Category Archives: Reviews J-R (Archiv)

Pisshit – Direkt Aus Ludwigsburg 12“ Vinyl+DLC (08.12.2017)

(www.facebook.com/wahregeschichtenorgelpunk)
Boah ey, was ist das denn für ein beschissener Bandname. Eine Nominierung für den „schlechtesten englischen Bandnamen einer deutschen Combo“ ist ihnen sicher und die Chance zu gewinnen stehen auch nicht schlecht. Da hatte ich spontan überhaupt keine Lust reinzuhören, geschweige denn meinen Senf dazu abzugeben. Doch ganz sooo schlimm kam es dann doch nicht, denn dieser Orgelpunk ist so schlecht, dass es fast schon wieder gut ist. Eines muss man PISSSHIT nämlich lassen, sie ziehen ihr Ding gnadenlos durch. Sie nehmen sich klassischen D-Punk und hauen ihn zusammen mit Polka, Orgel und ähnlichen Verbrechen. Raus kommt eine ganz obskure Uffta-Uffta-Mischung, die in Teilen an GLEICHLAUFSCHWANKUNG erinnert. Während andere Bands solche Momente aber nur dezent einsetzen, gibt es hier sechs Tracks am Stück. Das ist einfach zu viel und hält das stärkste Gehör nicht aus. Inhaltlich bleiben sie dem Stümperhaften treu, denn Kindergartenniveau erreicht man nur in Ausnahmefällen. Ich versuche abschließend mal die Texte in einem Satz zusammenzufassen: „Pinguine, die niemals duschen, aber rund und glücklich sind, weil alle nervigen Insekten verreckt sind, werden nie Straight Edge sein und man klaut ihnen sicherlich nicht das Fahrrad!“ Note: 4 East Side Daniel

Jaya The Cat – A Good Day For The Damned CD/LP/Digital (29.11.2017)

(Destiny Records)
Nach fünf Jahren Wartezeit hier nun das von vielen lang erwartete neue Album der Wahlamsterdamer Punk-Rock-Reggae Kapelle. Alles in Allem ist das neue Werk etwas ruhiger geraten als seine Vorgänger – man wird ja auch nicht jünger und richtige Uptempo Nummern wie z.B. „the sickness“ wird man (außer vielleicht mit „just leave me there“) hier nicht finden. Es wird mehr gesungen, weniger geschrien und die Songs sind gesitteter arrangiert – raus aus der Kneipe, rauf auf die großen Bühnen…Die Grundzutaten wurden beibehalten, das Ergebnis ist hier etwas gefälliger, Massenkompatibler und melancholischer geworden, wie sich das in einigen früheren Songs ( z.B. „closing time“) schon ankündigte. Weniger Beastie Boys, mehr 10 CC…vordergründig die hymnischen Refrains und die schweflige, unverkennbare Stimme Geoff Lagadecs erinnern immer wieder daran, dass es sich immer noch um ein Jayathecatalbum handelt. Natürlich lässt sich auch hier ganz hervorragend mit Schunkeln, Skanken, Feiern, Saufen oder einfach nur mitgröhlen. Aber eben alles etwas gesetzter. Ich mag die Platte gerade wegen der vorherrschenden Melancholie wie im Titeltrack – passt ja auch zur Jahreszeit. Musik zum Hangover. Sehr Zeitgeistig – und das ist ja nicht erst seit letzter Woche das Kapital der fetten Katze….von mir 2+…..ganz nah an perfekt….Kai

Kai Havaii – Hart wie Marmelade Buch (23.11.2017)

