Category Archives: Interviews S-Z

The Sideburns – Our Passion 7″ EP ( 25.08.2017)

(Steeltown Records / www.steeltownrecords.de)
The Sideburns aus St. Petersburg in Russland (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Skakapelle aus Japan)klingen abgesehen von den etwas kruden, mit starkem Akzent vorgetragenen Texten sehr oldschoolig, nach späten 70er Jahren, Bootboy  Streetpunk Fusion, sehr viel Attitüde, sehr dreckige, klirrende Gitarren, sehr dreckiger Frontgesang . Alle 4 Tracks mehr oder weniger uptempo  im chorus gerne mehrstimmig, und trotzdem insgesamt recht einfach gehalten, ein wenig wie ein anti nowhere leaque /Business-Hybrid  – alles wie aus dem Biderbuch, wobei der Zauber bei Stücken wie „clockwork nightmare“ schon leicht verfliegt, wenn man den Titeltrack „our passion“ noch im Ohr hat.  Trotzdem: Wenn die Band das auf der Bühne halten kann, was sie auf dieser Ep verspricht, ist das völlig in Ordnung und ich denke, man kann eine Menge Spaß haben mit der Truppe. Vielleicht könnte man hier und da ein wenig am Songwriting arbeiten, aber was solls? Es is Punkrock und gemeint isses ja richtig. Musikalisch gibt’s hier kaum groß was zu beanstanden aber so richtig packt mich solche Musik, wie schon an anderer Stelle bemerkt eher auf dem Konzert als hier am Schreibtisch. Solide. 3+…..vom Schreibtisch aus……..Kai

SONDASCHULE Interview (23.08.2015)

SONDASCHULE hat für mich mit Ihrem neuen Album „Schön Kaputt“ das bisher, beste Deutsche Album rausgehauzen. Es gibt nicht einen Aussetzer auf der CD, hat Ohrwürmer ohne Ende und ist der perfekte Soundtrack zum Sommer. Ich führte mit Sänger „Costa“ ein kleines Interview per Mail über das neue Album. FRANK

Moin Tim,
euer neues Baby liegt seit knapp 2 Wochen (Stand des Interviewbeginns war der 09. August) jetzt in den Läden und was man so den Medien entnehmen kann und hört, scheint das Album ja „Bombenmäßig“ eingeschlagen zu sein.Hattet ihr mit diesem Erfolg in dieser doch erst recht kurzen Zeit gerechnet? Wie habt ihr die bisherige Zeit, seit des Releases wahr genommen?

Sonda_Rodeo_Prints_09Wir haben nie mit irgendwas gerechnet, wir lassen alles einfach auf uns zu kommen. Trotzdem freuen uns natürlich sehr darüber was grade passiert.
Aber im Endeffekt hat sich für uns persönlich nichts geändert. Wir hängen immer noch zusammen im Proberaum rum, waren grade von Mittwoch bis Sonntag auf Festivaltour und müssen jetzt erstmal unseren Kater auskurieren. Seit 2 Wochen läuft alles einfach ab wie ein Film und Couch wär mal wieder was schönes!

Im Gegensatz zum letzten Release, habt ihr ja kein Major Label mehr im Rücken, sondern habt den Weg wieder Back to the Roots gewählt und habt alles in Eigenregie übernommen. Gab es einen bestimmten Grund, den Major zu verlassen? Schließlich ist so eine D.I.Y. Produktion mit verdammt viel Arbeit & Energie verbunden.

Das stimmt, es ist sehr viel mehr Arbeit sich um alles selbst zu kümmern. Aber es war eine ganz bewusste Entscheidung von uns und wir haben sie im Nachhinein absolut nicht bereut. Uns ist über die Jahre einfach bewusst geworden, keiner kann sich besser um Deine Wünsche und Deine Zukunft kümmern, als Du selbst. Herzblut, Ehrgeiz und Überzeugung ist gefragt! Wenn man mit einem „Major“ im Boot sitzt, hat man sehr viele Vorteile – weiche Sitzkissen,  die Kantine ist immer voll und es gibt Geld im Voraus, aber dennoch wollten wir in diesem Boot nicht mehr mitfahren. Denn wer alles bezahlt, ist klar – will natürlich hier und da auch ein Mitspracherecht haben und z.B. die Farbe der Sitzkissen bestimmen etc.. das wollen wir aber nicht. Unsere Musik, unsere Meinung – der Rest geht uns am …. vorbei.

Zur normaler CD gab es noch ein schönes Bündle in Form von Shirt / CD / DVD und Gimmicks. Die 1000 Stück, die es gab, waren ja ruckzuck vergriffen. Wird es bei dieser limitierung bleiben oder habt Ihr Mitleid mit Fans, die zu spät kamen und haut noch ´ne kleine Auflage hinterher? Und WARUM!!!!!!! kein VINYL??????

DSC01069Es wird bei den 1000 Boxen bleiben! So haben wir es angekündigt und so bleibt es auch. Ich finde es wäre auch ziemlich Asi den Hardcorefans etwas limitiert anzubieten, wenn man es nachher dann doch wieder alles genau so bekommen kann. Und zu der Vinyl Frage – da wir alles selber finanziert haben, war dafür einfach nicht genug Geld da. So einfach ist das manchmal. Leider…

Und wenn jetzt ein Label käme und das Vinyl von/mit Euch releasen möchte?
Auch dann nicht. Das machen wir, wenn überhaupt, schon selber. Mal sehen was noch so kommt. Vielleicht machen wir ja noch eine Kleinauflage für Sammler oder sowas. Oder das nächste Album kommt auf Vinyl. Mal sehen…

Ein Album in Eigenregie heisst ja auch „noch mehr Promoarbeit“ leisten zu müssen. Wenn Ich mir so die FB Einträge anschaue, warst du samt Begleitung in der ganzen Republik unterwegs, um Interviews zu geben, was für mich, nach einem sehr straffen Zeitplan aussah. Ist nicht immer cool, auf die Uhr gucken zu müssen, oder?

Wir haben in 5 Tagen – 18 Radio und Fernsehtermine gehabt, welche insgesamt über 4.000 Kilometer auseinander lagen. Da hast Du mit Deiner Einschätzung „straffer Zeitplan“ schon sehr recht. Grade zu den Feierabendverkehrs-Zeiten kamen wir schonmal ins schwitzen, aber dank des schnellen Fahrzeugs und unserer charmanten Fahrweise, sind wir tatsächlich nicht einmal zu spät gekommen. Hehe, das Glück ist mit die Dummen.

Die absolute Geilheit war ja wohl euer Akkustik Set im Mülheimer Mediamarkt, von dem, selbst Ich „alter Hase“ total geflasht war. Hunderte von Fans verwandelten den MM in eine Sauna und euer knapp 30 Minütiges Set wurde frenetisch abgefeiert. Habt Ihr mit dieser Resonanz insgeheim gerechnet, obwohl Ihr ja eigentlich nie „richtig“ Akkustisch auftreten wolltet? Wie kam dieser spontane Gig zustande und wie kam der Auftritt bei den Leuten vom MM an?

Die Idee kam uns eine Woche vorher beim Bier trinken mit unserem alten Kumpel Joost, in dessen Studio wir 2005 das Rambazamba-Album aufgenommen haben. Er arbeitet, seitdem er 16 ist, nebenbei im Media Markt Mülheim und meinte mit 2 Promille im Kopf, das es doch ne super Idee wäre zum Release so etwas zu machen – Zitat: „Dann ist endlich mal Action bei mir auf der Arbeit“ Am nächsten Tag hat er seine Chefin zu einer kleinen Autogrammstunde mit 3 Liedern auf einer Akustikgitarre überredet und die Sache stand. Womit die Chefin allerdings nicht gerechnet hatte, waren die 500 Leute, die gefühlt jeder eine halbe Kiste intus, oder dabei hatte – und der Einkaufswagen voller Spirituosen war ihr glaube ich ein wenig Suspekt. Aber nach dem Konzert waren alle glücklich und zufrieden und der Media Markt um mehr als 100 Euro Pfand reicher!!

Dann lass uns mal kurz auf das neue Album zu sprechen kommen. Selten hat mich ein Album so schnell in den Bann gezogen und Ich musste, nach dem ersten Hören“, einfach an die „alten“ Sondaschule Zeiten denken, als man alles kurz und bündig auf dem Punkt brachte, ohne lang zu überlegen. Ein bewusstes „Back to the Roots“?

Auf jeden Fall! Wir wollten diesmal in straightes Album ohne viel „Studioglamour“, dem wir in der Vergangenheit teilweise verfallen sind, machen. Daher haben wir ganz bewusst wieder mehr Wert auf uns und unsere Instrumente statt auf Computersounds und neue Einflüsse gesetzt. Wir haben uns auf unsere Stärken konzentriert die Verstärker wieder ein bisschen lauter gedreht als bei den Platten davor.Am wichtigsten war uns auf jeden Fall, das alle neuen Lieder absolut livetauglich sind. Das war auch bei den ersten beiden Alben die Herangehensweise und hatte sich ja damals auch bewehrt. Und so wie ich es bisher live mitbekomm, denke ich – ist uns das ganz gut gelungen.

Wie viele und welche Songs vom neuen Album schaffen es ins neue Live Set?

Alle!

Wow! Das machen nicht viele Bands, aber da auf dieser Scheibe ja eh nur Hits drauf sind, werden die auch 100% Live funktionieren. Was mir auf der neuen Scheibe auch auffiel, ist die Verbundenheit zur Heimat, was ja in einigen Songs sehr deutlich raushörbar ist. Ich bin ja auch ein 100% Kohlenpottkind und würde selbst dann hier nicht weg ziehen, wenn Ich Millionen hätte. „Was genau“ verbindet Euch mit dem Ruhrpott?

Eine gute Frage, die ich mir nachdem die Platte jetzt fertig ist immer wieder stellen muss, da sie in bisher jedem Interview vorkam. Um ehrlich zu sein habe ich da vorher gar nicht drüber nachgedacht. Ich habe einfach, wie sonst auch immer, Lieder geschrieben und am Ende hatten wir ein Album fertig, wo zum ersten mal gleich 3 Lieder mit Ruhrpott-Thematik vertreten sind. Auf dem Album „von A bis B“ gab es ja mit „Strand um Ruhrgebiet“ einen ersten Song in diese Richtung. Der Song ist seiner Zeit auch einfach aus dem Bauch heraus entstanden, ohne im entferntesten daran zu denken jetzt eine Ruhrpott-Hymne schreiben zu müssen. Bei uns entsteht generell alles aus dem Bauch heraus. Ich denke die hörbare Verbundenheit zum Ruhrgebiet ist daher eher unterbewusst und kein geplanter, glorifizierender Lokalpatriotismus. Wir leben einfach gerne hier und singen übers Leben. Da wird natürlich auch unser Umfeld in der ein oder anderen Zeile verpackt. Wir sind hier geboren und werden wohl, wenn nichts unvorhersehbares passiert, alle irgendwann hier sterben. Und das ist gut so, aber irgendwie auch egal…Wir sind nicht stolz darauf hier her zu kommen, wir mögen es einfach.

Als ich mir die DVD ansah, die dem Bundle beilag, sah Ich, das Du sehr akkurat die Aufnahmen beobachtest, Anweisungen gabst, ect. Kann man dich als Produzent sehen und wie lief die Arbeit zur aktuellen Scheibe? Wie lange habt ihr gebraucht, um alles aufzunehmen und wer bediente die Regler während der Aufnahmen?

Sondaschule_04Die Aufnahmen für das aktuelle Album haben insgesamt ca. ein Jahr gedauert, wobei wir in diesem Jahr auch mindestens 9 Monate nicht im Studio waren. Daher betrug die reine Arbeits- und Aufnahmezeit eigentlich nur 3 Monate. Wie die Arbeit bei uns im Studio abläuft, kann man wie Du schon sagst, sehr gut auf unserer DVD sehen. Wir haben das Glück, das wir uns 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag in ein High-End Studio einschließen können, ohne dabei auf die Uhr sehen zu müssen. Daher fahren wir immer mal wieder ins Studio und bleiben so lange wir kreativen Output haben, wenn nichts mehr geht – fahren wir halt wieder nach Hause und kommen 2 Wochen später wieder. Das ist eine sehr angenehme und entspannte Arbeitsweise, denn so entsteht kein Druck auf den Punkt kreativ sein zu müssen. An den Reglern hatten wir diesmal Unterstützung von Defy und The Leach, zwei ganz tollen Menschen, die gefühlt sofort unser fünfter Beatle geworden sind. Nachdem ich das letzte Album komplett selbst an den Reglern saß, war es für mich natürlich eine große Hilfe. So konnte ich mich noch freier auf die gesamte Produktion einlassen und musste nicht mehr auf die vielen wichtigen Kleinigkeit beim Aufnahmeprozess achten. Gemischt wurde das Album, genau wie der Vorgänger von unserem Live-Tontechniker Sebastian Blaschke. Cause never change a winning Team.

24 Stunden amTag / 7 Tage inner Woche ins Studio, ohne auf die Uhr gucken zu müssen? Heißt dass, das Ihr ein eigenes Studio am Start habt? Rück doch mal bitte ein paar nähere Infos diesbezüglich raus.

Wenn ich Dir Infos diesbezüglich geben würde, müsste ich Dich töten bevor dieses Interview online geht! *Räusper* Sorry, gestern wohl zu lange wach gewesen. ;) Um deine Frage zu beantworten, ja – wir haben die Möglichkeit das Studio von einem sehr guten Freund, jeder Zeit zu nutzen. Er feiert SONDASCHULE seit 2006 und unterstützt uns seitdem wo er kann. Ganz egal ob jetzt ein Label wie Sony/Bmg dahinter stand, wo es natürlich einen Vorschuss für das Studio gab, oder wie im Fall der neuen Platte – wo man vorher halt nichtmal weiß, ob im Nachhinein überhaupt Geld fürs Studio dabei rausspringt. Daher an dieser Stelle ein ganz dickes DANKE für das Vertrauen!!

Dann lass uns zum Abschluss noch über die kommende Tour sprechen, die euch ja im November und Dezember queer durch die Republik führen wird. Hätte es nicht Sinn gemacht, direkt ein paar Wochen nach CD Release auf Tour zu gehen? Oder ist das mit Absicht so weit nach hinten gezogen worden?

Wir haben es mit Absicht so weit nach hinten gezogen. Da wir jetzt unser eigener Chef sind, sitzt uns niemand mehr im Nacken, der uns unbedingt so schnell wie möglich auf Tour schicken will. Daher haben wir uns entschieden erstmal nur die Festivals zu spielen, dann das Album zu veröffentlichen und nachdem alle das Album verinnerlicht haben, Ende des Jahres auf Tour zu gehen. Ich denke das macht auch am meisten Sinn für die Besucher der Konzerte und ist dann auch ein schöner Jahresabschluss für uns.

Dann wünsche Ich Euch viel Spass und Erfolg auf der Tour. Noch abschließende Worte?

Nein. Danke

SOIFASS INTERVIEW (27.06.2015)

294378-empStellt euch mal vor, wie kam es dazu, dass ihr zusammen Musik macht? Wie würdet ihr euren Stil beschreiben??

Viktor: das ist leider zu lange her um sich daran noch erinnern zu können…aber neben Fabi gibts noch nen Gitarristen Namens Danilo und nen Basser called Stino.
Fabi: Also mich hat Viktor Angerufen, dann wollten wir uns treffen aber er musste zum Elternabend, ditt is so bei uns Punks, ne Woche später war dann unsere erste gemeinsame Probe und am nächsten Tag hab ich direkt meinen Job gekündigt! Dann hatt er mir die Welt des Glam-Oi! Gezeigt und das hat mich einfach gefesselt!

Was und wen wollt ihr mit eurer Musik erreichen?

V: Wir sind da ziemlich Egoistisch und machen das einzig und allein weil es Spaß macht. Da unsere Musik hingegen jendoch einigen Leuten zu gefallen scheint, Klappt das mit dem Spaß wiederum umso besser. Einen großen Masterplan oder gar die Weltherrschaft an uns zu reißen steht jedoch nicht auf unserer Todo Liste

Würdet ihr sagen, dass eure Musik sich in den letzten Jahren verändert bzw. weiterentwickelt hat? Wie kam es eigentlich dazu, dass ihr das Label gewechselt habt?
V: Unsere Musik hat sich eigentlich wenig verändert, dafür aber unsere Geschmäcker, von einem gewissen Grundstil kommen also nicht mehr weg, können aber hin und wieder neue Noten mit einbringen. F: Wir haben uns wirklich gut entwickelt aber eben rückwärts!

Ich hab mir mal n paar Titel ausgesucht, beschreibt doch mal diese Songs jeweils mit ein paar Sätzen. Habt ihr einen Favoriten auf eurem neuen Album?

„Grossstadtwahnsinn“ – wettert natürlich in erster Linie gegen die Gentrifizierung ohne aber den Anspruch für sich behaupten zu wollen dagegen irgendetwas tun zu können. Statt dessen verteilen wir hier Seitenhiebe auf uns und auch die Szene generell, die ja nichts desto trotz ganz gut an allem profitiert -> siehe Myfest
„Dein Leben im Schein“ – Siehe Frage 7
„Ein Leben lang“ – Ehrliche Liebeslieder gibts viel zu wenige!
„Gehisste Segel“ – Traurige Trinklieder gibts auch viel zu wenige

Wer von euch schreibt die Texte? Wann hast du/ ihr mit dem Songwriting begonnen? Woraus ziehst du/ihr deine/eure Inspiration?

hqdefaultViktor: meistens ich. Die Inspirations zieht man natürlich aus Geschichten die einem das Leben selbst oder eben guten Bekannten spielt. Selten mit einer Auflösung oder Happy End aber doch meistens mit nen Funken Hoffnung.

Was sagt ihr zu Deutschrock und dazu, dass sie diese Szene rasend schnell vergrößert und es einen regelerechten Hype um Deutschrock gibt? Würdet ihr zusammen mit na Band wie beispielsweise den Vorzeige-Deutschrockern aus Südtirol die Bühne teilen? Oder diese boykottieren aufgrund ihres politischen Rufs?

Viktor: Siehe Frage 5: Ob wir mit Frei Wild spielen würden? Nein natürlich nicht. Ihr politischer Ruf ist da auch völlig unerheblich, denn spätestens seit dem es bei denen ums Kohle scheffeln geht, nehme ich denen sogar ab, daß sie mit ihrerer Vergangenheit abgeschlossen haben.
Aber auch sonst haben wir mit denen nichts gemein. Das sind keine Punks, das sind keine Skins oder Hardcore Kids. Wir teilen keine Ideale und damit auch nicht die Bühne – So einfach ist das manchmal.
F: Deutschrock is nich mein ding, ditt is größtenteils so wischi waschi Hausfrauen Rock ohne wirklich was zu sagen! Ausserdem geht mir diese wir-gegen-alle-opfer mentalität aufn sack. Das zieht denke ich auch mitunter diese politischen kleingeister an! Das sollte auch den zweiten teil deiner frage beantworten!

