Category Archives: Studio Tagebuch

LOST BOYZ ARMY STUDIO TAGEBUCH TEIL 2

01.10.09

Der nächste Termin ist ne ganze Ecke später, bei Sven gibt’s scheinbar keine Wirtschaftskrise. Getönt wird immer, der Kalender ist voll, das Auftragsbuch auch. So ist es schon Oktober, als ich das nächste Mal mit Rene im Studio anreise. Wir sind nur zu zweit und werden das auch den ganzen Tag über bleiben, in der Woche ist es für die Kollegen nicht so leicht mit dem ausklinken aus den Jobs.
Wir gehen locker an den Start und ich sing um „drauf zu kommen“ erstmal n paar Sachen bei denen ich mir relativ sicher bin. Svens Vorschläge fürs „warm machen“, gymnastische Lockerungsübungen und einzelne Töne tröten ist mir zu albern und 0% Punkrock. Es muss so gehen. Es ging immer so. Ich bin nicht Karel Gott und das hier schließlich nicht für die Hitparade gedacht. Das schlimmste beim einsingen ist eigentlich nur der ungeheure Unterschied zum Proberaumsound. Jeder Missklang der bisher im Getöse der Kollegen versteckt wurde, ist jetzt zu hören. Bin jedes Mal erschrocken, aber daran hast du dich schnell gewöhnt. Man darf einfach nicht dran denken, dass die nebenan vielleicht gerade alle Musik runtergedreht haben und dein Gebrüll völlig nackig hören… Wenn du das alles abgelegt hast, kanns losgehen.
Wir kommen ganz gut voran und ich traue mich relativ frühzeitig an die ruhigen Songs, die erfahrungsgemäß leider nicht so mein Teil und damit auch die bei mir selber unbeliebtesten sind, zumindest, was das einsingen angeht. Deshalb will ich die schnell weghaben und natürlich solange das stimmlich noch geht. Es ist superschwer die Stimmung richtig zu treffen und ich nehm mir wieder mal vor, so was nie wieder zu machen. So gerne ich die Songs später auch höre, oder vielleicht gerade deshalb? Aber auch da geht’s eigentlich. Ich bin zum Teil überrascht wie locker die Sachen mit Svens Hilfe zusammenkommen, in der Regel ist der dritte Take der richtige, manchmal geht’s sogar schneller. Er hat eine wirklich einfühlsame Art dich auf die Songs einzustimmen und dir emotional das Optimum abzuverlangen. Sein gut gemeintes Angebot zu tunen lehnen wir allerdings ab. Auch wenn das viele Kollegen machen, sogar in Punkrockerkreisen wie man hört – ich mag die elektronisch gestylten und durchgebügelten Gesänge nicht und bin nach wie vor der Meinung, dass es auch schon mal rauh oder dünn sein darf, solange Emotion transportiert wird. Das ist das A und O. Authentizität ist wichtiger als Effekthascherei. Solln die andern machen.
Mittags gibt’s Pizza, die Stimme ist schon ganz schön am Arsch. Ich hatte mir vorgenommen alle der 15 noch offenen Songs fertig zu kriegen, oder wenigstens so viele wie möglich und ahne, dass das wohl heute nix mehr wird. Aber machen kann man leider nichts und obwohl die Pausen immer länger werden, erholt sich die Stimme am Ende nicht mehr wirklich und ich hätte auf jeden Fall weniger rauchen sollen… Wir machen ne Menge drumherum Kram und auch Rene kommt mal ans Mikro, aber das rettet alles nix. Zum Schluss n paar brüllige Sachen noch und Feierabend, mehr war nicht drin. Der Tag war unspektakulär aber anstrengend, am Ende haben wir dennoch einiges geschafft. 5 Lieder sind offen geblieben. Die plus Chöre, das müsste beim nächsten Mal drin sein. Wir fahren erst weit nach 21 Uhr mit dem Gefühl nach Hause, zwar nicht alles, aber doch viel geschafft zu haben.