(Klartext Verlag / ISBN 978-3-8375-1865-8)
Wer etwas Älter ist, dürfte der Name „Kai Havaii“ sicherlich noch geläufig sein, denn es handelt sich hier um den Sänger der Band „Extrabreit“. Klassiker wie „Hart wie Marmelade“, Hurra Hurra die Schule brennt, Polizisten, Flieger grüß mir die Sonne“, dürften  bestimmt auch heute noch auf viele Feten der verschiedensten Altersklassen laufen, denn die Mucke der Band ist einfach Zeitlos und macht immer noch Spaß und die Band scheint auch noch ein wenig Gefallen daran haben, da die alten Säcke immer noch Touren (wenn auch nicht mehr in so große Hallen wie früher). Kai Havaii nimmt uns mit auf die Reise zu den Anfängen der Band und erzählt uns Anekdoten, gemischt mit Geschichten, die ganz schön harter Tabak sind. Das Wort „Drogen“ wird in diesem Buch ganz GROß geschrieben, denn das war damals wohl ein großer Bestandteil der Band. Er nimmt uns mit in seine Jahre der Politik, in denen er meinte, was verändern zu können. Erzählt uns Frauengeschichten und bringt uns auch seine Ex Frau etwas näher, deren Leben wohl auch sehr den Drogen zugetan war. Du erfährst hier auch einige Hintergrundstorys der damaligen Musiker Szene, in der auch nicht immer alles Gold war, was glänzte. Nicht nur die Rolling Stones zerstörten Hotelzimmer. Doch wie Ich schon Eingangs erwähnte, ist das Thema „Drogen“, hier ein oft genanntes Thema, was Kai zu mehreren Entzügen und schließlich sogar ins Gefängnis bringt, bis er es wohl wirklich mal schafft, Clean zu werden.Aber das ist wirklich nur ein Ausschnitt aus diesem Buch, das wirklich gut und flüssig geschrieben wurde und mir sehr viel Spaß bereitet hat. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung und vielleicht ist das ja für den ein oder anderen von Euch, ein schönes Weihnachtsgeschenk, für wen auch immer. FRANK
P.S.: Dieses Buch erschien in der Erstauflage im Jahre 2007, war Jahrelang vergriffen und wurde jetzt vom Klartext Verlag mit einem,erweiterten Bilderteil und Nachwort neu veröffentlicht.

The Lillingtons – Stella Sapiente CD (11.11.2017)

(Fat Wreck Chords)
Sie sind zurück! Die Vorfreude ist gross, die zweite Punkrockband von Kody Templeman, welche in der Vergangenheit die alte Lookout! Schule verkörperte und den Poppunk mit Themen aus Horror und SciFi Filmen der B-Movies verband. Die Band spielt sozusagen eine Mischung aus Screeching Weasel und Misfits. Dennoch hat sich etwas geändert, diese Leichtig- und Fähigkeit unbeschwerte und lockere Songs mit genialen Melodien zu spielen ist irgendwie verloren gegangen. Anscheinend hat die Band sich ‚weiterentwickelt‘ und spielt nun einen etwas anderen Sound. Denn der Sound hat sich den inhaltlcihen Themen angenähert, klingt insgesamt düsterer und waviger. Da hat wohl jemand die alten Joy Disvion Platten aus der Sammlung rausgesucht und zu oft gehört. Die Songs klingen immer noch stimmig und sind versehen mit guten Texten und Melodien gespickt, aber trotzdem ist es nicht der Sound, den ich von den Lillingtons gewohnt bin und hören will. Insgesamt für mich ein etwas enttäuschendes Comeback der Band. Knallersongs wie ‚They live‘ und ‚Insect nightmares‘, die an alte Scheiben anknüpfen, reichen da nicht aus, die Band kann auf alle Fälle mehr.
3 sickguy77

Kaltfront – wenn es dunkel wird LP/CD (09.11.2017)

(Rundling Records)
Nach über fünf Jahren bringen KALTFRONT nun ihr zweites „richtiges“ Album raus. Bereits das Cover lässt erahnen, dass es dieses Mal etwas düsterer wird. Das soll aber nicht heißen, dass sie jetzt in Depressionen verfallen sind und lahme Emo-Mucke spielen. Vielmehr ist die Grundstimmung des gesamten Albums nachdenklicher. Das steht dem Hörgenuss aber in keinster Weise im Weg. Im Gegenteil, „wenn es dunkel wird“ ist ein großartiger Longplayer geworden, bei dem es nie langweilig wird. Sicherlich ist die Band keine einfache Kost, aber genau das macht es so spannend. Das Album hat musikalisch und textlich viel zu bieten, so dass es sich auf jeden Fall lohnt mehrmals hinzuhören. Soundtechnisch haben sich die Dresdner im Vergleich zum Vorgänger kaum spürbar verändert und trotzdem wirken sie eingespielter und kraftvoller. Ihnen ist das gelungen, was andere vergeblich versuchen – ihren etwas „dumpferenden, brummenden und dröhnenden“ Livesound auf Platte zu bannen. Hier macht es Spaß die Anlage aufzudrehen und sich beschallen zu lassen. Dass man von KALTFRONT keine zuckersüßen Melodien erwarten darf, dürfte jedem klar sein und trotzdem bleiben die Songs im Hirn hängen. Man kann gar nichts dagegen machen, früher oder später kriegen sie dich. Für ältere Fans mag es daran liegen, dass es ein paar (neueingespielte) Klassiker auf die Scheibe geschafft haben, aber auch die neuen Stücke wissen 100%ig zu überzeugen. Und obwohl die Tracks teilweise aus unterschiedlichen Schaffensphasen der Band stammen, klingt „wenn es dunkel wird“ wie aus einem Guss. Auch ein Coversong hat es wieder auf das Album geschafft und so knöpfen sich die Dresdner „Ice Age“ von JOY DIVISION vor und schaffen es, mit „Eiszeit“, einen ganz „neuen“ Song daraus zu machen. KALTFRONT wissen eben genau was sie tun und das tun sie perfekt. Für Fans der Band ist diese Scheibe definitiv ein Muss, alle anderen sollten unbedingt mal reinhören! Note: 1 East Side Daniel

