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PLATZVERWEIS INTERVIEW (27.07.2014)

Hier ein ausführliches Interview mit den sympathischen Jungs von Platzverweis.

Stellt euch mal vor, wie kam es dazu, dass ihr zusammen Musik macht? Wie würdet ihr euren Stil beschreiben?? Wie kam der Bandname zustande?

PW1Die Band Platzverweis existiert schon seit September 2003. Die Gründung verlief eigentlich relativ unspektakulär. Wir waren halt damals 4 blutjunge Punker, die voll auf’m Punkrocktrip waren, und da Stefan Schlagzeug, Blaze Gitarre und ich gar nichts spielen konnte, war die Besetzung schnell gefunden. Dreyer, der Vierte im Bunde war zwar, genau wie ich, zu nichts zu gebrauchen, war aber bereit dazu, sich einen Bass zuzulegen. Wir waren nun einmal Dorfpunks und kannten uns schon von der Wiege an. Wir verspürten damals das Verlangen, unseren eigenen Beitrag zum bunten Treiben der Punkmusik hinzuzusteuern. Stilmäßig beschreibe ich unsere Musik der Anfangstage immer als „ klassischen 3-Akkorde-Punk“. Davon war ich die letzten 10 Jahre fest überzeugt, dass wir das gespielt haben. Letztens ist nun ein altes Camcorder-Tape aus dieser Zeit aufgetaucht und ich denke „Scheppern“ trifft es eher. Es war wirklich grausam. Ein bisschen über ein halbes Jahr schepperten wir vor uns hin, bis dann ein zweiter Gitarrist bei uns einstieg, der Gott sei dank sein Handwerk beherrschte und unseren Stil in die heutige Richtung lenkte. Im Laufe der Jahre ist nun so viel passiert und letztendlich sind von der Originalbesetzung nur noch Stefan (Drums) und ich (Pittner/ Gesang) übrig. Brian stieß vor knapp 3 Jahren als neuer Bassist hinzu. Letztes Jahr im Spätsommer ist mal wieder die Apokalypse über Platzverweis hinweggefegt, deren Konsequenz eine große Bandumstrukturierung war. Brian wechselte vom Bass an die Solo-Gitarre, Jan stieg ein und übernahm den Bass und da man ja eh gerade dabei war, sich sein Dreamteam zusammenzustellen, nahm man noch den Merchandiser Socke als Rhythmus-Gitarristen auf.
Eure Frage ist übrigens bestens formuliert: „Wie würdet IHR euren Stil beschreiben?“ Wir beschreiben ihn immer noch als Punkrock, obwohl das so manchem Altpunker die Wut-Schweiß-Perlen auf die Stirn treiben dürfte, denn rein musikalisch betrachtet spielen wir wahrscheinlich schon lange keinen Punkrock mehr. Wir haben dieses Label „Punkrock“ aber immer beibehalten, da wir uns als genau das verstehen. Das ist die Szene aus der wir kommen und in der wir verortet werden wollen. Gerade in den letzten Jahren ist das besonders wichtig geworden, da man uns auch immer mal wieder gerne in das Deutschrocklager stecken möchte. Das mag zwar musikalisch teilweise gerechtfertigt sein, aber wir identifizieren uns nicht mit der Deutschrockszene, sondern eben mit der Punkrock/Oi!-Szene. Kurz: Wir haben eigentlich gar keine Ahnung, wie man unseren Stil beschreiben kann. Wenn ich jetzt sage „Platzverweis spielt eine Mischung aus X, Y und Z“ kann der Leser damit eh nichts anfangen. Es war und ist uns auch nie wirklich wichtig gewesen. Wir spielen einfach drauf los und was gefällt, wird aufgenommen. Wer sich ein Bild machen möchte, fährt besser damit, sich einfach den einen oder anderen Song im Netz anzuhören (z.B. „Ode an die Heimat“ vom aktuellen Album: https://www.youtube.com/watch?v=MplN7Ywstr0). Habe übrigens letztens in einem Review gelesen, dass man spätestens dann merkt, dass wir eine Punkrock-Band sind, wenn man sich eine Live-Show von uns reinzieht…
Der Bandname hat übrigens nichts mit Fußball zu tun. Als junge, frisch-gebackene Punks haben wir keine Gelegenheit ausgelassen, die Welt zu terrorisieren. Vater Staat hat sich um das Problem gekümmert, indem er mit Platzverweisen für Ruhe und Ordnung sorgte. Wir hielten ihn damals für den perfekten Namen einer Punkkapelle und 11 Jahr später klebt immer noch das Produkt jugendlichen Schabernacks an uns.

Was und wen wollt ihr mit eurer Musik erreichen?

Ich denke der größte Teil unserer Songs geht ja nun doch eher in die sozialkritische Schiene, daher dürfte unsere Intention keine große Überraschung sein: Wir wollen die Aufmerksamkeit der Leute auf gewissen Missstände lenken, indem wir Situationen und Umstände in unseren Songs beschreiben, die eine kritische Interpretation provozieren. Allerdings ist es uns wichtig, dass der Hörer diesen letzten Schritt der Interpretation selbst vollzieht, daher kommt in den Liedern nicht die Moralkeule, die prophezeit „Ihr sollt dies oder jenes machen!“. Facebook zeigt mir jeden Tag, wie wenig die Leute über gewisse Sachen nachdenken, nicht weil sie zu dumm, sondern weil sie zu faul sind. Wieviel kluge Sprüche habe ich schon gelesen, die einen Beweis dafür darstellen sollten, dass Asylanten in Deutschland leben können wie die Geißens, dass die gute alte D-Mark uns wieder volle Einkaufswagen bescheren würde, usw. Alles geteilt, ohne auch nur ein bisschen drüber nachgedacht zu haben. Stammtischparolen halt. Unsere Songs sollen Denkanstöße geben und wenn man sie richtig verstehen will, kommt man nicht drumherum, sich intensiv mit ihnen auseinanderzusetzen. Teilweise ist ein einziges Wort oder ein einziger Vers der Schlüssel zum Text.Wer nicht weiß, was „Sievert“ heißt (und wer zu faul ist, den Begriff zu googeln), wird auch nicht wissen, wovon unser gleichnamiger Song handelt . Die Aussage auf dem Silbertablett zu servieren, ist nicht unsere Art.
Es gibt keine bestimmte Zielgruppe, die wir erreichen wollen. Wirklich jeder ist dazu eingeladen, sich unsere Musik zu Gemüte zu führen und wir freuen uns über jeden, der es auch tatsächlich macht und uns evtl. sogar Feedback gibt. Wir sind zwar eine Punkrockband, d.h. für uns aber nicht, dass niemand außerhalb der Szene unsere Musik hören „darf“. Die Themen, die wir in den Songs behandeln, gehen ja auch i.d.R. jeden etwas an.

Ihr habt ja nun n neues Album am Start, mit 13 klasse Songs auf dem ihr auch Unterstützung der Szeneprominenz bekommt….Schulle von Toxpack/ Bierpatrioten und Mane von Lazy Bastards….wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

PW2Die Idee von einer Zusammenarbeit mit Schulle hatten wir schon beim letzten Album. Allerdings musste er absagen, da es zeitlich bei ihm nicht machbar war. Kurz nach dem Release des Albums (2011) spielten wir dann zusammen mit Toxpack in Magdeburg und als wir beim Schnacken waren, meinte Schulle, dass wir uns doch beim nächsten Album bei ihm melden könnten. 2 Jahre später klopften wir bei ihm an und der Amboss hielt sein Wort.
Die Lazy Bastards waren Labelkollegen von uns bei Sunny Bastards. Richtig kennengelernt hatten wir uns auf einer Weekendtour durch Bamberg und Ulm. Vielleicht verband uns die Tatsache, dass wir zu den eher unbekannten Bands bei SB gehörten, auf jeden Fall stimmte die Chemie bei uns von Anfang an. In Ulm gab es dann noch Probleme mit den Hotelzimmern, sodass beide Bands zusammen in eine Bude gepfercht waren. Das schweißt natürlich auch zusammen. Es war eine grandiose Sause! Wir blieben in Kontakt und so kam es, dass wir bei den Lazy Bastards auf der Release Party im Bayernlande spielen durften und im Gegenzug luden wir sie zu unserem 9-Years-of-Punkrock-Konzert nach Goslar/ Niedersachsen ein. Auch wenn wir erst ein paar Mal die Ehre hatten, miteinander die Bühne zu teilen, würden wir sie doch als gute Freunde von uns bezeichnen. Als wir dann auf die verkorkste Idee kamen, einen englischen Song für das neue Album zu komponieren, war sofort klar, wer dafür in Frage kam – Mane von den Lazy Bastards! Durch seinen Part wurde das englische Punkrockbrett nochmal richtig aufgepimpt. Ist ein grandioser Song geworden!

Ich hab mir mal n paar Titel ausgesucht, beschreibt doch mal diese Songs jeweils mit ein paar Sätzen. „Sievert“ „In meiner Welt“ „Dreams of Riots“ „Unsere Hassliebe“

“Sievert”  Der Song ist kurz nach der Atomkatastrophe in Fukushima entstanden. Diese Katastrophe hat der Welt mal wieder (leider nur für einen kurzen Moment) die Augen geöffnet, dass der Preis, den wir für Atomenergie bezahlen einfach absoluter Wahnsinn ist. Damit ist nicht der Preis vom Stromanbieter, sondern der Preis des Risikos gemeint. Wir sind nicht in der Lage, die Zukunft vorherzusehen und die Atomkraftwerke vor jeder Eventualität zu schützen. Wenn uns das Ding um die Ohren fliegt, hilft Winseln und Betteln nichts, dann sind wir am Arsch – aber richtig. Dieses aussichtslose Szenario wird in dem Song „Sievert“ beschrieben.

“In meiner Welt” Wir haben den Eindruck, dass sich die Punk- und Oi!-Szene, wie viele andere Dinge auch, immer weiter ins World Wide Web verlagert und das schadet der Szene immens. Es wird nicht mehr auf kleine Konzerte im Jugendzentrum um die Ecke gegangen und Freundschaften werden nur noch virtuell gepflegt. Ein Punk oder ein Skin ist heutzutage oft derjenige, der bei Facebook die entsprechenden Seiten liked und nicht derjenige, der sich durch die Präsenz auf Konzerten, Treffen, usw. mit der Szene verbunden fühlt. Diese Thematik wird in dem Song „In meiner Welt“ auf ironische Weise dargestellt, mit dem Appell, dass das www als Unterstützung der Szene und nicht als Szeneersatz dienen soll. Außerdem wird auch durch die Anonymität des Internets die Szenespalterei in unvorstellbarem Ausmaß vorangetrieben. Bei einigen Debatten zum Thema Grauzone habe ich mal das Argument aufgeschnappt, dass es früher diese Hetzerei in dieser Form nicht gab, da man solche Streitigkeiten damals noch Auge in Auge geklärt hatte. Ich glaube, da ist was dran…

Dreams of Riots
Ein Song, der im Prinzip in die selbe Kerbe wie „In meiner Welt“ schlägt. Irgendwie scheint einfach nichts mehr los zu sein in der Szene. Wir müssen unseren Arsch hochbekommen und unbedingt wieder aktiver werden. Die „Dreams of Riots“ müssen keine Träume bleiben.

Unsere Hassliebe
Dieser Song handelt nicht, wie gern interpretiert wird, von der Hassliebe zwischen Mann und Frau, sondern von der Hassliebe zwischen Musiker und seiner Band. Wenn ich den Leuten erzähle, dass ich seit über 10 Jahren in einer Punkrockband spiele, dann zeigen sie sich meistens sehr interessiert oder sogar begeistert. Eine Band zu haben sei ja schließlich etwas Tolles… – Jein. Sicher kann sie etwas Tolles sein, denn durch sie lernt man viele Menschen und Orte kennen, die man sonst wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen hätte. Man spielt großartige Konzerte und es gibt einen Haufen Leute, die deine Musik und deine Texte kennen. Unglaubliche Momente sind mit ihr verbunden. Das werden wohl so ungefähr die Vorstellungen sein, die auch diese Leute damit verbinden. Was i.d.R. nicht so präsent ist, sind die Schattenseiten, die eine Band mit sich bringt, denn die meisten Bands gaukeln ihrem Publikum eine heile Welt vor und wehe dem, es dringt mal etwas Negatives nach draußen. Eine Band zu haben heißt nämlich auch: große Einschnitte im Privatleben, denn die Zeit, die mit der Band verbracht wird, kann man nicht mit Freundin und Familie verbringen, nach einem langen Arbeitstag muss man sich zum Proben aufraffen, ins Studio gehen oder ausführliche Interviews schreiben, hehe. Dann kommt da noch der finanzielle Aufwand, Streitigkeiten innerhalb der Band, Streitigkeiten außerhalb der Band mit Veranstaltern, Tontechnikern, Grafikern, usw. Das führt dazu, dass man in schlechten Zeiten die Band abgrundtief hasst, sie in den schönen Momenten aber über alles liebt – eine Hassliebe, wie sie im Buche steht.

Wer schreibt die Texte? Wann hast du/ ihr mit dem Songwriting begonnen? Woraus ziehst du/ihr deine/eure Inspiration?

PW3Die Texte habe, bis auf wenige Ausnahmen in den ersten Jahren, alle ich (Pittner/ Gesang) geschrieben. Angefangen habe ich damit bei unserer Gründung. Der Unterschied zu heute ist allerdings, dass ich damals die Texte aus reiner Notwendigkeit geschrieben und erst im Laufe der Zeit ihr Potential erkannt habe. In unseren Anfangstagen waren wir frisch gebackene Punker mitten in der Pubertät. Da wurde einfach rausgerotzt, was einem irgendwie auf den Sack ging und das ganze ohne literarische Schnörkel bzw. ohne sich überhaupt große Gedanken über die Formulierung zu machen. Eine halbe Stunde vor der Probe wurde da mal eben ein Text hingeklatscht und dann konnte die Punkrockparty im Proberaum losgehen. Im Laufe der Zeit lernte ich das Schreiben von Texten aber immer mehr schätzen, gab mir immer mehr Mühe und investierte immer mehr Zeit dafür. Während ich die Scham für so einige der frühen Werke nicht verbergen kann, bin ich doch schon sehr zufrieden mit den Texten der Split und der letzten beiden Alben, wobei ich selbstverständlich die Texte des neuesten Albums am meisten schätze, da mir bei ihnen eine Tiefgründigkeit gelungen ist, dass viele Leute sie schon gar nicht mehr verstehen, haha. Die Inspirationsquelle ist aber eigentlich immer dieselbe geblieben, was mir erst beim Schreiben dieser Antwort so richtig bewusst wird (danke, für die Frage ;-) ). Es sind, ganz einfach ausgedrückt, immer Themen, die mich zurzeit besonders beschäftigen. Themen, bei denen ich irgendwie das Bedürfnis verspüre, mich dazu zu äußern. Unser ehemaliger Gitarrist Darius hat mal eher scherzhaft gesagt „Jetzt hör mal auf, ständig Texte über mich zu schreiben!“. Ich weiß nicht, ob ihm das wirklich sooo bewusst war, aber eine Zeit lang habe ich mich tatsächlich viel von ihm bzw. von dem, was in diesem turbulenten Lebensabschnitt bei ihm so passierte, sehr inspirieren lassen. Die Inspirationsquelle wechselt aber immer mal wieder. Songs wie „Sievert“ oder „Bootcamp“ (vom ersten Album) sind z.B. nicht aus meinem direkten Erfahrungshorizont entnommen (logisch, oder?), sondern wahrscheinlich durch Reportagen oder irgendwelche publizistischen Artikel entstanden.

Ende letzten Jahres habt ihr bekannt gegeben, dass ihr nen neuen Bassisten und ne zweiten Gitarre habt…nach 2,5 Jahren…..erzählt mal, wie habt ihr die neuen Bandmitglieder gefunden? Was wurde aus den „alten“, wieso mussten überhaupt erst neue Bandmitglieder gefunden werden?

Zur Erläuterung: die 2,5 Jahre beziehen sich nur auf die zweite Gitarre. Puh, wo fängt man da mal an, zu erzählen? Am besten bei dem Release unseres letzten Albums „Dein letzter Tag“ Anfang 2011. Wir hatten nun gerade das Album herausgebracht, da kam es zum Bruch mit unserem damaligen Rhythmusgitarristen. Dieser machte weder bei uns noch in der Öffentlichkeit einen Hehl daraus, dass ihm die musikalische Entwicklung von Platzverweis missfiel, um das ganze mal freundlich auszudrücken. Als er dann einen Abend mal wieder über die Band herzog und zwar nicht nur über die Musik, sondern auch über die Bandmitglieder, mussten wir uns eingestehen, dass das Ganze so keinen Sinn mehr hatte und wir entschlossen uns, uns von ihm zu trennen. Wir waren also nur noch zu viert, meine langjährige Freundschaft mit ihm war dahin und letztendlich standen wir zum Release auch noch ohne Proberaum da, da wir bei ihm im Keller probten. Nach langwieriger Suche fanden wir endlich einen neuen Proberaum, da machte sich schon das nächste Problem bemerkbar. Unser Bassist Moritz musste jobtechnisch immer wieder ins Ausland. Nachdem wir einige wirklich vielversprechende Konzerte absagen mussten und meistens nur noch zu dritt probten, meinte Moritz, dass es das Beste sei, wenn er die Band verlassen würde. Es begann wieder eine langwierige Suche, dieses Mal nach einem Bassisten. Es fand sich niemand außer einem 14 jährigen Hosenscheißer, der eigentlich gar kein Bassist, sondern Gitarrist war. Wir ließen uns zunächst eher als Notlösung auf ihn ein, ließen ihn ein paar Mal mitproben und erkannten dann aber, dass da unheimliches Potenzial hintersteckte und dass der Typ eigentlich ein ganz feiner Kerl war. Brian stieg fest als Bassist bei uns ein, was uns nicht nur damals den Arsch retten sollte, sondern uns auch noch später aus dem Schlamassel ziehen würde. Wir waren wieder einsatzfähig, da schimmerte immer mehr durch, dass unseren Solo-Gitarristen Darius die Lust an der Band verlassen hatte. Wir und auch er selbst hatten das immer als eine Phase abgetan. „Wenn die neue Scheibe erst einmal draußen ist, dann wird es schon wieder vorwärts gehen“, redeten wir uns ein. Darius spielte noch mit uns die Demos und seine Gitarrenparts ein, danach ließ er sich nie wieder im Studio blicken. Als im September 2013 dann nur noch das Mastering anstand, das Label sich schon darauf einstellte, die Scheibe ins Presswerk zu geben und der Rest der Band sich schon damit befasste, eine 10-Jahre-Platzverweis-Party + Release-Party auf die Beine zu stellen, teilte uns Darius mit, dass er einen Schlussstrich unter das Kapitel Platzverweis ziehen würde. Nun stand man ein paar Wochen vor Release zum zehnjährigen Bandjubiläum quasi ohne Band da. Wir verschoben den Release auf unbestimmte Zeit, sagten die meisten Konzerte ab und wollten den gesamten Rest des Jahres nur dafür nutzen, die Band neu aufzuziehen, dass diese ganzen Querelen der letzten Jahre endlich ein Ende finden, denn spätestens nach 10 Jahren wollten wir endlich mal aufhören mit dem Kindergarten und eine schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen. Uns war in der Zeit mit Brian am Bass nicht verborgen geblieben, dass er auch ein sehr talentierter Gitarrist war und öfters sind auch die Worte gefallen „Eigentlich bist du viel zu schade für den Bass!“ (Bassisten dieser Welt, empört euch!). Das war die beste Gelegenheit, Brian vom Bass an die Solo-Gitarre zu katapultieren! Damit wurde die Bassstelle frei, welche wieder nach langwieriger Suche besetzt werden konnte. Jan stieg als überaus fähiger Bassist ein. Nach dem Verlust der zweiten Gitarre 2011 waren wir nur noch zu viert, was eigentlich nur eine Übergangssituation sein sollte. Versuche, wieder einen zweiten Gitarristen bei uns aufzunehmen, wurden aber von unserem damaligen Solo-Gitarristen kategorisch abgelehnt. Dieser war nun weg und somit erfüllten wir uns nach 2,5 Jahren wieder den Traum einer zweiten Gitarre. Unser Merchandiser Socke ließ Shirts und CDs liegen und übernahm den Posten an der Rhythmus-Gitarre. Wie man sieht, liegen sehr turbulente Jahre hinter uns. Umso stolzer kann man sein, dass man diese Zeit gemeinsam (zumindest Stefan und ich, bzw. auch Brian) durchgestanden und nicht die Flinte ins Korn geworfen hat. Diese Umstrukturierung der Band war schon längst überfällig und wir sind endlich eine Band, die wir seit Gründungstagen immer sein wollten. Alle sind durchweg motiviert und geben ihr Bestes für die Band!

Was sagt ihr zu Deutschrock und dazu, dass sie diese Szene rasend schnell vergrößert und es einen regelrechten Hype um Deutschrock gibt? Würdet ihr zusammen mit na Band wie beispielsweise den Vorzeige-Deutschrockern aus Südtirol die Bühne teilen? Oder diese boykottieren aufgrund ihres politischen Rufs?

