Category Archives: Reviews A-I (Archiv)

Angelic Upstarts – Anthems Against Scum LP (25.04.2017)

(Mad Butcher Records)
Reissue des 1999 aufgenommenen und 2001 erschienenen Livealbums der 77 in South Shields gegründeten Band um Mensi Mensforth. Beinahe sämtliche Hits seit Gründung der Band wie Never ad nothing, last night another soldier, solidarity, England oder 2 million voices sind hier in guter Aufnahmequalität auf einem Album versammelt. Die Platte belegt wieder mal glaubwürdig die Entschlossenheit und inhaltliche Gewichtigkeit der Engländer wider Faschismus, Polizeiwillkür und soziale Ungerechtigkeiten nicht nur im thatcheresierten Großbritannien der 80er Jahre. Die Upstarts standen von Anfang an für einen rebellischen, politischen Geist, der auch nicht okkupierbar war durch die Industrie oder sogar der National Front die eingangs aus unerfindlichen Gründen großes Interesse hatte, die Band für sich zu gewinnen oder später versuchte Songs wie „England“ aus dem Zusammenhang gerissen in ihre krude Ideologie einzuknüpfen. Leider sind auf der Lp die auf der CD enthaltenen Bonustracks nicht dabei aber darüber hinaus gibt es hier wirklich nichts zu meckern. 2+………………..Kai

Chelsea – In Session CD (24.04.2017)

(westworld)
Für alle Fans des Punkrock der ersten Stunde dürfte es demnächst einen Freudentag geben. Der Tag nämlich an dem die Platte “In Session” von Chelsea erhältlich sein wird. Die Kultband von der Insel dürfte jedem halbwegs versierten Punkliebhaber ein Begriff sein, gehörte im Gründungsjahr 1976 doch unter anderem kein geringerer als Billy Idol zu ihrer Besetzung. Die nun erscheinende “In Session” enthält die Songs von insgesamt vier Studiosessions, die in den Jahren 1977- 1979 in den Maida Vale Studios aufgezeichnet wurden. Die Songs sind alle von hervorragender Qualität- musikalisch als auch Soundtschnisch- so dass diese Compilation einen uneingeschränkten Hörgenuss bietet, besonders begeistern mich immer wieder die charakteristischen Vocals von Mr. October. Absolutes must have für Freunde der Zeit in der alles anfing. Note: 1/ sehr gut Gereon

H Bomb Holiday Camp – Close to the Borderline CD/LP (inkl.CD, clear Vinyl) (14.04.2017)

(Wolverine Records)
Erst im Dezember 2015 gründete sich die Die Band “H Bomb Holiday Camp”, nachdem seitens der Bandmitglieder Ehen geschieden, Jobs gekündigt und Therapien abgebrochen wurden. Kurzum, es gab wohl wenig zu verlieren. Man knallte sich hinter die Instrumente und legte los. Was dabei heraus gekomen ist, ist jedenfalls nicht von schlechten Eltern. H Bomb spielen eine explosive Mischung aus Punkrock, Rock n Roll und Hardcore, wobei es schwerfällt einzelne Songs den entsprechenden Subgenres zuzuordnen. Ihr Debut “close to the Boarderline” ist bei Wolverine Records erschienen, und beinhaltet 12 Songs. Die Soundauswahl der Platte ist sehr passend zum musikalischen Gewand gewählt, besonders der Rock´n Rollige Gitarrensound sorgt für einen runden Effekt. Anspieltipps sind “we chose”, “Under the cobblestones”, “ballade of the nitpicker”, und das in meinen Augen beste Stück der Platte “wicked ways”. Eine geile Scheibe, man darf gespannt sein was da noch kommt! Note: 2/gut Gereon

Arrested Mind – Frontal CD (12.04.2017)

