Category Archives: Reviews 0-9 (Archiv)

8°6 Crew – Working Class Reggae LP + DL (05.02.206)

(UVPR Vinyles)
Reggae und Dub!!! – lastiges Album der 1995 in Paris gegründeten Band. Vereinzelt finden sich 3,4 Uptempo Nummern aber alles in allem ein vornehmlich sehr entspanntes, bisweilen psychedelisches Werk der Franzosen. Der Titel des Albums bezieht sich hier wohl eher beinahe ausschließlich auf die Texte und nicht auf die Musik. Wer hier oldschool malocher Reggae anno 68/69 erwartet wird an dieser Stelle sicherlich enttäuscht. Die flotteren Nummern sind eher im Two Tone Bereich anzusiedeln und hier gibt es für mich auch nichts herum zu mäkeln – allerdings ist alles andere eher stereotyp produzierter 90er jahre Reggae und verhallter Fruitloops Dub. Bekifft ist das am Ende bestimmt ne tolle Sause aber für mich auf Dauer ein wenig zu dizzy. Vieles auf dieser Platte erinnert an bereits voran gegangene Werke – das ganze ist insgesamt im Vergleich etwas verspielter, eher ein Stück weiter weg vom Ska und Rocksteady hin zum Dub, der sich auch vornehmlich auf der beigelegten CD befindet. Fans der durchaus sympatischen Truppe werden auch dieses Album sicherlich mögen und auch darüber hinaus werden sicherlich viele Dub und Reggaefans diese Platte goutieren. Mir ist das größtenteils ein wenig zu modern und stellenweise zu effektüberladen, was die wirklich gelungenen Skanummern in ihrer Qualität nicht schmälert das ganze Album allerdings nicht gerade zu meinen Lieblingsplatten macht. Für mich insgesamt eher mittelmäßig also befriedigend….Kai

4 PROMILLE – RESET MLP / MCD (18.11.2016)

2208_0(www.sunnybastards.de)
Nach Ihrem Comeback mit Ihrer LP Vinyl ist es wieder ruhig geworden um die Düsseldorfer. Jetzt nach 3 Jahren gibt es neues Lebenszeichen in Form einer 4-Song MiniLP. Diese erscheint im Rahmen der Super Sound Single Reihe bei Sunny Bastards Records, wobei ich mich frage, warum da nicht eine normale Single reicht? Spätestens seit Ihrem letzten Werk dürfte jedem klar sein, daß die Band sich vom OI-Punk Sound Ihrer Anfangszeit verabschiedet hat und nun Punkrock spielen, wobei dieser sehr massenkompatibel klingt. Mit ‚Viva la Fifa‘ gibt es aber gleich einen Song zum Mitsingen und Fäuste ballen, ein Abkotzsong über den korrupten Laden der FIFA, zugleich der Hit dieser MiniLP. Danach gibt sich Melly mit dem Song ‚reden ist Silber, schreien ist Gold‘ die Ehre, der einzige Song der MiniLP mit Ihrem Gesang. Mit ‚Treu‘ begibt die Bad sich auf den Sinn des Lebens bevor man mit dem Coversong ‚Yesterdays here‘, im Original von Tom Waits, den Abschluss findet. Wer Ihren letzten Longplayer mag, wird hier bestens versorgt sein, mir persönlich klingt es insgesamt etwas zu harmlos. 3 sickguy77

84breakdown – Luft nach oben (09.04.2015)

84breakd(www.facebook.com/84breakdown)
84 Breakdown kommen, dem beigelegten kopierten VfL-Poster (gleichzeitig Textblatt) nach, anscheinend aus der ehemaligen Opel-Stadt Bochum, also quasi „von umme Ecke“. Punk mit Ruhrpottcharme ist nie verkehrt und zumindest bei mir immer gerne gehört. Die sieben Songs, bis auf den Opener „Riot“ und „Dreams and Borders“, kommen mit deutschen Texten. „Schicht im Schacht“ und „SPRCKHVL“ haben einen regionalen Hintergrund, „Pumper“ beschäftigt sich augenzwinkwernd mit dem Alltag eines Bodybuilders, „Punkrocker a.D.“ mit der alten Frage „Sind wir noch Punk?“ und der letzte Song „Bürgerliche Mitte“ hat gerade in Zeiten, in denen Arschlöcher wie Pegida usw. ihre Parolen aus Angst, Hass und Neid auf die Strasse bringen einen sehr aktuellen Bezug zur Realität. Soweit ich weiss handelt es sich hier um die erste Veröffentlichung von den Jungs?! Alles in allem eine runde Sache, kein schlechter Song und die Produktion geht, dafür das anscheinend alles in Eigenregie gestemmt wurde, auch völlig in Ordnung. Wer also mal fünf Jungs aus der Nachbarschaft supporten möchte, kann hier bedenkenlos zugreifen. Kein weichgespülter und geglätteter Punkrock, sondern charmant mit Ecken und Kanten, solche Platten bespricht man gern.2- Domme

