Category Archives: Reviews J-R (Archiv)

PERDITION – Not just another Anthology Do-LP (15.02.2018)

(Power It Up, www.power-it-up.de)
Kennt sich jemand von Euch CRAZY UNITED Usern mit australischem Punk Rock aus? Klar, SHANDY sind beliebt, die HARD-ONS alt bekannt, aber bei den klassischen Punk Bands aus den 80er Jahren kommen vielleicht noch DEPRESSION und VICIOUS CIRCLE in Erinnerung. Selbstverständlich gab es eine ganze Reihe weitere gute Punk Bands in Australien, so z.B. PERDITION aus Adelaide. Diese Veröffentlichung hier ist nach VICIOUS CIRCLE die zweite australische Punk Band aus Australien, deren gesamter Vinyl Output als Doppel-LP Rerelease auf Power It Up Records aus Peine erscheint. Die Leute von PERDITION waren bei der Bandgründung 1983 bereits etwas älter und hatten seit Ende der 70er Jahren in diversen anderen Punk Bands gespielt. Sie waren damals schon so gut dass sie Ende 1983 als Vorband für die DEAD KENNEDYS in ihrer Heimatstadt Adelaide spielten. Durch Konzerte in Melbourne kamen sie mit den dortigen Bands wie DEPRESSION und VICIOUS CIRCLE zusammen, als auch mit Phill Macdougalls von REACTOR Records, der in der Folge alle PERDITION Platten veröffentlichte. Selbstverständlich hörten sich PERDITION durch die enge Anbindung an das Mutterland England genauso wie die typischen UK´82 Bands an, zumindest auf der ersten 7“ von 1984 und der LP „How to teach your Budgie to talk“ von 1985. In den späteren Jahren des Bandbestehens kamen dann auch mehr Einflüsse des Ami-Punk zum tragen. Die Doppel LP im quietschgelben Vinyl (passend zum Cover der „Budgie“-LP) kommt inklusive einem echt cool aufgemachten 16-seitigen Vollfarb-Booklet mit Liner-Notes von Sänger Mark Hayes, vielen Fotos, Flyern als auch Songtexten. Für Aussie-Punk Fans sicherlich ein geschmeidiger Genuss! Helge Schreiber

Ratzekahl – Haare ab CD (01.02.2018)

(labor101@web.de)
Als mir die Cd von Ratzekahl ins Haus geflattert kam, kam mir die Aufmachung direkt bekannt vor. CD in Vinyloptik in einer DVD Hülle, gezeichnetes Cover und limitierte Auflage. Hatte ich vor kurzem noch ein Review zu Grandmaster Jay mit dem Titel “Was soll maximal schiefgehen?“ zum Review, wird anhand des Einlagezettels klar das , es sich um eben jenen Künstler handelt der nun unter dem Namen Ratzekahl fungiert. Wieso, weshalb,warum steht im Einlagezettel beschrieben. Wie beim Vorgänger ist die Cd wieder limitiert, diesmal in 50er Auflage statt einhundert. Musikalisch geht es in die gleiche Kerbe wie der Vorgänger: rotziger Oi im 80er 90er Jahre mit gelegentlichen Offbeat Passagen. Ist der Vorgänger bei mir bis auf wenige Songs noch mit 4+ abgespeist worden, gefällt mir der Nachfolger doch etwas besser weg. Textlich dreht es sich wieder um Szene Themen wie beim Vorgänger aber weniger Stumpf. Meine Anspieltipps: Alltag, Ich hab dich satt, Wasserbomben.. wie gesagt im Gegensatz zum Vorgänger eine kleine Steigerung daher von mir die Note 3 Eddie Sharp

The Lower Orders – Street Justice 7″ EP (27.01.2018)

