Category Archives: Reviews J-R (Archiv)

Frau Mansmann – Menstruation In Stereo CD/LP/Stream (20.10.2017)

(Bakraufarfita Records / www.bfr-records.de)
Nach fünf Jahren gibt es nun eine neue Scheibe von FRAU MANSMANN und wie schon beim Vorgänger, sagt der Plattentitel viel über den Inhalt aus. Hier bekommt der geneigte Hörer die witzige Version von (Deutsch-)Punk vorgesetzt. Bei meinem letzten Review hab ich die Band als „eine holprige Version von Die Ärzte“ bezeichnet. Davon sind sie jetzt ein wenig weggerückt. Sie klingen kompakter und wuchtiger, aber ohne ihren rauen, schrammeligen Charme zu verlieren. Beim Song „Pöbelei und Widerstand“ erinnern sie mich sogar an KINDAKACKE mit ihrer Single „Untot macht hirnpolitisch“. Wer also die Single des W$K Projekts kennt, kann sich ungefähr vorstellen, worauf er sich einlässt. In den Texten sucht man dann meist vergebens nach Niveau. Einen Anflug von Ernsthaftigkeit und Kritik findet man lediglich in „Therapie“ oder von mir aus auch in „Nur Geld“. Da hört es aber auch schon auf. Das wäre an und für sich nicht schlimm, allerdings sind mir manche Formulierungen zu platt und Inhalte zu flach. „Das neue Werk von FRAU MANSMANN ist ein Meilenstein für den Berliner Punk und schmeckt am besten zu kaltem Dosenbier!“ Was den ersten Teil anbelangt, soweit würde ich nicht gehen. „Menstruation in Stereo“ ist eher ein nettes humorvolles (Deutsch-)Punk Album geworden, das man gut durchhören und sich zulegen kann, aber ohne dreht sich die Welt auch weiter. Den zweiten Teil kann ich aber bestätigen, denn kaltes Dosenbier steigert den Hörgenuss durchaus. Note: 3 East Side Daniel

Les Partisans – Rallumer tous les soleils LP/CD (17.10.2017)

(Fire And Flames Music / www.fireandflames.com)
Les Partisans aus Lyon (FR) melden sich 23 Jahren Bandgeschichte nach diversen Split-Produktionen mit ihrem dritten Longplayer zurück und überraschen nun nach ihren Streetpunk-Anfängen mit einer Mischung aus Modbeat, Ska und Red Soul. Inhaltlich ausgeprägt links gelagert legen die Franzosen dankbarer Weise Wert darauf international verstanden zu werden und haben die Texte größtenteils auch auf englisch übersetzt im 16- seitigen Booklet abdrucken lassen. Hier hat sich in all den Jahren nichts verändert – wie aber auch? Das Arbeiterklasseding legt man ja nicht ab wie einen Regenmantel. Das läuft unter Herzensangelegenheit. Nun sind musikalisch die Streetpunkzeiten bei den Partisanen nicht erst seit diesem Album Geschichte, allerdings war der Vorgänger trotz Bläsersets noch lange nicht so moderat geraten. In den Hitparaden dieser Welt wird auch hier keine ausgekoppelte Single landen aber hier hat man tatsächlich ein paar Songs auf die Reihe gebracht zu denen man auch tanzen kann und nicht nur mit hochgereckten Fäusten herumhopst. Leider kann nicht das gesamte Album den Standard des Openers „je suis vivant“ halten, bei „redcats“ habe ich mich gar gewundert, wie er sich überhaupt aufs Album verirrt hat. Und auch gesanglich kann man noch nicht ganz mit den inzwischen etwas anspruchsvolleren Arrangements mithalten. Da waren die Verhältnisse bei früheren Produktionen etwas ausgeglichener. Dennoch macht die Platte grundsätzlich Spaß und man hat das Herz einfach am richtigen Fleck, was man jedem Track anhört und was das Album auch direkt so sympathisch macht. Ein wenig Luft nach oben bleibt, trotzdem 3+………………Kai

OHL – Der Feind meines Feindes CD/LP (14.10.2017)