24.10.09

Bis zum nächsten Mal zieht es sich dann doch wieder fast n Monat hin. Wir brennen förmlich darauf, die Sachen endlich über die Bühne zu kriegen. Langsam beginnt sich die Geschichte wie Kaugummi zu ziehen. An diesem Samstag Morgen sind außer uns 5 auch noch Stephi und Jeany dabei und wir erwarten Mittags meinen alten Kollegen Bernd, den Meister der ohohos, der einen Song mitsingen wird und uns im Chor unterstützen soll.
Es geht wieder locker los, die Songs sind relativ sicher drin. „Du“, das wir beim letzten Mal schon fertig hatten, mache ich zur Hälfte noch mal neu. Es war mir zu derbe gesungen. Als Bernd kommt, sind wir im Grunde auch fast soweit, dass wir mit ihm starten können. Direkt nach der Mittagspause (diesmal McDonalds), geht’s los. Anfangs n bisschen holprig, aber erst mal angelaufen geraten die Dinge in Fluss. Bernd ist n alter Hase. Hat zwar schon ne ganze Weile nix mehr gemacht, aber gelernt ist gelernt. Wir singen gemeinsam „Aloha heja he“ von Achim Reichel, eine erstklassige Coverversion des Schützenzeltstürmers mit nem herrlichen original Huster von Bernd am Anfang, der da so gut hinpasst, dass er einfach drinbleiben musste.
Im Anschluss geht’s direkt an die Chöre, der Zeitrahmen wird nun doch ganz schön eng. Die Liste scheint unendlich lang. Hier noch was und da, ich befürchte wir werden es heute nicht mehr schaffen. Sven ist hoch konzentriert und arbeitet mit stoischer Ruhe. Ich bin immer wieder fasziniert, wie Studioleute das machen. Rundherum Chaos, Stimmengewirr und pipapo… Irgendwo fehlt immer was – hör doch mal da und guck mal hier und Sven mittendrin mit Nerven aus Stahl sieht aus als ob es ihn alles nichts angeht. Kein Cowboy könnte cooler gucken. Er ballert Take für Take in den PC: “den bitte noch mal, das war nicht gut“ und „ja, so ungefähr mit etwas mehr Dampf bitte“ – „der war noch nichts, aber ich weiß du kannst es – noch mal bitte“ als wäre es das normalste der Welt.
Wir kriegen tatsächlich alles fertig, auch wenn’s zum Ende wirklich hektisch wird und ich stellenweise echt kein richtig gutes Gefühl dabei habe. Aber es ist nach 22°° Uhr, als wir gehen und um diese Uhrzeit werden keine Fragen mehr gestellt und viel mehr gehofft, dass der Studiomann als Profi die besseren Ohren hat.

