des Ladens identifizieren kann, es gibt Crews der verschiedensten Musikrichtungen (von Hip-Hop bis Oi! alles dabei ob du es glaubst oder nicht), politisch arbeitende Gruppen und einiges mehr. Jede(r) kann sich einbringen wenn er will.

Was für Grundprinzipien stellt der Laden auf und was für Bands lehnt Ihr sofort ab? Werden Absagen in einer Art Plenum entschieden oder wie handhabt ihr das?

Die Grundprinzipien sind ganz einfach: Hier ist jeder willkommen der kein Arschloch ist! Und unter Arschlöcher zählen Nazis, Rassisten und Leute, die andere Menschen aufgrund von ganz simplen Dingen wie Geschlecht oder Herkunft diskriminieren. Das hat erstmal nichts mit Bands zu tun. “Ablehnen” ist so eine Sache und klingt immer so nach “Verbot und Stempel drauf”…Es ist schon so, dass die Konzertpolitik vom Conne Island von außen argwöhnisch beäugt wird, da wir in der Vergangenheit einige Bands eben nicht gemacht haben, andere schon. Für den einen ist Band X absoluter Kult und für den anderen eben nicht, der eine kommt aber zum Beispiel aus einer ganz anderen Sozialisation, während bei dem anderen schon bei einem kleinen Kraftausdruck schlecht wird. Da gibt’s auch schon mal Widersprüche und oftmals sind wir uns untereinander da auch nicht einig. Allerdings wird nicht jede Popelband irgendwie bis aufs Mark durchleuchtet, das ist weder machbar, noch hat da jemand Interesse dran. Dennoch schauen wir sicher genauer hin als andere professionelle Konzertveranstalter. Unterm Strich fällt dann bei Bands, mit denen jemand aus unserem Umfeld “Bauchschmerzen”, sprich ein Problem hat, im Plenum die endgültige Entscheidung. Zu guter Letzt läuft das alles aber weit weniger dogmatisch ab als alle denken, wir ham ja keinen Stock im Arsch!

Gab es denn z. B. beim STOMPER 98 Konzert im Conne vorher großartige Diskussionen? Denn Stomper ist ja schon eine Band, mit der einige Veranstalter / Läden Probleme haben.

Aber hallo gab’s da Diskussionen! Das ganze Zinnober um das sogenannte “Rote Hetzpamphlet” ist dir ja sicher bekannt, dennoch muss man sagen dass die Diskussion um / mit Stomper 98 für alle Beteiligten sehr wichtig war. Denn eines darf man nicht vergessen: Einige der Anschuldigungen und – ich nenn es jetzt mal “Ungereimtheiten” – waren ja nicht an den Haaren herbeigezogen und es war glaube ich schon wichtig dass z.B. die Sache mit dem “berühmt-berüchtigten Foto” nicht unter den Teppich gekehrt wird, nur um mal ein Beispiel zu bringen. So sehr will ich jetzt aber nicht mehr auf den Fall Stomper 98 eingehen, die Diskussion um die Band wurde nun schon fast 1,5 Jahre überall geführt, die Jungs haben in x Interviews eindeutig klar gemacht wo sie denn stehen, fertig und aus. Wer das immer noch nicht geschnallt hat tut mir langsam leid in seiner Paranoia. Was andere Läden und Veranstalter machen ist deren Ding, bei uns sind die Stomper Jungs gern gesehene Gäste und gute Freunde!

Wie geht das „Conne Island“ mit dem Thema „Eintrittpreise“ um? In letzter Zeit liest man ja wieder vermehrt, das sich Leute tierisch aufregen, wenn der Eintritt höher als 5 Euro liegt. Setzt ihr Euch da eine Grenze oder macht Ihr den Eintrittpreis nur aufgrund der Band Gage(n) und Kosten, die zum Konzert gehören, abhängig?