PW4Na endlich kommen mal Fragen, an denen man sich richtig die Finger verbrennen kann, haha! Entstanden ist das Ganze ja aus dem Ende der Onkelz. Stefan, Darius und ich sind mit den Onkelz groß geworden und wir waren auch 2005 auf dem Lausitzring. Als es danach eine Vielzahl von Veranstaltungen gab, die den „Spirit“ weitertragen wollten, begrüßten wir das und sahen da nichts Verwerfliches dran. Wir hatten damals Verbindungen zum ORR (Onkelz Rock Radio) und spielten auf deren Konzerten 2007 und 2008, u.a. mit Bands wie Krawallbrüder, Rotz und Wasser, Verlorene Jungs, aber auch mit ein paar Deutschrockbands. Da hatte sich damals niemand ‘ne Platte gemacht, ob das denn moralisch in Ordnung ginge. Diese Szene steckte ja auch noch in den Kinderschuhen. Wir fingen erst an, diese Szene kritisch zu hinterfragen, als dann der große Boom und mit ihm der große Kommerz kam, denn man hatte schnell begriffen, dass sich hinter den ganzen Onkelzfans eine kaufkräftige Meute befand. So war es keine Seltenheit mehr, dass der Eintritt bei Onkelz-Coverbands 15 Euro kostete, dass Newcomer-Deutschrockbands doppelt soviel Gage nahmen wie wir nach 10 Jahren Bühnenerfahrung, usw. Jeder Scheiß wurde dem Deutschrockpublikum schmackhaft gemacht, die meisten dieser Bands schmierten ihrem Publikum Honig ums Maul, wie es Weidner in seinen besten Zeiten getan hatte. Das wirkte auf mich alles total aufgesetzt und wahrscheinlich auch zweckdienlich, damit die Kasse nachher noch mehr klingelte und wenn man den gutgläubigen Fans die Augen öffnen wollte, dann hatte man gleich einen Shitstorm am Hals und jedes Argument wurde auf die unglaublichsten Wege abgeschmettert und die Band in Schutz genommen. Dieser Wandel der Szene hatte dazu geführt, dass wir unsere Präsenz in diesen Gefilden auch nicht weiter vertieften. Wir konnten uns damit nicht mehr identifizieren. Drehte sich am Anfang noch fast alles um die Onkelz, prägten dann Frei.Wild und Co das Bild der Szene und das war einfach nicht unser Stil. Wir verstanden uns ja schließlich nie als Deutschrocker, sondern immer als Punkrocker, die in ihrer Jugend allerdings auch viel von den Onkelz geprägt wurden. Wir sind aber auch keine Anti-Deutschrock-Hetzer geworden. Wenn die Leute darauf stehen, wieso sollte man ihnen das verbieten? Wir lassen doch auch z.B. die Metal-Szene, Gothic-Szene, Hardcore-Szene, usw. neben unserer existieren. Bei denen wird doch auch nicht so ein Wind gemacht. Wenn ich die Musik oder die Leute Scheiße finde, dann halte ich mich eben fern.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich den Werdegang von Frei.Wild in den letzten Jahren nur am Rande mitbekommen habe. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sie heutzutage noch geheime Neonazis oder so etwas darstellen. Ihre populistisch-völkische Weltauffassung, die sie zumindest noch auf ihren älteren Tonträgern propagiert haben, teile ich zwar nicht, aber ich mache da auch nicht so einen Affen von. Ich hasse diese „entweder Freund oder Feind“-Mentalität. Ich muss auch andere Ansichten respektieren und tolerieren können und wenn ich z.B. bedenke, wieviele Leute konservative Parteien in Deutschland wählen, dann wäre ich ja nur noch umgeben von Feinden. Wie gesagt, ich weiß auch nicht, was Frei.Wild so in den letzten Jahren getrieben hat. Vielleicht sind sie inzwischen auch so oft aus ihrem Südtirol herausgekommen, dass sie gecheckt haben, dass es auch noch eine Welt jenseits der Berge gibt. Und Philipp Burger das vorzuhalten, was vor Frei.Wild gelaufen ist, ist auch nicht mein Stil. Wie will man die Neonazis zu einem Ausstieg aus der rechten Szene bewegen, wenn man ihnen keinen Neuanfang gewährt? Ich habe einige Freunde, die aus der rechten Szene ausgestiegen sind, und bei denen ich mir auch keine Sorgen mache, dass sie wieder in ihr altes Umfeld zurückkehren. Man muss denen doch nicht immer und immer wieder ihre Scheiße vorhalten. Um jetzt nochmal auf die Frage zurückzukommen: Wenn eine Band jetzt nicht gerade den Führer preist und den Holocaust leugnet, dann werde ich sie auch nicht boykottieren. Wo kommen wir denn da hin, wenn man sich wegen jedem Furz gleich gegenseitig boykottiert? Nur weil ich ihre Ansichten nicht vertrete, heißt das ja nicht, dass ich sie zum Teufel wünschen muss. Es ist jetzt aber auch nicht unser großer Traum, unbedingt mal mit Frei.Wild die Bühne zu teilen. Wenn wir jetzt aber z.B. die Möglichkeit hätten, auf dem Wacken zu spielen und dort würde auch Frei.Wild auftreten, dann würden wir uns doch nicht wegen so einem Kinderscheiss die Chance unseres Lebens kaputtmachen.

Apropos, was sagt ihr zu Politik? Was ist eure Meinung zu Grauzone?

PW5Wir treiben uns ja hauptsächlich in der Oi!-Szene herum, die immer viel Wert auf das „unpolitisch sein“ legt. Das Problem, warum sich viele die Köpfe einschlagen, sehe ich darin, dass jeder dieses „unpolitisch“ anders interpretiert. Der eine sagt, es heißt, dass man lediglich weder in die links- noch rechtsradikale Ecke gesteckt werden möchte, der andere sagt, dass einen Politik überhaupt gar nicht erst interessieren soll, wiederum ein anderer sagt, dass unpolitisch sein einen nicht daran hindert, Freundschaften z.B. in das rechtsextreme Milieu zu pflegen… Jeder legt diesen Begriff „unpolitisch“ anders aus. Ich selbst komme ja aus der eher linksgerichteten Punkszene und als ich mich dann immer mehr in der Oi!-Szene herumgetrieben und mich für die Punks & Skins – United-Idee begeistern lassen habe, habe ich „unpolitisch“ für mich immer so interpretiert, dass man sich lediglich nicht irgendeiner politischen Partei bzw. irgendeinem parteipolitischem Programm anschließt. Ich schaue mir jeden Fall, jeden Bereich einzeln an und entscheide dann selbst, was ich davon halten soll – unabhängig davon, was mir irgendeine Partei vorgibt. Ich persönlich halte mich eigentlich immer auf dem Laufenden über das politische Geschehen. Das vorherrschende politische Desinteresse innerhalb der Gesellschaft bzw. die Kurzsichtigkeit bei manchen politischen Themen kann ich nicht verstehen.

Bis vor Kurzem haben wir uns so gut wie gar nicht zu diesem Thema geäußert, da wir denken, dass dieses Thema einfach lächerliche Dimensionen angenommen hat und der Hype von unserer Empörung genährt wird. Wir schenkten den tollen Geschichten über uns keine Beachtung und fuhren ein paar Jahre ganz gut damit. Richtig konfrontiert wurden wir erst wieder bei unserer Release Party im April in Goslar mit der Thematik, bei der wir Riot Company und Martens Army als Support-Act eingeladen hatten. Das Konzert fand in einem Jugendzentrum statt und ein paar Tage vorher bekamen wir dann von der Stadt die Pistole auf die Brust gesetzt – entweder die Vorbands fliegen aus dem Programm oder das ganze Konzert wird gecancelt. Jemand hatte sie auf die vermeintlichen Verstrickungen der Bands in das rechte Milieu aufmerksam gemacht. Erst seit dieser kurzen Zeit habe ich einen wirklichen Hass auf diesen ganzen Grauzone-Scheiß und erst da habe ich richtig realisiert, wieviel Schaden das in der ganzen Szene angerichtet hat. Denn dann ging die große Suche nach Ersatzbands los, wobei wir von manchen Bands echt pissige Antworten bekommen haben, dass das ja ganz toll sei, dass die Stadt so gehandelt habe. Wenn man dann mal freundlich nachgefragt hat, was denn genau gegen die Bands im Raume stehe, bekam man Antworten wie man solle sich selbst informieren. Gesagt, getan, aber sämtliche Artikel, die ich über die Bands gefunden habe, waren gespickt mit Behauptungen ohne irgendeinen Beleg und weit hergeholten Interpretationen. Und das ist ein Problem, dass ich sowohl innerhalb der Szene als auch generell innerhalb der Gesellschaft sehe. Viele Leute sind nicht in der Lage, sich kritisch mit der Presse, sei es Bild-Zeitung oder die üblichen Grauzone-Blogs, auseinanderzusetzen. „Das steht da, dann ist das auch wahr“ scheint eine weit verbreitete Auffassung zu sein. Wir selbst versuchen immer unvoreingenommen an die Bands heranzutreten und solange uns niemand erschlagende Beweise liefert, sind wir ihnen gegenüber offen und machen uns unser eigenes Bild von ihnen. Wenn irgendwelche Anschuldigungen auftauchen, dann fragen wir erst einmal direkt bei den betroffenen Bands nach und geben ihnen die Möglichkeit, sich zu erklären. Diese „eindeutigen“ Beweise sind oft nämlich gar nicht so eindeutig, wie es so mancher denkt. Die Sache, die einen am meisten ärgert, ist ja auch: Wieso schreibt man z.B. auch über uns irgendwelche Geschichten, ohne uns mal selbst gefragt zu haben? Das spricht ja dafür, dass an einer objektiven Betrachtungsweise überhaupt gar kein Interesse besteht. Doch mit diesen Geschichten wird ja nicht nur unserer Szene geschadet, sondern sie schaden ja auch ihrer eigenen. In der Oi!-Szene hat sich durch die ganzen Grauzonekampagnen eine Anti-Antifa-Haltung etabliert. Es wird immer über DIE Antifa hergezogen. Das ist genau so ein Bullshit. Es gibt sehr unterschiedliche Antifas und unter ihnen mit Sicherheit auch welche, die seriös arbeiten. Zudem hat sich auch als Trotzreaktion in der Oi!-Szene diese „Grauzone sein ist schick“-Mentalität durchgesetzt. Umso mehr man mit dem rechten Rand liebäugelt, umso cooler ist das. Davon halte ich genauso wenig. Das „Problem“, dass diese diversen Blogs und Foren kritisieren, ist ja nicht völlig aus der Luft gegriffen. Es gibt ja wirklich diese Leute in der Szene, die heute bei Stomper 98 und morgen bei KC auf den Konzerten herumlaufen und das ist eine riesengroße Schande, meiner Meinung nach. Das Problem ist real existent, ich kritisiere nur die Arbeitsweise (willkürliche Behauptungen ohne Belege oder mit wenig aussagekräftigen Belegen, keine Befragung der Betroffenen,…) und das Ausmaß dieser ganzen Hexenjagd (Grauzone ist jemand, der mit einer Band gespielt hat, die mit einer Band gespielt hat, die mit einer Band gespielt hat, dessen Sänger mal einen Freund hatte, der vor 5 Jahren mal mit einem Endstufe T-Shirt gesehen worden ist. Kurz: Wer ist eigentlich noch nicht Grauzone?). Unsere Hoffnung ist einfach, dass die Recherchen bzgl. Grauzone einfach mal einen ernsthaften Charakter bekommen und dass dieser Zirkus, wie er wohl momentan nicht anders zu bezeichnen ist, endlich ein Ende nimmt. Denn wahrscheinlich hat das allen Parteien geschadet, geholfen hat es niemandem…

Was sind eure Pläne für 2014? Konzert im Ruhrgebiet geplant?

Unsere Pläne für 2014 bestehen erst einmal daraus, dass Album so gut es geht zu bewerben. Wir versuchen jedes Konzert mitzunehmen, wobei wir mit der Anzahl an Konzerten immer noch nicht wirklich zufrieden sind. Veranstalter sind herzlich dazu eingeladen, mit uns Kontakt aufzunehmen. Unser Konditionen sind vglw. lächerlich. Außerdem hatten wir kurz vor dem Release von „Bis der Vorhang fällt…“ unser erstes eigenes Video veröffentlicht (siehe: https://www.youtube.com/watch?v=MplN7Ywstr0), da würden wir jetzt gern in den nächsten 2 – 3 Monaten etwas nachlegen. Es sind auch schon viele Ideen zu neuen Songs vorhanden. Da werden wir wahrscheinlich auch noch dieses Jahr angreifen.

Konzerttechnisch treibt es uns bis jetzt leider nicht ins Ruhrgebiet. Aus welchem Grund auch immer will wohl fast nur der Osten dieses Jahr ‘ne Punkrocksause mit uns feiern. Bisher bestätigte Konzerte sind folgende:

18.07.2014 – Reichenbach/ Kernspalt mit Durstige Nachbarn, Piratenpapst, InForm, uvm.
22.11.2014 – Wegeleben/ JC mit Frei Bier Ideologen und Thekenprominenz

Mehr ist aber auf jeden Fall in Planung!

Mit wem würdet ihr gerne mal zusammen spielen/ Songs aufnehmen?

PW6Puh, das ist ‘ne schwierige Frage, da wir inzwischen alle sehr unterschiedliche Musik hören. Wahrscheinlich würde das eher in die internationale Richtung gehen. Ein Konzert mit Anti-Flag oder The Casualties wäre schon ein Traum von mir. Einen Song mit einer dieser Bands zusammen aufzunehmen, kann ich mir allerdings schon allein vom Musikalischen her schwer vorstellen, aber wer weiß, vielleicht kommt ja noch passende Song und die nötigen Connections. ;-)

Was treibt ihr abseits des Proberaums?

Eigentlich sind wir ziemliche Gammler geworden. Meine gesamte zur Verfügung stehende Zeit geht eigentlich für mein Studium und die Band drauf. Die kleinen Zeitbröckchen, die übrig bleiben, versuche ich auf Freundin, Freunde und Familie aufzuteilen. Ab und zu schaffe ich es mal auf ein Konzert oder gehe im Harz spazieren, um einfach mal wieder klarzukommen. Jan ist auch eher der ruhige Typ, der ab und zu mal die Angelrute ins Wasser wirft. Stefan ist der Fußballbegeisterte von uns. Der geht öfter mal ins Stadion, um sich Eintracht Braunschweig reinzuziehen. Brian dirigiert irgendwelche virtuellen Panzer durch die Gegend und Socke ist der Rumtreiber. Der ist mal hier, mal dort, auf jeden Fall nie zuhause und erzählt jeglichen Leuten seine Lebensweisheiten.

Habt ihr noch was auf der Seele?

Zunächst einmal möchten wir uns für das Interview bedanken. Vor allem die Fragen zum Thema Deutschrock und Grauzone dürften uns einen Haufen Fans gekostet haben. Vielen Dank dafür, haha! Trotzdem wünschen wir eurem Online-Zine das Beste. Solch ein Engagement für die Szene ist nichts Selbstverständliches. Respekt! Wir möchten an dieser Stelle auch nochmal all unseren Supportern und Förderern danken. Wir sehen uns spätestens bei der nächsten Punkrockshow!

Vielen Dank für das ausführliche Interview, bis dahin, cheers!

Mira

Interview mit “Melanie” (16.02.2014)

Ich hatte die Gelegenheit ein Kurzinterview mit Melanie, vielen wahrscheinlich bekannt als Sängerin der Band „ Melanie and the secret Army“, zu führen.

Du hast als Sängerin ja schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, in denen wohl so einiges1 passiert ist, welches war das schönste und welches das enttäuschendste / traurigste Erlebnis deiner Karriere?

584755288226198Eigentlich ist jeder Auftritt was besonderes für mich, aber es gab da schon zwei die waren unvergesslich, einmal die Blue Army Party 25 Jahre das war schon wirklich der Hammer gewesen. Und der Auftritt auf dem Hafengeburtstag der hatte auch was, so ne Kulisse haste nicht jeden Tag, Open Air im Dunkeln-  Lichter ohne ende und zum Abschluss ging das Feuerwerk los- Hammer.
Das traurigste ist das ich immer etwas Pech mit meinen Bands habe, die ja nur nebenbei mit mir Musik machen und ich zweimal meine Musik aufgeben musste.

Wie stehts eigentlich um Melanie and the secret Army? Gibts da noch mal was oder seid ihr endgültig getrennt?

Gute Frage, ich habe schon mal darüber nachgedacht die Band wieder zurück zu holen, aber das liegt leider nicht allein in meiner Hand. Wir werden es sehen..im Moment ist aber nichts konkretes geplant.

Was war in deiner Musikkarriere die wichtigste Lektion die du lernen musstest und warum?

Das ist eine gute Frage, die ich aber nicht beantworten werde denn das sind meine Lebenslektionen und die teile ich ungern mit anderen.

Was ist an den Gerüchten dran, dass deine neue Band „ Still Standing“, sich nach dem Autritt in Köln, zusammen mit den Dörpms und Cock Sparrer sich wieder aufgelöst haben?

Auch hier nicht aufgelöst sondern pausieren aus ähnlichen gründen wie mit MSA. Discipline waren zu erst da und stehen auch weiterhin an erster Stelle und da es für die Jungs im Moment gut läuft stehen wir still :) Ich gönne es den Jungs und hoffe es geht auch mit uns bald weiter.

Wie ist dein Plan was die Musik angeht? Du bist auf der Suche nach einem neuen Projekt? Wie soll das aussehen?

Ja bin ich oder war ich, im Moment bin ich etwas müde was das angeht. Neu anfangen aufbauen und dann wieder alles hinschmeissen, ich bin mir nicht sicher ob ich wirklich nochmal Lust darauf habe.
Aber wie es aussehen sollte das ist mir klar, meine Jungs die sonst nirgends anders wirken und nur für diese eine band da sind so sollte es aussehen.

Was bedeutet dir die Szene in der du dich bewegst und wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert? Vermisst du was von früher? Gibt es deiner Meinung etwas, was besser ist?

592873870747673Die Szene ist mein Leben von Montags bis Sonntags von morgens bis abends. Und leider muss ich sagen das sie sich in den letzten Jahren sehr verändert hat, aber seid ich 12 bin, bin ich ein Teil der Subkultur und da gab es schon öfters arge Flauten. Was das angeht bin ich also positiv gestimmt und hoffe das es bald wieder besser wird.
Vermisse ich was von früher? Mh ja aber, Mira ich bin mir nicht sicher ob ich das verloren habe oder ob es verloren gegangen ist. Es ist alles nicht mehr so lustig und unbeschwert, die Konzerte sind flau die Leute sind satt, einfach viel zu viel Angebote.
Und die Partys danach waren auch mal besser jetzt Konzert vorbei über die Hälfte der Leute wech…
Vielleicht bin ich aber auch einfach alt geworden :)

Hast du abschließend noch was auf der Seele?
Oi, Oi keep the faith!

RESTRISIKO INTERVIEW (24.12.2013)

Restrisiko haben seit kurzem eine neue Scheibe am Start. Ich hatte die Ehre mit Atze ein Interview zu führen.

 

Ihr habt ja schon ein paar Jährchen auf dem Buckel in denen wohl so einiges passiert ist, welches war das schönste und welches das enttäuschendste / traurigste Erlebnis eurer Bandgeschichte.

IMG_4554a (Klein)Moinsen erstmal!
Alter Schwede, da muss ich jetzt aber überlegen… Also das schönste Erlebnis findet jedes mal auf der Bühne statt, wenn ich Menschen sehe, die Texte mitgrölen, die Musik abfeiern oder in deren Augen du sehen kannst, wie du sie mit deiner Musik erreichst. Diese Art der Würdigung macht mich so grundzufrieden – und egal, wie viel Scheiße die Woche über schon gelaufen ist, wie lange die Fahrt war, wie sehr im Arsch du auch bist, von der Kackmaloche oder wie sehr du auch gern mal wieder einfach mal ´nen schönen Abend mit deiner Süßen verbringen willst für die du kaum noch Zeit hast – wenn du siehst wie deine ehrlichen Gedanken und Kompositionen von ehrlichen Menschen respektiert werden, weißt du wieder, dass du selten irgendwo richtiger stehst als genau in diesem Moment auf dieser Bühne.

Der enttäuschendste Moment für mich war, als unser früherer Bassist, Mastermind und Gründungsmitglied Gummel verkündet hat, die Band zu verlassen. Danach stand der Fortbestand der Band tatsächlich auf der Kippe. Gummel war zusammen mit Wimmer einfach der erfahrenste aus der Band, der sich um ne Menge Kram gekümmert, viele Lieder geschrieben hat und einfach ein super Typ ist. Ein Typ mit Kante, der nur selten nicht das sagt was er denkt und 100% gegeben hat. Wir haben lange überlegt, ob und wie es jetzt noch Sinn macht, die Band weiter zu führen. Klar wurde dann auch, dass der alte Weg so nicht mehr zu gehen ist, da Gummels Fußstapfen auch nicht so einfach nachzulaufen sind. Aufgaben mussten neu verteilt und die neue Identität der Band gefunden werden. Ein Prozess der viel Zeit und Nerven gekostet hat, dann letztlich aber in die richtige musikalische Richtung führte. Glücklicherweise haben wir in Max auch zeitnah einen äußerst fähigen Basser gefunden.