13.12.09

Hat Sven uns vergessen? Wir stehn eine knappe Woche vorm letzten Termin und haben außer den „alten Aufnahmen“ noch nichts vom Studio gehört! Alle Gesänge vom letzten Mal und sämtliche Chöre – keiner von uns hat ne Ahnung, ob das am Ende alles ok war. Wer weiß was wir in der Hektik der letzten Aufnahmen alles vergessen haben!? Sven wollte die Aufnahmen längst schicken.
Eine Woche vor dem 13ten schreib ich ihm ne Mail. Jo. Er hat uns tatsächlich vergessen. So können wir die kompletten Aufnahmen erst 2 Tage vorm letzten Studiobesuch Probe hören. Ich bin ein bisschen angepisst, aber was soll man sagen? Er lebt nicht nur von der Lost Boyz Army und hat scheinbar richtig was um die Ohren. Dann ist kurzfristig noch ein Kollege ausgefallen… wie das eben so ist… Auch bei uns und den letzten Aufnahmetagen hat er nie so genau auf die Uhr gesehn und inzwischen schon vorgearbeitet und alles grob gemischt, wir gehen also doch nicht gänzlich unvorbereitet ans Werk. Was solls also.
Trotzdem begleiten uns gemischte Gefühle auf dem Weg zum letzten Termin, passieren kann heute alles. Aber die Zweifel sind am Ende unbegründet. Es muss zwar an nahezu jedem Lied noch geschraubt werden und ging auch nicht ohne knallharte Kompromisse (Scheiß Demokratie), aber ich denke zum Schluss sind alle ohne Bauchschmerzen wirklich zufrieden mit dem Mix. Sven hat ganze Arbeit geleistet und wieder einmal bewiesen, dass er einfach einer der Besten ist. Ich habe nichts anderes erwartet.
Die Songs klingen auf jeder Anlage fett und bissig, egal ob laut oder leise, über Kopfhörer genauso geil wie über die 22 Jahre alten originalen VW Boxen meines Golf 2 ! Sven ist ein echter Könner und hat alles gegeben – der Mix ist der krönende Abschluss von 1½ Jahren Proberaumschweiß und macht jeden einzelnen von uns auf seine Weise glücklich. Wir sind gespannt was die Sachen nun noch beim mastern gewinnen werden. Ist das überhaupt möglich?
Das Master wird uns wieder Sebastian Haitz zaubern, die Kompetenz in Person, mit dem ich schon einige Male arbeiten konnte. Er macht so was heute an und für sich nicht mehr und nur für uns ne Ausnahme, worüber ich wirklich sehr froh bin.
Parallel zu den letzten Studiotagen arbeitet inzwischen auch schon Torsten aus Dorsten, der Moloko Plus Chef himself, an der Grafik fürs CD Cover und dem Layout für die Picture LP, damit die Sachen auch fürs Auge mithalten können. :„Die Scheibe, gefällt mir bei jedem Durchlauf besser. Außerordentlich gutes Album, wirklich! Und ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass ich vielleicht ein bisschen befangen sein könnte.“ schreibt er mir. Ja, ich glaube wir haben im Vorfeld wirklich nicht zu viel versprochen.
Leider gibt’s aber auch hier einen Wermutstropfen, denn mit dem Abschließen der Aufnahmen verlässt unser Seppl die Band. Es kommt nicht überraschend, er hatte so was schon vor dem Studio angekündigt, die letzten Tage waren eine Art Bedenkzeit, nun steht der Entschluss. Seppl war als einer der Gründer vom ersten Tag der Band an dabei und hat ganz bestimmt den größten Teil der Songs zusammengetragen. Wir verdanken ihm eine Menge. Ohne ihn wären es nicht die gleichen Lieder, die L.B.Army und diese Platte überhaupt gar nicht denkbar. Sein Ausscheiden ist ein herber Verlust für die Band, den wir nicht so leicht wegstecken werden. Aber wir gehen freundschaftlich auseinander, die erste LP/CD der Army ist n guter Zeitpunkt für so was, der erste echte Höhepunkt wenn man so will. Trotzdem ist und bleibt es schade. Wir werden sehr viel arbeiten müssen, um diesen Verlust zu verpacken.
Vorerst geht es also zu viert weiter, bis wir einen passenden Ersatz gefunden haben.
Und jetzt möchte ich diese super Gelegenheit natürlich auch nutzen:
Solltest du hier gerade lesen, in der Region Ruhrgebiet / Niederrhein wohnen, dein Instrument solide beherrschen und vielleicht sogar schon Banderfahrung besitzen – dann melde dich bei uns, wenn du Bock hast mit zu machen.

Zoni für die L.B.Army, Dezember 2009

LOST BOYZ ARMY STUDIO TAGEBUCH

Dass wir uns an diesem Samstag Morgen im August um kurz vor zehn an Sven Neumanns Klangfabrique treffen, um unsere erste Platte aufzunehmen, ist alles andere als selbstverständlich. Die Band ist während des gerade mal knapp einjährigen Bestehens durch eine ganze Reihe von Krisen gegangen, in denen das vorzeitige Aus oft unvermeidlich schien. Reichlich Zoff und Diskussionen von außen, Besetzungswechsel, inzwischen bewohnen wir schon den dritten Proberaum. In diesem ersten Jahr war Euphorie mindestens ebenso oft zu Gast wie Niedergeschlagenheit und dennoch klappte immer alles irgendwie. Ohne die Hilfe unzähliger „guter Geister“ wäre das praktisch unmöglich gewesen. Und genauso wichtig war es natürlich, dass wir nie wirklich ans aufgeben dachten und so immer einen Weg finden konnten, gemeinsam was auf die Beine zu stellen. Keiner hat erwartet, dass alles reibungslos klappt. Es gibt nichts geschenkt. Das war uns allen von Anfang an klar.

Erst seit Ende letzten Jahres kann man inzwischen von einer festen Besetzung reden, die trotz aller Schwierigkeiten regelmäßig probt so oft es eben geht. Aber die Probleme reißen deshalb nicht ab. Erst muss ich zum Jahreswechsel mit einer Lungenentzündung für mehrere Wochen ins Krankenhaus. Meine ohnehin schon angegriffene Lunge erholt sich nur schleppend und noch heute sind Hustenanfälle ein fester Bestandteil jeder Bandprobe. Dann wird es für Seppl zeitlich immer schwieriger regelmäßig zu proben. Da treffen wir uns zu viert weiter, versuchen das Beste draus zu machen und halten ihn per Internet auf dem laufenden. Als Rene sich bei einem Unfall so kompliziert das Schlüsselbein bricht, dass er verschraubt und verdrahtet werden muss, spielt er im sitzen weiter, um nur keine Zeit zu verlieren …