Ihr habt den Auftritt beim diesjährigen Rockpütt abgesagt, wie kam es dazu?

Da wir ein paar Wochen früher beim Sunnybastards Festival gespielt haben und das dann zeittechnisch zu viel für uns war, bedeutet halt doch für uns nen ganzes Wochenende auf der Autobahn pro Gig Außerdem hatte sich das Line Up nach mehreren Änderungen in eine seltsame Richtung entwickelt!

Apropos, was sagt ihr zu Politik? Was ist eure Meinung zu Pegida und die diversen Ableger?

V: Pegida? Wie soll man das in zwei, drei Worte packen und der ganzen Sache damit gerecht werden!? Naja eigentlich reicht ja eins: Nichts! Die Welt ist ein einziges Pulverfass und jeder in diesem Land sollte sich zunächst erstmal glücklich schätzen in Frieden leben zu können und dieses widerum auch jedem Anderen zu gönnen.
F: Ich glaube eigentlich das da viele Leute mitlaufen die ansich das richtige wollen! Das Problem is das sie von irgendwelchen Rassistischen Arschlöchern Flüchtlinge oder den Islam als Feind und schuldigen vorgesetzt bekommen und leider dumm genug sind das auch noch zu fressen.

Was sind eure Pläne für 2015?

Spielen

Mit wem würdet ihr gerne mal zusammen spielen/ Songs aufnehmen? Was sind eure musikalischen Vorbilder?

soifassF: TOTO

Was treibt ihr eigentlich abseits des Proberaums?

F: ich betreibe eine Fabrik für hochmoderne emaille raumanzüge mit intigriertem VHS Recorder. Zurzeit läufts allerdings etwas schleppend!
V: ich betreibe einen ebay shop für altmodische emaille raumanzüge mit intergriertem Beta Max Rekorder. Gehen weg wie warme Semmeln da sie ziemlich rar sind!

Danke für die genommene Zeit. Bis demnächst. – MIRA –

Talco „Interview“ (17.08.2014)

Talco konnten auch bei uns mit ihrem Live Album zum 10-jährigen Jubiläum punkten und wir nahmen dieses Album zum Anlass, der Band ein paar Fragen zu stellen.

Warum ein Live-Album?

01Wir denken, das ist der beste Weg unser 10-jähriges Jubiläum zu feiern. Es wäre nicht dasselbe mit einem Best-Of oder einer B-Seiten-Sammlung gewesen. Und außerdem trete ich alle B-Seiten nach einer Albenveröffentlichung in die Tonne. Wir spielen live all die Songs die wir lieben, die uns all die Jahre auf Tour begleitet haben. Außerdem bin ich von der DVD-Doku sehr begeistert. Sie beschreibt sehr gut, was wir gemacht haben. Und es bringt die Fans näher an die Band. Sie waren diejenigen, die dieses Projekt wachsen ließen und zu dem gemacht haben, was es heute ist. Unsere Shows und die Beziehung zu den Leuten sind die Konstanten all dieser Jahre. Das war unser Grund für dieses Live und Doku-Album.

Wie und warum habt ihr die Songs des Albums ausgewählt?

Es war eine natürliche Auslese und die Suche nach einem Kompromiss zwischen eigenen Favoriten und denen des Publikums. Es wurde eine Auswahl aus dem Bauch heraus, ohne großes Nachdenken. Wir wollten jedoch auch jedes Album vertreten haben. So vielen manche Songs heraus, aber nicht der Qualität wegen. Es wurden einfach zu viele. Ich denke das Resultat vermittelt unsere Absichten sehr gut.

10 Jahre sind eine lange Zeit. Was waren die Highlights? Und was die Lowlights?

Es gab wirklich eine Vielzahl an Höhepunkten, die wir auch auf der DVD beschreiben: Unsere erste große Show bei der Punkitalia 2005 in Berlin, mit der alles begann. Die erste ausverkaufte Headlinetour. Die 100 Jahre FC St. Pauli Stadionparty. Das Baskenland. Die großen Festivals. Die Aufnahmen zu Gran Gala. Japan. Russland… viele, viele unauslöschliche Erinnerungen!
Was die negativen Erinnerungen anbelangt, ich würde sagen, das war 2007, als die Band kurz davor stand sich aufzulösen. Manche wollten zu viel und zu schnell. Seit 2008 stimmt die Chemie zwischen denen die blieben. Wir realisierten, dass dies erst der Anfang war und wir mit Enthusiasmus und Freude weiterarbeiten müssen. Und wir sind immer noch da. Glücklich mit unseren Entscheidungen.

Festivals in Spanien, Frankreich, Russland, der Schweiz und auf dem Balkan, sogar in Japan. Ihr seid überall begehrt, nur was ist mit Italien?

imagesEs ist wirklich sehr, sehr schwer. Es gibt keine Leistungsgesellschaft. Die Menschen folgen der Mode und die Medien promoten Bands, die nicht authentisch sind. Veranstalter wissen nicht mit aufstrebenden Künstlern umzugehen. Es gibt viele persönliche Interessen und es ist sehr schwer sich eine musikalische Karriere zu erarbeiten. Italien ist kein guter Ort für Musik. Leider. Und die Italiener realisieren das oftmals nicht einmal. Wenn wir versuchen ein Konzert auf die Beine zu stellen, ist die Organisation immer schrecklich. Viele Male hängt kein einziges Poster in der Stadt, oder das Konzert wird erst am Vortag im Internet angekündigt. Richtig scheiße.
Was mich froh stimmt ist, dass es uns ab und zu gelingt eine gute Show in Italien zu bekommen, und das kann man auch am Publikum sehen. Nur bleibt dies meist ein Einzelfall. Denn jeder ist sich selbst der nächste, selbst diejenigen in der Szene, die uns näher stehen. Es gibt keine neuen Bands in Italien. Nur Reunions der gleichen, alten Bands. Die gleichen, alten Shows. Wir können das einfach nicht mehr ab.
Wir werden beschuldigt Italien nicht zu beachten, aber tatsächlich versuchen wir es jedes Jahr und werden letztendlich desillusioniert. Wir wurden müde es ständig ergebnislos zu versuchen. Aber Europa ist groß und wir erreichen sogar neue Gegenden wie Russland, Japan und Südamerika.

Was kommt nach dem Live-Album? Gibt es schon Pläne für ein neues Studioalbum?

Nach dem Live-Album? Ein neues Album! Da gibt es nichts zu verheimlichen. Es gibt schon viele neue Songs und nun ist es an der Zeit sie zu sortieren und an neues Projekt zudenken. Ich habe viele Ideen für Konzepte – für uns Cinephile, Liebhabern von Trilogien, wir dies der Schlussakt der Serie, welche mit La Cretina Commedia (Die Vergangenheit erscheint durch die Gegenwart) begann, gefolgt von Gran Gala (die sündhafte Gegenwart in der wir leben). Die Geschichte wird viele Themen haben, die wir mögen und die man auch in den anderen Alben finden kann. Aber es wird mehr Platz für Dinge bleiben, die wir in der Vergangenheit zurückgelassen haben. Es wird sehr herausfordernd als Konzeptalbum, auch musikalisch. Doch es bleibt das Talco-Motto: Punk-chanka!

DIE SKEPTIKER (24.11.2013)

„Die Geldbörse sollte nicht den Kopf oder das menschliche Mitgefühl dominieren.“ Das bringt es wohl am besten auf den Punkt und zeigt, dass die SKEPTIKER immer noch ihr Herz am rechten Fleck haben. Politik und Gesellschaftskritik sind nach wie vor zentrale Themen der Band. Sie stehen immer noch für linke Ideen, die ich bei so manch anderer Combo, die sich links schimpft, leider viel zu oft vermisse. Die SKEPTIKER jedenfalls sind einfach ein Phänomen! Seit weit über 20 Jahren sind sie nun schon unterwegs und haben es immer wieder geschafft, mich zu überraschen und zu begeistern. Der Erstling „Harte Zeiten“ ist ohne Zweifel einer DER Klassiker des deutschsprachigen Punkrocks und über jeder Kritik erhaben. Danach folgten „Sauerei“, „Schwarze Boten“ und „Stahlvogelkrieger“, die zwar einige Evergreens zu bieten haben, bei denen ich die Band aber kurz aus den Augen verlor. Spätestens mit „Wehr dich“ hatten sich mich dann aber wieder ganz in ihren Bann gezogen. Auch wenn gerade dieses Album einige Zeit brauchte, um damit warm zu werden, so zeigte sich doch nach und nach die Klasse von Tracks wie „Der Schrei“, „Verteilungskampf“ oder „Titania“. Mit ihrem Reunionalbum „Fressen und Moral“ schlugen sie dann einen Weg ein, den sie mit „Aufsteh’n“ konsequent fortsetzen. Punkrock der alten Schule, etwas ausgefeilt, aber nie zu verspielt, kämpferisch und mit der SKEPTIKER typischen Themenvielfalt. DAS Markenzeichen der Band ist natürlich die Stimme ihres Sängers Eugen, die so einzigartig in der großen weiten Musikwelt ist. Umso mehr freute ich mich, dass ich ihm einige Fragen rüberschicken konnte und er bereitwillig Antwort gab. Viel Spaß beim Lesen und wenn die Berliner sich demnächst wieder auf den Weg machen und in eurer Nähe spielen, geht unbedingt hin, es lohnt – versprochen!

„Aufsteh’n“ heißt eure neue Platte und seit der letzten („Fressen und Moral“) sind nun auch schon wieder vier Jahre ins Land gezogen. Warum hat es so lange gedauert? Auf was dürfen sich die Fans einstellen? Gibt es jetzt Altherrenrock oder bleibt ihr dem Punkrock treu?

1Da wir keine Verpflichtungen gegenüber irgendwelchen Plattenfirmen oder anderen Industrievertretern haben, sind wir in der entspannten Lage, einen neuen Tonträger erst zu produzieren, wenn wir der Meinung sind, wieder etwas Neues machen zu wollen. Das hat diesmal eben 4 Jahre gedauert. Ich denke, dass es besser ist auf einen guten kreativen Output zu warten, als etwas auf Krampf zusammen zu basteln, was einen später vielleicht nicht mal selbst überzeugt. Ich denke, wir haben wieder einen Skeptiker Soundtrack abgeliefert, der auch einige thematische Anregungen bietet, die beweisen, dass wir immer noch etwas zu sagen und zu spielen haben. Als Altherrenrock würde ich das Ganze nicht bezeichnen, die neue Scheibe passt gut zu unserem gesamten bisherigen Schaffen und fügt sich quasi nahtlos ein, ohne nur Bekanntes oder Wiederholungen zu bieten.

Einer meiner Favoriten auf der neuen Scheibe ist definitiv „Das System“, eine großartige Momentaufnahme des aktuellen Gesellschaftssystems. Was denkst du, wie lange wird es noch dauern, bis der Kapitalismus untergeht? Wird er untergehen?

Ich beginne mal mit dem zweiten Teil. Das er untergehen wird ist überhaupt keine Frage, denn selbst wenn Gesellschaftssysteme über Jahrhunderte existierten, gab es immer Umbrüche, die etwas Anderes, Neues erzeugten, sei es durch technische Innovationen oder durch gewalttätiges Aufbegehren hervorgerufen. Auch die Pharaonenreiche Ägyptens versanken beispielsweise nach einigen Jahrtausenden von der Bildfläche. Also alles wandelt sich, in kurzen bis sehr langen Zeiträumen, aber Fakt ist, einen gesellschaftlichen Totalstillstand gibt es nicht. Wann der Kapitalismus von der Bildfläche verschwunden sein wird, ist von mir nicht zu beziffern, das erfordert schon prophetische Gaben. Das wir uns allerdings in einer Umbruchsphase befinden, wird seit der Bankenkrise wohl niemand ernsthaft bezweifeln wollen.

Passend dazu beschreibt ihr in „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ eine sehr schöne, aber momentan wohl utopische Gesellschaft. Dieser „Schlachtruf“ ist ja nun auch schon über 200 Jahre alt und wir haben es bis jetzt nicht umsetzen können. Wie könnte die Menschheit diese deiner Meinung nach erreichen?

Ich weiß nicht, ob diese Utopie überhaupt erreichbar ist, es geht aber auch nicht unbedingt um die totale Gleichmacherei, sondern meiner Meinung nach, um Gerechtigkeit bei der Teilhabe am gesellschaftlich erarbeiteten Reichtum. So etwas wie Milliardäre gehört einfach abgeschafft, oder gedeckelt. Innerhalb der kapitalistischen Ordnung ist das Motto jedenfalls nicht umsetzbar, da muss was Neues her.

„Meer aus Grün“ erzählt eine sehr beklemmende Geschichte. Wie bist du darauf gekommen? Basiert der Text auf eigenen Erfahrungen?

Das will ich eigentlich in der Schwebe lassen, ob es sich um Selbsterlebtes oder Phantasie handelt. Fakt ist aber, dass Vergleichbares ja durchaus über die Nachrichtenkanäle flimmert, wie Polizeibeamte in Kampfmontur kleine Mädchen oder junge Frauen an den Haaren über das Pflaster schleifen – sehr mutig.

Was mich an den SKEPTIKERN schon immer fasziniert hat, waren die Texte, die auch mal über szenetypische Themen hinausgehen – sei es „Titania“ oder „Pierre und Luce“. Auf der neuen Platte steht für mich „Afrika“ in dieser Tradition. Woher nimmst du die Ideen für diese Songs?

2Das ist genau das, was die Skeptiker von anderen unterscheidet. Wir sind textlich nicht nur auf motzen limitiert, was ja im Prinzip jeder kann, sondern bieten auch Themen aus der Kunst oder Kulturgeschichte. Das ist sozusagen gewollt und mich freut es immer, wenn die Fans die Titel mit solchen Themen mögen. So haben wir ja beispielsweise auf unserer vorletzten Studioproduktion „Fressen und Moral“ die Schlacht im Teutoburger Wald aus dem Jahre 9 unserer Zeitrechnung thematisiert, genau 2000 Jahre nachdem sie stattgefunden hat. Wie man auf solche Themen kommt, ist ganz einfach zu beantworten, da sie sozusagen auf der Hand liegen, wenn man sich für Kunst, Kultur, Geschichte und Ähnliches interessiert. Bei unserem Titel „Afrika“ dachte ich, zu diesem Thema bisher nichts aus der Rockmusik vernommen zu haben und dass es durchaus mal der Bearbeitung bedürfe.

Die Kunst spiegelt sich ebenfalls in euren Covern wieder, die ja auch kleine Kunstwerke sind. Hast du vielleicht bei diesem Thema irgendwelche Tipps für einen „Kunstbanausen“ wie mich? Wie kamt ihr auf die Idee für das neue Cover?

Das hat sich komplett zufällig ergeben. Rudi (unser einer Gitarrist) hat einen Maler (Christian Feldhoosen) als Nachbarn und weil ihm dessen Arbeiten gefielen, sprach er ihn an, uns vielleicht ein Cover zu gestalten. Herr Feldhoosen fand diese Idee auch für sich spannend, da er bis dato noch keine Arbeit für Musiker entworfen hatte. Als Rudi uns den Entwurf zeigte, waren alle spontan begeistert und einstimmig der Meinung (ein ganz seltener Vorfall), das ist es. Die Idee des Covers hat sich Christian Feldhoosen aus dem Titel des neuen Albums „Aufsteh‘n“ entwickelt. Allgemeine Kunsttipps will ich an dieser Stelle nicht verbreiten, da die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden sind und Kunst ein weites Feld ist.

Mit Tom Schwoll und Lars Rudel hast du seit einigen Jahren jetzt zwei feste Bandmitglieder an den Gitarren. Nur die Positionen am Bass und Schlagzeug haben beim neuen Album wieder gewechselt. Warum?

Beim Schlagzeug war es so, dass Nicolai Gogow, nach langjähriger Bandmitgliedschaft, den dringenden Wunsch nach musikalischer Umorientierung verspürte und dann zu den Mannen von Knorkator wechselte. Somit waren wir wieder auf der Suche und haben Wieland Wehr für uns begeistern können. Beim Bass ist es so gewesen, dass Mathias Kahle, der eine eigene Firma für Industrieklettern betreibt, die zeitlichen Erfordernisse zwischen Musik und Firmenbetrieb nicht mehr koordiniert bekam und sich somit für einen Ausstieg entschied. Ihn ersetzt seitdem Christopher Zabel am Bass. Zu beiden ehemaligen Bandmitgliedern gibt es aber nach wie vor freundschaftliche Kontakte.

Wie sieht es denn mit dem Kontakt zum ersten SKEPTIKER Line-Up aus?

Kontakte gibt es da eher nur noch zufällig, da ich kein Typ bin, der sich Leuten aufdrängt, wenn sie einmal aus meinem Dunstkreis verschwunden sind. Der Einzige mit dem ich hin und wieder mal maile, ist Andreas Kupsch, einer der beiden Gitarristen der Erstbesetzung, welcher nach wie vor den Werdegang der Skeptiker interessiert verfolgt.

Neben DRITTE WAHL seid ihr eine der wenigen Ost-Punkbands, die nach der Wende in ganz Deutschland wirklich Fuß gefasst hat und erfolgreich ist. Woran liegt das deiner Meinung nach? Warum sind so viele ehemalige DDR-Punkbands einfach in der Versenkung verschwunden?

Heutzutage ist es schon sehr kompliziert, sein Leben in den Griff zu bekommen. Der sogenannte „Brotkorb“ ist doch recht hochgehängt. Man muss sich meistens entscheiden, zwischen einem entbehrungsreicheren Musikerleben oder einer sogenannten geordneten bürgerlichen Existenz. Beides unter einen Hut zu kriegen bedeutet großen Kraft- und Zeitaufwand. Im Gegensatz dazu benötigte man in der damaligen DDR nicht viel Geld zum Leben. Mieten und Lebensmittel waren billig und so war es eher möglich, auch mit wenig Geld seinen Hauptinteressen nachzugehen.

Wo wir schon bei der DDR sind, in einem Interview mit dem „access2music“ Magazin hast du erst vor kurzem gesagt, dass du deine Stasiakte noch nicht angefordert hast. Warum eigentlich nicht? Hast du Angst, dass es ein schlechtes Licht auf Leute wirft, die du vielleicht immer noch kennst? Wie gehst du eigentlich mit Leuten in deinem Umfeld um, die sich früher oder später zu ihren Stasiaktivitäten bekannt haben?

Von verzeihen bis ignorieren der Betroffenen ist im Prinzip alles dabei. Von einer Person, die mir früher immer mit sehr provokanten Sprüchen auf die Nerven gegangen ist, habe ich eine persönliche Entschuldigung akzeptiert. Es ist auf jeden Fall immer noch ein sehr emotional besetztes Thema, auch 24 Jahre nach dem Fall der Mauer und bevor die Behörde geschlossen wird, hole ich meine Akte sicherlich noch zur Einsicht.