Apropos, Bandgeschichte, für die, die es noch nicht wissen, wie kamt ihr dazu zusammen Musik zu machen? Wann fing alles an und was gab euch den Anstoß dazu?

Joa, Wimmer ist ja das letzte noch verbleibende absolute Gründungsmitglied und der ist leider gerade nicht abkömmlich, weshalb ich ja nu die Ehre hab mit dir zu plaudern:) Als ich dazu kam, ich glaube 2006 oder so, waren die verbleibenden drei Musiker der Band gerade ohne Gitarre, dafür alles Gründer der Kapelle. Der Geist der so im Proberaum schwebte, zeigte früher wie heute noch: „Wir haben was zu sagen und das sollen ruhig alle hören“ Dazu kam ne Menge Party – Suff – Punkrock – Gedöns wie man es eben kennt:) Sehr positiv aufgefallen ist mir früher schon die krasse Arbeitsmoral im Proberaum. Saufen und Spaß gabs jederzeit und überall, aber im Proberaum wurde verdammt nochmal gearbeitet und zwar mit einer Intensität, wie ich sie vorher nicht kannte. Denn was wir zu sagen hatten, sollte auch möglichst qualitativ dem interessierten Zuhörer geboten werden. Klar Punk kann auch ruhig reudig, dann aber bitte mit Stil:)

Was war in deiner Musikkarriere die wichtigste Lektion die du lernen musstest und warum?

Niemand ist einfach austauschbar. Das haben wir bei den vielen Wechseln immer wieder festgestellt. Jeder Wechsel an den Instrumenten macht ne Menge mit der Musik, der Attitüde, dem Miteinander. Erst kürzlich hat unser Drummer Faxe die Band verlassen (ist weg gezogen und schafft es zeitlich und entfernungstechnisch nicht mehr). Wir waren so unglaublich gut eingespielt, wenn ich neue Songs vorstellte, wusste er immer sofort, wie ich mir das Schlagzeug dazu vorstellte, welche fills, Tempi, Rhytmen usw., ganz zu schweigen von der Tightness (schreibt man das so? ;)) bei Liveauftritten. Außerdem haben wir wieder mal nen super Typen „verloren“. Hatte ich auch dran zu knabbern. Niemand ist bei uns einfach nur weil er sein Instrument beherrscht. In erster Linie müssen wir uns verstehen. Ist auch scheißegal wo du herkommst oder wie du aussiehst, hauptsache du passt menschlich. Gott sei Dank haben wir auch an der Ballerbude einen würdigen Ersatz gefunden – ich freu mich schon auf unseren ersten Auftritt zusammen! Cheeerz Marvin:)

Auf eurer neuen Platte habt ihr einen Song, „ Standpunkt“ zusammen mit Sebi von Stomper 98, wie kam es dazu? Verbindet euch privat auch eine Freundschaft?

IMG_4557a (Klein)Ich kenn Sebi aus dem Fitnessstudio, hehe, dachte immer „scheiße, woher kennst du den…“ wurde dann natürlich schnell klar, als ich mitgekriegt hab, wie viele Leute den grüßen. Irgendwann haben wir dann hin – und wieder gequatscht, wenn wir uns beim Training getroffen haben. Parallel dazu hatte Wimmer aber schon lange Kontakt zu Sebi. Also die beiden verbindet schon eine Freundschaft oder wenigstens Kumpelei würde ich sagen. Na jedenfalls ist Sebi ja echt eine Energiemaschine ohne Gleichen und trotz eigener Band, Arbeit und Familie hats trotzdem noch gereicht uns zu unterstützen mit Konzertbesuchen, Tips & Tricks und seiner ausgezeichneten Studioarbeit. Zwischen mir und ihm, das ist keine Freundschaft, dafür kennen wir uns zu wenig. Ich würde es gegenseitige Sympathie und gegenseitigen Respekt für unsere Arbeit nennen. Wir sind Kampfesgenossen in dieser von Müll und Dummheit überschwemmten Welt:)

Berichte mal von eurer neuen Platte, was erwartet die Hörer?

Eine druckvolle Produktion, ne gesunde Mischung aus Punk, Oi! und Rock´n Roll und überwiegend ironische/sarkastische bis satirische Texte. Mal lustig, mal ernst. Aber 100% ehrlich. Wie sie gefällt, darüber lasse ich die Hörer entscheiden.

Hast du einen Lieblingssong, bzw einen Song von dem du denkst, dass er euch besonders gut gelungen ist oder ein Song der euch besonders wichtig ist und warum ausgerechnet dieser Song?

Also „1999“ find ich schon ziemlich gut. 1. weil er gut abgeht und 2. weil Wimmer den Text quasi aus ner Menge Textzeilen aus vielen unserer Lieder zusammengereimt hat, ist ihm echt gelungen! Adel Tawil hats nachgemacht, heheheee

Aber auch „Standpunkt“ ist eines meiner Lieblingstücke, stammt ja auch aus meiner Feder >hust< Der Text stellt die Verblödung der Menschheit dar und die Wichtigkeit oppositioneller Subkulturen wie eben Punks und Skins(mit Hirn) ; „Nichts wird sein wie es war, wenn diese Flamme erlischt“ Ich glaube wirklich, wenn Menschen wie wir aufhören die zunehmend verblödende Gesellschaft mit der Nase immer wieder in die eigene Scheiße zu tunken, gibt es bald nur noch stumpfe Konsumenten und die jenigen die an ihnen verdienen, sie ausnehmen wie Weihnachtsgänse.

Erzähl mir doch mal was zu den folgenden Songs:-

So lang her

Im Namen des Herrn

Nacht ohne Morgen „So lang her“ hat Wimmer geschrieben. Es geht um ein typisch menschliches Schicksal, das jeden dieser Gesellschaft, so oder leicht abgewandelt, treffen kann. Menschen am Rande eben jener Gesellschaft, die jeden fickt, der es mit Ehrlichkeit versucht. Menschen, die den Glauben an das Leben, die Liebe und die Menschen an sich verloren haben…ohne jegliche Perspektive. Menschen, die diese Welt um einiges besser machen würden, wenn man sie lassen würde, bzw, wenn es überhaupt erwünscht wäre. Macht für den, der sie nicht will!

„Im Namen des Herrn“ hat, soweit ich weiß, Flori geschrieben(der erste Drummer dieser Band) War auch eines der ersten Stücke überhaupt und prangert mit nem Schuss Ironie die Kirche als Institution und ihr Wirken an. In dieser Version quasi die Neuauflage des Stücks auf der aktuellen Platte.

„Nacht ohne Morgen“ hab ich geschrieben. Eine Kampfansage an jeden verschissenen Schlips tragenden Luxusschleuder fahrenden Doppelmoralisten, der noch mal ordentlich aufs Daimler- Gaspedal tritt während im Radio die neueste Studie über Kindersterblichkeit in Zentralafrika läuft… schön erstmal 3 Kinderleben mehr durch den Auspuff geblasen… Wiegt euch nur in Sicherheit…ich warte auf den Tag an dem wir zu Tausenden auf den Straßen aller Städte sind und nicht nur in Berlin Luxusautos brennen.

Habt ihr schon Pläne für 2014? Wann stehen die nächsten Konzerte an?

Marvin wird noch ordentlich eingetrommelt und dann geht’s mit Konzerten weiter. Außerdem sind schon einige neue Songs geschrieben und können hoffentlich Mitte/Ende 2014 vertont werden. Am 4.1.14 gibt’s nochmal ein Konzi in der Kulturfabrik Mühlhausen, dass eventuell noch Faxe mit trommelt.

Was bedeutet dir die Szene in der du dich bewegst und wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert? Vermisst du was von früher? Gibt es deiner Meinung etwas, was besser ist?

IMG_4572a (Klein)Obwohl natürlich auch in der OI!/Punk Szene Mode immer mehr eine Rolle spielt, so sind diese Szenen meiner Meinung nach noch das ehrlichste, was der Untergrund zu bieten hat. Ich mag die Menschen, das rauhe, ungeschönte und vor allem sehr individuelle in deren Persönlichkeiten. Mich langweilen die stumpfen Konsumenten, die ja leider in der absoluten Überzahl in diesem Land vertreten sind, manchmal zu Tode…meistens machen sie mich unglaublich wütend. Klar ist niemand aus unserer Szene ein Engel, dafür sind die meisten aber mit Herz dabei. Ich denke und hoffe, dass die Szene sich weiter vom politischen Missbrauch durch links oder rechts entfernt, sich ihre eigenen individuellen politischen Ansichten bildet(jeder Mensch individuell, fernab von Parteizugehörigkeit-, Programmen usw. die Politik von heute ist Lügentheater auf höchstem Niveau.) und damit einhergehend Vorbildsfunktion für das dumme Volk darstellen kann. Ehrlich gesagt vermisse ich nichts von früher. Es war alles gut so wie es war, aber die Entwicklung der Szene entgegen aller politischen Hetze und Politisierung trotz des enormen Druckes von Links und der immer raffinierteren Methoden von Rechts, zeigt mir, dass wir uns nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, im Gegenteil, wir lachen stumpfen Extremismus aus. Es tut gut, das zu sehen.

In der Skinhead- Szene ist die politische Einstellung immer und immer wieder ein leidiges Thema. Schnell wird man in einen Topf geworfen, wenn man beispielsweise kein klares politisches Statement abgibt oder aber mit diversen Bands zusammen auf einer Bühne spielt. Was ist deine Meinung zu sogenannten „ Grauzonen- Bands“?

Haha, was für ein blödsinniger Haufen Mist oder? Spinnt die Grauzonentheorie mal weiter – Wenn jeder, der irgendwann mal mit irgendeinem gesehen wurde, der irgendwo mal wen kannte, der mal bei nem Endstufe Konzi fotografiert wurde, zur Grauzone gehört, sind dann in 10 Jahren nicht alle Oi!/Punk Bands Grauzone? Ich könnte mich tot lachen über diese Debatte. Ohne Sinn und Verstand…ehrlich. Es nützt ja auch nichts, wenn du dich in deinen Liedern klar von links und rechts distanzierst, bekommen wir in meiner anderen Band „Suspekt“ auch immer wieder zu spüren. Da werden sogar Texte umgeschrieben, von ominösen Internet Portalen, sodass sie mehr nach rechts tendieren, und dann veröffentlicht…Da fehlen mir die Worte… sind da nur noch pubertierende Kiddis, die dringend Aufmerksamkeit brauchen, an den Tasten??? Ich halte die Antifa für sehr wichtig beim Aufbau von oppositionellem Gedankengut, aber was machen die denn da nur? Skins und Punks waren in ihren Anfängen APOLITISCH also gegen die Politik im allgemeinen, so wie sie gemacht wurde, das heißt aber noch lange nicht, dass niemand von den traditionellen eine eigene Meinung hatte! Natürlich hat die jeder, wenn bei manchem auch nicht politisch sondern eher „menschlich“ formuliert. Dieser Wald voller Blödsinn, der seit der Politisierung/Missbrauch zu politischen Zwecken durch rechts und links, ständig wächst, ist ja leider nicht mehr beschreitbar. Dieses Durcheinander von Vorwürfen und Rechtfertigungen macht die Leute doch tatsächlich glauben, Skinhead oder Punk sein hätte grundsätzlich etwas mit Politik zu tun…ein Witz in meinen Augen… Warum sollten Bands aus der Szene denn unbedingt politische Statements in ihren Texten verarbeiten?? Warum sollten sie sich für etwas rechtfertigen, was sie garnicht getan haben? Tut Britney Spears das? Nee, ist sie deshalb jetzt Grauzone? Kann mir doch keiner erzählen, dass kein Nazi sie gut oder wenigstens scharf findet. Dabei wäre die doch viel eher ein Ziel für die Antifa! Macht sie sich doch selber zum Sexobjekt… Haben Nickelback denn Ordner am Eingang, die Leute aussortieren, die Thor Steinar be t.-shirtete Jungs und Mädels rausschmeißen? Die Krawallbrüder schon…und trotzdem meinen manche, sie in die rechtsoffene Abteilung zu schieben… Was soll ich dazu sagen – ich kann die Scheiße schon lange nicht mehr ernst nehmen. Wenn die Antifa mit ihren 70er Jahre Denunzierungsmethoden so weitermacht, anstatt diese Energie gegen den sich immer besser organisierenden rechten Untergrund zu verwenden, kann das wohl bald keiner mehr. Ich wünsche mir, dass die Antifa wieder zu einer starken, die wahren Missstände aufdeckenden und bekämpfenden Truppe wird und sich endlich eingesteht, dass sie mit ihrer Grauzonendenunzierungsabteilung klar das Ziel verfehlt haben. Das wäre wahre Stärke.

Was sagst du in diesem Zusammenhang, dazu, dass ihr auch schon auf Oire Szene erwähnt worden seid?

Eheheheee, gute Werbung für uns oder? Nee mal im Ernst, wir hätten Freunde werden können, das Portal und ich. Ich selbst tendiere politisch in die linke Richtung, weil das Grundgerüst vom linken Sozialismus noch das gerechteste politische Konstrukt ist. Das hat allerdings nicht mehr viel mit heutiger linker Politik zu tun, schätze ich. Ich habe schon öfter Statements in „Oire Szene“ Threads geschrieben, kritisch, aber sachlich…wurden nach spätestens einem Tag gelöscht. Bei so wenig Bereitschaft zu kritischer Auseinandersetzung, muss ich von fehlender Kompetenz ausgehen. Schade, aber mein Gott, ist auch kein Weltuntergang. Wir können ja nicht alle retten, die sich in blinden politischen Fanatismus verrennen.

12) Womit würdest du den Menschen gern im Gedächtnis bleiben?

IMG_4579a (Klein)Ach, ich gebe da nicht so viel drauf, den Leuten im Gedächtnis zu bleiben. Aber wenn unsere Musik bei dem einen oder anderen die Faust in der Hosentasche ballt, genügt mir das. Ich war viel zu oft das schwarze Schaf, als das ich auf die Meinung anderer über mich nen Furz geben würde. Nur die Menschen die ich liebe, hoffe ich, nicht all zu sehr zu enttäuschen.

Hast du abschließend noch was auf der Seele?

Ich hab jetzt tierischen Hunger…

Hehe, so denn, danke für das wirklich gelungene Interview – sehr schöne und kritische Fragen.

Lass es dir gut gehen und bis bald mal auf nem Konzi von uns!

Greeeetz

Atze

 

Vielen Dank für die genommene Zeit und die ehrlichen Antworten. Cheers, Mira

 

KITTY IN A CASKET INTERVIEW (10.11.2013)

1KITTY IN A CASKET sind seit ihrem Release von „Bittersweet“ permanent „On the Road“ um die Scheibe zu promoten. Auf der „HELL NIGHTS“ Tour (u.a. mit THE OTHER) machte die extrem sympathische Kapelle auch in Köln halt, um den Leuten das Fürchten zu lehren. Kurz vor der Show im Underground konnte ich mich noch mit Sängerin Kitty darüber unterhalten, was man den so zu Halloween macht wenn man nicht gerade auf Tour ist, oder ob sie sich es vorstellen könnte nach ihrer Karriere als Musikerin, auch Bürgermeister zu werden. MARCEL

Kitty. Ihr habt 2009 eine EP mit dem Namen „Hallo Wien“ veröffentlicht. War der Gedanke dahinter der, das man mit der Scheibe jedes Jahr zu Halloween auf Tour gehen kann, oder ist das Zufall das ihr gerade heute, am 31.10, hier in Köln auf der Bühne steht?

Kitty:  Um ehrlich zu sein, ist das erst die dritte Halloween Show die wir spielen. Wir haben die Scheibe damals „Hallo Wien“ genannt, weil sich auf der Platte alles um Themen dreht, die irgendwas mit Halloween oder ähnlichen Horror-Sachen zu tun haben. Das können wir für die Zukunft aber sehr gut nutzen, um immer wieder für Halloween interessant zu sein. So wie z. b. heute im Rahmen der „Hell Nights“ Tour. Wir haben auch gestern noch eine Show in Erfurt gespielt, wo auch alles auf Halloween bezogen war. Zudem haben wir auch ein „Hallo Wien“ T-Shirt mit, das passt einfach.

Wenn die Truppe nicht gerade auf Tour ist, hält sich Kitty bei dem ganzen Halloween Zinnober aber lieber zurück.

Kitty:  Ich freue mich heute sehr darauf, mich zu verkleiden. Das tue ich sonst eher nicht. Es ist einfach ein schöner Anlass, um sich verrückt zu stylen. Aber ich muss gestehen, dass ich ein großer aus geh Muffel bin. Ich bin dann eher der Typ, der es sich zu Hause mit ein paar Freunden, Snacks und Horrorfilmen gemütlich macht. Aber das kann sich natürlich auch von Jahr zu Jahr ändern und hat auch einfach etwas mit der Stimmung zu tun, welche ich gerade habe.

KITTY IN A CASKET waren im August in dem Land auf Tour, wo an Halloween (noch) deutlich mehr abgeht als hier. Erzähl doch mal wie eure US Tour verlaufen ist. Auf FB konnte man ja lesen, das ihr das ein oder andere Auto Problem hattet.

2Kitty:  Es ist schon ganz anders als hier, denn die Amerikaner sind deutlich lässiger. Z. b. was die Autos angeht. Das Auto wurde im Vorfeld gar nicht richtig kontrolliert im Hinblick darauf ,ob alles in Ordnung ist. Man ist eben auf gut Glück los gefahren. Dann standen wir wirklich im nirgendwo mit einem kaputten Van und die Van-Besitzer hatten auch nicht mal eben die finanziellen Mittel, um das alles zu klären und zu reparieren. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes gestrandet und haben dann über FB eine Spendenaktion ins Leben gerufen, bei der dann tatsächlich 4000 Dollar zusammen gekommen sind. Damit konnte die andere Band (die Van-Besitzer) den Schaden am Getriebe reparieren lassen. Ein paar Tage später ist uns dann auch noch der Reifen geplatzt. Aber da haben dann tatsächlich Leute angehalten, uns einen neuen Reifen drauf gezogen so dass wir zur nächsten Werkstatt fahren konnten, wo der Schaden dann repariert wurde. Aber nichts desto trotz war die Tour unheimlich genial, weil wir so viel erlebt und gesehen haben. Es war einfach ein riesiges Abenteuer. Jeder von uns könnte ein Buch darüber schreiben, und damit wäre die ganze Geschichte immer noch nicht zu Ende erzählt. Es waren immerhin 27 Shows in sechs Wochen. Und uns ist nichts gravierendes passiert – Wir sind alle gesund wieder nach Hause gekommen. Aber es ist schon ein Unterschied: Hier bekommst du deine Gagen, etwas Gutes zum Essen und auch ein Hotel. In Amerika wurde gesagt: „So, hier ist euer Schlafplatz“. Das konnte dann auch schon mal der Fußboden sein. Aber wir haben das Beste daraus gemacht und es einfach als Erfahrung mit genommen.

Interessant ist das schon. Denn alle Ami Bands touren immer gerne in Europa, und auf der anderen Seite wollen alle Bands aus Europa über den großen Teich.

Kitty:  Ich denke das ist einfach der Reiz etwas anderes zu sehen, und zu erleben wie es dort gemacht wird. Für uns als Band ist es natürlich schön, das Leute in einem anderen Kontinent deine Musik kennen und zu ihr abgehen. Die Zuschauer waren wirklich hoch erfreut, dass da wirklich eine europäische Band steht und ihr Ding macht. Es macht einfach Spaß das dann auch durch zu ziehen, obwohl man jeden Tag eine Show hat. Nichts desto trotz waren wir am Ende der Tour ziemlich fertig. Aber obwohl wir teilweise nur 3-4 Stunden Schlaf pro Nacht hatten, haben wir uns immer wieder auf jede Show gefreut und ordentlich Gas gegeben.

Vom großen Land zurück in die Provinz. Obwohl KIAC aus Wien kommen, fühlt man sich bei der Wahl des Labels eher in Richtung Niederrhein hingezogen. CRAZY LOVE RECORDS sitzen in Haan, WOLVERINE in Duisburg und BETTER THAN HELL, ihr neues zu Hause, in Rheinberg.

3Kitty:  Haha, nein, da steckt kein Plan und auch kein Prinzip dahinter. Das ist reiner Zufall. Aber ich muss einfach sagen, dass sich hier in diesem Eck musikalisch gesehen sehr viel abspielt. Viele Labels sind im Raum NRW ansässig. Zu BTH hab ich ne` freche E-mail geschrieben. So nach dem Motto : „Bringt ihr eigentlich nur deutsche Bands heraus ?“ . Das hat sich dann einfach so weiter entwickelt. Wir spielen in diesem Jahr auch auf dem Weihnachts Konzert der Jungs (Betontod), wo wir uns schon sehr drauf freuen. Wir sind Top zufrieden mit dem Label.

Bei BETTER THAN HELL sind ja auch Truppen wie TOXPACK oder KÄRBHOLZ unter Vertrag. Die „Gefahr“ das KIAC dadurch in eine falsche Schublade gesteckt werden könnten, besteht allerdings nicht.