Es gab wirklich reichlich Hürden zu überwinden Freunde. Und trotzdem stehen heute 17 Songs auf dem Zettel. 16 eigene Lieder und ein Cover, das für die Punk Chartbusters Reihe von Wolverine aufgenommen werden soll. 17 Songs, die wir sogar extra noch vorproduziert haben, um im Studio sicherer arbeiten zu können. Eine wirklich stolze Leistung, nach all dem Stress der vergangenen Monate.

Weil wir für die Aufnahmen leider nicht gemeinsam frei kriegen konnten, haben wir uns darauf verständigt, an mehreren Wochenenden hintereinander aufzunehmen. Das war der Vorschlag vom Studio, ein Verfahren, dass für mich selber völlig neu ist und dem ich deshalb anfangs etwas skeptisch gegenüber stand. Aber es hat auch eine ganze Reihe Vorteile, die mich am Ende überzeugen konnten. Wir sparen uns viel nervtötende Langeweile, die jeden Studioaufenthalt spätestens ab dem dritten und vierten Tag unerträglich macht. Die ganze Geschichte wird stressfreier. Du kommst an jedem Wochenende mit frischen Ohren gut gelaunt angereist und fährst wieder ab, bevor es öde wird einander zu zuhören. Im Gegenteil, man freut sich die Woche über voll drauf. Außerdem kann sich jeder mit den neuen Aufnahmen aufs kommende Wochenende und seinen eigenen Einsatz vorbereiten. Fragt sich nur: Warum haben wir das nicht schon immer so gemacht?

Sicher wird es insgesamt länger dauern bis alles im Kasten ist, aber die Platte ist ohnehin erst für den Januar geplant. Wir haben also keinerlei Eile, sondern alle Zeit der Welt, selbst wenn noch tausend Sachen schief gehen sollten…

22./23.08.09

Als ich (Zoni, voc) mit David (git) und Rene (bs) am Studio eintreffe, sind Andre (dr) und Seppl (git) schon am Start. Seppl mit lila Wohnmobil, er wird über Nacht in Lohmar bleiben. Wir tragen die Sachen rein und machen Kaffee, Andre und Sven bauen das Schlagzeug auf. Die Beiden haben sofort n guten Draht zueinander gefunden, das A und O für eine solide Zusammenarbeit.

Sven Neumanns Klangfabrique stand auf meinem Wunschzettel. Hier hab ich mit VJ die letzten drei Platten aufgenommen. Nach meiner Meinung vom Sound her die besten VJ Sachen, so also auch Svens beste Empfehlung. Er ist ein absolut angenehmer Mensch mit sagenhafter Kompetenz in seinem Fach, der dir auch schon mal gerade raus sagt, dass das Riff, an dem du vielleicht wochenlang gearbeitet hast, tonal totale Scheiße ist. Sven ist in jeder Situation die Ruhe selbst, hat immer irgendeinen Spruch parat und sprüht vor glänzenden Ideen. So ist es auch an diesem Morgen, die Band wird schnell warm mit ihm und die erste Nervosität legt sich langsam.

Wir spielen keine „klassischen“ Piloten ein, sondern vereinfachen alles. Andre trommelt die Songs aus dem Gedächtnis nach Metronom, zur Orientierung spielen abwechselnd Seppl und David ne Gitarre dazu und wenn’s sein muss singe ich auch mal ein Stück mit. Das klappt hervorragend und spart enorm viel Zeit. Andre hat die Lieder auf unserer Liste in drei Kategorien unterteilt. Ein Plus bedeutet leicht, ein Kreis „geht so“, ein Minus steht für schwierig. So tasten wir uns langsam vor. Erst mal ein paar leichte um sicherer zu werden, dann was schwieriges. Es kann auch schon mal sein, dass ein Song trotz des Plus davor mehrere Anläufe braucht und einer mit Kreis im ersten Durchgang perfekt klappt. Nichts ist unmöglich. Andre schwitzt sich die Seele aus dem Leib und fängt auch schon n bisschen an zu riechen, aber am Abend unseres ersten Studiotages hat er mehr als die Hälfte der Takes im Sack und ist sichtlich stolz auf seine Sonderleistung. Dabei spielt er alles andere als ein 08/15 Schlagzeug, sondern sehr phantasievoll, dicht und abwechslungsreich. Man merkt ihm seine Erfahrung an und auch, dass er sich sehr gut vorbereitet hat. Ich hatte nichts anderes erwartet. Das Schlagzeug ballert schon jetzt beeindruckend, die Toms wummern gewaltig. Wir sind baff. „Aber warte erst mal ab, bis ich das gemischt habe“ meint Sven mit einem Grinsen.