Wenn man so die ganzen Geschichten um die NSA etc. verfolgt, bekommt man das Gefühl, dass sich eigentlich nichts geändert hat, außer vielleicht den Methoden. Im Gegenteil finde ich, dass es heute schlimmer ist als früher. Wie schätzt du das Ganze ein? Habt ihr das Gefühl, dass ihr als systemkritische Punkband immer noch im Interesse von solchen „Vereinen“ seid?

3Eine Musikgruppe ist glaube ich nichts wovor eine Regierung sich fürchtet. Außerdem gehört es ja zum sogenannten Freiheitsbegriff, Andersdenkende sich in gewissem Rahmen frei artikulieren zu lassen. Die zunehmende Überwachung geht mir aber auch auf die Nerven, ich nenne es für mich die Verostung des Westens. Hätte die Stasi die heutigen Überwachungstechniken gehabt, würde sie frohlockend hinter den Rechnern sitzen, aber mehr Spitzelei als bei der NSA geht ja wohl sowieso nicht.

Im Moment lässt sich auch das leidige Thema Bundestagswahlen nicht umgehen. Magst du mal das Ergebnis kommentieren?

Ein so fulminantes Ergebnis für die CDU habe ich dann doch nicht erwartet. Um das zu verhindern, war ich wählen, hat aber wohl nichts genützt. Die CDU ist mir persönlich zu einseitig auf das Wohl der Unternehmer fixiert, soziale Gerechtigkeit sieht anders aus.

Im Osten ist DIE LINKE, trotz Verlusten bei der letzten Wahl, relativ stark und auch im Westen ist sie auf dem Vormarsch. Ist DIE LINKE eine Alternative? Was hältst du als DDR-Kind von dieser Partei?

Dazu habe ich ein durchaus gespaltenes Verhältnis, einerseits finde ich die politische Ausrichtung in Ordnung, andererseits ist diese Partei aber auch mit Leuten belastet, die diese gute politische Idee, einer gerechteren Gesellschaft schon einmal pervertiert haben.

Ein weiteres Thema, was momentan wieder in allen Medien „diskutiert“ wird, sind Flüchtlinge bzw. Europa und wie es damit umgeht. Auf eurem 98er Album habt ihr euch bereits mit „Europa“ auseinandergesetzt. Wie siehst du das Thema 15 Jahre danach bzw. wie stehst du zu Europa?

Eigentlich war ich ein sogenannter Euroskeptiker, da ich in dieser Organisationsform nur Vorteile für die Industrie und die Banker sah. Mittlerweile muss ich aber eingestehen, dass es durchaus angenehm ist, weitgehend ohne Kontrollen und Währungsumtausch durch Europa reisen zu können. Die sogenannte Festung Europa ist hingegen weiter ausgebaut worden, was es Nichteuropäern immer schwieriger macht, zu uns zu gelangen. Eines sollte man indessen nie vergessen, wäre die Einwanderungspolitik der Welt in den 30er Jahren genauso hart gewesen, wie heute in Deutschland praktiziert, hätte es vermutlich noch weit mehr Opfer der Nazidiktatur gegeben. Mehr Menschlichkeit gegenüber den Opfern unerträglicher Verhältnisse und Situationen, wie beispielsweise immer noch aktuell in Syrien, ist also durchaus angebracht. Die Geldbörse sollte nicht den Kopf oder das menschliche Mitgefühl dominieren.

In einem Interview haben die Jungs von DRITTE WAHL mal gesagt, dass sie im Moment von ihrer Musik leben können. Im Endeffekt heißt das aber auch, endloses Touren und fast jedes Wochenende auf Achse. Wie sieht es da bei den SKEPTIKERN aus? Könnt ihr davon leben? Womit vertreibt ihr euch sonst die Zeit bzw. verdient eure Brötchen?

Nein, wir können nicht von unseren Bandaktivitäten leben. Rudi (Gitarre) beispielsweise spielt noch in anderen Musikgruppen und betreibt ein kleines Studio. Tom (Gitarre) spielt auch noch bei weiteren musikalischen Projekten und betreibt mit Smail das Tonstudio „Schaltraum“ in Berlin, wo wir unsere neue Scheibe auch aufgenommen haben. Wieland (Schlagzeug) ist zusätzlich zur Musik Messebauer. Christopher (Bass) gibt Musikstunden und jobbt nebenher. Eugen (Gesang) hat mittlerweile eine Festanstellung im Veranstaltungsbereich und jobbt noch auf Messen. Die Zeit für Musik wird also immer knapper.

Jetzt aber noch einmal zurück zu den SKEPTIKERN. Speziell im Vergleich zur „Wehr dich“ hat sich euer Sound nach der Reunion doch sehr verändert. Wie kam es dazu? Welche Einflüsse spielten da eine Rolle?

Tom meinte zu diesem Thema, dass wir zur Zeit der „Wehr dich “, noch nicht so lange zusammen waren und sozusagen den gemeinsamen Sound damals suchten. Mittlerweile sind wir weiter musikalisch zusammengewachsen und haben aus einer entspannten Atmosphäre, ohne Druck die neuen Stücke einfach fliessen lassen.

Zur neuen Scheibe steht natürlich auch wieder eine Tour an. Freut ihr euch besonders auf die „Heimspiele“ oder fühlt ihr euch auch anderswo daheim?

imagesWir spielen überall gerne, aber Berlin und der sächsische Raum sind schon etwas ganz Besonderes für uns, wegen der unvergleichlich guten Stimmung, die noch einmal besser ist, als an anderen Orten.

Jetzt kannst du noch ein bisschen Schützenhilfe leisten, denn gerade in Berlin gibt es ja viele neue interessante Künstler und Bands, nicht nur im Punkbereich. Kannst du ein paar empfehlen?

Oh, da bin ich glaube ich der falsche Ansprechpartner, denn arbeitsbedingt gehe ich eigentlich nicht mehr zu Konzerten von mir nicht bekannten Bands.

Noch ein paar abschließende Worte?

„5 Finger kann man brechen, aber keine ganze Faust.“

Besten Dank

East Side Daniel

THE SHANES Interview (02.06.2013)

Da für mich die aktuelle Scheibe „Road Worrier“ der erste Kontakt mit eurer Musik gewesen ist, stellt euch doch bitte einmal kurz vor. Wie lange gibt es euch, wer spielt was und seit wann?

Shanes1Kornelius Flowers: Da es die Band schon seit 1991 gibt, könnte man da so langsam wohl ein Buch drüber vorlegen, aber kurz gesagt bin ich als Sänger noch von der originalbestzung übrig. Aktuell dabei sind Danny dannehl am Bass, auch schon seit 20Jahren und Jörg „Warpig“ Stoffregen (Banjo, Gitarre, Mandoline), Markus Schu (Drums), Chris Birch (Geige), Matt Dawson (Pedal-Steel, Mandoline, Gitarre) sowie Nataša Grujović am Akkordeon.

 

Wie viele Alben habt ihr bereits veröffentlicht?
DISKOGRAPHIE
1992: songs from the urban country hell (strangeways/indigo)
1993: polka hard (strangeways/indigo)
1994: love will tear us apart – Vinyl-Single (strangeways/indigo)
1995: these days EP (strangeways/indigo)
1996: Budapest Sessions feat. VEZERKAR (HU)
1998: 5 Years of Hard Polka 1993-1998
2001: The Haunted House Of Polka (Pinorrekk/Edel)
2005: Pölka (SumoRex/Broken Silence)
2007: Polka over Serbja – live in Chośebuz (SumoRex/Broken Silence)
2009: Squandering Youth (SumoRex/Broken Silence)
2011: Home For Christmas (Single/SumoRex/Broken Silence)
2013: Road Worrier (SumoRex/Broken Silence)

Wie würdet ihr jemandem euren Stil beschreiben der euch noch nicht kennt?

Wir haben unseren ganz früher ziemlich stark Irisch und osteuropäisch beeinflussten Folkrock bzw. Folkpunk „Hard Polka“ getauft. Seit ein paar Jahren konzentrieren wir uns aber auch ziemlich stark aud Country- und Americana-Sounds

Gab es oder gibt es Musiker die euch maßgeblich beeinflusst haben selber Musik zu machen?

Shanes2Klar, bei mir waren das sicherlich Leute wie Neil Young, Bob Dylan und viele andere. Die Punkbands haben uns gezeigt, dass man auch ohne größere Virtuosität gute Musik machen kann und dann kamen noch die Pogues, Levellers, New Model Army usw. dazu, die dann den Folk-Touch drin hatten. Aber das ist sicherlich für die meisten in der Band individuell verschieden.

Gibt es musikalische Unterschiede zwischen euren frühen Sachen und den späteren Alben?  Worin seht ihr die genauen Unterschiede?

Die Unterschiede bestehen vor allem in der Herangehensweise an das Songmaterial. In den Anfangstagen waren wir noch viel beheisterungsfähiger und sind völlig naiv an die für uns damals noch irgendwie neue Musik herangegangen. Heute sind wir da etwas abgekärter und versuchen Aufnahmen zu schaffen, die auch nach eine gewissen Zeit noch hörbar sind und nicht nur für die momentane Party taugen. Obwohl wir auch das letztere noch können, wie unser live-album zeigt. Von den Einflüssen her dominiert derzeit eher der Americana-Sound und weniger ie Celtic- oder gar Balkan-Klänge,.

Wo wir schon bei den Alben sind, lass uns mal etwas über euer neuestes Werk reden. Was bedeutet der Titel „Road Worrier“? Wie kam er zustande und was bedeutet das Album für euch?

Road Worrier ist ein Wort-Spiel mit Anspielung auf Road WARRIOR. Wir haben den Titel gewählt, weil das Touren auf die Dauer nicht nur spassig ist, sondern auch sehr anstrengend sein kann und wohl auch einige „Worries“ mit sich bringt. Wir fanden den Titel passend und auch witzig.
Ansonsten zeigt das Album für mich, dass es gut war, nach der Auflöung 2010 doch schnell wieder zusammenzufiunden bzw. mit neuen Musikern weiterzuarbeiten, denn das krative Potential war längst nicht erschöpft, wir waren nur etwas müde. Dann kam Road Worrier und für mich ist es unser bislang reifstes Album geworden und trotz des Titels und der vielen entspannteren Tracks steckt es voller Energie!

Wie lang habt ihr daran gearbeitet und wer hat die Songs geschrieben?

Wir haben ein paar Monate recht locker, immer wenn wir Zeit hatten daran gearbeitet. U ser Bassiest Herr Dannehl hat ein Studio in seiner Wohnung. Wir haben das Equipment noch etwas aufgepimpt und dann ging es los. In der Endphase haben wir uns in meinem Haus in Trier eingerichtet, wo wir dann alle zusammen ein paar Tage konzentriert am Stück arbeiten konnten.
Die Songs stammen vor allem von Matt Dawson, Warppig Stoffregen und von mir, aber eigentlich haben alle Bandmitglieder Songideen beigesteuert und Arrangementarbeit geleistet

Ich habe ein Review über die Scheibe geschrieben und kam durch die vorhandenen Country-Einflüsse unweigerlich auf den Namen Mike Ness. Oftmals erinnert mich der Gesang sowie die Songstrukturen an das Album „Under The Influence“.  Ein Vergleich mit dem ihr gut klar kommt  oder seht ihr das völlig anders?

Shanes3Under The Influences kenne ich. Das ist eigentlich ein Kompliment von Dir, denn auf diesem Album sind ja ausschließlich Folk-und Countryklassiker in Coverversionen von Mike Ness. Der Vergleich spricht ja für die Qualität der Songs auf Road Worrier.

Ihr habt auf dem Album tatkräftige Unterstützung von Albert Lee bekommen der auch schon mit Eric Clapton zusammen auf der Bühne stand. Wie kam die Zusammenarbeit mit dem Gitarristen zustande?

Matt Dawson ist seit 2011 fest in unserer Band. Er ist der jüngere Bruder von Julian Dawson und kennt viele Leute aus dem Musikbiz. Unter anderem auch Albert Lee, mit dem er seit Jahrzenten befreundet ist. Als Albert 2012 in Luxemburg gastierte, hat Matt ihn eingeladen und er hat dann in einem Studio in Luxemburg zu einigen Songs Gitarre und Mandoline gespielt. Da haben wir sogar noch mehr auf Lager, was wir vllt. Für ein weiteres Album benutzen können.

Auf dem Album befindet sich mit „The Girl Who Lives On Heaven Hill“ auch eine mehr als gelungene Coverversion von Hüsker Dü. Wie kamt ihr denn auf Hüsker Dü und warum ausgerechnet diesen Song?

Ich kenne den Song schon seit dem Hüsker-Dü-Album „New Day Rising“ 1985. Irgendwie habe ich ihn immer sehr gemocht und wollte ihn in einem eigenen Gewand machen. Es ist ein sehr simpel strukturierter Song und irgendwie ging es sehr leicht, dies Version herauszuarbeiten. Die Atmosphäre ist sehr dicht geworden. Ich habe den Song Grant Hart, dem Autor und Hüsker-Dü-Drummer, vorgespielt. Er war sehr begeistert von der Version und auch von dem Video davon. Seit dem stehe ich in Kontakt mit Grant und wir haben vor, davon noch eine Vinylsingle in Deutschland und seinen Vertrieb in den USA zu veröffentlichen.

Wie schon erwähnt kenne ich eure früheren Alben nicht, finde aber den eher dezenten Folkpunk-Einschlag sehr erfrischend. Während viele andere Bands den Punkrock im Vordergrund stehen haben, scheint er auf „Road Worrier“ eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Dafür rücken bei euch rockigere Elemente in den Fokus, die meiner Ansicht nach das musikalische Können weitaus besser zur Geltung bringen und dem ganzen mehr Tiefgang verleihen. Wie steht ihr persönlich denn zu dem Folk-Punk-Boom der letzten Jahre?

Shanes4Wir waren und sind zum Teil ja immer noch eine Folkpunkband. Wasmir aber bei den meisten anderen Folkpunkbands nicht gefällt, ist, dass sie sich eigentlich zu 95% auf den Punkrock konzentrieren, die Folkmelodien aber ziemlich stiefmütterlich behandeln und die Akkordeon-, Geigen,- banjo-etc-Klänge meist im allgemeinen Gitarrenlärm untergehen.
Das ist bei uns anders. Es muss zwar rocken, aber man muss auch die Melodien wahrnehmen können

Und welche Bands bevorzugt ihr persönlich? Dropkick Murphys oder lieber Flogging Molly? Eher die Levellers oder dann doch The Pogues?

Ich würde sagen es sind eher Fogging Molly und es sind eher die Pogues.

Eure Band existiert bereits seit 20 Jahren mit einer Unterbrechung zwischen den letzten beiden Alben. Was war da los?

Wir hatten in 2009 irgendwie die Schnauze voll vom Touren und Rumtingeln und haben us nach unserem Album „Squandering Youth“ in einer Sackgasse gesehen. Da kam denn der Entschluss in 2010 eine Abschiedstour zu machen und dann die Segel zu streichen. Von Mitte bis Ende 2010 gab es The Shanes dann nicht mehr, ein Halbes jahr etwa. Da merkten wir, dass uns doch etwas fehlte und wir haben die nicht mehr zur Verfügung stehenden Musiker ersetzt, sind zu einer neuen Bookingagentur gegangen und dann gings wieder los…und Road Worrier ist entstanden.

Wie geht es jetzt nach der Veröffentlichung von „Road Worrier“ bei euch weiter? Wird es eine Tour oder besondere Releasepartys geben?

Shanes5Eine Tour wird es geben, Releasepartys eher nicht

So kommen wir dann auch langsam zur letzten Frage. Ich danke euch für das geduldige beantworten der Fragen. Habt ihr noch ein paar Worte für die Leser von Crazy United?

Da fällt mir ein schönes Songtitel ein „What´s so funny about peace, love and understanding?!“ das ist von Nick Lowe, schade dass es nicht von mir selber ist…

STIGMA Interview (23.02.2013)

1

 

 

 
„Stigma“ haben mit „For Love And Glory“ ein richtig schönes Punk Album am Start. Die Hardcore Fraktion wird natürlich auch bedient, keine Frage. Aber mal abgesehen von der guten Mucke, sind es vor allem die Texte, die sehr viel Spaß machen und Gelegenheit zum Nachdenken geben. Ein Grund mehr, um uns mit Basser Mike ein wenig zu unterhalten.

Marcel:
Ok Mike. Lass uns direkt über eure neue Platte sprechen. Ich habe auf dem letzten Sunny Bastards Festival von vielen Leuten gehört, das sie euren Track auf dem Label Sampler richtig geil finden. Der Meinung kann ich mich nur anschließen. Euer neues Album überzeugt auf ganzer Linie. Erzähl doch mal ein bisschen was darüber.

Mike:
Es freut mich sehr zu hören, das dir und den anderen die Platte so gut gefällt. Sie ist für mich und Vinnie besonders wichtig. Es ist jetzt auch fünf Jahre her, seit „New York Blood“ unsere erste Platte veröffentlicht wurde. Jamey Jasta (Sänger – Anm.d.Verf.) von Hatebreed, war im übrigen der Initiator der ganzen Geschichte. Er hatte die Idee für diese Band und war auch der Haupt Songwriter dieser Platte. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Ahnung was daraus werden wird. Die neue CD haben wir aber eigenständig und zusammen als Band geschrieben. Ich habe das meiste Material komponiert und Phil Caivano von Monster Magnet, hat mir geholfen als es ums schreiben und produzieren ging. Davon ab hat er auch ein paar Gitarren eingespielt. Wenn du beide Platten miteinander vergleichst, merkst du das wir bei der neuen Scheibe eine klare Richtung hatten. Der Aufwand hat sich gelohnt. Vinnie hat auch sehr viel mit unserem Freund Lars Fredrickson von Rancid bzw. Old Firm Casuals zusammen gearbeitet, was man der Scheibe auch anhört. Ich habe eindeutig ein besseres Gefühl als bei „New York Blood“. Ich habe im Gefühl, das wir eine großartige Platte aufgenommen haben, sowohl Textlich als auch Musikalisch. Wir sind wirklich stolz auf das Teil und können es gar nicht abwarten, die neuen Sachen live zu spielen. Für mich ist es eine super Mischung aus Punk, Hardcore, OI und Streetcore.

Marcel:
“New York Blood” wurde 2008 veröffentlicht. Kurz danach ging für AF wieder richtig die Post ab. War das der Grund, warum eure neue Scheibe erst fünf Jahre später erscheint?
2
Mike:
Wir kümmern uns nur um „Stigma“, wenn wir eine Pause mit AF haben. Wir hatten überhaupt keinen Druck und mussten keine Platte herausbringen.
Als wir merkten das die Zeit richtig ist, nahmen wir sie uns und gaben unser bestes. Die Leute haben wahrscheinlich gar nicht mehr daran geglaubt, das wir überhaupt noch mal etwas herausbringen werden.

Marcel:
AF sind ja eine Band, die ständig auf Tour ist. Wann kannst du am besten Songs schreiben? Daheim oder auf Tour, während der restlichen 23 Stunden Freizeit?