Kitty:  Die Gefahr besteht gar nicht, denn wir unterscheiden uns ja schon recht deutlich von den anderen Bands am Label und das finde ich auch gut so. Es zeigt dadurch auch, dass BTH offen ist für alle bzw. andere Richtungen. Somit besteht für uns und auch für das Label keine Gefahr da in eine falsche Ecke gedrängt zu werden. Wie gesagt. Wir fühlen uns sehr wohl dort und arbeiten prima mit den Leuten vom Label zusammen, die uns auch wirklich sehr toll unterstützen.

Auf dem Album befindet sich auch ein Song mit dem Namen „Kreepsville 666“.Wie würde dieser Ort aussehen, wenn du dort der Bürgermeister sein dürftest?

„Was mit Katzen“ sagt Gitarrist Billy, der sich mittlerweile zu uns gesellt hat. Kitty stimmt dem aber zu: „Es würde nur Katzen geben. Und die fressen jeden, der in die Stadt kommt. Und die gefressenen werden selber zu Katzen. Es gibt eine Überbevölkerung von Katzen, die natürlich alle KITTY heißen und in einem Casket schlafen. Die Stadt selber ist natürlich schön düster und hat gruselige Gebäude. (Alles mit einem gewissen Augenzwinkern gesagt)

Da halte ich mich mit meiner Katzenhaar Allergie mal lieber fern von. Dann schaue ich doch lieber die Trickserie INSPECTOR GADGET. Die Titelmelodie wird nämlich in diesem Song kurz angespielt und kommt deutlich besser als das ausgelutschte Bat Man Theme.

4Kitty:  Daran ist unser Gitarrist Schuld, haha. Es hat einfach gepasst, hat einen Wiedererkennungswert und somit haben wir uns dafür entschieden. Den Song spielen wir auch heute Abend.

„Die Geister die ich rief“ hat aber nix mit dem Bill Murray Film zu tun oder?

Kitty:  Nein, das ist nur Zufall und hat nichts mit dem Film zu tun.

Ihr singt zum größten Teil auf Englisch, macht aber auch Ausnahmen wie z. b. bei diesem Song.

Kitty:  Das hat sich einfach so ergeben, obwohl ich mir vorgenommen hatte, nie wieder einen deutschen Text zu schreiben. Ich finde deutsche Texte für mich selbst einfach extrem herausfordernd. Bei diesem Song passte das aber einfach und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Obwohl KIAC auch einen Kontra Bass haben, ist „Bittersweet“ einfach nur eine geile Punk Platte mit extrem schönen Hooks. Fühlt man sich da manchmal zu unrecht in die Psychobilly oder Horrorpunk Schublade gesteckt?
Kitty:  Klar, durch den Kontra Bass sind wir immer auf eine gewisse Schiene gedrängt worden, aber beabsichtigt haben wir das nie. Wir wollten einfach Punk Rock machen.
Und Billy bestätigt das kurz und knapp: „Wir sehen uns als Punk Rock Band“.

Zum Schluss dürfen die beiden sich noch aussuchen, welche Bands sie im Tourbus lieber hören möchten.
DIE ÄRZTE oder DIE TOTEN HOSEN ?

(Beide fast zeitgleich und nach einer Sekunde) : „ÄRZTE“

Billy:  Mir gefallen einfach die Texte besser. Ich habe zwar auch DIE TOTEN HOSEN gehört, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann für DIE ÄRZTE.

5METALLICA oder SLAYER?

Kitty : Weder noch Ich bleibe bei den ÄRZTEN.

Billy: Schwierig, schwierig. Machen wir es diplomatisch. MEGADETH

MISFITS mit DANZIG oder DANZIG Solo?

Kitty:  MISFITS mit DANZIG.

Billy:  Ich finde beides gut, auch DANZIG Solo.

Beide:  Wenn wir uns entscheiden müssten, dann MISFITS mit DANZIG.

Und zu guter letzt: FALCO oder die EAV?

(Auch beide zusammen und wie aus der Pistole geschossen) „FALCO“

Kitty: Ich habe als Kind zwar auch die EAV gehört, aber FALCO ist einfach cooler. Davon abgesehen, hat er es wirklich geschafft. Er hatte ja auch in Amerika sehr großen Erfolg.

Billy: Wir waren mitten in Texas auf unserer Tour als FALCO im Radio gespielt wurde.

Kitty: Ich finde es schon sehr beachtlich, was er geschafft hat. Er hat einfach einen Sturschädel gehabt und hat sein Ding gemacht.

Billy: Von den Texten her sind beide aber sehr gut.

RAT CITY RIOT INTERVIEW (21.07.2013)

Die Punkrockband Rat City Riot sind seit kurzem wieder von ihrer Europatour, zurück in den Vereinigten Staaten. Ich hatte die Gelegenheit, den sympathischen Sänger der Band, Noah, per Mail zu interviewen.

Erzähl den Lesern doch bitte mal ein bisschen was über euch. Wie und wo habt ihr euch getroffen und beschlossen, dass ihr zusammen Musik macht?

RC1Noah: Wir sind verrückte Typen, jeder auf seine Art. So verrückt dass wir schon wieder liebenswert sind. haha. Ja das mit der Band fing irgendwann 2001 oder 2002 an, irgendwo vor nem kleinen Club in San Diego. Ich hab da damals als Türsteher gearbeitet und an besagtem Abend spielte dort ne Band ihre letzte Show. Ja wie der Zufall es wollte, waren auch noch Jungs von na Band da, die sich kurze Zeit vorher getrennt hatten. Nach dem Konzert stand ich mit den Jungs noch n bisschen draußen und wir entschieden uns spontan einfach ein neues Musikprojekt zu beginnen. Eine Woche später haben wir uns dann das erste Mal als Band getroffen.

Klasse Story! Und wie seid ihr dann zu eurem Namen gekommen?

Noah:Jon, unser erster Drummer hatte den Namen in einem Artikel über San Diego in nem Skatermagazin gefunden. Er wollte die Band ursprünglich mal „rat city rebels“ nennen, aber ich habe dann aus „rebels“ „riot“ gemacht, weil ich der Meinung war, dass es schon zu viele Bands gab, die ähnlich klangen. Mittlerweile haben wir aber gemerkt, dass es Millionen Sachen gibt die „…city…“ heißen. Naja, leider zu spät, den Namen jetzt noch zu ändern. Haha

Jetzt seid ihr ja grad zurück von eurer Europa Tour. Wie habt ihr denn die Reaktionen der Fans hier auf den Konzerten empfunden?

Noah:  Fantastisch. Es war einfach unbeschreiblich toll. So viele echt tolle Menschen hatten ne super Zeit mit uns auf den Konzerten. Ihr habt uns allen das Gefühl geben zuhause zu sein, obwohl wir ja eigentlich ne halbe Weltreise von zuhause entfernt waren. Selbst auf Konzerten bei denen sich die Menge nicht großartig bewegt hat und die Leute eher ruhig wirkten – nach wirklich jeder Show tauten allen auf. Wir haben durchweg postitves Feedback bekommen. Viele kamen zu uns, schüttelten unsere Hände und sagten uns wie viel Spaß sie hatten.

Was magst du denn wenn du auf Tour bist und was weniger?

RC3Noah: Ich liebe es, mir die Welt anzusehen, neue Länder, Städte, Sehenswürdigkeiten. Das Beste daran ist allerdings, dass man ständig tolle neue Leute kennenlernt. Es gibt eigentlich nur eine Sache die ich nicht mag, wenn ich auf Tour bin. Der ganze Scheiss zuhause muss ja trotzdem weiterlaufen. Früher war das einfacher, da haben wir einfach unsere Sachen gepackt und weg waren wir. Unsere Sachen bei den Eltern in die Garage gestellt. Kein Job, keine Rechnung um die man sich kümmern musste. Jetzt ist das anders….aber trotz alle dem – es gibt nichts besseres als auf Tour zu sein, selbst wenn ich jedes mal mein Konto überzieh!

Was war denn auf dieser Tour euer bestes Erlebnis?

Noah:  Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es coolere Typen, als die Jungs von Hounds and Harlots gibt, mit denen man die Bühne teilen darf. Super Band aus San Francisco übrigens ;). Du musst dir vorstellen, wir waren so bescheurt gut drauf, dass wir uns alle sogar kleine bekloppte Tour- Tattoos haben machen lassen. Ich denke das wird definitiv immer die absolut unschlagbar, beste Erinnerung sein an diese Tour. Allerdings gabs da noch ein Erlebnis was wir alle nicht missen wollen. Wir haben es endlich geschafft uns das Sedletz-Ossarium in der Nähe von Prag anzusehen, endlich haben wir das mal geschafft. Seit 3 Jahren versuchen wir immer mal wieder dahin zu fahren und bis jetzt kam immer was dazwischen. Aber es hat sich gelohnt, es war echt beeindruckend.
Wenn ihr auf Tour seid, passiert ja bestimmt ne Menge. Gibt’s da die ein oder andere peinliche Geschichte du uns erzählen möchtest?
Noah: Oh, wenn ich das erzählen müsste, müsste ich dich töten. ;) Sagen wir so, ich habe nicht die Erlaubnis darüber zu sprechen. haha ….Aber ich kann dir sagen, wir haben unsere Erfahrungen gemacht. Sei es nun der geplatze Reifen mitten auf dem Highway, oder der überhitzte Van, diverse Faustkämpfe, Abstürze oder gestohlene Bandutensilien…alles schon mal gehabt. Kleine traurige Geschichte der letzten Tour war, dass Andy, wie auch immer, es geschafft hat, sich den Daumen zu brechen nach der Show in Prag. Aber er ist ein Kämpfer und spielte auch die letzte Woche jede Show- trotz zerstörtem Daumen….Ouch!

Hut ab, für die Leistung! Gibt’s denn eigentlich viele Shows in den USA auf denen ihr spielt?

Noah: Jede Menge. Aber leider können wir auch nicht bei allen Shows zusagen, bei denen wir gerne spielen würden. Noch müssen wir ja alle arbeiten und dann wird das schwierig. Aber wir geben unser bestes und versuchen so oft es geht quer durch die USA zu touren. Wir planen grad auch schon wieder fleißig – wir wollen mal wieder die Straßen hier unsicher machen!

Denkst du dass es große Unterschiede gibt zwischen den Shows in den USA und Deutschland? Gibt’s was, dass dir in Deutschland besonders gefällt?

Noah: Sagen wir so, es ist vieles gleich aber doch anders, ich denke der größte Unterschied liegt bei den Fans. Ich hatte das Gefühl, dass ihr in Deutschland die Bands unheimlich supported und dass in Deutschland mehr Enthusiasmus herrscht. Ich find Deutschland übrigens klasse, ich versuch sogar die Sprache zu lernen. Ein bisschen was kann ich schon. Ich hoffe nächste Mal kann ich dann besser mit den Leuten kommunizieren.
Habt ihr denn auch ne deutsche Lieblingsband?

RC4Noah: ooouuuuhh…hmmm….ich glaub da kann ich dir keine Antwort drauf geben. Es gibt so viele gute Punkbands in Deutschland. Wir haben auch schon so oft die Bühne mit super Bands geteilt und viele von denen sind gute Freunde geworden und jeder von uns hat wieder andere Bands die er besser findet….

Okay, lass uns mal zu eurer Musik kommen. Wer schreibt denn die Texte und worüber schreibt ihr am liebsten?

Noah: Ich schreibe die meisten, eigentlich nahezu alle Texte. Ich schreibe über Sachen für mich und mein Leben relevant sind. Ich denke einfach es ist wichtig, dass man über Sachen schreibt, die man kennt, bei denen man Ahnung hat. Sonst wäre das ja gelogen und ich finde sowas merkt man dann schnell und dann ist es nicht mehr authentisch. Und ich mach das schon ne ganze Zeit so, mein Leben gibt ja genug her und ständig passieren neue Sachen, also werden mir auch nie die Ideen ausgehen.

Würdest du sagen, dass es speziell Bands gab oder gibt die euch musikalisch beeinflussen?

Noah: Definitiv zu viele um alle aufzuzählen. Aber wir können mit Stolz sagen, dass wir das Glück hatten mit einigen Bands spielen zu dürfen, die in unserer Jugend unsere Helden waren. Cock Sparrer, Rancis, Agnostic Front, Sick of it all…..nur um mal ein paar Namen zu nennen, die mir grad im Kopf rumschwirren. ;)

Wie lang dauert es denn immer so bis ihr neue Songs fertig habt?

Noah: Das ist unterschiedlich. Es gibt Songs an denen haben wir schon während der letzten Tour geschrieben und trotzdem sind die noch nicht fertig….Kommt natürlich auch immer auf die Länge des Albums an und wie viel Zeit wir haben uns zu treffen. Allerdings würde ich sagen, je länger man sich für was Zeit nimmt, desto besser wird dann auch das Ergebnis.

Wenn man mal eure Alben vergleicht, nehmen wir mal “Load up” und euer neustes “Highway Hymns”, da merkt man schon klare Unterschiede. Denkst du das kommt durch die Erfahrungen die man mit der Zeit sammelt?

RC5Noah: Also…bei jedem Album waren immer verschiedene Leute am Werk. Es ist tatsächlich so, dass RAT CITY RIOT hier und da mal ne kleine Veränderung hatte. Dementsprechend ist es ja logisch, dass sich die Beiträge von verschiedenen Mitgliedern, eben verschieden sind. Ich find es gut, dass wir aus dem Input der bisherigen Mitglieder definitiv immer was mitnehmen konnten. Ich denke die unterschiedlichen Erfahrungen beim Schreiben, Aufnehmen und Spielen helfen uns ungemein, was hoffentlich richtig geiles präsentieren zu können.

Ja hoffentlich sehen wir uns bald mal wieder hier in Deutschland! Gibt’s da schon Pläne? Dann lieber in kleinen Clubs oder auf großen Bühnen?

Noah: Ich nehm beides, große Bühnen machen Spaß. Aber kleine Clubs sind meist von der Stimmung geiler. Das einfach viel zu großer Spaß um darauf zu verzichten. Tourpläne gibt’s auf jeden Fall schon. z.B. Rebillion Festival 2014….ich bin mir grad nich so sicher, was da noch alles geplant ist. Aber wir werden definitiv wieder kommen!

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast um meine Fragen zu beantworten. Gibt’s noch was, was du unbedingt loswerden möchtest?

Noah: Vielen vielen Dank, dass ihr uns immer unterstüzt. Ich verspreche wir werden uns so schnell es geht und so oft es geht wieder sehen! Bis dahin, cheers und einfach nur DANKE!

Dieses Interview führte MIRA!

KÄRBHOLZ INTERVIEW (31.03.2013)

Kärbholz haben mit ihrem neuen Album „Rastlos“ ein erstklassiges Punk Rock Album abgeliefert. Ich schreibe an dieser Stelle bewusst „Punk Rock“. Denn wer die Band aus Ruppichteroth immer noch in die Deutsch Rock Ecke stellt, hat das Album bzw. die Band als Gesamtes nicht begriffen. Ein Grund mehr für mich, die absolut sympathische Band, vor ihrem Auftritt in der ausverkauften Bochumer Matrix etwas auszuquetschen. Zur Rede standen Gitarrist Adrian, Drummer Henning und Bassist Stefan.

Kärbholz3 (Klein) (Klein) (Mobil)Marcel: OK. Ich habe ein wenig in eurem Gästebuch gestöbert. Dort konnte ich überall lesen: „Gute Show und gute Besserung“. Was war los? Hat euch die Tourgrippe erwischt?

Stefan: (Lacht).Ne, ich bin arbeitsunfähig gewesen. Ich habe eine Herzmuskelentzündung gehabt. Ich bin auf Schonung und darf deswegen nur ein paar Lieder mitspielen. Deshalb „Gute Besserung“.

Marcel: Habt ihr den einen Ersatz am Start?

Henning: Wir haben extremes Glück gehabt, das wir so schnell einen fähigen Ersatz Bassisten gefunden haben.

Adrian: Das ist der Jay. Eigentlich wollte ich nur ein wenig Gitarre mit ihm üben, weil er ein Spitzen Gitarrist ist. Ja, dann hat sich der Stefan den Muskel entzündet und dann habe ich  gesagt: „Ja Jay, du kannst mir was auf der Gitarre beibringen und nebenher kannst du dir das Set drauf ziehen haha. Dann hat er sich in vier Tagen das Set drauf geschafft, was aber nicht schwer ist.Wir haben sowieso immer nur C,G,A und F (lacht). Nur in unterschiedlichen Reihenfolgen.

Marcel:Da ihr ja grad auf Tour seid. Wie läuft es bis jetzt?

Adrian.: Hammer. Angefangen in Freiburg, wo wir sogar die Location wechseln mussten. Da hatten wir vorher noch nie gespielt und können gerne noch mal da hinfahren. München war super und Frankfurt auch. Teilweise sogar ausverkauft. Fünf  Hammer Konzerte bis jetzt. Und nun ist ja Halbzeit.

Henning: Bis jetzt können wir uns definitiv nicht beklagen.

Marcel: Zwei Jahre sind vergangen, seid „100%“ veröffentlicht wurde. Wie lange habt ihr insgesamt an der neuen Scheibe gearbeitet? Inklusive dem Songwriting? Schreibt ihr auch wenn ihr unterwegs seid? Oder macht ihr das lieber zu Hause?

Henning: Das lassen wir meistens auf uns zu kommen. Bei der neuen Platte hat die meisten Texte der Adrian geschrieben. Und auch den Grundstock bei der Musik. Also so die Richtung wo es hingehen soll. Dann setzten wir uns im Proberaum zusammen und arbeiten daran. Manche Sachen funktionieren auf Anhieb, andere nicht. Die stellst du dann erstmal wieder hinten an.

Adrian: Letzten Endes nun gut 1 ½ Jahre. Zwischendurch haben wir aber auch ein wenig Müll produziert haha. Klar, ein paar Ideen kommen auch auf Tour, aber da ist meistens nicht die Stimmung für da. Da sind wir aber auch nicht so fanatisch und trinken lieber ein Bier. Bei der neuen Platte war es eigentlich so, das die Lieder vom Grund her, auch mit einer Akustik Gitarre und Gesang funktioniert haben. Und wenn wir merken das es so klappt, setzten wir uns zusammen und arbeiten an dem Material. So sind die ganzen Songs entstanden. Hat alles ein wenig länger gedauert als bei der letzten Platte. Wichtig ist aber auch, das die Songs alle zusammen im Proberaum wachsen. Viele setzten sich einfach an den Rechner und machen ein komplettes Lied fertig, mit Drum Sampel und Gesang etc…Das hatten wir auch mal probiert, ist aber relativ schnell in die Hose gegangen. Das ist dann eher so ne´ Art Bausatz gewesen. Das ist halt nicht mehr Rock` N `Roll.

Henning: Wenn du zusammen im Proberaum bist, hast du ja auch direkt diesen Dialog. Und durch den entstehen ja auch viele Ideen. Und wenn alles vorher vorgegeben ist, bleibt es meistens auch dabei. Das ist eben das schöne im Proberaum.

Adrian: Davon ab sind wir ja auch Kumpels und können uns ganz normal unterhalten, nicht nur über E-Mail. Davon ab merken wir auch direkt, ob die Sachen funktionieren. Wir sind ja musikalisch nur ein Trio, sprich, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Im Studio kannst du natürlich alles reinbauen, aber das ist ja Live nicht umsetzbar. Das heißt, wir müssen Songs schreiben, die auch Live als Trio funktionieren. Bei uns würde dieses Baukasten System also gar nicht greifen.

Marcel: Gitarren Technisch passiert ja sehr viel bei euch. Fällt es dir da nicht schwer, auf der Bühne ein wenig reduzierter arbeiten zu müssen?

Kärbholz-KopieAdrian: Das ist für mich völlig ok. Ich muss ja das auf der Gitarre machen, was dem Song dient. Also ich kann mich da auch gut zusammen reißen ,mal eine Melodie nicht zu spielen. Die würde ich wahrscheinlich auch gar nicht treffen. Ich hab ja mit den drei Solis schon Probleme haha.

Stefan: Gott sei dank haha!!!

Marcel: Eure neue Scheibe trägt den Titel „Rastlos“, was meiner Meinung nach perfekt als Überschrift zu allen Songs passt. Es herrscht eine positive Aufbruchstimmung. Was bedeutet der Albumtitel für euch ? Wofür steht „Rastlos?“

Stefan: Positiver Aufbruch. Perfekt interpretiert haha.

Adrian: 10 Punkte. Haha. Genau das sollte rumkommen bei der Platte. Wir haben uns jetzt gar nicht so viele Gedanken gemacht, aber es sollte einfach etwas positives hängen bleiben. Alle Bands sind immer so angepisst. Sie sind die ewig bösen, verfolgten und  ewig Missverstandenen. Da muss man ja nicht ewig drauf rum reiten.

Henning: Das ist ja auch das Gefühl wenn man auf Tour ist. Da spielt dieses „Rastlos“ natürlich mit rein. Das sind ja alles Sachen die man von einem Konzert mit nimmt. Da gibt es ja unheimlich viele Erlebnisse und Eindrücke. Ich hatte es auch noch nie, das ich von einer Tour nach Hause gekommen bin und mir gedacht habe: „Mensch, das war aber scheiße“.
Wenn ich nach einer Show von der Bühne gehe, bin ich super gut drauf und aufgepusht. Springe rum wie ein Flummi. Und das wollen wir den Leuten auch vermitteln. Das Leben ist viel zu geil als das es ständig scheiße sein muss.

