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Category Archives: Reviews J-R (Archiv)

Kreftich – niemals stumm CD (01.12.2018)

(Weird Sounds & SN Punx)
KREFTICH gehören mittlerweile auch zum älteren Semester. Das letzte Album „Bis hierhin und dann weiter“ fand ich damals richtig gut und auch „Niemals stumm“ kann über weite Strecken überzeugen. So ganz kommt es allerdings nicht an seinen Vorgänger ran, obwohl einige Songs durchaus Potential haben. Dem flotten Punkrock bleiben sie ebenso treu, wie ihrer Leidenschaft verschiedene musikalische Einflüsse zu nutzen und kleine Experimente zu wagen. So gibt es gleich zu Beginn bei „Gegenwind“ eine schöne Portion Ska, die das Tanzbein zum Schwingen bringt, und später mit „Am Rhein“ auch mal ruhigere Töne. Langweilig wird es hier jedenfalls nicht. Inhaltlich bewegen sich die Jungs zwischen lustig und nachdenklich, was eine sehr schöne Mischung ergibt. Im Vergleich zu den älteren Sachen sind sie politischer geworden, was in den heutigen Zeiten wichtiger ist denn je. Wenn man allerdings die ernsten Seiten besingt, darf man auf keinen Fall das Feiern vergessen, ansonsten würde man ja depressiv werden. Mit „Niemals stumm“ liefern KREFTICH ein gutes, abwechslungsreiches und politisches Punkrockalbum ab. Fans der Band müssen dieses Album kaufen und alle anderen dürfen auch gern mal reinhören. Note: 2- East Side Daniel

Macsat – Badaboom LP/CD/MC & DL) (13.11.2018)

(Ring of Fire Records / www.rof-records.com)
Follow up zum 2017 erschienenen Debut „Schnaps und Liebe“…Wieder üppig ausgestattet in der Luxus 180g Vinyl Edition, wieder ein Haufen illustrer Gäste (diesmal Chad Price von All, Gunnar Schröder von Dritte Wahl, Siggi Katlewski von Eisenpimmel, Dr Ring Ding, Lukas Sherley von the Movement und viele andere,wieder ein Potpoury aus Ska, Reggae, Punk und…sic…(Deutsch-)Rock, wieder is das alles auf den ersten Blick erstmal grosses Kino, super produziert und wie schon beim Vorgänger hört man bei jedem Track mehr als deutlich, dass man es nicht mit irgendwelchen Muckern zu tun hat. Trotzdem werde ich wie schon bei „Schnaps und Liebe“ das Gefühl nicht los, daß die Band im direkten Vergleich zu ihren Musen und Mitstreitern ein wenig hilflos daher kommt und sich schwer tut, so was wie Persönlichkeit zu entwickeln. Statt dessen jede Menge Popzitate aus den 90ern in denen die meisten Protagonisten der Truppe wohl musikalisch sozialisiert wurden. Natürlich kann man hier Styles wie z.B. den von Sublime gut bedienen…aber 20 Jahre später aus der Mittelstandsperspektive in Münster und teilweise auf deutsch (wobei es immer noch ein wenig mangelt an wirklich respektablem Songwriting) ist das einfach ne andere Hausnummer. Losgelöst von der Frage nach der Credibility steckt die Platte wie auch schon ihr Vorgänger voller großer Momente, einfach weil man es mit einem Konglomerat beflissener Musiker zu tun bekommt, die den Geist dessen, was sie da machen mit jeder Faser bedienen können, auch wenn die Texte manchmal dafür sorgen, daß man sich den Kopf am Türbalken blutig schlagen möchte….(ich bin das Humba, Humba, Du das Täterräää)…in der Summe für mich immer noch zu viel von allem…Das Cover von „Freundin“ (Aeronauten und Gus) zeigt hier im Vergleich zum eigenen Material auch nochmal auf, wie sehr es mangelt an identitätsstiftenden Inhalten, wenn die Version, die hier ab der zweiten Strophe ordentlich durch den Wolf gedreht wird auch ordentlich abbildet, wie sehr man bemüht ist es allen Recht zu machen…Macsat ist für mich eine dieser Bands die man eigentlich mögen möchte, die aber zu viele Kompromisse machen…Besser als der Vorgänger, sicher auch kein rausgeworfenes Geld für das Album aber für mich auch nach mehrmaligem Hören nix was wirklich hängen bleibt sondern mich eher an Anderes erinnert….Trotzdem isses objektiv mindestens 2-….so lange Wolfgang Petry versucht Jazzplatten zu machen……Kai

Reuze – Shut Up And Learn To Walk CD (10.11.2018)