Mike:
Ich mag es generell lieber, Sachen zu Hause zu schreiben. Texte kann ich durchaus auf  Tour verfassen, aber die Musik komponiere ich lieber daheim. Und zwar zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht. Frag mich nicht warum das so ist, aber ich denke das ist auch bei jedem anders und unterschiedlich.

Marcel:
Einige Leute haben von Stigma sicher ein Brett der Marke Agnostic Front erwartet. Aber der neue Stuff geht deutlich mehr Richtung Punk. Magst du es einfach neben AF etwas anderes zu spielen, oder zollt ihr den Punk Bands Tribut, mit denen ihr aufgewachsen seid?

Mike:
Beide Punkte die du erwähnt hast treffen zu. Wir lieben Punk Rock. Es sind unsere Wurzeln. Ich hasse Bands, die sich selber Hardcore nennen, aber keinerlei Punk Roots in ihrer Musik haben. Wir kommen alle vom Punk. Klar, Agnostic Front klingen natürlich ein wenig aggressiver, aber du kannst  auch dort die Punk Rock Roots erkennen. Es würde ja auch keinen Sinn machen eine neue Band zu gründen, die exakt wie die andere Band klingt in der du spielst. Wir können all unsere Einflüsse bei Stigma einbringen und ausleben. Und das lieben wir an dieser Truppe einfach. Es gibt kein Limit.

Marcel:
Lass uns ein wenig über die Texte sprechen Mike. Wer ist der einfache Mann. Also der “Average man” ?
3
Mike:
Du und ich sind der einfache Man. Die Basis ist doch die: Wir sind alle Menschen und machen Fehler. Und das ist auch völlig ok. Wir können einfach nicht perfekt sein. Du kannst aus ihnen lernen, und somit die scheinbar schwierigsten Hürden nehmen, die das Leben dir in den Weg legt. Was aber auch kommt; gib niemals auf und versuche immer, dein bestes zu geben. Mit Stolz und Ehre.

Marcel:
In dem Song “I Am” ,habe ich  Schleichwerbung für einen bekannten Tattoo Store in NY gefunden……

Mike:
Haha, ein wenig Promotion in eigener Sache geht doch völlig in Ordnung. Wir möchten einfach, das jeder den NYHC Tattoo Shop kennt. Er ist ein Merkmal der Szene. Und so halten wir ihn am leben.

Marcel:
In „Heroes Of Our Time“, zollt ihr dem einfachen Arbeiter Tribut. Der hart arbeitenden Bevölkerung wie  z. b. Soldaten oder  Feuerwehr Männern. Denkst du das die Arbeit von diesen Menschen völlig unterbewertet wird, und deutlich mehr Aufmerksamkeit braucht?

Mike:
In diesem Song geht es darum, das viele Menschen sich die falschen zum Vorbild nehmen. Sie verehren Musiker oder Hollywood Sternchen. Das ist im Grunde natürlich ok, aber es geht um all die Leute, die ihr Leben lang hart arbeiten, für andere den Kopf hinhalten und sogar ihr eigenes Leben riskieren. Das richtige im Leben tun, aber niemals eine Form von Anerkennung dafür erhalten. Der Song geht an alle, die es verdient haben, und das muss nicht nur die „Working Class“ sein.

 Marcel:
Die meisten von uns erinnern sich gerne an ihre Kindheit oder Jugend zurück. Man entdeckt viel in dieser Zeit. Erlebt Abenteuer und ist unsterblich. Um diese Erinnerungen geht es bei “Days Of Gold”.

4Mike:
Genau darum geht es. Wir genießen diese Erinnerungen und Momente. Der Song bringt uns in die Zeit zurück, wo Vinnie und Roger (AF Sänger-Anm.der Verf.) einfach Kids waren und Spaß daran hatten Shows zu spielen und in der Szene aktiv zu sein.
Sie erzählen mir immer wieder, das sie niemals daran geglaubt hätten soweit zu kommen.
Vinnie sagt das dies die „Gute alte Zeit“ war, die er niemals vergessen wird. Wie z.b. als er im CBGB von der Bühne gesprungen ist, und sich seinen Kopf an einem Verstärker aufgeschlagen hat. Das tat zwar weh, hat aber Spaß gemacht haha. Es hat auch unglaublich viel Spaß gemacht, sich gegenseitig die Köpfe mit Glas Scherben zu rasieren. Einfach Scheiße bauen. Wie könnte man solche Sachen je vergessen? Es war einfach unglaublich in NY aufzuwachsen. Und es ist immer noch großartig dort zu leben.

Marcel:
Du erwähnst es ja bereits. Ihr lebt alle in New York. Was hat sich dort seit 9-11 verändert?

Mike:
Es fühlt sich an, als hätte sich alles dort verändert. So viele Clubs haben dicht gemacht. Das macht es natürlich für die Szene schwer. Ich fühle das die Mittel Schicht nach und nach rausgedrückt wird. So ist das Leben in NY doch härter geworden. Aber nichts desto trotz ist es mein zu Hause und ich liebe es hier zu leben.

 Marcel:
“Unity” war ja stets ein wichtiger Begriff im Hardcore. Gehst du eigentlich immer noch auf Shows oder verfolgst was andere Bands so machen? Hörst du auch gerne neuen Kram oder legst du lieber die Klassiker auf? Wie groß ist die „Unity“ heut zu Tage überhaupt noch?

Mike:
„Unity“ wird in der Szene immer noch groß geschrieben. Und ich denke das wird auch immer so sein. Es ist quasi die große Überschrift, die über unserer Musik steht. Es ist aber auch gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Es finden so viele Konzerte statt wenn wir zu Hause sind. Und wir versuchen wirklich, so viele wie möglich davon zu besuchen. Davon ab haben wir auch Leute wie Joe von Black Blue Production oder Buske und Lauren von I Scream Records, welche jede Dienstag Nacht eine Radio Show am Start haben.(www.eastvillageradio.com). Sie machen das alles gratis. Es kommt definitiv aus ihren Herzen und sie versuchen so, die Szene lebendig zu halten. Sie veranstalten auch einmal im Jahr den „Hardcore Super Bowl“. Sie setzten jedes Jahr neue und noch unbekannte Bands auf das Line Up. Solche Leute sind es dann auch, die den Hardcore Spirit und die „Unity“ am leben erhalten. Und so viele mehr.
images
Marcel:
Vor ein paar Wochen haben wir uns ja in Tilburg auf der Persistance Tour getroffen, wo ihr mit Hatebreed und H2O zusammen auf Tour wart. Wie ist es, nach all den Jahren immer noch zusammen auf Tour zu gehen?

Mike:
Es ist einfach klasse. Vor allem mit Jamey, der ja ,wie bereits erwähnt, die Sache ins Leben gerufen hat. Ohne ihn wäre vieles anders. Ich danke Gott dafür, Freunde wie ihn zu haben. Denn er hat verdammt viel für AF und Stigma getan.
Lars und Phil haben uns ja auch sehr unterstützt, was die Produktion dieses Albums betrifft. Und das liebe ich auch an dieser Szene. Man arbeitet mit Leuten zusammen, die deine Freunde werden. Das alles könnte ich ohne sie nicht tun. Ich bete wirklich jeden Tag für meine Freunde und natürlich auch für meine Familie.

 Marcel:
Du hast “For Love And Glory” ja Co-produziert. Nimmst du auch andere Bands auf, und ist die Produzenten Sache etwas was du dir in Zukunft vorstellen kannst, wenn es AF eines Tages nicht mehr geben wird?

Mike:
Ja, ich produziere auch andere Bands. Ich habe gerade erst mit einer Band Namens „LIVE FAST DIE FAST“ aufgenommen. Alte Freunde von mir. Richtig geiler Old School Stuff. Du solltest sie dir mal anhören. Davon ab habe ich auch mit den Punks von „DEAD TRICKS“ an ihrer EP gearbeitet. Sie kommen von der „Lower East Side“. Das alles mache ich, weil ich Musik schlicht und einfach liebe. Glaube mir, ich verdiene damit kein Geld. Und ich werde das niemals aufgeben.

Wenn das kein schönes Wort zum Abschluss ist….

5New York Blood“, das Debüt vom „Goodfather“ des NY Hardcore, Vinnie Stigma, erschien bereits 2008.Danach ging die Post wieder ab für Agnostic Front. Wohl auch ein Grund dafür, das der Nachfolger erst fünf Jahre später erscheint. Doch gut Ding will gut Weile haben. Wer hier jetzt aber einen Sound a la AF erwartet, der wird vielleicht ein wenig enttäuscht werden. AF covern ja bekanntlich auch „Blitzkrieg Bop“. Und da knüpft „For Love & Glory“ an. Die Band um Stigma und Gallo zollt ihren Punk Rock Roots Tribut. Klar, ganz so fröhlich und „Gabba Gabba Hey“ geht es hier natürlich auch nicht zu. Aber Songs wie „I Am“ oder das geile „Days Of Gold“ laden eher zum mitsingen als zum mitgröhlen ein. Die Hardcore Fraktion wird natürlich auch bedient, wie z.b. bei „Average Man“, aber all in all bleiben die Songs doch sehr simpel und melodiös gehalten, was den Reiz dieser Platte ausmacht. Denn dadurch gehen sie direkt ins Ohr. Ein großer Pluspunkt sind auch die Lyrics. Egal ob der einfache Man beschrieben wird, oder man mehr Respekt für die hart arbeitenden Menschen verlangt. Man weiß das die Jungs, speziell Stigma, hinter jedem Text eine Geschichte haben oder eben mit jeder Pore dahinter stehen. Einfach kaufen, aufdrehen und ne` gute Zeit haben. Nicht nur für Hardcore Fans geeignet. Note: 2  Marcel

SWINGIN`UTTERS INTERVIEW (16.09.2012)

From the streets of San Franciso

Die Utters sind zurück!

In diesem Jahr feiern die Swingin‘ Utters aus San Francisco ihr 24-jähriges Bestehen. Tja, wie die Zeit doch vergeht. Die Utters gehören seit Jahren zu meinen absoluten Lieblingsbands. Für mich zählen die Kalifornier zu den besten Punkrock-Bands aus Amiland. Meine erste Begegnung mit den Utters hatte ich in den neunziger Jahren, als die Band den Support von Rancid auf der „…and out come the wolves-Tour“ in der Hamburger Markthalle übernahmen. Ich hatte vor diesem Gig noch nie was von der Band gehört und war total begeistert. Wow, das war ja genau mein Sound, das war feinster 77er-Punkrock britischer Prägung und Sänger Johnny Bonnel hatte die perfekte rotzige Stimme dazu und tobte wie ein Derrwisch über die Bühne. Kurz darauf entdeckte ich in Hannover in einem Plattenladen die CD „More scared“ der Swingin‘ Utters . Ich überlegte nicht lange und schlug zu. Ich sollte es nicht bereuen. Das war Punkrock der alten Schule wie ich ihn liebe mit massig geilen Melodien und Johnnys unverwechselbarem Gesang. Die CD enthält frühe Aufnahmen der Band noch vor Ihrem Debüt „The streets of San Francisco“ und zeigt bereits das enorme Potenzial der Band. Zu hören gibt es massig Hits und u.a. auch die Ur-Version des Utters-Klassikers „No eager man“ und eine gelungene Coverversion von „Here we are nowhere“ der guten, alten Stiff little fingers. Das Debütalbum „The streets of San Francisco“ wurde übrigens von keinem geringeren als von Lars Frederiksen von Rancid produziert. Es ist vollgepackt mit Hits und Ohrwürmern und schlug in der Szene ein wie eine Bombe. Bei den Bay Area Music Awards gewann die Band damit den Preis für das beste Debütalbum. Mit ihrer zweiten Platte „The juvenile Product of a working class“ landete die Band dann auf Fat Mikes Label Fat Wreck Chords, dem sie bis heute treu geblieben sind. Endlich hatte Fat Mike eine richtig gute Punkband gesignt und nicht wieder irgendwelche Melodiccore-Langweiler, dachte ich mir damals. Es folgten in den kommenden Jahren richtig gute Alben der Band, hervorzuheben wäre hier speziell das geniale Album „Five lessons learned“. Die Band entwickelte sich auch musikalisch weiter und der Sound klang irgendwann nicht mehr so sehr nach England 1977, aber immer typisch nach Swingin‘ Utters. Mittlerweile fanden plötzlich auch Folkelemente Platz im Sound der Band. Ich würde den Sound der Utters mal als melodischen Streetpunk bezeichnen. 2002 stieg der zweite Gitarrist Max Huber aus. Die Band machte zunächst nur mit dem Gitarren-Sound von Gitarrist Darius Koski weiter (aktuell ist jetzt mit Jack Dalrymple (One Man Army) ein zweiter Gitarrist an Bord). Ein Jahr später 2003 erschien das Album „Dead flowers, bottles, bluegrass and bones“. In den folgenden Jahren wurde es ruhig um die Band und brandneues Material war erstmal Fehlanzeige. Es erschienen noch das klasse Live-Album „Live in da dive“ und 2008 „Hatest Grits: B-Sides and bullshit“. Neben eigenen, raren Songs, enthält letztere CD auch viele richtig gelungene Coversongs. Hört Euch beispielsweise mal die coole Version des Cock Sparrer-Klassikers „Sunday stripper“ an, ich sag nur Hammer! Das Cover finde ich noch besser als das Original.
Die Band machte sich rar auf den Bühnen hierzulande und von Touren der Utters war lange, lange Zeit nichts zu hören. Ich dachte zeitweise schon, ob es die Band überhaupt noch gibt. Unter dem Titel „Untitled 21: A juvenile tribute to Swingin‘ Utters“ erschien 2010 ein Tribute-Album. Viele bekannte Bands zollen Johnny Bonnel & Co. auf dem Album Tribute wie unter anderem die Dropkick Murphys, Street Dogs, Johnny Two Bags (Gitarrist von Social Distortion), Off with their heads, die Teen Idols, Fucked up und The Forgotten. Insgesamt 31 Bands befinden sich auf der Platte. Das zeigt was für einen großen Einfluss die Utters auf viele Bands ausüben. Im gleichen Jahr kam die Band völlig überraschend endlich mal wieder nach gefühlten zehn Jahren auf Tour nach good old Germany. Ich schnackte nach dem Gig ein bisschen mit Sänger Johnny, der mir erzählte, dass sich privat auch viel getan hat in den letzten Jahren und die Band daher auch lange nicht mehr auf Tour war. Sänger Johnny war mittlerweile Vater von zwei Töchtern und auch andere Bandmitglieder hatten Nachwuchs bekommen. 2011 erblickte das erste neue Studioalbum der Swingin Utters mit dem Titel „Here, under protest“ nach acht Jahren das Licht dieser Erde. Fans der Band kommen dabei voll auf ihren Geschmack, denn es hat sich soundtechnisch gottseidank nichts geändert und es gibt den typischen Utters-Sound zu hören. Jetzt schreiben wir mittlerweile das Jahr 2012 und die Swingin‘ Utters habe ich gestern im Hafenklang in Hamburg live gesehen. Die Band war mal wieder klasse wie eh und jeh und lieferte mir mal wieder den perfekten Pogosoundtrack, um ausgelassen mein Tanzbein zu schwingen. Nach dem Gig erzählte Johnny mir, dass ein brandneues Utters-Album wahrscheinlich im Februar 2013 erscheinen soll. Beim Songwriting für das neue Werk ist auch verstärkt Jack Dalrymple (One Man Army) involviert. Ich bin gespannt. Hört Euch bis dahin die großartigen alten Scheiben der Band an. Im folgenden Interview kommen die Gründungsmitglieder Johnny Bonnel, Darius Koski und Schlagzeuger Greg McEntee zu Wort. Artikel/Interview: Christian Böttjer/Mind the Gap-Fanzine

Christian Böttjer: Erzählt uns anfangs doch etwas zum aktuellen Album „Here, Under Protest“?

Johnny: Die Songs waren schon 2010 fertig, aber wir konnten nicht viel proben bevor wir ins Studio gegangen sind, deshalb mussten wir während der Aufnahmen immer wieder Veränderungen vornehmen. Wir haben es als eine Band produziert und wollten auch dass es sich so anhört. Die moderne Art und Weise eine Platte aufzunehmen gefällt uns überhaupt nicht. Es scheint, dass viel zu oft Pro Tools eingesetzt wird. Wir bevorzugen eher eine natürliche, unverfälschte Qualität in unserer Musik. Wir mögen es nicht, wenn die Aufnahmen zu künstlich klingen.

Christian Böttjer: Was mögt Ihr an diesem Albumtitel?

Johnny: Wir mögen den Titel, weil er soviel verschiedenes bedeuten kann. Es ist was immer du auch glauben willst, nachdem du es gehört hast.
Darius: Es gab da mal einen Satz den Orson Wells während der Synchronisation eines Werbespots sagte in den siebziger oder achtziger Jahren. Als er älter wurde, hat er viele Werbe-Synchronisationen gemacht, und er wurde wütend auf die Techniker im Studio als er aufnahm. Und deshalb sagte er, dass er den Spot nur „under protest“, also unter Protest mache… Wir mochten dass, denn man konnte das auch auf eine andere Art sehen und das fanden wir interessant. Es ist schon so lange her, dass wir ein komplettes Album mit neuen Songs aufgenommen haben, es ist fast schon so als würden wir uns darüber beschweren. … Ha!

Christian Böttjer: Ende 2010 seid Ihr zum ersten Mal nach langer Zeit mal wieder hierzulande getourt. Warum hat es solange gedauert, und was habt Ihr in den letzten Jahren so getrieben?

Johnny: Wir haben jedes Mal, wenn wir durch Europa getourt sind draufgezahlt. Wir konnten es uns einfach nicht leisten hier zu spielen. Wir waren damit beschäftigt, alle möglichen Arten von Musik mit anderen Bands sowie auch den SWINGIN‘ UTTERS zu komponieren. Und wir quälten uns damit, Miete, Rechnungen und Lebensmittel zu bezahlen.
Darius: Einige von uns haben Kinder groß gezogen und viel gearbeitet… und wir haben alle noch andere Bands. Es ist nicht einfach regelmäßig zu touren oder aufzunehmen, wenn du nicht viel Geld verdienst, versuchst Kinder großzuziehen und aufpassen musst nicht geschieden zu werden. Wir haben während der ganzen Jahre Musik gemacht, nur eben nichts Neues für die UTTERS. Ich weiß wirklich nicht, warum es so lange gedauert hat. Ich denke es ist eine Schande, das wir so die Jahre verschenkt haben. Aber nun sind wir dabei, neues Material zu schreiben und zu touren. Wir haben sozusagen einen zweiten Lauf, und wir genießen es wirklich.
Greg: Jack und ich haben 2005 mit den US BOMBS in Deutschland gespielt. Ich habe auch mit anderen Bands gearbeitet und bin mit VIVA HATE aus Los Angeles getourt.

Christian Böttjer: Was mögt Ihr eigentlich am meisten, wenn Ihr auf Tour seid und was mögt Ihr weniger?