Marcel: Die Platte klingt für mich wie aus einem Guß und im Vergleich zu den Vorgänger „100%“ deutlich befreiter und sehr detail verliebt. Im Info konnte man ja auch lesen, das ihr den „Kärbholz Sound“ auf Herz und Nieren geprüft habt. Was habt ihr beim Songwriting anders gemacht und wie muss man sich  so eine „Prüfung“ vorstellen?

Adrian: Im Grunde haben wir überlegt, was wir bis jetzt gemacht haben. Und haben dann ein wenig aufgeräumt. Da gab es Z.b. Sachen, die mehr in die Metal Abteilung gingen und die einfach nicht funktioniert haben. Rückblickend betrachtet. Da haben wir gesagt, das das eigentlich nicht Kärbholz ist. Auf der anderen Seite haben wir auch Ska Elemente, wo die Leute total drauf abgehen und Spaß haben. Das ist dann natürlich Kärbholz. Dann haben wir auch überlegt ob es auf Solis ankommt oder einfach darauf, das der Songs an sich stimmt. Also im Fundament. Wir haben auch mit Leuten gesprochen, die nicht in der Band sind. Das bekommst du ja so gar nicht mit. Mal abgesehen von den Besoffenen, die nach einer Show zu dir ankommen haha. Deswegen war Jay für mich auch an der Gitarre da, um einfach der Betriebsblindheit ein wenig entgegen zu wirken.

Henning: Im Endeffekt startest du irgendwann mit deinen Kumpels eine Band. Und jeder spielt mehr schlecht als recht drauf los. Und wie Adrian ja schon sagte, sind wir ja auch vier Individuen, und das hört man den alten Platten auch an, das dort mehr experimentiert wurde. Für einen selber klingt das immer geil, aber wenn dann jemand von außen sagt: „Mh, ist aber nicht ganz so super“, wirkt das der Betriebsblindheit entgegen. Es ging halt darum, das jeder sein Standing in der Band findet, und das dies zu einer Einheit zusammen kommt. Wir wollen den Leuten natürlich auch eine geile Show bieten. Man kommt ja auch nicht mehr zu einem Konzert, fängt vorher an zu saufen, spielt dann die Show und säuft weiter. Die Leute kommen zu dir um unterhalten zu werden.

KBAdrian: Die Leute bezahlen ja auch 15 Euro Eintritt um dich zu sehen. Da kannst du ja auch keinen Scheiß abliefern. Das muss einem ja auch erstmal bewusst werden, das es eine große Ehre ist, das Leute Geld bezahlen um eine Show von dir zu sehen. Das muss man dann schon ernst nehmen. Am Anfang waren es nur besoffene Punks, denen war es egal ob die Bass Drum gestimmt ist oder ob auf der Gitarre nun fünf oder sechs Saiten sind. Das ist eben jetzt anders. Also muss man es ernster nehmen und überlegen. Was kann man besser machen?

Marcel: Die Single Auskopplung ist „Fallen und fliegen“, zu der ihr auch ein sehr unterhaltsames Video gemacht habt. Geht es in dem Song darum, das man meint, auf dem richtigen Weg zu sein, aber gar nicht merkt, das es doch der Falsche ist? Oder das einem immer wieder Hindernisse in den Weg gelegt werden?

Henning: Sowohl als auch. Wenn du in deinem Leben einen Weg gehst, wirst du in den seltensten Fällen problemlos durch` s Leben kommen. Die Probleme kommen halt. Aber man sollte eben nicht die Hände vor` s Gesicht halten.

Adrian: Es geht auch darum, das es gar nicht schlimm ist mal auf dem Holzweg zu sein. Es gehört dazu auch mal eine falsche Entscheidung zu treffen. Man muss selber einfach nur die Kraft dazu haben, sich das auch einzugestehen, das man etwas falsch gemacht hat. Und so lange das so ist, kann man so viele Fehler machen wie man will.

Marcel: Also hat der Typ im Video schlicht und einfach Pech, das er mit dem Gesicht in die Bierfalsche fällt?

Adrian: Wir wollten einfach nur Blut haha.

Marcel: Steht die Kneipe den in Ruppichteroth?

Stefan: Ne, die liegt in Richtung Koblenz.

Henning: Die hatte uns jemand von der Film Crew empfohlen.

Adrian: In der Kneipe herrschten 3 Grad. Und das 16 Stunden lang. Immer wieder diesen verfickten Song. Und so tun, als wenn Leute davor stehen die das auch abfeiern. Dabei steht da nur ein gelangweilter Kameramann haha.

Marcel: Ihr habt auf dem neuen Album ja auch wieder einige Country Zitate mit eingebaut. Hört ihr Privat auch viel davon und was hört ihr im Allgemeinen gerne?

Adrian: Ich höre sehr gerne Country. Aber auch Punk, Hardcore und Singer / Songwriter Geschichten.

Henning: Klar, wir haben schone eine Schnittmenge, da gehört sicher auch Johnny Cash dazu. Aber jeder von uns hat so Ausbrüche in andere Richtungen. Mittlerweile wissen wir ja auch was Kärbholz vom Sound ausmacht und was geil klingt. Ich höre aber auch sehr gerne Metal, aber ich werde den Teufel tun und da jetzt mit nem` Black Metal Riff für einen neuen Kärbholz Song anzukommen haha. Versucht haben wir das schon, aber es hat nicht geklappt. Und davon ab, würde das wieder auf so ne Ego Geschichte hinauslaufen. Es würde einfach nicht passen.

Adrian: Dann muss halt der arme Cash herhalten hehe.

Marcel: In dem Video bekommt jemand eine Flasche „ZUNFT“ Bier ins Gesicht geschlagen.Und zu guter letzt fällt jemand auch in eine Flasche ZUNFT Bier hinein. Hat euch die Brauerei trotzdem Freibier zur Verfügung gestellt?

Stefan: Ja, haben sie haha.

Henning: Ich hatte das Pro Forma mit dem Beauftragten der Zunft Brauerei schon abgeklärt. Aber der meinte bloß: „Pf, mach einfach mal“ haha. Die fanden das aber hinterher auch sehr geil wo sie es gesehen haben.

Marcel: Ich möchte noch mal kurz auf einen Song zu sprechen kommen. In dem Film das Boot, geht das Boot selbst am Ende mit der Besatzung unter, und alles war vergebens. Worum geht es bei euerem Boot?

KB1Adrian: Es geht eigentlich um die Frage „Was sind wir als Band?“. Wir haben ja grad schon darüber gesprochen, als deine Freunde sagten: „Ne, Kärbholz ist doch Deutsch Rock, da kommen wir nicht mit“. Wir sehen uns aber gar nicht im Deutsch Rock. Das ist ein Scheiß Wort und da gehören wir nicht hin. Wir machen Punk oder was auch immer. Aber keinen Deutsch Rock. Wir sind privat gut drauf und unsere Musik ist auch positiv. Wir sind eben nicht die verfolgten oder die Missverstandenen. Aber das verstehen viele leider nicht. Aber unser Ziel ist es, unser Boot da durch zu manövrieren. Das wir zusammen als Band das Ding stemmen und zeigen: „Hey, so böse sind wir gar nicht“. Die Musik soll einfach Spaß machen.

Marcel: „Das Feuer“ ist eine schöne „Steh auf“ Ballade am Ende. Viele Bands verpacken solche Songs in die üblichen Underdog Phrasen. Nach dem Motto: „Wir sind die härtesten, am meisten tätowiert, haben am meisten gesoffen und das schwerste Leben gehabt“. Eure Lyrics weichen generell von diesen Themen ab. Wie entstehen eure Texte und was denkst du macht eure Texte „anders“ ???

Adrian: Das alles wurde ja schon 1000 mal besungen. Und wahrscheinlich hatten die Leute auch eine schlechtere Kindheit als wir. Davon ab muss man auch über das singen, was man wirklich erlebt. Wenn wir jetzt sagen, das wir jedes Wochenende zum Fußball gehen und uns da prügeln, dann stimmt das einfach nicht.

Henning: Jeder hat ja auch sein Päckchen zu tragen. Ich persönlich habe ja nichts davon wenn jemand ankommt und mir erzählt wie scheiße es ihm gerade geht wenn es mir auch nicht gut geht. Dann sollte derjenige mich eher aufmuntern. Das Album ist ja auch sehr positiv und das wollen wir den Leuten ja auch mitgeben. Wir müssen denen nicht auch noch erzählen wie scheiße alles ist. Das wäre ja kontraproduktiv.

Adrian: Die Onkelz haben es ja damals schon auf die Spitze damit getrieben. Da war das ja auch noch geil. Aber mittlerweile ist das ja das Nonplusultra.“ Alle sind gegen uns“.“ Aber wir werden es denen schon zeigen wo der Hammer hängt“. Das kann ich nicht mehr hören. Die Musik soll Spaß machen. Und davon ab wird der Torben (Sänger, beim Inti aber nicht dabei. -  d. Verf)  keinem dabei helfen, sein Leben auf die Kette zu kriegen. Das muss schon jeder selber schaffen. Klar, auf den ersten Platten hatten wir auch solche Lyrics, haben aber ganz schnell gemerkt, das das nicht zu uns passt.

Marcel: Eure CD wurde, wie auch das Vorgänger Album, von Andy Classen produziert, der wahrscheinlich einigen Metalheads ein Begriff sein dürfte. Wie seid ihr damals auf Andy gekommen und wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?

Henning: Das lief über einen Bekannten von mir. Der kannte den Andy und hat zu mir gesagt: „Der hat ein Studio“. Dann hab ich mir ein paar Soundbeispiele angehört und habe gedacht: „Respekt“. Das klingt alles echt super. Dann hab ich ihn einfach mal angeschrieben. Und die erste Mail von ihm war dann auch super euphorisch. “Voll geil und voll super“. “Endlich mal etwas anderes als Metal“ haha. Er ist eben super motiviert an die Sache herangegangen. Er ist ja selber auch Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger. Dann hat er uns auch wirklich gute Tips gegeben, was man der „100%“ auch schon angehört hat. Und bei der neuen Scheibe natürlich auch.

Adrian: Es ist auch ein sehr gutes miteinander. Er hat auch sehr viele Ideen mit eingebracht. Das ging auch gut, weil wir da gar nicht so festgefahren waren. Vieles ist eben auch erst im Studio entstanden, weil er sich eben so gut mit eingebracht hat. Davon ab hatte er auch ewig lange keine eigene Kapelle am Start. Und jetzt hat er ne` Ska Band haha. Er macht jetzt selber wieder Musik und ist total glücklich dabei. Die Arbeit mit uns, war so eine kleine Zündung für ihn.(Die Band heißt „Beatburners“ – d. Verf.) Es ist nicht so, das er nur als Produzent da steht. Er hat wirklich mit mir die Gitarre in die Hand genommen und hat an den Melodien gearbeitet. Es ist wirklich sehr freundschaftlich abgelaufen, hat aber auf der anderen Seite auch kein Blatt vor den Mund genommen, wenn etwas scheiße war. Aber so soll es ja auch sein.

Henning: Wir hatten auch ne` Vorproduktion gemacht. Haben die Songs vorher am Computer aufgenommen und das Material an den Andy geschickt.

Marcel: Eure vorherigen Alben sind ja auf „Asphalt Records“ erschienen. Das neue Werk kommt auf „Better Than Hell“ raus, was ja die Jungs von Betontod leiten. Gab es damals auf eurer Tour schon Pläne darüber, oder wie kam es zum Label Wechsel ???

Stefan: Da haben wir schon auf der Tour drüber gesprochen.

Adrian: Wir hatten uns auf der Tour mit dem Eule (Frank, Betontod Gitarrist. -d. Verf) darüber unterhalten, ob wir uns das vorstellen können. Da hatten wir aber noch gar keine genauen Pläne wie das so ablaufen wird. Wir hatten auch Angebote von anderen Labels, die wir natürlich auch gecheckt haben. Aber da wir die Jungs kennen und uns eben gut verstehen, haben wir uns mit ihnen geeinigt. Davon ab, haben sie auch verstanden was wir mit unserer Musik sagen und erreichen wollen. Wir wollten auch, das unsere Musik insgesamt besser erhältlich ist. Bei Asphalt ging es ja etwas mehr um Oi. Jetzt haben wir mit Edel aber auch einen sehr guten Vertrieb.

Marcel: Ihr seid ja auch eine Band die viel auf Tour ist. Was macht dir persönlich am meisten Spaß, das Touren oder das arbeiten im Studio?

KB2Henning: Natürlich hat alles seine Vor und Nachteile. Im Studio kannst du dich zu 100 % auf die Musik konzentrieren. Du sitzt da drei Wochen und hast wirklich nichts anderes im Kopf. Natürlich aber auch die Konzerte.

Adrian: Am Anfang haben wir das ja für ne` Kiste Bier gemacht. Und damit man überhaupt am Wochenende was zu tun hat. Nicht das schlechteste wenn man in Ruppichteroth groß geworden ist haha. Und wenn man dann nach 1 ½ Jahren Platte auf der Tour geht und sieht das die Leute Spaß haben, dann weiß man, das man alles richtig gemacht hat. Und die ganze CD Produktion ist ja eigentlich die Vorarbeit dafür um auf Tour zu gehen oder eben auch Festivals zu spielen. Die CD macht so was ja erst möglich.

Marcel: Ein Traum von euch war es, auf dem „Wacken Open Air“ zu spielen. Dieser Traum geht nun in Erfüllung…..

Stefan: Hammer!!!

Henning: Ehrfürchtiges Schweigen. Der Heilige Acker haha. Ich war schon selber als Besucher dort. Und nun darf ich ein Teil davon sein bzw. dort auftreten. Danach kann ich glücklich sterben haha.

Adrian: Das war immer so ein Ziel was man hatte. So nach dem Motto: „Wenn ich groß bin, kaufe ich mir einen Ferrari“. Ein Bekannter von uns hängt beim Wacken mit drin. Dem haben wir mal gesagt das es super wäre da aufzutreten. Das war aber nicht nur der einzige Grund. Die Platte hat sich ja auch gut verkauft. Und dann kam tatsächlich der Anruf ob wir da spielen wollen. Wir sind echt total gespannt auf den Auftritt dort. Das kann dir dann auch keiner mehr nehmen. Egal ob da nur zwei oder 2.000 Leute vor der Bühne gestanden haben haha.

Marcel: Die letzte Frage: „Bröltaler SC 03“ oder der „FC Köln“ ?

Henning & Stefan : 50/50 Köln und Schalke haha.

Adrian: Wir haben für den „Bröltaler FC“ sogar die Vereinshymne geschrieben haha. Blau und Weiß sind unsere Farben BSC Hehohe haha. Und die ganzen Berliner Freuen sich immer haha. Ich war im übrigen Jahrelang Torwart dort.

JOHNNIE ROOK INTERVIEW (18.02.2013)

2013 ist das Jahr für Johnnie Rook: ihr könnt mit Stolz auf euer viertes und am 1. Februar veröffentlichtes Studioalbum „Stimmungsgerät“ blicken und euer 10-jähriges Bandbestehen feiern.

1.Was macht das Stimmungsgerät zum Stimmungsgerät?

Bandfoto_NEU-sw (Klein)Franziska: Also, erstmal heißt die Platte “Stimmungsgerät” weil das eigentlich ein Scherz war.  Roman, unser Gitarrist, hat im Proberaum sein Stimmgerät gesucht     und hat sich versprochen. Er sagte: “Wo ist denn mein Stimmungsgerät?”.  Das     fanden wir witzig und haben es uns gemerkt.  Und im Prinzip ist es ja auch so,     dass du als Band auf die Bühne kommst und mittels der Musik verschiedene     Stimmungen erzeugst, je nach Lied. Aber auch die Stimmung der Leute wirkt auf     die Band. Das ist so ein Spiegelding.

 

2.Warum habt ihr Euch für Gastsänger auf dem Album entschieden?

Micha: Gastmusiker an sich hatten wir ja schon immer dabei.  Das gefällt uns und     das wollten wir so fortführen.

Jan: Der Anstoß war aber auch, dass wir 10jähriges Jubiläum haben und da auch     was Krasses machen wollten. Gunnar von Dritte Wahl war dabei erste Wahl.  Wir     haben kurz überlegt und das war einfach die Band, die für uns am meisten     rausgestochen hat, die uns in unserer Jugend am meisten beeinflusst hat, mit     denen wir mittlerweile einigermaßen befreundet sind und die wir gut kennen     und wir dachten uns „hey, lass uns doch mal versuchen uns diesen Traum zu     erfüllen“. Dann haben wir gefragt und es kam auch promt das Ja,  und das ist     natürlich ein riesen Glück für uns und ‘ne riesen Ehre, dass das geklappt hat.

3.Stimmungsgerät auch sehr persönliches Album: welche Geschichten hören wir da? Und aus wessen Leben kommen diese?

Franziska: Aus verschiedenen. Es ist ja so, dass in den meisten Songs ein     “lyrisches Ich” singt, aber es geht nicht immer um mich, es geht nicht immer um     meine Geschichte.  Es sind Geschichten von Leuten, die ich kenne,  die ich verarbeitet habe zum Lied, weil ich es passend fand. Und auf der Platte sind so ganz viele verschiedene Facetten drauf.  Ein Mensch hat ja mehrere Stimmungen, der ist ja nicht immer gleich, und das spiegelt sich auf dem Album wieder. Ich hab     mich entschieden aus meiner Perspektive zu schreiben, weil es leichter zu verstehen ist.

4. Wie können sich die anderen damit identifizieren, wenn sie die Texte nicht schreiben?

Franziska: Pankow hat Jan geschrieben! Ich finde, das merkt man auch. Das klingt auch gleich ganz anders. Ich find den Text super.

Jan: Oft verstehe ich die Texte erst ein halbes Jahr nachdem wir im Studio waren und ich mir mal das Booklet durchlese. Klar, die Hook, die höre ich, die gefällt mir und dann war es das auch schon. Mein Schwerpunkt liegt auch viel krasser auf der Musik. Für mich ist die Aussage des Textes erst mal zweitrangig.  Es muss fett klingen, es muss ein Brett sein und mich mitreißen und dann kommt der Text noch oben drauf.  Das ist dann immer so ein Aha! Erlebnis, dass der Text dann auch noch geil ist.

Franziska: Ich glaube, da geht es anderen Bands nicht anders. Solange den Jungs nichts unangenehm auffällt oder sie irgendwas peinlich finden, nicken sie den Text ab, und das ist so unser Konsens.

5. Zu welchem Zeitpunkt sind alle zufrieden mit einem Song und wie stark geht ihr dann auch Kompromisse ein?

LogoJohnnieRook (Klein)Jan: Man muss sehr viele Kompromisse machen.  Das Ergebnis ist ja zum     Schluss immer sehr gut. Und weil ich das gelernt habe, bin ich in der Lage diese    unglaublichen Qualen, die bei uns in der Probe ablaufen, zu ertragen. Das darf gar   keiner wissen, das darfste keinem erzählen, aber das ist unglaublich, was bei uns    abgeht. Bei uns wird die Hälfte der Zeit, auch wenn wir nur das Set üben, gestritten.

Micha: Naja, es ist halt so: wenn ich manchmal mit einem Riff ankomme, von     dem ich überzeugt bin,  und die anderen finden das jetzt nicht so geil, muss ich darum kämpfen. Das habe ich gelernt.  Bestes Beispiel ist “Kanonenfutter”, das fand Roman zum Beispiel total zum kotzen, oder “gegen den Horizont”, den Jan scheiße fand, beide Songs gehören mittlerweile aber zu unseren besten Songs.

Jan: Ja, wir finden die ja mittlerweile auch schön.

6. Wie hat sich euer Musikstil in den Jahren verändert und durch welche Einflüsse?

Franziska: Bei der neuen Platte ist die Musik tatsächlich härter geworden. Auch     der Gesang habe ich da so’n bissl angepasst. Aber der Stil an sich  hat sich     nicht verändert. Wir hatten von Anfang an so eine Mischung von Punk, son bisschen Ska, so’n bisschen Metal, weil Micha eben auch flinke Finger hat und super Soli spielen kann, und meinen Gesang. Wenn man die vier Platten, die wir jetzt haben, nebeneinander legen würde, dann haben wir die ganze Zeit eigentlich nur optimiert. Wir haben das rausgeschmissen, was dann doch einen Ticken zu viel war. Johnnie Rook hat das große Glück von Anfang an einen Stil zu fahren. Wir hatten es nie nötig plötzlich ein Keyboard dazunehmen zu müssen, oder andere krasse Experimente, weil wir dachten, uns verändern müssen. Wir hatten  tatsächlich von Anfang an eine Mischung, die uns gefällt und uns repräsentiert.

Micha: Wenn wir unsere erste Platte noch mal aufnehmen würden, und die jetzt     direkt mit der Neuen vergleichen würden, würdest du tatsächlich keinen großen Unterschied feststellen.

Jan: Was jetzt nicht heißt, dass das alles gleich klingt. Das drückt einfach aus, dass wir grundsätzlich sehr abwechslungsreich sind und das von Anfang an.

