Category Archives: Reviews J-R (Archiv)

Plastic Bomb #99 (21.06.2017)

(www.plastic-bomb.de)
Bei der “Nummer vor der 100” muss ich mich leider selbst aus meinem letzten Review zitieren: „Die Nummer 100 wird sicherlich gebührend gefeiert!? Angesichts dieser Tatsache habe ich das Gefühl, dass die Schreiberlinge sich momentan zurückhalten und ihr Pulver nicht verschießen wollen. Anders kann ich mir diese eher schwache Ausgabe nicht erklären.“ Auch dieses Mal beschleicht mich eben jenes Gefühl, denn wirklich richtig interessante bzw. überraschende Inhalte finde ich nicht. Das fängt schon bei INDIAN NIGHTMARE an, die zwar das Cover der Ausgabe zieren, auf die ich, trotz okayem Interview, kein Bock verspüre. ALARMSIGNAL werden mit einem Interview auf einer Seite abgefrühstückt, genauso wie EGOTRONIC. Da hätte man lieber an anderer Stelle kürzen sollen und den Sachen mehr Raum geben. Richtig gelungen hingegen finde ich das Interview mit BAMBIX. Von der Sorte hätten es ruhig mehr sein dürfen. Der Rest von Nummer 99 hat zwar noch einiges in petto, wie z. B. LOVE A und RUMMELSNUFF, bleibt aber hinter im Vergleich zu früheren Ausgaben blass. Ich bin auf die nächste BOMBE gespannt, die wird hoffentlich richtig fett. Note: 3- East Side Daniel

Pennysurfers – No Heroes CD (20.06.2017)

(www.facebook.com/pennysurfers)
Unter falscher Flagge unterwegs, der Bandname irritiert zunächst: Die PENNYSURFERS aus Berwangen/Landkreis Heilbronn haben mit Surf nichts am Hut, vermutlich handelt es sich nur um einen wortwitzigen PENNYWISE-Tribute. Im Bandinfo warnt man vor: „Wir mögen Beck’s, Millencolin und Frauen, die Beck’s und Millencolin mögen…“. Und hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen: Sowohl MILLENCOLLIN als auch BECK’S stehen in ihrem Genre für 1A Beliebigkeit. La la la, gluck, gluck.Tut nicht weh, nervt manchmal leicht, stört aber selten. Schnurzbeliebiger, kuschelweichgespülter 90’s Melody Punk Rock mit Gute Laune-Vorsatz: 1000x gehört, 1000x ist nichts passiert. Version BECK’S GOLD: Trinkt man so über den (Sommer-) Tag hinweg, läuft gut durch ohne Spuren zu hinterlassen. Kein Kater am Morgen, aber auch kein Rausch am Abend. 15 Songs mit englischem Text über „Drink alone in underwear“, „No talent“, „Leslie Nielsen“, „Naked anyway“ etc. Perfekt für Frauen, die BECK’S trinken und gern MILLENCOLLIN hören. Und ein Herz für alleintrinkende Herren in Unterwäsche haben. Fazit: Nett, wirklich nett. Oder „Brutal nett“, wie man in Heilbronn sagt. PARADISE

Johnny Reggae Rub Foundation – No Bam Bam LP (15.06.2017)

(Pork Pie / www.porkpieska.com)
Oldschool Ska,Reggae und Rocksteadybeats allererster Güte kommen mit der Johnny Reggae Rub Foundation aus dem Raum Köln daher und nachdem ich diese extrem auf drei!!! Protagonisten abgespeckte Skaband live sehen durfte, war die Erwartung ans Album schon recht hoch. Ich wurde nicht enttäuscht. Zunächst mal zur Besetzung: Chrissy Reggae, Organistin und Sängerin, sehr angenehmer Gesang (ein wenig an Althea and Donna erinnernd) und richtig großartige Orgelsounds (nicht dieser Kirmesscheiss, den viele an dieser Stelle anbieten) Rollo Teng am Kontrabass sieht auf der Bühne nicht nur gut aus, sondern bedient sowohl das Konzept der Band als auch sein Instrument nahezu perfekt. Johnny Reggae, der Jobkiller der Truppe beängstigt mit Gesang, Gitarre und Schlagzeug gleichzeitig – und das macht er, wie an dieser Stelle nicht anders zu erwarten formvollendet. Musikalisch ist das Ganze vom Style her am ehesten im secondwaveska der späten 70er anzusiedeln .Alles sehr traditionalistisch, entspannt und tight. Also eher Arthur Kay oder später die Valkyrians als Z.B. Skaos oder wohlmöglich El Bosso…Produziert von Victor Rice, (Pietasters, Slackers, Adjusters) konnte hier am Ende aber auch kaum vergleichsweise Unausgegorenes heraus kommen – auch hier: der berühmte „lucky strike“. 12 Stücke, keine einzige schlechte Nummer dabei, die perfekte Sommerplatte für Leute die mit den Aggrolites u. ä. was anfangen können. Und da die JRRF auch noch die Stirn hatte, vor dieser Lp einige meiner Lieblingspunksongs in ihrem unnachahmlichen Stil zu veröffentlichen (Punk! EP) bleibt gar nichts mehr als zu sagen: 1…..weiter so….KAI