Greg: Es ist großartig die Welt mit unseren Freunden zu sehen, insbesondere wenn es durch unsere Musik ist. Ich mag es andere Kulturen, Traditionen, Musik und Kunst zu sehen. Ich glaube es hilft uns alle Menschen besser zu verstehen, und uns zu zeigen, dass wir alle eine Rasse sind, die darum kämpft zu überleben und glücklich zu sein.
Johnny: Ich liebe es neue Fans zu treffen und neue Orte zu sehen. Die Schmerzen, die es in meinen Knien hinterlässt, mag ich weniger.
Darius: Ich mag alles daran. Ich glaube, manchmal gehen wir uns einfach ein bisschen auf die Nerven und brauchen eine kleine Pause voneinander, aber die einzigen Menschen die ich wirklich ständig um mich haben will, sind meine Frau und meine Kinder, deshalb ist das nichts komisches oder so… Ich liebe das Reisen und die Musik.

Christian Böttjer: Habt Ihr eigentlich noch Kontakt zu Eurem alten Bassisten Kevin Wickersham und zum Gitarristen Max Huber?

Johnny: Ich habe noch Kontakt zu beiden. Kevin ist gerade letzten Sommer mit den SWINGIN‘ UTTERS getourt und hat Bass gespielt. Sie haben die Band verlassen, weil sie etwas anderes mit ihrem Leben anfangen wollten.
Lasst uns über Eure anderen Bands sprechen. In welchen Bands spielt Ihr noch neben den SWINGIN`UTTERS?
Johnny: Ich versuche gerade eine DRUGLORDS OF THE AVENUES Platte fertigzubekommen. Ich habe zwei neue Songs für FILTHY THIEVING BASTARDS geschrieben und zusammen mit Jack einen neuen Song für die SWINGIN‘ UTTERS. Ehrlich, wir schreiben auf die Art, die am meisten produktiv für alle drei Bands ist. Ich schreibe normalerweise die Texte für die großartige Musik, die die anderen Bandmitglieder komponieren.

Christian Böttjer: Was habt Ihr eigentlich für Jobs neben den SWINGIN‘ UTTERS?

Johnny: Ich schlag mich so durch, wie jeder andere auch. Ich bedrucke T-Shirts für unsere Website www.swinginuttersstore.com und für jede andere Band, die günstige aber qualitativ hochwertige Shirts haben will. Ich bedrucke die Shirts in meinem Keller, deshalb ist es kein richtiger Lebensunterhalt. Ich kümmere mich darum, dass meine Kinder zu Schule kommen, hole sie wieder ab und mache das Essen, die Wäsche und den Abwasch. Ich zeichne viel und versuche meine Kunst hier zu zeigen: www.absolutearts.com/portfolios/j/johnalbert.

Christian Böttjer: Mit „Untitled 21: A Juvenile Tribute To Swingin‘ Utters“ ist ein Tribute-Album für Euch erschienen. Wie gefällt Euch das Album?

Johnny: Ein Tribute Album ist einfach nur schmeichelnd, ich muss es ja einfach lieben. Ich wäre wohl eine schreckliche Person, wenn ich etwas Schlechtes über ein Tribute Album sagen würde, oder? Die Coverversion von Off with Their Heads ist sehr gut.

Christian Böttjer: Wie ist eigentlich Eure Meinung zu Barack Obama?

Darius: Ich glaube Politiker sind alle gleich, ich traue keinem von ihnen. Aber ich mag Obama mehr als alle anderen Präsidenten in meinem Leben. Vielleicht ist er auch nur ein sehr listiger, guter Politiker, wer weiß… Ich glaube im Großen und Ganzen hat er es richtig gemacht. Ich bin froh, dass Bush nicht mehr im Amt ist. Ich wünschte mir er wäre im Gefängnis für seine Kriegsverbrechen, aber dafür ist immer noch Zeit. Im Grunde wäre, nachdem unser Land acht Jahre von einem verdammten Kriminellen regiert worden ist, einfach jeder eine Verbesserung gewesen. Ich ducke mich immer noch wenn ich ihn sehe und es ist mir total peinlich, dass mein Land ihn gleich zweimal (!) gewählt hat. Ich denke Obama ist ok, aber nicht der Visionär, auf den alle gehofft hatten. Wenn ich Präsident wäre, würde ich eine universelle Gesundsheitversorgung für alle einführen. Ich würde es so machen wie es in den meisten Ländern auf der Welt ist, oder wenigstens so, wie ihr es in Europa habt.
Johnny: Ich bin damit zufrieden, dass er versucht, dass wieder zu richten, was Bush in acht Jahren versaut hat. Das ist ein Job, den niemand wirklich beenden kann. Amerika hat eine schreckliche Vergangenheit, was Korruption angeht.
Greg: Er ist ein schon ein Stück besser. Aber es braucht mehr Zeit, als vier Jahre, um das zu reparieren, was das Bush-Regime zerstört hat. Ich habe Geduld und werde die Hoffnung nicht aufgeben. Amerika hat’s echt versaut, seit dieses Land von seinen Ureinwohnern gestohlen wurde und Gier, Selbstsucht und machthungrige Menschen aller Schichten, Generationen von Nachkommen mit einer sehr verzerrten Sicht auf unsere Gesellschaft und wie sie sein sollte, in die Welt gesetzt haben.

Christian Böttjer: Was ist für Euch nach über 20 Jahren SWINGIN‘ UTTERS die Motivation Konzerte zu spielen und noch Alben zu veröffentlichen?

Johnny: Sieh es einfach niemals als selbstverständlich an! Wir als Mitglieder der SWINGIN‘ UTTERS haben sehr viel Glück, dass wir in der Lage sind zu reisen, Shows zu spielen und uns auszudrücken. Und dann noch Spaß dabei zu haben.
Darius: Wir wollten alle das gleiche zur gleichen Zeit, und deshalb passiert es wieder. Ich wollte eigentlich nie wirklich aufhören zu touren und aufzunehmen, aber ich bin nicht die einzige Person in der Band. Wir glauben alle noch an die Band, und die Musik, die wir zusammen machen. Wir haben uns nie getrennt oder so, aber wir waren so untätig, was das schreiben von neuem Material angeht. Das ist so, als ob wir eine lange Zeit zu faul waren, oder uns in einem Dornröschenschlaf befanden und wir gerade aufgewacht sind.
Greg: Es ist schön, zumindest eine Sache im Leben zu haben, die ich nicht total versaut habe. Und wir machen es zu lange, um jetzt aufzuhören.

Christan Böttjer: Was war der Grund für Euch, Punkrocker zu werden? Erinnert Ihr Euch noch an Eure erste Punkplatte und an Euer erstes Konzert, dass Ihr gesehen habt?

Johnny: Punkrock ist für mich die Freiheit sich auszudrücken.
Darius: Die erste Platte war die „Should I stay or should I go-Single“, die mir meine Schwester zum Geburtstag geschenkt hat als ich 11 war oder so. Und ADAM & THE ANTS mochte ich wirklich… Meine erste Punkshow war glaube ich DEAD KENNEDYS und MDC oder so…
Greg: Freiheit von Gesellschaften ist cool. Für mich selbst zu denken, anziehen was ich will, essen was ich will, so zu leben wie ich es will. Zur Schule oder zur Arbeit meiner Wahl gehen. Obwohl ich ein hartes Leben hatte, hat Punkrock mir die Mittel gegeben, ein guter Mensch zu sein, nicht nur auf Anarchie und Zerstörung aus. Erste Punkplatte war CLASH und erstes Konzert DEAD KENNEDYS.

Christian Böttjer: Welcher Song und welches Album von den SWINGIN‘ UTTERS gefällt Euch am besten und warum?

Greg: Ich mag Teile von allen Alben. „Streets of San Francisco“ wegen der Erinnerungen. „Five Lessons Learned“ hat Spaß gemacht aufzunehmen. Da haben viele Leute drauf gespielt, weil wir zu der Zeit keinen Bassisten hatten. Ich finde klasse, dass wir mit vielen verschiedenen Musikern und Instrumenten dran gearbeitet haben. „Self-Titled“ war gut, weil die Scheibe mehr von diesem Country/Folk Gefühl vermittelt hat.
Johnny: „Streets of San Francisco“ ist mein Lieblingsalbum, weil 19 Songs drauf sind, einer nach dem anderen. Das war unsere erste LP und sie klingt immer noch eindringlich und packend.
Darius: Schwer zu sagen, aber ich glaube mein Lieblingsalbum ist „Dead Flowers…“ und mein Lieblingssong ist „Shadows and Lies“. Ich weiß nicht genau warum, ich mag die Scheibe einfach und wie der Song geworden ist. Oft hören sich die Dinge später nicht so an wie du sie dir vorgestellt hast.

Christian Böttjer: Was war für Euch in der langen Bandgeschichte der größte Erfolg und was die größte Enttäuschung?

Darius: Größte Erfolge waren, bei Fat Wreck unterschrieben zu haben, 1995 unseren ersten US-Agenten zu bekommen und unsere erste Tour im Herbst 1994. Der größte Misserfolg ist, dass wir nicht wirklich von unserer Musik leben können.
Johnny: Als Vorband für „THE POGUES“ zu spielen war mein größter Erfolg, und dass ich nie JOE STRUMMER getroffen habe mein größter Misserfolg.
Greg: Von Menschen zu hören, denen unsere Musik geholfen oder vor verschiedenen Dingen im Leben beschützt hat. Anderen zu helfen ist Erfolg für mich. Durch die Welt zu touren ist auch großartig. Ich wünschte, wir hätten schon an mehr Orten getourt und wären dort vorwärts gegangen, wo wir Rückschritte gemacht haben.

Christian Böttjer: Viele Leute sagen, dass früher alles besser in Punkszene war, wie ist Eure Meinung dazu? Wie ist Eure Szene in San Franciso?

Johnny: Es war früher besser als wir jünger waren, da gab es nicht diesen Überschuss an grauenvollen Bands und viel mehr Underground. Die Szene in San Francisco war großartig in den neunziger Jahren.
Greg: Es ist komisch, weil Punk mittlerweile so sehr in den Mainstream involviert ist, so war es nicht als ich da rein gekommen bin. Ich glaube immer noch an meine politischen und sozialen Ideale wie früher, aber ich bin etwas ruhiger geworden. San Francisco hat heutzutage eine ordentliche Musik Szene, aber wie überall haben Clubs geschlossen, Leute sind weggezogen, usw.

Christian Böttjer: Wer entwirft eigentlich Eure Album-Cover und welches ist Euer Lieblingscover?

Johnny: Ich bin sehr in die Gestaltung unserer Cover involviert, weil ich so was einfach liebe. Mein Lieblingscover ist wohl das „DRUGLORDS OF THE AVENUES – Sing Songs“ Artwork.

Christian Böttjer: Viele Bands aus Amerika sind sehr patriotisch wie bespielsweise die DROPKICK MURPHYS. Wie ist Eure Meinung dazu?

Darius: Ich bin absolut nicht patriotisch. Ich verstehe einfach nicht, wie wichtig der Patriotismus für einige Menschen ist. Meine Eltern waren beide Einwanderer, also bin ich Amerikaner in der 1. Generation. Ich weiß nicht ob das etwas damit zu tun hat, aber ich kann da wirklich nichts mit anfangen. Ich glaube Amerikaner kommen sehr überheblich und macho-like rüber, wenn sie so überpatriotisch sind. Ich glaube es ist unnötig und ein bisschen vulgär. Um das einmal gesagt zu haben, die DROPKICK MURPHYS sind gute Freunde von uns und
ich will sie in keinster Weise herabwürdigen, es ist einfach nicht so mein Ding.
Greg: Ich liebe unser Land und die Mehrheit der Bevölkerung und ich weiß, das gehört bei vielen dazu. Ich liebe die Leute aus anderen Ländern, und ich glaube nicht dass ich besser als sie bin, nur weil ich Amerikaner bin. Ich glaube nicht, dass irgendeine Rasse, Religion, usw. zerstört werden sollte. Aber ich bin gegen Nationalismus. Da gibt es einen Unterschied. Progressiver Patriotismus wie Billy Bragg es beschrieben hat.

Christian Böttjer: Einige Bands wie beispielsweise die VANDALS haben für die US-Truppen im Irak gespielt. Daraufhin haben viele Fans die Konzerte der Band in Deutschland boykottiert. Wie ist Eure Meinung dazu?

Darius: Ich kann verstehen, warum das einige Leute ankotzt, aber ich glaube die von der USO (United Service Organizations, Dachorganisation für Truppenbetreung) veranstalteten Touren sind eher als Bonus für die Soldaten gedacht und nicht für die Regierung, unter der sie dienen. Ich habe ein Problem mit dem Militär und den Amerikanern die Welt-Polizei spielen und so, aber viele dieser Soldaten sind einfach nur Soldaten – sie glauben sogar manchmal nicht zwingend an das was
sie die ganze Zeit tun. Das ist ein bisschen befremdlich, aber ich glaube man sollte anerkennen, dass sie ihre eigene Sicherheit für die des Landes aufs Spiel setzen. Sie sind ziemlich bewundernswert finde ich. Ich glaube allerdings, dass jede Art von Krieg ein verdammtes Verbrechen ist.
Greg: Ich glaube Soldaten, sowie auch Gefangene, sind einfach nur Menschen. Viele werden in zu jungen Jahren ihres Lebens beeinflusst und treffen falsche Entscheidungen. Natürlich würde ich mir den Weltfrieden wünschen, aber ich unterstütze keine unnützen Kriege.

Christian Böttjer: Viele Leute ziehen sich die Musik nur noch illegal und kostenlos aus dem Internet und kaufen sich keine Platten mehr. Was denkt Ihr darüber?

Johnny: Also mich stört das nicht.
Darius: Ich denke das kostenlose downloaden von Songs ist ziemlich unfair. Ich verdiene so schon nicht genug zum Leben mit der Musik, deshalb ist das so wie das Messer einer eh schon in den Rücken gestochenen Industrie noch mal in der Wunde drehen.
Greg: Das kostenlose Downloaden von Songs hat die Musikindustrie erschüttert. Das ist ein Grund, warum Konzert-Tickets so teuer sind und einige Bands es nicht mehr schaffen. Für einen Musiker ist das als wenn man dein Gehalt halbiert.

Christian Böttjer: Ein Album von Euch heißt „A Juvenile Product of the Working Class“. Ihr habt früher viel von COCK SPARRER gecovert. Stimmt Ihr überein mit den Stereotypen von Skinheads und der Working Class-Attitude?

Darius: Wir mochten COCK SPARRER einfach und wir mochten ein paar der „Oi-Bands aus der Szene und SHAM 69 als wir angefangen haben. Wir haben viele Freunde die Skinheads sind oder waren (nicht-rassistisch engagiert natürlich), und in Santa Cruz gab es eine sehr hohe Bevölkerungsdichte von Skinheads in den achtziger und neunziger Jahren. Ich gebe wirklich einen Dreck auf „Oi“, oder Skinhead, oder „Arbeiter-Klasse“, oder das „richtige Punk-Rock-Verhalten“ oder wie auch immer du es nennen willst. Ich hasse diesen Scheiß einfach. Wir sind eine Punk-Band, und das ist alles was ich dazu zu sagen habe. Ich mag uns nicht „Arbeiter-Klasse“ nennen oder welchen Mist auch immer, denn wenn ich ehrlich bin mache ich lieber nen Haufen Geld mit der Musik als Klempner zu sein. Ich verstehe warum die Leute uns als Mitglieder der Arbeiter-Klasse ansehen und ich respektiere jeden aus dieser Sparte (denn ich bin ja selbst Arbeiter-Klasse), und das ist gut so, aber das ist nie etwas gewesen, womit ich aufgetrumpft habe, was unser Image betrifft. „A Juvenile Product of the working Class“ ist übrigens eine Zeile von Elton John.
Greg: Unsere Musik ist für jeden. Einige von uns kommen aus der Fabrikarbeitersparte, der Arbeiterklasse, der Unterschicht, usw. Auch wenn wir in unserer Jugend Skinheads oder Punks waren, sind wir auf keinen Fall eine Oi- oder Skinhead-Band. Wir sind einfach Musiker.
Johnny: Stereotypen sind nicht gut. Ich stehe hinter jedem und unterstütze jeden aus der Arbeiterklasse. Ich denke, dass ehrliche Arbeit dich zu einem besseren Menschen macht.

Christian Böttjer: Ihr habt ja auch Folkeinflüsse in der Musik. Erzählt mal ein bisschen dazu!

Darius: Wir hören eine Menge verschiedene Musikrichtungen, und eine davon ist Country und Folk Musik, meistens amerikanische, aber eigentlich von überall. Es ist eine natürliche Entwicklung vom Punkrock aus betrachtet. Wir sind auch riesengroße POGUES-Fans. Sie waren immer ein Haupteinfluss für unsere Band. THE CLASH, THE POGUES und STIFF LITTLE FINGERS waren die Top 3 für uns, als wir angefangen haben.
Greg: Als ich aufgewachsen bin habe ich eine Menge Folk Musik gehört, meistens amerikanische aber auch irische. Meine Eltern hatten immer so was an wie GUTHRIE, SEGER, DYLAN, PETER/PAUL & MARY, CLANCY BROTHER, JIM CROCE, CAT STEVENS usw.. THE POGUES, THE CLASH und STIFF LITTLE FINGERS waren große Vorbilder für uns, als wir die Band gegründet haben. Bands die uns als Vorbilder nehmen, machen dasselbe.
Johnny: Ich habe immer diese Protest-Lieder geliebt und die Bands die damit Erfolg hatten. Ich bin stolz auf sie, weil sie unsere Freunde sind.

Christian Böttjer: Bei den POGUES ist jetzt ja Shane wieder dabei, habt Ihr sie mal wieder live gesehen?

Johnny: Ich habe sie in den achtziger Jahren mit Shane gesehen, und bei FILTHY THIEVING BASTARDS hat Spider Stacy von den POGUES eine Zeit lang gesungen.

Christian Böttjer: Ich bin großer DAMNED-Fan. Ihr seid ja mit ihnen getourt. Da gibt es doch bestimmt ein paar lustige Anekdoten!

Darius: Das ist über 10 Jahre her, und es war großartig. Wir sind auf jeden Fall große Fans. Ich war einmal im Hotel-Pool mit CAPTAIN SENSIBLE schwimmen. Das war so verdammt unrealistisch. Er hat mir einen Haufen Geschichten von damals erzählt, und es war echt cool. Das sind einfach nette Leute.
Greg: Ich liebe THE DAMNED. Wir waren auf Tour mit ihnen zwei Wochen nach den Anschlägen vom 11. September. Es war damals eine sehr emotionale Zeit zu touren. Es hat sich großartig angefühlt vor so vielen betrübten Menschen zu spielen und ihnen damit zu helfen dem zu entfliehen, was sie gerade erlebt hatten. Captain Sensible ist so ein lustiger Typ. Sie sind großartig.

Christian Böttjer: Ok, danke für das Interview. Habt Ihr abschließend noch eine wichtige Message?