(TimeszoneRecords / Finest Noise)
Hier kommt eine sieben Song Comeback EP von den Jungs aus Kulmbach.Für eine Comeback Platte, hatte ich eigentlich auf mehr gesetzt. In meinen Augen wenn man wieder zurück ans Licht der Welt kommt und Vorfällen nach solange Zeit. Sollte man sich schon die Zeit nehmen ein ganzes Album auf die Beine zustellen. Da finde ich sieben Songs doch was mager.Der Sound der Platte kommt echt gut rüber, obwohl mir es teilweise echt zu Metal lastig wird. Aber ansonsten ne fette Produktion. Der Gesang haut mich leider so gar nicht vom Hocker. Wobei ich den Vergleich zu TLUF und GWLT schon weit her geholt finde. Das sind doch ein paar liegen dazwischen.Nichts desto trotz, gibt’s bestimmt genug Leute da draußen die auf den Gesang stehen und ihn abfeiern werden. Wer auf deutschen HC/Metal steht ist hier vielleicht richtig. Note: 4 David

Close Combat – Spiet vaan niks CD (11.04.2017)

(Spirits of the Streets Records)
Close Combat aus Maastricht sind mal wieder am Start. Ok, dass die wirklich mal weg waren, ist mir gar nicht aufgefallen. Schande über mich. Ich erinnere mich zumindest noch an deren erste Mini Lp, da die aus dem Wust heraus stach, weil sie im einheimischen Dialekt gesungen wurde. Danach folgte noch eine Lp auf Englisch, die auch nicht schlecht war. Close Combat spielten halt diese Benelux Variante von Oi!, die immer an den Grenzen des Hardcore kratzte. Nicht unähnlich alten Discipline, Hardsell und was es da sonst noch so alles gab. Irgendwann war bei den Jungs der Ofen aus, aber 2017 hauen sie ein neues Album raus. Die Band hat sich auf ihre Stärken besonnen und singt jetzt wieder in Mestreechs. Klingt zwar eigenwillig, aber ich mag es, wenn Bands nicht auf Teufel komm raus, alles in englisch machen. Herausgekommen ist eine grundsolide Punkscheibe mit einigen Mitgröhl Hits, aber leider auch elend vielen und ausufernden Soli. Der Gitarrist scheint großer Iron Maiden Fan zu sein, was er uns auch gerne hören lässt. Mir ist leider zu viel des Guten. Die Songs werden dadurch nur in die Länge gezogen und unnötig aufgeblasen. Nimmt einfach Energie und zerstört den Flow, „Kom met us“ ist da ein gutes Beispiel. Auch haben die Onkelz bei den Jungs ihre Spuren hinterlassen, einiges erinnert mich an die „Es ist soweit“ Phase, aber das geht schon klar, passt ins Konzept. Eigentlich ist „Spiet vaan Niks“ ein richtig gute Platte, mit Chören und allem was das Punkerherz so will, aber leider sind die Songs zu lang und haben zu viel Gedudel, dadurch ist das Hören anstrengend. 3 ROLAND

Atlantes – Adamastor 7″ Vinyl (08.04.2017)

(Spirits of the Streets Records)
Atlantes sind mal wieder ein Lions Law Ableger, diesmal wohl als Studioprojekt mit einem Typen der portugiesischen Band Albert Fish. „Adamastor“ ist die zweite Single, die die beiden zusammen aufgenommen haben und geboten wird, welch Überraschung, straighter Oi! Punk mit französchen Texten. Das Ganze hat aufgrund von Watties bekannter Stimme natürlich Ähnlichkeiten mit Lions Law oder den Marabots. Was aber nichts schlechtes heißen soll, da beide Bands verdammt gut sind. Die ganze Single ist ein stimmiges Paket, das fängt bei der 1a Aufmachung ( Klappcover, fette Innenhülle, alles edel in Gold/ Schwarz gehalten) an und hört bei der wirklich guten Musik auf. Dank meiner nicht vorhandenen Französisch Kenntnisse habe ich natürlich keinen Plan, worüber die hier singen, aber Google ist ja bekanntlich dein Freund und sagt mir, dass es in allen drei Stücken um Mythen und Sagen rund um das Thema „Atlantik“ dreht. Gute Idee, wie ich finde, endlich was entfernt von den ausgelatschten Oi! Pfaden. Ich hätte mir nur gewünscht, dass eine englische Übersetzung dabei gewesen wäre. Tolle Platte, die jeder Fan obiger Bands und Oi! Punk im allgemeinen mal gehört haben sollte. 2+ ROLAND

