Category Archives: Reviews S-Z (Archiv)

Stanley – s/t 7″ EP (25.05.2017)

(Contra Records)
Stanley ist eine relativ neue Oi! Band aus Mailand, wurden 2016 gegründet, und bringen jetzt bei Contra ihre Debut 7“ raus. Und die hat es in sich, Stanley spielen, nicht wie von den meisten Italienern sonst, melodischen Oi!mit Zuckermelodien, sondern eher amerikanischen Ostküsten Sound. Die Jungs könnten auch aus Boston und Umgebung kommen oder, in der guten alten Zeit, auf TKO Records veröffentlicht haben. Vier Songs gibt es auf die Lauscher, alle vier sind Hits. Der Opener „Burst out Laughing“ teilt gleich gut aus, direkt aufs Fressbrett, das folgende „Reason“ ist eher hymnisch getragen, bei „1984“ gehen die Fäuste wieder in die Luft, das abschliessende „SOS“ macht dann noch mal Gas. Der Gesang ist angenehm rauh, die Produktion fett und alles mit einer kleinen RnR Kante. Tolle Platte, die Lust auf mehr macht. Ich hoffe, dass man auf eine vollständige Lp nicht zu lange warten muss. 2+ ROLAND

Seven Kingdoms – Decennium CD (18.05.2017)

(Napalm Records)
Puh, jetzt wird es haarig. Seven Kingdoms sind eine lupenreine Power Metal Band aus Florida, die ihre Wurzeln aber ganz klar in Europa hat. Helloween und Hammerfall sind wohl die Bands, die die Jungs und die Dame am häufigsten in ihrem Leben gehört haben. Hier stimmt einfach alles, ein buntes Fantasy Cover, cooles Bandfoto, zweistimmige Leads ohne Ende und eine Sängerin, die alles gibt. Das ist schön, das funktioniert songweise auch, aber ist auf einem Longplayer vollkommen überdimensioniert. Der ständig auf einer Tonlage liegende Gesang wird monoton, die Gitarren nerven irgendwann. Jetzt kommt aber das schlimmste, der Hit fehlt. Es ist von den zehn Songs auf „Decennium“ keiner dabei, bei dem ich denke, „geil, der knallt“, nein, alles wirkt gleichförmig, wirkt runtergeschrubbt, bleibt Stangenware. Abwechslung wäre hier wirklich willkommen, mal eine Ballade oder irgend so was. Sorry, was mir nach Genuß der Platte bleibt, sind Kopfschmerten ob des klirrenden Gesanges. Wird dem Wacken Metaller eventuell gefallen, aber ich bin raus hier. 4+ ROLAND

Worst Days Down – Elsewhere CD/LP inkl. DL (08.05.2017)

(Gunner Records)
Hier kommen 10 Lieder einer Band aus Kanada mit ihren Debüt Album! Schon nach den ersten Tönen, wird klar, die CD verschwindet so schnell nicht aus dem Player. Ohne Mist, heutzutage neue Bands zu finden, die eine Sache mit Herzblut macht, ist einfach nicht mehr so leicht… aber bei WORST DAYS DOWN kommt direkt ein Feeling rüber, welches man oft vergebens sucht. Irgendwo zwischen Singer/Songwriter Kram bis hin zu härteren Gefilden, ist diese Band zuhause. Mit dieser Scheibe reißen sie irgendwie alles ab. Genau die richtige Rezeptur von ein glatten aber nicht zu glattem Produktion. Einfach genau richtig. Note: 2+ David

Tom Unterweger – Soundtrack zum Ende der Welt CD (24.04.2017)

(www.tom-unterwegger.com)
Tom Unterweger ist ein österreichischer Musiker, der hier seinen ersten Solo Longplayer vorstellt. Das ist jetzt allerdings nicht so in Akustik Klampfen August, sondern schon eine vollinstrumentierte Punkscheibe. Ob der Herr jetzt alles alleine eingespielt hat weiss ich jetzt nicht, ist aber auch egal, nur das Ergebnis zählt. Und das weiss durchaus zu gefallen, Tom spielt sich durch diverse Arte des Punk, mal flotter, mal getragener, aber immer hochmelodisch und mit einfühlsamer Stimme. „Traum im Traum“ erinnert mich ein wenig an „How will i laugh tomorrow“ von Suicidal, der Rest ist ist stark von den Ärzten beeinflusst, besonders von den Bela B Songs. Auch stimmlich erinnert Tom sehr an den langen Berliner. Das soll aber nichts schlechtes heißen, die Ärtze sind ja auch äusserst kreativ. Textlich beschäftigt sich Herr Unterweger unter anderem mit dem gierigen Bankenwesen, Serienmördern, Religion und Spritwein. Mal etwas plakativ, „Wo ist der Satanismus, wenn man ihn braucht“ kommt mir als Textzeile zu plump rüber, das könnte er besser, mal humorös. Als ich die Platte das erste Mal gehört habe, habe ich gedacht, was ein Rotz, aber sie ist ein Grower. Jetzt so nach dem zehnten oder so Durchlauf, gefällt sie mir doch recht gut. Ist nicht was für jeden Tag, aber eine Platte, die es definitv verdient hat angehört zu werden. 3 ROLAND