Johnny: Wir hoffen wir sehen euch bald in Deutschland. Holt euch SWINGIN` UTTERS, FILTHY THIEVING BASTARDS, DRUGLORDS OF THE AVENUES und meine persönlich designeten T-Shirts auf www.swinginutterstore.com. Danke!
Greg: Peace & Love.

Das Interview stammt aus dem aktuellen Mind the Gap-Fanzine.
Die Ausgabe ist für 2 Euro + Porto erhältlich bei Christian Böttjer, Chapeaurougeweg 6, 20535 Hamburg.

Stomper 98 Interview (01.09.2012)

Erstmal Hallo und Danke dass ihr euch die Zeit nehmt für dieses Interview. Ihr habt erst vor kurzem eure Tour mit den Jungs von The Old Firm Casuals und dem Punk-Urgstein Lars Frederiksen hinter euch gebracht und jetzt steht ihr mit einem neuen Longplayer in den Startlöchern. Grund genug mit euch mal ein bisschen zu plaudern! Wie lief die Tour und wie kam der Kontakt zu Lars Frederiksen zustande?

Sebi: Auch Dir erst mal vielen Dank für das Interesse an unserer Band. Die Tour lief super für uns und war in unseren Augen ein voller Erfolg. Gerade die Gigs unter der Woche haben uns gezeigt wie viel Interesse die Leute da draußen an uns uns haben und gemeinsam mit THE OLD FIRM CASUALS im Tourbus war es auch menschlich eine tolle Zeit, wir hatten eine Menge Spaß an den Backen. Das wird auf jeden Fall wiederholt und die Planungen laufen auf Hochtouren das wir mit den Amis zusammen an der Westküste der USA touren. Hängt ein bisschen mit unseren Zeitplänen für 2013 zusammen, aber gerade fürs 15. Bandjahr ist so eine Möglichkeit natürlich ein Traum! Die lustigen Geschichten und der Zusammenhalt unserer Bands ist wirklich kaum zu beschreiben und ein Highlight in der Bandgeschichte. Tommi,Lars und ich haben auf der Tour gejammt und Lars hat schon Ideen für ein paar gemeinsame Songs. Wenn es unsere Zeit erlaubt werden wir sicher nochmal darauf zurückkommen,das kann noch interessant werden. Mal sehen wie sich das entwickelt.

Kontakt habe ich mit Lars seit 2 Jahren und wir sind im Laufe der Zeit Freunde geworden. Er ist ein aufrichtiger, sensibler Mann und weit davon entfernt ein „Rockstar“ zu sein. Witzigerweise verfolgt er das was wir machen von Anfang an und als Plattensammler hat er seit unserer ersten Single fast alle Veröffentlichungen von uns. Auf der Tour hat er meine Familie und mich zu Hause besucht und wir stehen uns schon sehr Nahe. Selten habe ich einen offeneren Menschen als ihn getroffen. Ich schätze ihn als Freund und Musiker. Auf der diesjährigen Tour von RANCID vor ein paar Wochen waren wir als Main Support gebucht, mussten aber unsere Shows alle canceln, da die Frau unseres Saxophnisten in dem Zeitraum ihr erstes Kind erwartete und Holgi dann natürlich nicht auf Tour gehen konnte. Nächstes Mal sind wir dann dabei, anyway.

Du sprichst die neue Platte an, wir können es gar nicht abwarten sie endlich zu veröffentlichen. Wir haben eine Menge Energie in die Songs gesteckt und wollen jetzt endlich alle daran teilhaben lassen. Beim Song „Heartbeat“ hat Lars Frederiksen auch mitgewirkt und einen tollen Gastauftritt hingelegt. Für den Text hatte ich 2 Strophen und den Refrain im Kopf und Tommi hat dann den Song wahnsinnig arrangiert. Das war so das Prinzip bei der Platte. Die Texte waren von mir vorbereitet und im Proberaum haben wir uns dann um das musikalische Arrangement gekümmert. Alles gemeinsam als Band. Tommi hat sich seine Zeit dann genommen und das alles ins musikalische verpackt. Als das soweit stand wurde das Grundgerüst geprobt und ausgebaut. Es waren lange und anstrengende Wochenenden, aber es hat alles gepasst und die Vorgehensweise hat die Platte genau deswegen so lebendig gemacht. Wie vorhin erwähnt singt Lars bei „Heartbeat“ mit. Er hat die 3. Strophe auf englisch geschrieben und eingesungen. Passt hervorragend zu dem Song und es erfüllt uns natürlich mit Freude das er mit an Bord ist und auch noch kompositorisch beteiligt ist.

Woher nehmt ihr momentan all die Energie? Ihr seid aktiver denn je. Neues Album, mehrere Split-7“ in der letzten Zeit, eine relativ große Menge Konzerte und fast jeder von euch spielt noch in anderen Bands.

Sebi: Passion,Mann, es funktioniert nur mit Passion und einer Menge Spaß. Ich frage mich öfters wie das alles so funktionieren kann und habe tatsächlich keine wirkliche Erklärung. Die verschiedenen Charaktere in der Band und unsere Freundschaft zueinander ergänzen sich einfach wahnsinnig. Es spielen da Dinge wie Disziplin und den Willen das Kind am laufen zu haben eine große Rolle, aber in erster Linie ist es die familiäre Freundschaft die uns verbindet. Jeder hat seine „Aufgaben“ innerhalb des Bandgefüges und kennt die Schwächen und Stärken der anderen Jungs. In Sachen Songwriting haben Tommi und ich einen absoluten Zugang zueinander gefunden, da greift ein Gedanke in den anderen während der Phasen des Songschreibens. Und natürlich steckt da auch eine Menge Arbeit hinter, so einen Flohzirkus am laufen zu halten. Jeder hat seine Sachen neben STOMPER 98 und das verlangt auch alles seine Energie und wenn wir dann alle aufeinander treffen ist es oft auch ein wenig chaotisch,aber das macht die Sache spannend und liebenswert für mich. Wie ein Familientreffen sozusagen. Nicht zu vergessen sind die Menschen die uns begleiten und hinter den Kulissen für uns da sind. Wir sind mit einer tollen Crew unterwegs, denn wären es nur wir 6, dann wäre das oft zu viel Arbeit. Im Hintergrund sind ein paar tolle Menschen die uns tatkräftig unterstützen wie beim Sound,Aufbau,Abbau,Merchandise,fahren etc. , ohne die würde es gar nicht gehen. Naja, und ohne den Support der Familie wäre das auch nicht möglich. Unser Label SUNNY BASTARDS lässt uns auch großen Spielraum und schenkt uns fast blindes Vertrauen.Wir können ohne zu übertreiben sagen, das wir schon eine tolle Ausgangsposition haben. Für Konzerte haben wir die Hilfe von MAD TOURBOOKING und planen alle unsere Touren gemeinsam. Also wie Du schon raus hörst, steht natürlich der Spaß an der Musik in erster Linie, doch ganz ohne Hilfe von Crew,Freunden und Familien würden wir das nicht hinbekommen. Das was wir haben ist nicht selbstverständlich und wir haben den Spaß und den Ehrgeiz das auch so zu erhalten wie es ist ! I.S.P. for life !

15 Jahre Stomper 98! Ihr zählt mittlerweile in Deutschland zu einer der beliebtesten Oi! Bands. Ihr habt bereits mit Lars Frederiksen gespielt bzw. ihr hättet mit Rancid spielen können. Eine der interessantesten Punkbands der 90er Jahre. Ihr habt in der Zeit seit dem du an den Gesang gewechselt hast eine steile Karriere hingelegt. Hättest du dir das damals vorstellen können und in welche Richtung wird der Zug weiter fahren?

Sebi: Karriere und beliebt hört sich irgendwie schräg an. Ich denke wir haben einfach immer unser Ding gemacht und die Musik, die Attitüde und den Stil nie verändert. Alles was wir erleben dürfen sehe ich als ein großes Geschenk und Abenteuer. Fast 15 Jahre begleitet mich die Band und bei allen wichtigen Ereignissen in meinem Leben seit den frühen Zwanzigern ist die Band allgegenwärtig. Das ist ein Teil von mir und ich habe da auch schon jeden Zustand erlebt den man sich vorstellen kann. Ziemlich genau weiß ich noch wie es war sich den Arsch abzuspielen,hunderte von Kilometern zu fahren und um dann vor 20-30 Leuten zu spielen, die sich nicht mal die Supportband – in dem Fall wir – angesehen haben. Wenn Du auf bepissten Matratzen pennst,bei irgendwem auf dem Fußboden oder in Frankreich von den Bullen um hunderte Euros (damals noch D-Mark) erleichtert wirst und es dann bessere Zeiten gibt,dann weiß man das einfach zu schätzen. Manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken das alles nur ein Traum ist, wie viele Leute unsere Band kennen und/oder sich für uns begeistern. Wir bekommen Post von Kids denen wir mit unserer Musik geholfen haben ihr Leben auf die Kette zu kriegen. Das ist etwas Besonderes und damit gehen wir auch vorsichtig um. Da es nie eine Option war die Band zu einem Job zumachen,ist auch alles relaxt was Konzerte etc betrifft. Wir haben keinen Druck und können uns ganz entspannt auf neue Sachen vorbereiten. Mein Job in einem Lager ist ein durchschnittlicher Arbeiterjob, da hab ich zwar relativ flexible Möglichkeiten bei  der Urlaubseinteilung,aber meist stehe ich Montag morgens um 6 wieder auf der Schicht. Da werde ich regelmäßig erinnert was wir für tolle Möglichkeiten haben und genieße alles doppelt.

Für uns geht es weiter wie bisher. Ende September erscheint die neue Platte „Bis hierher“ und dann geht es im Herbst wieder in die USA nach New York. Am 1.Dezember findet im Conne Island in Leipzig unsere Record Release Show statt und dann ist das Jahr auch schon wieder um. Für uns ist die Veröffentlichung der Platte schon sehr aufregend, denn wir haben lange daraufhin gearbeitet und sind wirklich gespannt wie die Leute sie aufnehmen. In Sachen musikalischer Ausrichtung oder Stil hat sich nichts verändert zu den älteren Scheiben. Allerdings sind wir diesmal ein bisschen anders daran gegangen als bei den Scheiben davor. Wir haben monatelang im Proberaum gefeilt & arrangiert, das merkt man den Songs an. Bei den Aufnahmen selber habe ich teilweise gedacht ich stehe vor einem riesigen Berg, den ich nie bezwinge. Da mussten wir uns alle strecken, denn es sollte alles stimmig sein.

Der Zug bleibt so in Fahrt wie bisher und mal sehen was dann 2013 – im fünfzehnten Bandjahr – alles so passiert. Wir haben genug Pläne und Ideen das es spannend bleibt.

Da wir gerade schon bei der neuen Scheibe und der „Passion“ waren. Passion zum Skinheadkult oder die Passion zum Musik machen? Ich denke bei eurer Band kommt beides definitiv auf einen großartigen Nenner, wenn ich mir das neue Album so anhöre. Man merkt, wie schon auf den vorangegangenen Alben, dir liegt die Liebe zur Szene sehr am Herzen und der Song „Go Back To Oi! School“ ist da ein passendes Statement. Was war der Auslöser zu diesem Song und wie siehst du die momentane Skinheadszene?

Sebi: Hm, irgendwie Beides, ja. Wobei ich schon sagen muss, dass ich da auch nicht wirklich drüber nachdenke. STOMPER 98 ist halt so wie es ist. Natürlich gibt es da die Zugehörigkeit zur Skinheadszene, aber wir merken über die Jahre, dass es auch sinnlos ist sich als Band – oder als Mensch – selbst zu limitieren was Musik betrifft. Es gibt soviel Musik da draußen und wir sind sechs Leute, da kommen natürlich auch eine Menge Ideen zusammen. Die „Szene“ selber können wir nicht beeinflussen und das ist auch gar nicht unsere Aufgabe. Frag die Kids was ihnen wichtig ist, wie sie ticken und was sie als „Szene“ betrachten. Da hast Du bei 20 Leuten gleich 20 Meinungen. Mein Umfeld ist nicht auf Szene reduziert, die meisten Freunde kommen allerdings irgendwie aus dem Bereich, das stimmt schon. Da wir alle jetzt 20 und mehr Jahre unterwegs sind, macht man sich natürlich Gedanken um die Veränderungen. Das würde ich aber auch gar nicht so Szene bedingt sehen, es ist eher eine Frage der Gesellschaft an sich und subkulturelle Szenen sind da auch nur ein Spiegel der momentan vorherrschenden Situation in Wirtschaft,Politik etc. Mein Blickwinkel auf die Skinheadszene ist dabei vollkommen irrelevant, denn für junge Leute gibt es nichts schlimmeres als wenn alte Typen sich hinstellen und sagen „früher war es so & so“ oder viel schlimmer noch „früher war alles besser & ihr wisst gar nicht wie toll das war“. Das ist genau das was niemand braucht und nicht besser als die alten Hippies in den Siebzigern, die den musikalischen und kulturellen Ton angeben wollten und dachten mit ihrem altem Mief besonders innovativ zu sein. Natürlich haben ältere Leute Erfahrung, aber weißt Du wie es sich anfühlt wenn die Nase bricht, obwohl Du noch nie einen Schlag aufs Nasenbein bekommen hast? Nein, denn erzählen bringt nichts, das müssen die Kids selber erleben und dann wissen sie auch damit umzugehen. Mein Leben findet im Hier und Jetzt statt und Erinnerungen was früher war sind oft lustig und irgendwie verklärt, aber grundsätzlich liebe ich die Gegenwart, auch was die SKinheadszene betrifft.
Ursprünglich kommt „Go Back To Oi! School“ eigentlich daher, das wir uns mal bei `nem Coversong (Business „Real Enemy“) im Proberaum übelst verspielt haben und Phil mit großem Gelächter mit dem Stick auf mich zeigte und sagte „Go better back to Oi! School,Brother“. Den Satz fand ich super und habe ihn 1-2 Jahre mit mir rumgeschleppt und hatte immer so Sachen wie „New School,Old School,Oi! School“ im Kopf. Naja, und dann kam irgendwann der Text dazu. Die Interpretation überlasse ich anderen. Gerade in Bezug auf STOMPER 98 sagen wir halt direkt wie WIR die Szene sehen und das viele Sachen die von Anfang an über Oi! erzählt und verbreitet wurden einfach nicht stimmen. Alleine diese Vorwürfe „die sind alle unpolitisch“ ist völliger Blödsinn. Gewalttätig, rechtsradikal und was weiß ich noch alles. Alles Humbug und Szenepäpste,anonyme Internethetzer etc., das hat alles nichts mit Subkultur oder dem Skinhead Way of life zu tun. Deswegen „Go back to Oi! School“ und erst mal Hausaufgaben machen.

Auch auf der neuen Scheibe geben wieder die typischen Stomper 98 Songs wie „40 Jahre“ oder auch „Kategorie Oi!“ mit wütend treibenden Beat und eurem ureigenen Stil den Ton an. Aber es finden sich auch extrem melodische Songs wie beispielsweise „Bootboy“auf dem Album. Irgendwie erinnert mich gerade die neue Scheibe immer wieder an französischen Oi! der 80er Jahre. Ich muss da speziell an die melodiösen Komintern Sect oder auch den Warrior Kids denken. Ein Vergleich mit dem ihr Leben könnt oder seht ihr das komplett anders?

Sebi: Auf jeden Fall! Nachdem wir über die Jahre Bands wie „Komintern Sect“ und „Camera Silens“ wieder ein bisschen aus der Versenkung geholt haben ist es für uns eine Freude die positiven Einflüsse ihrer Songs bei uns ein wenig einfließen zu lassen. Gerade die französischen Bands haben es geschafft Härte mit Melodie zu kombinieren und dabei nicht weichgespült zu klingen. Mit einem Saxophon ist es oft nicht so leicht das alles unter einen Hut zu bekommen und für mich haben wir auf der neuen Platte zum allerersten Mal wirklich den Spagat geschafft es in die Musik einzubauen, ohne das Augenmerk zu sehr draufzulegen. Bei „40 Jahre“ hat Tommi ein Riff gebracht was mich nahezu sprachlos gemacht hat und  mit dem Breakdown zum Refrain bin ich beinahe umgefallen. Das von Dir angesprochene „Bootboy“ ist auch so ein Song. Ernster, kämpferischer Text mit stampfenden Drums und ein leichter Offbeat. Dazu der Chorus in den Strophen. Mann, so wollte ich immer das wir klingen. Generell haben wir auf dieser Platte bewusst versucht diese Einflüsse von alten Punkplatten in die Produktion einfließen zu lassen. Vom Soundgewand her haben wir die moderne Technik natürlich genutzt, aber beim Gesang zum Beispiel in dem Rahmen gearbeitet, soviel wie möglich am Stück einzusingen um alles lebendig zu haben. Teilweise sind da Stellen wo ich später schmunzeln musste wie anstrengend es war dort hinzukommen. Die Jungs haben mich fast wahnsinnig gemacht und mir alles abverlangt. Wir sind keine Freaks ,die jetzt unbedingt alles so haben wollen wie 1982, denn die Rahmenbedingungen sind ja weitaus besser was die Technik betrifft, aber das Gefühl,Lebendigkeit und Authentizität von älteren Produktionen vermisse ich bei modernen Platten oft. Da klingt jeder Refrain gleich. Und warum? Weil alles per Klick eingespielt ist und kopiert. Darüber hinaus macht es keinen Sinn, wenn der Drummer nicht „klickfest“ ist und das Schlagzeug sich dann zu sehr daran orientiert und die Lebendigkeit eines eigentlich guten Drummers verloren geht.

Als einziges Cover findet sich diesmal der wirklich längst in Vergessenheit geratener Song „K.I.P., der mir eigentlich nur in Erinnerung geblieben ist, weil es für mich das erste Stück gewesen ist bei dem ich bei einer Band aus Deutschland das erste mal Oi! Oi! Oi! im Songtext gehört habe. Wie kamt ihr da ausgerechnet auf die Band KFC?

Sebi: „Trink Genosse Trink, Denk Genosse Denk, Qualität ist Quantität, zum Saufen ist es nie zu spät, Knülle im Politbüro Oi!Oi!Oi!“ – ach das ist eigentlich nur ein Spaß und ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl in die Richtung der Leute, die uns das Leben schwermachen wollen. Da würde ich jetzt nicht zu viel rein interpretieren. Ansonsten sind Bands wie DER KFC,DAILY TERROR,SLUTS,NOTDURFT,DIE ALLIIERTEN,COTZBROCKEN usw. natürlich maßgeblich an der subkulturellen Sozialisierung in unserer Jugend schuld und eine kleine Hommage ist immer drin. Als wir im letzten Herbst/Winter die Wochenenden im Proberaum verbracht haben und dann im Studio loslegten, habe ich bewusst viel so altes Zeug gehört und die Platten rausgekramt, weil ich die Wut & die Aufbruchstimmung so mag und diese Energie für mich nutzen wollte. Es hätte auch „Der Friseur“ von ALLIIERTEN sein können. Finde ich auch großartig. 30 Sekunden Gaspedal wie schon die CRO MAGS Nummer auf der „Tage Deiner Jugend“. Ich hoffe das einige Kids die mit den alten Punkplatten nicht so vertraut sind diese Bands wiederentdecken und merken, das dort die Wurzeln von einigen deutschen OI! & Punkbands liegen

Stomper 98 goes Country!??! Habe ich das beim Ochsensong II richtig gehört? Ist da diesmal ein Banjo mit an Bord? Wer spielt es und wer hatte die Idee dazu?