(Contra Records)
Was machen Hardcore Leute, die erwachsen werden? Richtig, sie gründen eine Streetpunk Band. So geschehen hier bei Leuten von Until the End und Kids like us. Zum ersten Mal wurde ich auf The Lower Orders aus Florida aufmerksam, als sie auf dem, leider verblichenen, großartigem Lionheart Records Label ihre erste Mini Lp veröffentlichten. Das muss so 2015 gewesen sein. Danach war es wieder still um die Band und jetzt kommt, überraschenderweise, bei Contra eine neue Single raus. Zum Glück kann ich nur sagen! Die Jungs hauen einem vier melodische, aber doch rauhe Songs um die Ohren, drei eigene und eine Coverversion von The Oppresseds „Ultraviolence“. Los geht es mit „No Place to go“, Midtempo Stomper über den Skinhead Way of Life mit vielen „Ohhhs“ im Refrain und sauberer Gitarrenarbeit. Guter Start, als nächstes kommt „Street Justice“ ein Anti Bullen Song. Super Refrain, fette Gangshouts, top Lied! Auf der B-Seite geht es mit „Friday Night“ weiter, typischer Bar/ Sauf Song. Wieder super catchy, singt man beim zweiten Mal definitv mit. Zum Abschluss dann das erwähnte Cover, welches auch gut gelungen ist. 1a Single, einer viel zu unbekannten Band. Ich hoffe, dass sich das ändert, die aktiver werden, möglichst schnell eine Lp nachschieben und am besten sofort auf Tour kommen. Cityrat Booking, übernehmen Sie! Schönes Splattervinyl und Texblatt dabei, so nebenbei. Glatte 1 mit dem Wunsch nach mehr. ROLAND

Kill Ritual – All Men Shall Fall CD (24.01.2018)

(Dissonance)
Beim lesen des Bandnamens und des Albumtitels bekomme ich Hoffnung, dass mich hier richtig  gute Musik erwartet. Vielleicht geiler Deathmetal oder etwas in die Grindcore Richtung? Also Musik angeschmissen und mal sehen was da kommt. Recht schnell weicht die anfängliche Euphorie Ernüchterung die sich durch sämtliche Songs zieht. Die Amis spielen eine Mischung aus Thrash- und Powermetal und bringen mit ALL MEN SHALL FALL ihr bereits viertes Album unters Volk. Mir gefällt diese Soundmischung und der  cleane Gesang aber leider überhaupt nicht. Fan dieser Band werde ich also in diesem Leben  nicht mehr. Allerdings hatte diese musikalische Erfahrung auch sein Gutes: Ich habe gelernt, dass man ein Buch nie nach seinem Einband beurteilen sollte. Oder in diesem Fall eine Band nach ihrem Namen. 4- /Mark

Rude Riot – Dishonor LP (22.01.2018)

(Anachromisn Records)
Das volle Hardcore-Oi! – Brett gibt es hier von Rude Riot aus Kiew (Ukraine): Mehrstimmiger, hymnischer Hass -Gesang im Chorus, wahnwitzige Gitarrenkapriolen und der ganze Auftritt erinnern ein wenig an die an anderer Stelle besprochenen „Brigadier“ aus St Petersburg. Klassenkampf, Arbeitertum, sozialer Verfall und die Unzufriedenheit mit den vorherrschenden Verhältnissen sind wieder mal die Kernthemen, um die es sich hier meistens dreht, wobei Rude Riot eher auf ihre martialischen Qualitäten setzen als auf catchy Hooklines oder ausgefallene Kompositionen. Was sie im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen im Geiste ein wenig vom klassischen Streetpunk entrückt ist, daß man sich bei aller Kompaktheit der einzelnen Stücke (im Durchschnitt zweieinhalb Minuten) doch fast immer noch Zeit für ein Solo läßt trotz aller aaahahaaas und oooohohooos…eher eine Platte für Slamdancer und Leute die gerne in der ersten Reihe stehen und mit hochgereckten Fäusten mitgröhlen während sie mit Bier herum spritzen, was ja auch ein Riesenspaß sein kann…Klar ist, daß man zukümftig wohl mit dem Osten rechnen muß, was Hardcore, Streetpunk und Oi! Angeht, denn auch Rude Riot liefern hier mehr als ordentlich ab und müssen sich keineswegs verstecken hinter europäischen oder amerikanischen Vorbildern auch wenn es hier keinen Originalitätspreis gibt. …..3+…….Kai

The Offenders – Heart of Glass CD/LP (20.01.2018)