Wir fahren mit dem guten Gefühl nach Hause, sehr viel geschafft zu haben.

Am Sonntag treffen wir drei wieder als letzte ein, Andre ist schon vor Ort und Seppl frühstückt gerade in der lila Kuh. Es geht genauso locker wie am Vortag ab, wir haben lange nicht mehr so viel gelacht. Andre spielt den Rest der Songs runter. Perfekt. Der Vortag steckt ihm zwar noch in den Knochen, gibt aber auch reichlich Rückenwind und so erreicht er stolz sein Ziel, vorfristig fertig zu werden. Wir haben sehr viel Spaß in den Backen und entspannen uns mehr und mehr.

Danach geht sofort Rene an den Start. Eigentlich spielt er Gitarre, extra für die Army ist er an den Bass gewechselt und das ist gerade mal etwas mehr als ein halbes Jahr her. Rene hat außer dem kurzen Besuch beim AMP in Duisburg für den Tribute to Slime Sampler, keinerlei Studioerfahrung. Er ist sichtlich nervös, hat sich aber auch spürbar gut vorbereitet. Er macht seine Sache super, fährt rundum reichlich Lob ein und wird so schnell warm und von Lied zu Lied sicherer. Er hat ganz offensichtlich viel geübt, und das nicht nur im Proberaum, denn diese Routine gibt’s nicht geschenkt. Es macht richtig Spaß zu zugucken wie er sich mehr und mehr zutraut. Studiomann Sven, von Hause aus ebenfalls Bassist, ehemals bei Donald Dark, heute bei C – Mones und zwischendurch sicher in zig anderen Formationen, hat reihenweise Tipps auf Lager und spart nicht mit Ratschlägen.. Die Beiden verstehn sich.

Als wir am Sonntag Abend aufbrechen, sind alle Schlagzeug Takes fertig + 4 Songs Bass im Kasten. 60 % mehr als er erwartet hat, sagt Sven. Wir sind stolz wie Oskar und brennen schon aufs nächste Wochenende.

29./30.08.09

Ich kann am Samstag leider nicht dabei sein. Habe am Freitag Nachtschicht und penne danach den halben Tag, nachmittags noch die 110 km nach Lohmar zu fahren lohnt den Weg nicht. Seppl macht Urlaub im Spreewald. Aber Andre, Rene und David kommen auch alleine sehr gut zurecht. Rene ballert seine Bässe ein und kommt wieder, wie am letzten Wochenende, sehr gut voran. Der anfängliche Plan, von Titel zu Titel abwechselnd Bass und Gitarre aufzunehmen um sich gegenseitig Pausen zu verschaffen, wurde jedoch schnell wieder fallen gelassen. Zu viel Aufwand und Checkerei, es behindert mehr als es entlastet. Dennoch hat der Versuch für einen ersten fertigen Song gereicht und sie haben sich auf den Gitarrensound geeinigt. Ein Mix aus Engl, Marshall und Ommas Röhrenradio, der bratzig und breit und richtig schön nach Gitarre klingt. Auch schon mal sehr viel wert. Zum Feierabend fehlen bei Rene nur noch 4 Songs und die drei fahren hochzufrieden nach Hause.

Sonntags bin ich wieder mit am Start, dafür bleibt Andre heute zu Hause. In Dinslaken sind DIN Tage, so ne Art Volksfest und alljährliches Großereignis für die Region. Außerdem wird heute in ganz NRW gewählt. Aber das alles interessiert uns nicht. Was zählt sind die Kreuze auf unserer Liste, hinter Renes Namen sind noch 4 Felder offen. Die hatter gegen Mittag weggeputzt und nun geht David nahtlos an den Start, der Sound steht ja bereits.