Vitja – Digital Love (14.04.2017)

(Century Media Records / People Like You)
Das ganze sieht schwer nach Metal-Core oder dergleichen aus. Zumindest tippe ich auf die Art von Musik die meine Frau gerne beim Autofahren hört und die mir mittlerweile auch sehr zusagt. Und beim hören der Scheibe festigt sich mein Eindruck zunehmend. Ob das jetzt reiner Metalcore ist oder ob noch andere Sachen da drinn‘ stecken, sollen die selbsternannten Experten und Genre-Nazis entscheiden. Jedenfalls wird kräftig in die Seiten gehauen und aufs Schlagzeug eingeprügelt und beim Gesang wird mal zwischen cleanen Vocals und shouten, growlen oder wie auch immer das heißt gewechselt. Jedenfalls erinnert mich das ganze an Bands wie: Bring me the Horizon, Bury Tomorrow, Caliban…usw. Für den Opener SCUM hat man sich Unterstützung von „Eskimo Callboy“ geholt und für den sehr geilen Song SIX SIX SICK hat man sich Mathias von der Band „Nasty“ ins Boot geholt. Insgesamt kommt man auf 11 Songs + zwei Bonus Tracks bei der CD. Wirklich schlecht fand ich das ganze nicht, aber Luft nach oben ist sicherlich dennoch.
Note 3 / Mark

Staatspunkrott – Choral vom Ende CD (14.04.2017)

(People Like You Records)
Staatspunkrott – welch ein genialer Bandname, den man in der Vergangenheit oft gelesen hat, die Musik der Band aber nie gehört hat. Der Name lässt schnell auf typischen Deutschpunk schliessen, aber weit gefehlt, hier gibt es melodischen Punkrock zu hören. Zudem ist ‚Choral vom Ende‘ die Abschlussscheibe einer Trilogie, welche 2005 Ihren Anfang nahm. Da ich die anderen Alben nicht kenne, weiss ich nicht, ob es sich um Konzeptalben handelt. Der Band nach gibt es Melodycore zu hören, die musikalischen Wurzeln sind da in den 90ern zu suchen und zu finden. Da werden im Proberaum der Band in den Anfangstagen wohl Fatwreck und Burning Heart hoch und runter gelaufen sein. Diese Einflüsse sind nicht zu überhören, aber gleich der erste Song ‚Richtung Horizont‘, welcher der beste Song des Albums ist, erinnert doch eher an Donots. Gleich hinterher gibt es mit ‚Monokel für zwei Augen‘ einen sozialkritischen Song, zu dem es ein Video gibt. Die folgenden Songs sind dann nicht mehr so pralle, bevor man mit ‚Choral vom Ende‘ wieder einen guten Song präsentiert. So geht das eigentlich weiter, mal wieder ein sehr durchschnittlicher Song, bevor man dann wieder einen ansprechenderen Song präsentiert. Schade, das man den guten Standard nicht alle Songs über halten konnte. Auch wenn ich die Platte nicht in den Himmel lobe, kann man den Fans von Donots, Rogers oder Massendefekt das Album empfehlen, so wird es auch seine Käufer finden. 3 sickguy77

The Upset – s/t 7″ Vinyl (11.04.2017)

(Contra Records)
Barcelona grimmig: Die Band heißt UPSET, zwei Songs „Destroying everything“ und „The Hammer“. Klingelts? Die ex-Combo von Sänger Ramon hieß BULLDOZER. Veröffentlichungen auf UNITED KIDS, CONTRA, CAMDEN TOWN. Songs wie „Two Fingers“ haben den Fleischwolf damals schon angeworfen, BULLDOZER setzen bullig nach. Diagnose: Ramon hat seine Medikamente abgesetzt. Oder verwechselt. Weniger Melodie, mehr Aggro. Keine Option für bonbonsüßen Girlie Tingeltangel und gesichtstätowierte XXX-Bürschlein. Stattdessen: Ein zünftiges 4-Song Meet & Greet mit der abgesägten Schrotflinte. UPSET ist verdammt upset, böser Bordstein-Sound von zertifizierten Absolventen der BONECRUSHER School of Bareknuckle Street Rock’n’Roll. Oi!, Punk Rock und schweißtreibenden Bad Boys R’n’R durch die Blutpresse gejagt, kalt ausgeschwitzt. Mundschutz rein und los. Musik für extrem verärgerte Zeitgenossen in optisch smarter Verpackung (Siebdruck-Lettering blitzt gülden wie Tysons Schneidezahn). Rauer Kern in edler Schale. PARADISE

Split: Midnight Tattoo / The Warriors 7“ (06.05.2017)