(Destiny)
Einst in Bella Italia gegründet, seit 2009 als Neu-Berliner unterwegs. Das verspricht eine turbulente internationale Küche: Der Opener steht (wiegehabt in alter Tradition) deutsch auf der Karte („Wie geht’s“), wird dann doch auf englisch serviert. Babylonisches Sprachgewirr bleibt im Text außen vor, beschränkt sich vereinzelte Insider-Brocken („Kotti not L.A.“), die Verkehrssprache der Herren bleibt im Hauptfach auch auf Album # 7 angelsächsisch. Musikalisch dreht sich die Kompass-Nadel in Richtung Jamaica/UK: Turbulent-flotter Offbeat in Rude Boy-Spielart, partiell mit rockin’ Streetpunk verstärkt. Bekommt dadurch ordentlich Drive aka Schmackes, ohne die karibische Leichtfüßigkeit zu verlieren. 14 skanky Stimmungsaufheller gegen Winterdepression und Scheißwetter. Optisch sehr geschmackvoll in Old School/Seemanns-Flash gekleidet, als Bonus fahren die (X) OFFENDERS mit „Heart of glass“ gleich eine zweifache BLONDIE-Referenz an. PARADISE

OX # 135 (17.01.2018)

(www.ox-fanzine.de)
Halte nun also die 135 ausgabe des Ox- Fanzine in den Händen. Auf 146 Seiten gibt es wieder allerlei lesenswerte Interviews und Kolumnen. Wie man am Cover unschwer erkennen kann geht die Titelstory an Feine Sahne Fischfilet und das Interview ist wirklich lesenswert.  Auch die weiteren Interviews wie zum Bsp mit Buster Shuffle, den Donots, Brassterds, Übergang und Pott Riddim sind sehr interessant und lassen sich gut lesen. Gut gefallen hat mir das Interview mit Tamas Rupaszov, dem Bassisten und Gründer der (Progressive)Punkband Trottel aus Ungarn. Nach den Kolumnen und Interviews finden sich wieder mehr als 500 Reviews auf 43 Seiten. Alles in allem wieder sehr interessant zu Lesen das neue Ox… von mir gibts dafür die Note 2 Eddie Sharp

Operation Cherrytree – Scum and Honey CD (21.12.2017)

(Noizgate Records)
Schon beim Anblick des Covers bin ich etwas überrascht, bringe ich Noizgate Records doch mehr mit so quietschbunten Geschichten ala Groovenom in Verbindung. Das hier, kommt mit leichtem asientoucch im Florian Bertmer Style daher. Dafür verantwortlich ist Daniel Hofer, der einen sehr guten Job abgeliefert hat. Auf 12“ Format oder als Poster kommt das bestimmt super rüber. Auch soundmäßig sind Operation Cherrytree anders als das übliche Labelprogramm. Sind eher schwer einzuordnen. Da treffen Helmet Riffs auf Seattle Schwermut und paaren sich mit Georgia Swampsounds. Intensiv und interessant. Ich muss zugeben, ich habe das Review ewig vor mir hergeschoben, weil ich nicht wirklich wusste, was ich zu der Platte schreiben sollte. Los geht es mit dem verhaltenen, eher schüchternen „Nighthike in the Woods“, das sich aber immer weiter ins Gehör schraubt, je länger es dauert. Super Einstieg in die Platte. Viele Bands hätten so einen Song eher ans Ende gestellt, zum ausklingen lassen. Weiter geht es mit „The Dawn“, ähnlich intensiv wie das erste Stück, aber mit einer völlig anderen Atmosphäre. Eher dunkel und verzweifelt. Die Vocals pendeln zwischen flehend und wütend, die Gitarren schließen sich an.In „Generation Fear and the Rats“ dominieren verzerrte Vocals und ein gutes Laut/Leise Spiel der Instrumente. Muss irgendwie an die Black Label Society denken. Ähnlich geht es mir auch bei dem ruhigen „Colourful blind“. „Black is Back“ packt mich irgendwie überhaupt, durch den penetranten Chorus, ist es mir zu simpel gestrickt, schafft es aber auch, eine gewisse Spannung aufzubauen, aber eher ein Downer nach den ersten vier Bomben. „Kings and Crowns“ erscheint auch eher „poppig“, wenn man das bei der Band überhaupt sagen kann. „That is true“ wirkt ähnlich. Irgendwie macht die Platte in der Mitte eine Intensivitätspause. Die Spannung steigt aber spätestens bei „Blurring Shadow“ wieder an. „Minus Hero“ überrascht als Seventies Rocksong mit Bratgitarren und sehr variablen Vocals. Lockert die Platte gut auf, es wird wieder lauter. Bei „Today“ sind die Gitarren auch wieder druckvoller, ist der härteste Song von „Scum and Honey“. „Operation Cherrytree“(der Song) geht stimmungstechnisch wieder in Richtung „Nighthike in the Woods“ und gefällt mir auch deutlich besser als die Stücke zuvor. Es ist wieder ein eindringliches Stück, manchmal muss ich beim Gesang an Letten von Smoke Blow denken. Eh eine Band, die gut in den Zusammenhang mit Operation Cherrytree passt.Das abschliessende „The World is too fast“ ist ein gutes Outro, akustisch, leicht orchestral Zum runterkommen. Toller Song. Fazit: Sehr abwechslungsreiche Platte mit vielen tollen Ideen und Spannungsbögen, aber einem, für mich, zu gewöhnlichen Mittelteil. 2+ für die ersten vier und letzten zwei Songs, 3 für den Rest.ROLAND