Für ihn ist es, genau wie bei Rene, nach dem kurzen AMP Besuch der erste wirkliche Studioaufenthalt. Das macht sicher Druck. Trotzdem, dieser hier ist kein Vergleich mehr mit dem David, der irgendwann Ende letzten Jahres im Oberhausener Bunker schüchtern und unsicher vorgespielt hat. Er muss sagenhaft viel gearbeitet haben. Dieser David hier, und der von „damals“, dass ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, auch wenn er an der Gitarre bestimmt noch einen weiten Weg vor sich hat. Trotzdem merkt man ihm keinerlei Nervosität oder so an. Er ballert seine Sachen locker runter und scheint die Ruhe selbst. Anfangs klingt es hier und da noch n bisschen wacklig, aber er kommt mit der Zeit immer besser zurecht und bald sehr flott vorwärts. Dann gibt’s zwischendurch noch mal n paar Probleme mit dem Sound, die sich keiner so richtig erklären kann, aber nach dem hier und da n bisschen rumprobiert, geschraubt, gedreht und neu justiert worden ist, haben wieder ein ordentliches Brett am Start.

Als wir abends aufbrechen, hat David 8 Songs eingespielt. Eine solide Leistung, die sich sehen lassen kann und die gute Bilanz der Band insgesamt fortsetzt. Wir können absolut zufrieden sein und hoffen, das Tempo so beibehalten zu können.

05./06.09.09

Für mich heißt es Samstags wieder Auszeit. Kindergeburtstag, Nele wird heute 4. Das ist wichtiger als jedes Studio. David ist bei der Feuerwehr und Andre auch irgendwo, keine Ahnung. Aber Seppl und Rene sind in Lohmar am Start. Und als Gast an diesem Wochenende außerdem noch Lennart, Sepps Bandkollege von 180 GRAD.

Es gibt keine erwähnenswerten Probleme, Seppl ist routiniert und studioerfahren. Er kloppt seine Sachen locker von der Stange. Ich hab nichts anderes erwartet. „Feierabend. 11 Songs im Kasten“ – schreibt er abends per sms. Sehr schön. Die drei verbringen die Nacht feucht fröhlich im lila Bulli. Scheiß drauf was die Leute denken…

Sonntags sind wir dann wieder alle komplett dabei. Rene noch etwas verpeilt/verkatert, dafür mit reichlich Unterhaltungswert. Sepp scheppert ohne große Schwierigkeiten seinen Rest zusammen. Grundsolide Arbeit + ein paar kleine aber sehr schöne nette Überraschungen an der Gitarre, er ist mit Recht sichtlich stolz auf seine Arbeit. Die Songs nehmen jetzt mehr und mehr Gestalt an, es knallt zum Teil gewaltig. Das zuhören macht schon richtig Spaß und auch Lennart gefällts sehr gut. Aber er sitzt nicht nur dabei. Lennart ist wach und mittendrin, passt auf wie’n Schiesshund, hört selbst die kleinsten Fehler. Diskutiert und lobt und grübelt mit. Sehr schön. Wirklich. Witziges Detail: Ausgerechnet der Titel, der bisher das „Stiefkind“ der kompletten Band war, ist der Song der ihm am besten gefällt. Zumindest so wie er ihn bisher gehört hat. „Sing mir das Lied bloß nicht kaputt“ sagt er, als wir uns verabschieden.

12./13.09.09

Am Samstag fehlt nur Andre. Keine Ahnung wo der sich wieder rumtreibt. Wir wollen heute noch einen Rest von Davids Gitarren erledigen und den Coversong angreifen. Heute ist der Tag an dem alle aufgeschobenen Titel fertig werden sollen. Es könnte haarig werden. Es wird haarig. Der Tag gestaltet sich schwieriger als wir dachten, die Sachen ziehn sich, es gibt Momente in denen keiner wirklich weiter weiß und wir uns langsam durch die Lieder tasten müssen, um den Faden nicht zu verlieren. Gut das Seppl dabei ist, mit seiner Hilfe kriegen wir am Ende doch noch so einigermaßen die Kurve. Das Ergebnis überzeugt und ich denke, am Ende war es die Mühe wert. Bestimmt.

Mittags kommt Mecko vorbei. Wir haben uns schon ewig nicht mehr gesehen, die Kollegen kennt er noch gar nicht. Es wird dann doch noch n ganz witziger Tag, David ist mit allem durch und Seppl beginnt mit den Melodie und Sologitarren. Sind ein paar wirklich traumhafte Sachen dabei. Ich hab keine Ahnung wo er das mit einmal alles herzaubert.