6`10 – The Humble Beginnings of A Rovin Soul LP / CD / digital (26.02.2015)

humble_beginnings(Burnside Distribution)
Bei 6´10 handelt es sich wohl um einen Solo-Ableger der Punkformation „Flatfoot 56“ (der Nachforschung im Internet sei Dank, leider gab es keinen Beipackzettel des Labels). Tobin Bawinkel gönnt sich hier mal einen Ausflug in Folk-Gefilde und das macht er wirklich gut. „The Humble Beginnings…“ ist ein durch und durch stimmiges Album geworden, soviel sei vorweg verraten. Bawinkel begeht nicht den Fehler und reiht sich in die endlose Zahl der Dudelsack/Party-Folk Combos ein. Nein, man serviert kernigeren, kneipentauglichen (von mir aus auch lagerfeuertauglichen) Folk, der durchgehend absolut ehrlich klingt. Die zwölf Stücke kommen eindringlich daher und besitzen Herz und Seele, was auch an der prima passenden Stimme und dem Gesang von Mr. Bawinkel liegt. „Timothy“, „Hurricane“, oder „Da Boss“ seien hier nur mal als Anspieltips genannt. Der Übersong der Scheibe, welche übrigens sehr stimmig und geschmackvoll aufgemacht ist (schönes Artwork, alle Texte im Booket), bleibt aber das abschließende „The Travellers“ mit Brandon Reid als Gast (The Reids). Ein richtig starker Song. Klar, es kommt einem hier vieles bekannt vor oder schon öfters gehört, aber so ist das nunmal mit Folk. Wer will da jetzt noch das Rad neu erfinden? Eben! So bleibt es dabei,  „The Humble Beginnings…“ ist ein starkes Album, ohne wirkliche Ausfälle oder Schwächen, welches abseits vom Krach- oder typischen Punk-Folk bestens funktioniert. Schönes Teil, nicht nur für ruhigere Momente. 2+ Domme

45 ADAPTERS – Patriots Not Fools 12″ / CD (03.02.2015)

45-Adapters-200x200(Contra records)
Können Vinyl-Fetischisten schlechte Menschen sein? Ha ha, normalerweise nicht und allein für den Song hat die Scheibe schon direkt einen Pluspunkt verdient. Aber überhaupt geht die Scheibe auch sonst mehr als gut rein. Songs wie beispielsweise „Don’t Grow Out Of It“ zielt, wenn ich es richtig interpretiere, genau darauf ab das es immer wieder Menschen gibt die behaupten das man irgendwie irgendwann zu alt für Subkulturen ist. Unsinn, man ist nie zu alt um irgendetwas mit Stil und Spaß an der Sache zu zelebrieren. Ich persönlich fühle mich seit Jahrzehnten mehr als gut aufgehoben in einer „Jugend-Subkultur“ trotz voranschreitendem Alter und so lange das so bleibt käme ich nie auf den Gedanken daran etwas zu ändern. Die 45 Adapters sprechen mir da also aus der Seele und wenn das ganze dann noch so überzeugend musikalisch abgerundet wird, kann da überhaupt nix schief gehen. Mit einem spürbar nicht einseitigem Zusammenschluss aus Oi!, Mod-Sound und dezentem 60ies Anteil geht der Sound hier recht steil durchs Wohnzimmer. Ja manche sprechen hier sogar von R’n’B, dem ich nichts entgegensetzen würde. Der Sound hat Soul oder meinetwegen auch Seele im Blut, geht dabei strikt nach vorne und macht einen gekonnten Bogen um rumpeligen Ami-Oi! So muss das sein, dabei stets ein feinsinniges Gespür für Melodie und einprägsame Chöre und trotzdem nicht zu glatt geschliffen, genau in der richtigen Dosierung das der Oi! hier immer wieder genügend Durchschlagskraft besitzt. Man nehme ein bisschen Templars, ein bisschen Angelic Upstarts und garniere das ganze mit einem Hauch 77er Punkrock. Abgeschmeckt wird dann mit etwas 60ies Flair und man ist nah dran an dem was die 45 Adapters unter guter Musik verstehen. Ich bin da musikalisch mit den Jungs definitiv auf einer Wellenlänge und habe wirklich absolut Spaß an der Scheibe, auch wenn ich mich mit dem Titel der Scheibe etwas schwerer tue. Laut Label: „Patriots Not Fools ist ein uramerikanischer Song der sich mit der Arroganz und zweifelhaften Alternativlosigkeit der beiden dominierenden amerikanischen Parteien beschäftigt und als Protest von „UNTEN“ nach „OBEN“ verstanden werden soll“. Naja, in Zeiten wie diesen hätte ich definitiv einen anderen Titel gewählt, aber ich lass das mal einfach so stehen. Musikalisch ist hier nichts dran auszusetzen, denn wie schon auf vorangegangenen Veröffentlichungen halten die 45 Adapters weiterhin ihr verdammt hohes Niveau. Gefällt mir!! Note: 2+ Daniel