OX # 134 (08.11.2017)

(www.ox-fanzine.de)
Dass das Ox in Sachen Qualität eine sichere Bank ist, dürfte mittlerweile fast jeder wissen und mit der Ausgabe 134 beweisen die Schreiberlinge dies erneut. Schon ein Blick auf das Cover verspricht guten Lesestoff. Großes „Topthema“ sind dieses Mal SLIME, die mit ihrem neuen Album „Hier und jetzt“ wieder einmal eine super Platte abgeliefert haben. Im dreiseitigen Interview stehen sie Frank Weiffen Rede und Antwort und zeigen sich sympathisch und auskunftsfreudig. Gleiches gilt für Gunnar von DRITTE WAHL, der einiges zum neuen Langspieler „10“, seiner Zeit in Norwegen, etc. zu erzählen hat. Spaßig ist es dann mit den LOKALMATADOREn, die ganz prollig-charmant drauflosplaudern. Das Gegenprogramm bieten ANTI-FLAG, bei denen man noch einiges über die aktuelle Situation in den USA lernen kann. Ich glaube, wir jammern in Bezug auf rechte Tendenzen im Vergleich zu den Staaten auf hohem Niveau, müssen aber sicherlich weiter wachsam bleiben. Abgesehen von den bisher genannten Protagonisten warten noch COR, SUPERNICHTS (R.i.P.), THE CREEPSHOW, MELVINS, PETER & THE TEST TUBE BABIES, PROPAGANDHI, … auf den geneigten Leser. Genügend Material, dass jeder einiges zu lesen finden wird. Empfehlen kann ich noch den Beitrag „Wie der Punk nach Stuttgart kam“. Genau für solche Sachen brauche ich Fanzines wie das Ox! Am Schluss möchte ich noch Chefschreiber Joachim zitieren: „Was hier [Ox] steht, kann keiner zugunsten bezahlter Posts aus der Timeline ausblenden, als „unangemessenen Inhalt“ klassifizieren, bei Suchergebnissen wegen anderer bezahlter Einträge auf die hinteren Seiten schieben, wo es eh keiner anklickt. Hier haben wir die Kontrolle – und damit ihr! Deshalb bleibt uns bitte treu, unterstützt uns, und habt viel Spaß beim Lesen…“ Dem ist nichts hinzuzufügen. East Side Daniel: 2+

Keim-X-Zelle – Strsz LP/CD (06.11.2017)

(Aggressive Punk Produktionen / www.aggressivepunkproduktionen.de)
Nach ihrem ersten Lebenszeichen in Form der Single „Zwischen Wüstensand und Stacheldraht“ kommen KEIM-X-ZELLE jetzt mit ihrem Debütalbum „Strsz“ um die Ecke. Ähnlich wie bei der 7“ setzt die Band auf Punk meets Rap und liefert auf insgesamt 13 Songs (inkl. der zwei Tracks der Single) ein ordentliches Brett ab. Sauber produziert drückt der Sound aus den Boxen und bereitet dem Sprechgesang ein passendes Klangbett. Der Bass massiert angenehm den Magen, die Gitarre pendelt zwischen Kreissäge und Harve und das Schlagzeug treibt die beiden vor sich her. Hier muss man einfach aufdrehen! Im Vergleich zur Single schlagen die Jungs aber auch mal „ruhigere“ Töne an. „Leben in der Hand“ schielt mit seinem mehr als eingängigen Refrain und seiner fast süßlichen Melodie sogar in Richtung Pop. Gefällt mir gut, da es die Platte abwechslungsreicher macht. Klangtechnisch die einzige wirkliche Ausnahme ist „Krise Alltag“, welche gänzlich ohne musikalische Unterstützung auskommt. Bei mir können sie damit leider nicht punkten. Die Wut, die aus der Musik spricht, setzt sich dann in den Texten fort. Viele Probleme unserer Zeit, wie bspw. Kapitalismus, Rassismus, Faschismus, Ausgrenzung, Resignation, werden von KEIM-X-ZELLE aufgegriffen und angeprangert. Gehirn anschalten ist hier nicht nur erwünscht, sondern ein MUSS! Jeder Mensch, der halbwegs bei Verstand ist, wird sich, zumindest in einigen, der Texte wiederfinden. Ich habe lange kein so wütendes Album mehr erlebt, dass sowohl musikalisch, als auch inhaltlich überzeugt. Note: 2+ East Side Daniel