Wir trennen uns erst sehr spät und hatten keine Mittagspause, alle wirken irgendwie kaputt und abgespannt. Ich glaube dieser war der bisher schwierigste und bestimmt auch nervigste Studiotag.

Mecko pennt bei mir, der Abend klingt gemütlich mit viel Gelaber über alte und neue Zeiten bei ein paar Bieren aus, nachts teilt er sich das Sofa mit unserem Hund. Morgens fahren wir zu zweit nach Lohmar, David fährt mit Rene vor, er will heute seine Anlage nach Hause holen, dafür braucht er im Wagen Platz. Seppl hat wieder im Lilalaunebus in Lohmar übernachtet und die Kamera dabei gehabt. Ich bin gespannt was dabei rausgekommen ist.

Mecko und ich sind die letzten die im Studio ankommen. Die Kollegen bereits am arbeiten, bzw zugucken, Kaffee ist fertig, alles bestens.

Seppl sitzt im Aufnahmeraum und zaubert Melodien und Solos, Andre und ich hören zu. Mecko und Rene diskutieren im Aufenthaltsraum scheinbar endlos und unerschöpflich über Gott, die Welt und Punkrock nebst Szene natürlich. Genug Gesprächsstoff um Wochen zu füllen. David liegt in irgendeiner Ecke. Er war gestern Nacht unterwegs, man sieht ihm die Strapazen an. So schleichen sich die Stunden bis zur Mittagspause dahin. Alle hängen irgendwie durch heute, der Tag gestern hat ganz schön geschlaucht.

Wir verdauen gerade die Mittags – Pizza, als Christian und Sunny Bastards reinschneien. Jo, lange nicht mehr gesehen und pipapo. Großes Hallo und so, unser Label Chef hat n Kasten Bier dabei und Sunny verteilt Cheeseburger. Danach wird der neueste Szenetratsch getauscht. Ich bin immer wieder verwundert, wie viele Sachen in letzter Zeit völlig an mir vorbeigehen und es ist trotzdem nach wie vor witzig zu hören, was die Leute so treiben und von sich geben. Vor allem wenn man die Köppe schon über so viele Jahre kennt. Wir lachen drüber, auch wenn’s manchmal zum weinen ist.

Gemeinsam mit Mecko und den Bastards wird dann der Schlachtplan in Sachen „VMK negativ“ geschmiedet, wir hören in die Songs rein und klären die letzten Fragen. Ich glaube den Beiden gefallen die Lieder. Auch das Demo hatte schon begeistert. Christian sagt, es sind ne ganze Reihe Sachen dabei, die er bei den letzten VJ Produktionen sehr vermisst hat. Das geht natürlich runter wie Öl.

Seppl schließt mit den Solos sichtlich erleichtert seine Session ab. Es kann gesungen werden. Wenigstens noch ein zwei Songs oder so, es ist schon ganz schön spät.

Am Samstag hatten wir schon verschiedene Mikros ausprobiert und alles aufgebaut, es kann sofort losgehen. Wir beginnen mit „Eine Armee“, das ist einer unserer ersten Songs gewesen, nach ner Idee von Sepp und noch im Raum von Cotzraiz in Wesel entstanden. Guter Song, wird vermutlich der Opener der Platte werden. Eines der Lieder, die Christian vorhin meinte. Der Titel geht gerade und schnörkellos nach vorne. Davids Lieblingslied. Wir kommen ganz gut zurecht und einigen uns schnell mit meinem Gesinge, danach gehen Sepp und Rene an den Start, der Song ist fix im Sack. Es geht weiter mit „Vergiss nie“. Gleiche Liga. Schnell, hart und präzise, ein wunderschönes Solo in der Mitte, der Gesang ist hier der pure Hass. Auch ein älterer Song. Sepp mit der zweiten Stimme, fertig. Wir machen Feierabend.

Eben noch bouncen und brennen, wir verabschieden uns vorerst auf ungewisse Zeit. Den nächsten Termin klären wir per Email, ich denke es geht frühestens zum Monatsende weiter. Vielleicht fahr ich vorher mal alleine zum singen nach Lohmar. Auf dem Rückweg mit Rene im Auto hören wir unsere Aufnahmen und sind beide so begeistert, dass wir glatt die Abfahrt verpassen. Kleiner Umweg über Gladbeck, kein Problem. Hauptsache wir sind mit „VMK negativ“ auf dem richtigen Weg.