(www.contra-net.com)
Ich zitiere einfach mal das Label: Klare Kante, zwei Bands, vier Songs. Kann man so stehen lassen. Geboten wird von den beiden Bands schnörkelloser Oi! Punk. Nicht mehr, nicht weniger. Den Anfang machen Midnight Tattoo aus Belgien, die in unserer Gegend aufgrund diverser Shows keine Unbekannten mehr sind. Zwei Midtempo Songs stellen die drei Jungs hier vor, sind beide schmissig, aber das Schlagzeug ist mir zu monoton, sehr minimalistisch. Dennoch animieren beide Stücke zum Mitsingen und Tanzbein schwingen. Textlich kümmert man sich um die Verurteilung von Pädophilen und ums Saufen. Passt alles schon, ist mir aber zu sehr Standard, um wirklich aus der Masse herausstechen zu können. Auf der Kehrseite gibt’s dann The Warriors zu bewundern. Die Herren spielen genau das, was man von ihnen erwartet. Klassischen England Oi! unweit von Last Resort, Business und den anderen Bands der Insel. Hymnisch, rockig, simpel, gut. Mehr muss man eigentlich gar nicht mehr schreiben. Beide Songs sind definitve Croowd Pleaser, wobei mir „R.I.P.“ etwas besser gefällt. Im Vergleich zu Midnight Tattoo klingt alles etwas spritziger und stimmiger. The Warriors sind klare Gewinner der Platte. Das Teil ist auf 300 gesplatterte Scheiben limitiert, kann man sich in die Sammlung stellen, kein Muß, aber auch kein Fehler. ROLAND

Split: Buried Cities / Knockin´Bones Vinyl LP (31.03.2017)

(Ring of Fire Records / www.rof-records.com)
Split Album der „Geschwister-bands“ aus dem lonestar state. Buried Cities (ehehemals Revenants) mit sechs größtenteils an Punkrock späten 90er bzw. frühen 2000er Jahre erinnernden Tracks . Egal ob Hymnischer Singalong (Stand Down) oder riffgetriebenes Hardcore-Geknüppel (carved in stone, redefine) überraschen die Buried Cities doch bei aller Aggression, dem kehligen, kaputten Gesang,der mich ein wenig an die Stumbling Pins erinnert und den allgegenwärtigen Gitarrenkapriolen mit einem Händchen für Harmonien die einem im Kopf bleiben und Freude zum Detail (new blood, derailed). Ebenfalls im Punk verwurzelt, jedoch mit etwas mehr Hang zum Rock sind die aufgrund der gemeinsamen Maschinisten Marc Alan und Dylan Disaster stilistisch gar nicht so weit von Buried Cities entfernten Knockin`Bones. Gleich beim Opener same ol town setzt man auf ein durchgeknüppeltes Schlagzeug, forschen Gesangsstil und auch hier gibt es trotz 1.53min Spielzeit natürlich noch Raum für ein Gitarrensolo allerdings stehen die Knockin`Bones auch eher für amerikanische Unterhaltungswerte als für anstrengende Inhalte (blue dress, as cool as). Daher liegen die Buried Cities im Vergleich für mich auch etwas weiter vorn obwohl alle hier Beteiligten zweifellos eine super Arbeit gemacht haben. Von mir 2- dafür…………..Kai

Slam # 90 (22.03.2017)

(www.slam-zine.com)
Vergriffen? Frontal wird man von den BROILERS orange heimgeleuchtet, gleichgeschaltete Medienpräsenz (OX und SLAM aktuell optisch als eineiiges Geschwisterlein betitelt), den Düsseldorfern entkommt momentan nur Usain Bolt. Erinnert an ihre Mentoren, den zähen DTH-Dauerlauf durch die Gazetten von A (APOTHEKENRUNDSCHAU) bis Z (ZAP). Letztendlich gibt es aber ein lesenswertes Interview mit der Band und das Album muß sich schließlich verkaufen. Macht Sinn. Man versucht sich begleitend an einem irritierenden Untertitel-Wortwitz: (sic!) OF IT ALL…Haben die auch ein neues Album? Nein. Ansonsten subjektiv durchaus interessanter als die Vorgängernummer, die (erneut beachtliche) Bandbreite an Independent/Metal/Punk/Hardcore/Pop-Interpreten ist mit erhöhter Trefferquote bestückt: RANTANPLAN, BOLT THROWER/MEMORIAM, T.S.O.L., WACKEN OPEN AIR (Ü 40 Metal-Ballermann oder Kult-Sause?), DANKO JONES, PISSED JEANS, FRANK CARTER, AFI, DIMMU BURGIR etc. Dazu seitenweise Reviews (Tonträger, Gigs, DVD/BluRay etc.), Festival-Werbung, Technik-Infos etc. Sehr angenehm bebildert, geschmeidiges Layout. Kommt mit einer 16-Track CD (mittels 1 A Beton-Klebstoff im Innenteil fixiert), nettes Begleit-Gimmick zur Lektüre, sollte man parallel geniessen. Fazit: Zwischen OX und VISIONS auf 130 Seiten der solide Dritte Mann am Kiosk. PARADISE