Los Fastidios – The Sound of Revolution CD (09.06.2017)

(KOB Records)
Los Fastidios kommen hier mit ihrem 8en Album wie üblich Vollgas gegen Politik,Establishment und Dumpfbackentum allerortens daher und machen die Welt wieder ein wenig besser. Streetpunk und Ska sind hier die bereits bewährten, vorherrschenden Methoden um die Menschheit wieder einmal vor sich selbst zu retten. Und dieses mal sogar dreisprachig: englisch, französisch und natürlich wie üblich auf italienisch. Dieses mal unterstützt durch Gastbläser von Skassapunka und Francesco „De Veggent“ (RedSka) am Keyboard präsentiert sich auch hier ein launiges Potpourri aus neu interpretiertem ( Clandestino-Manu Chao), Traditionellem (postcard from the 90s), Singalong (sound of revolution) und der üblichen vollen Packung (no borders, no walls)…also fast alles wie immer…Die Band hat ohnehin eine recht fette Fanbase, sooo vieler Worte bedarf es an dieser Stelle vermutlich ohnehin nicht – spätestens seit antifa hooligan weiß eigentlich jeder, wo die Reise hingeht bei den Fastidios und auch hier dreht sich inhaltlich alles deutlich links herum. Bonbon der Platte dürfte wohl das Specials/Cock Sparrer Medley sein…schon von der Idee her ein Höhepunkt…Für mich persönlich bisher das schlüssigste aller Fastidios Alben, auch wenn die Band musikalisch immer eher zweite Liga war – trotz des Herzens am richtigen, nicht rechten Fleck ist das hier auf jeden Fall 2……….Kai

 

Radarmen – same 7`EP ltd 500 copies (05.06.2017)

(Killjoy Rec.)
Debutveröffentlichung der spaceagesurfpsych`n punkabilly kapelle aus L.A. . Vier mal das volle Brett für Freunde des schnellen, ursprünglichen Psychobillys, wie man ihn z.B. von den Grims aus Mexico kennt. Klingt wie ein Soundtrack zu einer Hersh Gordon/Russ Meyer/Ed Wood Dokumentation…alles uptempo in klassischer Besetzung…Gitarre,Schlagzeug, Kontrasbass…insgesamt ist da noch ein wenig Luft nach oben bei der Produktion aber ich bin in jedem Fall gespannt aufs Album…3+….Kai

Paranoya – Dämonen Vinyl EP (26.05.2017)

(www.facebook.com/Paranoyapunk)
Ganze zwei Jahre ist es jetzt her, seit ich mich mit ihrem letzten Album „Fragmente“ beschäftigt habe. Damals kam die Scheibe relativ gut bei mir weg, aber ich muss gestehen, dass ich sie seither nicht mehr aus dem CD-Regal genommen habe. Die aktuelle Single bot aber den perfekten Anlass, dies nachzuholen und was soll ich sagen, meiner damaligen Einschätzung pflichte ich heute immer noch bei. Umso mehr war ich auf diese Single gespannt, denn wenn einer Band auf Albumlänge etwas die Luft ausgeht, haut sie einen bei zwei Tracks meistens vom Hocker. Das packen PARANOYA zwar nicht ganz, aber sie machen eine mehr als gute Figur. „Dämonen“ und „End///lich“ sind zwei interessante Tracks geworden, die von ihren abwechslungsreichen Elementen leben und die Band von einer neuen Seite zeigen. Zum klassischen Deutschpunk packen die Jungs noch etwas Western und Surf und schaffen es, zumindest dem Titeltrack, einen mysteriösen Anstrich zu verleihen. Hier kann man behaupten, dass sich die Band weiterentwickelt hat und das zu ihrem Vorteil. Einzig dem Cover kann ich so gar nichts abgewinnen – da gab es schon bedeutend bessere „Dämonen“-Bilder. Sehr angenehm überrascht war ich hingegen von den Melodien, die bereits nach Runde eins auf dem Plattenteller im Ohr hängen blieben. Die „Dämonen“-Single von PARANOYA ist ein schönes Stück (Deutsch)Punk, mit zwei überzeugenden Songs und darf durchaus gekauft werden. Note: 2- East Side Daniel

