Category Archives: Reviews A-I (Archiv)

The Baboon Shows – Radio Rebelde LP/CD(16.02.2018)

(Kidnap Music)
Alles richtig gemacht: Der schwedische Pavian-Zirkus will in die Stadien und mit diesem Album, immerhin schon Nummer 8, könnte ihm das auch gelingen. Als Support für BROILERS und HOSEN durfte man kürzlich bereits den Fame in großer Halle am Rockzipfel packen, wenn nicht alles schief geht, winkt in Kürze ein Headliner Slot. Einerseits aus Mangel an Bewerbern, andererseits weil „Radio Rebelde“ (Hommage an den gleichnamigen Radiosender von Fidel „Socialismo o Muerte“ Castro. Nein, nicht ironisch gemeint) ein rundherum perfektes Album für diese logistische Größenordnung ist. Die Basis-Formel THE DISTILLERS meets THE BONES, kratzbürstige Female Vox treffen auf smoothy Punk/Hard ROCK, wurde weiter perfektioniert, aufpoliert und von störenden Kanten befreit. Mit clever selektierten Versatzstücken: „Hurray“ startet als lupenreines AC/DC-Rip off inklusive Malcolm Young-Gedächtnis Riff, Protest-Gesänge wie „Same old story“ gefallen sich als interessante Mixtur aus Ernst Busch-Shanties, „Dreigroschenoper“ und „Grease“-Soundtrack, könnte man gewiß recht flink für ein Musical umschreiben. Zwischendurch klappert sogar ganz verträumt etwas Billy durch die Kante, sorgen präzise platzierte Balladen-Parts für Gänsehaut und Feuerzeug-Einsatz. 11 Songs in schwungvoller Produktion und mit schmucker Optik eingetütet. Für jeden etwas dabei, stilsicher kombiniert und kredenzt. Runde Sache, höchst kompatibel, man kann nicht meckern. Die Stadion-Pforte quietscht verheißungsvoll in den Angeln: Darauf kann sich eine größeres Publikum aka „Masse“ einigen, beim ewig nölenden „Weißte noch?“ Old School-Nerd („Die ersten Alben waren einfach besser“) wird vermutlich sauer aufgestossen. So what. Same old story. PARADISE

High Society – Fear Of Freedom CD (08.02.2018)

(Contra Records)
Nun, was soll man schreiben, wenn man eine Platte einer Band zur Rezension erhält, deren bisher veröffentlichte Songs super gefielen und die gerade zusammen mit seiner alten Band durch Europa touren. Sympathien sind grundsätzlich vorhanden, einen etwaigen Anspruch auf absolute Objektivität muss ich hier definitiv ad acta legen. Glücklicher Weise machen es mir High Society auf ihrem neuen Album jedoch recht einfach positiv zu bleiben, liefern sie doch auf „Fear or Freedom“ 12 hochkarätige Schmuddelpunksongs ab, die durch die Wand gehen.Es wird eine Mischung aus dreckigem Oldschoolpunk, Streetpunk und Hardcore geboten. Die Dresdener holzen sich ordentlich brutal und auf musikalisch gutem Niveau durch ihre Fullength Veröffentlichung. Mit einem gewissen Schmunzeln musste ich beim hören feststellen, dass es einige Songs gibt, bei denen einzelne Parts schwer nach der Gitarrenarbeit von Aggressive klingen, eben meiner alten Band, mit denen die Jungs auch schon im vergangenen Jahr eine kleine Tour absolviert haben. Auch manche Vocalphrasierungen gehen eindeutig in diese Richtung und insgeheim freue ich mich ein wenig, mit den Songs, an denen ich mitgearbeitet habe, offenbar andere Musiker – wahrscheinlich unbewusster Weise – beeinflusst zu haben. Meine Favoriten von dem Album sind definitiv „Give it back“, und Wake the blind“. Ein wirklich gutes Album, und irgendwann werde ich es hoffentlich mal auf ne Liveshow der Jungs schaffen! Daumen hoch und weiter so! Note: 2/gut Gereon

The Detained – The Beast CD (06.02.2018)