Sebi: Um Gottes Willen, Nein hahaha! Auf der „Für die Ewigkeit“ hatten wir 2 Songs (Gesiebte Luft & Nur bei Dir), wo wir ja schon in diese Richtung geklungen haben und mit dem OCHSENSONG II bot es sich an das Thema nochmal aufzugreifen. Country höre ich da weniger, eher ein bisschen folkig angehaucht. Der Text ist ja kämpferisch,trotzig und fröhlich. Dementsprechend sollte auch die Musik sein. Das Banjo spielt ein Bekannter hier aus Göttingen, der macht sonst so Irish Folk Punk/Rock und er hat uns mittags im Studio besucht und das eingespielt. Hat ordentlich Schmiss und rundet den Song gut ab. Die Idee kam uns schon im Proberaum, denn der Refrain bietet hervorragend Platz für so eine Spielerei. Bei dem Lied klingt das Saxophon übrigens genauso wie bei unseren ersten Gehversuchen und Holgi hat es geschafft das Thema vom OCHSENSONG I aufzugreifen, ohne sich selbst zu kopieren. Nun beschimpfen wir die Polizei bzw. den Staatsapparat halt ohne missverstanden zu werden. Da haben wir das Klassenziel definitiv erreicht,hahaha.

Wo wir schon auf die einzelnen Songs eingegangen sind, hast du ein paar Zeilen bzw. Komentare zu den anderen neuen Songs. Über  K.I.P,Heartbeat, 40 Jahre, Ochsensong II und Bootboy haben wir ja schon gesprochen. Wie sieht es mit mit den anderen Songs aus. Gibt es zudem  ein oder anderen Song da auch irgendwelche Anekdoten zuberichten, oder welche Songs liegen dir besonders am Herzen?

Sebi: Seit unserem letzten Longplayer „Für die Ewigkeit“ ist eine Menge bei uns passiert  und die neue Platte lebt von all diesen Ereignissen. Wer ein bisschen verfolgt hat was bei uns so los war bzw. was für ein Aufriss um STOMPER 98 von außen gemacht wurde, der kann sicher nachvollziehen das es da Momente gab die echt schwierig waren und natürlich auch viele tolle Sachen, die wir erleben durften. Das ganze Auf & Ab hat auf „Bis hierher“ einen musikalischen Anstrich bekommen und wir haben da vieles thematisiert. Die Interpretationsmöglichkeiten bei einzelnen Songs sind da wirklich groß und ich empfinde es als Wohltat das enge Korsett der eigenen Limitierung, der wir uns manchmal unterworfen haben, ein wenig zu lockern. In erster Linie unser Stil, absolut Skinhead Rock`n`Roll, auf den zweiten Blick aber sehr viel abwechslungsreicher als z.Bsp. der Vorgänger „Für die Ewigkeit“.
Jeder Song steht für sich, funktioniert auch einzeln und trotzdem zieht sich ein „roter Faden“ durch die Titel. Ich kann da jetzt gar keinen einzelnen Song rauspicken welchen ich am Besten finde. Beim Opener „KATEGORIE OI!“ z.Bsp. spielen wir beim Text mit dem Klischee der Ausgrenzung innerhalb der Punkrockwelt. Es gibt so einige da draußen, die erst mal die Nase rümpfen wenn sie OIOIOI hören. Die Leute, bzw.  die Szene brauch anscheinend diese Einteilungen und Kategorisierungen. Daraus ist die Idee zu dem Song entstanden. Ich höre selber so viele verschiedene Arten von Musik, da muss ich manchmal schmunzeln wie sich das alles nennt oder benannt wird. Und gerade wenn sich über einem das Maul zerrissen wird ohne das wir selbst mal angesprochen werden oder mit uns geredet wird, dann macht es auch Spaß solche Songs zu schreiben. Jedes mal wenn ich die Platte gehört habe finde ich einen anderen Song der besonders hervorsticht und wo ich dann an Situationen denken muss, wie er entstanden ist und was in mir vorging als ich den Text schrieb. Alleine „Löwenherz“ lässt es mir kalt den Rücken runter laufen, bei dem  was da musikalisch draus wurde. Ursprünglich dachte ich an meinen ältesten Sohn als mir die Idee kam. Obwohl er noch jung ist hat er leider schon in manchen Situationen feststellen müssen wie hart die Gesellschaft urteilt und wie schnell man ohne großes Dazutun zum Außenseiter werden kann. Am Ende kam dann eher etwas anderes bei raus. Ich denke bei der Nummer halt immer an ihn bzw. meine Kinder.
Wenn die Platte endlich erscheint, wird sicher jeder der uns hört seine Lieblingssongs finden und am Ende sehen wir dann live was da so geht. Darauf freue ich mich am meisten,ein frisches Set mit einer Menge neuer Songs live zu spielen.

Kommen wir zum Artwork von „…Bis Hier Her!“ . Ich kenne bis jetzt nur die Frontseite der neuen CD und da fällt mir eine gewisse Ähnlichkeit zur letzten Mini CD auf. Wer ist dafür verantwortlich und wird die Cd und die Lp sich von einander unterscheiden? In welcher Auflage erscheint die Lp?      

Sebi: Das Cover ist wieder von Nico (www.slamstattoo.de) aus Nordhausen. Er hat uns das gesamte Artwork bei der „Tage Deiner Jugend“ gemacht und das Cover für die „Antisocial“ Mini CD. Ein guter Freund der Band und gleichzeitig lasse ich mich gerne von ihm tätowieren. Die Ideen haben wir selber und er setzt das dann perfekt für uns um. Das Booklet etc. macht für uns seit längerem Raoul von „Kickstart Graphics“ aus Luxemburg. Auch ein guter Freund der Band. Wir arbeiten am liebsten mit Leuten die wir kennen bzw. finden es wichtig eine Basis zu haben, um Verständnis für das zu finden was wir wollen. Sie Beide wissen immer in welche Richtung es gehen soll und das passt hervorragend.

Die Ähnlichkeit zum „Antisocial“ Cover ist Absicht und steht plakativ und klassisch ohne große Schnörkel für die Situation der Skinheadkultur. Wir können gerne streiten ob Skinheads selber schuld sind, ob es eine Opferrolle ist oder von außen herbeigeführt wurde, aber zu der Musik gibt es einfach kein passenderes Bild. Natürlich ist es auch eine Liebäugelei mit den Wurzeln der 2. Skinhead Welle Anfang der achtziger Jahre.

Das LP Cover wird identisch sein und im Klappcover. Alles ganz schick und verschiedene Farben, denn schließlich ist Vinyl das wichtigste Format. Die Scheibe erscheint bei CRAZY UNITED RECORDS und zusätzlich gibt es noch eine Picture Single mit dem Titeltrack „Bis Hierher“ auf CONTRA RECORDS. Da enthält die B Seite eine Spoken Words Nummer von Roger Miret (Agnostic Front) und eine Liveversion von „Für die Ewigkeit“. Ich bin auf beide Platten mächtig gespannt! Die Auflagen weiß ich gar nicht,wenn ich ehrlich bin. Da fragst  du  am besten mal bei den Labels nach, die wissen das mit Sicherheit.

Ich muss nochmal ein anderes Thema das mir unter den Nägeln brennt ansprechen. Insane Dogs, war das eine einmalige Sache für die Split mit The Old Firm Casuals oder ist da in naher Zukunft noch mehr zu erwarten?       

Sebi: Ursprünglich hatten wir eine handvoll Songs und ich wollte noch eine Band haben mit der ich ein bisschen jammen und Mini Club & Kneipenshows spielen kann,  wenn es bei STOMPER 98 gerade ein bisschen ruhiger zugeht. Nun ist es aber so, dass wir durchgehend zu tun haben und ich kaum Zeit finde da den Fokus  auf eine andere Band zu legen. Wenn es wieder ein bisschen weniger wird, geht es auch mit INSANE DOGS weiter, aber das ist eh ein komplett anderes Ding als S98. Wir haben da mittlerweile auch 15 Songs und schauen mal was wir damit in Zukunft machen.

Zur Record Release Party des neuen Albums habe ich was von internationalen Acts aufgeschnappt. Ist das alles schon in trocknen Tüchern? Wer wird da genau mit an Bord sein? Habe ich richtig gesehen das die legendären Subculture vom „Oi! Oi! Thats Yer Lot“-Sampler mit im Booot sind?

Sebi: Mit SUBCULTURE spielen wir am 2.März 2013 in London/UK! Da freuen wir uns schon mächtig drauf ! Zusammen mit THE TEMPLARS,BOOZE & GLORY, GIMP FIST u.a.
Unsere Record Release Show findet am 1.Dezember im CONNE ISLAND in LEIPZIG statt! Mit an Bord haben wir MARABOOTS,SHOCK TROOPS,BOOZE & GLORY und IRON CROSS. Nach der Show wird es noch Reggae,Ska, Soul usw. von verschiedenen DJ`s geben und wir wollen damit unser Jahr ausklingen lassen. Tickets gibt es unter www.conne-island.de !
Da wir sehr selten spielen wollen wir natürlich auch immer eine gute Mischung aus jungen, neuen und schon großen bzw. bekannten Bands dabei haben. So das jeder was davon hat. Als wir anfingen gaben uns viele Bands eine Chance und das wollen wir auch selbst so machen, jetzt wo wir die Möglichkeiten dazu haben. Die Release Show in Leipzig wird sicher ein Knaller, denn dort haben wir bisher immer großartige Shows gehabt. Und das Line-up ist echt ein Knaller! Internationaler geht kaum und für jeden was dabei!

Wenn ich an die im wahrsten Sinne des Wortes schweißtreibenden Shows in Dortmund in der Kaktusfarm denke, wann beehrt ihr wieder den Ruhrpott?
Sebi:Holy Shit, der Ruhrpott und Umgebung ist immer geil! Keine Ahnung, aber wir treffen irgendwie den Nerv der Leute dort!  Auch in Köln – nicht ganz Pott ,hahaha – vor ein paar Monaten war ein Knaller und hatte was von Fitness in der Sauna. Für 2013 lassen wir es gerade ruhig angehen und haben noch nicht entschieden was wir so machen. Aber ich bin sicher das wir auch einen Abstecher in den Ruhrpott machen, das ist einfach ein Muß!

Ihr habt euch bereits mit sämtlichen Größen die Bühne geteilt. Wer würde da noch auf eurer Favoritenliste stehen?

Sebi: Ich habe da keine Liste, aber ein paar Träume wurden da schon erfüllt. Ehrlich gesagt habe ich da nicht so große Ambitionen in der Richtung mit welchen Bands ich unbedingt die Bühne teilen muss. Ganz ehrlich, wir haben so viele tolle Leute auf Gigs und auf Tour kennengelernt, da wüsste ich jetzt gar nicht was da noch kommen soll. Natürlich wäre es toll mal mit Bands zu spielen die ich selbst gerne höre, aber das ist jetzt nix wo wir drauf hin planen. Wenn man selber spielt ist es für mich sowieso schwierig die anderen Bands dann komplett zu sehen und so zu feiern wie ich das mache wenn ich so auf Konzerte gehe. Da habe ich persönlich oft mehr von und kann richtig abschalten.

Ihr spielt demnächst auch wieder in New York mit den Templars. Wie werdet ihr dort drüben als deutsche Band aufgenommen? Bei uns spielt ihr meisten als Headliner, dort drüben denke ich aufgrund der Sprache eher nicht. Ist das amerikanische Publikum trotzdem textsicher?

Sebi: Textsicher ist da niemand, die bewegen nur die Lippen oder singen mal im Refrain mit,hahaha. Bisher waren unsere Shows drüben immer sehr gut besucht,wobei wir ja auch kein Headliner sind und eher einen Exotenbonus haben. Von Anfang an haben wir viele Platten in den USA unter die Leute gebracht und unser Sound funktioniert halt bei vielen Amis. Überall wo wir hinkommen kennen uns die Leute und gehen gut ab. Das ist schon abgefahren alles und eine komplett andere Szene als bei uns. Sehr viel bodenständiger und auch härter alles. Die Bands werden nicht annähernd so gut behandelt wie bei uns in Clubs und die Shows sind auch nicht so groß. New York ist schon eine abgefahrene Stadt und wir sind jedes mal gerne dort. Teile unserer ISP Crew leben dort und die ganze Sache ist da ja auch entstanden vor mittlerweile 12 Jahren.Das wir daraus `ne weltweite Nummer geschaffen haben ist echt schräg. Im Prinzip hätten wir schon oft drüben touren können, aber das scheitert immer daran das wir nicht ganz soviel machen wie wir eigentlich könnten. Der Zeitfaktor spielt bei 6 Leuten in einer Band schon eine große Rolle.

Ich muss noch ein letztes mal auf eine Antwort vom Anfang zurück greifen, da fiel das Wort Plattensammler im Zusammenhang mit Lars. Wie sieht es bei dir aus, bist du ebenfalls nach wie vor Plattensammler? Was war das letzte was du dir an neuer Musik zugelegt hast? Ich könnte mir vorstellen da du ja doch sehr viel in der Weltgeschichte rum kommst das du unseren Lesern da vielleicht das ein oder andere interessante Teil empfehlen kannst.

Sebi: So verrückt wie früher bin ich da nicht mehr. Ich habe mal einen Schnitt gemacht und alles weggeben was nur rumsteht und ich nicht höre. Mittlerweile habe ich tatsächlich nur Platten die regelmäßig gespielt werden und keine Staubfänger mehr. Dadurch macht Platten hören doppelt Spaß. Die letzten Platten die ich mir zugelegt habe waren letzte Woche aufm ENDLESS SUMMER von „Pennycocks“ der Longplayer und die zweite „Krewmen“. Die „Pennycocks“ haut alles weg und ich bin schwer begeistert. Unbedingte Empfehlung für alle die einen Bastard aus 77 ,Oi!, Glam, Powerpop mögen. Ach ja, die „Guida“ Single habe ich mir auch geholt, geilster Glampunk und erfrischend. Ich stöbere gerne auf Flohmärkten, da findet sich die eine oder andere Perle, meistens altes Zeug und teilweise obskur. Von KISS kaufe ich mir immer noch alles was ich finde an Vinyl. Altes Laster,hahahaha.
Im Herbst in New York geht es wieder zu „Bleeker Bob“ & „Generation Records“.Dort findet man eigentlich immer was obskures oder lang gesuchtes an Vinyl.

Okay ich denke ich hab dich allmählich genug gelöchert und komme so langsam zum Ende des Interviews. Ich danke dir für die ausführlichen Antworten und wünsche euch eine astreine Record Release Party! Hast du noch ein paar Worte für die Leute da draußen?

Sebi: Vielen Dank für das Interview und das Interesse an unserer Band. Es geht jetzt bald ins 15.Jahr und wenn Ihr mal in der Nähe seid wo wir spielen, dann schaut einfach vorbei. Sprecht uns an, feiert mit uns und lasst es krachen ! SffS – ISP for life!

Daniel

Live Fotos wurden von der Stomper 98 Facebook Seite in bsprache mit der Band verwendet.

Die Promo Fotos sind alle von „Christian Bormann“

SLIME INTERVIEW (05.08.2012)

Interview mit Elf von Slime

„Wenn man bei den linken Spießern durchfällt, hat man alles richtig gemacht!“

18 Jahre sind ins Land gezogen und es ist viel passiert in der Zeit. Genau genommen am 22.April 1994 erschien mit „Schweineherbst“ das letzte Studioalbum der Hamburger Punklegende Slime. Es folgte eine ausgedehnte Tour und selbst ein Auftritt beim WDR-Rockpalast stand damals auf dem Programm. Ende 1994 lösten sich Slime auf, da die Band der Meinung war, auf dem Höhepunkt angekommen zu sein und dass man textlich alles gesagt hätte. Irgendwann geisterte 2010 das Gerücht herum, dass SLIME ein Comeback planen. Als ich den Gitarristen Elf mal bei einem Konzert im Hafenklang in Hamburg traf, wollte er aber noch nicht so richtig mit der Sprache rausrücken. Tja, an der Sache war wirklich was dran, Slime meldeten sich zurück und beim Ruhrpott-Rodeo 2010 folgte der erste Auftritt seit 16 Jahren. Von der Originalbesetzung waren Sänger Dirk und die beiden Gitarristen Elf und Christian am Start. Tatkräftige Unterstützung gab es durch Elfs Freundin Nici am Bass und durch Alex Schwers, Veranstalter vom Ruhrpott Rodeo, am Schlagzeug. Es folgte eine umfangreiche Tour, die sehr erfolgreich für die Band verlief, so dass das Kapitel Slime nicht einfach wieder beendet werden sollte. Anstatt immer nur die alten Klassiker zu spielen auf den Konzerten, entschieden sich die Hamburger dafür ein neues Album aufzunehmen. Gar nicht so einfach, gerade aus dem Gesichtspunkt betrachtet, da Haupttexter Stephan Mahler nicht mehr dabei ist. Ich war doch sehr gespannt, wie Slime dieses Problem lösen. Jetzt steht die für mich wichtigste und beste deutsche Punkband ever mit einem brandneuen Album in den Startlöchern, das „Sich fügen heißt Lügen“ heißt und am 15. Juni veröffentlicht wurde. Insgesamt 13 Songs befinden sich auf dem Album und die Texte stammen allesamt aus der Feder des alten anarchistischem deutschen Schriftstellers Erich Mühsam. Seit 1909 lebte Mühsam im Münchner Stadtteil Schwabing. Hier gründete er die dem Sozialistischen Bund angehörenden Gruppen „Tat“ und „Anarchist“ zwecks Agitation des „Subproletariats“ für den Anarchismus. Der gebürtige Berliner war politisch aktiv und maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt. Dafür wurde er zu insgesamt 15 Jahren Festungshaft verurteilt. Im Rahmen einer Amnestie kam er nach fünf Jahren frei. In der Weimarer Republik setzte er sich in der Roten Hilfe für die Freilassung politischer Gefangener ein. In der Nacht des Reichstagsbrandes wurde Mühsam von den Nationalsozialisten verhaftet und am 10. Juli 1934 von der SS-Wachmannschaft des KZ Oranienburg ermordet.
Soviel als kleine Info zu Erich Mühsam. Alles Texte von Mühsam auf der neuen Slime-Scheibe und kein einziger, eigener Text, ob das wirklich gut geht, fragte ich mich. Ich war doch ganz schön skeptisch, muss ich sagen, aber natürlich auch gespannt, wie sich das neue Album anhört. Nach einigen Durchgängen muss ich sagen, dass alle meine Zweifel beseitigt sind und ich total begeistert bin von den Songs. Von der musikalischen Seite haben Slime absolut nichts verlernt und es gibt das gewohnte fette Punkrockbrett. Das klingt alles frisch und wütend wie eh und je und man merkt der Band beim Hören der Scheibe regelrecht die Freude an den Aufnahmen an. Als Start gibt es mit „Sich fügen heißt Lügen“ gleich einen neuen Pogokracher in Slime-Tradition. Da das reggaemäßige „Rebellen“ mit coolem Dead Kennedys-Riff, dann ein Klavierintro bei „Freiheit in Ketten“ und mal frech ein Sex Pistols-Intro bei „Zum Kampf“, für genügend musikalische Abwechslung ist gesorgt. Obwohl die Texte über 100 Jahre auf dem Buckel haben, passen sie überraschenderweise optimal zu Slime. Die Songs klingen fast so, als ob Mühsam die Texte extra für Slime geschrieben hat. Viele Texte passen auch auf die heutige Zeit gemünzt perfekt wie beispielsweise bei dem Song „Seenot“ die Textzeile „wenn die Banker über Leichen gehen“. Viele Songs haben das Zeug zum neuen Slime-Klassiker. Auch wenn der Anfang der folgenden Textzeile aus „Zum Kampf“ etwas altmodisch klingt, so zeigt sie trotzdem, wie gut die Texte von Mühsam zu Slime passen: „„Drum nieder: Reichtum, Bourgeoisie! Drum nieder Knechtschaft, Tyrranie, zum Kampf, zum Kampf, für Anarchie!“ Das neue Werk stellt für mich eine geniale Mischung aus den Alben „Viva la muerte“ und „Schweineherbst“ dar. Die Band zeigt eindrucksvoll, wo der Punkrockhammer hängt und hat in all den Jahren nichts von ihrer Klasse eingebüßt. Nach dem mich das neue Album als alten Fan echt umgehauen hat, geisterten doch so einige Fragen in meinem Kopf herum, die ich dem Gitarristen Elf stellte. Die Antworten könnt ihr im folgenden Interview lesen. Ach, was ich noch kurz anmerken wollte, Slime wollen auch konzerttechnisch immer mal wieder etwas „Back to the roots“ gehen und haben neulich sozusagen ein „Wohnzimmerkonzert“ in der Lobuschstraße in Hamburg/Altona gespielt. Weitere „Wohnzimmerkonzerte“ befinden sich in Planung. So, jetzt kommt aber wirklich das Interview.   Artikel/Interview: Christian Böttjer/Mind the Gap-Fanzine

Christian Böttjer: Elf, mit „Sich fügen heißt lügen“ ist das erste Slime-Album seit 18 Jahren erschienen. Was ist das für ein Gefühl für Dich? Wann habt Ihr die  Entscheidung getroffen, ja, wir nehmen ein neues Slime-Album auf? Bist Du zufrieden mit dem Ergebnis?