Mammoth Mammoth – Mount the Mountain CD (21.05.2017)

(Napalm Records)
Australien und gute Rockmusik haben schon immer zusammengepasstm sei es der Prototyp AC/DC, Rose Tattoo oder neuere Bands wie Blacklist oder Airbourne. Mammoth Mammoth kommen auch von Down Under und passen mit ihrer vierten Platte ganz gut in diese Liste. Geboten wird High Energy Rock n Roll der Peter Pan Speedrock Schule, der jedoch nicht nur auf Volllgas setzt, sondern desöfteren starke Abbiegungen Richtung Stoner- und Siebzigerrock macht. Das verspricht Abwechslung und Flexibilität. Nichtsdestotrotz gefällt mir die Band doch am besten, wenn sie das Tempo wie in „Hard Way down“ etwas anziehen. Aber überwiegend regiert hier Midtempo mit rhytmischen Hymnen. Ich muss manchmal an die Spätphase der Donnas denken. Hits schreiben können die Jungs auf jeden Fall, „Spellbound“ oder „Kickin my Dog“ beweisen das. Dazu kommt dann noch ein schönes Retro Cover mit einer halbnackten Ollen drauf und eine knarzige Produktion und schon hat man eine grundsolide Platte. Das ist Ding ist kein Straßenfeger, aber macht Durst. Fans der Hellacopters, PPSR oder auch Fu Manchu dürfen ein Ohr riskieren.3+ ROLAND

Mobina Galore – Feeling Disconnected CD/LP inkl. DL (16.05.2017)

(Gunner Records)
Zehn Songs füllen das nun mehr zweite Album, der zwei Frauen Kapelle aus Kanada. Ja ihr lest richtig die Band besteht nur aus zwei Personen, einmal Schlagzeug und einmal Gitarre /Gesang. Das erstaunliche ist, man hört es kaum raus. Das einzige was mir beim ersten hören ein wenig gefehlt hat, sind Solos oder auch Melodien gewesen, die sucht man hier nämlich vergebens. Aber das macht gar nichts, dieses Album glänzt durch Schlichtheit in der Produktion, aber glänzt durch den sehr im Vordergrund stehenden Gesang. Irgendwo ein zu ordnen zwischen den alten DIE HAPPY und THE DISTILLERS Sachen, knallt das hier doch gut. Trotz der fehlenden Melodien, wird dieses Werk alles andere als langweilig. Da der Gesang sehr schön abwechslungsreich ist, lenkt das gut ab und man bekommt es auch gar nicht so mit. Wer Bock auf Punkrock, mit Femalevocals hat, sollte sich das hier mal antun. Lohnen wird es sich auf jeden Fall. Die Schlichtheit weiß hier zu überzeugen. Note: 2 David

OX #131 (11.05.2017)