Tja, die Leute, die sich da am meisten aufregen sind ganz oft die, die sich vor 5 Jahren das letzte Mal eine Platte oder CD gekauft haben. Die Zeiten von 5 Euro Eintrittspreisen sind ein für alle mal vorbei, das hat man heute noch nicht einmal mehr bei Crust – Konzerten. Ausnahmen bestätigen immer die Regel, aber gerade über dieses Thema könnte ich stundenlang referieren. Schluss endlich sind das auch immer die Leute, die ohne mit der Wimper zu zucken gerne 25 Euro für NOFX oder noch viel mehr für Metallica hinlegen, um dann dort in der hintersten Reihe zu stehen und
5 Euro für einen Becher Bier bezahlen. Wir hatten auch mal die Prämisse “Zahle nicht mehr als 8 Mark” – aber wie gesagt, die Zeiten sind lange vorbei, v.a. wenn man in einer gewissen Liga mitspielen will und etwas mehr bieten möchte als die Schülerband von nebenan. Wir hatten dann auch mal die unausgesprochene Obergrenze von 20 Euro. Ist auch längst hinfällig. Geht einfach nicht wenn man bestimmte Acts machen will. Da sind den Clubs die Hände gebunden, denn die Agenturen geben oft auch wieder nur die Vorstellungen der jeweiligen Managements der Bands weiter. Ich rede hier natürlich von den etwas größeren Nummern. Aber es gibt halt Kosten die zu decken sind und ganz ehrlich
- die Gagen explodieren gerade aus oben genannten Gründen. Die Alternative sind halt teilweise auch schon im Kommen: preiswertere Konzerte zu dem Preis dass dich überall ein Sponsorenlogo angrinst, vorm Konzert geht der Vorhang zu und es läuft wie im Kino erstmal Werbung…schau nach Amerika, da gibt’s das schon – z.T. auch bei “unseren” Lieblingsbands. Ob man das will oder da auch nur seinen Arsch verkauft – tja. Jedenfalls hatte wir für solcherart Kokolores auch schon Anfragen. Noch nicht aus dem Punkrockbereich, aber ich bin sicher dass da auch schon die ersten in den Startlöchern stehen. Um auf unseren Laden zurück zu kommen: Wir haben im Gegensatz dazu ziemlich moderate Getränkepreise, das wird von den Leuten nämlich auch gerne wieder vergessen. Was nützen mir 5 Euro am Einlass weniger, wenn ich unterm Strich doch 30 Euro mehr an der Bar lasse….

Finanziert sich das „Conne Island“ nur durch die Eintritt Preise oder bekommt Ihr noch Zuschüsse von der Stadt Leipzig oder sonstigen Geldgeber?

Das Conne Island finanziert sich zum größten Teil selber, aber bekommt darüber hinaus auch Zuschüsse v.a. für seine Jugendarbeit. Ach ja:
Frank, du kannst bei uns auch deinen Zivildienst ableisten!

Bezüglich des Zivildienstes kommst Du bei mir einige Jahrzehnte zu Spät, hahahaha.
Neben deiner täglichen Arbeit bist Du ja auch noch für andere Bands als Booker (z.B. Gumbles) tätig. Macht Dir das abchecken, was ja eine aufwendige Arbeit ist, so viel Spaß oder machst Du das nur für Bands, mit denen Du Dich sehr verbunden fühlst? Welche Bands hast du noch unter deine Fittiche?

Neben den Gumbles sind das aktuell noch die Jungs von Volxsturm, zu Perkele hab ich glaube ich auch nen besseren Draht als viele andere und außerdem stelle ich meine Kontakte auch gerne den Bands von Contra Records zur Verfügung. Ja, es ist ziemlich zeitraubend, aber es macht auch Spaß. Die genannten Bands sind allerdings ja allesamt keine “Unbekannten” mehr, von daher fällt einiges schon leichter als bei ganz unbekannten Newcomern. Unterm Strich mach ich das für und mit den Jungs weil es über die Jahre gute Freunde und Kumpels geworden sind. Hat sich halt irgendwann mal so ergeben…

Dann erzähl doch mal wie so ein Booking im Einzelnen funktioniert, denn ich bin mir sicher, das der Großteil der Leserschaft gar nicht weiß, wie so etwas vonstatten geht. Bekommst du als Entlohnung einen gewissen % Satz der Bandgage oder wie holst Du deine Ausgaben wieder rein?