Elf: Auf jeden Fall ein sehr gutes Gefühl, weil wir uns selbst sicher sind, dass wir ein richtig gutes Slime-Album hinbekommen haben. Die Entscheidung das in Angriff zu nehmen, haben wir erst nach der Reunion-Tour getroffen. Die Tour war so geil, wir sind mit Alex und Nici als Band so zusammengewachsen, dass wir nicht einfach wieder aufhören wollten. Wir wussten, da geht was und wollten auch gerne weiter die Möglichkeit haben Live zu spielen und es war uns auch klar, dass das nur funktioniert, auch für uns selbst, wenn wir neues Material spielen können. Die Aufnahme und der Mix haben ca. 4 Wochen gedauert.

Christian Böttjer: Damals war „Viva la muerte“ das Album nach Eurer Reunion, diesmal ist es „Sich fügen heißt lügen“, wo siehst Du den Unterschied zu damals?

Elf: Ganz klar die Herangehensweise. Das gute daran war, dass wir endlich mal die Basics, also zwei Rythmusgitarren, Bass und Schlagzeug, live im Studio aufgenommen haben und nicht alles nacheinander. Wir haben es dadurch geschafft, die Livepower die wir auf der Tour hatten, auf Platte zu bannen. Die „Viva la muerte“ klingt für mich so, als ob wir für jedes Stück in einem anderen Studio waren, nicht einheitlich vom Sound.

Christian Böttjer: Was sagst Du zu den bisherigen Kritiken/Reviews, über welches Review  bzw. welche Kritik freust Du Dich ganz besonders? Wie sind die Meinungen von Stephan und Eddie zur neuen Scheibe?

Elf: Wir haben ja fast nur sehr positive Reviews bekommen, das freut uns natürlich sehr, weil es uns bestätigt, dass wir keinen Allerweltspunk machen, den keiner hören will. Am besten fand ich die beiden Verrisse im Rolling Stone und in Konkret. Wenn man bei der Springerpresse bzw. den linken Spießern durchfällt, hat man alles richtig gemacht! Stephan findet die Scheibe gut, meinte nur, sie wäre noch geiler mit eigenen Texten….Von Eddi weiss ich das noch nicht.

Christian Böttjer: Ein Album komplett mit fremden Texten ist schon gewagt. Wie kam es zu der Entscheidung auf Texte von Erich Mühsam zurückzugreifen und keine eigenen Texte zu schreiben?

Elf: Die Idee, Texte von Mühsam zu vertonen ist ja nicht ganz neu. Es gibt viele Liedermacher und unbekannte Bands, die sich da schon rangewagt haben. Wir haben auf dem Rubberslime- Album „Rock’n Roll Genossen“ schon das „Soldatenlied“ vertont. Da die ersten eigenen Texte, die ich zu vier Songs hatte, nicht wirklich passend für Slime waren, habe ich mal Demos der Songs mit Mühsam-Texten den anderen vorgespielt und alle meinten sofort: Das isses, geile Idee! Machen wir genau so! Stephan Mahlers lyrisches Talent hat keiner von uns wirklich, also nehmen wir uns einen legendären Autoren der noch viel mehr Talent hatte und vertonen seine Texte mit unserer Musik. Ich weiss nicht, wie du das siehst, aber ich meine das passt wie die Faust aufs Naziauge.

Christian Böttjer: Das stimmt, da hast Du Recht. Ich finde alle Texte passen optimal zu Slime und kommen so rüber, als ob Mühsam die Texte extra für Euch geschrieben hat. Wie verlief die Auswahl der Texte? Musstet Ihr viel umstellen oder auch umformulieren?

Elf: Ich habe schon jede Menge selbst ausgesucht, weil ich auch 10 von 14 Songs geschrieben habe. Bei einigen hat auch Dirk gesagt, welchen Text er gerne dazu singen würde. Bei dem Song „Bauchweh“ hatte ich zuerst einen anderen Text, der Dirk nicht so passte. Also haben wir dann „Bauchweh“ genommen. Bei einigen Texten haben wir z.B. auch mal zwei Strophen von sechs weggelassen, weil ein siebenminütiger schneller Punksong dann doch too much ist. Wir haben auch Textzeilen rausgenommen, um daraus den Refrain zu basteln. „Der Titelsong z.B. heisst im Original „Der Gefangene“ aber „Sich fügen heißt lügen“ ist halt ein super Chorus, also haben wir den Song auch so genannt.

Christian Böttjer: Habt Ihr manche altertümliche/altmodische Formulierung von Mühsam bewusst so gelassen oder hattet Ihr schon mit dem Gedanken gespielt, eventuell manche Sätze zu ändern sozusagen angepasst an die heutige Zeit?

Elf: Haben wir zuerst mal drüber nachgedacht, das aber schnell wieder verworfen. So  altertümlich/altmodisch finde ich die meisten Sachen auch gar nicht. Das sind halt Gedichte von hoher, lyrischer Qualität. Ich finde einige Songs von der „Schweineherbst“ die Stephan geschrieben hat , klingen auch ganz schön, oder sogar mehr „verschwurbelt“ als die von Mühsam.

Christian Böttjer: Seit wann befasst Du dich selbst mit der Geschichte von Erich Mühsam? Was ist für Dich das besondere bzw. faszinierende an Erich Mühsam?

Elf: Seit Ende der neunziger Jahre als Dirk und ich bei der Band C.I.A. gespielt haben. Da kam der zweite Sänger Marco Gödde von Heiter bis Wolkig mit der Idee an, bei einem Song den Text „Generalstreikmarsch“ zu verwenden. Den haben wir jetzt unter dem Titel „Zum Kampf“ vertont. Damals erschien der uns für die Band zu hart, weil die C.I.A.-Scheibe nicht so sehr politisch war
wie Slime. Da habe ich mir auch von einem Freund ein Buch über Mühsam geliehen, wo auch schon einige seiner Gedichte die wir jetzt vertont haben drin waren und war sehr fasziniert von dem was ich da las über den Mann. Er hat wohl ein teilweise ausschweifendes Leben geführt, halt in den Kreisen der damaligen Künstler, Schriftsteller, Schauspieler, Maler etc. Diese Szene von Bohemiens war schon sehr freiheitsbetont, auch was z.B. Exzesse und Sex, auch Homosexualität anbelangt. Und das in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, in der Schwul sein z.B. mit Gefängnis bestraft wurde. Kann ich nur jedem empfehlen sich mal  das Buch „Unpolitische Erinnerungen“ reinzuziehen. Da ging schon ganz gut die Post ab bei den Altvorderen. Nachdem wir uns jetzt nochmal intensiver mit Mühsam beschäftigt haben, haben wir gedacht, der Typ wäre, wenn er heute leben würde, einer von uns.

Christian Böttjer: Klingt sehr interessant, muss ich mir mal besorgen das Buch. Gibt es eigentlich weitere Schriftsteller von früher, deren Texte Dich begeistern?

Elf: Auf jeden Fall habe ich schon als Jugendlicher gerne Edgar Allen Poe gelesen und auch das Original Dracula Buch von Bram Stoker. Ich war schon ein sehr großer Fan von Horror und Fantasy Literatur. SciFi-Fans kann ich Isaac Asimov empfehlen, der viele geniale Kurzgeschichten geschrieben hat die auch verfilmt worden sind. Krimis von dashiell Hammet, wie „Der Malteser Falke“ fand ich auch super.

Christian Böttjer: Wie seid Ihr auf das Cover der neuen Scheibe gekommen?

Elf: Das Cover haben wir von Felix Schlüter machen lassen, der auch schon für die Ärzte oder Jan Delay Cover gemacht hat. Er so ca. 10 verschiedene Motive angeboten und die waren alle gut. Aber das Teil das wir dann ausgewählt haben, sprang uns alle sofort an. Die Idee das mit gelb zu färben hatte dann Chris und das hat es nochmal voll gebracht. Knallt total und sieht aus wie ein Slime-Cover aus den 80ern und nicht wie ne neumodische Photoshop-Bastelei.

Christian Böttjer: Ist noch ein Slime-Album mit Mühsam-Texten denkbar oder vielleicht mit den Texten eines anderen Schriftstellers? Wäre ein neues Slime-Album mit eigenen Texten denkbar oder habt Ihr auch schon mit dem Gedanken gespielt, dass Stephan vielleicht Texte beisteuert?
Elf: Das kann man alles noch nicht so genau sagen zum jetzigen Zeitpunkt. Auf jeden Fall nicht nochmal Mühsam-Texte oder die eines anderen Autoren. Erstmal wollen wir mit dieser Platte auf Tour gehen, nächstes Jahr sicher auch noch ein paar weitere Festivals und ein paar kleinere Läden spielen und dann auch versuchen, was im  nicht-deutschsprachigen Ausland geht. Auf jeden Fall spielen wir Ostern in Bath/England auf dem B.O.B. (Bremen-Oakland-Bath) Festival, da ja immerhin Nici und ich in Bremen wohnen und die Leute die das veranstalten schon lange kennen. Ob Stephan Interesse und Ideen für Slime-Texte hat oder hätte, kann ich überhaupt nicht sagen. Schaun wir mal…

Christian Böttjer: Habt Ihr eigentlich viele Anfragen von Plattenlabels gehabt? Was war ausschlaggebend, dass Ihr Euch letztendlich für „People like you“ entschieden habt? Hattest Du überlegt das Album vielleicht auf Slime Tonträger zu veröffentlichen?

Elf: Wir haben auch bei Indigo gefragt, was die uns anbieten können, wenn wir die Scheibe auf Slime Tonträger rausbringen. Da war definitiv nicht genug Geld da, um das Projekt vernünftig zu produzieren. Studio, Cover, Promotion, der ganze Scheiß kostet halt und das konnten wir nicht selbst bezahlen. Tobbe von PLY hat mich schon in 2009 auf dem Ruhrpott Rodeo gefragt, ob wir nicht mal ne neue Slime-Scheibe machen wollen und da er ein Fan ist und klar war, dass er das ganze auch mit Herzblut unterstützen würde, haben wir bei ihm zuerst angefragt und nach einigem hin und her verhandeln ist da ein sehr guter Deal zustande gekommen, der von niemandem getoppt wurde. Ausser Tobbe arbeitet bei PLY auch noch Antje Lange, die in den 90ern bei Modern Music/Noise war und die ich daher schon gut kannte. Sowas ist immer eine gute Vorraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und mit ein Grund
warum wir letztendlich bei PLY gelandet sind.

Christian Böttjer: Ok, abschließend würde ich ganz gerne einen Soundcheck mit Dir machen zum neuen Slime-Album: Bitte sag mir 2,3 Kommentare, was Dir zu den einzelnen Songs des neuen Albums einfällt:

Sich fügen heißt lügen:

Elf: Schneller Power Punk Song mit leichten Metal Anleihen. Macht Spaß den zu spielen….
Das Originalgedicht heißt: Der Gefangene und wurde 1919 geschrieben in der Festungshaft, wo Mühsam nach dem Scheitern der Münchener Räterepublik 5 Jahre lang eingesperrt wurde. Das Manifest eines unbeugsamen Geistes.

Rebellen:

Elf: Ein bisschen abgekupfert von Jellos Guantanamo School, mit denen wir drei Shows in 2011 zusammen gespielt haben. Ist mir beim schreiben gar nicht bewusst gewesen, dass das Riff ähnlich ist wie ein Song von Jello. Gemischt mit dem reggaeartigen Part ergibt das auch eine kleine Hommage an „Deutschland“ vom ersten Slime-Album.

Freiheit in Ketten:

Elf: Das Intro war ursprünglich mit `ner Akustikgitarre gedacht. Im Studio lief aber die ganze Zeit der Thies Mynther rum, weil er da ein kleines eigenes Studio in dem Komplex hat und der kann sehr gut Klavier spielen. Also haben wir ihn spontan gefragt, ob er Bock hat sich einen Klavierpart für das Intro zu überlegen, was er dann auch tat. Finde ich geil, ein Klavier ein Klavier ! Und das auf ner Slime Platte….

Wir geben nicht nach:

Elf: Ein super Text für alle, die sich den herrschenden Verhältnissen nicht beugen wollen und dagegen aufbegehren.
Seenot: Elf: Der einzige „eigene“ Text, inspiriert von Mühsams gleichnamigen Gedicht, das aber viel zu lang ist um daraus einen Punksong zu stricken. Geschrieben hat den mein alter Kumpel Andi Hüging, der auch schon bei meiner Band ELF als Drummer und Texter dabei war. Sehr talentiert der Mann. Hat den Originaltext genommen und eingedampft auf die wesentlichen Aussagen zum Thema des Jahres: Banken/Finanzkrise bzw. wie die Reichen immer reicher werden und das natürlich nur auf Kosten der ärmeren überhaupt möglich ist.

Bürgers Alptraum:

Elf: Noch ein Text zum selben Thema wie Seenot. Schon erstaunlich, wie ca. 100 Jahre alte Lyrik auf die heutige Zeit passt wie ein Schlag in die Fresse des satten Bürgertums.

Bett aus Lehm und Jauche:

Elf: Genialer Antikriegstext aus dem Jahr 1917, also gegen Ende des 1. Weltkrieges. Eine Strophe haben wir hier auch weggelassen, da der Song sonst zu lang geworden wäre. Ist inhaltlich aber kein Problem. Der Funkverkehr am Ende des Songs ist aus dem über Wikileaks veröffentlichtem Skandalvideo Mitschnitt namens „Collateral Murder“ in dem man mitverfolgen kann, wie von einem Hubschrauber der Amis aus auf harmlose Zivilisten in Bagdad gnadenlos gefeuert wird und am Ende diverse Tote auf der Straße liegen: „Come on, let us shoot“ sagt der Pilot über Funk zur Leitzentrale der US Army……Ja, Ja, so ist der edle Kriegerstand……..
Revoluzzer: Elf: Ursprünglich der deutschen Sozialdemokratie gewidmet, die ja auch kein Problem damit hatte dem deutschen Kaiser in den 1. Weltkrieg zu folgen.

Trinklied:

Elf: Den Text  wollten wir auch, genau wie „Das Beil“ mit auf der Scheibe haben, weil er die andere, lebensbejahende Seite Mühsams zeigt und uns genauso wie ihm aus der Seele spricht. „Trinken ist Leben und Leben ist trinken, nieder der Schwächling der trunken fällt“ was für eine Zeile!

Zum Kampf:

Elf: Da es bei dem Text um den Kampf für Anarchie geht, konnt ich nicht anders als im Intro „Anarchy in the UK“ von den Sex Pistols zu zitieren. Auch sehr interessant mal nachzulesen sind Mühsams Ausführungen zum Thema Anarchie. Das hat natürlich nichts mit dem zu tun, was die bürgerlichen Medien immer so falsch darstellen, nämlich Chaos und Mord und Totschlag. Das findet ja eher in Diktaturen statt und auch immer wieder gerne mit in Gang gesetzt von so genannten Demokratien.

Bauchweh:

Elf: So schnell wie Slayer schaffen wir es nicht ganz, aber in die Richtung sollte es musikalisch ein bisschen gehen. Auf die Fresse! Und Bauchweh kann man bei der ganzen Scheiße die immer wieder auf der Welt passiert auch immer mal wieder kriegen.
Lumpen: Elf: Hört sich fast an, als ob er über Straßenpunks geschrieben hat und das auch noch mit viel Selbstironie….

Das Beil:

Elf: Passt wirklich gut zu Dirk, deswegen wollte er den auch gerne dabei haben. Mit über 50 Jahren läuft halt manches nicht mehr ganz so wie in jungen Jahren, aber das ist noch lange kein Grund sich die Kugel zu geben.

Christian Böttjer: Elf, vielen Dank für das Interview! Hast Du abschließend noch eine Message?

Elf: Es gibt noch Slime Scheiben in den Läden . Geht los und holt sie euch!
Und kommt zu unseren Konzerten. Die Tour startet am 2.10. in Dresden…

 

Dieses Interview wurde uns freundlichweise vom MIND THE GAP (www.facebook.com/mindthegapfanzine) Fanzine zur Verfügung gestellt, wofür wir uns frecht Herzlich Bedanken.
Die neue Print Ausgabe dfes großartigen Zines, indem sich dieses Interview auch befinden wird, wird Ende 2012 / Anfang 2013 erscheinen.