(www.ox-fanzine.de)
Der Chef im Ring markiert auch mit Nummer # 131 sein Terrain mit dickem Strahl. 10 ATÜ in Form von Interviews, Reviews, Kolumnen, Rezepte, Bildmaterial. 146 dicht bedruckte Seiten, geballte „Punkrock-Kunst-Hardcore“-Lektüre. Sehr gekonnter Spagat zwischen Retro und Moderne, frei nach der „Jedem Tierchen sein Plaisierchen-Maxime“. Im Punk/HC-Sektor ist das OX hierzulade scheinbar unbesiegbar, die Mixtur aus Fanzine (Passion) und Magazin (Professionalität) ist auch weiterhin ein Platzhirsch-Garant. Aufmacher/Titelstory ging diesmal an die SLEAFORD MODS, das heiß abgefeierte NBT im „coolen Underground“, bei den richtigen Checkern. Musikalisch eine recht schräge Kiste, garantiert nicht Jedermanns-Sache (dafür mit erstaunlicher 08/15 Hipster-Fanbase/Breitenwirkung): THE FALL 2.0. mit Tourette-Syndrome und PRODIGY-Beats, Mark E. Smith als stotterndes MG im „Fuck“-Modus. SLEAFORD MODS kann man alternativ auch lesen. Lesen ist fast noch besser. Was Jason Williamson in diversen Interviews von sich gibt, ist progessiver und rebellischer als der verbale Output des kompletten REBELLION Line-Ups. Und vor allem lesenswerter. Ohne Posterboy Bonus: Die gruselige Trainspotting-Optik und strafbare Frise der MODS läßt gestylte Wannabe-Abziehbilder ganz klar am Bordstein zurück. Und da Mods bekanntlich die Abkürzung für Modernists ist, geht auch der Bandname in Ordnung. Denn Modernists sind die SLEAFORD MODS definitiv. Ebenfalls im OX vertreten: Die reanimierten HAMMERHEAD, BOOZE & GLORY („Multikulti-OI“), der zweite Teil des Kid Congo Powers (GUN CLUB, CRAMPS)-Specials, PROTEX, CHEFDENKER („Hommage an Dosenbier“), Trommelwunder Dave Lombardo, BEACHHEADS, DANKO JONES und weitere 200 (?) Verdächtige. PARADISE

Life of Agony – A Place Where There´s No More Pain CD (09.05.2017)

(Napalm Records)
Es gibt so Bands, da freut man sich auf eine neu Scheibe, weiss aber im Vorraus, dass man definitv enttäuscht werden wird. Life of Agony sind so eine Band. Anfang der Neunziger haben sie mit ihrem Debut „River runs red“ einen absoluten Klassiker veröffentlicht, an dem sich seither alle folgenden Releases messen lassen müssen. Während „River runs red“ noch New York Hardcore ala Biohazard bot, entwickelte sich die Band im Anschluss immer weiter in melodischere, poppigere Gefilde. Das war zwar gute Musik, aber die Fans wollten immer eine Fortsetzung des Debuts hören. Life of Agony machten dann irgendwann Pause, in der Sänger Keith Caputo zu Mina Caputo switchte, begannen dann vor ein paar Jahren wieder Shows zu spielen, die wirklich grandios waren. Ich habe die Band seit ihrer Wiederkehr drei oder vier Mal gesehen und es war immer ein Abriß. 2016 kam dann die Nachricht, dass die Band ein neues Album veröffentlichen wollte. Meine Vorfreude war immens und nach den Liveeindrücken auch etwas Hoffnung da, dass die drei Jungs und das Mädel sich etwas an ihrem Debut orientieren würden. Soweit das Vorspiel, jetzt ist“A Place where there`s no Pain“ veröffentlicht und mit grossem Enthusiasmus gehe ich ans Werk. Erster Eindruck, mäh, lahmarschiger Radiorock. Aber ich will ja fair sein, also folgen Durchlauf zwei bis zwanzig, allerdings ändert sich der Ersteindruck nicht wirklich. Das Ganze wirkt halbherzig und unentschieden. Die teilweise guten, doomigen Riffs sind nicht schwer genug, den Gitarren fehlt jegliche Heaviness, für mich klingt zu sehr nach einer Band wie Stone Temple Pilots oder so. Der Titeltrack und „World gone mad“ orientieren sich etwas an „Weeds“ vom „Soul searching Sun“ Album, was schon mal gut ist und beide sind auch so was wie die Hits der Scheibe. Dazu kommt noch „Bag of Bones“, ein schwermütigerer Song mit gutem Refrain und „Song for the Abused“ ein emotionaler Song, der bei mir etwas „Ugly“ Stimmung aufkommen lässt. Mein Favorit ist aber „A new Low“, ist der flotteste Song der Scheibe und kommt vom Aufbau einem „River runs red“ Song am nähesten. Tolle laut/ leise und schnell/ langsam Wechsel, alles gut auf den Punkt gebracht. Minas Gesang ist ein Pluspunkt, die gibt sich Mühe und kommt gut emotional rüber.Tja, Fazit? Durchwachsene Scheibe, wird kein Klassiker werden und bei mir auch nicht so häufig laufen. Hat aber seine Momente. Ich bleibe neutral und schaue mir die Band lieber nochmal auf der Bühne an. Da ist sie richtig stark und entfaltet ihre Möglichkeiten.3 ROLAND