(Contra Records)
Endlich hauen The Detained mit the beast, ihr erstes Album um die Ohren. Die vier Jungs wissen auf jeden Fall, was sie tun und waren schon in diversen Bands tätig.Das erste Mal sorgten die Berliner mit ihren EP’s für Aufsehen. Schön aggressiver Gesang, gepaart mit roughen Sound. Beim neuen Album ist, der Sound gleich geblieben, schön dreckig, nicht zu über produziert, genau wie es sein muss, für meinem Geschmack! Der Gesang hat sich etwas geändert, für mich nicht mehr so typisch Detained, wie auf den ersten Veröffentlichung. Aber hier passt alles super zusammen. Erst etwas gewöhnungsbedürftig, aber ey das ist echt geil so, wie es ist. Das Album hat es echt in sich. Eine Band die versteht, die Brücke zwischen HC, HC-Punk und der Skinhead Attitude zu setzten.
Note: 2+ David

The Hardknocks – Discography Digipack CD (03.02.2018)

(Contra Records)
Wenn da aus San Fernando, Kalifornien nicht das nächste große Ding in Sachen OI/Streetpunk auf uns zurollt. Die überaus fleißige Band, welche alle paar Monate einen neuen Tonträger einspielt, verbindet den OI Sound mit Hardcore Punk und garniert das Ganze mit melodischem Gitarrenspiel, die sich gnadenlos in den Gehörgang fräsen. Das Talent der Band hat Contra Records erkannt, und jetzt (fast) alle von der Band veröffentlichten Songs plus einem unveröffentlichtem, auf diese CD gebannt. Man findet die EP’s „Confrontation“, Angels & Demons“, die LP „Battle scarred“ einen unveröffentlichten Song, en Beitrag zum Tapesampler „OI! The Tape“ und zwei Songs der brandneuen MLP „Upcoming second“ auf der CD wieder.
Eines ist mir sofort aufgefallen, und die Labelmacher werden es bestimmt schon zigfach gehört haben, aber auf der CD sind nur 24 Songs und nicht wie angegeben 25. Der Song „Only the strong“ mit „Mike Fatskin“ als Gast von der LP fehlt. Das macht aber nichts, es ist ein Vergnügen die Songs zu hören. Mit dem Coversong „‘til the end“ von den Bruisers zeigt die Band welche musikalischen Vorbilder die Band hat. Diese CD, welche in einer Kleinstauflage von 500 Stück gepresst wurde, sei allen ans Herz gelegt, welche Bands wie die Bruisers, Discipline oder Wisdom In Chains mögen. Denn The Hardknocks bilden aus der Musik dieser Bands die Schnittmenge Ihrer Musik. 2+ sickguy77

G31 – Alles auf Null CD (31.01.018)

Nach ihrer Debüt-Demo-Single vor zwei Jahren kommen G31 jetzt mit ihrem ersten richtigen Album um die Ecke. Viel hat sich nicht geändert, dass wird sehr schnell klar. Das Coverbild ist eine – zugegebenermaßen ganz ansprechende – Zeichnung, die mit einigen Klischees spielt. Das restliche Booklet sprüht leider nicht gerade vor Kreativität und enthält, neben ein paar Bildern, lediglich die Texte, die auch nicht wirklich begeistern können. Ich glaube nicht, dass jemand einen Song wie „Nazis zum Nachtisch“ braucht. Was den Sound anbelangt, so klingt die Scheibe, als ob sie direkt im kleinen Proberaum um die Ecke mit einfachsten Mitteln aufgenommen wurde. Auf Dauer ist das ganz schön anstrengend, zumal man auf Abwechslung vergeblich wartet. Wenn also jemand auf Rumpel-Deutsch-Punk mit nicht allzu viel Tiefgang steht, der kann gern mal reinhören. Ansonsten Finger weg. Note: 4 East Side Daniel

Harrington Saints – Red State 7″ EP (26.01.2018)