(https://www.facebook.com/ohl1980/)
Im 38. Jahr ( wenn ich jetzt richtig rechne) seit bestehen der Band, erscheint nach 4 Jahren endlich ein neues Studioalbum. An OHL scheiden sich ja bekanntlich die Geister. Die einen hassen die Band, die anderen , so wie ich lieben sie. 12 neue Song die sich musikalisch zwischen 80er Jahre Deutschpunk und harten Metal Riffs bewegen. Soundtechnisch gefallen mir die neuen Lieder einfach besser als der alte ROR Sound.Obwohl ich gestehen muss, das mir die langsamen Songs gut gefallen. Vorab hatten OHL einen neuen Song auf youtube veröffentlicht, der es offensichtlich nicht nicht auf das Album geschafft hat . Warum weshalb enzieht sich meiner Kenntnis. Textlich geht es wie immer gegen politische Extreme ( rechts wie links ) aber auch unsere Demokratie wird angeprangert sowie den ganzen religösen Fanatismus. Hier wird natürlich kein Blatt vor den Mund genommen, also alles beim alten :-). Bestimmte Songs werden wieder für einige auf Kritik sorgen. Angefangen vom “ Wem die Stunde schlägt „oder auch “ Wahrheit “ gegen das fanatische Pack. Gefolgt vom Song “ Haus der Lügen „, genauso wie die ruhige Nummer “ Das freie Wort „. Aber auch die blinden und die tauben bekommen mit “ Schatten der Vergangenheit “ oder “ Mit dem Rücken zur Wand “ die Wut der Band um die Ohren gehauen. OHL ist einer der wenigen Deutschpunkbands die noch Arsch in der Hose haben. Die Platte selbst kommt in schweren Cover, wobei noch ein kleines Mini-Poster mit beiligt. Das ganze ist wohl auf 500 Einheiten limitiert, 250 in schwarzen,250 im farbigen Vinyl. Olli

Propagandhi – Victory Lap CD (13.10.2017)

(Epitaph)
Eins schon mal vorne weg. Propagandhi und ich waren noch nie Freunde. Irgendwie bin ich mit deren Sound nie klargekommen, hatte nie die Nerven, mich in die rein zu arbeiten und habe auch deren Abfeierei verstanden. Irgendwie fingen die damals, meine erste Platte von denen war die split 10“ mit I Spy, als schlechte Melodic Core Band an und beeindruckten mich überhaupt nicht. Was danach kam, war irgendwie komisch, mal mehr Metal, mal irgendwas wie Punk. War halt nicht meins. Nun gut, jetzt muss aber ein Review zur neuen Platte, der ersten seit 5 Jahren und wichtigen Besetzungswechseln, her. Professionell wie ja bin, habe ich mich auch ausgiebigst mit „Victory Lap“ auseinandergesetzt. Kurzes Fazit, nicht meins,aber schon beeindruckend. Eröffnet wird die Scheibe vom Titeltrack, der mit ordentlicher Rockkante daherkommt, fettes Riffing mit kurzen Akustikbreaks, erinnert von der Gitarre her an alt Gluecifer. Passt schon. Das zweite Lied „Comply/Resist“ startet verhalten, knallt aber dann richtig heftig, mit Doublebass und thrashigem Gitarren,ohne Atempause, um dann wieder einzubrechen und sich neu aufzubauen. Mein Hit auf der Platte. Das anschliessende „Cop just out of Frame“ zeigt eher die Emo Seite der Band, melodiös, eher punkig, ähnlich ist auch „When your Fears collide“. Leute, die eher alten Propagandhi Sound wollen, werden mit den hardcorelastigen „Letter to young Anus“ und „Failed Imageer“ zufrieden gestellt. Mit „Nigredo“ und „Adventures in Zoochoosis“ stehen noch zwei längere ruhigere Songs auf der Platte, die aber zwischen die Riffgewitter der anderen Stücke eine gute Abwechslung darstellen. Ich muss sagen, „Victory Lap“ ist ein interessantes Stück Musik, dass definitv Aufmerksamkeit verdient. Sei es von Punk, Prog oder Metalliebhabern. Mir sagt der Gesang nicht immer zu und die Melodien könnten griffiger sein. Aber das ist Geschmackssache. Leider sind bei der Promo keine Texte dabei, was schade ist, da Propagandhi sich schon viele Gedanken machen und auch was zu sagen haben, aber die werden beim Original ja hoffentlich dabei sein. Sollte man sich dann auch die Zeit zum lesen nehmen. Ich gebe der Scheibe keine Note. Sage nur, Empfehlung für Musikliebhaber. ROLAND