Rooster Burns & The Stetson Revolting – Tales From The Pony Park CD/LP (14.12.2017)

(Mad Butcher Records)
Aus dem Raum Möchengladbach kommen Rooster Burns und seine Mannen herangaloppiert und servieren Punk,Ska,Metal,Hiphop,Vegas,Disco und anderes, ohnehin schon kurioses im Country-gewand. Wer bei dem Konzept an Boss Hoss denken muß liegt zwar nicht völlig daneben übersieht jedoch die geschmackvolle Songauswahl und unterschätzt die Truppe auch musikalisch. Die Tracks von Interpreten wie Fugazi ,Agaist me, Metallica, Specials, QOTSA, Beastie Boys, Patrick Hernandez! oder Sinatra mit Hilfe von Banjo, Steelgitarre, Kontrabass, Akkordeon und Fidel in Jeans, Chaps, Westernboots und unter besagte Stetsonhüte zu pressen ist im Ansatz schon recht verwegen gelingt hier aber anders als bei ihren bekannteren Kollegen hier sehr viel besser und ohne bereits nach dem zweiten oder dritten Stück an meinen Nerven zu zerren. Man versucht auch gar nicht erst, das alles radiotauglich oder massenkompatibel zu verpacken sondern zieht auf allen 16 Songs beinhart seinen Sporenstiefel durch. Und es funktioniert: Fugazis Waiting Room in einer veritablen Mariachi Version zu hören hätte ich nicht erwartet. Und schon gar nicht, daß es mir auch noch gefällt. Und die Specials in Gangsters mit einem Morricone Intro zu versehen hätte ich bis zu dieser Platte als blasphemisch empfunden. Jetzt weiß ich es besser. Von mir beinahe volle Punktzahl für dieses Kleinod. 2+…..Kai

Pisshit – Direkt Aus Ludwigsburg 12“ Vinyl+DLC (08.12.2017)

(www.facebook.com/wahregeschichtenorgelpunk)
Boah ey, was ist das denn für ein beschissener Bandname. Eine Nominierung für den „schlechtesten englischen Bandnamen einer deutschen Combo“ ist ihnen sicher und die Chance zu gewinnen stehen auch nicht schlecht. Da hatte ich spontan überhaupt keine Lust reinzuhören, geschweige denn meinen Senf dazu abzugeben. Doch ganz sooo schlimm kam es dann doch nicht, denn dieser Orgelpunk ist so schlecht, dass es fast schon wieder gut ist. Eines muss man PISSSHIT nämlich lassen, sie ziehen ihr Ding gnadenlos durch. Sie nehmen sich klassischen D-Punk und hauen ihn zusammen mit Polka, Orgel und ähnlichen Verbrechen. Raus kommt eine ganz obskure Uffta-Uffta-Mischung, die in Teilen an GLEICHLAUFSCHWANKUNG erinnert. Während andere Bands solche Momente aber nur dezent einsetzen, gibt es hier sechs Tracks am Stück. Das ist einfach zu viel und hält das stärkste Gehör nicht aus. Inhaltlich bleiben sie dem Stümperhaften treu, denn Kindergartenniveau erreicht man nur in Ausnahmefällen. Ich versuche abschließend mal die Texte in einem Satz zusammenzufassen: „Pinguine, die niemals duschen, aber rund und glücklich sind, weil alle nervigen Insekten verreckt sind, werden nie Straight Edge sein und man klaut ihnen sicherlich nicht das Fahrrad!“ Note: 4 East Side Daniel