(Contra Records)
Eine neue, natürlich, mit nur zwei Stücken, viel zu kurze Harrington Saints Single. Was soll man über die Band großartig schreiben? Sie veröffentlichen regelmäßig Qualitätsplatten, liefern auf ihren Touren Bombenshows ab und sind super nette Leute. Ich freue mich auf jedes ihrer Releases und das ist hier nicht anders. Und ich werde nicht enttäuscht. Wie gesagt, leider nur zwei Lieder, aber beide sind Knaller. „Red State“eher ein Midtempo Stomper, aber auch der fräst sich direkt nach dem ersten Hören ins Gehirn. Die B-Seite „Life Less Ordinary“ ist etwas schneller und enthält alle Trademarks, die ein Harrington Saints Song braucht: Fette Gitarren, guten Chorus, ordentlichen Gesang. Einziger Wehmutspunkt für mich ist das fehlende Textblatt. Die Harrington Saints sind keine Band, die zu politischen Themen geschwiegen hat, gerade was amerikanische Innenpolitik betrifft und Red State ist eine Bezeichnung für einen US Bundestaat, der von den konservativen Republikanern regiert wird. Bei denTextzeilen „Red State Usa“ hätte mich schon genauer interessiert, was die Band zu sagen hat. 2+ ROLAND

Damnian – Planet Piss CD (19.01.2018)

(Ring of Fire Records)
Mit der Scheibe „Planet Piss“ von Damnian liegt mir das Album einer Band zum rezensieren vor,von der ich bisher noch nie etwas gehört habe. Ich kann jedoch der beiligenden Information entnehmen, dass die Combo schon etliche Liveerfahrung hat, unter anderem als Support für Bands wie den Satanic Surfers, Tenage Bottlerocket oder den Buzzcocks, was mich gleich recht euphorisch stimmt, frei nach dem Motto: ganz beschissen kann ja es ja dann nicht sein, und das ist es auch nicht. Allerdings, so viel gleich vorab, haut mich das was die Herren da fabrizieren auch nicht völlig von den Socken. Im Gegensatz zum Vorgängeralbum „Damage“ gibt es inhaltlich auf „Planet Piss“ weniger gute Laune, dafür mehr Gesellschaftskritik. Musikalisch fabrizieren eine ganz nette Mischung aus Alternative Rock, Pop, 90er Jahre US Punk und hin und wieder einen einen rock´n rolligen Westernstyle. Das wird z.B. in Songs wie „Bloodshot eyes“ und „Save the day“ deutlich. Die Stimme des Sängers ist schlicht und ergreifend nicht mein Fall, aber über persönlichen Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Qualitativ ist das Album gut produziert. Um das klangliche Spektrum voll auszuloten wurden die Hamburger Hertzwerk- Studios aufgesucht, und das Ganze von keinem geringeren als Olman Wiebe produziert, der auch schon bekannte Genrekollegen wie Captian Planet, Smile and Burn und ZSK produziert hat. „Planet Piss“ trifft nicht ganz meinen Geschmack, aber da sollte sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Anspieltips sind von meiner Seite das punkige „Planet Piss“, sowie das eher poppig-ruhige „Prod“. Alles in allem 3/befriedigend Gereon

Die Skeptiker – Kein Weg zu weit CD/LP (18.01.2018)