7. Auf Konzerten fällt auf, dass ihr zum Teil ein recht persönliches Verhältnis zu euren Stammfans habt, einige begleiten euch schon seit sehr vielen Jahren. Wer sind eure Fans?

Jan: Rine, Sven, Nicole, Johnny und Melanie und Julian.

Micha: Also, ich wusste ja auch immer nicht, wie viele Fans wir denn haben. Das  kriegt man ja immer nicht so mit.  Ich hab das jetzt im Zuge der Vorbestellungen zum neuen Album gemerkt.  Unsere Fans kommen aus ganz Deutschland. Das hat mich auch sehr gefreut.

Franziska: Wir haben ein sehr persönliches Verhältnis zu unseren Fans, weil wir das so wollen.  Wir suchen auch den Kontakt. Manchmal sind auch Leute schon vor dem Konzert da, dann quatschen wir mit ihnen.  Ich will auch wissen, wer sie sind und spreche sie an.  Auch wenn uns Leute auf Facebook adden, dann kucke ich auch ab und zu nach, wer das ist.

8. Ihr habt vor Weihnachten ein Video auf Youtube hochgeladen, dass euch mit einer Akustikversion zu “Kanonenfutter” zeigt. Das kam ja ziemlich gut an. Wie wäre es denn mal mit einem Akustikset?

stimmungsgeraet-cover (Klein)Micha: Ach, das war eher ein Scherz und eine spontane Aktion. Bevor ich mich hinsetze und ein Akustikset mache, das meinen Ansprüchen auch gerecht wird, schreibe ich lieber neue Songs. Und ich seh auch nicht wirklich einen Sinn darin.

Jan: Grundsätzlich sind wir aber für jeden Spaß zu haben und uns für nichts zu schade. Eigentlich ist gar nichts ausgeschlossen.

9. Auf welchen Festivals dürfen wir euch dieses Jahr bewundern und auf welche Konzerte blickt ihr besonders gern zurück?

Micha: Da kann ich noch gar nicht so viel zu sagen, denn das ist grad in Arbeit. Aber fest steht schon Rock am Berg, Hohenlobbense Festival und Kuhstock.

 

Franziska: Was noch ganz wichtig zu erwähnen wäre, ist unser großes 10jähriges Bandbestehen, das wir groß feiern werden, mit vielen großartigen Bands wie Zaunpfahl, Nordwand,  Skin of Tears und die Wallerts.  Das wird am 10. Mai im K17 stattfinden und das Ereignis des Jahres, zumindest für uns.

KOTZREIZ INTERVIEW (08.10.2012)

Kaum eine Band hat in den letzten Jahren mit ihrem Debütalbum für so viel Aufsehen gesorgt wie KOTZREIZ. Die einen lieben die sympathischen Assis aus Berlin und die anderen hassen sie! Ich jedenfalls hab mich schon beim ersten Durchlauf von „Du machst die Stadt kaputt“ in die Scheibe verliebt. So minimalistisch und gleichzeitig großartig hat schon lange keine Platte mehr geklungen. Meine Erwartungen an den Nachfolger „Punk bleibt Punk“ waren dementsprechend groß, wurden allerdings zu 110% erfüllt! Grund genug, der Band endlich mal ein paar Fragen zu stellen.

Eure neue Platte ist jetzt fertig. Nenn mir doch mal zu Beginn drei gute Gründe, warum sich jemand eine Platte mit dem Titel „PUNK BLEIBT PUNK“ kaufen sollte!? Wenn PUNK PUNK BLEIBT, dann hab ich doch schon alles gehört, oder?

Ja, juhu, die platte is ja schon länger fertig aber jetzt endlich rausgekommen. Klar haste schon alles gehört. Den Punk können und wollen wa ja auch garnich neu erfinden. Punk is so wie er is und das is ja auch gut so.

Habt ihr bei der neuen Scheibe eigentlich Druck verspürt, sei es vom Label, von Freunden oder euch selbst? Schließlich habt ihr mit eurem Debütalbum für mächtig Furore gesorgt und da ist ein Nachfolger nicht so einfach zu schreiben.

Die einen fanden unsere erste Platte cool, die anderen wiederum fanden unsere Musik bzw. unser Erscheinungsbild scheisse. Hat irgendwie polarisiert. Ehrlich gesagt verstehe ich das nich so wirklich, aber egal. Jede Woche kommen 12.000 neue Punkplatten raus und warum grade wir da abgefeiert oder abgehasst werden, kann ich nich so ganz nachvollziehen. Aber is halt so. Gibt schlimmeres. Druck verspürt haben wir eigentlich keinen. Was soll da noch kommen wenn man auf der ersten platte schon jedes Punker-“Klischee“ verballert hat?! Wir haben uns keine Gedanken gemacht was irgendwer von uns erwartet. Wir haben nur von uns selber erwartet, dass wir bessere Songs schreiben und dass die Texte nich ganz so bescheuert sind, wie sie teilweise bei “Du machst die Stadt kaputt“ waren. Wir haben nie vorgehabt in irgendeine Nische zu krabbeln oder irgendwem neue Lieblingslieder auf den Leib zu schneidern oder uns irgendwo einzuschleimen. Wenn unsere Musik Leuten gefällt, is das schön, wenn nicht, dann eben nicht.

Wie ist denn das bisherige Feedback auf die neue Scheibe?

Das Feedback bisher is eigentlich ziemlich positiv. Klar findet‘s irgendwer mal beschissen, aber das is ja auch das gute Recht jedes Menschen. (Ja, auch Leute die Reviews schreiben sind Menschen.) Ich glaube viele haben verstanden, dass wir das ganze Punk-Ding nicht NUR veräppeln oder lächerlich machen wollen, sondern dass wir das auch so‘n bisschen ernst meinen. Nicht total ernst, aber schon auch ein bisschen.

Mit “Tränen” sprecht ihr mir aus dem Herzen! Kotzen euch diese ganze Deutschrockszene und Punkrockbands, die sich mit selbiger anbiedern, auch so an?

Ja, die kotzen uns natürlich an! Beziehungsweise sind die uns eher egal. Wir wollen damit nichts zu tun haben. Dieses ganze männliche Prollgehabe und dieses apolitische, das verstehen wir nicht. Man kann sich als Band ja gerne musikalisch weiterentwickeln, is ja schön und gut. Aber wenn irgendwelche Halb- oder Ganz-Nazi-Volltrottel aufm Konzert rumlaufen und einen das nicht stört – „solange die friedlich sind und nur feiern wollen“ – sollte man sich selber schon mal hinterfragen. Und wenn sich eine Band in eine bestimmte Richtung entwickelt und entsprechende Texte schreibt, dann braucht sich diese Band auch nich zu wundern, dass sie vor Idioten spielt und andere, ich nenn sie mal Nicht-Idioten, diese Band nicht mehr hören oder sehen möchten. Das Lied „Tränen“ haben wir übrigens zusammen mit unseren Homies von FEINE SAHNE FISCHFILET geschrieben und aufgenommen. Ganz viele Grüsse an dieser Stelle, falls die Heinis das hier lesen!!!

Warum ist Montag eigentlich ein Scheißtag? Als richtiger Assi hat man doch gerade das Wochenende überstanden und kann endlich auf der Couch relaxen während die anderen arbeiten gehen!

Kennt doch jeder. Schönes Wochenende gehabt mit saufen und so und am Montag musste wieder malochen gehen oder in die Schule oder zur Ausbildung oder zum Arbeitsamt. Quasi das „Morning after“-Gefühl, dass is unsere Ode an die gute alte Working Class… oder so.

Wie kommt man eigentlich auf so geniale Songtitel wie „Der Klügere kippt nach“ oder „Pfeffi Graf“?

Wortspielchen mochten wir ja schon immer. Erklären muss ich die beiden Titel ja jetzt hoffentlich nicht. Fällt uns halt irgendwie so ein.

Mit „Totale Vergiftung“ habt ihr euren eigenen Anti-Nazi-Song geschrieben. Wie kam es dazu? Braucht die Welt noch ein Lied über das Thema oder kann es davon nicht genug geben?

Natürlich hat jede zweite (hoffentlich) Band einen Anti-Nazi-Song, aber ich finde, wie du schon sagtest, kann es davon garnich genug geben. Gerade in dieser „Grauzonen“-Zeit sollte man schon Stellung beziehen. Vielen Leuten, auch in der Punk- und Hardcore-Szene, is einfach alles scheissegal. Für mich hat Punk und Hardcore und diese ganze Subkultur schon immer bedeutet, dass man weltoffen is und eine linke politische Einstellung hat.

Die Finanz- / Euro-Krise etc. beherrscht jetzt seit Jahren die Medien. Kümmert euch das noch oder habt ihr bereits resigniert und wartet ohnmächtig auf die Dinge die noch kommen? Warum gibt es noch keinen KOTZREIZ Song über das Thema?

Es gibt noch keinen KOTZREIZ Song darüber, weil wir davon keine Ahnung haben, ganz einfach. Geld regiert die Welt, is klar, soweit haben wa das schon verstanden. Aber wir singen lieber über Dinge mit denen wir uns zumindest halbwegs auskennen. Bier und Fussball ;-)

Ihr seid, im Gegenteil zu vielen anderen Bands, auf dem diesjährigen Force Attack aufgetreten. Wie war es für euch? Trifft aus deiner Sicht irgendjemanden die Schuld oder war dieses Chaos unvermeidlich? Denkst du, dass das einstige Punkrock-Vorzeige-Festival noch eine Zukunft hat?

Ich weiss nicht wer da jetzt schuld is, dass das alles eher chaotisch abgelaufen is. Die Kommunikation war echt der Knaller. Keiner hat uns irgendwie Bescheid gesagt und den meisten anderen Bands wohl auch nicht. Daher kann ich es auch keiner Band verübeln, wenn sie abgesagt haben. Gerade Bands die aus Amerika oder England kommen, auf Tour sind und auf die Gage angewiesen um ihre Flüge nach Hause bezahlen zu können oder sonstwas. Als wir dann aber am Morgen des Konzertes das GO per facebook Mail bekommen haben, sind wa einfach auf gut Glück (oder Pech) losgedüst. Wir durften 17 Minuten spielen aber es hat sich gelohnt. Alleine schon für die neuen Veranstalter. Nen Haufen Punkrock-Kids, die das alles einfach selber in die Hand genommen und durchgezogen haben. Respekt dafür auf jeden Fall. Wir waren auch genervt von dem ganzen hin und her im Vorfeld, aber wir würden jedes Jahr wieder spielen!

Eure anstehende Tour mit den VAGEENAS steht unter dem Motto „Zahl’ nicht mehr als als 6 €“. Warum so teuer?

Ich kenne dieses Smiley. Is die Frage quasi ironisch gemeint? Oder doch ernst?! Also ich finde 6 € nicht zu billig und nicht zu teuer, sondern genau richtig. Viel weniger nehmen können wa nich, weil wir sonst dolle draufzahlen, wegen Bus und Sprit und Kram. Mehr nehmen wollten wa nicht, weil wir wollten, dass sich jede/r das Konzert leisten kann, der/die/das gerne hingehen wollen würde. Oft spielt ja auch noch ne dritte Band mit und ich finde drei Bands für 6 Euros, da kann und sollte man nich meckern. Und damit nich jeder rumnervt und fragt wie teuer das Konzert is, haben wa das gross aufn Flyer gepackt!

Du bist ja nebenbei noch mit einer anderen Kapelle unterwegs. Wie ist das eigentlich den einen Tag in der Zitadelle in Berlin vor tausenden Leuten zu spielen und Tags darauf im Cortina Bob vor ein paar hundert?

Manchmal kommen sich diese beiden Bands mal bei Konzertterminen in die Quere und dann hat diese eine Band, von der ich Miete zahlen und essen kaufen kann, halt Vorrang. Aber ansonsten klappt das ganz gut. Ich komm vom Punk und hab schon in ganz vielen Bands gespielt und auf ganz vielen Fussböden geschlafen und hatte nie Kohle. Dann hatte ich irgendwann das Glück in dieser anderen Band mitspielen zu dürfen. Das Hobby zum Beruf gemacht sozusagen. Und es is der beste Beruf den ich mir vorstellen kann, ganz egal was mir da irgendwelche Pöbel-Anti-Kommerz-Punker erzählen wollen. Da scheiss ich drauf. Aber ohne dieses „Punk-Assi-auf-versifften-Matratzen-pennen-Dorf-Juz-saufen-die-ganze-Nacht-Nietenjacken“-Ding könnte ich auch nich. Das würde mir fehlen. Das sind natürlich zwei verschiedene Welten, aber ich spiele mit der einen Band genauso gerne vor 1500 Leuten, wie mit der anderen Band am nächsten Tag vor 34 Spinnern im Juz Pumpernickel in Wanne-Eickel.

Am 08.09. hast du auf dem 190 Jahre Sternburg Brauereifestival gespielt. Wie war’s? Nur Proletenpack oder auch ordentlich Punkrock? Warum ist STERNBURG nicht längst in ganz Deutschland ein Nationalgetränk?

Das war spitze da. Das is das neue Force Attack will ich hier mal so ganz salopp behaupten. Da waren ganz viele Punker. Ich bin da den ganzen Tag rumgelaufen und muss gestehen, dass ich echt kaum Proletenpack entdeckt habe. Und ich hab eigentlich ein recht gutes Auge dafür. STERNBURG is nunmal ne Pissplörre, aber deswegen haben wir das ja alle auch so lieb.

Was ist eigentlich aus dem Bauarbeiter eurer ersten Scheibe geworden?

Der hat den Text von „Bauarbeiter stuerb“ falsch verstanden, sein Job gekündigt und arbeitet jetzt als Organisator für Anti-Gentrifikations-Demos und Kundgebungen!

Die Frage muss ich einfach stellen: Wann hattest du deinen letzten KOTZREIZ? Konntest du ihn unterdrücken oder hast du ihm nachgegeben?

Normalerweise kotze ich echt nie, zumindest kann ich mich nich dran erinnern. Aber die letzte Kotze, die aus meinem Mund kam, abgesehen von dem Interview hier, is noch garnich solange her. Das war in Los Angeles am Flughafen. Da hab ich das komplette Klo vollgekotzt. Aber unpunkigerweise nicht weil ich total besoffen war, sondern weil mich dieser „abgelaufene nacho“ Trojaner erwischt hatte. So‘n Virus da drüben bei denen.

Viele Leute bekommen bei eurer Mucke bestimmt einen KOTZREIZ! Bei welcher Musik stülpt sich dir der Magen um?

Ich bin da recht tolerant was Musik angeht. Wenn mir das Lied gefällt, dann gefällt‘s mir halt, egal ob von BLACK EYED PEAS (kommt eher selten vor) oder von der super unbekannten Crust-Punk-Band aus den tiefsten Höhlen Schwedens. Mein Lieblingslied der Welt is zum Beispiel „Boys of Summer“ von DON HENLEY, vielleicht auch nicht, aber der Song is super! Ansonsten… hmmm… kennst du die Band „auf bewährung“? Die haben jetzt auch son Pfeffi-Lied gemacht, obwohl der Sänger nichtmal weiss wie man Pfeffi schreibt. Die gehen uns schon ziemlich auf die Nerven.

Wie sehen denn die Zukunftspläne von KOTZREIZ aus?

Erstmal gehen wa jetzt ab 28.09 für 10 Tage auf Tour zusammen mit den VAGEENAS. Das wird sicherlich ganz ulkig. Da freuen wa uns drauf. Wir spielen noch‘n paar Konzerte dieses Jahr und nächstes Jahr sicherlich auch. Ansonsten gibt’s eigentlich erstmal keine Pläne. Vielleicht machen wa ne Split mit NXD (Ex-Napoleon Dynamite). Mal gucken was passiert!

Ansonsten tausend Dank für das Interview und für DEIN Interesse, dass du den Kram hier gelesen hast.
Piss bald!
Chris+KOTZREIZ!

 

Vielen Dank für das Interview und bis zum nächsten Konzert!
East Side Daniel

RASTAKNAST Interview (09.09.2012)

RASTA KNAST sind eine der wenigen deutschen Punkbands, die ich nun schon seit ihren Anfangstagen verfolge und von denen ich bisher nie enttäuscht wurde. Weder hat mir die Band ein schlechtes Konzert abgeliefert, noch habe ich eine schlechte Aufnahme der Jungs gehört und das obwohl sich die Combo in den 15 Jahren ihres Bestehens mehr als nur einer Umbesetzung unterziehen musste. Es muss vor über zwölf Jahren gewesen sein, als ich RASTA KNAST das erste Mal live erleben durfte. Damals mit MOLOTOW SODA auf Tour waren noch HöhNIE und Konrad K. (R.i.P.) mit von der Partie. Als Halbwüchsiger und riesen BRIEFTAUBEN Fan organisierte ich mir natürlich noch schnell ein Autogramm und erlebte dann eines meiner besten Punkrockkonzerte! Es folgten viele weitere großartige Parties, tolle Platten und wenn es in der Deutschpunklandschaft eine Konstante gibt, dann sind das RASTA KNAST! Eine Dekade später sitze ich hier und denk mir Fragen für die Band aus, die ATTI ausführlich beantwortete und somit für viel interessanten Lesestoff sorgt!

RASTA KNAST ist ja mehr als bekannt für seine häufigen Besetzungswechsel. Kannst du zu Beginn kurz die aktuelle Besetzung vorstellen?

Klar…als da wären: MARTIN aus Celle an der Leadgitarre und am Gesang, Gründungsmitglied und unser musikalischer und kreativer Kopf. Dann DOM aus Hannover, seit vier Jahren an Bass und Gesang, und NILS, auch aus Hannover, an den Drums seit 2 Jahren. Dann gibt’s noch mich (ATTI) an Rythmusgitarre und Gesang, ich bin auch aus Hannover und seit 5 Jahren an Bord. Eingestiegen bin ich als Bassist, zu der Zeit waren noch Peter (Gitarre) und Phill (Schlagzeug) dabei.
Aber zum Thema Besetzungswechsel kann ich nur sagen, dass wir im Moment ein so gutes Klima in der Band haben, dass uns zur Zeit kein Szenario wahrscheinlich erscheint, das die momentane Besetzung trennen könnte. Die geringe räumliche Distanz hat sich da inzwischen auch als Notwendigkeit herausgestellt, sonst hätten wir die Platte wohl kaum aufnehmen können (wie in den Jahren zuvor).

Es hat jetzt 11 Jahre gedauert, um den Nachfolger von „Bandera Pirata“ einzuspielen und seit dem letzten musikalischen Lebenszeichen „Friede, Freude, Untergang“ sind auch schon wieder 4 Jahre ins Land gezogen. Warum hat das so lange gedauert?

Unter anderem haben da die Besetzungswechsel der Vergangenheit reingespielt, die die Band zeitweilig ausgebremst haben. Mit neuen Mitmusikern muss man ja erstmal eine Weile proben bis die Songs sitzen und man aufeinander eingespielt ist, vor allem Letzteres dauert immer eine Weile. Ganz zu schweigen von der SUCHE nach neuen Mitstreitern, es mussten ja Leute sein, bei denen das Miteinander passt, die die Musikrichtung mögen und spielen können, die genug Zeit für und Bock auf die Band haben und die nicht zu weit entfernt wohnten. Womit wir bei nem weiteren Aspekt wären, der auch Einfluss auf die lange Zeitspanne zwischen den Alben/EPs hatte. In früheren Besetzungen wohnten die Bandmitglieder teils recht weit auseinander, da war es dann wegen der notwendigen Reiserei zeitaufwändig und teuer sich zu treffen, was die Entstehung einer Platte behindert hat. Hinzu kommt, dass keiner von uns von der Band lebt, also waren nebenher immer Arbeit, Ausbildung, Studium etc angesagt.

Auch wenn sich RASTA KNAST zweifelsohne musikalisch weiterentwickelt haben, habt ihr es dennoch geschafft, den typischen Sound – der die Band nun seit 15 Jahren prägt – wieder einzufangen. Gleich beim ersten Ton von „Trallblut“ war für mich klar, DAS SIND RASTA KNAST! War das angesichts der langen Pausen und Besetzungswechsel eigentlich sehr schwierig?

Freut uns, dass Du das so siehst! Es hat recht lange gedauert (und war so gesehen schwierig), zu einer Besetzung zu finden, bei der alle Umstände gegeben sind, die zur Produktion der Platte nötig waren, hauptsächlich in Sachen Zeit und Entfernungen. Aber wir haben uns nicht speziell, um die Platte machen zu können, in dieser Besetzung zusammengefunden, sondern wir haben uns mehr räumliche Nähe gewünscht, damit wir generell aktiver sein können als Band. Weite Fahrten und volle Terminkalender bremsen ja auch Proben, Konzerte und sonstige gemeinsame Unternehmungen aus. Jetzt sind diese Ausgangsbedingungen endlich mal günstig – und persönlich liegen wir eh auf einer Welle.
So, jetzt aber mal zurück zur eigentlichen Frage ;-), nee, den typischen Rasta Knast-Sound hinzukriegen war eigentlich nicht schwer. Das liegt hauptsächlich daran, dass Martin musikalisch bei uns federführend ist: er hat den Sound schon immer sehr geprägt und daran hat sich nichts geändert, zumal ja alle Platten, auch die Neue, in seinem Studio eingespielt und von ihm gemischt wurden. Der zweite wesentliche Aspekt ist, dass wir alle das selbe Ziel vor Augen hatten: als Rasta Knast eine Rasta Knast-Platte zu machen, von daher gab es auch keine Meinungsverschiedenheiten diesbezüglich und wir hatten recht genaue Vorstellungen davon, was wir wollten.