Rogers – Augen auf CD (12.10.2017)

(People Like You Records)
Über den Namen Rogers bin ich schon diverse male auf Flyern und Plakaten gestolpert. Bewusst gehört oder wahrgenommen habe ich sie dagegen noch nie. Bis heute zumindest. Was mir jetzt beim ersten Lebenszeichen auffällt, welches ich von dieser Band mitbekomme, ist die Herkunft der Jungs. Noch bevor ich das Internet anwerfe um zu sehen woher die Kapelle kommt, habe ich schon eine Ahnung: Düsseldorf, ganz klar. Denn scheinbar wird in Düsseldorf nur eine Art von Musik gespielt und gefeiert und zwar die der Toten Hosen und der Broilers. Die Rogers bieten da wenig Abwechslung. Man merkt sofort, dass sie ebenfalls aus der Nord-Rhein-Westfälischen Landeshauptstadt kommen. Zwischen Königsallee und längster Theke der Welt scheint kein Platz für große Experimente zu sein. Was Mir jedoch sofort positiv auffällt, ist der Bezug zum aktuellen Zeitgeist. Hier wird klar gesagt bzw. gesungen was einen in der Welt stört und nicht ausschweifend drumherum gelabert. Auch ist bei einem Song („einen Scheiss muss ich“) ein kleiner KraftKlub Einschlag zu vernehmen der die teilweise ernsteren und ruhigeren Songs etwas auflockert. Oben drauf gibt’s bei der Erstauflage der Scheibe noch eine Bonus CD bei dem sie mit prominenter Unterstützung (Kassierer und Feine Sahne Fischfilet u.a) ein paar Kracher unter dem Namen ROBERTS raushauen. Mit Sicherheit nicht DAS Album 2017 aber auch kein totaler Schrott. Fazit: Solide Handgemachte Musik, die man auch im Radio spielen könnte. 3 / Mark

Jizzlobbers – You better do what your mama says! LP (06.10.2017)

JIZZLOBBERS aus Köln spielen seit 2006 zusammen. Sie klingen wie DICKIES / RIVERDALES / DWARVES / MASKED INTRUDER / SCREECHING WEASEL…Die einzelnen Musiker von JIZZLOBBERS waren vorher bei Bands wie BACKWOOD CREATURES, PUBLIC TOYS, HAVANNA RAGDOLLS. 3 Jahre musste die Welt auf ein neues Lebenszeichen der Kölner Punkrockformation warten, die sich in der Zwischenzeit mit Arbeit & Familie herum schlagen mussten, ein bekanntes Problem alternder Punkrocker (siehe „All my friends are dad“). Nichtsdestotrotz verlernten sie ihr Handwerk nicht, das Rad neu zu erfinden ist hier nicht der Anspruch, was in diesem Genre ohnehin ein völlig schwachsinniges Unterfangen wäre. Vielmehr besinnt sich die Band auf ihre Stärken und die liegen in Melodie und dem Talent, kurze, prägnante Songs ohne viel Schnickschnack zu schrieben. Alle Musiker wissen hier sich absolut souverän im Terrain des poppigen Punkrocks/Powerpops zu bewegen. Dazu kommt der Luxus, dass die Band über 2 sehr fähige Sänger verfügt, die sich den Gesang aufteilen. Anspieltipps: „All my friends are dad“, „Getting even worse“, „W.W. J.D.“, „Look into my eyes“.

Neuronspoiler – Second Sight CD (04.10.2017)

(Dissonance)
Heavy Metal aus England bieten Neuronspoiler auf ihrem Zweitwerk „Second Sight“. Und das hört man. Die Band klingt wie eine Mischung aus Hammerfall und Dragonforce. Allerdings wie die Zone 30 Version dieser Bands. Was ich bei traditonellem Metal hören will sind hymnenhafte Refrains und rasende Gitarrenleads. Das erste bieten Neuronspoiler ansatzweise, das zweite leider überhaupt nicht. Kann man zwar sagen, klingt authentisch nach NWOBHM, ich finde es einschläfernd. Aber es ist ja nicht alles schlecht hier, mit „The brave One“ und „Heart of a Lion“ sind zwei richtig starke Songs auf der Platte, auch eher getragen oder Halbballade, aber schon in sich stimmig. „Queen of the Darkness“ hat einen einprägsamen Refrain und die Produktion passt auch. Es wird bestimmt Leute geben, die mit der Band was anfangen können, für mich ist es zu unspannend, zu gestrig. Es gibt so viele gute Metal Bands da draussen, da brauche ich so einen alten Stampfer nicht. 3- ROLAND