(Destiny)
Sind wirklich schon wieder über vier Jahre seit dem letzten SKEPTIKER Album vergangen? Viel zu viel für meinen Geschmack, denn von den Berlinern kann ich einfach nicht genug bekommen. Allein schon wegen Eugens Stimme lohnt sich das Hören dieser Band. Nachdem sie nach ihrer Reunion ihren eigenen Sound gefunden hatten, hauten die Jungs musikalisch eine Granate nach der anderen raus. Höhepunkt war für mich das letzte Album „Aufsteh’n“, dass definitiv zu einem der besten deutschen Punkrockalben der letzten zehn Jahre gehört. Meine Erwartungshaltung an das neue Werk war dementsprechend hoch. Ein ungutes Gefühl überkam mich dann, als die ersten Durchläufe noch nicht richtig zünden wollten. Obwohl alle Voraussetzungen stimmten, schien mir etwas zu fehlen. Einen solchen ersten Eindruck wieder zu korrigieren ist schwer möglich, doch „Kein Weg zu weit“ hat es geschafft. Mit der Zeit fanden immer mehr Songs den Weg in meinen Kopf und mein Herz, bis ich am Ende ein super Album für mich entdeckt hatte. Soundtechnisch ein wenig härter als bei der Vorgängerscheibe spielen sich Mastermind Eugen und Co. durch elf spitzen Punkrocksongs. Die Melodien sind dieses Mal etwas schwerer zugänglich, zeigen mit der Zeit aber ihr Potential und bleiben hängen. Inhaltlich gibt es wie gewohnt ein breites Spektrum – vom Älterwerden, über die Krisen dieser Zeit, bis hin zu historischen Ereignissen. Keine plumpen, langweiligen Texte, hier macht es Spaß zuzuhören und sich seine eigenen Gedanken zu machen. Fazit: „Kein Weg zu weit“ kommt nicht ganz an seinen Vorgänger ran und braucht ein paar Runden mehr auf dem Plattenteller. Wenn man dem Album diese Zeit allerdings gibt, entdeckt man ein klasse Punkrockalbum, das hervorragend in die Discographie der Band passt und einige zukünftige Livekracher enthält. Ganz klare Kaufempfehlung! Note: 1- East Side Daniel

Betontod – 1000x Live Doppel CD+Blue Ray (16.01.2018)

(Arising Empire / Warner)
Wer mich kennt und ein bisschen diese Homepage verfolgt, wird wissen, das Ich ein Fan von „Betontod“ bin, da mir die Mucke gut gefällt und auch die Bandmitglieder, feine Kerle sind. Am 17.12.2016 veranstaltete die Band, ihr damals größtes Konzert in der Düsseldorfer Mitsubishi Halle, was auch gleichzeitig das 1000. Konzert der Band war. Das ist natürlich ein Doppelter Grund zur Freude und muss natürlich auch dementsprechend gefeiert werden. Deshalb wurde dieser Auftritt auch Live mit der Kamera und mit der Festplatte festgehalten und für die Nachwelt konserviert. Fast 4000 Fans feierten an diesem Abend die Band, als ob es keinen Morgen gäbe und auch die Band hat(te) Spaß ohne Ende in den Backen, was man sehr gut auf der BluRay sieht (in gestochen scharfer Qualität) , die mir hier, zusammen mit der doppelten Live CD vorliegt. Wer Bock auf die Band hat, sollte sich direkt dieses BR/DCD Release zulegen, denn einen BluRay Player dürfte ja heutzutage wohl in fast jedem Haushalt am Start sein. Auf BR und auf der Doppel CD, gibt es insgesamt 23 Songs in knapp 90 Minuten zu hören, die verdammt Bock machen, sich sofort ein Konzert der Band anzusehen. Letztes Jahr (am 23.12.2017) spielte man ebenfalls in der Mitsubishi Halle und da haben sie mehr als gut Arsch getreten, worüber Ich mir persönlich ein Bild machen konnte. Wer sich für das Package mit der BluRay entscheidet, bekommt alle 4 Videos zur CD „Revolution“ als Bonus. Gute Jungs, gutes Releases, alles Top. 2 FRANK

Dealer‘ Choice – War In My Head EP (12.01.2018)

(Anachromisn Records)
2016 gegründet machen die 4 (Schla-)Wiener Punkrock im klassischen 2 – 3 Minutenformat. Und der Titel der EP ist offensichtlich Programm bei den Jungs. Die einzelnen Songs bewegen sich alle recht nahe am Hard- oder Streetcore, wie man ihn von z.B. Buried Cities, Bonecrusher oder sehr viel früher von Black Flag kennt. Zornige singalong Refrains, stakkato durchgeknüppelt, wenig Sinn für Solo-Eskapismus: Man arbeitet als Team. Ein wenig leidet das Ganze an kompositorischer Originalität – auch nach mehrmaligem Hören sticht einzig der Titeltrack wirklich heraus – wobei der zugegebener Maßen aber auch wirklich gut ist. Der Rest liegt mir hier einfach zu nahe beieinander. Für mich ist das Ganze ne sehr gute 3, bin aber sehr gespannt aufs Album,da ich weiß, daß da noch mehr geht……Kai