(Calyra)
Zweiter Longplayer einer Kapelle aus Halle/Saale mit unkonventionellem Namen und 10 Songs, englisch besungen. Recht wuchtiger Metal-Punk oder Punk-Metal, je nach Preferenz. Klingt größtenteils schwer nach MOTÖRHEAD meets SEPULTURA, partiell aufgehübscht mit einer grimmigen D-Beat Kante bzw. schön rockigen Nummern wie „Love this body“. Hochprofessionell eingezimmert: Hier sind langjährige Musikanten (ex-VLU DRAKH, HEADLESS HORSEMEN, BARRACUDAS etc.) mit reichlich Studio-Erfahrung am Werk, das ist verdammt deutlich zu hören. Runde Sache…Für Freunde dieses Genres definitiv eine Empfehlung. PARADISE

OX # 140 (08.11.2018)

(www.ox-fanzine.de)
Die Solinger Fleißaufgabe geht in die 140. Runde. Oha! Michael „Moses“ Arndt, das ZAP-Rumpelstilzchen von der Saar, wird bei dem Gedanken, das der alte Hate-Spezi „Manfred“ Hiller so unermüdlich auf seinem Posten verbleibt, vermutlich in sein Piercing MG (Typ AK 47) beissen. Gut so! Auf 162 eng-bedruckten Seiten gibt es ein angenehm tiefsinniges Gespräch mit Tony/ADOLESCENTS, historische Abrisse über Gutze Gautschi und BLUT & EISEN, aus der TAZ (!) wurde ein Bericht über Gilles Bertin (CAMERA SILENS) übernommen, das RAMONES-MUSEUM schreibt ein Buch, Vielfalt mit Philipp Boa und THERAPY, Klaus N. Frick setzt seine literarische Endlos-Schleife (einst im ZAP gestartet) unermüdlich fort und und und. Garniert von leckeren Rezepten, zahllosen Reviews ((„Ihre Zahl sei Legion“) von allen Formaten (Vinyl, Buch, Fanzine, DVD etc.), Anzeigen, Kolumnen etc. Die kurzzeitige Oi! Schlagseite wurde korrigiert (frei nach Muir: Sebi out, Triebi in), ansonsten hält man weiterhin stramm Kurs. Weiter so! PARADISE

The Lads – Counterculture CD (06.11.2018)

(Contra Records)
Lads aus Süddeutschland, ich schätze Freiburg. Zum einen findet man am Gesang Konne, der neben den Lads das Heroin Zine rausbringt. Weitere Hinweise deuten auf das Gewohnheitstrinker Shirt und zusätzlich prangert das Logo vom Walfisch aufm Cover. Wer Weichspüler Pop Oi! erwartet, wird hier absolut keine Freude haben. Ganz im Gegenteil, aggressiver und absolut rauer Sound. Der Bass ist extrem tief gestimmt, dazu verzerrte Gitarren und ein kehlig kratziger Gesang. Real Skinhead Sound von der Straße, der keine Gefangenen macht. Ähnlicher Sound machten vor Jahren Blank Generation mit einem kleinen Schuss Voice aus Berlin. In diesem Sinne „To Make Skinhead Great Again“ laut Booklet. -nasty-

LAK – …..nichts eingebüßt CD (22.10.2018)

(www.facebook.com/L.A.K.LustAufKunst)
LAK haben mittlerweile schon ein ganz paar Jahre auf dem Buckel und sind auch nicht mehr die allerjüngsten. Manche Bands verlieren im Laufe der Zeit an Energie, Kreativität und dem Spaß an der Freude, nicht so bei LAK. Auf „…nichts eingebüßt“ klingen die Jungs immer noch frisch, unverbraucht und mitreißend. Klar ist ihr rumpliger Deutschpunksound aus Anfangstagen immer rockiger geworden, was ihnen aber gut zu Gesicht steht. Die Soundqualität lässt kaum Wünsche offen und sorgt für ein ordentliches Brett, das aus den Boxen dröhnt – schnörkelloser, druckvoller Punkrock der besseren Sorte! Zu sagen haben LAK auch immer noch eine ganze Menge und beschäftigen sich mit verschiedensten Themen, angefangen bei politischen Problemen bis hin zu persönlichen Inhalten, ist alles dabei. Dabei kommen sie ganz ohne klischeehafte Formulierungen aus und man kann ohne Fremdschämen mitsingen. Das Beste an der neuen Platte sind definitiv die Melodien. Keines ihrer bisherigen Alben konnte mit so vielen echt geilen Ohrwürmern aufwarten. Hier gibt es keine Ausfälle. „…nichts eingebüßt“ ist ein richtig, richtig gutes Punkrockalbum und dafür gibt es von mir eine ganz klare Kaufempfehlung. Jeder, der auf gut gemachten deutschen Punkrock steht, muss hier reinhören! Alle Vinyl-Freunde sollten sich beeilen, die farbige Variante ist bei der Band bereits ausverkauft. Note: 2+ East Side Daniel