A pro po „Trallblut“, was genau steckt hinter dem Titel des neuen Albums?

Das ist eine Wortschöpfung, “Trallpunk” ist der melodische schwedische Punkrock, den unter anderem ASTA KASK seit den frühen 80ern entwickelt und geprägt haben. Also die Musikrichtung, wegen der Rasta Knast gegründet wurde und die wir heute auch noch machen. Das Wort “Blut” ist eingeflossen, weil Blut etwas so essenzielles und lebensnotwendiges hat, das spiegelt für uns die große Bedeutung von Musik und Band in unseren Leben wieder – und auch die für uns als Punkrockkapelle fundamentale Bedeutung des Trallpunk, weil ohne den gäb’s Rasta Knast ja nicht. Und ein weiterer Effekt von diesem Namen ist noch, dass er irgendwie beinhaltet, dass wir eine schwedische Musikrichtung (“Trall” heißt übersetzt Rythmus oder Melodie) mit deutschen Texten spielen.

Mit „Die Anderen“ hat es mein Lieblingslied der „Friede, Freude, Untergang“-EP auf das neue Album geschafft. Warum habt ihr diesen Song noch mal ausgegraben?

Naja, wir haben uns gedacht, dass man ihn vergraben zu schlecht hört ;-)…wobei das aber in gewisser Weise den Kern der Sache trifft: zum Einen mögen wir den Song und waren mit der älteren Aufnahme rückblickend nicht ganz zufrieden, die war in ein paar Details nicht ganz das, was wir uns vorgestellt hatten. Zum Anderen fanden wir, dass der Song sich schön in das “Sortiment” der anderen Songs der Platte einfügt, wir wollten da ja Abwechslung drin haben in Sachen Tempo und Atmosphäre. Soweit zu den musikalischen Gründen.
Wichtig ist aber auch, dass der Song ja eine vergleichsweise konkret formulierte Botschaft hat, die uns am Herzen liegt (Augen auf und nicht wegsehen bei sozialen Ungerechtigkeiten und dem Elend Anderer!) und die leider nichts von ihrer Aktualität und Notwendigkeit eingebüßt hat. Und die erreicht auf dem Album vermutlich mehr Menschen, da die EP ja hierzulande ausschließlich als Vinyl veröffentlicht wurde.

In diesem Song singt ihr sehr eindrucksvoll von der momentan weitverbreiteten sozialen Kälte in Deutschland – jeder ist sich selbst der nächste. Da ihr viel in der Welt rumgekommen seid (u. a. Brasilien, Baltikum, Japan etc.), könnt ihr da vielleicht einen Vergleich anstellen. Wie sieht es in diesen Ländern aus?

Bei den Touren im Baltikum und in Japan war ich noch nicht an Bord, dazu kann ich nur das, was ich selber von Martin und einigen unserer Ex-Kollegen erzählt gekriegt habe, wiedergeben:
In Japan ist die Mentalität der Leute eine ganz andere; es geht überall in hohem Maße darum, die Fassade bzw. das Gesicht zu wahren. Das äußert sich darin, dass man Gästen gegenüber keinerlei Kritik übt und sich nicht anmerken lässt, wenn einen etwas stört, denn das gilt als nicht gastfreundlich und unfein. In gewisser Weise ist das so gesehen auch ein kaltes Klima weil Emotionen und persönliche Bedürfnisse nur sehr eingeschränkt ausgedrückt werden können/dürfen – man hat der Etikette zu gehorchen. Aber unterm Strich ist Japan ein reiches Land und insofern kaum mit einigen baltischen Staaten oder Brasilien vergleichbar, es gibt weniger Armut.
Zum Baltikum ist zu sagen, dass da, nach allem was ich gehört habe, eine Situation vorherrscht, die man bei vielen post-sowjetischen Staaten antrifft: Der Armut ist generell höher als in Westeuropa und es herrscht eine grundsätzlich “härtere Gangart” vor, es gibt wesentlich mehr Gewalt und die wird vielfach als völlig normal angesehen weil die vorausgegangenen Generationen es auch nicht anders kannten: im Zarenreich die Ausbeutung der vornehmlich bäuerlichen Landbevölkerung durch den Adel und im Anschluss daran, in der Sowjetzeit, ebenfalls viel Willkür und Armut. Jetzt entwickeln sich dort teilweise Staatssysteme nach westlichen Vorbildern, die demokratisch sein wollen, aber immer wieder über das Erbe der Vergangenheit stolpern, das noch immer auf die Mentalität der Menschen nachwirkt (siehe Lukaschenko). Ich würde sagen, da sind irgendwie alle Sichtweisen radikaler, entweder bist Du ein Freund, dann trinkt man einen zusammen und alles ist super, oder Du bist ein Feind – dann gibt’s aufs Maul, gerne auch mit Eisenketten.
In Brasilien gibt es jede Menge Armut, da leben Millionen Menschen in Elendsvierteln, den sogenannten Favelas, in Häusern aus Schrott und unter der Herrschaft von Drogengangs . Oftmals wohnen die Superreichen nur ein paar Kilometer entfernt, und auch nach unserem Standard normale Wohnhäuser sind eingezäunt und rund um die Uhr bewacht. Dort sind einfach die Kontraste immens: Limousinen fahren z.B. durch die Straßen von Rio, an deren Rändern Menschen halbtot in ihrem Dreck liegen. Die Polizei trägt grundsätzlich mindestens MPs und ist schnell mit dem Finger am Abzug – wenn man kontrolliert wird, ist gehorchen angesagt, sonst kann das lebensgefährlich werden.
AGROTOXICO haben mal erzählt, dass eine der häufigsten unnatürlichen Todesursachen “verirrte” Kugeln sind, denn wenn Polizei und Drogenbanden sich Schießereien mit automatischen Waffen liefern, durchschlagen die Kugeln in den Favelas meistens die dünnen Wände gleich mehrerer Hütten. Armut sieht man überall in den großen Städten, Kleinkriminalität ist absolut alltäglich und Gewalt sehr häufig – und Menschen, die dort leben, sind das gewohnt.
Trotz all dem passt der begriff “Kälte” irgendwie nicht, denn die Leute sind sehr kommunikativ und lebhaft und oft auch unglaublich hilfsbereit. Wenn einem in Deutschland ein Reifen platzt, bleibt man stehen und ruft den ADAC. In Brasilien kommen dann gleich etliche Leute aus der Nachbarschaft herbeigeeilt, um zu helfen, egal ob arm oder reich. Und auch die Punkszene ist solidarischer; da feiert der Metaller mit dem Punk und der mit dem Crust-Anhänger, während hier jede Gruppe auf ihre Veranstaltungen geht und eher für sich bleibt.
Also ich würde mal sagen, in Brasilien ist eher zu viel Hitze als Kälte, auch im übertragenen Sinn.
Ich hoffe das beantwortet die Frage halbwegs.

Bei den ganzen Auswanderungsshows im Fernsehen habe ich zur Zeit das Gefühl, dass jeder weg will aus Deutschland und sich wo anders ein besseres Leben erhofft. Steht oder stand das für dich oder für euch als Band jemals zur Debatte? Vielleicht könnte man in einem anderen Teil der Welt noch von der Musik leben?

Nein, das stand für mich privat und auch für uns als Band eigentlich nicht zur Debatte. Wir haben ja hier auch viele Freunde und Verwandte, das bindet einen schon irgendwie.
Ich persönlich würde auch sagen, dass ich mich hier mehr zuhause fühle als woanders. Damit meine ich nicht Deutschland als politisches System oder Bündel kultureller Eigenschaften (da hab ich in anderen Ländern schon einiges gesehen, was mir besser gefiel), sondern den Stadtteil in dem ich lebe und meinen Freundeskreis.
Zu der Chance, von Musik zu leben: wir fänden das zwar alle schön – aber wollen es nicht um jeden Preis. So Sachen wie Deutschrock machen, auswandern, an Casting-Shows teilnehmen o.Ä. sind uns da ne Ecke zu krass, dann machen wir lieber weiter wie bisher.

In eurer Presseinfo steht, dass ihr bisher über 30.000 Tonträger verkauft habt. In den heutigen Zeiten klingt das schon beeindruckend. Wie läuft der Verkauf des neuen Albums?

Hm, also das haben wir da nicht selber reingeschrieben, ich glaube, so spontan hätte auch keiner von uns da ‘ne Zahl parat gehabt ;-). Das kann aber hinkommen, wenn man überlegt, dass es die Band schon seit 15 Jahren gibt und in den ersten Jahren waren mp3s ja noch nicht allgegenwärtig. Wenn man das einbezieht und die Tatsache, dass die Platten teils auch in anderen Ländern von dortigen Labels rausgebracht wurden, mag das stimmen.
Heute werden kaum noch CDs verkauft, ich habe keine genauen Zahlen – aber würde mal schätzen, dass das um mindestens 75% zurückgegangen ist in den letzten 10 Jahren. Gemessen daran verkauft sich die Trallblut verhältnismäßig gut. Aber die bei weitem meiste Verbreitung läuft einfach übers Internet. Die Platte stand 5 Stunden nach der Veröffentlichung auf den ersten Warez-Seiten im Netz und wird da seitdem scheinbar viel angeklickt, da kann der CD-Verkauf zahlenmäßig nicht annähernd mithalten.

Wie ist denn das bisherige Feedback auf die neue Scheibe?

Das schriftliche Feedback ist bis jetzt ziemlich positiv, bisher konnten wir immer aufatmen, wenn wir neue Reviews im Netz gefunden haben ;-). Im Freundes- und Bekanntenkreis sah es eigentlich ähnlich aus. Ob unsere Hörerschaft die Platte mag, werden wir in den nächsten Monaten bei den Konzerten rausfinden – das ist für uns die spannendste Frage und wir freuen uns drauf.

Beim Song „Waidmanns Unheil“ gibt es für mich zwei Möglichkeiten der Interpretation. Entweder es handelt sich um eine Art Tierschutzsong und man darf den Text 1-zu-1 verstehen. Oder ihr verwendet das Ganze als Metapher und man kann den Text übertragen? Wie sieht’s aus?

Ok, also uns liegen ja weder Tierschutz noch Metaphern fern ;-)….eigentlich sagen wir in der Regel nicht so gerne eindeutig worum es geht, weil wir möchten, dass die Leute sich selber einen Reim drauf machen. Andererseits sieht es bei “Waidmanns Unheil” ähnlich aus wie bei “Die Anderen” – in Sachen Botschaft, die uns am Herzen liegt. Es ist ein Tierschutz-Song über das Jägertum und kann 1 zu 1 verstanden werden. Denn beim Jagen wird das Töten von Tieren meistens als Sport oder Unterhaltung empfunden, es stehen also niederste Beweggründe dahinter. Das Ganze wird dann nach außen hin als Notwendigkeit zur Landschafts- und Waldpflege verkauft und die Jägerschaft präsentiert sich gerne als Beschützer der Natur. Oft ist aber das Gegenteil der Fall, z.B. reagieren Füchse auf einen Bestandsrückgang mit noch größeren Würfen, das heißt das Abschießen der Tiere reproduziert und vergrößert in Wirklichkeit die vermeintliche Problematik und das wird dann ausgenutzt, um wieder auf die scheinbare Notwendigkeit des Jagens zu pochen. Da das ein Umstand ist, der in die öffentliche Meinung kaum einzufließen scheint, wollen wir mit dem Song (im Rahmen unserer Möglichkeiten) darauf aufmerksam machen.

Worauf beruht denn „Haunted House Of Sligo“?

Der Song beruht auf einem Erlebnis auf unserer Irland-Tour 2011. Am letzten Abend der Tour haben wir im “Trades Club” in Sligo gespielt und wurden danach zusammen mit unseren Freunden von LEFT FOR DEAD von einigen irischen Punks zum Übernachten in ihr Haus eingeladen. Als wir da nachts ankamen war das eine Szenerie wie aus nem Horrorfilm, das Ding war echt groß (fast schon eine Burg) und hunderte Jahre alt. Das Haus hatte einer alten Frau gehört, deren Familie da über Generationen drin gelebt hat und sämtliche Einrichtung ist unverändert geblieben; alte Möbel, Klamotten, Geschirr, dunkle Kammern und überall hängen Gemälde von den Vorfahren, die einen im Halbdunkel von den Wänden anstarren. Teils auch noch deren Uniformen aus dem irischen Unabhängigkeitskrieg 1919-21 und sogar Ritterrüstungen… eigentlich sieht es von außen und von innen aus wie aus einer anderen Zeit, wir hatten jedenfalls noch nichts Vergleichbares gesehen.
Jetzt leben Punks in dem Haus, die sehr darauf achten dass alles erhalten bleibt. Wie das dann immer so ist, wenn man mit Freunden unterwegs ist, feiert man dann noch ne Runde und zu später Stunde, als alle gut einen im Tee hatten, hat das dann ne ganz eigene Atmosphäre, eine Mischung aus Punkrock und Geschichte, Party und Horror, entfaltet. Das hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und war echt einzigartig, deshalb haben wir den Song darüber gemacht. Auch als Dankeschön an die irischen Punx und LEFT FOR DEAD, die uns auf die Tour eingeladen haben.

Die Finanz- / Euro-Krise etc. beherrscht jetzt seit Jahren die Medien. Kümmert euch das noch oder habt ihr bereits resigniert und wartet ohnmächtig auf die Dinge die noch kommen?

Klar kümmert und besorgt uns das. Aber solche Krisen sind im Kapitalismus systemimmanent und unvermeidlich. Eine nachhaltige Lösung ist in diesem System in unseren Augen nicht zu erreichen. Trauriger Weise werden dann Leute, die wirklich über Systemalternativen nachdenken und reden wollen, als realitätsfremd und (inzwischen oft allein wegen der Ablehnung des Bestehenden) an der Grenze zum Terrorismus befindlich stigmatisiert. Je näher die, die dieses System ideologisch befürworten, die Grenze seiner Belastbarkeit wähnen, desto mehr wird verzweifelt “in alle Richtungen geschlagen und getreten”, indem seine Alternativlosigkeit betont- und die Notwendigkeit seiner provisorischen Stabilisierung verteidigt wird. Da fühlt man sich schon ohnmächtig. Als die Planwirtschaften versagt hatten und der Kommunismus weitgehend verschwand, wurde im ganzen Westen dekadent und gönnerisch reagiert nach dem Motto “War ja klar, das konnte ja nicht klappen, jetzt guckt euch mal was von uns ab”. Jetzt versagt der Kapitalismus (mal wieder, es gab ja schon ein paar Wirtschaftskrisen), ebenfalls auf Grund seiner konzeptuellen Schwächen, und da geht dann das große Rätseln los…”Wer könnte bloß Schuld sein, wer hat uns da ausgetrickst? Ah ja, die Banken sind’s!” Das ist völliger Schwachsinn. Banken sind auch nur Akteure im großen Ganzen und die laufen wie sie laufen, weil wir Konsumenten gierig sind. Das Gesamtsystem versagt bei der Aufgabenstellung, die (Wettbewerbsgesellschaftsgeprägten) Konsumverhaltensweisen seiner Akteure in einer gemeinschaftsverträglichen Art und Weise zu integrieren.

Mit „Kamilosetas Muskaria“ ist auch ein spanisches Label an der Veröffentlichung von „Trallblut“ beteiligt. Spanien hat laut Medien momentan viel mehr mit der Krise zu kämpfen. Könnt ihr das durch eure Kontakte bestätigen? Wie geht es einem Punklabel in diesem Land?

Ja, wir kriegen von unseren Freuden in Spanien schon mit, dass es dort etwas schwieriger ist als hier. Hier freut man sich, wenn man Glück hat, einen coolen Job zu kriegen, dort ist es teilweise schon eine Besonderheit, überhaupt Arbeit zu haben.
Aber (was jetzt nichts relativieren soll) Spanien hat schon seit vielen Jahren eine für europäische Verhältnisse extreme Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten. Wenn man da die Zahlen liest, wundert man sich zunächst mal, wie das Land dabei überhaupt stabil bleiben kann. Aber unterschiedliche kulturelle Gegebenheiten haben über die Zeit auch unterschiedliche Abfederungsmechanismen hervorgebracht; in Spanien wohnen junge Leute in der Regel viel länger bei ihren Eltern, häufig bis zur Hochzeit, was dann erklärt, wie sie trotz Arbeitslosigkeit und leerer Staatskassen halbwegs über die Runden kommen. Für kleine Punklabels sieht es dort aber eigentlich ähnlich wie hier aus; die meisten finanzieren sich mangels Tonträgerverkäufen überwiegend über Merchandise, also T-Shirts und so.

Das neue Album „Trallblut“ ist als CD-Version auf Destiny Records erschienen und wird vom Plastic Bomb als Vinyl aufgelegt. Wie kam es zu dieser Konstellation?

Das kam so: Vor ein paar Jahren haben wir uns nach einem Label umgeschaut weil Peter (der ursprünglich von HASS kam, aber 6 Jahre bei Rasta Knast gespielt hat und auch das bandeigene Label betrieb) sich wieder auf andere Sachen konzentrieren wollte. Nachdem wir mit einigen interessierten Labels geredet hatten, haben wir uns für Destiny entschieden, denn da passte einfach alles in Sachen Freundlichkeit und Professionalität und wir wurden in keinster Weise eingeschränkt, was uns sehr wichtig war und ist. Wir sind dann quasi mit Sack und Pack “umgezogen”, Destiny haben unsere älteren Alben wieder aufgelegt und kurz darauf auch die “Tertius Decimus” rausgebracht, die wir anlässlich des dreizehnten Band-Geburtstages aufgenommen/zusammengestellt haben.
Als jetzt unsere Pläne für die “Trallblut” konkret wurden, wollten wir natürlich auch eine Vinyl-Version machen. Da wir mit den Plastic Bombern ja in der Vergangenheit schon super zusammengearbeitet haben und die den Vinyls und ihren Liebhabern noch eine angemessene Bedeutung einräumen, haben wir Destiny gefragt, ob sie einverstanden sind, wenn wir die Vinyl-Version auf Plastic Bomb Records rausbringen. Das war absolut kein Problem – worin sich für uns in Sachen Freiheit und Unkompliziertheit wieder bestätigte, dass wir mit Destiny die richtige Wahl getroffen haben.

Du bist zwar erst weit nach HöhNIEs Zeit bei RASTA KNAST eingestiegen, aber wie ist eigentlich der aktuelle Stand eurer Beziehungen zu ihm? Gibt es da überhaupt noch Kontakt?

Nein, da gibt es eigentlich keinen Kontakt in letzter Zeit, von daher gibt’s auch keinen Stand der Beziehungen, den ich näher erläutern könnte, sorry.

Habt ihr eigentlich noch mit Leuten zu kämpfen, die immer nur die alten Sachen hören wollen?

Ja, wir haben es schon sehr schwer…Hehe, nein, im Ernst: Es gibt Leute, die alte Sachen hören wollen und das sind auch recht Viele. Aber das verwundert und stört uns eigentlich nicht weil uns das selber bis zu nem gewissen Grad genauso geht. Wenn ich z.B. zu nem Konzert von Social Distortion gehe, will ich auch gerne die Songs hören, die mich in dieser oder jener Situation begleitet haben und mit denen ich eigene Erinnerungen verbinde.
Es kommen bei uns aber, wenn wir was Neues veröffentlicht haben, zum Glück auch viele Leute und wollen, dass wir was davon spielen, so gesehen scheint es beide Sichtweisen zu geben. Aber generell ist es so, dass neue Songs ja auch wieder zu Alten werden, das dauert nur seine Zeit. Anfangs, wenn noch weniger Leute die Songs kennen, werden neue Songs vom Publikum erstmal eher aufmerksam verfolgt. Bis die dann auf den Konzerten ähnlich abgefeiert werden, wie die Älteren, dauert es einfach ne Weile. Bisher kam dieser Punkt aber glücklicherweise immer irgendwann und wir hoffen natürlich, dass das auch diesmal so sein wird.

Ihr seid, im Gegenteil zu vielen anderen Bands, auf dem diesjährigen Force Attack aufgetreten. Wie war es für euch? Trifft aus deiner Sicht irgendjemanden die Schuld oder war dieses Chaos unvermeidlich? Denkst du, dass das einstige Punkrock-Vorzeige-Festival noch eine Zukunft hat?