A Hurricane´s Revenge – Stumbling Vinyl/CD/digital (07.04.2017)

(Homebound Records / www.homebound-records.de)
Wieder mal so eine Band, von der ich vorher noch nie auch nur einen Ton vernommen habe. A Hurricane`s Revenge kommen aus Trier und veröffentlichen mit „Stumbling“ ihr zweites Album. Nach dem ersten Hören sitze ich erstmal ratlos vorm Rechner, was dazu schreiben? Auf jeden Fall sind die vier Jungs sehr abwechslungsreich, mein erster Gedanke war, „erinnert mich irgendwie an die 48/49 der Beatsteaks. Ob das wirklich hinhaut, keine Ahnung, aber eigentlich doch. Die Band pendelt zwischen Gainesville Sounds ala Hot Water Music und Hardcore, „Suffer“ klingt total nach Cro Mags zu Best Wishes Zeiten, hin und her. Ebenso wechseln sich laute und leise Passagen ab. Macht schon Spaß die Platte. Mir gefällt die erste Hälfte allerdings um einiges besser als die zweite, da die schnelleren und härteren Songs am Anfang der Platte stehen, der Opener „That´s why“ und das folgende „Your silly Life“ machen ordentlich Druck auf den Kessel, aber ab Song sechs wird es doch eher ruhiger oder langsamer. Macht der Qualität aber nichts aus, Hitpotential ist auch so noch genug vorhanden, „Devil in Disguise“ z.B. ist so ein Garant. Fazit, die Band hat Potential, für mich besonders dann, wenn sie sich in dem HC Bereich begibt, also das Emogeschwurbel weglassen und beim nächsten Mal ein amtliches Brett vorlegen. Und, die sollen mal im Pott spielen, sehen möchte ich die schon mal. 3+ ROLAND

Grade 2 – Heard It All Before 7″ (05.04.2017)

(Contra Records)
„Heard it all before“? Na klar. Alle Jahre wieder zieht es ein paar Youngster auf die Piste, um der „Alten Sack“-Fraktion zu zeigen, wie „Alte Säcke“-Musik unterhalb des Verfalldatums dargeboten werden kann. YOUNG ONES, BARSTOOL PREACHERS, GRADE 2. Alter Wein aus neuen Schläuchen, 1979 in 2017. Also nicht wirklich neu, sondern eher augenzwinkernd geborgt, zeitgemäß übertapeziert. „Heard it all before“ halt. Die drei Youngster von der Isle of Wight probieren sich seit der 2013er „Broken youth“ 7“ an der Materie. Sind vor Ablauf von Welpenschutz und Teenage-Bonus korrekt abgebogen, um nicht im Klischee-Sumpf zu versacken und in der 08/15-Army mitzustolpern. Die „Mainstream view“ 10“ war die vorbereitende Flanke, „Heard it all before“ platziert vier Treffer im Netz. Smart tänzelnd, von leichtfüßiger Modpunk-Eleganz. 2-Tone Lässigkeit kombiniert mit einer frischen Prise Melody Streetpunk. Charmin’ British Killer-Sound mit verblüffender Trefferquote. Abschließender Kalauer gestattet? Wight Power for everyone! Das Beste von der Insel seit Bob Burridge’s HELEN OF Oi! Records. PARADISE

Friedemann – (Unterwegs) DCD / DLP (30.03.2017)