Kronstadt Mini LP (13.10.2018)

(UVPR – France)
Und schon wieder eine neue Franzosen Band wird der geneigte Hörer fragen. „Jawoll!“ ist die Antwort. Und sogar ohne Saxophon. Ernsthaft, Kronstadt aus Lille reihen sich nahtlos in die Reihe der neuen Generation französischer Bands wie Coupe Gorge, Syndrome 81 oder den ganzen Parisern aus der Lions Law Blase ein. Eventuell etwas weniger Oi! lastig und auch etwas melodiöser, aber keinen Deut schlechter. Songs wie „Un Seul Sens“ oder „Exil“ sind schon stark. Alles überwiegend im Midtempo gehalten mit leichten Wave Einschlag in der Gitarre, Texte für mich Banausen natürlich unverständlich, aber Spaß macht das Teil auf jeden Fall. Acht Songs, kein Durchhänger. Mehr muss man dazu nicht sagen. Passt. 2- ROLAND

Night Birds – Roll Credits CD (10.10.2018)

(Fat Wreck Chords)
Pünktlich zum 10-jährigen gibt es ein neues 8 Song „Mini“ Album der Jungs aus New Jersey. Als Gast hat man sich Jerry A von Poison Idea ins Studio geholt und Gründungsmitglied Mike Hunchback ist ebenfalls wieder an Board. Roll Credits läuft seit einigen Tagen aufm Weg zur Arbeit rauf und runter, OK ich hab nur ca. 10 min aber egal. Nights Birds machen genau dort weiter, wo vor 3 Jahren ihr letztes Album „Munity At Muscle Beach“ aufgehört hat. Eine verdammt dreckige Mischung aus in die Fresse Punkrock mit Surf Einschlag. Mal etwas surfiger um gleich im nächsten Song wieder mit viel Melodie und Abwechslung durchzustarten, keine Pause zum Luft holen. Genau so MUSS Punkrock klingen. Übrigens gibt es Roll Credits noch als schicke 4*7Inch Box mit den einzelnen Covern, die man auf der CD findet – warum bekommt man diese eigentlich nicht zum besprechen ?… kaufen! -nasty-

Notgemeinschaft Peter Pan – s/t LP / Tape

(Kidnap Music, RilRec, Bike Records)
Endlich habe ich auch eine NOTGEMEINSCHAFT PETER PAN Platte. Bisher las ich von den Jungs nur den etwas sperrigen Bandnamen und lauschte ein paar Tracks auf diversen Samplern. Und obwohl ich es mir schon sooo oft vorgenommen habe, gekauft habe ich mir bisher noch keine Scheibe. Nachdem ich nun ihr selbstbetiteltes drittes Album rauf und runter höre, steht fest, ich brauch auch die alten Sachen. Mittlerweile auf ein Trio geschrumpft, haut die Band insgesamt 13 Songs in 31 Minuten raus. So muss Punkrock sein, kurz, knackig und immer auf der Überholspur. Ordentlich druckvoll, etwas schrammelig und schön rotzig klingt NOTGEMEINSCHAFT und zeigt, dass deutscher Punkrock noch Relevanz besitzt. Wenn es mehr solcher Bands geben würde, könnte man den Begriff Deutschpunk wiederbeleben – positiv beladen. Auch wenn nicht jeder Ton sitzt und der Gesang manchmal schief ist – scheiß drauf, klingt trotzdem super. Darüber hinaus haben die Jungs auch textlich einiges zu sagen und beschäftigen sich auf angenehm klischeefreie Art mit Helikoptereltern, Szeneaktivisten, der kränkelnden Gesellschaft etc. Hier bekommt man ein tolles (Deutsch-)Punkrock-Rundumsorglos-Paket, das gern gekauft werden kann. Note: 2+ East Side Daniel

Mein Kopf ist ein Brutaler Ort – Selbstmitleitkultur CD (26.09.2018)

(Timezone Records)
Mein Kopf ist leider kein brutaler Ort und daher bereitet mir die Musik auch Schmerzen. Eine Dreiviertelstunde Metalcoregeballer halte ich einfach nicht aus. „Selbstmitleidkultur“ ist aber genau das, 10 kompromisslose Songs, die wie eine Naturgewalt aus den Boxen dröhnen. Fette Gitarren, dröhnender Bass, treibendes Schlagzeug und ein Gesang, der eher gebrüllt als gesungen daherkommt. Inhaltlich (glücklicherweise gibt es ein Booklet) dreschen die Jungs aber keine hohlen Phrasen und man kann sich durchaus mit den Texten beschäftigen. Ob das hier schlussendlich guter oder schlechter Metalcore ist, kann ich leider nicht beurteilen. Wer auf derartiges Geknüppel steht, kann es ja selber rausfinden. Note: 5 East Side Daniel