Uiuiui, über das Thema könnte man Bücher schreiben, wahrscheinlich ne halbe Bibliothek, wenn man sämtliche Gerüchte, Internet-Debatten, Pressemeldungen etc. drin haben will. Wir haben das im Vorfeld, auch weil es uns ja mit betraf, tagelang verfolgt und als wir dann tatsächlich da waren, haben wir ziemlich episch gefeiert ;-). Von diesem Gesamtpaket an krassen Eindrücken dröhnt mir immernoch ein bisschen der Schädel. Ich versuche mal zu Antworten – in der Hoffnung, dass was Sinnvolles dabei rauskommt.
Also, für uns als Band lief unser Aufenthalt in Stavenhagen gut und hat Spaß gemacht. Auf das Hin und Her im Vorfeld und das Ausbleiben von Informationen hätten wir verzichten können. Gemessen an der Kurzfristigkeit ist vor Ort alles erstaunlich gut organisiert worden, das hat uns schon überrascht. Wir waren bei der Abfahrt gar nicht sicher, ob wir überhaupt zum Gelände durchkommen würden und ob die Bühnentechnik komplett sein würde – was dann aber letztlich beides der Fall war.
Aber wir waren da auch in einer anderen Position als viele Besucher. Die Wut derer, die sich Urlaub genommen, Fahrten gebucht etc. haben, kann ich gut verstehen. Wäre mir genauso gegangen. Aber um zu beurteilen, wen die Schuld daran trifft, weiß ich zu wenig. Der Informationsfluss war ein überfischtes, trübes Rinnsal, um das mal vorsichtig zu umschreiben, und ganz offensichtlich gab es mehrere Interessengruppen (Veranstalter und Veranstaltungsgegner, BesucherInnen, Stadt, Behörden, Anwohner etc), die im Internet in unterschiedlicher Richtung Stimmung gemacht haben. Was da der Wahrheit entsprach und welche Informationen von wem manipuliert oder gezielt gestreut wurden, kann ich auch im Nachhinein nicht sicher sagen. Fakt ist in meinen Augen, dass es stattgefunden hat, sowohl das gezielte Streuen/Zurückhalten von Informationen, als auch das Festival. Ob Letzteres in Zukunft so sein wird – ich denke schon, aber in welcher Form und Größe hängt davon ab, wie die Mehrzahl der Leute das rückblickend beurteilt. Und das wiederum zum Teil davon, ob es nachvollziehbare und angemessene Erklärungen für die Ereignisse gibt. Ich persönlich fände es sehr schade, wenn nicht, denn ich hab in so manchem Jahr auf dem Force echt hammergeile Partys erlebt, als Bandmitglied und auch als Besucher.

Wie stehst du / ihr als Band zur Entwicklung in der Punk- und Oi-Szene, dass immer mehr Bands in die Deutschrock-Ecke abdriften und auf unsäglichen Festivals wie dem O.F.T. oder G.O.N.D. spielen?

Da sind wir alle einer Meinung, glaube ich: wir finden diese Entwicklung bedauerlich. Das muss jede Band für sich entscheiden – aber wir würden niemals auf solchen Festivals spielen oder uns als Deutschrock bezeichnen.
Nichts gegen Rockmusik, die deutsch-sprachige Texte hat, aber wenn Du vor 8 Jahren “Deutschrock” bei Wikipedia eingegeben hast, wurden da Grönemeyer und Westernhagen als Beispiele angeführt. Wenn Du das heute machst, bzw. nach heutigen Vertretern des Genres suchst, erscheinen da nur(!) Beispiele, um die es schon öffentliche Debatten wegen Grauzone, rechts-offen u.s.w. gegeben hat. Das allein sollte genügen, einen als Punk- oder Oi-Band zu der Überlegung anzuregen, ob man sich da wirklich in passender Gesellschaft befindet. In meinen Augen funktioniert diese Deutschrock-Transformation so:
Du bist ne Punk- oder Oi-Band und möchtest gerne mehr Hörer haben, größere Konzerte spielen und vielleicht sogar davon leben können. Nach einigem Abwägen bezeichnest du deine Musik ab jetzt als Deutschrock. Nun haben auch Willi von gegenüber mit seinem BO-Heckscheiben-Aufkleber und Frau Müller von nebenan, die Westernhagen immer mochte und nicht mehr die Jüngste ist, keine Hemmungen mehr, zumindest mal in deine Musik reinzuhören. Als da noch “Punkrock” stand, wollten die Beiden damit nichts am Hut haben (P-u-n-k? Das waren doch die mit den Chaostagen und so…), aber jetzt schreckt die verrufene Bezeichnung nicht mehr ab. Und bei Tausenden von Willis und Frau Müllers werden ne ganze Menge dabei sein, denen die Musik gefällt, du vergrößerst deine Zielgruppe. Die Empörung ehemaliger Weggefährten bringt Aufmerksamkeit und entpuppt sich sogar als ganz gute zusätzliche Werbung. Du denkst, du hast im Gegensatz zu den Anderen geschnallt, wie der Hase läuft. Dass neben Willi und Frau Müller jetzt auch Braunhemd-Bodo nicht mehr “Zeckenmucke” denkt und vielleicht mal zum Konzert kommen möchte, nimmst Du in Kauf – oder denkst gar nicht drüber nach. Idealerweise konzentrierst Du Dich inhaltlich auf den Themenkomplex Ficken-Saufen-Party-Heimat, denn damit singst Du auch allen Bild-Abonnenten aus der Seele, nicht mehr bloß der Szene. Du bist Deutschland. Irgendwie.
Ich persönlich finde sowas würdelos. Ich fänd’s auch super, von Musik leben zu können, einfach weil ich dann den ganzen Tag Musik machen könnte, das wäre geil. Aber nicht zum Preis meiner Glaubwürdigkeit! Und wir als Band werden auf solche Züge sicher nicht aufspringen. Aber Jeder hat ein Recht auf seine Meinung und so lange Niemand zu Schaden kommt, finde ich das auch richtig so – auch wenn ich manche Standpunkte zum Kotzen finde. Da kann man nur gegen anreden und hoffen, dass man die besseren Argumente hat.

Nervt es dich auch, wenn Bands wie die KASSIERER, S.I.K. oder BETONTOD zusammen mit FREI.WILD auftreten? Wie reagierst du dann? Strafst du diese Bands mit Missachtung oder tolerierst du das?

Naja, was könnte oder sollte ich dagegen tun? Ich find’s nicht gut und ich kann mir diese oder jene Band dann nicht mehr anhören, weil ich von dem Wertegefüge, was da im Hintergrund zu stehen scheint, enttäuscht bin, weil ich mir das angesichts der Songtexte vielleicht anders vorgestellt hatte. Ich finde diese F.W-Geschichte wegen ihrer kritiklosen Akzeptanz, grade ausserhalb der Szene (irgendwie schon fast ein Barometer für den Grad an aggregierter Rechtsoffenheit der Mainstreamkultur), echt unappetitlich/bedenklich und wenn ich mir ne Band nicht anhöre, missachte ich sie ja irgendwo (im Sinne von nicht-BEachten), aber nicht weil ich meine, das Recht zu haben, irgendwen damit zu strafen, sondern eher weil ich (betrübt) denke “och nee, die jetzt auch?”, wenn sich das Bild, was ich von der politischen Weitsicht und Authentizität der Band hatte, verflüchtigt.

Wie sehen denn die Zukunftspläne von RASTA KNAST aus?

Jetzt werden wir erstmal wieder mehr Konzerte spielen. Um die Zeit für die Aufnahmen zu finden, haben wir ja unsere Live-Präsenz in der ersten Hälfte des Jahres zurückgeschraubt und jetzt wird’s mal wieder zeit, unterwegs zu sein, es juckt schon ;-)
Wenn die derzeitige Besetzung so bestehen bleibt (wogegen im Moment nichts spricht), wird es diesmal auch keine 11 Jahre bis zur nächsten Platte dauern. Aber in konkreter Planung ist da noch nichts, wir möchten uns auch nicht zu langfristig festlegen. Erstmal ist herumreisen, feiern und Krach machen angesagt.

Vielen Dank für das Interview und bis zum nächsten Konzert!

East Side Daniel

PRO PAIN Interview (18-08-2012)

Gary, ich hoffe bei dir ist alles ok !!! Es freut mich das du dir die Zeit nimmst und für das  Crazy United Zine ein paar Fragen beantwortest. Als erstes: Wir sind Label Kollegen und ich hoffe das wir uns die Bühne auf dem Sunny Bastards Festival 2013 teilen werden.

Gary: Mir geht es gut. Danke der Nachfrage. Und Danke für das „Herzliche   Willkommen“. Ich habe deine Band grad mal angetestet und sie gefällt mir. Also besteht sicher mal die Möglichkeit, das wir uns in nicht all zu ferner Zukunft eine Bühne teilen werden.

Bevor wir über die neue CD „Straight To The Dome“ reden, erzähle uns doch einfach mal  wie du überhaupt mit Sunny und Christian von Sunny Bastards in Verbindung gekommen bist.

Gary: Ich war schon vorher ein wenig mit dem Label vertraut. Einige Freunde von mir (u.a. Toxpack und Berserker) haben ihre jüngsten Alben auf Sunny Bastards herausgebracht. Und als die Zeit kam und wir nach einem neuen Vertriebs Partner gesucht haben, habe ich sie einfach mal kontaktiert um zu sehen ,welches Interesse sie an uns hatten. Und nun sind wir da. Es gab sicherlich noch einige andere Optionen für uns, welche auch mehr in Richtung des traditionellen Metal gegangen wären, aber ich denke das dies ein cooler Deal bzw. eine interessante Konstellation für „Straight To The Dome“ ist. Das Album orientiert sich mehr an unseren Roots.

Ihr seid auch vor Sunny Bastards auf einigen deutschen Labels gewesen. AFM Records oder auch Nuclear Blast. Ist es einfacher für euch mit einem Label aus den USA zusammen zu arbeiten oder ist euch das egal wo das Label herkommt, solange sie einen guten Job für Pro Pain machen?

Gary: Wie du dir sicher vorstellen kannst, habe ich im Laufe der Jahre mit sehr vielen Labels aus aller Herren Länder zusammen gearbeitet. Wenn du auf einem sehr großen Label bist, besteht stets die Gefahr, das du dort verloren gehst. Unsere größten Erfolge hatten wir auf etwas kleineren Labels, weil wir da einfach der dicke Fisch in einem kleinen Netz waren. Es ist wie in jedem anderen Geschäft auch. Kreativität, Herzblut und die richtigen Mittel spielen eine große Rolle. Und die Firmen, welche aus diesen Faktoren die richtige Balance erreichen, haben in meinen Augen auch die größten Erfolge. Wenn wir uns als Band mit dem Label zusammengesetzt haben und unsere Erwartungen besprochen haben, kann ich meistens schon sagen, ob das dieses Verhältnis für eine längere Zeit halten wird.

AFM Records oder auch Nuclear Blast sind ja spezialisiert auf Metal.(Mit einigen Ausnahmen wie z.b. Agnostic Front).Sunny Bastards hingegen sind bekannt für Punk, Streetcore und OI Musik. Hattest du irgendwelche Zweifel das ihr eventuell nicht so gut zu dem „normalen“ Label Programm passt? Und welche Erwartungen hab ihr an Sunny Bastards?

Gary: AFM und Nuclear Blast sind qualitativ hochwertige Firmen mit absolut kompetenten Mitarbeitern. Und wir haben einige Jahre sehr gut mit ihnen zusammen gearbeitet. Dazu muss ich sagen, das wir niemals richtig in ein „Label Programm“ gepasst haben. Für einen Künstler, der immer höher hinaus möchte und die bestmögliche Qualität anstrebt, könnte das auch der letzte Sargnagel für seine Originalität sein. Aus kommerzieller Hinsicht kann das schon mal schwierig werden, wenn man den Künstler oder die Band an ein spezielles Publikum vermarkten möchte. Und weil wir ewig das schwarze Schaaf waren, haben wir uns eine wirklich starke und treue Fan Base erarbeitet. Die Erwartungen an das neue Label sind einfach die, das sie ihr bestes geben.

OK. Dann kommen wir erst einmal zur neuen Platte. Und die ist wirklich ein Kracher geworden. Glückwunsch dazu!!! Wann habt ihr mit dem Songwriting begonnen und wie habt ihr an dem Material gearbeitet? Habt ihr klassisch dazu geprobt oder schickt ihr euch auch nur noch Sound Files hin und her?

Danke dir. Es freut mich zu hören das du die Scheibe magst. Die Methode des Songwritings hat sich in jüngster Zeit doch ein wenig verändert. So haben wir z.b unsere neuen Riffs alle online miteinander geteilt. Als wir genügend Material zusammen hatten, haben wir uns dann im Mai bei mir zu Hause getroffen und die Song gemeinsam arrangiert. In unserem Proberaum in Belgien haben wir dann noch eine Pre- Produktion gemacht, und danach mit den eigentlichen Aufnahmen begonnen.

Ich denke das alle Pro Pain Fans die neue Scheibe mögen werden. Ganz egal ob man den alten Stuff, oder das neue Material bevorzugt. Die Songs knallen ohne Ende und kommen direkt auf den Punkt. Null Ballast. War das reiner Zufall oder ein natürlicher Prozess beim Songwriting ?

Gary: Wie das immer so der Fall ist : Der eine mag das neue Material lieber und anders herum ist das ja genau so. Vielleicht hat das auch was mit Nostalgie zu tun. Ich persönlich bevorzuge eine natürliche Entwicklung mit Pro Pain. Zudem haben wir auch erreicht, das wenn man neue Bandmitglieder pusht und ermutigt, sie sich viel stärker mit in das neue Songwriting einbringen. Diesmal haben sie ihre eigenen Besitz an der Platte und fühlen sich nicht wie irgendwelche „Cover Musiker“. Zudem wollen wir verhindern das jemand im Regen stehen bleibt, denn so etwas verhindert Spontanität und Fehler.

Eure neue Platte trägt den Titel :“Straight To The Dome“. Was bedeutet dieser Titel? Geht es darum immer mit Volldampf an das das Ziel zu kommen? Oder seid ihr religiöse Menschen, welche am Sonntag Morgen aufstehen und sagen: „OK, let`s go straight to the dome“ ?

Gary: Haha. Das einzige was für mich am Sonntag morgen “Straight To The Dome“ ist, sind die Drinks von Samstag Abend. Der Titel bedeutet, gerade aktuell für die Band, das man einfach seinem Kopf folgt. Für uns ist es eine sehr energische Pro Pain Platte und so dachten wir, das der Titell einfach perfekt passt. Der Titel Track an sich erzählt aber über eine Schlägerei in einer Bar.

Gary, du bist und warst immer bekannt für deine ehrlichen und direkten Texte. Das ist auf dem neuen Album nicht anders. Die Texte sind direkt auf den Punkt gebracht und haben zum größten Teil eine negative Grundstimmung. Wie z.b bei Bloodlust For War“ oder „Pure Hatred“. Handeln die Texte über deine eigenen Erlebnisse oder sind es Geschichten die du aus den Nachrichten oder von Freunden gehört hast?

Gary: Meiner Meinung nach würde es schwer sein, Pro-Pain in seiner ganzen Fülle zu erleben, ohne sich zumindest ein bisschen auf den textlichen Zusammenhang einzulassen. Gefühlsmäßig war ich nie irgendwo “in der Mitte” angesiedelt. Durch Pro-Pain kann ich bestimmte Gefühle einfacher zulassen. Ich sitze nicht in einem Elfenbeinturm und predige von dort aus. Das wäre schlichtweg zu einfach und ich bin auch kein Egoist. Mein Vater war ein Enthüllungsreporter für die New York Daily News, von ihm habe ich wohl die Leidenschaft geerbt, “allem auf den Grund” gehen zu wollen. Im Laufe der Zeit wurde mir oft gesagt, ich gehöre zum “rechten, linken oder jedem sonst noch so vorstellbaren Flügel”. Dann wurde behauptet, ich sei voll politischer Widersprüche, ohne die offensichtliche Schlussfolgerung zu ziehen, dass letztendlich beide Flügel zum gleichen, verdammten Flugzeug gehören.  Wir halten uns nun politisch etwas zurück, weil ja jeder selbst und rund um die Uhr alles dazu bei z. B. Googel selbst recherchieren kann, wenn es seine politische Neugierde stillt. Es wird immer Sachen auf dieser Welt geben, die völlig daneben sind. Und daher werden uns bei Pro Pain nie die Texte ausgehen. Wie aus einer Nussschale heraus, beobachte ich die Welt, wie sie ist, schreibe darüber und kann mich dabei ihrem Einfluss doch nicht entziehen.

Wie wichtig sind die Texte für dich? Ich finde es schade, das sich viele Kids von heute gar nicht mehr für die Texte interessieren. Sie können sich auch nicht auf ein komplettes Album konzentrieren und ziehen nur einzelne Songs auf ihren i Pod.

Gary:Für mich sind die Texte ganz besonders wichtig, da sie die komplette Bedeutung des Songs zusammenfassen. Kannst Du Dir vorstellen, was es bedeuten würde, wenn man “Hey, Jude”, einfach mit “Hey, Detlef ersetzen würde?? Mit einem Federstreich könnte man quasi einen klassischen Beatles-Song ruinieren :))) Du verstehst, was ich meine? Im Bezug auf den musikalischen Geschmack der jüngeren Generation, kann man glaube ich sagen, das wir alle in einem “Yellow Submarine” leben. Eines mit Wi-Fi und eines mit großem Flachbildschirm mit 24-Stunden-Pornokanal. Kinder sind immer beeinflusst von ihrer Umgebung. Unglücklicherweise stellt dies immer eine Gefahr dar. Gleichzeitig erinnere ich mich aber daran, das sich meine Eltern auch oft nach der “guten, alten Zeit” zurücksehnten. Was ich sagen möchte ist, daß es eine andauernde Rückwärtsspirale gibt und wir alle zusammen müssen dies realisieren. Zum einen, um Dinge auch “wirklich” verändern zu können. Ich hoffe, wir konnten dazu zumindest die Aufmerksamkeit einiger Leute wecken. Das Leben an sich ist schon ein schleichender Tod. Deshalb brauchen wir keine Idioten, die diesen Fakt auch noch beschleunigen.

Eure neue Scheibe hat eine sehr fette und klare Produktion. Wo habt ihr die CD aufgenommen?

Gary: Wir haben die neue CD im „Little Creek“ Studio in Gelternkinden, Schweiz aufgenommen. Produzent war unser Freund V.O. Pulver von Gurd. (Thrash Metal Band aus Basel. Anm. Marcel.)Er hatte ja auch schon unser letztes Album „Absolute Power“ produziert. V.O. hat einen super Job für uns gemacht und die „Little Creek“ Studios bieten für uns eine relaxte und entspannte Atmosphäre zum aufnehmen. Sie behandeln uns dort wie eine Familie und wir hoffen das wir dort in naher Zukunft auch noch einmal aufnehmen dürfen.

Ihr habt vor nicht all zu langer Zeit euer 20 Jähriges Jubiläum gefeiert. Habt ihr zu diesem Anlass etwas besonderes gemacht?

Gary: Wir haben zu diesem Anlass die CD/DVD „20 Years Of Hardcore“ herausgebracht, welche rückblickend alle Phasen von Pro Pain beinhaltet .Zu der Platte haben wir dann auch eine ausgedehnte Tour gespielt. Nun sind wir schon 21 Jahre am Start. Mit allen Höhen und Tiefen.

Ihr seid ja u.a. mit den Böhsen Onkelz auf Tour gewesen und habt auch einen Song von den Jungs gecovert. Und du hast ja bei der Berliner Hardcore Band „Protection Of Hate“ ein paar Guest Vocals auf der letzten CD beigesteuert. Verfolgst du was in der Deutschen Szene so abgeht und gibt es ein paar Bands die du zur Zeit gerne hörst?

Gary: Ja, wir sind nach wie vor sehr eng mit Stephan, aka „Der W“ und Gonzo von den Onkelz befreundet. Aber auch mit anderen Deutschen Bands wie Toxpack, Berserker oder auch Destruction. Deutschland hat eine sehr ehrliche und starke Szene was harte Musik betrifft. Und so kommt es auch, das es bei euch ein reichliches Angebot an sehr guten Bands gibt.

Ein Track auf der CD heißt “Zugabe”. Habt ihr diesen Song extra für eure Deutschen Fans aufgenommen oder erscheint dieser Track in der jeweiligen Landessprache wo die CD released wird?

Gary: Nein. Wir haben diesen Song extra für die deutschen Fans aufgenommen und wollen uns einfach für die Jahrelange Unterstützung bei ihnen bedanken.
Meine Mutter kommt im übrigen aus Ost Deutschland und so habe ich auch eine ganz besondere Beziehung zu eurem Land.

Sind Pro Pain eine Band die eigentlich noch regelmäßig zum üben in den Proberaum geht?

Gary: Als wir alle noch in der Gegend von New York lebten, haben wir auch regelmäßig zusammen geprobt. Heutzutage leben wir alle schon ein großes Stück voneinander entfernt, was eine gemeinsame Probe unmöglich macht. Wir proben bevor wir auf Tour gehen oder ein Album zusammen machen. Wenn man berücksichtigt was wir alle noch neben der Musik so machen, ist es so am besten und funktioniert prima.

Gary. Vielen Dank das du dir die Zeit für das Inti genommen hast. Ich hoffe wir sehen uns dann auf Tour. Das letzte Wort gehört wie immer dir!!!

Gary:Vielen dank für das Interview. Wir wünschen dir und deiner Band „Emscherkurve77“ alles gute und hoffen das wir euch alle auf der kommenden Europa Tour sehen werden. Alle Daten und Infos findet ihr auf www.pro-pain.com.Und hört euch das neue Album „Straight To The Dome“ an, welches am 9 September via Sunny Bastards erscheint. Prost, Gary!!!

Marcel