Naja, bei den genannten Bands ist es sicher einfacher als bei kleineren Bands oder welchen aus dem Ausland für die man eine komplette Tour suchen muss. Die wirkliche Maulwurfarbeit besteht ja aus dem “finden” von Shows an nem Montag- oder Dienstagabend.
Prinzipiell hat man Anfragen von Bookern hier liegen, spricht die mit der Band durch, entscheidet was Sinn macht und was nicht (z.B. macht es wenig Sinn ständig in derselben Gegend zu spielen usw.) nimmt mit denen Kontakt auf, klärt die Rahmenbedingungen für die Show (Gage, Unterbringung, Backline usw.) ab und dann läuft das Ding. Schickt Poster und u.U. Verträge raus…Parallel dazu checkt man dann wo man die Band am darauffolgenden Tag unterbringen kann, schreibt seinerseits Promoter an, usw…Manchmal schon zeitaufwendig. Klar werde ich dafür auch entlohnt – allerdings bin ich für nen Richtwert auch hier der falsche Kronzeuge, da das wie gesagt mit diesen Bands eher so auf der Handschlag-Kumpelebene abläuft…

Du bist ja auch Mitverantwortlich für das ENDLESS SUMMER Festival, das ja einen sehr großen Bekanntheitsgrad hat. Wie waren denn da die Anfänge?

Angefangen hat das 1996, allerdings hatte ich damit rein gar nix zu tun. Einer meiner besten Freunde, der sogenannte Herr Gag, hat das damals auf die Beine gestellt. Ich bin erst 2000 dazu gekommen, aber da auch eher als Biertrinkender Helfer, als irgendwas anderes. Nach Umstrukturierungen im Organisationsteam bin ich dann ab 2001/2002 in meine heutige Rolle hineingewachsen und so ab 2004 stand die Crew die es jetzt immer noch macht. Heute sind wir ein fester “Inner Circle”
von 5-6 Leuten, wobei Gag und ich u.a. für das Booking, die anderen für diverse Logistiksachen zuständig sind. Arbeitsteilung nennt man das glaube ich. Macht viel Spaß, ist anstrengend und ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden!

Ihr habt ja auch FETTE Acts wie COCK SPARRER, MADBALL ect am Start! Wird einem da nicht ab und an ein wenig Mulmig im Magen, wenn man deren Gagenvorstellungen hört, sprich: man hat ein wenig Muffe, das die Kohle wieder rein kommt?

Ja, das hat man immer. Allerdings war unser Motto schon immer: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt, haha. Klar kosten die einen Haufen Geld, aber, was willste machen, so läuft der Hase nun mal, das Muffensausen gehört dazu. Wo das allerdings noch hinführen soll weiß ich auch nicht…

Das ganze darf meiner Meinung Finanziell nicht so derbe ausarten, das man total überzogene Eintrittspreise nimmt, zumal die Eurone ja auch nicht mehr so Locker sitzt, wie früher Mal. Ihr macht Euch da ja bestimmt auch Gedanken. Muss man nicht irgendwann die Bremse ziehen?

Da gebe ich dir schon irgendwie recht. Wir versuchen bei den Preisen halbwegs die Contenance zu wahren, versuchen immer ein sehr billiges Frühbucher-Ticket anzubieten (leider dieses Jahr schon vorbei), machen Zelten & Parken kostenlos und versuchen auch die Getränkepreise niedrig zu halten. Das wird auch gerne mal vergessen.

Habt ihr denn überhaupt Einfluss auf Getränke und Foodpreise innerhalb des Geländes? Wer ist für die Auswahl der Stände verantwortlich? Ihr persönlich, oder bekommt ihr das aufdiktiert? Befreundete Caterer?

Da haben wir uns noch nicht die Zügel aus der Hand nehmen lassen. Ich weiß nicht wie es bei größeren/anderen Festivals abläuft, dort kaufen sich ja teilweise riesige Firmen für eine riesige Summe das Recht Food & Drinks komplett anzubieten. Bei uns nicht. Wir bekommen Anfragen von (Food-) Ständen, wählen aus (hat ja keinen Sinn 4 Dönerbuden und nix anderes zu haben) und die müssen dann sehen wie sie klar kommen. Wer halt zu teuer anbietet, der wird vom Publikum links liegen gelassen und er geht zum Nachbarstand. Allerdings sind die meisten der Standbetreiber erfahrene Open-Air Hasen und von daher regelt sich das oft schon im Vorfeld. Die Getränkeversorgung allerdings läuft direkt über uns und unseren Getränkeanbieter, ein langjähriger Partner. Somit können wir auch immer auf die aktuellen Szenevorlieben (Pfeffi, Kirsch und Mexicaner) reagieren….