Oi Polloi And Toxik Ephex – Mad As Fuck LP (01.11.2017)

(Mad ButcherRecords)
Wiederauflage des berüchtigten 30 Jahre alten Split-Releases der Schotten auf Green Vomit, dem T.E.-Label. Oi Polloi eröffnen mit wie bei ihnen üblich, recht hartem, an der Grenze zum atonalen 2nd wave Punk, wie man ihn seinerzeit auch auf Crass-Samplern häufig vorfand und mit denen sie sich auch inhaltlich ( Nazis,Veganismus,Anarchie,Staatsgewalt,Kapitalismus,Religion,Umweltverschmutzung…) identifizierten. An der Band scheiden sich schon ewig die Geister, ihr Hang zum Gälischen, ihre Haltung zu Israel, ihr Auftreten, der ewig andauernde Mitgliederwechsel…Oi polloi kommen eher daher wie ein Projekt als wie eine Band (ähnlich wie Crass) und diese Besessenheit, mit der mitunter zu Werke gegangen wird wirkt auf viele sicher befremdlich Trotzdem zeigt sich auch hier wieder, daß die Schotten schon beinahe exemplarisch stehen für das, was aus der ersten britischen Punk Explosion Anfang bis Mitte der 80er gewachsen ist…Kompromissloser, Verkaufsargumenten völlig abgewandter, auf Inhalte fixierter, zorniger Hardcore, der die eigenen Väter wie z.B. the Clash auf einmal wirken liess wie Bruce Springsteen. Toxic Ephex sind als Initiatoren, was die Musik angeht etwas umgänglicher und humoriger als ihre Mitstreiter, klingen zwischendurch einfach mehr nach 78 und Anti-Pasti, 999 oder den Cockney Rejects, inhaltlich ist man d`accord, linksaußen und wie bereits an anderer Stelle erwähnt über die Bullshit Detector Reihe bereits mit Crass bekannt. Von mir ne 2…tolle Platte
KAI

P.R.O.B.L.E.M.S. – Doomtown Shakes LP+DL Code/CD/digital (28.10.2017)

(Doomtwon Sounds/Rockstar Records)
Es kommt ja eher selten vor, dass einem eine Band die man nicht kennt beim ersten Hören sofort umhaut. Jedenfalls ist das bei mir so, aber diese Truppe aus Portland hat es definitiv geschafft mit ihrem Album. Das ganze erinnert mich stark an bekannte US HC-, Chaos Punk Bands wie: the Unseen, the Virus, Casualties, A Global Threat… und zig weitere Bands die in dieselbe Kerbe schlagen. Das Ganze ist hier aber teils viel rauer und rotziger und mit einer ordentlichen Portion schmutzigem Rock versehen. Die Instrumente versprühen einen Hauch von AC/DC und Mötley Crüe, den die oben genannten Bands vermissen lassen und das ganze unverkennbar, einzigartig und genial machen. Auch das Cover-Artwork trifft meinen Geschmack voll. Ich kann das Teil uneingeschränkt empfehlen. 1/Mark

The Retarded Rats – I Hate Chocolate Flexi Disc (26.10.2017)

(Killjoy Records)
Auf Flexidisc – an dieser Stelle schon mal eine Zensur rauf, für das wunderbar trashige Medium, was ja grundsätzlich auch gut passt zur Herangehensweise der Retarded Rats. Bereits an anderer Stelle besprochen mag ich diese DIY- Haltung (Killjoy ist wenn man so will das bandeigene Label) und die Art, aufzutreten, ich weiß den guten Geschmack (und auch den schlechten) zu schätzen, mag die trashigen videos auf youtube und das meiste, worauf sich R.T. Mit dem, was sie so tun beziehen aber mir ist das ganze „too far out“. Für Liebhaber trashigen Psychobillys mit Surfgitarren und stellenweise etwas emotionslosem Mädchengesang (haunted rollercoaster style mit viel Hall) ist das hier sicherlich eine gute Wahl – In Konkurrenz zu vergleichbarem wie z.B. Dipsomaniaxe sehe ich die Retarded Rats allerdings bei aller Sympathie musikalisch immer noch im Mittelfeld. Wobei „the head and the axe“ hier besser dasteht als das verhallte „survival“ der B-Seite. Von mir 3……Kai