(Exile The Mainstream/Soulfood)
Jetzt ist er schon seit geraumer Zeit auf Solopfaden unterwegs und ich habe es tatsächlich geschafft, noch keine Platte im Schrank stehen zu haben. Schande über mich! Denn angesichts dieses tollen Livealbums lohnt es garantiert, sich die zwei bisherigen Alben zuzulegen. Aufgenommen wurde „Unterwegs“ am 20.03.2016 in Berlin in der „Jägerklause“. Aus meiner Sicht genau das richtige Ambiente für so einen Livemitschnitt und das merkt man der Scheibe auch an. Die Stimmung ist locker, gemütlich und ausgelassen. Was zum einen sicher am entspannten Publikum liegt, aber nicht zuletzt auch am mehr als sympathischen Sänger. Die Ansagen von Friedemann sind oft persönlicher Natur, was die Bindung zwischen Bühne und Konzertbesucher noch verstärkt und dem Album richtig gut tut. Musikalisch würde ich es als klassische Singer-Songwriter-Mucke bezeichnen, die aber inhaltlich definitiv mehr zu bieten hat, als viele Musiker, die sich an diesem Genre versuchen. Ich bin eigentlich jemand, der diesem Hype in den letzten Jahren – ich bin Sänger einer erfolgreichen Band, muss mich jetzt aber auch noch Solo „verwirklichen“ – kritisch gegenüber steht. Oft genug enden solche Ausflüge peinlich und man hofft nur, dass er schnell wieder zurück zu seinen Bandkollegen findet. In diesem speziellen Fall, funktioniert es aber super. Sowohl mit COR als auch allein macht Friedemann eine hervorragende Figur und es ist erstaunlich, woher er diese Kreativität nimmt. Es macht einfach riesigen Spaß diesem Typen zu lauschen und den Texten zu folgen. Beim Projekt „Unterwegs“ haben die Beteiligten alles richtig gemacht, angefangen beim klasse Sound, über die tolle Aufmachung der CDs/LPs und die ausgezeichneten Musiker, bis hin zum großartigen Sänger Friedemann, stimmt hier alles. Eine ganz klare Kaufempfehlung, nicht nur für COR Fans! Note: 1 East Side Daniel

The Guilt – s/t LP/CD/digital

(Heptown Records)
Es gibt selten Promotexte von Plattenfirmen, die wirklich neugierig machen auf die beschriebene Platte. Im Falle von THE GUILT ist das anders. Es ist nicht unbedingt so, dass die anderen Bandbeschreibungen schlecht geschrieben sind, nein, sie enthalten leider oft nur Blabla und die üblichen musikalischen Vergleiche. THE GUILT aus Schweden trotzen diesen Vergleichen und haben tatsächlich ihre eigene Nische gefunden. Sie selbst bezeichnen es als Lazer-Punk. Dahinter verbirgt sich eine richtig geile Mischung aus kreissägenartigen Gitarren und extrem treibenden Beats. Der Sound der Platte ist für diese Art von Musik perfekt und kommt dermaßen aggressiv und druckvoll rüber, dass es einem das Hirn verbläst. Angeblich bietet Sängerin Emma live auch noch „eine Sportakrobatik auf der Bühne […], so dass man schon beim Zuschauen Muskelkater bekomme.“ Das klingt doch nach einer ganzen Menge Spaß und guter Unterhaltung. Ich glaub, da muss ich mal vorbeischauen. Wenn dabei die Stimme von Emma mit der gleichen Intensität rüberkommt, wie bspw. bei dem Song „Hate Hate Hate“ (Hit!!!) auf der Platte, kann wirklich nichts schiefgehen. Wer sich also in seinem Kopf eine Mischung aus ATARI TEENAGE RIOT und MARILYN MANSON ausmalen kann, und das mag, der sollte hier zuschlagen. Note: 2 East Side Daniel