Wie darf man „direkt über uns“ verstehen Ecke? Ihr Kauf das ganze Zeug ein, lasst es von Bekannten verkaufen und könnt Euch den Großteil des Gewinnes einstecken oder wie ist da die Reglung? Wie sieht es mit Alkoholfreien Getränken aus? Ich z.B. finde es immer unmöglich, dass man für Alkoholfreie Getränke meist höhere Preise als für Bier zahlen muss. Wie denkt Ihr darüber?

Du bist ja detailversessen mein Freund! Also, wir haben eine feste Crew an Leuten, die das Bier, was wir über einen Großhändler beziehen an den Mann & die Frau bringen! Logischerweise gibt es alkoholfreie Getränke, immerhin haben wir ja auch jedes Jahr auch die eine oder andere Straight Edge Band im Programm und wie sagt man bei euch im Ruhrpott: Man kann ja nun auch nicht jeden Tag von früh bis abends immer nur saufen… ich persönlich bin der Meinung dass das billigste Getränk immer ein alkoholfreies sein sollte, allerdings ist das ja leider nicht immer & überall so. Um ehrlich zu sein überfragst du mich da grade wenn ich so aus dem Stegreif sagen soll wie es bei uns ist…Peinlich.

Dann kommen wir mal zum letzten Punkt unseres Gespräches und beschäftigen uns mit dem Thema „Contra Records“. Inwiefern bist diesem Label verbunden und was für eine Tätigkeit führst Du für Contra aus? Nutzt Du auch deine Band Kontakte um Deals / Konzerte für Contra Records an Land zu ziehen?

Ja, ich kenne den Labelmogul und Pfeffikönig Hechti schon seit einer halben Ewigkeit und habe mich seinerzeit sehr gefreut als er den Schritt gemacht hat Contra Records zu gründen. Ich bin ja auch Plattensammler und fand seine Herangehensweise und seine Einstellung “wie” er eine Platte macht super unterstützenswert. Irgendwie hat er mich dann ab und an um Rat bzw. meine Meinung gebeten und dann ging es irgendwie reibungslos ineinander über dass ich heute so was wie “freier Mitarbeiter” bei Contra Records bin. Ich kümmere mich um meine kleine News-Rubrik “Ecke’s Contra Punkrock Corner” die wöchentlich erscheint (www.contra-net.com/corner/index.html), mach ein wenig das Band – Scouting und die Betreuung der Labelbands usw…. Hechti hat ja keinen 10 Mann Betrieb, der Kerl sitzt in seinem Laden in der Kleinstadt und hat von früh bis abends zu tun. Ein verrückter, aber absolut loyaler und feiner Kerl !

Bevor Ich dann zum Ende komme, möchte Ich Dich bitten, uns die Vorzüge des „Pfeffi“ näher zu bringen, denn als ich in Leipzig war, kam Ich ja auch in den Genus dieses Getränkes, was mich aber nicht wirklich überzeugen konnte.
Danke für deine Zeit, die Du dir für das Interview genommen hast.

Frank, du solltest das ja auch nicht wie in euren Ruhrpott-Spelunken scheinbar üblich mit riesigen Schlucken trinken! (Anmerkung Frank: Ich hatte wirklich nur ein kleines Schlückchen probiert und das fand ich schon mehr als Ekelhaft).
Ein Pfeffi ist ein “Likörchen” – man tastet sich ran und schüttet während des Abends immer mal einen nach! Man bildet sich ein die Dame an der Bar immer noch voll labern zu können denn man weiß schließlich dass man aus dem Mund nicht nach schalem Bier & Tabak riecht, sondern vielmehr lecker nach Pfefferminze! Nein, keine Ahnung warum Pfeffi hier so einen Kultcharakter genießt, es ist halt auch noch so ein DDR-Relikt und war irgendwie – zumindest in der Punkrock Szene – auch schon mal weg vom Fenster, aber seit ein paar Jahren wird das tierisch abgefeiert. Ich sag mal so: Man kann mal ein, zwei trinken, muss aber nicht. Es gibt besseres (und schlimmeres!)!