Maladro!ts – Standby Me LP+DL Code / CD (02.10.2017)

(Flight 13)
Hier kommt ein Album, welches ich irgendwo zwischen den 77iger Punk, Chaos & rotzigem Punk einordnen würde, obwohl ich sagen muss, so ne richtige Schublade oder auch Stilrichtung lässt sich hier nur schwer erkennen. Teilweise erinnern die Jungs mich an die frühen Adicts und dann wieder an wilden Anarcho Punk. Alles ein bisschen chaotisch und nicht unbedingt im Timing.. sehr rotzige, ich tippe mal auf DIY Aufnahmen, die aber sehr gut zu dieser Kombo passen. Mal wird hier auf englisch, mal auf deutsch uns der Gesang um die Ohren gehauen. Rau, aggressive und auch mal melodisch.Was ich schade finde, dass die CD nur in einem Pappschuber daher kommt ohne Textblatt oder ähnliches. Da hätte man einfach nen DIN A4 Blatt mit reinpacken können, so als kleines Gimmick. Mein Fazit zum Album, ist ganz cool, aber ich denke die Jungs sind bestimmt live richtig cool anzusehen sind, aber auf Platte mich leider nicht überzeugen konnten. Note: 4
David

Missstand – I can´t Relax in Hinterland DCD / LP (23.09.2017)

(Aggressive Punk Produktionen)
Hier kommt endlich mal wieder ein Deutschpunk Album, dass mich direkt um Jahre zurück versetzt. Die Jungs von MISSSTAND wissen zu überzeugen und den Grad aus dem Ursprung des Deutschpunks in die heutige Zeit zu bringen. Vor aktuelle Brennpunkt Themen, wie der Flüchtlingsfeindlichkeit, Polizeigewalt und natürlich auch der Kirche wird hier nicht halt gemacht. Und der Nagel auf den Kopf getroffen. Bei den 13 Songs der Österreicher, werden die typischen Deutschpunk Themen aufgegriffen, aber es wird nicht langweilig, diese sind alle sehr gut verpackt und reichlich Melodie versetzt. Für mich endlich mal wieder eine Band, die mich an meine Anfangszeit erinnert. Zwischen den ganzen überproduzierten Platten der heutigen Zeit, passt dieses Album super rein und ist leider eher selten geworden. Als Bonus gibt’s noch eine weitere CD mit dabei, welche das Vorgänger Album „DIE NETTEN JAHRE SIND VORBEI“ beinhaltet. Note:2   David

The Young Ones – Our Nose In Their Business EP (11.09.2017)

(Contra Records)
The Young Ones existierten Anfang des Jahrtausends schon einmal und veröffentlichten, so viel ich weiß, eine Single und zwei Lps, bevor sie sich 2006 auflösten. An die Single kann ich mich nicht mehr erinnern, aber die Lp „ Out with the Bois“war nicht von schlechten Eltern. Rotziger, hymnenhafter Oi! Punk. Jetzt, elf Jahre später, gibt es die Band wieder und sie haut uns eine 7“ um die Ohren, die sich gewaschen hat. Man schliesst da an, wo man mit der Lp aufgehört hat und bietet vier Songs hitqualifiziertem Punkrocks. Es geht los mit „Johnny Wanker“, das mich etwas an die Gumbles erinnert, was ja auch nicht verkehrt ist, aber definitiv rotziger ist. Eine weiterer Knaller ist das, die B-Seite eröffnende „The cross-eyed Butcher. Hit! Aber auch die beiden restlichen Stücke sind mehr als grundsolide. Mir machen alle Songs Spass und darauf kommt es im Endeffekt an. Gutes Comeback, weil die Band es geschafft hat, die Trademarks von damals beizubehalten und nicht zu langweilen. Live war ich zwar nicht 100% angetan, aber das kann an beidseitiger Tagesform gelegen haben. Sollte man mal gehört haben, die Single. 2- ROLAND